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Full text of "Beiträge zur Paläontologie und Geologie Österreich-Ungarns und des Orients : Mitteilungen des Geologischen und Paläontologischen Institutes der Universität Wien"

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HARVARD UNIVERSITY. 


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MUSEUM OF COMPARATIVE ZOÖLOGY. 


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BEITRÄGE 


ZUR 


PALAONTOLOGIE un GEOLOGIE 


ÖSTERREICH-UNGARNS uno bes ORIENTS. 


MITTEILUNGEN 
DES 
GEOLOGISCHEN UND PALÄONTOLOGISCHEN INSTITUTES 
DER UNIVERSITAT WIEN 
HERAUSGEGEBEN 
MIT UNTERSTÜTZUNG DES HOHEN K.K, MINISTERIUMS FÜR KULTUS UND UNTERRICHT 
von 
VICTOR UHLIG, CARL DIENER, 
PROF. DER GEOLOGIE PROF. DER PALÄONTOLOGIE 
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G. von ARTHABER, 


PRIVATDOZ. DER PALÄONTOLOGIE. 


BAND XV. 


MIT 22 TAFELN UND 33 TEXTABBILDUNGEN. 


# WIEN unD LEIPZIG. 


WILHELM BRAUMÜLLER 
K. U. K. HOF- UND UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER 


1905. 


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Heft I und II. 
(August 1905). 
Dr. Karl Deninger: Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation (mit Tafel I—IV). 
Ernst Stromer: Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten (mit Tafel 
MD) EEE NEE EN a m 
Dr. M. Remes: Nachträge zur Fauna von Stramberg VI. (mit Tafel VII) : 
Lothar Krumbeck: Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes (mit Tat. 
VII— XIV) 


Heft III und IV. 
(November 1905). 


Ernst Stromer: Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten (mit TafelXV u. XVI) 

Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger: Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salz- 
low (aa: Tesiell FEW incl io Nelken). & 5 0 0 a 0 8 0 KR 

Dr. ©. Reche: Über eine neue Equidenart aus der Pampasformation (mit Tafel XXII und 
14 Textabbildungen) . 


Redigiert von Prof. V. Uhlig. 


Die Autoren sind allein für Form und Inhalt der Aufsätze verantwortlich. 


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65 — 162 
163— 192 
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GEOLOGISCHEN UND PALÄONTOLOGISCHEN. INSTITUTES 
- DER UNIVERSITÄT WIEN 
| HERAUSGEGEBEN 


“MER UNTERSTÜTZUNG DES HOHEN K. K. MINISTERIUMS FÜR KULTUS-UND UNTERRICHT 


VON 2 
VICTOR UHLIG, CARL DIENER, 
PROF. DER GEOLOGIE PROF. DER PALÄONTOLOGIE 
UND 


G. von ARTHABER, 


PRIVATDOZ. DER PALÄONTOLOGIE. 


BAND XV. 


HEFT: E UND I, MIT (6 TAFELN. 


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WILHELM BRAUMÜLLER 


'K. U. K.. HOF- UND UNIVERSITÄTS-BUCHHÄNDLER,. 


1905. 


DIE GASTROPODEN DER SÄCHSISCHEN KREIDEFORMATION 


von 
Dr. Karl Deninger. 


(Mit 4 Tafeln.) 


Mitteilung aus dem königl. mineralogisch-geologischen Museum in Dresden. 


Im Jahre 1875 hat Hans Bruno Geinitz seine Erforschung der sächsischen Kreideformation mit 
dem Werke »Das Elbtalgebirge in Sachsen« abgeschlossen. Die Arbeit stützt sich auf das reichhaltige 
Material, welches Geinitz iım Laufe seiner langjährigen Tätigkeit für das kgl. Mineralog. Museum in Dres- 
den gesammelt hat. Daß diesem verdienstvollen Werke eine Anzahl von Mängeln anhaften, dürfte den 
meisten Fachgenossen bekannt sein. Es fand deshalb bereits vor einigen Jahren eine Neubearbeitung der 
Ammoniten der sächsischen Kreide durch Petrascheck statt. Auf diesem Gebiet hatte sehr zahlreiches in den 
letzten Jahren gesammeltes neue Material eine Neubearbeitung besonders wünschenswert erscheinen lassen. 
Für die Gastropoden liegt der Fall etwas anders. 

Was an neuem Material dieser Tierklasse seit der Veröffentlichung des »Elbtalgebirges« zum Vor- 
schein gekommen ist, kann sich mit dem in diesem Werke bereits verarbeiteten durchaus nicht messen. 
Ganz besonders gilt dies von den Gastropoden des Cenomans. Die Fundpunkte, an denen in früheren 
Jahren die größte Zahl verschiedener Arten zum Vorschein gekommen ist, waren in der letzten Zeit ent- 
weder nicht mehr zugänglich (Fundpunkt am Forsthaus in Plauen, Tunnel von Oberau) oder befinden sich 
in einem Zustand, daß das Sammeln kaum mehr verlohnt (Gamighügel). Andere Fundpunkte, wie der Rats- 
steinbruch in Plauen, ergaben in der Hauptsache die häufigeren bereits bekannten Arten. In Strehlen ist ge- 
legentlich eines Straßenbaues wieder eine hübsche Sammlung von Plänerfossilien zum Vorschein gekommen 
und in das kgl. Min, Museum in Dresden gelangt, aber ebenfalls hiebei fanden sich nur wenige für Sach- 
sen neue Gastropodenarten. 

Im Quadersandstein dagegen gehören bestimmbare Gastropoden zu den größten Seltenheiten. Ob- 
wohl nun unter diesen Umständen Herr Prof. Kalkowsky besonderen Wert auf den Ankauf älterer Samm- 
lungen aus der sächsischen Kreide legte — so wurde z.B. die Sammlung des Apothekers Dr. Th. Lange 
(aus Dohna gebürtig) angekauft —, so muf3 doch das seit dem Erscheinen des »Elbtalgebirges« in das kgl. 
Min. Museum gelangte Gastropodenmaterial im Vergleich zu dem bereits vorhandenen als ziemlich unwe- 
sentlich bezeichnet werden. Auch das sonst in öffentlichen und privaten Sammlungen vorhandene Material, 
welches ich zu sehen Gelegenheit hatte, enthält nichts Neues. h 

Somit behandelt diese Arbeit in der Hauptsache das bereits von Geinitz im Elbtalgebirge bearbei- 
tete Material. Daß hier eine Neubearbeitung notwendig geworden war, liegt wesentlich an dem zum Teile 
den heutigen Anforderungen nicht mehr entsprechenden Abbildungen im Elbtalgebirge. Bei der Herstellung 
dieser Abbildungen sind in den meisten Fällen Rekonstruktionen besonders der Mündungen vorgenommen 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. X VIII. I 


5 Dr. Karl Deninger. 2] 


worden, welche sich zum Teile als der Wirklichkeit nicht entsprechend ergaben. Auch sind die Skulpturen vieler 
Formen, besonders kleiner Formen stark schematisch wiedergegeben. Die Darstellung dieser kleinen Gastro- 
poden, die durchwegs unter einer starken Lupe gezeichnet werden mußten, gehört sicher zu einer der schwer- 
sten Aufgaben für einen Zeichner, wodurch sich diese Ungenauigkeiten einigermaßen erklären. Auch einige 
andere merkwürdige Versehen sind vorgekommen. Ich möchte nur an die Elbtalgeb. I, Taf. 60, Fig. 1, 
wiedergegebenen Mundwülste von Cerithium Guentheri erinnern, welche sich als angeklebte Schalenstücke 
ergaben. 

Aus diesen Gründen war die Benützung des überwiegenden brauchbaren Teiles des «Elbthalgebir- 
ges« in bezug auf Gastropoden in hohem Grade erschwert und diesem Mangel abzuhelfen ist der Zweck 
der vorliegenden Arbeit. 

Für die Anregung zu dieser Arbeit sowie für die Überlassung des Materials des kgl. Min.-Museums 
in Dresden sage ich Herrn Professor Kalkowsky an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank. 


Hervorheben möchte ich, daß sich die Bestimmungen von Geinitz zum größten Teile aufrecht er- 
halten ließen. Einige schlecht begründete Arten mußten gestrichen und in zahlreichen Fällen Gattungsbe- 
stimmmungen geändert werden. Ferner ergaben sich manche Ergänzungen und Berichtigungen in der Syno- 
nymik. Wo neue Zusätze überflüssig erschienen, habe ich mich auf Zitieren des »Elbtalgebirges« beschränkt. 
Der Hauptwert wurde auf korrekte Abbildung der in der Hauptsache von Geinitz beschriebenen Arten ge- 


legt und dabei zum großen Teile die Originale von Geinitz benützt. 


Das Vorkommen von Gastropoden ist in der sächsischen Kreide im wesentlichen an zwei Horizonte 
geknüpft; und zwar entstammt die Mehrzahl aller Arten dem cenomanen Pläner, wie er im plauenschen 
Grunde und am Gamighügel entwickelt ist. Er liegt hier bekanntlich transgredierend auf dem älteren Gebirge 
meist Syenit auf und läßt deutlich erkennen, daß seine Ablagerung in geringer Meerestiefe erfolgt ist. Die 
Fazies ist ziemlich wechselnd und schwankt zwischen groben Syenitkonglomeraten und feinen Mergel- 
schichten. Von besonderem Interesse sind für uns hier die geologischen Verhältnisse einiger Lokalitäten, von 
denen das Hauptmaterial der cenomanen Gastropoden stammt. 


Die wichtigsten von diesen, der Fundpunkt am Forsthaus in Plauen, ist leider jetzt nicht mehr zu- 
gänglich. 

Was etwa von Pläner dem Bahnbau nicht zum Opfer gefallen ist, liegt tief unter Schutt vergraben, 
und ich kann deshalb nur auf die Beschreibung von Geinitz verweisen, der eine charakteristische Abbildung 
von dieser Lokalität gibt. (Elbtalgeb.I, S. 13.) An der Basis des Pläners fanden sich hier als Ausfüllung zwischen 
Syenitblöcken Mergellagen, die noch einzelne Gerölle von Syenit umschlossen. Diese Mergel ergaben 
neben einer reichen Ausbeute von kleinen Muscheln, Tafeln von Seesternen, Seeigeln, Korallen und Bryo- 
zoen eine merkwürdige Mikrofauna von Gastropoden. Von den in dieser Arbeit aufgeführten 89 Gastropo- 
denarten aus dem Cenoman wurden nicht weniger als 72 an dieser Lokalität gefunden, von denen der über- 
wiegende Teil von anderen Fundpunkten noch nicht bekannt ist. Die hier vorkommenden Arten sind durch- 
wegs sehr kleine Formen und da solche Mikrofaunen aus dem Cenoman anderwärts nicht beschrieben worden 
sind, erklärt es sich, daß sich so außerordentlich wenige Beziehungen zu Arten anderer Fundpunkte auf- 
finden ließen. So konnte ich z. B. von den zahlreichen Cerithien-Arten, die hier die stattliche Entfaltung 
von 28 Arten aufweisen, nur 6 mit denen anderer Fundpunkte identifizieren. In einigen wenigen Fällen 
ließen sich mit den Zwergformen des Forsthauses übereinstimmende große Exemplare in cenomanen Plä- 
nerschichten an anderen Fundpunkten nachweisen. 


Wo sonst fossilfübrende cenomane Plänerschichten vorkommen, wie im Ratsteinbruch in Plauen und 
in Koschütz, enthalten sie meist in zahlreichen Exemplaren aber meist recht schlecht erhalten eine Anzahl 
von Gastropoden wie Pleurotomaria Geinitzi, Nerita nodosa, Turbo- und Trochusarten. 


Betrachten wir nun die Beziehungen der cenomanen Gastropodenfauna zu derjenigen anderer Ge- 
genden, so sind, wie schon erwähnt, die Anknüpfungspunkte nicht sehr zahlreich. Vor allem ist auffallend 
wie wenig Arten (nur 6) sich bisher in der böhmischen Kreide nachweisen ließen. Diese gehören wesentlich 
dem cenomanen Hippuritenkalk von Koriczan an. 


[3] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 3 

Mit dem Cenoman Frankreichs, Belgiens und Englands besitzt Sachsen im ganzen I5 gemeinsame 
Arten, von ‚denen 5 in der Tourtia von Tournay vorkommen, während sich bisher nur 5 Arten mit solchen 
aus dem norddeutschen und schlesischen Cenoman indentifizieren ließen. 

Da Petrascheck in seiner Bearbeitung der Ammonitenfauna auf die nahen Beziehungen zwischen 
sächsischer und indischer Kreide hingewiesen hat, wurde besonderer Wert auf den Vergleich der Gastro- 
podenfaunen gelegt. Trotzdem ergaben sich nur zwei gemeinsame Arten. 

Der Gesamtcharakter der Gastropodenfauna trägt somit ein sehr starkes lokales Gepräge und die 
wenigen Anknüpfungspunkte führen uns in der Hauptsache nach N.-W. 

Der zweite Horizont der sächsischen Kreide, in welchem Gastropoden in reichlicher Menge vor- 
kommen, ist der turone Pläner von Strehlen, Weinböhla und anderen Fundpunkten. Die hierin enthaltene 
Fauna läßt nur noch wenige Beziehungen zu der cenomanen erkennen. Identische Arten fehlen vollkommen 
und nur eine beschränkte Anzahl läßt sich von denen des sächsischen Cenomans ableiten. Viel enger sind 
hier die Beziehungen zu benachbarten Gebieten. 

Von den 33 im turonen Pläner von Strehlen gefundenen Arten sind nur 4 in ihrer Verbreitung auf 
Sachsen beschränkt, während die große Mehrzahl auch anderwärts vorkommt. Von diesen gehört der größte 
Teil der böhmischen Kreide an und verteilt sich nach Fri®& folgendermaßen auf die verschiedenen Stufen: 

Weißenberger Schichten 8 Arten 


Teplitzer » 6 » 
Priesener » II > 
Chlomeker » Tome 


Hiebei fällt auf, wie stark die Übereinstimmung mit den Priesener- und Chlomeker Schichten ist, 
die doch in der Regel für wesentlich jünger gehalten werden als der Strehlener Pläner. 

Diese Tatsache wird in Zukunft bei der Bearbeitung der böhmischen Kreideformation zu beach- 
ten sein. 

Mit Kieslingswalde in Schlesien sind sechs, mit dem Senon von Aachen fünf Arten gemeinsam. Auch 
die übrigen Arten weisen auf Beziehungen zu Norddeutschland hin, 

Ferner ergaben die Baculitenmergel von Zatzschke noch acht Gastropodenarten, von denen fünf 
ebenfalls in Strehlen vorkommen, weshalb diese Lokalitäten bei der Beschreibung derArten vereinigt wurden. 
Von diesen acht Arten sind sieben ebenfalls aus Böhmen bekannt, u. zw. verteilen sie sich folgendermatsen: 

Weißenberger Schichten I Art 


Teplitzer » Te rss 
Priesener » 5 Arten 
Chlomeker » A » 


Es scheint mir nicht angebracht, aus diesen Vergleichen der einen Tiergruppe weitergehende geolo- 
gische Schlüsse zu ziehen, solange die übrigen Tierklassen der sächsischen Kreide noch keiner modernen 
Neubearbeitung unterzogen worden sind. Hoffentlich wird diese Neubearbeitung bald von anderer Seite er- 
folgen, was in Verbindung mit einer geologischen Darstellung des gesamten sächsisch-böhmischen Kreide- 
gebirges eine außerordentlich dankbare und verdienstvolle Aufgabe wäre. 


Beschreibung der Arten. 


Die Gastropoden des Cenomans. 
Helcion plauense Gein. 
1849. Acmaea plauensis Gein., Quad. Deutschl., S. 142, Taf. 9, Fig. 6. 


1875. Patella plauensis Gein., Elbtal, I, S. 260, Taf. 57, Fig. 13. 
1875. » radiolitarum Gein., Elbtal, I, S. 260, Taf. 57, Fig. 14. 


Durch den verschiedenen Erhaltungszustand der Stücke wurde Geinitz verführt, verschiedene 
Arten aufzustellen. Die mäßig gewölbte Schale besitzt ovale Gestalt, stark nach vorn gerückten Wirbel 


und trägt etwas wellig verlaufende Radialstreifen und schwächere Zuwachslinien. 
1 


4 Dr. Karl Deninger. [4] 


Von den Abbildungen bei Geinitz stellt Fig. 13 ein etwas verdrücktes und verletztes Exemplar 
dar, dessen Form falsch ergänzt ist. Auch der eingekrümmte Wirbel ist durch Verletzung zu erklären. 
Fig. 14 stellt ein abgeriebenes Exemplar dar. 

Vier Stück von Plauen und Zscheila bei Meißen. 


Patella sp. 
1375. Pileolus? subcentralis Gein., Elbtal, I, S. 248, Taf. 57, Fig. 9. (Nicht Acmaea subcentralis d’Archiac.) 


Die Präparation der Unterseite zeigt, daß es sich nicht um einen Pileolus, sondern um eine Patella handelt. 

Der Wirbel erhebt sich hoch, ist sehr wenig gekrümmt und dem Hinterrand genähert. Die Skulptur 
besteht aus unregelmäßigen Rippen, zwischen denen sehr feine Querstreifung auftritt. Diese Merkmale unter- 
scheiden sie deutlich von Acmaea subcentralis d’Arch., mit der sie Geinitz vereinigt. Gegen die Zuteilung 
zur Gattung Acmaea spricht die starke Skulptur und der dem Hinterrand genäherte Wirbel. 

Fünf Stück von Plauen (Forsthaus). 


Acmaea? capillaris Gein. 
1875. Pileolus capillaris Gein., Elbtal, I, S. 249, Taf. 57, Fig. 10. 

Die generische Stellung dieser Art bleibt zweifelhaft, obwohl die Präparation der Unterseite eher 
eine Acmaea als einen Pileolus vermuten läßt. 

Die Oberfläche der Schale ist mit feinen etwas welligen Radialstreifen bedeckt. Die in der Ab- 
bildung von Geinitz angegebenen, in gleicher Entfernung stehenden stärkeren Radialfurchen sind nicht 
in dieser regelmäßigen Weise ausgebildet. Nur an wenigen Stellen bemerkt man derartige unbestimmte Furchen. 

Zwei Stück von Plauen (Forsthaus). 


Emarginula Buchi Gein. 
- Taf. I, Fig. 3—5. 
1840. Fissurella di Buchii Gein., Char. II, S. 48, Taf. 16, 5. 
1849. Emarginula Buchi Gein., Quad. Deutschl., S. 142. 
1870. » »  Roemer, Geol. Oberschles., S. 339, Taf. 29, Fig. 13. 
1875. » » u. Delagica Gein., Elbtal, I, S. 259, Taf. 57, Fig. 15, 16, Taf. 58, Fig, r. 

Emarginula Buchi und pelagica bei Geinitz sind nur verschiedene Altersstadien derselben Art, 
die aber von E. pelagica Passy verschieden ist. 

Die Abbildung Fig. 3, als Steinkern erhalten, ist das Original von Geinitz, Taf. 58, I und zeigt 
das charakteristische Profil dieser Art. Die Abbildungen Fig. 4 u. 5 stellen kleinere Exemplare mit erhaltener 
Skulptur dar. 

15 Stück vom Forsthaus in Plauen und Oberau. 


Pleurotomaria (Leptomaria) plauensis Gein., 


1846. Pl. neocomensis Gein., Quad., S. 355, Taf. 15, Fig, 5, 6 (non d’Orb.). 
1849. » » Gein., Quad. Deutschl., S. 134. 
1875. Pl. plauensis Gein., Elbt., I, S. 258, Taf. 57, Fig. 17. 


Neun Stück. Plauen (Ratssteinbruch), Tunnel von Oberau, 


Pleurotomaria (Leptomaria) Geinitzi d’Orb. 
Syn., siehe Gein., Elbt., I, S. 258. 


Fünf Stück. Plauen, Zscheila. 
Stelzneria Geinitz. 


1875. Geinitz, Elbtal, I, S. 257, Taf. 58, Fig. 12. 
1885. Zittel, Handbuch, II, S. 189. 


[5] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 5 


Seit der Veröffentlichung von Geinitz über diese auffallende Gattung ist nichts Neues über sie 
mehr zum Vorschein gekommen. Zittel stellt sie als fragliche Gattung zu den Turbininae. Ihn bewog 
jedenfalls dazu die Form der Anfangswindungen, welche aber noch mehr an Tyochus als an Turbo erinnert. 

Ganz abweichend von der Familie Trochidae ist aber die Mündung gebaut und ist wohl geeignet, 
über die systematische Stellung der Gattung einigen Aufschluß zu geben. In dem oberen Teile der Mündung 
legen sich Außen- und Innenlippe zusammen und schließen kanalartig eine kleine, rundliche Öffnung : von 
der Mündung ab. Dieses Verhalten deutet mehr auf Beziehungen zu den Pleurotomariiden als zu den Tro- 
chiden. Hinter diesem Loch ist die Schale allerdings geschlossen und ein Schlitzband ließ sich an keinem 
unserer Stücke beobachten. 

Bei der zu den Pleurotomariiden gehörigen Gattung Catantostoma Sandberger aus Devon und Trias 
finden wir die eigentümliche Gestalt von Sielzneria wieder. Auch hier ist die verengte Mündung plötzlich nach 
unten gewandt. Sie unterscheidet sich aber durch das Vorhandensein eines Schlitzbandes und den Mangel 
eines Nabels. 

Stelzneria ist deshalb meines Erachtens am besten in die Nähe von Catantostoma zu den Pleuro- 
tomariidae zu stellen. 

Stelzneria cepacea Gein. 
Taf. I, Fig. S-10. 
1875. Gein., Elbtal, I, S. 257, Taf. 58, Fig. 12. 


23 Stück von Plauen (Forsthaus und Ratssteinbruch). 


Turbo (Solariella?) Goupilianus d’Orb. 
1842. d’Orbigny, Terr. cret, II, S. 222, Taf. 185, Fig. 7—10. 
1875. Geinitz, Elbtalgeb., I, S. 254, Taf. 56, Fig. 1. 
1885. Trochus Goupilianus Zittel, Handbuch, 2, S. 198. 


Der Beschreibung von Geinitz ist hinzuzufügen, daß der Nabel teilweise oder ganz von der Innen- 
lippe bedeckt ist. 

Ähnliche aber schwächere Skulptur zeigt Turbo (Solariella) rimosus Binkh, var. granulata Kaun- 
howen, Maestr. Kreide, S. 33, Taf. II, 4—6. 

13 Stück von Plauen (Ratssteinbruch), Koschütz, Oberau, Zscheila bei Meißen. 


Die von Geinitz unter dem Namen Turbo cf. Raulini abgebildeten und beschriebenen Stücke sind schlecht 
erhalten und gehören sicher nicht zu Turbo. 


Turbo Leblanci d’Arch. 


1847. d’Archiac. Me&m. soc. g&ol. France, 2, II, 2, S. 339, Taf. 23, Fig. 8. 
1875. Gein., Elbtal, I, S. 254, Taf. 55, Fig. 13, 14. 

Die sächsischen Stücke sind ziemlich variabel in der Skulptur und nehmen, wie es scheint, eine 
vermittelnde Stellung zwischen den beiden von d’Archiac beschriebenen Arten 7. Leblanci und Boblayei 
ein. Die ziemlich kräftige Skulptur erinnert mehr an erstere, die nicht genabelte und nicht quergefaltete 
Basis mehr an die zweite Art. 

Fünf Stück aus Plauen (Ratssteinbruch) und Koschütz. 


Turbo scobinosus Gein. 
1875. Gein., Elbtal., I, S. 253, Taf. 55, Fig. 12. 


Diese Art hat durch ihre Skulptur und die wulstig verdickte Außenlippe viel Ähnlichkeit mit Tro- 
chus Reichi. Ihrer runden Mündung wegen muß sie aber bei Turbo belassen werden. Der Beschreibung 
von Geinitz habe ich noch hinzuzufügen, daß die Basis geknotete konzentrische Rippen trägt. 

Turbo retifer Böhm (Holzapfel, Palaeontogr. 34, S. 169, Taf. 17, I—4) ist unserer Art sehr ähnlich, 
doch scheint ihr der Mundwulst gefehlt zu haben. 

Ein Stück vom Forsthaus in Plauen. 


6 Dr. Karl Deninger. [6] 


Turbo Naumanni Gein. 
1875. Gein., Elbtal, I, S. 255, Taf. 56, Fig. 5 und 6. 
1875. Turbo Leonhurdi Gein., Elbtal, I. S. 255, Taf. 56, Fig. 7. 

Unter dem Namen Turbo Leonhardi trennte Geinitz einige kleine Exemplare von Turbo Naumanni 
ab. Die ersten Windungen dieser Art sind flacher als die späteren und jüngere Exemplare besitzen daher 
ein niederes Gewinde als ältere. Man kann auch an den jüngeren Stücken das Einschieben feinerer Linien 
zwischen die gröberen beobachten, so daf es sicher ist, daß wir in Turbo Leonhardi nur Jugendexemplare 
von Turbo Naumanni zu sehen haben. 

Nahe verwandt ist Turbo granose-cinctus Binkhorst, Gast. craie sup. Limbourg, S. 48, Taf. Va ı, 
Fig. 16. 

15 Stück aus Plauen. 


Trochus Duperreyi d’Arch. 
1846. Turbo Asterianus Reuss, Böhm. Kreide., II, S. II2, Taf. 44, Fig. 22. 
1847. d’Archiac Mem. Soc. geol. France 2, II, S. 336, Taf. 23, Fig. 2. 
1849. Trochus Reussi Gein., Quad., Deutschland, S. 132. 
1875. > Duperreyi Gein., Elbtal, I., S. 252, Taf. 55, Fie. 8. 
1885. Cantharidus? Duperreyi Zittel, Handbuch 2, S. 197. 

Der Abbildung und Beschreibung von Geinitz habe ich nur hinzuzufügen, daß die Basis zwar 
in der Mitte vertieft aber nicht genabelt ist. Die Innenlippe trägt einen Zahn, Die Art ist deshalb vielleicht 
zur Untergattung Turcica zu stellen. 

Nahe verwandt ist Trochus parvus Briart und Cornet, Meule de Braquegnies, S. 37, Taf. 3, Fig. 48, 49, 
und Trochus decrescens Kaunhowen, Gast. Maestr. Kreide, S. 35, Taf. II, Fig. 13, 14. 

Mir liegen sechs Stück aus Plauen (Forsthaus und Ratssteinbruch?) und Oberau vor. 

Außerdem kommt die Art im Hippuritenkalke von Koriczan in Böhmen und der Tourtia von 
Tournay vor. 

Trochus (Turcica?) Fischeri Gein. 
bey, IL, dies, 11, 25 
1875. Geinitz, Elbtal, I, S. 252, Taf..55, Fig. 9. 

Die stumpfkonischen Schälchen erreichen eine Höhe von 5 mm und eine Breite von 4 mm und 
bestehen aus fünf schwach gewölbten oder ebenen Umgängen, welche oben und unten gekantet und durch 
vertiefte Nähte geschieden sind. Die Basis ist schwach gewölbt und wie die Außenseite der Schale gleich- 
mäßig längsgestreift. Die rundliche Mündung hat eine verdickte Innenlippe mit drei Wülsten. Die Außen- 
lippe ist scharf. 

ıS Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Trochus (Craspedotus) Geslini d’Arch. sp. 


1847. Turbo Geslinı d’Archiac, Mem. Soc. geol. France, 2 ser., II, 2, S. 933, Taf. 23, Fig. 7. 
1850. Trochus imbricatus Nyst, Gein., Quad. Deutschland, S. 130. 
1875. Turbo Geslini Gein., Elbtal, I, S. 252, Taf. 55, Fig. 10. 

Die Abbildung von Geinitz ist zwar stark ergänzt, aber in der Hauptsache richtig ergänzt. 
Nur die Skulptur der Basis ist falsch wiedergegeben. Sie besteht aus flachen Knoten. In der Regel ist die 
Schale nicht erhalten. Die Steinkerne zeigen dann eine Skulptur aus scharfen Linien bestehend, welche der- 
jenigen von Trochus Reichi Gein. (Taf. 55, Fig. ı1) gleicht. Die von d’Archiac erwähnte feine Zuwachs- 
streifung kann man auch an den Plauenschen Stücken gelegentlich beobachten. 

Daß diese Art nicht zu Turbo, sondern zu Trochus gehört, beweist die gezähnte Innenlippe und die 
wulstig verdickte Außenlippe. Obwohl die Innenseite der Mündung nicht ganz bekannt ist, bestimmt mich 
die nahe Verwandtschaft mit Trochus Reichi unsere Art zu Craspedotus zu stellen. 


Sechs Stück aus Plauen und Koschütz. 


[7] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 7 


Trochus (Craspedotus) Reichi Gein. 
1840. Trochus Reichü Gein., Char. II, S. 47, Taf. 15, Fig. 24. 
1849. Gein., Quad. Deutschland, S. 130. 
1875. Turbo Reichi Gein., Elbtal., I, S. 252, Taf. 55, Fig. 11. 

Die in der Hauptsache gute Abbildung bei Geinitz zeigt verschiedene kleine Mängel. Es fehlen 
ihr die sehr feinen Zuwachsstreifen, welche das Originalexemplar in den Zwischenräumen der Gitterskulptur 
deutlich zeigt. Die Verzierung der Basis ist mangelhaft wiedergegeben. Sie besteht aus gekörnelten Spiral- 
rippen. Von der eingezeichneten umgeschlagenen Innenlippe ist am Original nichts zu sehen. 

Nahe verwandt mit unserer Art ist jedenfalls Trochus Marcaisi d’Orb. (Terr. Cret., Taf. 186, Fig.19), 
Turbo Mulleti d’Arch, die gleiche Skulptur trägt, soll eine andere Mündung besitzen. 

24 Stück aus Plauen (Forsthaus), Koschütz und Oberau. 


Trochus (Ziziphinus) Buneli d’Arch. 


1846. Phorus granulatus Gein., Grundr., S. 349, Taf. 14, Fig. 18. 
1847. Trochus Cordieri, Buneli Huotid’Arch. M&m. soc. geol. France, 2 ser, II, 2, S. 335, Taf. 22, Fig. 8—10. 
1449. » » Gein., Quad., Deutschland, S. 130. 
1875. » Buneli Gein., Elbtal, T, S. 251, Taf. 55, Fig. 4—7. 

Die Abbildungen bei Geinitz sind zwar stark schematisiert (besonders Fig. 6), geben aber die wich- 
tigsten Eigenschaften der Art wieder. Ziziphinus Geinitzianus Stoliczka (Cret. Gast. South. India S. 373, 
Taf. 24, Fig. 1I—15) ist deutlich genabelt und besitzt gewölbte Umgänge. Die Vereinigung dieser Art mit Z. 
Buneli wie es Geinitz tut, ist daher nicht statthaft. 

In Plauen sehr häufig, außerdem in der Tourtia von Tournay. 


Trochus (Ziziphinus) Geinitzi Reuß. 


1840. Trochus granulatus Gein., Char. I, S. 46, Taf. 15, Fig. 20. 
1846. » Geinitzi Reuss, Böhm. Kreide II, S. 112, Taf. 44, Fig. 24. 
1847. » Rozeti d’Arch. M&m. Soc. geol. France 2, II, 2, S. 336, S. 22, Fig. Ir. 
1849. » quinquelineatus und Geinitzi Gein., Quad., Deutschland, S! 130. 
1875. » Geinitzi, Gein., Elbtal, I, S. 350, Taf. 55, Fig. I—3. 
(Nicht: Ziziphinus (Eutrochus?) Geinitzianus Stol., Gast. South. India, S. 373, Taf. 24, Fig. II—-15 und Trochus 
Eutrochus) Geinitzianus Reuß, Zittel, Handbuch 2, S. 197. Die zu Eutrochus gehörige indische Form muß um weiteren 
Verwechslungen vorzubeugen einen anderen Namen erhalten, wofür ich den Namen Zutrochus Stoliczkai vorschlagen 


möchte. 
Ebenso gehört nicht zu der Reufßschen Art die von Briart und Cornet aus dem oberen Gault von Brac- 


quegnies als Trochus Geinitzi beschriebene Art. Sie scheint ebenfalls neu zu sein.) 


Trochus Geinitzi wurde von Geinitz gut beschrieben und abgebildet. Er kommt in Plauen, Ko- 
schütz und Oberau, von wo mir elf Stück vorliegen, außerdem im Hippuritenkalk von Koriezan in Böh- 


men und der Tourtia von Tournay vor. 


Teinostoma cretaceum d’Orb. 


1846. Rotella cretacea d’Orb., Astrolabe, Taf. 4, Fig. 18—21. 
1850. Pitonellus cretaceus d’Orb., Podr. Pal., II, 223. 

1864. Stoliczka, Gast. South. India, S. 350, Taf. 25, Fig. 7. 
1875. Geinitz, Elbtal, I, S. 257, Taf. 56, Fig. 13. 

1897. Kossmatt, Pondicherri Cretac, S. 9I, Taf. 8, Fig. 5. 


Acht Stück von Plauen (Forsthaus ?). 


Teinostoma Stoliczkai Gein. 
1875. Gein., Elbtal, I, S, 257, Taf. 56, Fig. 14. 


Sieben Stück von Plauen (Forsthaus). 


8 Dr. Karl Deninger. [8] 


Neritopsis torulosa Gein. 
1875. Gein., Elbtal, I, S. 247, Taf. 57, Fig. 2. 


Zwei Stück von Plauen (Forsthaus), 


Neritopsis costulata Roem. 

1841. Nerita costulata Roem., Nordd. Kreide, S. 82, Taf. 12, Fig. 12. 
1842. ? Neritopsis ornata d’Orb, Terr. cret., II, S. 176, Taf. 176, Fig. 8—10. 
1849. Nerita costulata Gein., Quad. Deutschl., S. 130. 
1850. Neritopsis costulata d’Orb., Prodr., Pal., II, S. 222. 
1875. » » Gein., Elbtal, I, S. 247, Taf. 54, Fig. 24, 25, Taf. 57, Fig. 3. 

Steinkerne dieser Art zeigen eine mehr oder minder vollkommene Resorption der ersten Umgänge 
und nähern sich somit Nerita. 

Sehr häufig in Plauen (Forsthaus, Ratssteinbruch) und Koschütz. 


Nerita nodosa Gein. sp. 
1840. Natica nodosa Gein., Char., II, S. 47, Taf. 15, Fig. 27, 28. 
1845. » » Reuss, Böhm. Kreide, I, S. 50, Taf. ıı, Fig. 2. 
1840. »  nodoso-costata Reuss, Böhm. Kreide, II, S. 113, Taf. 44, Fig. 21. 
1847. Nerita cestophora de Ryckholt, Mel. pal., S. 82, Taf. 3, Fig. 17. 
1865. Nerita rugosa Briart u. Cornet, Meule de Bracquegnies, S. 34, Taf. 3, Fig. 50—52. 
1875. Neritopsis nodosa Gein., Elbtal, I, S. 246, Taf. 54, Fig. I9—23. 

Die generische Stellung dieser Art macht große Schwierigkeiten. Die stets vollkommene Resorption 
des inneren Teiles der ersten Umgänge zeigt sie als Angehörige der Neritiden, doch steht sie durch den 
Mangel einer Innenlippe recht isoliert in dieser Familie. Sie scheint sich noch am nächsten an die Gattung 
Lissochilus anzuschließen. Ich gebrauche deshalb hier den Namen Nerita im weiteren Sinne. 

Zu der Beschreibung von Geinitz habe ich nur hinzuzufügen, daß der Nabel nicht verdeckt ist, 
sondern daf3 es nicht zur Bildung eines Nabels kommt. 

Nerita nodosa ist eines der häufigsten Fossilien in Plauen im Ratssteinbruch und am Hohen Stein, 
scheint dagegen am Forsthaus nicht vorgekommen zu sein. Ferner findet sie sich im Cenoman von Groß- 
Sedlitz bei Pirna und Oberau, im Hippuritenkalk von Kutschlin und Koriczan in Böhmen, in Bracquegnies 
und Tournay. 


Nerita ovoides Gein. und Fischer. 
1875. Gein., Elbtal, I, S. 247, Taf. 57, Fig. 4. 
Ein Stück von Plauen (Forsthaus). 


Neritina minutissima Gein. u. Fischer. 
1875. Nerita minutissima Gein., Elbtal, I, S. 247, Taf. 57, Fig. 5. 
Von Neritina compacta Forbes (Stol. Gast. South. India, S. 339, Taf. 28, 4) aus der Arrialoor 


Group scheint sie sich lediglich durch ihre sehr viel geringere Größe zu unterscheiden. 
15 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Pileolus Koninckianus Ryckh. 


1847. Acmaea Koninckiana de Ryckh. Mel. pal., S. 62, Taf. 2, Fig. 33, 34. 
1865. Helcion Malaisi Briart u. Cornet. Meule de Bracquegnies, S. 38, Taf. 3, Fig. 46, 47. 
1875. Pileolus Koninckianus Gein. Elbtal, I, S. 248, Taf. 57, Fig 7, 8. 


ıı Stück von Plauen (Forsthaus). 


[9] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. () 


Pileolus Orbignyi Gein. 
1875. Geinitz, Elbtal,, I, S. 248, Taf. 57, Fie. ı2. 


3 Stück von Plauen (Forsthaus), 


Pileolus semiplicatus nov. nom. 
1875. Pileolus plicatus Gein. Elbtal., I, S. 249, Taf. 57, Fig. ı1. 
Der Name mußte geändert werden, da Sowerby bereits einen Pileolus plicatus aus dem Bathonien be- 
schrieben hat. 
Solarium Reussi Geinitz. 
1875. Gein. Elbtal., I, S. 256, Taf. 56, Fig. II, 


Ist auf ein Exemplar von Plauen, und zwar wahrscheinlich vom Forsthaus gegründet. 


Solarıum Ackermanni Gein. 
1875. Gein. Elbtal., I, S. 256, Taf. 56, Fig. 12. ‚ 


ı Exemplar vom Forsthaus in Plauen, 


Solarium Kirsteni Geinitz. 
Taf. L-Fig. 7a—c. 
1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 255, Taf. 56, Fig. 8. 
Die Abbildung von Geinitz ist unbrauchbar. 
Die Schale ist flach, das Gewinde tritt nicht vor. Die drei Windungen nehmen schnell an Größe 
zu. Ihr Querschnitt ist gerundet vierseitig, etwas breiter als hoch. Die Skulptur besteht aus geknoteten 
Längsrippen von wechselnder Stärke. Auf ihren Zwischenräumen und den Knoten läßt sich eine feine Quer- 


streifung erkennen. 
3 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Solarium Zschaui Gein. 
Taf. I, Fig. 6a—c. 

1875. Gein. Elbtal,, I, S. 256, Taf. 56, Fig. 9. 

Durch die niedrig treppenförmige Gestalt ihrer 4 Umgänge unterscheidet sich diese Art leicht von 
S. Kirsteni, Die Verzierung besteht aus 2—3 Knotenreihen auf der Oberseite, von denen die innere die 
stärkste ist. Auf diese folgt nach außen eine kräftige, mehr oder weniger gekörnelte Rippe. Weiter 
folgen an der Außenseite und der äußeren Hälfte der Unterseite schwächer werdende glatte Rippen. Der 
scharf abgesetzte Nabel ist von einer unregelmäßigen Reihe starker Knoten umgeben, von denen radiale 
Falten ausstrablen und die Spiralrippen auf dem inneren Teile der Unterseite verdrängen. 


4 Stück von Plauen (Forsthaus). 


Solarium Roemeri Gein. sp. 
1875. Straparolus Roemeri Gein. Elbtal., I, S. 256, Taf. 57, Fig. 6. 

Die Abbildung und Beschreibung von Geinitz ist richtig, bis auf die Wiedergabe der Zuwachs- 
streifung, die viel feiner ist. Lediglich die schwache Unsymmetrie der Schale läßt erkennen, daß es sich 
nicht um einen Ammoniten handelt, da Lobenlinien bei diesem Erhaltungszustand nicht zu erwarten wären, 

Ob die von d’Orbigny (Terr. cret.,, Taf. 181, Fig. 12) und von Pictet (Moll. Gres vert., Taf. 
21, Fig. 7) abgebildeten glatten Exemplare von Solarium Martinianum d’Orb, nicht besser zu unserer Art ge- 
stellt würden, entzieht sich bei der Ungenauigkeit der Beschreibung meiner Beurteilung. 

2 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd, XVII. 


N Dr. Karl Deninger. [10] 


Littorina pectinata nov. nom. 

1875. Littorina gracilis (non Sow.) Geinitz. Elbt., I, S. 249, Taf. 54, Fig. 9. 

Die von Geinitz beschriebene Z. gracilis scheint mit Sowerbys Art nicht identisch zu sein. 
Die Abbildung bei Fitton (Observ. Taf. 18, Fig. 12) zeigt eine in einen spitzen Ausguß auslaufende Mündung, 
während der Unterrand der Mündung der sächsischen Art (siehe Abbildung Geinitz) gerundet ist. Außer- 
dem scheinen die Umgänge der englischen Art gewölbter, die Querwülste zahlreicher und die Längsstreifung, 
die an den sächsischen Stücken kaum zu erkennen ist, kräftiger zu sein. Die zahlreichen, mir vorliegenden 
Exemplare sind meist schlanker als die Abbildung von Geinitz. 

Sehr häufig am Forsthaus in Plauen. 


Littorina minuta Gein. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 249, Taf. 54, Fig. 10. 


Häufig am Forsthaus in Plauen. 


Vanikoro carinata Sow. sp. 


1837. Natica carinata Sow. Fitton, on some strata below the Chalk., S. 343, Taf. IS, Fig. 8. 
1850. Natica carinata d’Orb. Prodrome Pal., II, S. 150. 
1875. Gein. Elbtalgeb. I, S. 245, Taf. 57, Fig. 1. 


ı Exemplar vom Forsthaus in Plauen. 


a Natica dichotoma Gein. 

1840. Geinitz. Charakteristik, II, S. 48, Taf. 13, Fig. 5, Taf. 18, Fig. 14. 
1843. » Kieslingswalde, S. 10, Taf. I, Fig. 19. - 
1846. Reuß. Böhm. Kreide, I, S. 50, II, S. 113, Taf. 44, Fig. 16. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 245, Taf. 54, Fig. 18 (z. Teil). 
1883. Nerita dichotoma Fric. Iserschichten, S. 94. (Nicht Frie, Chlomeker Schichten, S. 42, Fig. 29.) 
1900. Sturm. Kieslingswalde, S. 65, Taf. 4, Fig. 8. 

Unter dem Namen Natica dichotoma wurden von verschiedenen Autoren, so auch von Geinitz 
zwei verschiedene Arten, die eine kräftige Querrippung zeigen, aufgeführt. 

Das Original von Geinitz zeigt sehr schnelle Größenzunahme der drei Windungen, keine vertieften 
Nähte und sehr starke Rippen, die sich zum Teile in der halben Höhe des letzten Umganges gabeln. Große 
Ähnlichkeit hiermit zeigt die Abbildung bei Reuß, doch liegt die Gabelungsstelle der Rippen höher. An 
Steinkernen sind die ersten Umgänge oben abgeflacht, der letzte dagegen ist oben kantig, was in der sehr 
mangelhaften Abbildung bei Sturm (Original im k. Min. Museum in Dresden) nicht hervortritt. 

Die andere unter diesem Namen beschriebene Art schließt sich an Natica Roemeri, Gein.!) an. 
Sie kommt unter anderen in Strehlen vor und unterscheidet sich durch größeres Gewinde, vertiefte Nähte und 
schwächere, nicht gegabelte Rippen. Beide Arten sind weit genabelt und unsere Art gehört deshalb 
zweifellos nicht zu Nerita, wohin sie Fri@ stell. Von N. dichotoma liest nur das Original von Geinitz 
aus den Konglomeratschichten von Oberau, ferner drei Stücke von Kieslingswalde vor. Außerdem findet 
sich diese Art nach Reuß und Geinitz bei Koriezan und Kutschlin in Böhmen. 


Natica cf. pungens Sow. 
1875. Natica pungens Gein. Elbtalgeb., I, S. 243, Taf. 54, Fig. 15. 
Diese von Geinitz gut abgebildete Art stimmt mit der Art Sowerbys) in der äußeren Form voll- 


kommen überein. Aus der Beschreibung bei Fitton geht aber nicht hervor, ob ein Nabel vorhanden ist, 
wie ihn unser Stück besitzt und die Übereinstimmung bleibt deshalb fraglich. 


1) Vergl. S. 26, Taf. I, Fig. 11. 
2) Litorina pungens Sow. bei Fitton, Observ., S. 343, Taf. XVIII, V. 


Bi 1] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. II 


Ähnlichkeit zeigt auch das von Holzapfel (Palaeontogr. 34, Taf. XIV, Fig. XXII) abgebildete Jugend- 
exemplar von Natica exaltata Goldfuß, unterscheidet sich aber durch stark gewölbte Umgänge und 
vertiefte Nähte. 

Es liest nur das Originalexemplar von Geinitz von Plauen vor. 


Natica (Amauropsis) extensa Sow. 


1813. Vivipara extensa Sow. Min. Conch., Taf. 31, Fig. 14. 
1850. Natica extensa d’Orb. Prodr. Pal., II, S. 150. 
1875. » » Gein. Elbtalgeb., I, S. 242, Taf. 54, Fig. 14. 


Unsere Stücke zeigen meist eine deutliche Zuwachsstreifung und gelegentlich auch dieser parallele 


Einschnürungen. 
13 Stück von Plauen, Koschütz, Zscheila. 


Natica (Lunatia) lyrata Sow. 
1831. Natica Iyrata Sow. Trans. Geol. Soc, II, Taf. 38, Fig. 11. 


1841. » SEE Orb lereseretsei S-2Tor« 
1852. » » und semiglobosa Zekeli. Gastrop. Gosau, S. 46, Taf. 8, Fig. 5, 6. 
1865. » »  Stoliczka. Revision, S. 45. 


1868. Euspira Iyrata Stoliczka. Gastrop. South. India, S. 303, Taf. 22, Fig. 2. 
1875. Natica lamellosa Gein. Elbtalgeb., I, S. 243 (z. Teil), Taf. 54, Fig. 17. 

Diese Art wurde von Geinitz mit einer gänzlich verschiedenen von Strehlen zusammengezogen. 
(Vergl. Natica cf. Vulgaris, S. 27.) 

6 Stück von Plauen (Forsthaus). 


Natica (Lunatia) plauersis nov. nom, 
1875. Natica Gentü Gein. Elbtalgeb., I, S. 244 (z. Teil), Taf. 54, Fig. 16. 

Wie Holzapfel (Palaeontogr. 34, S. 141) bereits erwähnt, hat Geinitz unter dem Namen 
N. Gentiüi eine Anzahl Formen aus der gesamten Kreide vereinigt, die teilweise recht wenig miteinander 
zu tun haben. Auch die von ihm vereinigten Arten von Plauen und Strehlen sind stark verschieden. Nach 
dem Vorgehen von Holzapfel stelle ich die Strehlener Art zu Nazica (Lunatia) Geinitzi d’Orb. 

Die Art vom Forsthaus in Plauen muß daher einen neuen Namen erhalten. Die Schale besteht 
aus drei schnell an Größe zunehmenden Windungen, die auf der Oberseite etwas abgeflacht sind und an 
der Naht eine schwache Einsenkung zeigen. Das Gewinde tritt nur schwach hervor. Die Mündung ist 
rundlich und der Nabel bis auf eine schwache Ritze von der Innenlippe bedeckt. 

Lunatia Stoliczkai und Klipsteini (Holzapfel, Palaeontogr. 34, Taf. XIV, Fig. XXIII, XXIV) haben 
Ähnlichkeit mit unserer Art, unterscheiden sich aber durch höheres Gewinde und weiteren Nabel. 

3 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Turritella Geinitzi nov. nom, 
Taf. III, Fig, 2 u. 4. 
1875. T. subalternans Briart u. C., Geinitz. Elbtal, I, S. 240, Taf. 54, Fig. 5, 6. 

Die von Geinitz im Elbtalgebirge beschriebene Art ist sicher verschieden von der von Briart 
und Cornet beschriebenen. Der Gewindewinkel unserer Art beträgt 22—25° an größeren Gehäusen und 
kann an den ersten Windungen beträchtlich höhere Werte erreichen. Die im Alter schwach gewölbten, 
manchmal fast ebenen Umgänge tragen verschieden starke, aber meist sehr feine Längsstreifen, die etwas 
gerauht sind, ohne daß man sie doch als granuliert bezeichnen könnte. Die ersten Windungen weichen 
davon beträchtlich ab. (Taf. II, Fig. 4.) Hier fallen die Umgänge von zwei stark hervortretenden, glatten 
Rippen dachförmig zu den Nähten ab. Durch Einschieben weiterer Linien und Verflachen der Umgänge 


entsteht dann die Skulptur der späteren Umgänge. Die Basis ist gestreift. 
2*+ 


12 Dr. Karl Deninger. [12] 


Taf. IV, Fig. ıı halte ich auch für ein Jugendexemplar dieser Art, 
Am nächsten steht ihr wohl Turritella alternans Roemer. 


17 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Turritella Kirsteni Gein. 
1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 240, Taf. 54, Fig. 1. 
1875. Turritella granulata (non. Sow.) Gein. Elbtalgeb., I, S. 239, Taf. 54, Fig. 3, 4. 

Es ist vollständig unmöglich, einen Unterschied zwischen den von Geinitz unter den beiden oben 
angeführten Namen bestimmten Stücken aufzufinden. Die Abbildung (Taf. 54, 3a) ist augenscheinlich. der 
Phantasie des Zeichners entsprungen. Die sächsischen Stücke unterscheiden sich von 7. granulata Sow. 
durch eine größere Zahl von Längsrippen und dadurch, daß sie nirgends eine Querstreifung erkennen 
lassen, die bei der englischen Art die Veranlassung zur Knotenbildung gibt. 

Die Gestalt der Schale ist in den Abbildungen von Geinitz gut wiedergegeben. Die Skulptur 
besteht aus meist sechs flachen, Knoten tragenden Längsrippen, deren breite Zwischenräume ein bis zwei 
meist glatte Längsstreifen aufweisen. 

7 Stück von Koschütz, Plauen (Ratssteinbruch) und Zscheila bei Meißen. 


Turritella subparallela Gein. 
1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 240, Taf. 54, Fir. 2. 


Diese Art ist auf ein einziges verdrücktes Exemplar von Plauen aufgestellt. 


Mesostoma Beiseli Holzapfel. 
1875. Scala pulchra Gein. Elbtalgeb., I, S. 241, Taf. 54, Fig. 7, 8. 
1887. Mesostoma Beiseli Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 132, Taf. 54, Fig. 3. 
1897. ? Mesostoma Müllerı Kaunhowen. Maestr. Kreide, S. 59, Taf. 3, Fig. 5. 

Zwei der vorliegenden Stücke zeigen Andeutungen eines Kanals und beweisen, daß die Art nicht 
zu Scalaria, sondern zu Mesostoma zu stellen ist. Ihrer schlanken Gestalt und deutlichen Längsstreifung 
wegen stelle ich sie zu Mesostoma Beiseli. Besser zu dieser als zu M. Mülleri dürfte auch die den säch- 
sischen Stücken sehr ähnliche Mesostoma passen, welche Kaunhowen, |. c., abbildet. 

4 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Chemnitzia Reußiana Gein. 


1849. Eulima arenosa Gein. Quad. Deutschl, S. 126. 
1875. Chemnitzia Reujiana Gein. Elbtalgeb., I, S. 241, Taf. 53, Fig. 4—6. 


7 Stück von Plauen (zum Teil Ratssteinbruch). 


Pseudomelania Stoliczkai Gein. 
1875. Euchrysalis Stoliczkai Gein. Elbtalgeb., I, S. 242, Taf. 53, Fig. 2, 3. 


ıı Stück von Plauen (zum Teil Floßrechen). 


Pseudomelania Laubeana Gein. 
1875. Euchrysalis Laubeana Gein. Elbtalgeb., I, S. 242, Taf. 53, Fig. 1. 


Sie ist der vorigen sehr ähnlich, unterscheidet sich aber konstant durch ihre schlankere Gestalt und 
erreicht nie deren Größe. In der Regel treten die Anwachsstreifen etwas deutlicher auf als bei der 
vorigen. Bulima amphora d’Orb. (Terr, cret., II, 66, Taf. 156, Fig. 1) steht zwischen den beiden sächsischen 
Arten in der Mitte. Diese drei Arten unterscheiden sich von Pseudomelania gisantea Stol. durch ihre 
unten gerundete Mündung ohne Ausguß,. 

9 Stück von Plauen (Ratssteinbruch). 


[13] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 13 


Nerinea Geinitzi Goldf. 
1844. Goldfuß. Petref. Germ., III, S. 47, Taf. 177, Fig. 8. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb. I, S. 265, Taf. 53, Fig. 7—0. 


9 Stück von Koschütz und Plauen, 


Nerinea Cottai Gein. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 266, Taf. 53, Fig. 10. 


ı Stück von Koschütz. 


Cerithium tectiforme Binkh. 
Tat. II .Rior rn, 3, 4@, b. 
1861. Binkhorst. Gasterop., craie sup., Limbourg, S. 24, Tat. I, Fig. 3. 
1875. Cerithium Margaretae Gein. Elbtalgeb., I, S. 268, Taf. 60, Fig. 5. 
1875. Cerithium Schlüteri Gein. Elbtalgeb., I, S. 272. Taf. 60, Fie. 21. 

Die Gehäuse dieser Art sind spitz turmförmig. Der Gewindewinkel schwankt um recht beträcht- 
liche Werte. Er liegt in der Regel zwischen 13 und 17°, kann aber auf kurze Strecken sowohl unter 10" 
herabsinken sowie über 20° steigen. Die Umgänge tragen in ihrem unteren Teile eine stark vorspringende 
Reihe spitzer Knoten — meist zwölf auf einem Umgang. 

In dem darüber liegenden Teile der Umgänge liegt auf den ersten Windungen eine Reihe von 
spitzen Knoten. In der Regel tritt neben dieser auf den späteren Windungen noch eine weitere Knotenreihe 
auf. In seltenen Fällen steigt die Zahl der kleineren Knotenreihen bis auf fünf. (Taf. II, Fig. 4) 

Die Basis ist flach, mehr oder weniger scharf abgesetzt und fein gestreift. Eine vollständige 
Mündung ist nicht erhalten. Sie war annähernd rechteckig, die Mundränder legen sich zu einer hohlen 
Spindel zusammen. Als Varietät dieser Art möchte ich die von Geinitz als C. Schlüteri beschriebene 
Form auffassen, da sich Übergänge in der Skulptur zwischen diesen beiden Formen finden. Hier treten 
an Stelle der Knotenreihen drei durch Querrippen verbundene Längsrippen, während die übrigen Merkmale 
des C. Zectiforme gewahrt bleiben. 

33 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium Cornuelianum d’Orb. 
Tat, Ri0o2 2, 
1842. d’Orbigny. Terr. cret. 2, S. 361, Taf. 228, Fig. 1I—13. 
1875. C. Barrandei, Geinitz, Elbtalgeb. 1, S. 273, Taf. 60, Fig. 28. 
1902. Rehbinder, Cret. Schichten Baskuntschak, S. 145, Taf. 3, Fig.II—16. 

Die Plauener Exemplare sind durchweg sehr klein. Das größte mag 17 mm erreicht haben. Der 
Gewindewinkel beträgt 20—25°. Die Skulptur, aus Querwülsten und Längslinien bestehend, ist sehr variabel. 
Die Umgänge fallen etwa im oberen Drittel dachförmig ab. Darauf folgt eine stärker hervortretende Rippe, 
dann fallen sie senkrecht ab, werden wieder durch eine Rippe begrenzt, um nach der Naht zu wieder mehr 
oder weniger eingezogen zu werden. Die ganze Schale ist mehr oder weniger fein spiral gestreift. Die an Zahl 
sehr variablen wulstigen Querrippen zeigen an Stellen, an denen sie von den Spiralrippen gekreuzt werden, 
gelegentlich Knotenbildung. An dem abgebildeten Exemplar trägt die stärkere untere Linie auch auf den 
Zwischenräumen Knoten. 

Eine ähnliche Skulptur besitzt das stumpfere ©. Peschelianum. 

8 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium interpunctatum Geinitz. 
Taf. II, Fig. 6. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 274, Taf. 60, Fig. 21. 


14 Dr. Karl Deninger. [14] 


Diese äußerst zierliche Art trägt auf den gewölbten Umgängen ihrer spitzkonischen Schale (Ge- 
windewinkel 30— 40°) zahlreiche Querwülste, welche von drei fein gekörnten Längsrippen unter Knoten- 
bildung geschnitten werden. Eine weitere, stets deutlich geperlte Schnur liegt in der Naht. Die Basis ist 
wenig gewölbt und trägt weitere glatte konzentrische Rippen. Die rundliche Mündung verläuft in einen 


mäßig langen, wenig gebogenen schmalen Kanal. 


Bis S mm groß häufig am Forsthaus in Plauen. 


Cerithium Peschelianum Geinitz. 
Taf. I, Fig. 5 u. Io. 
1875. C. Peschelianum u. Lorioli Geinitz. Elbtalgeb. I, S. 267 u. 275, Taf. 59, Fig. 20, 21. Taf. 51, Fig. 7. 

Das spitzkonische bis turmförmige Gehäuse besteht aus acht anfangs weniger, später stärker ge- 
wölbten Umgängen. Die Verzierung wird von zahlreichen Querwülsten gebildet, die sich nach der Naht zu 
in wenig regelmäßige Knoten gabeln können, Die ganze Oberfläche ist mit feinen Längsstreifen bedeckt. 
Die Mündung ist nicht vollständig erhalten. Sie war schief rhombisch, nach oben lang ausgezogen, nach 
unten in einen offenen, schiefen Kanal verlängert. Die Innenlippe steht von der Spindel weit ab. 


Die Abtrennung von C. Lorioli bei Geinitz ist durch nichts begründet. 


6 bis 2 cm große Stücke vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium Sturi Gein. 
Taf. IV, Fig. 9. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 271, Taf. 60, Fig. 15. 

Die Art ist auf ein einziges Exemplar gegründet. Die Schale besitzt einen Gewindewinkel von 35° 
und besteht aus vier Umgängen, welche von der Naht erst schräg und dann ein kurzes Stück senkrecht 
abfallen, so daß ein treppenförmiges Profil entsteht. Die Skulptur besteht aus etwa sieben Längsstreifen, die 
von zahlreichen schwächeren Querrippen unter Knotenbildung geschnitten werden. Die Basis ist gewölbt 


und gestreift. Die große Mündung trägt einen kurzen, gebogenen Kanal. 


ı Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium infibulatum Geinitz. 
Taf. II, Fig. 9. 

1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 272, Taf. 60, Fig. 19. 

Die Umgänge des spitzkonischen Gehäuses zeigen ein charakteristisches Profil. Sie fallen von der 
Naht an zunächst schräg, dann steil ab und sind nach der unteren Naht zu wieder etwas eingezogen. Ihre 
Skulptur besteht aus anfangs zwei, später drei Längsrippen, die mit schwächeren, eng: stehenden Querrippen 
ein Gitterwerk bilden. Die Querrippen sind am deutlichsten auf dem schräg abfallenden Teile der Windungen 
und können auf dem steil abfallenden Teile ganz verschwinden. Die Basis ist gewölbt und trägt konzentrische 


Streifen. Die Mündung ist schief oval mit schwach ausgeprägtem Ausguß. Die Außenlippe ist verdickt. 


5 mm groß häufig beim Forsthaus in Plauen, 


Cerithium costellatum Sow. 
Taf. II, Fig. 7. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 271, Taf. 60, Fig. 16. 


Die spitz kegelförmige Schale besteht aus stark gewölbten Umgängen. Diese tragen eine scharfe 
Gitterskulptur, auf dem letzten Umgang aus zehn Längsrippen und zahlreichen gleich starken Querrippen be- 


[15] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 15 


stehend. Auf der Außenseite der Spindel läßt sich dazwischen eine äußerst feine Querstreifung erkennen. 
Mündung schief mandelförmig mit verdickter Außenlippe und schmaler Innenlippe. 


3 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium macrostoma Geinitz. 
Taf. II, Fig. 8 u. ı1, Taf. IV, Fie. 7. 
1875. Geinitz. Elbthalgeb. I, S. 274, Taf. 60, Fig. IS. 
1875. C. solidum u. subvagans Gein. Ebenda. S. 270 u. 272, Taf. 60, Fig. I3 u 20. 

Das spitz konische Gehäuse besitzt einen Gewindewinkel zwischen 25° und 30°. Die Umgänge sind 
mäßig hoch, gewölbt und tragen zehn bis sechzehn Querwülste, die von glatten Rippen unter schwacher Knoten- 
bildung übersetzt werden. In der Naht liegt eine Linie, die bei dem, Taf. IV, Fig. 7, abgebildeten Exemplar 
fein gekörnelt ist. Die Basis ist gewölbt und gestreift. Die Mündung ist fast rhombisch, nach oben in eine 
Ecke ausgezogen, nach unten mündet sie in einen verengten seitlichen Ausguß. Die Außenlippe läßt auf 
der Innenseite zwei kleine Zähnchen erkennen. Die Innenlippe ist umgeschlagen, von der Spindel etwas 
abstehend. 

Die von Geinitz als C. solidum bestimmten Stücke gehören sicher zu unserer Art. Das beste 
Exemplar von ihnen stellt unsere Abbildung Taf. IV, Fig. 7 dar. Sie haben aber keine Ähnlichkeit mit 
der Abbildung im Elbtalgebirge. 


C. subvagans ist auf ein abgerolltes Exemplar unserer Art begründet. (Taf. II, Fig. 11.) 


4 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium (Horizostoma nov. subgenus) heterostoma Gein. 
Taf. II, Fig. 12, Taf. II, Fig. 9 u. 10. 
1875. Geinitz. Elbtalg. I, S. 271, Taf. 60, Fig. 14. 

Diese Art besitzt eine Mündung, welche sich nur entfernt an bekannte Formen anschließt. Sie ist 
fast viereckig und von der gleichmäßig breit umgeschlagenen Außen- und Innenlippe umgeben. Die Lippen 
schließen über dem wenig gebogenen Ausguß vollständig zusammen und nur eine schmale in die Röhre 
verlaufende Furche bezeichnet die Trennungsstelle. Wie die Gattungen, bezüglich Untergattungen Triforis 
und Zustoma zeigt unsere Art noch einen oberen Ausguß, der ebenfalls von der Mündung völlig abge- 


schnürt an der Naht mündet. Die Naht ist an dieser Stelle etwas nach oben gezogen. 

Die Außenlippe trägt einige kleine Zähnchen. Das aus sechs Windungen bestehende Gewinde 
besitzt einen Winkel von 26 bis 39° und trägt eine Skulptur aus sieben Längs- und zahlreichen Quer- 
rippen, die mehr oder minder kräftige Knoten bilden, so daß die Oberfläche entweder mehr mit Knotenreihen 
bedeckt oder mehr gegittert erscheint. Ein Exemplar zeigt auch einen deutlich ausgeprägten Längskiel. 

Mit der jurassischen Untergattung Eustoma und mit der tertiären und rezenten Gattung Triforis 
hat unsere Art den oberen Ausguß gemein. Sie weicht aber im übrigen so bedeutend von ihnen ab, daß eine 
Vereinigung unmöglich ist. Die Eustoma-Arten besitzen turmförmige Schalen mit niederen, stark geknoteten 
Umgängen, Triforis ist stets links gewunden. 

Eine so stark spezialisierte Art wie C. heterostoma mit dem Gattungsnamen Cerithium zu bezeich- 
nen empfiehlt sich sicher nicht. Ich möchte deshalb vorschlagen, eine eigene Untergattung Horizostoma für 
sie aufzustellen, die wohl in die Nähe von Triforis zu stellen ist. 


3 Exemplare bis 8 mm groß vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium ternatum Reuss. 
Taf. II, Fig. 14 und 15. 


1845. Reuss. Verst. d. böhm. Kreideform. S, 42, Taf. 10, Fig. 3. 
1875. C. aequale und C. sociale Zek. Geinitz. Elbtalgeb. I, Taf. 60, Fig. S und 9. 


16 Dr. Karl Deninger. [16] 


Das spitzturmförmige Gehäuse besitzt einen Gewindewinkel, der zwischen 10° bis 23° schwankt, 
Es wird von etwa 12 Umgängen gebildet, welche von 3 engstehenden Knotenreihen bedeckt werden. Die 
Knoten stehen in schiefen Reihen übereinander, Die Basis ist abgestutzt und war anscheinend sehr 
fein konzentrisch gestreift. Die Mündung ist niedrig, fast rechteckig und trägt einen kurzen schiefen Kanal. 
Das sehr nahestehende Cerithium lassulum Stol, aus der Arrialoor Group unterscheidet sich durch 


stärker vertiefte Nähte. 
Forsthaus in Plauen. 


Nach Reuss im pyropenführenden Konglomerat von Meronitz. 


Cerithium intermixtum Geinitz. 
Taf. II, Fig. 3. 
187:. Geinitz, Elbtalgeb., I, S. 270, Taf. 60, Fig. 11. fl 
Es ist nicht unmöglich, daß (©. intermixtum mit O. ternatum eine Art bildet. Die als C. Zernatum 
bestimmten Stücke würden dann das Jugendstadium von Zntermixtum darstellen. Da aber vollständig er- 
haltene Exemplare fehlen, läßt sich dies vorläufig nicht beweisen. 


Der Gewindewinkel ist sehr spitz, 13° und weniger. Die Umgänge sind flach aber durch eine deut- 
liche Naht getrennt. Die Oberfläche ist mit mindestens vier Knotenreihen von verschiedener Größe bedeckt, 
deren Knoten in senkrechten Reihen über einander stehen. Die Basis ist glatt abgestutzt und konzentrisch 


gestreift. Die Mündung ist rechteckig mit seitwärts gebogenem Kanal. 


3 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium Heberti Geinitz. 
Taf. II, Fig. 13. 
1875. Geinitz. Elbtalgebirge, I, S. 270, Tat. 60, Fig. 10. 

Das kegelfömirge Gehäuse besitzt einen Gewindewinkel von etwa 35°. Bei einer Höhe von 9,5 mm 
lassen sich neun Umgänge erkennen. Die Höhe des letzten beträgt 2,5 mm. Die flachen, durch eine wenig 
vertiefte Naht getrennten Umgänge tragen anfangs vier Reihen runder Knoten, zwischen die sich später 
weitere Knotenreihen einschieben können. Die Knoten stehen in nicht ganz regelmäßigen Reihen überein- 
ander. In der Regel sind die oberste und unterste Reihe eines jeden Umganges die stärksten. Die Basis war 
flach. Von der Mündung ist nur ein Stück des schiefen Kanals erhalten. 


3 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium cf. Heberti Geinitz. 
Aarau, IN, Ike, 10% © 


Dieses von Geinitz zu C. Barrandei gestellte Stück stimmt in der kegelförmigen Gestalt (der 
Gewindewinkel beträgt 39°) sowie in der Skulptur der Anfangswindungen ‚mit C. Heberti überein. Die 
Skulptur nimmt aber auf den späteren Windungen eine ganz andere Weiterentwicklung. Die Knotenreihen 
nehmen an Zahl (8 auf der letzten Windung) nicht aber an Stärke zu und mehr und mehr verschwindet 
die Knotenbildung. Dafür entwickeln sich kräftige Querwülste. Die Mündung ist nicht vollkommen erhalten, 
zeigt aber einen schmalen, seitwärts gebogenen Kanal. Das Stück zeigt einige Ähnlichkeit mit C. conot- 
deum Böhm (Cret. Gastrop. v. Libanon, S. 210, Taf. VI, Fig. 7). 


ı Exemplar vom Forsthaus in Plauen. 


[17] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 1] 


Cerithium dichachondratum nov. nom. 
Taf. II, Fig. {1 und Taf. IV, Fig. 5. 
1875. ©. gallicum Geinitz. Elbtal. I, S. 269, Taf 60, Fig 7 (non d’Orb.) 


Das Gehäuse ist spitz turmförmig, der Gewindewinkel liegt meist in der Nähe von 18°, schwankt 
aber in einzelnen Fällen zwischen ıı° und 24°. 

Die Umgänge sind flach, niederer als bei dem nahestehenden C. Zectiforme und tragen stets nur 
2 Knotenreihen, eine stärkere untere und eine schwächere obere. Durch diese Anordnung der Knotenreihen 
unterscheidet sich unsere Art von C. gallicum d’Orb., welches eine stärkere obere und schwächere untere 
Knotenreihe trägt. 

Außerdem sind die Knoten der sächsischen Art wesentlich zahlreicher. Ebenso zeigt die Mündung 
Unterschiede. Auch von unserer Art liegen keine vollständig erhaltenen Mündungen vor. Was erhalten ist, 
erinnert sehr an C. Zectiforme. Entsprechend den etwas niederen Umgängen ist sie etwas niederer, 
der Ausguß ist deutlich ausgeprägt. Die Basis ist flach und fein gestreift. 

Bis 14 mm groß vom Forsthaus in Plauen (II Stück). 

Ob die von Geinitz hieher gestellten viel größeren Exemplare von Koschütz dieser Art angehö- 
ren, erscheint zweifelhaft. Sie sind fast nur als Steinkerne erhalten und scheinen zwei, beinahe gleiche, 
durch eine breite Furche getrennte Knotenreihen besessen zu haben. 

(Unsere Fig. 5, Taf. IV, ist vermutlich Original von Geinitz Taf. 60, Fig. 7.) 


Cerithium Münsteri Keferstein. 
Taf. II, Big: 1. 

1829. Keferstein. Deutschland, VIII, S. 99. 
1842. Goldf. Petref. Germ., III, S. 36, Taf. 174, Fig. 14. 
1852. C. frequens, solidum, ınterjectum, (?) complanatum, Münsteri, breve, rotundatum Zek., Gastrop. Gosau, Taf. 20, 

Fig. I, 3, 4, 8, Taf. 21, Fig. I, 3—7. 
1866. Stoliczka. Revision d. Gastr. Gosau, S. Iol. 
1875. C. Heberti (pars.) Geinitz. Elbtalgeb. S. 270. 


Das einzige Stück dieser Art vom Forsthaus in Plauen zeigt wenig gewölbte Umgänge, die sich 
ein wenig umfassen. Vier Knotenreihen jedes Umganges bleiben ungedeckt. Die Knoten stehen in senk- 
rechten Reihen übereinander. 

Die Basis ist gewölbt und zeigt sechs weitere Streifen, von denen die drei oberen ebenfalls geknotet 
sind. Die Mündung ist schief mandelförmig mit kurzem gebogenen Kanal. 

Die Höhe des Stückes beträgt 16, die Höhe des letzten Umganges 3, die Breite 5 mm. 


Cerithium Fritschei Geinitz. 
Taf. IV, Fig. ı. 
1875. Geinitz Elbtalgeb., I, S. 271, Taf. 60, Fig. 12. 

Die acht Umgänge des turmförmigen Gehäuses (Gewindewinkel 24°) sind anfangs wenig, später 
ziemlich stark gewölbt. Auffällig ist der Wechsel in der Skulptur, den alle hieher gehörigen Stücke zeigen. 
Die ersten Umgänge tragen fünf Längsreihen dichtgedrängter Knoten, die in Querreihen angeordnet sind. 
Auf den späteren Umgängen rücken diese Querreihen auseinander und bilden durch breite Täler getrennte 
Wülste, die von den Längslinien ohne Knotenbildung übersetzt werden. Nur die oberste Längslinie verliert 
ihre Knoten nicht und zieht als Perlenschnur unter der Naht hin. Die Längsrippen vermehren sich auf den 
späteren Umgängen dadurch, daß einzelne Rippen von der Unterseite auf die Außenseite heraufrücken. Die 
Basis ist gewölbt und kräftig gestreift. Die Mündung war schief mandelförmig mit kurzem schmalen Ausguß,. 

Das abgebildete Exemplar weicht von den übrigen dadurch ab, daß die ersten Windungen eine 
ähnliche Skulptur wie die letzten tragen und erst die dazwischen liegenden Windungen die dicht gedrängten 
Knotenreihen zeigen. 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns. Bd. XVII. 3 


18 Dr. Karl Deninger. [1 8] 


Einen ähnlichen Wechsel in der Skulptur zeigt das von Rehbinder, Cret. Sandst. von Baskundschak, 
Taf. IV, Fig. ı, abgebildete Stück von Cerithium Phillipsi. 
3 Exemplare bis II mm groß vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium Rudolphi Geinitz. 
Taf. III, Fig. 6 u. 7. Taf. IV, Fig. 4. 
1875. ©. Rudolphi, Hübleri, Strombecki Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 273, 274, Taf. 60, Fig. 23, 25, 26. 


Das sehr spitze Gehäuse besteht aus über zehn gewölbten Umgängen. Diese tragen auf jedem 
Umgang neun bis zwölf Querwülste, die sich zu ziemlich deutlichen Reihen anordnen. Die darüber 
hinziehenden drei Längsrippen bilden auf ihnen mehr oder weniger ausgeprägte Knoten, und zwar sind die 
Knoten der Mittelrippe immer am stärksten. Außerdem liegt in der Naht eine Linie. Die Mündung war 
annähernd quadratisch mit kurzem, nach unten gewandten Kanal und abstehender Innenlippe. 

Die von Geinitz als ©. Hübleri und Strombecki beschriebenen Formen stellen die selteneren 
links gewundenen Stücke unserer Art dar. 

Nicht selten am Forsthaus in Plauen. 


Cerithium Gümbeli Geinitz. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 274, Taf. 60, Fig. 29, 30. 


Das spindelförmige Gehäuse besteht aus zahlreichen (bis zehn) gewölbten Umgängen, die durch eine 
deutliche Naht getrennt sind. Sie tragen 12 bis I8 schmale, kräftige Querrippen auf einem Umgang. Außer- 
dem läßt die Oberfläche eine feine Spiralstreifung erkennen. In der Naht liegt eine stärkere Spirallinie. Die 
enge Mündung trägt einen nach unten gewandten Kanal, die Spindel eine kräftige Falte. Diese häufige 
charakteristische Art wurde von Geinitz gut abgebildet. 

Forsthaus in Plauen. 


Cerithium conversum Geinitz, 
Taf. III, Fie. 5. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 273, Taf. 60, Fig. 27. 

Das vollständigste Exemplar besitzt bei einer Länge von 16 mm sieben Umgänge. Der im Verlauf 
des Wachstums spitzer werdende Gewindewinkel beträgt etwa 20°. Die Umgänge sind gewölbt, mit etwa 
zwölf Querwülsten verziert, die breite Täler zwischen sich frei lassen. Sie werden von sieben bis acht 
Längsstreifen übersetzt, die in den Tälern schmal sind und sich auf den Hügeln verbreitern. Die Basis ist 
gewölbt, konzentrisch gestreift. Die Mündung ist eiförmig und verläuft nach unten in einen breiten Aus- 
guß. Die Innenlippe ist zurückgeschlagen und nach unten zu etwas vom letzten Umgang abgelöst. (Die 
Mündung ist in der Abbildung bei Geinitz total verzeichnet.) 

Alle vorliegenden Exemplare sind links gewunden. Ich wage deshalb nicht, sie ohne weiteres mit 
dem sehr ähnlichen C. reticulatum Sow. (Reuß, Verst. böhm. Kreideform, S. 42, Taf. X, V) und Cer:- 
thium vicinum Werneuil (Descript. foss. N&ocomien sup. Utrillas, S. 13, Taf. II, IV) zu vereinigen. 

5 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium provinciale d’Orb. 
Taf. IV, Fig, 2. 
1842. d’Orb. terr. cret, S. 380, Taf. 233, Fig. 3. 


1852. C. provinciale u. torosum Zekeli. Gastrop. Gosau, S. 109, ILo, Taf. 22, Fig. 2 u. 5. 
1860. Stoliczka. Revision, S, 106, 


1875. ©. Rudolphi (pars.) u. C. sexangulum Geinitz. Elbtal, I, S. 273, Taf. 60, Fig. 22. 
1893. C. cf. provinciale Fri&. Priesener Schichten, S. 88, Fig. XC. 


[19] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 19 


Unser Originalexemplar, von Geinitz zu C. Rudolphi gestellt, ist ein Bruchstück, das aus fünf 
ziemlich flachen Windungen besteht. Diese tragen eine sich vermehrende Anzahl von Querwülsten — neun 
auf dem letzten Umgang, — die von fünf Längsrippen übersetzt werden. Eine weitere Längsrippe liegt in 
der Naht und hat demgemäß keinen gewellten Verlauf. 

Die von Geinitz als C. sewxangulum Zek. beschriebenen zwei kleinen Schälchen gehören bestimmt 
nicht zu der Gosauart. Ich möchte sie als Jugendstadien dieser Art auffassen. 

3 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium bizonatum Geinitz. 
Tas Bıe72, 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 269, Taf. 60, Fig 6. 

Das einzige vorliegende Exemplar zeigt sich als Vertreter einer gut charakterisierten Art. Die Um- 
gänge tragen zwei kräftige Längsgürtel, deren unterer sich auf den letzten Umgängen zu teilen beginnt. 
Der tief eingesenkte Zwischenraum zwischen den Gürteln ist fein quergestreif-: Die Basis ist abgeflacht. 
Die Mündung scheint viereckig gewesen zu sein. Ein kleiner Nabel ist vorhanden. 

Das 3 mm große Schälchen stammt vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium Toermerianum Geinitz. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 268, Taf. 60, Fig. 2. 


Die Schale hat einen Gewindewinkel nahe an 35° und besteht aus mehr als fünf stark gewölbten 
Umgängen, die an Gröfse zunehmen und mit schmalen Spiralstreifen bedeckt sind. Die Mündung ist halb- 
kreisförmig und läuft in einen gebogenen Kanal aus. Die Spindel trägt zwei Schwielen. 

Die Abbildung von Geinitz ist ziemlich richtig. Die Spiralstreifen sind nur viel zahlreicher 
und der Verlauf der Spindelfalten, die auch kräftiger sind, ist steiler von oben nach unten, 

2 Stück, etwa 2 cm groß, vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium difficile Geinitz. 
Taf. II, Fig. 8. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S 272, Taf. 60, Fig. 17. 

Die turmförmige Schale besitzt einen Gewindewinkel von 26° und besteht aus mehr als fünfstark gewölbten 
Umgängen, welche fünf starke Längsrippen und zahlreiche, etwas schwächere Querrippen tragen. Die auf dem 
am meisten vorragenden Teil der Umgänge gelegene vierte Längsrippe ist die stärkste. Die Basis ist ge- 
wölbt und trug jedenfalls konzentrische Streifen. Die Mündung ist nicht erhalten. Sie scheint rundlich 
mit kurzem Ausguß gewesen zu sein. 

Die Art nimmt eine vermittelnde Stellung zwischen C. Rudolphi und infibulatum ein. 

2 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium acus Geinitz, 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 268, Taf. 60, Fig. 4. 
Dieser spindelförmige, glatte Cerithium wurde von Geinitz im allgemeinen richtig abgebildet. Die 
verletzte Mündung läßt aber nichts mehr von einem Kanal erkennen. 


2 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium (Fibula) detectum Stoliczka. 
1868. Stoliczka. Cret. Gast. S. India, S. 192, Taf 15, Fie. ı. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb,, I, S. 266, Taf. 59, Fig. 7. 
Die Abbildung bei Geinitz ist zwar aus mehreren Stücken zusammengestellt, gibt aber den 
Charakter der Art richtig wieder. 
Forsthaus in Plauen. 
SE 


20 Dr. Karl Deninger. [20] 


Cerithium Fischeri Geinitz. 
Taf. III, Fig. 8. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 268, Taf. 60, Fig. 3. 

Das von Geinitz unter diesem Namen beschriebene Stück ist das einzige dieser Art. Daß es sich 
um ein Cerithium handelt, beweist der deutlich ausgeprägte, schmale Ausguß. Das Gehäuse ist turmförmig 
mit einem Gewindewinkel von etwa 20°. Bei einer Höhe von Io mm besteht dle Schale aus 13 Umgängen. 
Die Skulptur erinnert außerordentlich an gewisse Turitellen. Sie besteht aus zwei sehr stark hervortretenden, 
oben kantigen Längsstreifen, die auf ihrem oberen Teile eine glatte, aufgesetzte Linie tragen. Der nach 
unten abfallende Teil der Längskanten läßt stellenweise eine außerordentlich feine Querstreifung erkennen. 
Die Mündung ist eng und trägt einen schmalen, stark zur Seite gebogenen Kanal. 


ı Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Cerithium belgicum Münst. 
Taf. IV, Fig. 6. 


184I—1844. Münst. und Goldf. Petref. Germ,, II, S. 34, Taf. 174, Fig. 2. 
1847. @’Archiac. M&m. soc. geol. France 2, II, 2, S. 344, Taf. 35, Fig. 2. 
1850. d’Orb. Prodr. Pal., II, S. 156, 

1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 267, Taf. 59, Fig. 18. 

Die Abbildung und Beschreibung von Geinitz stimmt überein mit den ihm damals vorliegenden 
Stücken von Koschütz, nur ist der Außenteil der Mündung ergänzt. Unter dem neuerdings gesammelten 
Material aus dem Ratssteinbruch von Plauen befinden sich aber einige zu dieser Art gehörige Stücke, die 
nicht unbeträchtlich von den übrigen abweichen. 


In der Regel umfaßt bei dieser Art der spätere Umgang: den früheren, so daß der mit den kleinen 
Rippen verzierte Teil auf den vorhergehenden Umgang zu liegen kommt. Der bedeckte Teil trägt aber 
auch ebensolche Rippen, wie die Abbildung von d’Archiac am letzten Umgang erkennen läßt. Bei einigen 
mir vorliegenden Exemplaren umfassen sich die Umgänge nicht und lassen daher am oberen und unteren Teil 
die Rippen sehen. Einige von diesen Rippen sind auch stärker ausgebildet und treten mit den gegenüber- 
liegenden durch geschwungene Linien in Verbindung. Die Längsstreifung ist auf der ganzen Schale deut- 
lich. Hierdurch kommt eine Skulptur zu stande, welche mit der von C. Guentheri übereinstimmt, denn 
dieses besitzt, was Geinitz übersah, ebenfalls die spirale Streifung. Als Unterschied zwischen beiden 
Arten bleibt aber die spitzere Gestalt von Cerithium belgicum und die charakteristische Mündung von 
C. Guentheri, denn, wenn wir auch die Mündung von C. belgicum noch nicht vollständig kennen, so 
scheint sie doch von derjenigen von C. Guentheri abzuweichen. 


Eine C. belgicum nahe verwandte Form beschreibt Koßmat unter dem Namen C. Karasurense 
aus dem Cenoman von Pondicherri. (Cret. Pondich., S. 89, Taf. VII, Fig. 5, 6.) Bis über 6 cm groß im 
Ratssteinbruch von Plauen, Koschütz und Zscheila bei Meißen. 


Cerithium Guentheri Gein. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 267, Taf. 59, Fig. 19, Taf. 60, Fig. 1. 

Die spitz konische Schale besteht aus etwa acht flachen Windungen, deren Höhe zur Breite sich 
wie 5:11 verhält. Sie tragen meist schwach s-föürmig gebogene Querstreifen, die nach der Mitte zu oder 
auch nach oben und unten an Stärke abnehmen können und von ganz feinen Längslinien übersetzt werden. 
Die Mündung besitzt einen nur wenig schiefen, mäßig langen Ausguß und zeigt mehrere Verdickungen an 
Außenlippe, Innenlippe und Spindel. (Vergl. Abbildung bei Geinitz, Taf. LIX, Fig. 19.) Die von Geinitz, 
Taf. LX, Fig. 1, abgebildeten Mundwülste sind angeklebte Schalenstücke. 


J Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 21 
21 F 


Cerithium Bircki Geinitz. 
1850. Geinitz. Quad. Deutschland, S. 140, Taf. X, Fig. I. 
1868. Cerithium inauguratum Stoliczka. Cret. Rocks S. India, S. 193, Taf. XV, Fig. 20. 
1875. Geinitz. Elbtalgeb., S. 265, Taf. 61, Fig. 8. 

Der Abbildung und Beschreibung von Geinitz ist nichts hinzuzufügen. Von den von Stoliczka 
als CE. inauguratum bestimmten Stücken gehört das Fig. 20 abgebildete Exemplar zu unserer Art. Für 
die übrigen abgebildeten Stücke erscheint die Bestinnmung zweifelhaft. Sie sind vielleicht mit der von 
White (Cret. invert. fossils Brazil., S. 141, Taf. XIII, Fig. 9) beschriebenen Nerinea inaugurata identisch. 
Große Ähnlichkeit in Umriß und Skulptur zeigt ©. cf. inauguratum Quaas aus den Overwegischichten.!) Es besitzt 
jedoch ausgeprägte Spindelfalten, während unsere Stücke nur Andeutungen davon erkennen lassen. Auf- 
fallend ist ferner die Ähnlichkeit in der Skulptur mit den oberen Windungen der englischen eocänen Formen 
incomptum und cornucopiae (Diseon, Geologie of Sussex, S. 1oL, Taf. VI, 5, und S. 181, Taf. VI, 18). 
Hier scheint die ontogenetische Entwicklung auf die phyllogenetische zurückzuweisen. 

Plauen, Hoher Stein, Gamighügel, Zscheila bei Meißen. 


Dolium nodosum Sow. 


1823. Sowerby. Min. Conch., Taf. 426 u. 427. 

1842. Pterocera incerta d’Orb. Terr. cret., II, S. 308, Taf. 215. 

1850. Cassidaria incerta Dixon. Geol. Sussex, S. 350, 358, Taf. 29, Fig. 7. 
1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 261, Taf. 58, Fig. 13. 


I Exemplar von Plauen. 


? Tritonium cretaceum Müller. 
1851. Müller. Monogr., Il, S. 47, Taf. 5, Fig. 2. 
1857. Turbo plauensis Gein. Elbtalgeb., S. 255, Taf. 58, Fig. ıı. 
1887. Holzapfel. Palaeontogr., 34, S, 113, Taf. 10, Fig. 5—7. 

Ein einzelnes Exemplar vom Forsthaus in Plauen ist von Geinitz unter dem Namen Turbo 
plauensis beschrieben und bis auf die Mündung richtig abgebildet worden. Von dieser ist nur wenig er- 
halten. Sie scheint aber nicht rund gewesen zu sein, sondern in einem Ausguß verlängert. Das Stück 
scheint daher ein Tritonium zu sein, und die Skulptur stimmt mit dem Aachener Tritonium cretaceum überein. 

ı Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Columbella insignis Gein. 
1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 264, Taf. 59, Fig. 4. 
1875. Cancellaria minima Gein. Elbtalgeb., I, S. 265, Taf. 59, Fig. 2. 

Bei keinem der zahlreichen, von Geinitz als Cancellaria minima bestimmten Stücke ließen sich 
Spindelfalten nachweisen, außer bei einem, welches aber jedenfalls zu Volutoderma insignis gehört. Die 
Fig. 2 abgebildete umgeschlagene Innenlippe konnte ich ebenso wenig beobachten. Es fällt somit jeder 
Unterschied zwischen Columbella insignis und Concellaria minima weg. In Fig. 4 ist die Spindel etwas 
zu lang gezeichnet. Die meisten Stücke lassen deutlich eine feine Längsstreifung erkennen. 

13 Stück von Plauen (Forsthaus). 


Columbella (2?) clathrata Gein. 
1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 264, Taf. 59, Fig. 5 und 61, Fig. 3. 


Die Exemplare dieser Art sind alle sehr schlecht erhalten. Wahrscheinlich handelt es sich um gar keine 
Columbella, sondern um ein Triton. 


1) Palaeontographica 30, 2. S. 262. Taf. 26, Fig. 27 a—b. 


22 Dr. Karl Deninger. [22] 


Murex armatus Gein. 
1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 263, Taf. 59, Fig. 16. 


ı Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Fusus electus Gein. sp. 
1875. Trobhon electum Gein. Elbtalgeb., I, S. 264, Taf. 59, Fig. 13. 


4 Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Fusus audacior Gein. 
1875. Rapa audacior Gein. Elbtalgeb., I, S. 262, Taf. 59, Fig. 9. 


3 Stück von Plauen (Forsthaus). 


Pyropsis Corneti Gein. sp. 
1875. Rapa Corneti Gein. Elbtalgeb., I, S. 263, Taf. 59, Fig. Tı. 

Wie Geinitz erwähnt, finden sich von dieser Art Zwergexemplare von wenigen Millimetern Länge 
am Forsthaus in Plauen. Im Ratssteinbruche dagegen sind Steinkerne dieser Art von 3 bis 4 cm Länge nicht 
selten. Eines der ersteren bildet Geinitz zwar etwas ergänzt, aber wohl richtig ergänzt ab. Die großen 
Exemplare zeigen auch an Steinkernen eine kräftigere Skulptur. Die Längsrippen, die sich an manchen 
Stücken etwas vermehren, können auf den Querrippen dicke Knoten bilden. 

13 Stück von Plauen (zum Teile Forsthaus). 


Fusus (Siphonalia) pauperculus Gein. sp. 
Taf. IV, Fig. 8. 

1875. Neptunea paupercula Gein. Elbtalgeb, I, S. 261, Taf. 59, Fig. 6, 7. 
1875. Phasianella Beyrichi Gein. Elbtalgeb, I, S. 250, Taf. 54, Fig. 12, 13. 
1875. ? Turbo cf. Raulini Gein. Elbtalgeb., I, S. 255, Taf. 61, Fig. 1, 2. 

Das mäßig hohe Gewinde besteht aus fünf bis sieben gewölbten, fein längsgestreiften Windungen. 
Die halbkreisförmige Mündung verlängert sich in einem kurzen, etwas zur Seite gedrehten Kanal. Die 
Innenlippe ist umgeschlagen. Phasianella Beyrichi ist auf Exemplare dieser Art begründet. Unsere Ab- 
bildung stellt eines derselben dar. 

Geinitz beschrieb als Turbo cf. Raulini zwei kleine Gastropoden, welche nicht sicher bestimmbar 
sind. Sie besitzen einen deutlichen Kanal und dürften vielleicht zu unserer Art gehören. 

13 Stück von Plauen (Forsthaus) und Koschütz. 


Volutoderma distincta Gein. sp. 
1375. Fasciolaria distincta und Neptunea misera Gein. Elbtalgeb., I, S. 261, Tat. 59, Fig. 8, 15. 

Das von Geinitz als Neptunea misera beschriebene Stück scheint ein schlecht erhaltenes Jugend- 
exemplar unserer Art zu sein. Sie scheint nächstverwandt mit Volufoderma (Fulguraria) multistriata 
Stol. aus der Trichonopolygroup, Südindien. 

II Stück vom Forsthaus in Plauen. 


Conus Briarti Gein. sp. 
1875. Rapa Briarti Gein. Elbtalgeb., I, S. 263, Taf, 57, Fig. 12. 
Das Gewinde ist etwas flacher als in der Abbildung bei Geinitz, die Kante des letzten Umganges 
schärfer und die Längsrippung kräftiger. Die Art gehört zweifellos zu Conus, 
ı Stück von Plauen (Forsthaus). 


[23] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 23 


Actaeon Bölschei Gein. 
1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 275, Taf. 61, Fig. 6. 


I Exemplar von Plauen (Forsthaus). 


Actaeon Braunsi Gein, 
1875. Gein. Elbtalgeb., I, S. 275, Taf. 61, Fig. 5. 


Die Knoten sind besonders in Abbildung 55 zu kräftig wiedergegeben. 
ı Exemplar von Plauen (Forsthaus). 


Actaeon obscurum Gein. (Elbtalgeb., I, S. 275, Taf. 59, Fig. I) ist auf ein nicht besonders gut er- 
haltenes Exemplar gegründet, welches wohl zu Zitorina minuta gehört. Die zierliche Skulptur entstammt 
der Phantasie des Zeichners. 


Actaeonella conica Briart u. Cornet. 
1868. Briart u. Cornet. Meule de Bracquegnies, S. 42, Taf. 3, Fig. 13, 14. 
1875. Trochactaeon Briarti Gein. Elbtalgeb., I, S. 275, Taf. 58, Fig. 7—-10. 
1897. Actaeonella acuminata Fri. Chlomeker Schichten, S. 48, Fig. XLVII. (Nicht Actaeonella Briarti Gein,, Frie: 

Ebenda, Fig. XLVII.) 

Die Schale ist glatt und doppelt konisch. Von der breitesten Stelle, welche am oberen Teile des 
letzten Umganges liegt, verjüngt sich dieser mit einem Winkel von 12° zum unteren, schräg abgestutzten 
Teil des Gehäuses. Die Spindel trägt drei deutliche Falten. Sehr veränderlich ist, wie dies auch bei ver- 
wandten Arten meist der Fall ist, die Höhe des Gewindes. Sie ist nicht nur individuell verschieden, sondern 
ändert sich im Laufe der Entwicklung der Individuen, und zwar so, daß in der Regel ein in der Jugend 
spitzeres Gewinde im Alter stumpfer wird. 

Actaeonella conica liegt mir in 15 Stücken (bis 16 mm groß) aus dem unteren Quader von 
Koschütz, ferner in etwas größeren Exemplaren von Kolubitz in Böhmen vor. Frit beschreibt sie aus den 
Schwefelkiesplatten von Tannenberge, Briart aus Bracquegnies, 


Actaeonina (Etallonia) Stelzneri Gein. sp. 
1875. Trochactaeon Stelzneri Gein. Elbtalgeb., I, S. 276, Taf. 58, Fig. 4-6. 


8 Stück von Plauen (Forsthaus). 


Cylichna cf. Bosqueti Holzapfel. 2 
1887. Cylichna Bosqueli Holzapfel. Mollusken, Aachener Kreide, S. 75, Taf. 6, Fig. 7, 8. E 


Zwei nicht sicher bestimmbare Bruchstücke vom Forsthaus in Plauen haben große Ähnlichkeit 
mit der Art aus dem Grünsand von Vaals. 


Bullina pusilla Sow. sp. 
1837. Phasianella pusilla Sow. Fitton, Observ., S. 343, Taf. 28, Fig. 13. 
1850. » » d’Orb. Podr. Pal., II, S. 151. 
1875. » » Geinitz. Elbtalgeb., I, S. 250, Taf. 54, Fig. 11. 

Die mit einer Falte versehene, gedrehte Spindel und der breite seitliche Ausguß lassen erkennen, 
daf3 diese Art nicht zu Phasianella, sondern zu den Actaeoniden gehört. Sie dürfte sich hier am besten 
an die Gattung Bullina anschließen, 

4 Stück von Plauen (Forsthaus). 


24 Dr, Karl Deninger. [24] 


Die Gastropoden des Turon und Senon. 


Patella inconstans Gein, 


1875. Geinitz. Elbtalgeb., II, S. 167, Taf. 30, Fig. I, 2. 
1897. Fric. Chlomeker Schichten, S. 49. 


5 Stück von Zatzschke, terner im Ob. Quader von Kreibitz in Böhmen. 


Patella angulosa Gein,, Elbtalgeb., II, S. 168, ist kein organischer Rest, sondern eine mineralische 
Bildung. 


Pleurotomaria (Leptomaria) perspectiva Mant. sp. 


1822. Cirrus berspectivus Mantell. Geol. Sussex, S. 194, Taf. 18, Fig. 12, 21. 

1823. » » Sow. Min. Conch., Taf. 428, Fig. ı u. 2. 

1842. Pleurotomaria perspectiva d’Orb. Terr. cret., II, S. 255, Taf. 196. 

1846. » linearis Reufß. Böhm. Kreide, II, S. 47. 

1870. > » Roemer. Geol. v. Oberschlesien, S. 318, z. T. Tat. 35, Fig. 1. 
1875. » berspectiva Gein. Elbtalgeb., II, S 166, Taf. 29, Fig. 11. 

1889. » » Fri&. Teplitzer Schichten, S. 74, Fig. 49. 


Diese Art, die sich von der folgenden durch ihr höheres Gewinde und gerundete Umgänge leicht 
unterscheidet, liegt nur in einem skulpturlosen Steinkern von Strehlen vor. Im gleichen Erhaltungszustand 
kommt sie in den Teplitzer Schichten vor. 


Pleurotomaria (Leptomaria) linearis Mant. sp. 


1822. Trochus linearis Mantell. Geology of Sussex, S. IIo, Taf. 18, Fig. 16 u. 17. 
1840. Pleurotomaria distincta (non Dujardin) Gein. Char., II, S. 46, Taf. 13, Fig. 8, Taf. 15, Fig. 18 u. 19. 
1844. Pl. seriato-granulata, distincta, velata, granulifera Goldfuß. Petref. Germ., IH, S. 75, 76, Taf. 186, Fig. 10, 


87, Fig. I—3. 
1846. Pl. secans (nicht Pl. linearis!) Reuß. Böhm. Kreide, I, S. 47, Tat. X, Fig. 8b u. c. 
1849. Pl. linearis Gein. Quad. Deutschl., S. 134. 
1850. Pl. perspectiva (non Mantell) Dixon. Geol. Sussex, S. 358, Tat. 27, Fig. 27. 
1875. Pl. linearis u. seriato-granulata Geinitz. Elbtalgeb., II, S. 165 u. 166, Taf. 19, Fig. 10. 
1883. Pl. linearis Fri&. Iserschichten, S. 95, Fig. 57. 
1888, Pl. cf. distincta, Goldf., Holzapfel. Aach. Kreide, S. 176, Taf. 20, Fig. 6. 
1889. Pl linearis Frit. Teplitzer Schichten, S. 74, Fig. 48. 
1893. » » » Priesener Schichten, S. 84. 

Goldfuß beschrieb unter den oben angeführten Namen eine Anzahl Pleurotomarien, die unter- 
einander große Ähnlichkeit besitzen und deren Identität von verschiedenen Autoren vermutet wurde (vergl. 
Holzapfel, Aach. Kreide, S. 175, 176). Nach dem mir vorliegenden Material aus Sachsen und einigen 
norddeutschen Vergleichsstücken glaube ich nicht, daf sich eine Trennung aufrecht erhalten läßt. Die 
besterhaltenen Stücke von Strehlen stehen der von Goldfuß als Pl. seriato-granulata abgebildeten Form 
am nächsten. 

An anderen Stücken sind die Längsstreifen etwas zahlreicher und feiner. Von Ahlten b. Hannover 
liest mir ein außerordentlich fein gestreiftes Exemplar vor, ein anderes zeigt diese feine Streifung nur auf 
der Außenseite der Umgänge, während die Oberseite der Schale noch die etwas gröbere Skulptur von 77. 
seriato-granulata Goldf. bewahrt hat. 

Ganz unbegreiflich bleibt unbedingt, daß Geinitz auch eine Pl. seriato-granulata anführt. Das 
betreffende Stück aus dem Mittl. Quader von Cotta bei Pirna ist zwar sehr schlecht erhalten. Es läßt 
sich aber kein Unterschied von den als Pl. linearıs bestimmten Stücken auffinden. 

Ob die von Frit, Weißenberger Schichten, Pleurot. seriato-granulata, Fig. 47, hieher gehört, scheint 
mir nach der schlechten Abbildung nicht ganz sicher, doch ist sie mindestens nahe verwandt. 

Pleurotomaria linearis liegt mir vor aus dem Pläner von Strehlen und Weinböhla und dem Mittl. 
Quader von Großcotta bei Pirna, dem Turon von Quedlinburg, Ilseburg u. Ahlten b. Hannover, dem Senon 
von Bochum. In Böhmen hat sie ihre Hauptverbreitung in den Teplitzer Schichten. 


[25] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 25 


Pleurotomaria (?) baculitarum Gein. 
? 1845. Pleurotomaria sublaevis Reuß. Böhm. Kreide, I, 47, Taf. 10, Fig. 9, Taf. 12, Fig. 10. 
1865. Pl. baculitarım und funata (non Reuß) Gein. Elbtalgeb., Il, S. 167, Taf. 31, Fig. 9 u. 7. 
1893. » » Fried. Priesener Schichten, S. 84, Fig. 73. 

Die Schalen dieser Art kommen im Baculitenmergel von Zatzschke nur vollständig zusammenge- 
drückt vor. Sie tragen auf der Oberseite eine unregelmäßige, stellenweise etwas gekörnelte Streifung. Die 
Unterseite ist noch feiner gestreift. Radialrippen lassen sich bei unseren Stücken nicht erkennen, Ein 
Schlitzband konnte ich nicht beobachten. Die Art könnte also auch zu Trochus oder Solerium gehören. Pl. 
funata bei Geinitz gehört hieher und hat mit der Art bei Reuß keine Ähnlichkeit. 


7 Stück aus dem Baculitenmergel von Zatzschke. Nach Fri®@ in den Priesener Schichten. 


Turbo Steinlai Gein. 
Taf. I, Fig. 12. 
1875. Gein.: Elbtalgeb., II, S. 161, Taf. 29, Fig. 9. 
1889. Fritsch: Teplitzer Schichten, S. 75, Fig. 51. 

Sechs runde Umgänge bilden mit einem Winkel von etwa 70° das Gehäuse. Die Verzierung ist 
ziemlich veränderlich. Sie besteht aus geknoteten Längsrippen, welche auf der Oberseite meist bedeutend 
kräftiger sind als auf der Unterseite. Sind die Linien auf der Unterseite sehr fein, so kann ihre Knotung 
gänzlich verschwinden. In der Regel liegt im oberen Teil der Außenseite eine stärkere Knotenreihe. 

Io Stück von Strehlen. 


Turbo Buchi Goldf. 
Taf. IV, Fig. 12. 


1838. Solarium decemcostatum v. Buch: In Karstens Archiv, Bd. XI, S. 315. 
1844. Trochus Buchii Goldf. Petref. Germ., III, S. 60, Taf. 182, Fig. 1. 
1845. Solarium decemcostatum Reuß. Böhm. Kreide, S. 48, Taf. X, Fig. 12. 
1875. Turbo Buchü Gein. Elbtalgeb., II, S. 164, Taf. 29, Fig. 8. 
1889. Turbo decemcostatus Fric, Teplitzer Schichten, S. 74, Fig. 50. 
1893. » 5 » Priesener Schichten, S. 82. 
1897. » » » Chlomeker Schichten, S. 44. 
Da Leop. v. Buch keine Abbildung dieser Art gibt, so hat der Goldfußsche Name die Priori- 
tät. Es liegen nur fünf ziemlich schlecht erhaltene Stücke von Strehlen vor. 
Die Abbildung bei Geinitz ist recht schlecht. Die Nähte sind in Wirklichkeit stärker vertieft, 


die Längsrippen kräftiger und die Knoten stets, besonders bei dem Originalexemplar, viel schwächer. 


Trochus amatus d’Orb. 
Taf. IV, Fig. 14. 

1844. Trochus Basteroti Goldfuß. Petref. Germ, II, S. 58, Taf. ıSı, Fig. 7. 
1850. » amatus d’Orb. Prodr. Pal., II, S. 224. 
1875. Gein.: Elbtalgeb., II, S. 164, Taf. 29, Fig. 7. 
1893. FriC: Priesener Schichten, S. 82, Fig. 69. 

Über fünf ebene, selten schwach gewölbte Umgänge bilden mit einem Winkel von etwa 45° die 
Schale und sind durch tiefe Nähte geschieden. Die Basis ist nur schwach gewölbt. Da von dieser Art 
nur Steinkerne erhalten sind, ist die Skulptur nur mangelhaft bekannt. Sie besteht in der Regel aus fünf 
Knotenreihen auf der Aufßenseite der Umgänge, während die Basis glatt ist; die Knoten sind meist in 
Reihen geordnet, die von der Naht schräg nach rückwärts laufen, und bei manchen Exemplaren durch 
schwache Querrippen verbunden sind, 

8 Stück von Strehlen. 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII. 4 


#6 Dr. Karl Deninger. [26] 


Trochus (Craspedotus) Engelhardti Gein. 
1875. Gein.: Elbtalgeb., II, S. 163, Taf. 29, Fig. 5. 
1893. Fri: Priesener Schichten, S. 82, Fig. 68. 

Die Exemplare aus Böhmen, wo diese Art in den Priesener Schichten ungemein häufig ist, weichen 
von den sächsischen stets in der Skulptur etwas ab. (Vergl. Abbildung bei Fri?) In der Regel sind bei 
der böhmischen Varietät die beiden unteren Knotenreihen der Umgänge am stärksten ausgebildet und über 
ihnen folgen ein bis zwei schwächere, In seltenen Fällen fand sich eine Verdickung der Außenlippe, ähn- 
lich Trochus Reichi von Plauen, was mich veranlaßt, die Art zu Craspedotus zu stellen. Der böhmischen 
Varietät sehr ähnliche Stücke mit drei Knotenreihen, von denen die unterste die stärkste ist, finden sich 
im Baculitenmergel von Zatzschke (drei Stück). Außerdem liegen mir drei Stück von Strehlen vor, die mit 


der Abbildung von Geinitz übereinstimmen. 


Natica (Gyrodes) acutimargo Roem. 
Taf. IV, Fig. 13 u. 17. 
1841. Roem.: Nordd. Kreide, S. 83, Taf. 12, Fig. 14. 
1887. Holzapfel: Palaeontogr., 34, S. 142, Taf. 14, Fig. 27. 

(Nicht 1901. Sturm: Kieslingswalde, S. 65, Tat. 4, Fig. 7.) 

Diese Art wurde verschiedentlich mit N. Geinitzi verwechselt. Nachdem Holzapfel (l. c.) die 
Unterschiede zwischen beiden Arten klargelegt hatte, wurde die Natica Geinitzi wieder von Sturm unter 
dem Namen unserer Art aufgeführt. Daß die echte N. acutimargo ebenfalls in Kieslingswalde vorkommt, 
ist ihm entgangen. Sie unterscheidet sich von N. Geinitzi durch flaches Gewinde, das nur gelegentlich 
dadurch etwas hervortritt, daß der letzte Umgang etwas heruntergezogen ist, weniger scharfe Begrenzung 
der Nahtfurche, noch schnellere Größenzunahme der Windungen, kantig begrenzten Nabel (daher der Name 
acutimargo), und dadurch, daß die gröfste Breite der Schale über der Mitte des letzten Umganges liegt. 
Roemer erwähnt eine feine Längsstreifung, die von späteren Autoren nicht mehr erwähnt wird, wahr- 
scheinlich also selten erhalten ist. Unseren Strehlener Stücken fehlt sie ebenfalls, dagegen zeigt sie deutlich 
das einzige wohlerhaltene Exemplar aus Kieslingswalde im Min. Museum zu Dresden. 


Natica acutimargo liegt mir in drei Exemplaren von Strehlen und einem Exemplar von Kieslings- 


walde vor. 


Natica Roemeri Gein. 
Taf. I, Fig. I1. 

1840. N. rugosa Gein. Char., S. 74, Taf. 18, Fig. 15. 
1841. » > Roem. Nordd. Kreide, S. 83, Taf. 12, Fig. 16. 
1850. N. Roemeri Gein. Char. (2, Ausgabe). 
1850. N. subrugosa d’Orb. Prodr. Pal., II, Fig. 221. 
1875. N. dichotoma Gein. Elbtalgeb., I, S. 245 (z. Teil). 
1877. N. Roemeri Frit. Weißenberger Sch., S. 105, Fig. 44. 
1883. » » » Iserschichten, S. 94. 
1897. ? N. dichotoma Fri&. Chlomeker Sch., S. 42, Fig. 29. 

Von N. dichotoma, mit der diese Art ihrer Querrippen wegen verwechselt wurde, unterscheidet sie 
sich durch ein breiteres Gewinde, vertiefte Nähte und schwächere Rippen, welche sich nach unten zu 
nicht gabeln, sondern allmählich verschwinden. 


3 Stück von Strehlen. 


Natica (Lunatia) Geinitzi d’Orb. 
Taf. IV, Fig. 15. 


1841. Natica canaliculata Gein. Char., S 47, Taf. 15, Fig. 25, 26. 
1843. » » » Kieslingswalde, S. 10, Taf. I, Fig. 20. 
1847. »  Geinitzi d’Orb. Podr. Pal., II, S. 150. 


Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 27 


[27] 

1852. Natica canaliculata Müll. Mon., II, S. 13. 

1875. » Gentii Gein. Elbtalgeb., II, Taf. 29, Fig. 12—14 (nicht Elbtalgeb., I, Taf. V, Fig. 4, 6). 
1877. » »  Frie. Weißenberger Schichten, S. 106, Fig, 45. 


1887. Lunatia Geinitzi Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 14I, Taf. 14, Fig. 26. 

1893. Natica Gentii Fri. Priesener Schichten, S. 82, Fig. 66. 

1897. » » » Chlomeker Schichten, S. 43. 

1901. Natica (Gyrodes) acutimargo Sturm (von Roemer). Kieslingsw., S. 65, Taf. IV, Fig. 7. 

Die Stellung dieser Art, welche bald mit N. canaliculata Mant., bald mit N. Gentii Sow. und 
endlich von Sturm mit N. acutimargo Roem. zusammengeworfen wurde, wird von Holzapfel (l. c.) 
unbedingt richtig erläutert. 

Die Merkmale von Natica Geinitzi bestehen in mäßig hervortretendem Gewinde, vertieften Nähten, 
deren Furchen durch eine scharfe Kante begrenzt werden. Die größte Breite der Schale liegt unterhalb 
der Mitte des letzten Umganges. Der Nabel ist nicht kantig begrenzt. 

7 Stück aus dem Plaener von Strehlen und Prießnitz a. d. Elbe und dem Mittl. Quader von 


Großcotta, ferner ı sicher bestimmbares Stück von Kieslingswalde. 


Natica cf. vulgaris Reuß. 


1843. Natica vulgaris Reuß, Gein, Kieslingsw., S. Io, Taf. I, Fig. 21-23. 
1845. » » Reuß. Böhm. Kreidef., I, 50, Taf. 10, Fig. 22. 

1875. N. Zamellosa Roem., Gein. Elbtalgeb., I, S. 243 (z. Teil). 

1877. > H Fri&. Weißenberger Schichten, S. 105, Fig. 43. 

1893. N. vulgaris » Priesener Schichten, S. 82, Fig. 67. 

1897. » » »  Chlomeker Schichten, S. 42. 

Die Strehlener Form, welche Geinitz als N. lamellosa Roem. beschreibt, ist sicher verschieden 
von der Plauener N. lamellosa bei Geinitz, welche ich als N. Iyrata Sow. bestimmt habe. Nafica 
lamellosa scheint durch wesentlich höheres Gewinde von unserer Art abzuweichen. In Form und Streifung 
stimmt sie mit der Beschreibung von Reuß überein. Es liegen aber nur verdrückte Exemplare vor und 
die Natica vulgaris Reuß ist bisher so mangelhaft beschrieben, daß ich es nicht wage, sie bestimmt für 
gleich zu erklären. (Die Abbildung bei Reuß scheint recht mangelhaft zu sein, besonders erscheint das 
Gewinde nach der Beschreibung zu hoch.) 

Über die Beschaffenheit der Mündung gibt aber weder Reuß noch Fri Aufschluß. Sie war bei 
der Strehlener Form oval und der Nabel durch eine Schwiele bedeckt, wie es die Abbildung bei Geinitz, 
Kieslingsw., Taf. I, Fig. 21, zeigt. 

Unsere Strehlener Art kommt in Kieslingswalde vor und ist verschieden von der von Sturm auf- 
geführten N. bulbiformis var. borealis. Letztere unterscheidet sich durch schlankere Gestalt. 

Es liegen mir vor sechs Stück von Strehlen, zwei aus Zatzschke und zwei aus Kieslingswalde, 


zwei vom Tunnel bei Oberau. 


Rissoa Reussi Gein. 
1845. Turbo concinnus Reuß. Böhm. Kreideform, I, S. 48, Taf. 10, Fig. 13 (non Roem.). 
1875. Rissoa Reußi Gein. Elbtalgeb., II, S. 163, Taf. 31, Fig. 6. 

Geinitz belegt mit diesem Namen eine kleine Schnecke, die meist ziemlich schlecht erhalten in 
Strehlen und dem Baculitenmergel von Zatzschke vorkommt. Ich führe sie unter dem gleichen Namen auf, 
da sich über ihre generische Stellung nichts bestimmtes aussagen läßt. Holzapfel (Palaeontogr., 34, 
S. 129) vermutet, daß sie zu Mesostoma gehöre, 

Ihre sieben gewölbten Umgänge sind mit einer großen Zahl scharfer Längslinien bedeckt, die von 
schrägen Anwachsstreifen geschnitten werden. Auf den ersten Umgängen lassen sich schräge Querwülste 
beobachten. Mündung nicht erhalten. (Die recht schlechte Abbildung von Geinitz scheint sich auf ein 
Strehlener Stück zu beziehen.) 


17 Stück von Zatzschke und Strehlen. 
4* 


28 Dr Karl Deninger. [28] 


Scalaria decorata Roem. 


1841. Melania decorata Roem. Nordd. Kreide, S. 83, Taf. 12, Fig. Iı. 

1843. Fusus striato-costatus Goldf. Petref. Germ., III, S. 23, Taf. 171, Fig. 18. 
1845. Turrilites undulatus Reufß. Böhm. Kreidef., I, S. 24, Taf. 7, Fig. 8, 9. 
1875. Scala decorata Gein. Elbtalgeb., II, S. 162, Taf. 29, Fig. 4. 

1877. » » Frie. Weifßenberger Schichten, S. 105, Fig. 41. 

1883. » > »  Iserschichten, S. 94. 

1887. Scalaria cf. decorata Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 165, Taf. 19, Fig. 1. 
1893. Scala decorata Fri®. Priesener Schichten, S. Sr. 

Der Gewindewinkel des Originals von Geinitz beträgt 30°, scheint aber bei größeren Exemplaren 
geringer zu werden. Es sind 16—20 Querrippen auf einem Umgang vorhanden, die von einer großen 
Zahl von Längslinien übersetzt werden. Diese sind an Stärke verschieden; meist wechseln kräftigere mit 
einer größeren Zahl von schwächeren ab, doch lassen sich keine Regeln über diesen Wechsel aufstellen. 
Ich glaube deshalb, daß die von Holzapfel abgebildete Form mit unserer übereinstimmt. Wie bereits von 
mehreren Autoren hervorgehoben wurde, scheint Scalaria dupiniana d’Orb. (Terr. eret., 2, S. 54, Taf. 154, 
Fig. 10—13) von unserer Art kaum abzuweichen. 


3 Stück von Strehlen. 


Turritella sexlineata Roem. 


1841. Roemer: Nordd. Kreide, S. 80, Taf. XI, Fig. 22. 

1844. T. sexcineta Goldfuß. Petref. Germ., III, S. 107. 

1875. T. multistriata Reuß, Gein. Eibtalgeb., II, S. 161, Taf. 29, Fig. I—3 (nicht Taf. 30, Fig. 18). 
1887. T. sexcincta Frech. Suderode, S. 174, Taf. 16, Fig. 14—15. 

1888. T. sexlineata Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 160, Taf. 16, Fig. 20, 24—25. 

1897. » » Frie. Chlomeker Sch,, S. 41, Fig. 25. 

1900. 7. sexcincta Sturm. Kieslingsw., S. 66, Taf, IV, Fig. 9. 

Unsere Strehlener Stücke stimmen mit denen von Kieslingswalde vollkommen überein. Um die 
Beziehungen zwischen der böhmischen multistriata Reuß und unserer Art sicher festzustellen, reicht das 
mir zur Verfügung stehende Vergleichsmaterial nicht aus. Ich möchte vermuten, daß die beiden Arten 
ident sind. 

ıo Stück von Strehlen und Prießnitz bei Dresden. 


Turritella acanthophora Müll. 


ıS51. Müller: Mon., II, S. 32, Taf. 4, Fig. 5. 

1875. T. multistriata Gein. Elbtalgeb., I, S. 161 (z. Teil), Tat. 30, Fig. 18. 
1887. Frech: Suderode, S. 178, Taf. 16, Fig. I—7. 

1888. Holzapfel: Palaeontogr., 34, S. 156, Taf. 16, 9, 10, Fig. 12. 


ı Exemplar von Strehlen. 


Turritella cf. egregia Kaunh. 
1875. T. lineolata G ein. Elbtalgeb., 1, S. 162 (nicht Roem.). 


Das von Geinitz als T. lineolata bestimmte Bruchstück von Strehlen gehört sicher nicht zu der 
Roemerschen Art, da ihr die stärkeren Rippen im unteren Teile der Umgänge fehlen, 

Es hat vielmehr Ähnlichkeit in der Skulptur mit der von Kaunhowen, Maestr. Kreide, S. 48, 
Taf. IV, Fig. 4, beschriebenen Turritella egregia, die sich durch ihre außerordentlich feine Längsstreifung und 
eine Längsrinne auf den Umgängen auszeichnet. In diesen Merkmalen stimmt unser Stück mit der 
Maestrichter Art überein. Es besitzt aber bedeutendere Größe und einen gleichmäßigen Gewindewinkel von 
etwa 20°. 


ı Exemplar von Strehlen. 


[29] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 29 


Cerithium subfasciatum d’Orb. 
1845. ©. fasciatum Reuß. Böhm. Kreide, I, S. 42, Taf. Io, Fig. 4. 
1850. C. subfasciatum d’Orb. Prodr. Pal., II, S. 231. 
1875. >» » Gein. Elbtalgeb., II, S. 175, Taf. 31, Fig. 3. 
1893. C. fasciatum Fric. Priesener Schichten, S. 57. 
1897. ? C. fasciatum Frie. Chlomeker Sch., S. 47, Fig. 44. 

Diese Art liegt mir nur in ziemlich schlecht erhaltenen Stücken vor, welche aber erkennen lassen, 
daß diese Art von ©. pseudoclathratum d’Orb. verschieden ist. Der Gewindewinkel scheint etwa derselbe 
wie bei dieser Art zu sein, Die Skulptur zeigt aber keine Querrippen und außer der in der Naht gelegenen 
nur zwei deutliche Knotenreihen. Zwischen diesen Knotenreihen liegen einige feine Längslinien. Zu dieser 
Art scheinen auch die beiden sehr schlecht erhaltenen Stücke zu gehören, welche Geinitz als C. binodosum 
Roem. beschrieb. 


2 Stück von Strehlen. 


Cerithium pseudoclathratum d’Orb. 
Taf. IV, Fig. 3. 
IS4I. clathratum Roem. Nordd. Kreide, S. 79, Taf. II, Fig. 17. 
1850. C. pseudoclathratum d’Orb. Prodrome Pal., III, S. 231. 
1875. » » Gein. Elbtalgeb, I, S. 175, Taf. 31, Fıg. 5. 
1893. >» » und binodosum Fric. Priesener Schichten, S. 88, Fig. 87 und 88. 
1897. » » Fric. Chlomeker Schichten, S. 47. 


$) 


Die Skulptur dieser Art besteht aus knotentragenden Querrippen, deren Knoten in drei bis vier 
Längsreihen angeordnet sind. Eine weitere Knotenreihe liegt in der Naht. Zwischen die Knotenreihen schieben 
sich noch feine Längslinien ein. An der Mündung ließ sich ein kurzer, gerader Kanal und eine mit konvexen 
Bogen begrenzte Innenlippe erkennen. 

Die von Geinitz abgebildete Mündung ist stark rekonstruiert. Von den beiden von Friß&, 
Chlomeker Schichten, abgebildeten Cerithien halte ich Fig. 87 bestimmt für unsere Art, Fig. 88 gehört 
nach der vergrößerten Abbildung der Skulptur ebenfalls hieher, während bei der Abbildung in natürlicher 
Größe die Skulptur total verzeichnet zu sein scheint. 

Von Strehlen liegen nur fünf Stück dieser Art vor. Fri& führt sie von Tannenberg und Leneschitz vor. 


Die von Geinitz als Cerithium Luschitzianum bezeichneten quergerippten Schälchen aus dem Barulitenmergel 
von Zatzschke lassen eine einigermaßen sichere Bestimmung nicht zu. Jedenfalls haben sie aber mit der Art von 
Luschitz keine Ähnlichkeit. 


Aporrhais (Lispodesthes) Parkinsoni Mant. 


1822. Rostellaria Parkinson Mantell. Geol. of Sussex, S. 72 u. 108, Taf. 18. 

1828, » » Sow. Min. Conch., Taf. 558, Fig. 5. 

1837. » > » bei Fitton, Observ. Strata below the Chalk, S. 344, Taf. 1S, Fig. 24. 

1842. Rost. Reußi Gein. Char., III, S. 71, Taf. 18, Fig. 1. 

1845. >» »  Reufs. Böhm. Kreide, S. 45, Taf. IX, Fig. 9. 

18497. >» Parkinsoni Pictet. Gres verts Geneve, S. 55I, Taf. 24, Fig. 5. 

1875. >» » Gardner. Geol. Magazin, S. 200, Taf. 6, Fig. 4—7. 

1875. »  AReußi Gein. Elbtalgeb., S. 169, Taf. 30, Fig. 9; (non R. Parkinsoni Sow. Gein. Elbtalgeb., II, S. 168, 
Taf. XXX, Fig. 7, 8; non R. Reußi var. megaloptera Gein., ebenda, Taf. XXX, Fig. Io, II). 

1893. Aporrhais Reujsi Fritsch. Priesener Schichten, S. 84, Fig. 76. 


Mit Holzapfel (Palaeontogr., 34, Anm., S. 119, 120) bin ich der Ansicht, daß R. Reußi Gein. 
die echte AR. Parkinsoni ist. In dem kgl. Min, Museum ließ sich nur das von Gein., Elbtalgeb., II, 
Taf. XXX, Fig. 9, abgebildete Exemplar aus den Baculitenmergeln von Zatzschke auffinden. 


Aporrhais (Lipodesthes) megaloptera Reuß. 


1845. Rostellaria megaloptera Reuß. Böhm. Kreide, I, S. 45, Taf. 9, Fig. 3. 
1875. > Reußi var. megaloptera Gein. Elbtalgeb, II, S. 199, Taf, 30, Fig. IO und I1. 


30 Dr. Karl Deninger. [30] 


1885. Aporrhais (Lipodesthes) Reußi var. megaloptera Zittel. Handbuch, II, S. 255, Fig. 349. 
1877. Desgleichen, Friö. Weißenberger Schichten, S. 107. 
1893. Aporrhais megaloptera Fri&. Priesener Schichten, S. 84, Fig. 75. 
1897. » » »  Chlomeker Schichten, S. 46. 

An besonders gut erhaltenen Stücken ließ sich in seltenen Fällen eine Längsstreifung beobachten. 
Im übrigen dürfte diese Form durch die Abbildungen von Reuß, Geinitz und Fri& hinreichend be- 
kannt sein. Es empfiehlt sich wohl, diese in Sachsen und Böhmen weit verbreitete Art von der hier viel 
selteneren A. Parkinsoni = Reufßi Gein. zu trennen, da sie ihre abweichenden Merkmale an den verschiedenen 
Fundstellen treu bewahrt. 

7 Stück von Strehlen. 


Aporrhais (Helicaulax) Burmeisteri Gein. 
1843. Rostellaria Parkinsoni (non. Mant.) Gein. Charak., Taf. 18, Fig. 3. 
1844. » a (z. Teil) Reuß. Böhm, Kreide, S. 46, Taf. 9, Fig. 7. 
1850. Rostellaria Burmeister Gein. Grundrißß der Versteinerungskunde, S, 363, Taf. 13, Fig. 16. 

Das Gewinde ist spindelförmig und mit Querrippen verziert, Die besterhaltenen Stücke lassen eine 
feine Längsstreifung erkennen, die sich über das ganze Gehäuse erstreckte. Der Kanal ist gerade und sehr 
lang und kann das Gehäuse an Länge übertreffen. Hintere Rinne länger als das Gewinde, nicht an- 
liegend und schwach gebogen. Der einfache, ziemlich breite, gekielte Flügel ist an seinem Ende etwas 
zurückgebogen. 

Diese Art liegt mir in fünf sehr gleichmäßig ausgebildeten Stücken von Tyssa vor. Es erscheint 
mir sehr zweifelhaft, ob wir alle von Reuß (l. c.) für Rost. Parkinsoni angegebenen Fundorte auf unsere 
Art beziehen dürfen. 

Sie scheint am nächsten mit H. granulata Sow.'!) verwandt zu sein. Als vermittelnde Form 
zwischen beiden Arten könnte man die von Frech (Zeitschr. d. d. Geol. Ges., 1887, Taf. IX, Fig. 9 u. 12) 
als Aporrhais cf. stenoptera Goldf. und granulata Sow. abgebildeten Stücke aus dem Untersenon von 
Quedlinburg ansehen. 

5 Stück U. Qu., Tyssa. 


Aporrhais (Lispodesthes) coarctata Gein. sp. 
Taf. IV, Fig. 16. 
1842. Rostellaria coarctata Gein. Char., III, S. 71, Taf. 18, Fig. Io. 
1845. > > und Zenuistriata Reuß. Böhm. Kreidef., I, S. 44, Taf. 9, Fig. I u. 4. 
1875. » » Gein. Elbt., II, S. 170, Taf. 30, Fig. 12. 

Die gewölbten Umgänge der spindelförmigen Schale tragen zahlreiche, schwache Querrippen und eine 
feine Längsstreifung. Der Kanal ist mäßig: lang, die Außenlippe ist bis zur Hälfte des vorletzten Umganges 
hinaufgezogen. Der breite Flügel verläuft schräg nach hinten in eine Spitze; sein vorderer Rand ist schwach 
umgeschlagen. Diese Art ähnelt sehr der Rostellaria Robinaldina d’Orb. (Terr. cret,, S. 282, Taf. CCVI, 
Fig. 4) aus dem Neocom. Unterschiede bestehen in dem schwachen Umschlag des Flügels und der bestimmten 
ausgezogenen Spitze des Flügels unserer Art. R. tenuistriata Reuß hat keine Querrippen, dürfte aber zu 
unserer Art gehören. 

Strehlen, 6 Zatzschke. 


Aporrhais (Helicaulax) stenoptera Goldf. sp. 


1844. Rostellaria stenoptera Goldf. Petref. Germ., III, S. 16, Taf. 170, Fig. 6. 

1842. R. calcarata (non. Sow.) Gein. Char., III, S. 170, Taf. 18, Fig. 2. 

1845. >» » Reuß. Böhm. Kreideform, I, S. 45, Taf. 9, Fig. 5. 

1875. » » Gein. Elbt., II, S. 170, Taf. 30, Fig. 13. 

1887. Helicaulax stenobtera Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 116, Taf. 12, Fig. I—3. 


1) Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 117. 


[31] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 31 


1893. R. (calcarata) stenoptera Sow., Fril. Teplitzer Schichten, S. 75, Fig. 52. 
1893. Aporrhais stenoptera Goldf., Fril. Priesener Schichten, S. 85. 
1897. » » Fric. Chlomeker Schichten, S. 45, Fig. 39. 
A. calcarata Sow. unterscheidet sich von szenoptera Goldf. durch deutlich gekielte Umgänge, 
während bei letzterer nur am letzten Umgang ein schwacher Kiel auftreten kann (vergl. Holzapfel |. cit.) 
Strehlen, 6 Zatzschke, 


Aporrhais (Helicaulax) Buchi Münst. 
1841. Rostellaria Buchü Goldf. Petref. Germ., III, S. 17, Taf. 170, Fig. 4. 


1842. » » Gein. Char., III, S. 70, Taf. 18, Fig. 4, 6. 

1845. » » (und divaricata?) Reuß. Böm. Kreidef., I, S. 45, 46, Tat. 9, Fig. 2 (7, 23?). 
1875. » > Gein. Elbt., II, S. 171, Taf. 30, Fig. 14. 

1877. » » Fritsch. Weißenb. Schichten, S. 107, Fig. 51. 


2 Stück Strehlen, ı Tyssa. 


Tudicla costata Röm. 


1841. Pyrula costata Roem. Nordd. Kreide, S. 19, Taf. XIf, Fig. Io. 
1843. » » Gein. Char., II, S. 40, Taf. 15, Fig. 4, 5; Kieslingsw., S. 9, Taf. I, Fig. ı2, 13. 
1875. Rapa costata Gein. Elbth., II, S. 173, Taf. 30, Fig. 19—21. 

Von der sehr ähnlichen T. quadricarinata Müll. (Holzapfel. Aach. Kreide, S. 108, Taf. XI, 14, 
unterscheidet sie sich durch eine größere Anzahl von Längsrippen, die sich auf der Unterseite der Um- 
gänge befinden. 

3 Stück von Strehlen. 


Tudicla quadrata Sow. sp. 


1823. Murex quadratus Sow. Min. Conch, Taf. 410, Fig. 1. 


1837. Fusus > Fitton. Strata bel. the Chalk, S. 343, Taf. 18, Fig. 17. 
1841. Pyrula Cottae u. carinata Roem. Nordd. Kreide, 78, 79, Taf. 11, Fig. 9, 12. 
1841. » » Goldf. Petref. Germ., III, S. 27, Taf. 172, Fig. 13. 


1843. »  carinata u. angulats Gein. Kieslingsw., S. 9, Io, Taf. I. Fig, 14, 15. 
1875. Rapa quadrata Gein. Elbt., II, S. 171, Taf. 30, Fig. 16 und 17. 
1897. Pyrula cf. Cottae Kaunh. Maestr. Kreide, S. gr. 


4 Stück von Strehlen. 


Tudicla cf. cancellata Sow. sp. 


1846. Pyrula cancellata Sow. Forbes. Trans. Geol. Soc. VII, S. 128, Taf. 15, Fig. 12. 

1868. Rapa cancellata Stol. Cret. Gast. South. Ind., S. 154, Taf. 12, Fig. 12-16, Taf. 13, Fig. 1-4. 
1875. Gein. Elbt., II, S. 174, Taf. 31, Fig. 10. 

1897. FriC, Chlomeker Schichten, S. 46, Fig. 41. 

Es liegt nur ein verdrücktes Bruchstück von Strehlen vor, das von Geinitz stark ergänzt abgebildet 
wurde. Sowohl Spitze wie Kanal fehlen dem Original, Die Umgänge sind in ihrem oberen Teile treppen- 
förmig, auf der Unterseite tritt eine Kante etwas vor, doch läßt sich nicht entscheiden, ob auch hier der 
Umriß der Schale winkelig umbog, Die Oberfläche trägt zahlreiche runde Längsstreifen, und diese sind wie die 
Zwischenräume ebenfalls längsgestreift. Besonders in der oberen Hälfte der Umgänge treten deutliche, 
wellige Querfalten auf und eine feine Zuwachsstreifung verläuft über die ganze Schale. 

Das von Fritsch abgebildete Stück von Chlomek könnte ein Jugendexemplar der gleichen Art sein. 

ı Exemplar von Strehlen. 


Chrysodomus Buchi Müll. 
Taf. IV, Fig. ı1. 


1851. Fusus Buchi Müll. Mon., U, S. 35, Taf. 3, Fig. 15. 
1888. Chrysodomus Buchi Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. Io2, Taf. 10, Fig. 9—12. 


32 Dr. Karl Deninger. [32] 


An unserem Exemplar tritt die Kante der Umgänge noch deutlicher hervor, als an den von Holz- 
apfel abgebildeten Exemplaren aus dem Grünsand von Vaals. Es sind ebenfalls etwa zwölf Querrippen 
vorhanden, die aber auf dem letzten Umgang undeutlicher und weniger regelmäßig werden. 

I Stück von Strehlen. 


Latirus elongatus Sow. sp. (nicht Voluta elongata d’Orb.). 


1835. Fasciolaria elongata Sow. Geol. soc. Trans., S. 419, Taf. 39, Fig. 22. 
1842. Pleurotoma remote-lineata Gein. Char., IH, S. 70, Taf. 18, Fig. 5. 
1842. Pyrula fenestrata Gein. Char., III, S. 72, Taf. 18, Fig. 13. 

1846. ? Voluta elongata Reuß. Böhm. Kreide, II, S. Iı1. 

1852. Fusus tesselatus Zek. Gastr. Gosau, Taf. 16, Fig. 6. 

1852. Fasciolaria nitida Zek. Gastr. Gosau, Taf, 16, Fig. Io. 

1875. Voluta elongata Gein. Elbtal, II, S. 172, Taf. 31, Fig. 1. 


1877. » » Frie. Weißenberger Schichten, S. 109, Fig. 56. 
1893. » » »Priesener Schichten, S. 88. 
1897. » » »Chlomeker Sch., S. 47. 


3 Stück von Strehlen. 


Volutilithes subsemiplieatus d’Orb. 


1844. Pleurotoma semiplicata Goldf. Petref. Germ., III, S. 19, Taf. 170, Fig. 11. 

1850. Fusus semiplicatus d’Orb. Prodr. Pal. II, S. 229. 

1875. Voluta suturalis Gein. Elbtalgeb., II, S. 172, Taf. 31, Fig. 2. 

1877. » „ Frie. Weißenberger Sch., S. IIo, Fig. 55. 

1887. Volutilithes subsemiplicatus Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 95, Taf. To, Fig. 1-3. 
1897. Voluta semiplicata Fri&. Chlomeker Schichten, S. 47, Fig. 45. 

Das Verhältnis zwischen ganzer Höhe und letztem Umgang beträgt bei den beiden Exemplaren von 
Strehlen etwa 1,7—1,8:1 stimmt also recht gut mit den Angaben von Holzapfel, wobei zu bedenken 
ist, daß es sich um verdrückte Exemplare handelt. 

Das von Geinitz abgebildete Stück ist schlecht erhalten. Ein etwas besseres Stück zeigt etwas 
zahlreichere Querrippen und zwischen diesen unter der Naht liegende Zuwachsstreifen. 


5 Stück von Strehlen. 


Voluta (Volutoderma?) Roemeri Gein. 
1841. Rostellaria elongata Roem. Nordd. Kreide, S. 78, Taf. ı1, Fig. 5. 
1875. Voluta und Mitra Roemeri Gein. Elbtal, II, S. 172, 173, Taf. 30, Fig. 15. 
1887. (Volutilithes?) Roemeri Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 100, Taf. 9, Fig. 13. 
1893, Mitra Roemeri Frie. Priesener Schichten, S. 88, Fig. 91. 

Nicht zu unserer Art gehört selbstverständlich Mitra Roemeri Fri, Weißenberger Schichten, S. 11O, 
Fig. 58, welche vielleicht ein Cerithium darstellt. Es ist unverständlich, warum Frid diese Abbildung; in 
den Priesener Schichten neben einer richtigen Abbildung. wieder zitiert. 

Von dieser Art liegt mir keine vollständige Mündung vor. Nach der Abbildung von Friß&, 
Priesener. Schichten, Fig, 91, muß ich deshalb annehmen, daß drei kräftige Spindelfalten vorhanden waren. 
Danach würde sich die Art am besten der Gattung Volutoderma anschließen. 

4 Stück von Strehlen. 


Cancellaria Thiemeana Geinitz. 


1875. Geinitz. Elbtal, II, S. 175, Taf. 31, Fig. 11. 
4 Stück von Zatzschke. 


Cinulia Humboldti Müll. sp. 


1851. Avellana Humboldti Müll. Monographie Moll. Aach. Kreide, II, S. 12, Taf. 3, Fig. 15. 
1875. Actaeon ovum, Avellana cassis, Archiaciana, sculptilis Gein. Elbt., II, S. 176, Taf. 29, Fig. 15, 16, 17. 


[33] Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 


33 


1877. Avellana Archiaciana Fri. Weißsenberger Schichten, S. 111, Fig. 61. 

1887. Cinulia Humboldti Holzapfel. Palaeontogr., 34, S. 84, Taf. 6, Fig. 19—21. 
1889. Actaeon ovum Fric. Teplitzer Schichten, S. 75, Fig. 53. 

1893. Avellana Humboldti FriC. Priesener Schichten, S. 89, Fig. 96. 

Die von Geinitz angeführten Actaeon- und Avellana-Arten gehören sämtlich einer Art an und 
unterscheiden sich ausschließlich durch den Erhaltungszustand. Die Mündung ist stets schlecht erhalten, 
doch läßt sich die Andeutung einer Falte noch erkennen. Form und Skulptur, soweit letztere erhalten ist, 
stimmen vollkommen mit der Aachener Art überein. 

8 Stück von Strehlen. 


Dentalium medium Sow. 


1837. Sow., Fitton. Observ., S. 343, Taf. 18, Fig. 4. 
1845. Reufß. Böhm. Kreidef., I, S. 40, Taf. ıı, Fig. 4. 
1875. Geinitz. Elbt., II, S. 178, Taf. 30, Fig. 3, 4. 
1893. Fric. Priesener Schichten, S. 90, Fig. 100. 

1897. >»  Chlomeker Schichten, S. 49. 


9 Stück von Strehlen, Zatzschke und der Walkmühle bei Pirna. 


Dentalium polygonum Reuß, 


1845. Reuß. Böhm. Kreideform, S. 41, Taf. ı1, Fig. 5. 
1875. D. Rotomagense ? d’Orb., Gein. Elbtal, II, S. 179, Taf. 30, Fig. 5. 
1893. Frie. Priesener Schichten, S. 91, Fig. 1or. 


4 Stück von Strehlen. 


Entalis Strehlensis Gein. 
1875. Dentalium Strehlense Gein. Elbt., I, S. 179, Taf. 30, Fig. 6. 


Diese Art zeichnet sich durch ihre nur in dem ersten Stück ganz schwach gebogene, später ganz 
gerade gestreckte, glatte Schale und sehr langen Schlitz aus. Sie erreicht eine beträchtliche Größe, da das 
von Geinitz abgebildete Exemplar, von dem wenig mehr als die Hälfte der Gesamtlänge erhalten ist, 
6 cm mißt. Entalis Gardneri Holzapfel (Palaeontogr., 34, S. 178, Taf. XX, Fig. 10), welches den langen 
Schlitz mit unserer Art gemein hat, unterscheidet sich durch eine etwas stärkere Krümmung der Schale 
und schnellere Verjüngung nach der Spitze. 

3 Stück von Strehlen. 


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Friö: Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten in der böhmischen Kreideformation (Perucer 
u. Korycaner Schichten). Archiv der naturwissenschaftl. Landesdurchforschung von Böhmen, Bd. I. 
Frie: Die Weißenberger und die Malnitzer Schichten. Ebenda, Bd. IV. 
» Die Iserschichten. Ebenda, Bd. V. 
» Die Teplitzer Schichten. Ebenda, Bd. VI. 
»  Priesener Schichten. Ebenda, Bd. IX, 
» Die Chlomeker Schichten. Ebenda, Bd. X. 
» u. Bayer: Perucer Schichten. Ebenda, Bd. XI. 
Futterer: Die oberen Kreidebildungen der Umgebung des Lago di Santa Croce in den Venetianer Alpen. 
Palaeontolog. Abhandl. v. Dames u. Kaiser, N. F,, Bd. II. 
Gardner: On the Gault Aporrhaidae. On the cretaceous Aporrhaidae. Geological Magazine Dec., U, Vol. I. 
Geinitz: Charakteristik der Schichten und Petrefakten des sächs.-böhm. Kreidegebirges sowie der Versteinerungen 
von Kieslingswalda. (2. Ausgabe, 1850.) 
Geinitz: Grundriß der Versteinerungskunde. 
1850. Geinitz: Das Quadersandsteingebirge oder die Kreideformation in Deutschland. 
Geinitz: Das Quadersandsteingebirge oder die Kreideformation in Sachsen mit besonderer Berücksichtigung 
der glauconitreichen Schichten. 
Geinitz: Das Elbtalgebirge in Sachsen (1. und 2. Teil.) Palaeontographica, Bd. XX, I u. 2. 
Gerhardt: Beitrag zur Kenntnis der Kreideformation in Venezuela, Peru u. Columbien. Neues Jahrbuch für 
Min. Beilagebd. XI. 
1844. Goldfuß: Petrefacta Germaniae, 3. Teil. 
Griepenkerl: Die Versteinerungen der senonen Kreide von Königslutter im Herzogtum Braunschweig. Palaeonto- 
logische Abhandl. v. Dames u. Kaiser, Bd. IV. 
Holzapfel: Die Fauna des Aachener Sandes und seine Äquivalente. Zeitschr. d. deutsch. geolog. Gesellsch., 
Bd. XXXVL. 
1888. Holzapfel: Die Mollusken der Aachener Kreide. Palaeontographica, Bd. XXXIV. 
Imkeller: Die Kreidebildungen und ihre Fauna am Stallauer Eck und Enzenauer Kopf bei Tölz. Palaeonto- 
graphica, Bd. XLVIII. 
Kner: Die Versteinerungen des Kreidemergels von Lemberg und seiner Umgebung. Haidingers naturw. Ab- 
handl., Bd. II. 
Krejei: Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation. Archiv der naturw. Landesdurchforschung von Böhmen. 
Bd. 1. 
Koßmat: The cretaceous deposits of Ponticherri. Recors. geol. Survey of India. Vol. 30, Part. 2. 
Leonhard: Die Fauna der Kreideformation in Oberschlesien. Palaeontographica, Bd. XLIV. 
Mantell: Geology of Sussex. 
Müller: Petrefacten der Aachener Kreideformation. Programm Gymn. Aachen. 
» Die Gastropoden der Aachener Kreide. Ebenda. 
» Neue Beiträge zur Petrefaktenkunde der Aachener Kreidetormation. Ebenda. 
Noetling: Entwurf einer Gliederung der Kreideformation in Syrien und Palästina. Zeitschr. d. deutsch. geol. 
Ges., Bd. XXXVII. 
d’Orbigny: Paleontologie Francaise, Terrains cretaces, Bd. II. 
» Prodröme de Palaeontologie. 
Petraschek. Die Ammoniten der sächs. Kreideformation. Beitr. z. Geol. und Paläont. Österr.-Ung., Bd. XV. 
Pictet: Description des Mollusques fossiles des Gres verts des environs de Geneve. 
Quaas: Beitrag zur Kenntnis der obersten Kreidebildungen in der libyschen Wüste. Palaeontographica, 30, II. 
Rehbinder: Fauca u. Alter der cretaceischen Sandsteine in der Umgebung des Salzsees Baskuntschak, Mem., 
du comite geol. St. Petersbourg, Vol. 17, Nr. I. 
Reuß: Die Kreidegebilde des westl. Böhmens. 
1846. Reuß: Die Versteinerungen der böhm. Kreideformation. 
Roemer F. A.: Geologie von Oberschlesien. 
» Ferd.: Die Versteinerungen des nordd. Kreidegebirges. 
» Ferd.: Die Versteinerungen des Harzgebirges. 


Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 35 


. de Ryckkolt: Melanges Paleontologiques, Me&m. Acad, royale de Belgique, Bd. XXIV. 

.Sowerby: Großbritanniens Mineral-Konchologie. Deutsche Bearbeitung von Agassiz. . 
. Steinmann: Über Tithon u. Kreide in den peruanischen Anden. Neues Jahrb. f. Min., Bd. II. 

.Stoliezka: Eine Revision der Gastropoden der Gosauschichten in den Ostalpen. Sitzungsber. der k. Akad. d. 


Wissensch., Wien, Bd. LI. 


. Stoliczka: Cretaceous fauna of southern India, Vol. 2, The Gastropoda. M&moirs of the geol. Survey of India. 
. Strombeck: Über die Kreide am Zeltberg bei Lüneburg. Zeitschr. d. deutsch. geol. Ges., Bd. XV. 
. Sturm: Der Sandstein von Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz und seine Fauna. Jahrb. d. kgl. preuß. geol. 


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. de Verneuil u. de Loriere: Description des fossiles du N&ocomien superieur de Utrillas. 
. Wanner: Die Fauna der obersten weißen Kreide der libyschen Wüste. Palaeontographica, 30, II. 


White: Contributions to the Paleontology of Brazil, Cretaceous Invertebrate Fossils. Archivos do Museu Naci- 
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Whitfield: Cretaceous fossils from the Beyrut Distriet of. Syria. Bull. Amer. Mus. of Nat. Hist., Vol. 3. 


. Wollemann: Die Fauna der Lüneburger Kreide. Abhandl. d. preufß. geol. Landesanst., H. 37. 
. Yokoyama: Versteinerungen aus der japanischen Kreide. Palaeontographica, B XXXVI. 
. Zekeli: Die Gastropoden der Gosaugebilde. Abhandl. d. k. k. geol. Reichsanst Bd. 1. 


1885. Zittel: Handbuch der Paläontologie Bd. I. 
Zittel: Grundzüge der Paläontologie, 2. Auflage. 


Dr 


DIE FISCHRESTE DES MITTLEREN UND OBEREN EOCÄNS VON 
ÄGYPTEN, 


I. TEIL: DIE SELACHIER, A. MYLIOBATIDEN UND PRISTIDEN. 


Von 


Ernst Stromer 
(München). 


Meinem verehrten Lehrer, Geheimrat v. Zittel, dem ich für so vieles verpflichtet bin, hatte ich es 
zu danken, daß ich im Winter 1902 mit meinem Kollegen, Herrn Dr. M. Blanckenhorn, im Tertiär 
Ägyptens nach Fossilien suchen konnte. Über die mitteleocänen Fischreste, die wir bei dieser Reise aus dem 
Uadi Ramliöh und dem Norden des Fajum für die Münchner paläontologische Sammlung mitbrachten, habe 
ich schon zwei kleine Veröffentlichungen (siehe das Literaturverzeichnis am Schlusse, 1903!) gemacht. 

Durch die Güte von Herrn Prof. E. Fraas erhielt ich dann zur Bearbeitung noch sehr reiches 
und schönes Material von Fischresten, welche der Naturalienhändler Markgraf in Kairo im Verlaufe 
dreier Jahre im Kalkstein des untersten Mokattam bei Kairo und in den Eocänschichten im Norden des 
Fajum für das Stuttgarter Naturalienkabinett gesammelt hat; ähnliches Material der Münchner Sammlung, 
von den gleichen Fundorten und demselben Händler stammend, war Herr Prof. Rothpletz so freundlich, 
mir auch zu übergeben und endlich konnte ich, dank der Liberalität des leider vor kurzem verschiedenen 
Herrn Dr. A. v. Reinach, für die Senckenbergische Gesellschaft in Frankfurt a. M. im letzten Winter 
‘ mit dem genannten Sammler an denselben Fundorten tätig sein und erhielt so noch weitere Fossilien zur 
Bearbeitung. Schließlich hatte Herr Geheimrat Branco die Liebenswürdigkeit, die von Prof, Schwein- 
furth im Eocän des Mokattam und im Norden des Fajum gesammelten und größtenteils von Dames schon 
beschriebenen (1883, 1886 und 1888) Fischreste mir zum Vergleich zu senden. (Anm.: Im folgenden werden 
die aus der Münchner, Frankfurter, Stuttgarter und Berliner Sammlung stammenden Fossilien mit den 
Buchstaben M., Fr. St. und B. bezeichnet.) 

Infolgedessen habe ich ein so reiches und zum Teil sehr gut erhaltenes Material von fossilen 
Fischen zur Verfügung, wie es wohl nicht oft einem Paläontologen vorlag, und ich kann nur auf das tiefste 
bedauern, daß ich es Herrn Geheimrat v. Zittel, der meinen Arbeiten stets das wohlwollendste Interesse 
entgegenbrachte und sich über den schönen Zuwachs deutscher Sammlungen gewiß auf das höchste gefreut 
hätte, nicht mehr vorlegen konnte. Seinem Andenken möchte ich aber wenigstens diese Arbeit widmen, 
die ich hoffentlich in seinem Sinne durchführen kann. 

Leider fand ich bei der Verwirklichung meiner Absicht, möglichst viele rezente Formen als sicheren 
Ausgangspunkt zum Vergleiche heranzuziehen, große Schwierigkeiten, da es an den nötigen Vorarbeiten 
an diesen fehlt und nur schwer eine größere Zahl präparierter Hartteile sich beschaffen läßt. Zwar danke 
ich Herrn Prof. Cori in Triest die Zusendung zahlreicher Haifischschädel und ich erhielt auch Gebisse von 
Haien aus der hiesigen zoologischen und vergleichend anatomischen Sammlung, aus dem Stuttgarter 
Naturalienkabinett und dem Basler zoologischen Institut, wofür ich den Herren Prof. R. Hertwig und 
Kustos Dr. Leisewitz in München, Prof. Lampert in Stuttgart und Prof. R. Burckhardt in Basel er- 


38 Ernst Stromer. [2] 


kenntlich bin, auch gab mir Herr Dr. Pappenheim, Kustos am zoologischen Museum in Berlin, und Herr 
Prof. ©. Jäkel einige wertvolle Aufschlüsse, doch reichte mein Vergleichsmaterial zur Lösung vieler 
wichtiger Fragen nicht aus, und gewiß ist auch der Umstand, daß ich ein Neuling in der so schwierigen 
Bestimmung fossiler Fischreste bin, daran schuld, daß manche Unvollkommenheiten und Unsicherheiten im 
folgenden zu finden sein: werden. 

Jedenfalls bin ich all den genannten Herren, die mit Rat oder durch Überlassung von Material 
meine Arbeit ermöglichten und förderten, zum größten Danke verpflichtet, dem ich hiemit Ausdruck gebe. 


4A. Myliobatiden und Pristiden. 


Das größtenteils aus dem untersten Mokattam bei Kairo und der Birket el Kerun-Stufe im Norden 
des Fajum (siehe Blanckenhorn: Sitzungsber. d. kgl. bayr. Akad. d. Wiss, math. phys. Kl., Bd. 
XXXII, H, 3, München, 1902) stammende Material fossiler Haie und Rochen ist zwar sehr reich, besteht 
aber fast nur aus isoliert gefundenen Resten, vor allem wohlerhaltenen Zähnen, dann Wirbeln, Stacheln und 
verkalkten Rostren. 

Wie schwierig die Lösung der Frage einerseits der Zusammengehörigkeit und anderseits der 
systematischen Trennung solcher vereinzelter Hartteile ist, brauche ich nicht erst zu betonen. Hier 
machte sich eben der Mangel an genügenden Vorarbeiten und an reichem Vergleichsmaterial aufs Empfind- 
lichste bemerkbar. Ich gehe bei meiner Arbeit von dem Grundsatze aus, daß eine wirkliche Förderung 
der Systematik sich nur erreichen läßt, wenn bloß nach Erkennung spezifischer Unterschiede sicher deut- 
bare Reste nach den Regeln der binomen Nomenklatur benannt werden. Es bedeutet nach meiner Ansicht 
eine Vorspiegelung falscher Tatsachen, etwa isolierte Wirbel oder Stacheln bestimmten Arten zuzuteilen, nur 
auf vage Vermutungen hin und ohne Prüfung, ob überhaupt irgend welche spezifische Merkmale nachzu- 
weisen sind. Deshalb müssen zuerst die lebenden Formen vom paläontologischen Gesichtspunkte aus syste- 
matisch durchgearbeitet sein, weil die zoologischen Systematiker leider die fossil erhaltungsfähigen Teile oft 
nur nebenbei oder gar nicht berücksichtigen, wie ja überhaupt das Studium der Anatomie und der Lebensweise 
von ihnen meistens sehr vernachlässigt wird. Aber Arbeiten an rezentem Material, so nötig sie sind, ge- 
nügen hier nicht allein, denn es ist zu bedenken, daß in relativ weit zurückliegenden Zeiten einesteils die Ver- 
wandten der noch lebenden Formen anders organisiert gewesen sein können, andernteils ganz erloschene 
mit ihnen auftreten und endlich jetzt wohl differenzierte Formen kaum geschieden sein können. Ein erheb- 
licher Fortschritt unserer Kenntnisse ist deshalb nur auf Grund glücklicher Funde sicher zusammengehöriger 
Reste einzelner Individuen und durch Monographien einzelner Formengruppen, indem man von rezenten 
Vertretern zu immer älteren zurückgeht, zu erwarten. Alles andere schafft meist nur ein ewig unsicheres 
Element, einen unnützen Ballast und dient oft dazu, die paläontologische Wissenschaft zu diskreditieren. 

Ich will deshalb zunächst ausführlich nur über zwei Familien publizieren, bei welchen Vorarbeiten 
und rezentes sowie sehr schönes und reiches fossiles Material einen wirklichen Wissenszuwachs gestatten und 
zu zeigen erlauben, daß die Genera Myliobatis und Aötobatis und die Familie der Pristidae zur Mittel- 
eocänzeit eine besonders reiche und vielleicht ihre höchste Blüte hatten, Ich muß aber gleich vorausschicken, 
daß ich die Zeit noch nicht für gekommen halte, weitgehende Schlüsse auf Entwicklungsgesetze zu ziehen, 
da fast jeder neue lokale Fund von Wirbeltierresten zeigt, eine wie unzureichende und von Zufälligkeiten ab- 
hängige Kenntnis wir in diesem Stamme besitzen. 


Myliobatidae: Subf. Myliobatinae. 

Bei meiner Beschreibung der mitteleocänen Myliobatiden-Kauplatten vom Kressenberg und 
Grünten (1904) erwähnte ich schon, daß mir schönes Material aus dem ägyptischen Paläogen vorliege. 
Die meisten und besten Stücke stammen aus dem Kalke des untersten Mokattam unter dem Hauptlager des 
Nummnulites gizehensis bei der Tingije-Moschee (einige bei Abbasije) bei Kairo und aus den Mergel- 
und Sandsteinschichten der Kerun-Stufe nördlich der Birket el Kerun im Fajum, wenige aus ähnlichen 
Schichten der Sagha-Stufe und den sandigen Schichten der Fluviomarin-Stufe derselben Gegend. Wohl 
nur infolge eines Zufalles sind nur wenige obere Kauplatten darunter, denn bei dem erstgenannten 
Material bestand kein solches Mißverhältnis, das man bei diesen Tieren ja kaum so erklären darf, wie die 


[3] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 39 


größere Häufigkeit fossiler Säugetier-Unterkiefer, weil bei ihnen das Palatoquadratum fast ebenso locker 
am Schädel befestigt und ebensowenig erhaltungsfähig wie das Mandibulare ist. Bruchstücke von Kau- 
platten und einzelne Zähne finden sich übrigens nicht selten in dem Material aus den ersten drei Stufen. 
Ich lasse sie unbestimmt, da die erwähnte und eine zweite kurze Vorarbeit (1904,@) keinen Anhalt für 
exakte Bestimmung solcher Reste gab, wie ja leider auch wegen der Geringfügigskeit des mir zugäng- 
lichen rezenten Materials selbst über die systematisch maßgrebenden Merkmale und die Variabilität der 
best erhaltenen Kauplatten zum Teil eine Sicherheit sich nicht gewinnen ließ. 


Myliobatis. 

Zu den von mir in der erstgenannten Abhandlung bestätigten Ausführungen von A. Smith Wood- 
ward (1888) über den Erhaltungszustand von Kauplatten ist auf Grund des vorliegenden Materials nur 
nachzutragen, daß viele Platten an ihrer Basis genau ebensolche Wurzelleisten wie M. microrhizus Del- 
fortrie (1872, Taf. X, Fig. 37) besitzen, offenbar nur, weil die Leisten von den Grenzen der Einzelzähne 
aus besonders leicht verwittern, so daß das durch die Kronen gebildete Dach der am Halse der Zähne 
vorhandenen Kanäle von unten sichtbar wird, 

Die Maße aller beschriebenen Platten sind aus praktischen Gründen in der folgenden Tabelle 
zusammengestellt und die auf Tafel V (I) abgebildeten Stücke sind in ihr mit einem Kreuze bezeichnet. 


Maßtabelle von Myliobatis-Kauplatten.') 


Mittelzähne | Verhältnis | Innerste 
ee an Sn Verhält- 
lang dick I 2 BE NISTS 
M. Pentoni Sm. W. nach seiner Fig. unten. . | 120—130 14—16 81-85 22 — 2 
» Fraasi, Kerun-Stufe (St.)untenf) . . | 42 8:8 47 15 45—5 18— 19 
» af. Pentoni, unt. Mokattam (M.) unten . . 795 10'5 6:7 2°5 75 14 
» af. > unt. Mokattam (M.) unten... .. — 105 —II — 17—1'8 7 14 
» » Sm. W. nach seiner Fig. oben. . . 130—135 18 72—7'5 ? 18 — 2 
» cfr. Pentoni, unt. Mokattam (St.) oben}) . 53 10°5—II 48—5 (2) 5 2 
» Dixoni, Kerun-Stufe (St.) untenf) ..... | 72) 12 6 21 45 27 
» elatus, unt. Mokattam (St.) unten}) ... . 290 14 ?65 a 5 2:6—2' 
» mokattamensis, unt. Mokattam (St.) unten?) 39 8 41 21 7-75 IH 
» af. mokattamensis, unt. Mokattam (St.) unten 36 75 48 16 55 13 
» Zoliapicus, unt. Mokattam (M.) unten .. . ?35 5 7 — 55 0'9 
» Edwardsi Dixon nach seiner Fig. unten . | 33°5—34 68-7 49 — — TI 
» » unt. Mokattam (St.) unten... . | 24:5 5 49 18 6 0:8 
» > 5 > » » 7) 26:2 5 52 2:2 5 I 
> » > » > > 30:5 8-65 | aa | 7 5:5 rıI 
» » » » > > 3435 33-08 | Si = 5:5 1:09 
» » » 4) 43:5 —45 775 | 6-62 |r8-2 | 6-65 | rıız2 
» » » » » Baer 42—43'5 6:8 6:2—64 2:1 5—55 | 12—1'4 
»  cfr. Edwardsi Fluviomarin-Stufe (St.) oben 38—39 6 63—6'4 TI — 
» cfr. striatus, unt. Mokattam (St.) oben . . 30 6:5 49 14 —_ ? 15 
» striatus, Kerun-Stufe (M.) obenf) ... .. 33 7 47 17 64 1:6 
» latidens, » > (MI) en © vo 16:8 2:5 67 TS = = 
» » unt. Mokattam (St.) unten}) ... . 175 2:9 6 _ 5 I 
»? » Kerun-Stufe (St.) unten ..... 19:5 ? 2:8 ?6:9 21:8 22 = 
»? » > » (M.) SB Fa EEE 22 Sl ee — = 7 
» > » » (St.) SR FASER 22 2:8 7:8 ZEN II 
» » » > (A) ee 23 24 95 25 23—2'4 I 
»? » » »  (St.) N 24 3 8 2 — — 
» » » a N) las Mr ae mare: 25 235 10 2:9 5 0:8 
» cfr. latidens, Sagha-Stufe (Fr.Junten. . . . 53 4 13 25 _ — 
» Jatidens, unt. Mokattam (St.)oben}). ... . 22'°5 29 | —_ 2 I 


1) Anmerkung: Maße in Millimetern. Verhältnis I— Länge zur Dicke, 2—= Dicke zur Höhe der Mittelzähne, 
3 = Dicke zur Länge der innersten Seitenzähne. 


40 Ernst Stromer., [4] 


Myliobatis Pentoni A. Smith Woodward, 1893, Taf. XLVIIL, Fig. 1, 2. 
Taf. V (D), Fig. ı,1a. 


Bisher ist nur diese eine, wahrscheinlich aus dem unteren Mokattam bei Kairo stammende Art des 
ägyptischen Tertiärs beschrieben worden. Die außerordentlich große untere und obere Kauplatte gehört zu 
einem Individuum, bei dem ebenso wie bei den rezenten M. aquila und M. bovina die oberen Mittelzähne 
länger als die unteren sind. 

Das Verhältnis I, zwischen 72 und 8:5 schwankend, ist in Anbetracht der Größe der Zähne 
nicht hoch, wird es ja doch nach Smith Woodward (1888) bei kaum halb so großen Exemplaren von 
M. striatus und M. toliapicus erreicht. Bei kleineren Kauplatten derselben Art muß man also nach den 
zitierten Ausführungen (A. Smith Woodward, 1888; Stromer, 1904) ein relativ niederes Verhältnis I 
erwarten, aber die quere Wölbung, die stumpfen Seitenwinkel der Mittelzähne und die Form der sehr 
deutlich labiolingual gestreckten Seitenzähne müssen ziemlich die gleiche sein, es muß also große Ähnlichkeit 
mit M. Dixoni Ag. und M. goniopleurus Ag. bestehen. Bei der ersteren Art ist aber das Verhältnis ı doch 
etwas niederer, die Wölbung speziell unten eine andere und die Seitenzähne sind in der Regel noch mehr ver- 
dickt und bei der anderen ist die labiolinguale Wölbung der oberen Kauplatte sehr stark und der Abfall 
der unteren Mittelzähne zu den Seitenreihen deutlich. 

Die Kauplatte von M. toliapieus Geinitz (1883, S. 38, 39, Taf. I, Fig. 2,2«) aus dem Eocän von 
Helmstedt in Braunschweig dürfte demnach zu M. Pentoni gehören, obwohl ihre Seitenzähne relativ länger 
und ihre Mittelzähne unten stärker gewölbt sind. Auch die leider nicht genügend beschriebenen Kauplatten 
von M. copeanus Clark aus dem Eocän der Ostküste Nordamerikas (Clark, 1896, S. 61, Taf. VII, Fig. 3, 
und Eastman, 1901, S. 99— 100, Taf. XII, Fig. 2, Taf. XIII, Fig. 7) scheinen recht ähnlich zu sein, nur 
sollen ihre Mittelzähne zum Teil stark gebogen und unten auch gewölbt sein. 

Aus meinem Material reihen sich an die Helmstedter Form zwei wenig größere untere Kauplatten 
aus dem untersten Mokattam (M.) an. Ihre Mittelzähne sind unten ebenso gewölbt, aber ganz gerade und die 
allein erhaltenen inneren Seitenzähne sind noch länger, gleichen also den durch Verwachsung entstandenen 
der oberen Originalplatte. Die vollständigere zeigt übrigens auch eine flache Einsenkung in der Median- 
linie, so daß man eine ziemlich große Variabilität annehmen muß, wenn man diese Stücke zu M, Pentoni 
rechnen will. 

Eine auch nur mittelgroße obere Platte von Abbasije (St.) (Taf. V (I), Fig. ı, 10) ist nach dem Aus- 
geführten auch hieher zu rechnen. Sie ist aber anormal, wie ihr Querschnitt deutlich zeigt, indem ihre 
Mittelpartie nur auf einer Seite stark quer und längs gewölbt ist.!) 


Myliobatis Fraasi nov. spec. 
Taf. V (I), Fig. 7, 7a. 

Eine etwas kleinere untere Kauplatte, die aus der Birket-Stufe (St.) stammt (Taf. V (D), Fig. 
7, 7a), paßt zwar im Querschnitt und in den Größenverhältnissen sehr gut hieher, die Seitenzähne sind 
aber etwas schief und ihre vorderen und hinteren Enden schmal und die Mittelzähne sind median gerade, 
seitlich jedoch ein wenig, rückgebogen. Diese Unterschiede dürften zur Aufstellung einer Art genügen, 
die ich nach Herrn Prof. E. Fraas nenne, 

M. vomicianus Cope aus dem Miocän Nordamerikas scheint übrigens nach Leidys (1879, S. 242, 
Taf. XXXUI, Fig. 5) Beschreibung und Abbildung ähnlich zu sein, und es ist bemerkenswert, daß nach 
ihm wie bei der oben genannten unteren Kauplatte (M.) eine mediane Einsenkung vorhanden ist und daß 
wahrscheinlich die obere Kauplatte von M. gigas Cope (ibidem, Fig. 4), bei der wie oben bei M. 
Pentoni die Zähne der zwei inneren Seitenreihen auf einer Seite verschmolzen sind, zu derselben Art 
gehört. Bei beiden Formen sind aber die Mittelzähne gestreckter als bei unserer Art. 


!) Anm.: Vielleicht ist das auch der Fall bei der halben Kauplatte aus dem Eocän von Kasch, auf welche 


Lydekker (Palaeontologia indica, Ser. 10, Vol. 3, I886, S 244, Taf. XXXV, Fig. 9, 9a) eine neue Art M. curvipalatus 
gründete, 


[5] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 4l 


Myliobatis Dixoni Ag. 
Taf. V (D, Fig. 6, 6a. 


Betreffs der Synonymie verweise ich auf meine eingangs genannte Arbeit (1904, S. 256) und bemerke 
nur, daß Smith Woodward wie ich Formen hieher zählen, bei welchen das Verhältnis 3 bald über 2'5 
ist, bald 2 kaum übersteigt. 

Danach könnte eine in ihrem Querschnitt gut zu M. Dixoni passende, große, rissig verwitterte 
untere Kauplatte (St.) mit tiefer Kaugrube aus graugrünem Sandstein der Zeuglodon-Schicht der Kerun-Stufe 
zu der Art gehören. Ihre Seitenzähne gleichen denjenigen von M. eureodon Schafhäutl, also einer 
Varietät von M. Dixoni, die Mittelzähne sind aber median kaum rückgebogen und zeigen dieselbe schwache 
Rückbiegung ihrer Enden wie diejenigen von NM. Fraasi. 

Weitere bestimmbare Stücke dieser Art liegen mir nicht vor. 


Myliobatis elatus nov. spec. 
Taf. V (D, Fig. 4, 4a. 

Eine große, auffällig hohe untere Kauplatte aus dem untersten Mokattam bei Kairo (St.), leider nur 
zur Hälfte erhalten, gehört zu einer M. Dixoni sehr nahe stehenden Art. Die bis fast 30 mm hohe Krone 
der wohl etwa 90 mn langen Mittelzähne zeigt aber zum deutlichen Unterschiede eine auffällige Vorbiegung 
ihrer Enden und gleicht darin etwas dem Original von M. micropleurus Agassiz (Ag. S. 318, Taf. XLVI, 
Fig. 17), das auch in der Höhe der Mittelzähne und der Form der seitlichen nahe steht. Der wohl- 
erhaltene Schmelz der Mittelzähne meines Originals ist übrigens nicht wie meistens längsgestreift, sondern 
zeigt ein sehr feines Netzwerk von Längsfurchen und jeder Seitenzahn ist ein wenig gewölbt. Von den Wurzel- 
leisten ist dann noch zu erwähnen, daß die seitlichsten der Mittelzähne abgeplattet spindelförmig sind. 


Myliobatis mokattamensis nov. spec. 
Taf. V (I), Fig. 5,5a. 

Ein schönes Stück einer mittelgroßen unteren Kauplatte vom gleichen Fundort (St.) (Fig. 5,5«) 
zeigt den deutlich längsgestreiften Schmelz der eben rückgebogenen Mittelzähne, Es vermittelt insofern 
zwischen M. Dixoni Ag. und foliapicus Ag., als sie wie bei ersterem wenig gestreckt und unten ziemlich 
gewölbt sind, während wie bei letzterem die Oberfläche kaum konvex ist, und die Seitenzähne nur sehr wenig: 
von regelmäßigen Sechsecken abweichen. 

Eine wenig kleinere untere Kauplatte von ebenda (St.) mit nur einer erhaltenen Seitenreihe weicht 
aber von dem Original durch ein höheres Verhältnis I und 3 und ein kleineres 2 ab, vermittelt also zu 
M. striatus Stadium IV in Smith Woodward (1888, S. 43, Taf. I, Fig. 7), das nur durch wenig 
kürzere Seitenzähne und schmälere Mittelzähne sich unterscheidet. 


Myliobatis toliapicus Ag. 

Eine leider nur in den 3 Reihen der Seitenzähne einer Seite und dem größten Teile der Mittelzähne 
erhaltene untere Kauplatte (M.) vom unteren Mokattam bei Kairo mufß entschieden zu dieser Art gezählt 
werden, von deren Typus sie nur darin abweicht, daß die Mittelzähne ein wenig gestreckter und die rand- 
lichen Seitenzähne ein bischen schräg verzerrt sind. 


Myliobatis Edwardsi Dixon (1850, S. L99— 200, Taf. XI, Fig. 16). 
Taf. V (I), Fig. 3 und 9. 

Sechs gut erhaltene, mittelgroße, untere Kauplatten vom untersten Mokattam bei Kairo (die größte 
und kleinste von Abbasije bei Kairo), von welchen die größte in Fig. 3 und die zweitkleinste in Fig. 9 ab- 
gebildet ist, gehören trotz einiger Unterschiede offenbar zusammen. Die zwei kleinsten und die größte 
sind oben ganz flach, die anderen aber ein wenig quergewölbt. Die Verschiedenheit des Verhältnisses 2 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns. Bd. XVII. 6 


42 Ernst Stromer. [6] 


9 


hängt aber nicht nur davon ab, sondern ist auch durch die nur selten vollständige Erhaltung der 
Wurzelleisten bedingt, also irrelevant. Die Basis ist übrigens stets etwas bis deutlich quergewölbt, die 
Mittelzähne sind gerade, nur bei dem größten etwas unregelmäßis gebogen, ihre Oberfläche ist 
deutlich längsgestreift. Ihre Seitenecken sind wenig stumpfwinklig und sehr wenig ungleichseitig. Die 
Seitenzähne sind regelmäßig sechseckig; bemerkenswert ist aber, daß die innersten Seitenzähne bei der 
kleinsten Form länger als dick sind und bei größeren immer dicker werden. Auch die mittleren Seitenzähne 
sind bei den gröfßeren Platten fast stets etwas dicker als lang und die äußersten ebenfalls. Bei den kleineren 
Platten und der zweitgrößten sind sie aber kaum dicker als lang, was von dem Original unterscheidet, und 
ein weiterer Unterschied davon ist das höhere Verhältnis 1. 

All diese Differenzen sind aber so verteilt, daß eine Trennung unmöglich ist. Das Original zu 
M. Edwardsi wurde nun von A. Smith Woodward (1888, S. 43, 44) mit Vorbehalt zu M. sztriatus Ag. 
gestellt, 7. Zoliapicus in Dixon (l. c., Taf. X, Fig. 3, 4) hat aber ebenso verdickte Seitenzähne. Die vor- 
liegenden Stücke überbrücken nun noch weiter den Abstand von M. Zoliapicus Ag., mokattamensis mihi, 
striatus Ag. und Edwardsi Dixon, denn wo die Seitenzähne deutlich dicker als lang sind, ist bei ihrem 
höheren Verhältnis ı ein Unterschied von M, striatus fast nur in der Geradheit der Mittelzähre vorhanden, 
wo sie kaum dicker als lang sind, trennt von M. Zoliapicus und mokattamensis nur das Verhältnis ı. 

Leider habe ich aus dem untersten Mokattam keine obere Kauplatte, die zu M. Edwardsi gehört, 
wohl aber könnte man den einzigen: Myliobatis-Rest aus dem Sand der Fluviomarinstufe nordwestlich von 
Tamieh im Fajum dazu rechnen. Die wohlerhaltenen Mittelzähne (St.) gleichen ganz den unteren, vor allem 
auch in ihrer Geradheit, nur ist ihre Basis kaum, ihre Oberfläche deutlich quergewölbt. Da aber die 
Seitenzähne fehlen und das geologische Alter ihrer Schicht erheblich geringer ist, kann ich das Stück nur 
mit Vorbehalt hier erwähnen. Wahrscheinlich steht übrigens M. mordax Leidy (1879, S. 235) nach seiner 
Fig. 3, Taf. XXXIII, unserer Form nahe, doch sind dort die Seitenzähne deutlich dicker als lang und etwas 
schräg abgestutzt. 


Myliobatis striatus Ag. 
Taf. V (I), Fig. Io, Ioa. 

Eine kleine, obere Kauplatte vom untersten Mokattam (St.), an der Basis wenig quergewölbt, an 
der Oberfläche aber deutlich quer- und längsgewölbt, könnte nach der Form und den Größenverhältnissen 
der Zähne wohl zu dieser Art gehören. Die Mittelzähne sind etwas rückgebogen, was von der vorigen 
Form unterscheidet und die leider nur schlecht erhaltenen, inneren Seitenzähne scheinen deutlich dicker als 
lang zu sein. 

Ist hier wegen des Erhaltungszustandes die Bestimmung unsicher, so kann eine obere Kauplatte (M), 
welche aus der an Zeuglodon-Resten reichen Schicht der Kerun-Stufe stammt, und die in Fig, Io, Ioa bis aut 
den abgekauten Teil abgebildet ist, ohne weiteres zu dieser Art gerechnet werden. 

Wenn ich noch erwähne, daß die vom oberen Montmartre in Paris stammende obere Kauplatte 
von M. Rivieri Sauvage (1878, S. 623, Taf. XI, Fig. 3, 3a) ganz gut zu M. fohapicus Ag. paßt, in ihren 
Seitenzähnen aber wie M. Edwardsi Dixon sich verhält, also zu der von Dixon, |. c., Taf. X, Fig. 
3, 4, als M. toliapicus abgebildeten unteren Kauplatte gehören dürfte, so ist, wenn auch nicht so vollständig 
wie bei den unteren Platten, ein Vorkommen von Übergangsformen auch für die oberen festgestellt. 


Myliobatis latidens A. Smith Woodward. 
Taf. V (), Fig. 2, 2a, Il und I2, 12a. 

Die in den gleichalterigen Bracklesham Beds Englands und vielleicht auch am Kressenberg in 
Bayern (Stromer, 1904, S. 260) vertretene Art ist in der Kerun-Stufe sehr häufig, aber auch im untersten 
Mokattam vorhanden und wird anscheinend kaum größer als der rezente Myliobatis aguıla. 

Die in gut erhaltenen Exemplaren von verschiedener Größe vertretenen unteren Kauplatten haben 
eine ebene oder nur ganz wenig querkonvexe Oberfläche und sind unten fast sämtlich noch weniger gewölbt 
als das abgebildete Stück (Fig. 2a, M.). Ihre Mittelzähne, deren Schmelz, wenn gut erhalten, längsgestreift 


[7] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 43 


ist, sind stets gerade, an den Enden mit eben stumpfwinkligen, fast gleichschenkligen Ecken versehen 
und sehr lang, wenn auch nicht so wie bei der englischen Form. Wie sehr das Verhältnis ı aber variieren 
kann, zeigt eine kleine, aus der roten Schalenschicht der Kerun-Stufe stammende Platte (M.), wo es lingual 
über 7 ist, also normal, in der Mitte, noch hinter der Kaugrube jedoch nur = 5'5, also wie bei M. fohapicus 
Ag. Die Seitenzähne endlich sind bis auf die äußeren stets so regelmäßig hexagonal wie bei dieser Art 
und normal in je drei Reihen entwickelt. Die Kaugrube ist außer bei dem einen prächtig erhaltenen Stück 
aus dem untersten Mokattam (St., Fig. II) sehr flach, bei ihm aber, wie selten zu beobachten, auch noch 
von einem ganz flachen Hof umgeben. Das in Fig. 2 abgebildete, ebenfalls vorzüglich erhaltene Stück ist 
endlich noch dadurch bemerkenswert, daß seine Mittelzähne labialwärts etwas treppenförmig abgesetzt sind. 

Aus der Sagha-Stufe, wo Myliobatis nur selten ist, muß ich ein nur aus vier unteren Mittelzähnen 
bestehendes Stück (Fr.) hier erwähnen. Seine Basis ist ganz flach und die Zähne sind so gestreckt, wie es 
für die Art bei dieser Größe zu erwarten wäre, aber die Oberfläche ist ein wenig mehr gewölbt als bei 
den kleinen Platten und die Zähne sind etwas gebogen, es kann also nur mit Vorbehalt zu M. latidens 
gerechnet werden. 

Zu der unteren Platte vom untersten Mokattam (Fig. 11, St.) paßt vorzüglich eine ebendort gefundene 
obere (Fig. 12, I2a, St.). Sie ist stark längs- und deutlich quergewölbt und ihre auch weniger als bei 
der englischen Form gestreckten Mittelzähne sind etwas rückgebogen. Aus der Kerun-Stufe liegt aber leider nur 
eine schlecht erhaltene kleine obere Platte (M.) vor, die sehr wahrscheinlich hieher gehört. 


Aötobatis. 
Taf. VD, Fig. 8. 


Es liegen mir leider nur wenige Reste von mittelgroßen unteren Kauplatten vor, die nach Smith 
Woodward (1889, S. 128) unbestimmbar sind. 

Ein Stück eines Zahnes aus dem untersten Mokattam bei Kairo (Fr.) und eines aus der Kerun-Stufe 
(M.) gleichen dem zu erwähnenden aus der Fluviomarinstufe. Eines aus der Knochenschicht der 
Sagha-Stufe (M.) aber ist etwas größer und weniger gebogen. Die zum Teil vollständiger erhaltenen sechs 
Kauplatten (St.) aus der Fluviomarin-Stufe, wovon die kleinste (Fig. 8) abgebildet ist, zeichnen sich alle da- 
durch aus, daß die Zähne nicht nur stark nach vorn konvex und median breit sind, sondern dafß ihre 
schmalen Seitenteile meist so lang nach hinten ausgezogen sind, daß die gerade Verbindung ihrer Hinter- 
enden in der Medianlinie den hinteren Rand des dritten folgenden Zahnes treffen würde. Ich fand unter 
den zahlreichen abgebildeten Formen keine derartigen, glaube also eine neue Art oder doch Varietät vor 
mir zu haben, hüte mich aber aus den angegebenen Gründen sie aufzustellen und bilde das Stück nur ab, 
um.zu zeigen, wie spezialisierte Aöfobatis-Arten im Obereocän (oder Oligocän?) existierten. 


Myliobatiden — Schwanzstacheln. 


Wie bei der Häufigkeit von Zähnen und Kauplatten zu erwarten, liegen mir auch zahlreiche, zum 
Teil gut erhaltene Stacheln vor, ein großer (M.) und einige kleine (St.) aus dem untersten Mokattam, ein 
Stück eines sehr großen, aus der höchsten Schicht des oberen Mokattam unter dem Gebel el Ahmar bei Kairo 
(B.), besonders schöne aus der Kerun-Stufe des Fajum (St., wenige B, ı M.) und mehrere Stücke aus der 
dortigen Sagha-Stufe (M). 

Bestimmbar sind sie leider so wenig wie die bisher beschriebenen, denn niemand hat die nötigen 
Vorarbeiten bei rezenten Formen gemacht, wo die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Familien, Genera 
und Arten sich allein sicher feststellen läßt. Ich kann also nur auf das vorhandene Material aufmerksam 


machen. 


Die paläogenen Myliobatinae Westeuropas und Nordafrikas. 


Ein Vergleich der besprochenen Reste mit den aus dem Alttertiär von Tunis von Sauvage (Bull. 


Soc. geol. de France, Paris 1889 (3), T. XVII, S. 561, Fig. ı) und Priem (ibidem, 1903 (4), T. II, 
6* 


44 Ernst Stromer. [8] 


S. 396—399, Taf. XIII) beschriebenen Kauplatten und Stacheln ist leider nutzlos, da jene alle bei dem 
jetzigen Stande der Kenntnisse unbestimmbar sind. Auch die zahlreichen aus dem Alt- und Mitteltertiär 
des östlichen Nordamerikas von Leidy, Cope u. s. w. beschriebenen Kauplatten bedürfen erst einer Revision 
an Hand der Originale und mit neuem Material, ehe ein Vergleich damit genügend sichere Resultate geben kann. 

Fast ganz außer acht muß ich auch die wenigen nicht genau bestimmbaren Myliobatinen-Reste 
aus der Sagha- und Fluviomarin-Stufe des Fajum lassen und kann so eigentlich nur die Myliobatinen aus 
dem untersten Mokattam bei Kairo und aus der Kerun-Stufe des Fajum mit denjenigen des Mitteleocäns 
der bayrischen Alpen und des englischen Eocäns vergleichen. 

Die Myliobatiden-Reste eignen sich nun gar nicht zu Leitfossilien, schon aus dem äußeren Um- 
stande, daß wohlerhaltene, sicher bestimmbare Kauplatten ziemlich selten sind, und dann, weil einerseits 
manche Übergänge und Variationen bei gleichalterigen Formen sich finden und anderseits nach den 
Angaben von Smith Woodward (1889, S. 1ıogff.) manche Arten durch mehrere Tertiärstufen sich ver- 
folgen lassen (z. B. ist nach ihm M. toliapicus und Aöt. irregularis im London clay, in den Bracklesham beds 
und im Barton clay verbreitet). Wenn übrigens die Myliobatinen-Fauna des untersten Mokattam und der 
Kerun-Stufe etwas verschieden ist, so muß auch der Faziesunterschied in Betracht gezogen werden: Hier 
sind reine, marine, an Nummuliten reiche Kalke, dort Tone, Mergel und feinkörnige, kalkige Sandsteine mit 
Spuren von Süßwassernähe vorhanden. 

Jedenfalls lassen sich die Formen alle gut mit der Annahme vereinigen, daß am ersteren Fundort 
unteres Parisien vertreten ist, am anderen jüngere Schichten derselben Stufe. Für Mitteleocän spricht 
vor allem die Häufigkeit von M. latidens, der bisher nur aus diesem bekannt ist. Daß übrigens die meisten 
der Formen wohl nur geographische Abarten, Standortsvarietäten oder Übergangsformen der im Mittel- und 
Obereocän Englands verbreiteten sind, geht ja schon aus der Detailbeschreibung hervor und ist in der 
folgenden Erörterung über die Phylogenie der Myliobatinen (Unterfamilie der Myliobatiden) noch des 


weiteren auszuführen. 


Tabelle der Verbreitung von eocänen Myliobatinae 


in 
England den bayrischen Alpen Ägypten 
| 
Obereocän 
M. Dixoni 2 
: M.cfr. Edwardsi, ı Stück, mittelgrofs Barton SEN) 
» status ın 
eu ee 5 Aet. spec. nov. indet. 6 Exemplare, mittelgrofß3 England, 
Aet. irregularıs Fluviomarin-Stufe 
in Ägypten 
M. Dixoni, ı Exemplar, groß Mitteleocän 
oe TREE: » i, I Stück, mittel B h bed 
M. Dixomi M. Dixoni var. eureodon häufig ö ah 3 a ! “aanles SE 3 
ES ß j » latidens, viele Exemplare, klein in England, 
wardsi |» SOMONIZES var. pressidens|, „ striatus, ı Stück, mittel Ramasini 
» gomiopleurus | häufig Aetobatis spec. indet., 1 Stück, klein und 
» Zatidens >? latidens, ı Stück M. Edwardsi, häufig, mittelgroß 
» strialus » striatus, 2 Exemplare » elatus, I Stück, sehr groß 


» tohapicus 
Aöt. irregularis 


»  marginalis 


» 


» 


loliapieus, I Stück 


Aöt. giganteus, 4 Exemplare 


spec. indet, ı Exemplar 


» latidens, 2 Stück, klein 
» mokattamensis, 2 Stück, mittel 


M.? Dixoni 

»  gomiopleurus 
»? striatus 

» toliapicus 
Aöt. irregularis 
Rhinoptera Daviesii 


untere Mokattam- 


; : > Stufe 
» Pentoni, 5 Exemplare, mittel bis riesig in Ägypten 
»?striatus, I Exemplar, klein 
» tohapicus, I Stück, mittel 
Aötobatis spec. indet., ı Stück, klein 
Untereocän 


London clay 
in England 


[9] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 45 


Zunächst ist zu betonen, dafs leider nur auf Grund der Bezahnung. geurteilt werden kann, 
denn der vereinzelte Fund des Promyliobatis-Körpers im oberen Mitteleocän (Jaekel, 1894, S. 152 ff.) nützt 
uns wenig, da schon im Untereocän die noch lebenden Genera Myliobatis, Aetobatis und Rhinoptera, den 
Gebissen nach zu schließen, wohl differenziert vertreten sind und von kretazischen Vorfahren zu wenig; 
bekannt ist (s. Davis, Scient. Trans. R. Dublin Soc., Dublin 1890 (3), Vol. 4, S. 374 und Leriche, Ann. Soc. 
geol. du Nord, Lille 1902, T. 31, S. 101!). Rhinoptera ist nun in jüngeren Eocänstufen leider noch nicht nachge- 
wiesen, von den anderen zwei Genera ist aber zu konstatieren, daf sie schon im Mitteleocän ihre höchste Blüte er- 
reichten, wobei ja zu bedenken ist, daß ich nur drei Fundgegenden berücksichtige und daß man die damaligen 
exotischen Formen noch fast gar nicht kennt. AeZobatis tritt dain Ägypten gegenüber Myliobatis und den anderen 
Haien allerdings auffällig in den Hintergrund, besitzt aber in Bayern seine größte Art und in England noch 
zwei weitere auch recht stattliche. Myliobatis entfaltet aber nicht nur seinen größten Formenreichtum, sondern 
hat auch mehrere so stattliche Vertreter wie M. striatus, Dixoni und elatus und die größte aller bekannten 
Arten im M. Pentoni, es fällt also bei ihm die Blüte der Differenzierung mit der Entwicklung von Riesen- 
formen zusammen. Daß aber danach in keiner Beziehung ein rascher Verfall eintritt, beweisen besonders 
die zahlreichen und großenteils sehr stattlichen Formen, die Leidy (1879) aus etwas jüngeren Ablagerungen 
des östlichen Nordamerika beschrieb. 

Nur um die wichtiger erscheinenden Unterschiede zu betonen, habe ich eine ziemlich große Zahl 
von Myliobatis-Arten angenommen, bin aber überzeugt, daß bei noch reicherem Material auch bei den jetzt 
noch isoliert erscheinenden Arten ebenso große und zahlreiche Variationen sich finden werden wie bei 
M. Pentoni und Edwardsi, und daß dadurch die Unterschiede der Arten noch weiter verwischt werden. 
Jedenfalls ist bewiesen, daß das Gebiß von Myliobatis in der Tat so variabel ist, wie ich (1904, S. 253) 
es bei Tieren, die dem vagilen Benthos angehören, nach der Döderleinschen Theorie vermutete. 

Zieht man nun endlich den Charakter der eocänen Gebißformen in Betracht und sucht daraufhin 
verwandtschaftliche Beziehungen festzustellen, so muß zuerst hervorgehoben werden, daß über Rhinoptera, 
Aetobatis und Promyliobatis viel zu wenig bekannt ist, und daß sich kaum Übergänge dazu finden. Nur 
scheint mir wichtig, daß nach Fig. 34 in Jaekel(1894, S. 154) das Gebif des letzteren sich am ersten mit 
dem von Myliobatis mokattamensis vergleichen läßt, welches in der geringen Streckung der Mittelzähne 
und der regelmäßigen Form und relativen Größe der Seitenzähne noch primitiver erscheint als das schon 
im Untereocän vorhandene, ihm ganz nahestehende von M, Zoliapicus. 

Es spricht also manches dafür, diese letzteren Formen als Ausgangspunkt anzunehmen und es läßt 
sich dann eine Entwicklung nach drei Hauptrichtungen verfolgen, ı. durch Verlängerung der Mittelzähne, 
2. durch mäßige Verlängerung der Mittelzähne zugleich mit mäßiger Verdickung der Seitenzähne und 
3. durch starke Streckung der Seitenzähne in labiolingualer Richtung (Verdickung) zugleich mit Erhöhung 
der Krone der Mittelzähne. Eine schräge Verzerrung endlich der Seitenzähne scheint erst bei neogenen und 
rezenten Formen eine Rolle zu spielen als eine weitere Entwicklungsrichtung. Weitere kleinere 
Modifikationen in der Biegung und Wölbung der Mittelzähne, der Form der Winkel der Seitenzähne u. s. w. 
kommen natürlich auch in Betracht, lassen sich aber jetzt noch nicht so klar überblicken wie die genannten 
Entwicklungsrichtungen, 

Als Extrem der ersten Richtung würde aus der M. foliapicus-Form M. latidens mit sehr langen 
Mittelzähnen hervorgehen, die zweite Richtung würde von M. toliapicus abzuleitende Formen wie M. stria- 
Zus und Edwardsi mit flachen unteren Kauplatten, verlängerten Mittelzähnen und etwas bis mäßig verdickten 
Seitenzähnen umfassen. Als Vertreter der dritten endlich gingen M. Dixon? und elatus mit relativ kurzen 
und hohen Mittelzähnen und sehr kurzen und dicken Seitenzähnen aus M. mokattamensis über M. Pentoni und 
goniopleurus hervor. Bei ihnen liefe also die Entwicklung darauf hinaus, daß die sehr starken Mittelzähne 
fast allein für das Kaugeschäft in Betracht kämen; sie entfernen sich also am weitesten von dem Gebiß- 
typus von Rhinoptera und nähern sich hierin dem von Aötobatis. Eine Annäherung in der Vorwärtskrüm- 
mung der Mittelzähne und der Gestalt ihrer Basis findet sich aber nicht bei ihnen (siehe auchStromer I904.a!). 
Einem Stammbaum sollen natürlich diese Reihen nicht entsprechen, sondern nur eine Übersicht über die 


Gebißformen der eocänen Myliobatis-Arten ermöglichen. 


46 Ernst Stromer. [10] 


Da mir in der hiesigen Sammlung leider keine gut erhaltenen jüngeren Myliobatis-Kauplatten vor- 
liegen und deren Beschreibungen zum Teil ungenügend sind, möchte ich keine Revision der mittel- und jung- 
tertiären Formen versuchen und kann ohne sie nicht wagen, die Beziehungen der paläogenen Arten zu ihnen 
und zu den rezenten Vertretern der Gattung zu erörtern, Ich muß mich also mit dem obigen Beitrag zur 


Geschichte der Myliobatinen begnügen. 


Pristidae. 


Seit dem Erscheinen der zusammenfassenden Arbeit von Vigliarolo (I890) ist nur die Arbeit von 
Priem (1897) über Propristis und von Jaekel (1890) über Pristiophorus, in welcher er auch einige Bemer- 
kungen über Pristis machte, hier als wichtig zu erwähnen. Wie nun schon Vigliarolo (l. c,, S. 25) her- 
vorhob, werden die fossil erhaltungsfähigen Teile der Pristiden nur ganz ausnahmsweise so beisammen 
gefunden, daß ihre Zugehörigkeit zu einer Art feststeht. Meist erhält man nur isolierte Rostralstacheln, 
deren Bestimmung kaum möglich ist, weil sie, wie schon aus A. Günthers (1870, S. 437) Angaben her- 
vorgeht und Vigliarolo |, c. feststellte, bei einer Art, ja in einer Säge in der Form sehr wechseln und 
anderseits manchmal bei verschiedenen Arten gleichgestaltet sein können. Systematisch wichtiger als ihre 
Form scheint ihre Zahl und ihr gegenseitiger Abstand am Rostrum zu sein und dessen Verschmälerung nach 
vorn zu (Dume&ril, 1865, Bd. 1, S. 473 f£, Vigliarolo |. c.), und ich fand, wie im folgenden auszu- 
führen ist, für die eocänen Formen auch die Beschaffenheit der Seitenteile der Rostren, in welchen die 
Stacheln befestigt sind, sehr verschieden und offenbar systematisch von Bedeutung. 


Pristis. 


Dem, was von den verschiedensten Autoren (Latham, 1794, Williamson, 1851, Kölliker, 1860, 
Dume£ril, 1865, Gegenbaur, 1872, Dames, 1883, Vigliarolo, 1I89go und Priem, 1897) über die 
Sägen der rezenten Pristiden ausgeführt wurde, habe ich auf Grund meines Materials, das von mir bestimmte 
Sägen der meisten lebenden Arten aus der hiesigen zoologischen Sammlung umfaßt, nicht viel beizufügen. 

Alle Rostren sind vorn sehr stumpf und die meisten verschmälern sich nur ganz langsam, Dorsal 
wie ventral sind zwei innere Längsfurchen vorhanden, die hinten den Ansätzen der fest verkalkten Innen- 
wände der paarigen Längskanäle entsprechen, nach vorn zu aber langsamer wie diese sich nähern; 
ferner zwei äußere Längsfurchen, in welchen kleine Gefäßlöcher aus den seitlichen Gefäßkanälen nach außen 
münden und welche den zuerst verkalkenden Medianteil des Rostrums begrenzen. In ihm liegt der fast 
ganz mit Knorpel erfüllte Mittelraum, der einen engen Mediankanal enthält und nach vorn zu eher auskeilt 
als die mit eigener verkalkter Wand versehenen Seitenkanäle. Daneben befindet sich jederseits in dem 
dünneren, bei jungen Tieren noch weichem Seitenteile je ein kleiner Längskanal für Gefäße und Nerven 
für die Stacheln, der, wie die Fig. 3, Tafel HI, in Dames (1833) zeigt und ich im Gegensatz zu den An- 
gaben von Gegenbaur (1872, S. 93) fand, nicht immer eine eigene verkalkte Wand besitzt. Es können 
übrigens auch die Partien, welche zwischen den tiefen fast bis zu den Seitenfurchen reichenden Alveolen 
liegen, im Innern auch bei großen Exemplaren kaum oder nur schwach verkalken (siehe Owen, I8S40— 1845, 
Atlas, Taf. VIII, Fig. 3 d!). Die von Kölliker (1860) beschriebenen Kalkprismen des Rostrums erscheinen an 
der Oberfläche eines mit Kalilauge behandelten Stückes als durch radiäre Strahlen verbundene Scheibchen, 
median und besonders an den Seitenrändern sind aber verkalkte Längsfasern vorhanden. Die Haut der 
ganzen Säge enthält ein dichtes Pflaster glatter, rundlich-ovaler oder polyedrischer Placoidschuppen (Taf. VI (I), 
Fig. 176), die an den Rändern am größten sind. Diese Scheibchen sind also deutlich verschieden von den 
Placoidschuppen des Rumpfes, die Hasse (1882, S. 124, Taf. XVI, Fig. 59, 60) beschrieb, weniger aber 
von solchen nach der Beschreibung von Steinhard (1902, S. 39, Taf. II, Fig 52).!) 

Die Alveolen sind vorn stets opponiert (siehe Latham, 1794, Fig. 1-4, und Dumeril, 1865, 
Atlas, Taf. IX!), aber bei einer Säge von Pristis cfr. zysron aus Ostafrika in der Mitte nicht und bei einer 
von Pristis cuspidatus in der Mitte und hinten nicht, was für den letzteren auch Priem (1897, S. 232) 


1) Anm.: Leider kann ich nur die Placoidschuppen der Rostren gut sehen, da sie am Rumpf der ausgestopften 
Exemplare kaum zu erkennen sind und Alkohol-Exemplare mir nicht zur Verfügung stehen. : 


[11] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 47 


angab. Solche starke Formschwankungen der Stacheln, wie sie A. Günther (1870, S. 437, 438) für manche 
Arten annahm und Vigliarolo (1890, S. 25, Fig. $—ı13) von einer Säge abbildete, sah ich nicht, doch 
fand ich die hintersten Stacheln stets sehr kurz und die Ränder nicht ganz konstant, so den Hinterrand 
bei Stacheln von jungen Pristis cfr. pectinatus nur gerundet und bei erwachsenen Pristis antiquorum ' 
manchmal nur mit einer recht schwachen Furche versehen, die übrigens nach Dum&£ril (1865, S. 474) bei 
jungen Pristis antiquorum in der Regel kaum angedeutet ist. Stets sind endlich die Enden der Stacheln mehr 
oder weniger spitz und abgeschliffen und zeigen beiderseits Kritzer, die von innen vorn nach außen 


hinten laufen. 


Der letztere Befund ließe sich gut mit der in der Literatur verbreiteten Annahme vereinigen, daß 
die Sägen wie Harpunen zum Angriffe auf Walfische dienen. Aber der Umstand, daß sie vorn ganz 
stumpf und hier keineswegs besonders fest sind und daß die senkrecht zur Längsachse herausstehenden 
Stacheln ein Eindringen noch weiter erschweren müssen, scheint mir das auszuschließen. Ein solcher 
Kenner der Walfische, wie Herr Prof. Kückenthal, an den ich mich wandte, konnte mir auch nichts 
über einen ihm bekannten Fall einer Walfisch-Harpunierung durch Pristis mitteilen und Herr Dr. Pap- 
penheim in Berlin war so freundlich, am dortigen Material von Pristis meinen Befund über die Ab- 
nützungsspuren zu bestätigen, nachzuweisen, daß der Darm von Pristis Fischreste enthält, und mich darauf 
aufmerksam zu machen, daß schon in der deutschen Übersetzung (von Müller) von Linn&s Syszema naturae 
(3. Teil, Nürnberg 1774, S. 274, 275) außer der erwähnten Ansicht bemerkt ist: »Man sagtindessen, daß sie 
(i. e. die Sägefische) von den Seepflanzen leben und daß ihnen die Säge dienlich sein soll, solche abzu- 
nehmen und loszureißen. Daß sie aber auch wohl selbst miteinander fechten, kommt uns nicht unwahr- 
scheinlich vor, indem wir eine solche Säge besitzen, woran der Zahn von einem anderen Sägefisch steckt 
und abgebrochen ist.« 


Nach dem Linn&schen Befund spielt also die Säge vielleicht eine Rolle bei dem Kampfe der 
Männchen, während die andere geäußerte Ansicht durch die Untersuchung des Darminhalts wider- 
legt ist. Bei den Haifischen findet ja eine Begattung statt, es sind also Eifersuchtsstreitigkeiten wie bei 
höheren Wirbeltieren nicht unwahrscheinlich, und vielleicht beruhen die Unterschiede, die Günther (1870, 
S. 437, 438) für die Bezahnung der Sägen einer Art (Pr. perrotetti und Pr. zysron) annahm, auf Geschlechts- 
unterschieden, wie sie z. B. für die Bezahnung von Raja schon längst nachgewiesen sind. Sicher ist nun 
infolge des Nachweises der Abnützungsspuren der Stacheln, daß die Rostren wirklich gebraucht werden und 
nicht nur etwa als eine Art Zierde dienen; sie scheinen mir in der Tat geeignet, wie eine Säge verwendet 
zu werden, also zur Erzeugung von Reißwunden zum Töten der Fische, und es entstehen wohl die Kritzer 
bei der Reibung an deren Hartteilen (siehe auch Jaekel, Neues Jahrb. f. Miner. etc., Stuttgart 1900, II, 
S. 147!). Die Ansicht von der Harpunierung der Walfische aber dürfte bald ebenso belächelt werden 
wie die einstige, daß die Sägehaie ganze Schiffe auseinandersägten und die Menschen verschlängen, denn 


was sollten sie mit ihren winzigen Kieferzähnchen mit getöteten Walfischen anfangen können ? 


Da diese Zähnchen fast noch nirgends fossil gefunden wurden und mir auch nicht vorliegen und 
ich nur Stacheln, verkalkte Rostren zum Teil mit Resten von Chagrin sowie Wirbel aus dem untersten und 
dem oberen Mokattam bei Kairo, vom Uadi Ramlieh bei Wasta und vor allem der Birket el Kerun- und 
Kasr es Sagha-Stufe des Fajum zu beschreiben habe, beschränke ich mich auf diese ergänzenden Bemer- 
kungen über die rezenten Formen und erwähne nur noch, daß über eocäne Pristiden Ägyptens schon Da- 
mes (1883 und 1888) und Priem (1897) Mitteilungen machten. 


Pristis ingens nov. spec. 
Taf. VI (I), Fie. 5, 6. 
Von den vielen mir vorliegenden Resten kann ich nur wenige mit genügender Sicherheit zu dem 


einzigen noch lebenden Genus der Pristidae rechnen. Hieher gehört vor allem ein von mir gefundenes 
Sägestück nebst sicher dazu gehörigen Wirbeln (Fig. 5) und Stacheln (Fig. 6, Fr.) aus der Knochenschicht 


48 Ernst Stromer. [12] 
der Kasr es Sagha-Stufe am Westende der Birket el Kerun. Wie schon die Maße der Wirbel zeigen 
(52:5 mm Höhen-, 50 Breiten- und bis 18 Längendurchmesser), gehören sie einer Riesenform an, denn die 
Wirbel sind noch viel größer als der von Hasse (1882, Taf. XVI, Fig. 65) abgebildete fossile Wirbel. 
Sie sind ein wenig hochoval, werden nicht ganz zentral von der Chorda durchbohrt und zeigen im polierten 
Querschliff durch die Mitte, der Beschreibung des genannten Autors (l. c., S. 121—125) entsprechend, eine 
etwas wellige Umrandung und konzentrischen Bau; die radiäre Struktur ist aber nicht angedeutet. 

Die Säge zeigt neben dem hohlen senkrechtovalen Medianraum jederseits die mit Gestein erfüllten 
zwei seitlichen Kanäle. An den relativ gut erhaltenen Seitenteilen stehen die Alveolen, deren dorsale und 
ventrale Wand fast ganz weggebrochen ist, genau opponiert und sind so tief, dafs die Entfernung ihrer 
Böden nur 44 mm beträgt, während das Rostrum hier 142 mm breit ist. Ihr gegenseitiger Abstand auf 
einer Seite ist doppelt so groß (über 50 mm) wie ihre Breite und der Seitenrand zwischen ihnen ist 
mäßig: scharf und in der Längsrichtung etwas konkav. Da das Stück leider nur 155 mm lang erhalten 
und seine Oberfläche ziemlich verwittert ist, läßt sich weiter nichts feststellen, als daß es bis etwa 37 mm 
dick ist, dieselbe Struktur wie rezente Pristis-Rostren besitzt und dem mittleren Teile der Säge angehört. 

Die Stacheln (Fig. 6, 6a, 65) sind geradezu unförmlich zu nennen, denn der größte ist 147 mm 
lang, bis 21°5 dick und 27—31 breit. Da sie von Gipsadern durchzogen sind, dürften sie wohl etwas 
deformiert sein und ihre feinere Struktur ist nur schlecht erhalten, aber anscheinend wie bei Pristis (Owen, 
1840— 1845, S. 41I—43, Atlas, Taf. IX, Hannover 1867, S. 509-511, Taf. IV, Fig. 20—23. Anm.: Auf 
die Einzelheiten der feineren Struktur gehe ich hier, wie überhaupt in dieser Abhandlung, nicht ein, da ich 
sie im Zusammenhang zu behandeln gedenke.) Ihre Ober- und Unterseite ist ein wenig bis etwas konvex, 
der Hinterrand gerade, der vordere aber oben etwas rückgebogen, so daß zwei Drittel des Stachels fast 
gleich breit und dick bleiben, das Ende aber doch etwas spitz ist. Der Vorderrand ist gerundet, der hintere 
aber ganz stumpf und gefurcht; zum Unterschiede der fossilen Stacheln von Pristis Lathami Galeotti (1837), 
Pr. Agassizii Gibbes (1850) und Pr. Bassani de Zigno (1879) ist die Furche aber unsymmetrisch, indem 
ein Rand ganz stumpf ist. 

Während nun die Furche am Hinterrande der Stacheln der rezenten Pr. pectinatus Latham und 
antiquorum Latham ganz symmetrisch ist (siehe Owen]. c., Taf. VIII, Fig. 5, und Agassizl. c., 
Atlas 3, Taf. G, Fig. 4!), kann ich an Stacheln von Pr. cfr. zysron Bleek erkennen, daß ihr Dorsalrand 
ein wenig schärfer ist als der ventrale. Bei unserer Form ist das also viel stärker der Fall und so erscheint 
die Ventralfläche schmäler als die dorsale. Unter den bisher beschriebenen fossilen Stacheln scheinen 
nach den Abbildungen ein Teil derjenigen von Pr. parisiensis Gervais (1848—1852, Atlas 3, Taf. LXVIII, 
Fig. 5, 5a) aus dem Mitteleocän und die von Pr. aquitanicus Delfortrie (1872, Taf. X, Fig. 30-32) 
aus dem Obermiocän Frankreichs auch eine etwas unsymmetrische Furche zu besitzen, wodurch letztere 
sich entgegen der Ansicht von Vigliarolo (1890, S. 13) von den eocänen von Pr. hastingsiae Ag, 
(Dixon, 1850, Taf. XII, Fig. 6, 7) unterscheiden. Doch dürfte die Asymmetrie nur schwach sein, da 
im Text nichts darüber erwähnt ist. 

Von derselben Lokalität und wohl aus der nämlichen Schicht habe ich außer etwas kürzeren, aber 
ebenso dieken und breiten, also noch plumperen Stacheln (St.‚wenige M.), die alledurch Gips und Verwitterung etwas 
deformiert erscheinen, noch zahlreiche isolierte, schlankere und spitzere, zum Teil kleinere Stacheln (St., Fr.), 
die im übrigen alle dieselben Merkmale zeigen wie die beschriebenen, Einer davon (St., Taf. VI (II), Fig, 8), am 
Steilhang nördlich von Kasr Kerun, also wie ein gleicher (Fr.) wohl in der Kasr es Sagha-Stufe gefunden, 
zeigt übrigens eine Krümmung nach oben fast so stark wie die gleichalterigen Stacheln von Pr. contortus 
Dixon (1850, Taf. XII, Fig. 9, 10, Vigliarolo, 1890, S. 10, 11). Die Skulptur der Oberfläche ist übri- 
gens bei jenen auch dieselbe, aber der Hinterrand nicht ganz gerade und die Furche anscheinend nicht so 
unsymmetrisch, 

Auch in der Birket el Kerun-Stufe sind solche schlankere Stacheln anscheinend nicht selten, wie 
Belegstücke von der östlichen Insel (B.) im Kerun-See, aus der roten Schalenschicht (M., St.) bei Kasr 
Kerun und aus gelbem Sandstein bei Dimeh (St.) beweisen. Letztere (Fig. 7) sind auffallend lang und 
übertreffen alle bisher bekannten an Größe (größter über 200 mm lang, bis 18 mm dick und bis 26°5 mm 


[13] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 49 


respekt. 28 nm breit). Bei all diesen ist übrigens die Furche weniger asymmetrisch als bei den erstge- 
nannten, doch ist auch einer dabei (M.), der hierin jenen gleicht und in seiner plumperen Form vermittelt. 

Auch aus dem weißen Kalk des untersten Mokattam bei Kairo liegen mir, außer einem in der 
Struktur trefflich erhaltenen Stück einer Pristissäge (St.) von mittlerer Größe, solche schlanke, aber nur 
mittelgroße (bis 115 mn lange) Stacheln (St.) vor. Sie zeigen aber aufßer der deutlich asymmetrischen 
Furche des Hinterrandes auch ungefähr in der Mitte der Höhe des Vorderrandes eine von gerundeten 
Rändern begrenzte schwache Längsfurche (Fig. 9, 9a). Ihre Struktur ist übrigens nach einem Querschliffe 
dieselbe wie bei Pristis. 

Was nun die Bestimmung all dieser Reste anlangt, so bieten die isoliert gefundenen schlanken 
Stacheln insofern eine Schwierigkeit, als sie von den ungefähr gleichalterigen des Pr. contortus Dixon, 
einem Teil des Pr. parisiensis Gervais und den viel jüngeren des Pr. aquitanicus Delfortrie zum Teil 
kaum zu unterscheiden sind. 

Die plumpen Stacheln aber aus der Sagha-Stufe des Fajum erlauben die Aufstellung einer leidlich 
zu definierenden neuen Art, da sie mit dem Rostralstick und Wirbeln zusammen gefunden sind. Dieser 
Pristis ingens nov. spec. erreicht eine gewaltige Größe (Taf. VI (II), Fig. 5, 6). Im mittleren Teile seines Rostrums 
stehen die tiefen Alveolen opponiert und von einander um das doppelte ihrer Breite entfernt (die Gesamt- 
zahl und Stellung der Alveolen in anderen Teilen der Säge und deren Verschmälerung sind unbekannt). 
Die Stacheln sind sehr plump, dick und nicht spitzig, ihr gerundeter Vorderrand ist oben rückgebogen und 
an dem geraden breiten Hinterrand ist eine stark asymmetrische Furche, deren Oberrand scharf und deren 
Unterrand nieder und stumpf ist. Die Wirbelkörper sind ein wenig hochoval, werden nicht ganz zentral 
von der Chorda durchbohrt und zeigen nur einen konzentrischen Bau. (Die Placoidschuppen und Zähne 
sind unbekannt.) 

Nachdem, wie erwähnt, in der Kerun-Stufe eine Übergangsform zu den plumpen Stacheln sich 
findet, darfich die schlanken Stacheln dieser und der Sagha-Stufe (Taf. VI (Il), Fig. 7, 8) mit Vorbehalt auch hieher 
rechnen (als Pristis cfr. ingens), um so mehr als die angeführten vergleichbaren Arten ganz ungenügend, 
d. h. nur auf isolierte Stacheln begründet sind. Die geologisch etwas älteren und noch durch die Furche 
am Vorderrande ausgezeichneten Stacheln vom untersten Mokattam (St., Taf. VI (II), Fig. 9) müssen einst- 
weilen als Pristis cfr. ingens var. prosulcata angereiht werden, bis bessere Funde über sie Klarheit schaffen 

Im Anschluß an diese Formen sind nun noch zwei isolierte Stacheln zu erwähnen, ein kleinerer 
schlanker und platter Stachel (St., Taf. VI (II), Fig. 10) über 60 nm lang, Io mm breit und 5 nm dick, aus dem 
untersten Mokattam und ein etwas stärkerer und weniger schlanker (M.) aus der Kerun-Stufe, die beide eine 
fast symmetrische Furche am Hinterrand besitzen, also von den fossilen Stacheln von Pr. Lathami Galeotti 
(1837, Taf. II, Fig. 2) aus dem Mitteleocän Belgiens, Pr. bisulcatus Ag. (nach Smith Woodward, 1899, 
S. 3) aus den Bracklesham Beds, Pr. hastingsiae Ag. (Dixon, 1850, Taf. XII, Fig. 6, 7) aus dem 
Barton Clay Englands und Pr. Agassizii Gibbes (1850, Taf. ı, Fig. 6, 7) aus dem Obereocän von 
Südkarolina kaum verschieden sind. Auch der von Probst (1877, S. So, Taf. ı, Fig. 21) beschriebene 
Zahn aus dem Mittelmiocän von Württemberg ist endlich als recht ähnlich zu erwähnen. 

Falls nun die Annahme von Smith Woodward (1889, S. 73 und 1899, S. 3) und die von 
Galeotti (l. c.) richtig ist, daß Stacheln von kaum zu unterscheidender Form, die übrigens auch von solchen 
mancher lebender Arten, wie Pr. antigquorum und zysron Latham kaum zu trennen sind, zu so verschie- 
denen Rostren gehören wie das von Pr. bisulcatus Ag. (l. c., S. 382*, Taf. XLI) und Pr. Lathami Galeotti 
(Vigliarolo, 1890, S. 6—11), so muß man auch annehmen, daß in ungefähr gleichaltrigen eocänen Ab- 
lagerungen vorkommende Stacheln ganz verschiedener Arten oft nicht zu unterscheiden, also unbestimmbar 
sind. Deshalb begnüge ich mich damit, auf die große Ähnlichkeit der zwei vorliegenden Stacheln mit schon 
anderwärts beschriebenen hinzuweisen, indem ich sie mit Pr. cfr. Lathami Galeotti bezeichne. 


Pristis fajumensis nov. spec. 
Taf. VI (II), Fig. I—3. 
Aus der Knochenschicht der Sagha-Stufe des Fajum liegt mir eine ziemliche Anzahl von Sägestücken 
(M., St. und Fr.) vor, zu welchen offenbar das von Priem (1897) beschriebene gehört, das nichts mit 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns. Bd. XVII. 7 


50 Ernst Stromer. 1 4] 


Propristis Dames zu tun hat, wie unten noch zu zeigen ist. Leider sind die meisten Stücke durch Gips 
und Verwitterung etwas angegriffen, so daß nur bei einem noch Chagrin-Reste (M.) und nur bei dreien 
solche von Stacheln (M., St.) erhalten sind. Isolierte Stacheln, die dazu gehören könnten, finden sich in der- 
selben Stufe im Verhältnis sehr selten, was wohl dem Umstande zuzuschreiben ist, daß in ihr eigentümlicher 
Weise die Erhaltungsbedingungen für Knochen und verkalkte Knorpel bessere sind als für Dentingebilde, 
Denn auch von anderen Wirbeltieren finden sich nur selten gut erhaltene Zähne. Es scheint eben, daß sie 
durch Insolation und Gipsverwitterung der Wüste besonders stark angegriffen werden, denn ich fand sie oft ganz 
in kleine Stückchen zersprengt, während die Knochen nur rissig geworden waren. Auch bei den Wirbel- 
tierresten der obereocänen Fluviomarin-Stufe und des Mittelpliocäns im Uadi Natrun werden bei oberflächlich 
liegenden Stücken die Zähne eher zerstört als die Knochen. 

Wenn Priem (l. c.) ausführte, daß der Verlauf der Kanäle derselbe ist wie bei den Sägen der 
rezenten Pristis, und daß im Randteil unverkalkte Hohlräume, wie bei diesen (siehe oben S. 46) sind, so 
kann ich dies nur bestätigen und hinzufügen, daß ich an den seitlichen Gefäßkanälen eine eigene verkalkte 
Wand fand, wie sie Gegenbaur (1872, S. 93) für die rezenten Formen angab. Oft erscheint übrigens 
die Oberfläche körnig infolge der Verwitterung der Kalkprismen, was nicht zu verwechseln ist mit der nur 
an einem Stück (M.) lokal erhaltenen Chagrindecke, die sich in nichts von der von Pristis unterscheidet. 

Zum Nachweis der oberflächlichen Schicht verkalkter Längsfasern eignen sich die Reste leider nur 
wenig; ein Verhalten scheint aber nach seiner Konstanz auch bei den größten und besterhaltenen Säge- 
stücken keine Folge von Verwitterung, nämlich das Fehlen der dorsalen und ventralen Wände der Alveolen, 
Wären sie, wie Priem (l. c., S. 231) meinte, nur dünn gewesen, so müßten doch hie und da wenigstens 
Bruchränder zu sehen sein und die Umrandung der Alveolen könnte nicht so scharf und regelmäßig sein 
wie an den besser erhaltenen Stücken, z. B. bei Fig. I unten; nur bei einem Mittelstück einer relativ 
großen Säge (M. 2) haben sich Reste der dünnen Wände erhalten. Ich glaube also, daß diese Wände lange 
Zeit ganz unverkalkt blieben und nur im höheren Alter ein wenig verkalkten, womit auch das Fehlen von Sta- 
cheln bei fast allen Stücken im Einklang stehen würde, da sie eben leicht ausfielen und dann zerstört wurden. 

Der Übersichtlichkeit gebe ich die Maße und einige wichtige Daten von den besten Stücken in 


Tabellenform. 
Tabelle der Maße von Rostren des Pristis fajumensis Stromer.') 
£ Abstand 
Diese Breit Zahn- der Alveolen Alveolen 
hinten vorn = hinten vorn opponiert alternierend 

M ı hinten bis Mitte. . 310 52 43 16—17 3 I nur hinten |vorn undeutlich 
M ıa nahe der Spitze . 63 40? 36 5—6 I 7 undeutlich _ 
NETDESEIVZeT Eee 83 31? 24? 6—7 I I _ deutlich 
I Mıitter re 420 84 58 18—I9 3 122 undeutlich _ 
Fr. ı hinten bis Mitte . 500 55? über 50 17 35 15 deutlich — 
Sin u Aullala) 00 6 8 ac 305 69? 45? 14 1'2 12 undeutl.-deutl. _ 
St. 2 Basis bis Mitte. . || 100-400 | über 70 50? 16? 3 I _ undeutlich 
St. 3 hinter der Mitte . 200 74? 62? () 2 15 undeutlich E= 
St. 4 nahe der Spitze. . 100 48? 39? 6 1:2 I deutlich — 


Wie man sieht, variiert an den Rostren sowohl der Grad der Verschmälerung nach vorn zu, der 
sich allerdings wegen der Verwitterung der dünnen Seitenränder nur selten genau feststellen läßt, ebenso 
wie die Stellung und die Entfernung der Alveolen. Die drei ersten Stücke (M.), welche zu einem Indivi- 
duum gehören (Taf. VL(II), Fig. 1), vermitteln hierin zwischen einem in Frankfurt (Fr.) und einem in Stuttgart (St. 3) 
befindlichen Exemplar. Der Charakter der Sägen läßt sich danach derartig feststellen: 


1) Anm.: Maße in Millimetern; der Abstand der Alveolen ist mit deren Breite 1) verglichen; die drei ersten 
Stücke gehören zu einem Individuum und sind auf Taf. VI (II), Fig. I abgebildet. R 


[15] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 51 


Das schlanke Rostrum verschmälert sich ganz an der Basis deutlich, dann im bezahnten Abschnitt 
sehr wenig und vorn wieder etwas stärker zu einem relativ schlanken Ende. Es wird bis etwa einen Meter 
lang und enthält jederseits etwas über 30 Stacheln in Alveolen, deren obere und untere Wände nicht oder 
nur ganz schwach verkalken, und welche hinten seicht und klein, nach vorn zu tiefer und größer werden 
und nahe der Basis des Rostrums beginnen, Ihr Abstand von einander ist hinten 3—31/,mal so groß 
als ihre Breite, in der Mitte höchstens I!/;mal und vorn nur ebenso groß wie sie. Meist sind sie deutlich oder 
beinahe opponiert, an der Spitze und manchmal auch in der Mitte und hinten können sie aber auch alter- 
nieren. Die Seitenränder zwischen ihnen sind nicht sehr scharf und ganz wenig bis etwas konkav. Die 
Struktur des Rostrums endlich und seine Chagrinbekleidung unterscheidet sich in nichts von den bei rezenten 
Pristis-Arten festgestellten Verhältnissen. 

Dasselbe hintere Stück, an welchen noch etwas Chagrin erhalten ist (M. 3), zeigt nun auch noch 
die Basis einiger Stacheln in ihren Alveolen, Während es selbst etwa 65 mm breit ist, sind diese S—8'5 mm 
breit und 3:5—4 mm dick. An einem mittleren Sägestück (St.) von 70 mm Breite liegen herausgefallene 
Stacheln, leider schlecht erhalten und durch Gips aufgebläht. Sie sind bis 60 mm lang und etwa 14 mm 
breit und haben wie die vorigen vorn und hinten gerundete Ränder, von welchen der hintere gerade, der 
vordere oben rückgebogen ist, so daß sie am Ende spitz sind. Ähnliche kleine Stacheln, leider sehr stark 
verwittert und wohl dadurch deformiert und dick, gehören auch zu dem größten Rostrum (M.2). In der 
Sagha-Stufe, jedoch in einer etwas tieferen Schicht bei Kasr es Sagha selbst, fand ich nur noch einen iso- 
lierten Stachel (M., Taf. VI (II), Fig. 2), der nach seiner Form hieher gehört und wie die ersterwähnten dorsoventral 
sehr platt ist. 

In der Kerun-Stufe des Fajum kommen solche isolierte Stacheln offenbar häufig vor; sie wurden an 
verschiedenen Punkten gefunden (St., M.). Die größten sind bis 45 mm hoch, bis 13 mm breit und bis 
5 mm dick, manche zeigen auch den Hinterrand oben vorgebogen, so daß die Spitze fast symmetrisch ist, 
und viele lassen noch deutlich den oberen abgeschliffenen und mit schrägen Kritzern versehenen fein längs- 
gestreiften Teil und den einst in der Alveole steckenden unterscheiden, der eine glänzende Oberfläche mit 
deutlichen Längsrippen und schwach gebogenen Anwachsstreifen besitzt (Taf. VI (II), Fig. 3). 

Die in der gleichen Schicht auf der westlichen Insel des Kerun-Sees von Prof. Schweinfurth 
gesammelten Stacheln, welche Dames (1883, S. 140, Taf. III, Fig. 2) zu seinem neuen Genus Propristis 
stellte, zeigen nach den mir vorliegenden Originalen (B.) keinen Unterschied von den beschriebenen. Zwei 
Stücke ebensolcher kleiner platter Stacheln (B.) fand übrigens Prof. Schweinfurth auch im obersten 
Mokattam bei Schak el Tabän ober der Giuschi-Moschee bei Kairo, und eines (St.) liegt mir auch vom 
untersten Mokattam vor. Endlich sind noch zwei kleinere Stacheln (St.) aus der Kerun-Stufe erwähnenswert, 
die sich durch ihre große Schlankheit von den anderen unterscheiden und von welchen der größere (Taf. VI (II), 
Fig. 4) wie einige der großen hinten gefurchten Stacheln aus der Sagha-Stufe (siehe oben S. 48 und Fig. 8!) 
etwas nach oben gebogen ist. 

Da die Mehrzahl der hier genannten Stacheln sich in nichts von den noch in dem Säge- 
stücke befindlichen unterscheidet und die anderen durch Übergänge mit ihnen verbunden sind, müssen sie 
entweder zu den beschriebenen Sägen gerechnet werden und nicht zu dem Rostrum von Propristis, obwohl 
letzteres im gleichen, jene aber nur in einem etwas höheren Horizont gefunden worden sind, oder man 
muß annehmen, daß die Stacheln beider Formen sich nicht unterscheiden. Es ist unten darüber noch zu 
sprechen, hier ist nur noch betreffs der zwei letzterwähnten so schlanken und kleinen Stacheln zu 
bemerken, daß nicht zu entscheiden ist, ob sie einer besonderen Art angehören oder etwa nur einer 
Jugendform der hier beschriebenen. 

Von den bisher beschriebenen ähnlichen Stacheln sind diejenigen von Pr. ensidens Leidy (1879, 
S. 252, Taf. XXXIV, Fig. 3I, 32) aus den Ashley-Phosphaten von Carolina kaum verschieden von den 
unsrigen, wohl aber die schlanken und symmetrischen von Pr. parisiensis Gervais p.p. (l. c., Taf. LXVLI, 
Fig. 3) aus dem Mitteleocän Frankreichs und die stets symmetrischen breiten und scharfrandigen des 
rezenten Pr. cuspidatus Latham.') 


> !) Anm.: Siehe auch Probst, 1877, S. 80, Taf. I, Fig. 23! 


52 Ernst Stromer. [16] 


Mehr systematischen Wert als der Vergleich der isolierten Stacheln, die sich ja doch nicht sicher 
bestimmen lassen, hat derjenige der Rostren. Das oben beschriebene von Pr. ingens mihi scheidet nun 
schon wegen der sicher dazu gehörigen plumpen und hinten asymmetrisch gefurchten Stacheln und wegen 
der Verkalkung seiner Alveolenwände aus. Ganz unbestimmbar sind dann die mir vorliegenden Rostral- 
stücke (St.) aus dem untersten Mokattam bei Kairo, und andere aus dem Fajum (St., Fr.) sowie die von 
Propristis sollen in ihren deutlichen Unterschieden unten noch genauer besprochen werden. 

Das von Dixon (1850, Taf. XII, Fig. 8) abgebildete Stück ist auch unbestimmbar und die unge- 
fähr gleichalterige Säge von Pr. bisulcatus Ag. (l. c., S. 382*), Taf. XLI, A. Smith Woodward, 1889, 
S. 73, 74, Vigliarolo l. c., S. 9, Io) ist durch den großen Abstand der Alveolen und deren dicke Wände 
deutlich unterschieden. Sie zeigt, wie Dames (1883, S. 138) hervorhob, im Innern keine Kanalwan- 
dungen, was vielleicht doch nur auf den Erhaltungszustand beruht, denn ein quer durchgebrochenes Exem- 
plar der hier beschriebenen Rostren schien auch nur eine einheitliche schmale Querspalte zu besitzen, bis 
Polieren der Bruchfläche und genaues Untersuchen die normalen Kanäle erkennen ließ. Die Figur 3 in 
A gassiz sieht ja auch schematisiert aus, und es ist erwähnenswert, daß sie drei Wandschichten zeigt, 
während im Text nur von zweien die Rede ist. 

Die Rostralstücke des obermiocänen Pr. Iyceensis Vigliarolo (1890, S. 1724, Fig. 1-5) 
unterscheiden sich ebenfalls durch die verkalkten Wände der Alveolen und deren im vorderen Teile an- 
scheinend größeren Abstand. Das Rostrum von Pr. Lathami Galeotti (1837) aus dem belgischen Mittel- 
eocän scheint jedoch dorsal und ventral unverkalkte Alveolenwände gehabt zu haben, ist aber durch seine 
starke Verschmälerung (Vigliarclo, 1890, S. 8, 9) sowie in der Form seiner Stacheln verschieden. Von 
den Rostren endlich der rezenten Arten unterscheidet nicht nur die mangelhafte Verkalkung der Alveolen- 
wände, sondern auch die Schmalheit des Endes, wie ein Vergleich der Maße meiner Tabelle mit den 
von Müller und Henle (1841, S. 1o5 ff.) und Vigliarolo (1890) angegebenen zeigt. Pr. cuspidatus 
Latham steht übrigens in der Form und Zahl der Stacheln, sowie in deren Stellung, indem sie hinten weiter 
voneinander abstehen als vorn und zum Teil alternieren, der beschriebenen Form nahe, doch fehlt ihr 
hinten der lange stachellose Abschnitt des Rostrums, der jene Art auszeichnet. 

Es liegt also eine neue Art vor, deren Häufiekeit im oberen Mitteleocän des Fajum den Namen 
Pristis fajumensis geeignet erscheinen läßt. Ihr Rostrum ist oben S. 51 schon kurz beschrieben. Von 
den Stacheln ist nur zu bemerken, daß sie meist dorsoventral platt, mäßig breit und spitz sind, und vorn 
und hinten gerundete Ränder haben, von welchen der vordere und manchmal auch der hintere oben konvex 
in die Spitze ausläuft. Das Chagrin des Rostrums endlich ist- wie bei Pristis, über die sonstigen Verhält- 
nisse ist leider nichts bekannt. 


Pristis (Eopristis) Reinachi nov. subg. et. nov. spec. 
Taf. VI (I), Fig. 15, 150. 

Im Nordwesten des Fajum fand ich in einem sehr feinkörnigen gelben Sandstein unter der Knochen- 
schicht der Sagha-Stufe ein ausgezeichnet erhaltenes, leider aber sehr zerbrechliches Rostrum, das von der 
Basis an bis nahe zum Ende 700 mm lang herausgemeißelt, jedoch nur in einem hinteren 200 mm langen, 
hinten 75 mm, vorn 70 mm breiten Stück (Fr.) geborgen wurde. Es zeigt genau die Struktur und die 
Kanäle wie Pristis, oberflächlich ließen sich auch die seitlichen zwei Furchen, bis zu 45 mm voneinander 
abstehend dorsal und ventral in der ganzen Länge des Stückes verfolgen, nicht aber die inneren Furchen 
und besonders bemerkenswert ist, daß sich an der ganzen Länge der nur mäßig scharfen geraden Seiten- 
ränder keine Spur von Alveolen sehen ließ, 

Aus einem ebensolchen Sandstein, welcher aber unter der an Fischzähnen reichen Schicht der Kerun- 
Stufe westlich von Dimeh im Fajum lagert, stammt nun ein kleineres, oberflächlich etwas verwittertes Ro- 
strum (St., Taf. VI (ID), Fig. 15). Es ist 217 mm lang, ganz hinten 49'5 mm breit und über 20 mm dick, zeigt 
hier oben den weiten Präfrontalraum (Gegenbaur, 1872, S. 92), dann folgt der plattere Teil, der auf 
einer Strecke von etwa 25 mm nur 42'5 mm breit ist, und ganz gerundete Seitenränder hat, und dann erst 
ein durch dünne scharfe Ränder verbreiterter Abschnitt von fast gleich bleibender Breite von 56 bis 55 man. 


[17] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 53 


An ihm lassen sich im Medianteil oben wie unten die zwei schwachen inneren und neben ihm die zwei 
äußeren Furchen erkennen, Der Querschnitt am Ende (Taf. VI (II), Fig. 15 a) zeigt endlich die Struktur und die 
Kanäle ganz wie Gegenbaur (1872, S. 93, Taf. IX, Fig. 7) sie für Pristis angab. Die scharfen 
Seitenränder bestehen übrigens nicht aus Kalkprismen, sondern wohl aus verkalkten Längsfasern, wie ja 
auch die Ränder rezenter ausgewachsener Sägen wenigstens oberflächlich von ihnen bedeckt sind. 

Wenn hier auch keine Alveolen vorhanden sind, könnte man annehmen, daß etwa wie bei dem 
rezenten Pr. cuspidatus die Stacheln erst ein gutes Stück vor der Basis anfingen; dies wird jedoch durch 
das erste Stück widerlegt, wo ja auf mindestens 70 cm Länge eines im ganzen etwa I m langen Ro- 
strums keine Alveolen sich fanden. Auffällig ist aber das Vorhandensein normaler seitlicher Kanäle, von 
welchen aus bei Pristis die Stacheln mit Gefäßen versorgt werden; es könnte daraus geschlossen werden, 
daß vielleicht an dem noch unbekannten Vorderende doch Stacheln sich befanden. 

Ein wichtiger Unterschied von echten Pristis ist jedenfalls der vor der Basis verschmälerte Teil des 
Rostrums mit seinen gerundeten Seitenrändern. In dieser Beziehung zeigt das oberkretazische Rostrum von Scle- 
rorhynchus (A. Smith Woodward, 1889, S. 76, 77, Taf. III, Fig. ı und Hay, 1903, S. 398—404, Taf. 
XNXV, XXVI, Fig. ı, XXVII, Fig. 1) eine bemerkenswerte Ähnlichkeit, doch ist leider weder über das 
Verhalten seiner Seitenränder in dem mit Stacheln besetzten Teil, noch über seine innere Struktur und die 
der Stacheln etwas bekannt; nur betonte A. Smith Woodward (1889@ und 1892) die äußere Ähnlich- 
keit der verkalkten mittleren und der jederseitigen dünneren seitlichen Partie des Rostrums mit denjenigen 
von Pristis und Hay l. c. hob die Ähnlichkeit der Verkalkung mit der von Pristis hervor, mit dem auch 
in der Stellung der Kiemenspalten und der Flossen Übereinstimmung herrscht. Allein auf den Umstand 
hin, daß die Stacheln an der Krone Schmelz haben sollen und daß sie auch noch seitlich am Kopf vor- 
handen sind, das Genus zu Pristiophorus zu ziehen, wie es Jaekel (1890, S. 117) tat, halte ich für etwas 
gewagt, denn das an seiner Basis verschmälerte Rostrum weicht stark von dem hinten ohne Grenze in 
den Schädel verlaufenden von Pristiophorus (Jaekel 1890, S. 102, Fig. 2) ab und gleicht hierin dem 
vorliegenden. Jaekel (l. c., S. 106) suchte es allerdings durch eine phylogenetische Theorie zu erklären 
und Smith Woodward gab wenigstens in einer Notiz (1889a, S. 451) zu, daß die Kieferzähne eher 
denjenigen von Pristiophorus glichen als denen von Pristis; auch ist recht bemerkenswert, daß Hay (l. e., 
S. 403) auf der Fläche eines Rostrums zwei Reihen kleiner Stacheln fand, wie sie Pristiophorus, den er 
gar nicht in Vergleich zog, auf der Unterseite, allerdings näher am Rande, ebenfalls besitzt. Einstweilen 
muß aber doch wenigstens auf die äußere Ähnlichkeit mit der vorliegenden im geologischen Alter nicht zu fern- 
stehenden Form, welche bei der Kenntnis ihrer Struktur sicher zu den Pristiden zu stellen ist, hingewiesen 


werden. 
Der Mangel von Alveolen im Seitenrand von wenigstens zwei Drittel der Länge des Rostrums und 


die Einschnürung des basalen Teiles bedingen aber zum mindesten die Aufstellung eines neuen Subgenus 
Eopristis mit einer Art, die ich nach Herrn Dr. A. v. Reinach in Frankfurt a. M. Reinacht nenne. 


Propristis Schweinfurthi Dames, 1883. 
Taf. VI (I), Fig. 17, 17a, 17b. 

Das von Dames (1883, S. 136—139, Taf. III, Fig. I, 2) auf zwei kleine Rostralstücke, die Prof. 
Schweinfurth auf der westlichen Insel der Birket et Kerun fand, begründete neue Pristiden-Genus 
glaubte Priem (1897) auf Grund des oben S. 50 erwähnten Fundes einer Säge von Pristis fajumensis 
aus der gleichen Gegend einziehen zu dürfen, indem er annahm, daß an ersteren nur die dünnen 
Alveolarränder weggebrochen seien. Es spricht aber schon die Regelmäßigkeit des Seitenrandes der ab- 
gebildeten und mir auch vorliegenden Originale (B.) gegen Priems Ansicht, und die zahlreichen oben 
S. 51 beschriebenen Sägen von Pristis fajumensis, welche ganz seinem Original gleichen, sind zum Teil 
arg zerbrochen und verwittert, ohne daß je eine Ähnlichkeit mit Propristis erschiene. Ein prächtig erhal- 
tenes Rostrum (St.) aus gelbem Sandstein, der westlich von Dimeh wenig über dem See ansteht (Kerun-Stufe), 
also gleichalterix mit den Propristis-Stücken, schließt jetzt Priems Ansicht endgültig aus und erlaubt 


Dames Beschreibung zu ergänzen und zum Teil zu berichtigen. 


54 Ernst Stromer. [18] 


Das Stück (Taf. VL(II), Fig. 17) gehört offenbar der Mitte der Länge des Rostrums an, ist 280 nm lang und 
59-57 mm breit, verschmälert sich also nur ganz allmählich. Seine obere wie untere Seite läßt eine 
mittlere, ganz wenig konkave Partie von etwa 13 mm Dicke und je eine seitliche davon deutlich abge- 
setzte schmälere Randpartie erkennen, die 11'5 mm dick ist und nach außen um etwa 5 mm dünner wird, 
Die Seitenränder verhalten sich beiderseits wie Dames |]. c. sie beschrieb und abbildete, doch ist das von 
ihm erwähnte kleine Grübchen nur selten vorhanden, 

Erwähnenswert ist, daß die zwischen je zwei Querbälkchen liegenden elf konkav-konvexen Ab- 
schnitte 17'5—16'5 mm lang und nur in der Mitte des Stückes den jenseitigen opponiert sind, hinten aber 
beinahe alternieren, und daß ihre Oberfläche von dicht stehenden, mit bloßem Auge sichtbaren Poren 
durchsetzt ist. In geringer Zahl sind solche auch oben und unten auf den Seitenpartien vorhanden, wo außerdem 
zahlreiche zum Teil verzweigte Gefäßeindrücke, welche meistens von gleich zu erwähnenden Grübchen nach 
außen laufen, auf der dichten fein faserig erscheinenden Oberfläche zu sehen sind. Die Grübchen, in 
welchen je ein Gefäßloch mündet, liegen in einer Reihe in der deutlichen Längsfurche, die jederseits die 
oberflächlich glatte, fein längsfaserige und dichte Mittelpartie begrenzt. 

An beiden Enden, besonders an einem polierten Querschnitt mitten durch das Rostrum läßt sich 
nun folgender Bau erkennen (Taf. VI (I), Fig. 17a): Median liegt ein kleiner, hochovaler Hohlraum ohne 
eigene Wand, daneben je ein querovaler Kanal mit dichter Wand, wie im mittleren Teil des Rostrums von 
Pristis. Die seitlichen kleinen Gefäßkanäle, die unter den Furchen sich befinden, sind aber mit Gestein 
ausgefüllt, etwas unregelmäßig und nur lateral von dichtem Kalk umgeben. Das Ganze ist dann von einer 
aus Prismen bestehenden Kalkschicht, wie bei Pristis, umhüllt; oberflächlich jedoch ist hier überall eine dichte, 
faserige Kalkhülle vorhanden. 

Dames hatte nur seitliche Partien vor sich und der von ihm abgebildete Querschnitt (l. c. Fig. Ic) 
enthält bei e nicht nur homogene Gesteinsmasse, sondern auch Reste der Kalkprismenschicht und der 
Wand des großen Seitenkanals, während von dem kleinen Gefäßkanal nichts zu erkennen ist, Ein von ihm 
und von mir angefertigter querer Dünnschliff durch die Seitenpartie zeigt das typische Bild eines verkalkten 
Faserknorpels, in welchem die kleinen Zellräume, wie es schon Williamson (1851, S. 66gff., Taf. XXX, 
Fig. 29—32) beschrieb und abbildete, in Reihen angeordnet sind. In dem schmalen randlichen Teil laufen 
diese Reihen wie die doppelbrechenden Fasern und zahlreiche, zum Teil verzweigte Gefäßkanäle ungefähr 
senkrecht auf die Oberfläche zu, im Innern jedoch sind die Kanäle quer getroffen und der Kalk ist vor 
allem konzentrisch um sie angeordnet. Die Zellräume sind übrigens zum Teil so unregelmäßig und einige 
so zackig, daß sie leicht mit den etwas größeren Knochenkörperchen verwechselt werden könnten, wie 
schon aus Köllikers (1860, S. 147) Erwähnung von »rundlich eckigen und sternförmigen Lücken« im ver- 
kalkten faserigen Teile der Pristis-Säge hervorgeht. 

Der prismatische Teil ist leider zu bröckelig, um einen Schliff zu ermöglichen, aus dem Angeführten 
geht aber zur Genüge die große Ähnlichkeit des Baues der Propristis-Säge mit der von Pristis hervor 
und die Unmöglichkeit, die Ränder als Bruchflächen aufzufassen. Dazu kommt noch, daß das an mehreren 
Stellen erhaltene Chagrin (Taf. VI (I), Fig. 175) ganz dem der Pristis-Säge gleicht. 

Die zahlreichen an den Seitenteilen vorhandenen Gefäßspuren, vor allem auch die vielen Mündungen 
am Rande selbst sprechen nun entschieden dafür, daß hier noch sehr ernährungsbedürftige Gewebe sich 
befanden, also wohl wie bei Pristis Rostralstacheln, die aber nur in unverkalktem Gewebe und wohl zwischen 
je zwei Querbälkchen, also dicht hintereinander dem Rande aufsaßen. 

Die von Dames (l. c.) dazu gerechneten Stacheln unterscheiden sich, wie oben S. 5I gezeigt 
wurde, nicht von gewöhnlichen Pristis-Stacheln. Nachdem nun Pristis-Rostra in darüber und darunter 
liegenden Schichten gefunden sind und zum Teil gleiche Stacheln zu ihnen gehören, muß ichauch Dames’ 
Originale mit Vorbehalt dorthin zählen, um so mehr, als ihre Basis sich dem Seitenrand der Propristis- 
Säge nicht gut anpassen ließe. Die im folgenden noch zu beschreibenden Amblypristis-Stacheln sind aber 
in der Kerun-Stufe, aus der allein die Rostra von Propristis bekannt sind, am häufigsten, ihre Basis (Taf. 
VL(I), Fig. 13a) ist so porös wie die Oberfläche des Rostrums zwischen je zwei Querbälkchen und fügt sich 
deren Form gut an, Auch nahm ich (1903, S. 38) an, dafß sie dicht hintereinander gestanden sein mußten, 


[19] Dıe Fischreste des mıttleren und oberen Eocäns von Ägypten. 55 


und ihre starke Skulptur würde sich auch mit der Annahme gut vereinigen lassen, daß sie, wie andere 
Stacheln der Haifische, nur locker in der Haut, nicht wie die hierin so ganz exzeptionellen Pristis-Stacheln 
in Alveolen steckten. Erstlich sind sie aber vorn und hinten ziemlich scharfrandig, also auch an der Basis 
dünner als die vermuteten Ansatzflächen, dann sind fast alle mir vorliegenden zu groß, um an die gefundenen 
Propristis-Reste zu passen und endlich sind keine direkt bei ihnen gesammelt worden. Deshalb muß ich die 
Frage nach ihrer Zugehörigkeit noch offen lassen. 


Amblypristis cheops Dames, 1888. 
Taf. VI (II), Fig. II—14. 

Einer gütigen Mitteilung von Herrn Prof. Schweinfurth zufolge liegt der Fundort der Dames- 
schen Originale (B.), die ich übrigens vor mir habe, 3 km östlich vom Westende der Birket el Kerun, also in 
der Kerun-Stufe. Die von mir (1903, S. 35—39, Taf. I, Fig. I—5) beschriebenen stammen aus den wenig 
älteren Mergelschichten des Uadi Ramliöh und nun fand ich auch in jüngeren Schichten, in der Sagha-Stufe 
des Fajum ein Exemplar (Fr.) in demselben Sandstein, aus welchem das erst beschriebene Sägestück (Fr.) von 
Eopristis Reinachi stammt (siehe S. 52). 

Mehrere Dutzend Exemplare liegen mir aber aus der Kerun-Stufe vor, teils aus der an Zeuglodon- 
Resten reichen Schicht (M.), teils aus etwas tieferen (St., M.), besonders aus den an Fischresten reichen, 
weißlichen Mergeln (M., St.). Manche gleichen den von mir abgebildeten Formen und ein ziemlich kleiner 
unter diesen zeigt sehr schön im skulpturierten und abgenutzten Teil gelbe Anwachsstreifen. Bei den 
meisten ist aber der zugeschärfte Oberrand so stark konvex, daß er naheam Vorderrand eine stumpfe Spitze 
bildet und vorn ohne scharfe Grenze in den Vorderrand übergeht, an dem die Skulptur nicht höher reicht 
als hinten. Dazu gehören die größten, teils relativ hohen, teils breiten (Taf. VI (N), Fig. 13, 13a) Exemplare, 
deren Maße folgende sind: 26°5 mm breit, bis 27'5 hoch, bis 7 dick und 20 breit, bis 29'5 hoch, bis 8 mm 
dick. Kleinere unter diesen zeigen die Spitze oben noch deutlicher, z. B. Taf. VI (Il), Fig. 11, 12 und einige, 
wie z. B. in Taf. VI (II), Fig. 14 abgebildet, werden ganz dreieckig. Der Unterrand ist übrigens stets ein 
wenig konvex und mit einer Rinne versehen, die oft etwas an dem stumpfen Hinterrand hinauf verläuft. 

Die zuletzt erwähnten Formen haben natürlich viel mehr Ähnlichkeit mit Stacheln von Pristis als 
die von mir zuerst beschriebenen; Stacheln wie die von Pristis brachyodon Cope (1869, S. 312) aus dem 
Miocän Nordamerikas können äußerlich nahe stehen, auch muß ich das Vorhandensein einer wirklichen 
Skulptur echter Pristis-Stacheln, von der Vigliarolo (1390, S. 15)sprach, zugeben, und Fig. 3, Taf. VI (I) 
zeigt ihre Ähnlichkeit mit derjenigen von Amblypristis-Stacheln. 

Aber der starke Unterschied der inneren Struktur, den ich (1903, 1. c.) nachwies, rechtfertigt jeden- 
falls die generische Trennung, auch ist ja die äußere Form der meisten Stacheln doch deutlich verschieden 
von Pristis-Stacheln und es ist auch erwähnenswert, daß die Kritzer im abgenutzten Teil hier nach hinten 
unten laufen, also umgekehrt wie bei jenen, wenn man nicht für Amblypristis hinten und vorn umgekehrt 
als bisher annehmen will. Was endlich die Zugehörigkeit der Stacheln zu anderen gleichalterigen Resten an- 
belangt, so ist dem oben (S. 54) Ausgeführten nichts hinzuzufügen. Die Rostren von Propristis Schwein- 
Furthi Dames scheinen mir also als die Träger der Stacheln von Amblyprisiis cheops Dames am meisten in 
Betracht zu kommen, doch muß es einstweilen bei diesem Hinweis bleiben. 


Die Entwicklung der Pristiden und die Sägen der Selachier. 


In der oberen Kreide sind Pristidae noch nicht sicher nachgewiesen, denn die von Hasse (1882, 
S. 124) dazu gerechneten Wirbel könnten nach Smith Woodward (1889, S. 75) auch zu Pfychodus ge- 
hören und die Stellung von Sclerorhynchus ist, wie oben S. 53 ausgeführt wurde, noch nicht völlig gesichert. 
Ferner stammen nachSmithWoodward (1889, S. 73, 74) die von Agassiz (l. c., S. 382*) aus dem London- 
ton von Sheppy beschriebenen Reste höchst wahrscheinlich aus den Bracklesham Beds, es würden dem- 
nach sichere Reste von Pristiden erst im Mitteleocän nachgewiesen sein. Zu jener Zeit scheint aber nach 


56 Ernst Stromer. [20] 


meinen obigen Befunden die Familie ihre höchste Blüte erreicht zu haben, sowohl was die Größe als was 
die Formenmenge anlangt. Ersteres beweisen Pristis ingens mihi und die wahrscheinlich dazu gehörigen 
isolierten großen Stacheln, letzteres das Zusammenvorkommen mehrerer so stark verschiedener Formen, 
wie der zwei Pristis-Arten, des neuen Subgenus Eopristis und des stärker abweichenden Genus Pro- 
pristis mit den vielleicht dazu gehörigen Amblypristis-Stacheln in Ägypten, wozu noch die zur gleichen 
Zeit in Belgien resp. England existierenden Pristis Lathami und bisulcatus kommen. Die Unterschiede 
zwischen den rezenten Arten der einzigen Gattung Pristis erscheinen demgegenüber recht gering und bis 
jetzt wenigstens sind keine derartig großen und mannigfaltigen Reste von Pristiden in jüngeren Ablagerungen 
als im Mitteleocän gefunden worden, wobei allerdings, wie bei der Besprechung der Myliobatinen (S. 44) 
zu betonen ist, daß ja fast nur die europäisch-nordafrikanischen und die nordamerikanischen Tertiärschichten 
genauer durchforscht worden sind. 

Wenn unter den genanrten Formen Pristis fajumensis Stromer und vielleicht auch Pr. Lathami 
Galeotti eine schwächere Befestigung der Stacheln und etwas variable Stellung derselben, Propristis Dames 
noch keine Alveolen und die Amblypristis Dames-Stacheln eine unregelmäßige Vasodentinstruktur besitzen, 
so kann dies natürlich alles als Hinweis auf primitive Zustände aufgefaßt werden. Speziell die äußere Ähn- 
lichkeit des Rostrums von Eopristis mit dem von Sclerorhynchus könnte als Andeutung aufgefaßt werden, 
daß dieses Genus, wie Hay (l. c., S. 399) annahm und mir auch nicht unwahrscheinlich dünkt, ein Ahne 
der Pristiden ist. Es ist aber dabei nicht zu vergessen, daß gleichzeitig schon völlig differenzierte Pristis- 
Arten vorkommen, dafß also die eigentümlichen Strukturformen ihrer Rostren, ihr Chagrin und vor allem 
auch die Stacheln, welche durch ihre Befestigung in Alveolen und ihr ständiges Wachstum so einzigartig 
unter den Selachiern dastehen, im Mitteleocän schon genau wie jetzt ausgebildet waren. 

Alles nötigt also dazu, eine Reihe von älteren, uns noch unbekannten Pristiden anzunehmen, wobei 
die in ihrer Struktur leider nicht untersuchten Rostren der oberkretazischen Genera Sclerorhynchus und 
Scapanorhynchus Smith Woodward einstweilen nur insofern von Wichtigkeit sind, als sie mit Sicherheit 
die Ausbildung langer, verkalkter Rostren bei verschiedenen jungmesozoischen Selachiern dartun.!) Die Fossilien 
zeigen demnach nichts, was direkt für oder gegen die Theorie Jaekels (1894, S. 75 u. 79) der Ableitung 
der Pristidae von Rochenformen spräche, und ich kann dazu nur erwähnen, daß eine Untersuchung der 
Schleimhautzähnchen eines rezenten Pristis nach Steinhard (1902, S. 45) eine Abstammung von primi- 
tiven Mustelus-ähnlichen Haien wahrscheinlich machte. Eine genaue, vor allem auch mikroskopische Unter- 
suchung der Reste von Sclerorhynchus könnte über diese Fragen wohl am besten eine Aufklärung geben, 
die meiner Ansicht nach kaum im Sinne Jaekels ausfallen wird. 

Infolge des Entgegenkommens von Herrn Prof. Lampert war ich aber in der Lage, die 
Säge von Pristiophorus genauer zu studieren und möchte meine Beobachtungen als Anhang hier mitteilen, 
weil diese Form häufig mit Pristis im Zusammenhang gebracht wird, trotzdem Jaekel (1890) klar bewies, 
daß nur eine äußere Ähnlichkeit vorliege, wobei er aber leider den Bau des Rostrums zu studieren versäumte. 

Das nicht genauer untersuchte Chagrin ?) fühlt sich am Rumpf wie am Rostrum beim Streichen 
von hinten nach vorn rauh an, ist also von dem glatten Pflaster von Pristis verschieden; die völlige Ver- 
schiedenheit des Baues der Rostralzähne zeigte schon Jaekel (l. c.) und Herr Geheimrat Möbius machte 
mich laut Mitteilung von Herrn Dr. Pappenheim darauf aufmerksam, daß sie "eine solchen Kritzer wie 
bei Pristis zeigen. 

An einem kleinen Alkoholexemplar der Münchner zoologischen Sammlung eines ostasiatischen Pristio- 
bhorus japonicus Günther, das im Gegensatz zur typischen Form nur je einen kleinen Zahn zwischen je 
zwei großen Rostralzähnen hat, läßt sich bei durchfallendem Lichte in der Mediane ein wenig vor den 
Augen ein heller längsovaler Fleck, offenbar der Präfrontallücke entsprechend, erkennen, daneben beginnt 
jederseits ein bis zum Ende des Rostrums langsam schmäler werdender und dem Partner sich nähernder 
dunkelbrauner Streifen. Außerdem erscheint nur der äußerste Seitenrand, in dem die Zahnbasen stecken, und 


‘) Anmerk.: Eine interessante homologe Bildung ist das verkalkte Rostrum der liasischen Squaloraja, eines 
Holocephalen (siehe Reis 1895, S. 387, Taf. XII, Fig. 1!). 


®) Sieh Günther, 1870, S. 452, 453, und Jaekel, 1890, S. 89! 


[21] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 57 


die Ansatzstelle der Cirren dunkel. Die zwischen den Streifen liegende Mittelpartie ist dorsal wie ventral etwas 
gewölbt, bei dem hier etwas eingetrockneten Stuttgarter Exemplar aber ein wenig eingesenkt, wie es Müller 
und Henle (S. 98) angaben; es ist das also wohl nur eine Folge von Einschrumpfung. Dieses etwas größere 
Alkoholexemplar, von Victoria in Australien stammend, läßt sich mit keiner der Güntherschen Arten 
identifizieren, gleicht aber in der Bezahnung des Rostrums dem Pristiophorus nudipennis. Sein Rostrum 
ist vor den Nasenlöchern 190 mm lang und ich machte einen Querschnitt 23 mm vor den Cirren und 98 
hinter dem Vorderende. (Siehe Taf. VI(II), Fig. 16!) Er zeigt nun, daß anscheinend nur unter der Haut in der mitt- 
leren Partie und ganz am Seitenrand, dort wo Stacheln sind, verkalktes Gewebe vorhanden ist, daß aber 
zwischen dem Rand und den braunen Streifen unter ihr Lücken sich befinden, die vielleicht nur durch 
Schrumpfen des lockeren Bindegewebes entstanden sind. Der unverkalkte Knorpel, der vielleicht bei alten Indi- 
viduen verkalkt, enthält median einen wohl mit lockerem Gewebe erfüllten Längs-Kanal und ist in der mitt- 
leren Partie am dicksten, daneben ziemlich dünn und ganz seitlich wieder verdickt. Man könnte diese 
dickeren Parteien als die verlängerten und nur durch dünne Knorpelplatten verbundenen drei Schnauzen- 
knorpel anderer Haie betrachten (siehe Gegenbaur, 1872, Seite 87!) während der mittlere Kanal 
offenbar der bei Rhynchobatus wie ja auch bei Pristis vorhandenen Fortsetzung der Präfrontallücke 
homolog ist. Im übrigen ist der Bau des Pristiden-Rostrums (siehe z. B. Taf. VI (I), Fig. 15 a@ und 17a) 
ein ganz anderer und entspricht, wie schon Gegenbaur (1872 S. gıff.) ausführte, einem anderen 
Typus, dem der Rochen. Es ist also mein Befund in jeder Beziehung geeignet, die Jaekel’schen 
Ausführungen zu bekräftigen, daß Pristiophorus gar nicht mit Pristiden verwandt ist, und sich den Haien 
anschliefft. Die Entwicklung einer »Säge« bei ihm ist also ein schönes Beispiel für eine Konvergenzer- 
scheinung, 

Mir gelang es leider auch hier nicht, etwas Sicheres über die Lebensweise zu ergründen, denn 
eine Untersuchung des Mageninhaltes ergab kein Resultat, da er schon zu sehr zersetzt war; wenigstens 
konnte ich weder durch Jodfärbung Zellulose noch unter dem Mikroskop deutbare Gewebereste finden, 
Herr Dr. Pappenheim hatte aber die Güte, mir eben vor Abschluß der Korrektur mitzuteilen, daß er 
im Magen von Pristiophorus nur Fischreste fand. Es lebt also dieses Tier wie Pristis und benützt wohl 
auch seine Säge wie er. Ihre Rostral-Zähne sind aber nur locker befestigt, wie es auch mit denjenigen 
von Sclerochynchus und Propristis der Fall war, und sie sind, wie wohl auch die des ersteren, von größeren 
Hautzähnen z. B. der Ventralreihen des Rostrums, nicht sehr verschieden, während Pristis auch in dieser Be- 
ziehung viel stärker specialisiert ist. 


Literatur-Verzeichnis zum Abschnitt IA. 


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NACHTRÄGE ZUR FAUNA VON STRAMBERG, 


VI. CRINOIDEN-, ASTERIDEN- UND ECHINOIDEN-RESTE AUS DEM WEISSEN 
KALKSTEIN VON STRAMBERG. 


Von 


Dr. M. Remes. 
Mit einer Tafel (VII). 


Crinoidenreste kommen im weißen Kalkstein von Stramberg nicht häufig vor. Hohenegger 
ist, so weit mir bekannt, der älteste Autor, welcher solche erwähnt. In seiner bekannten Arbeit: »Die geo- 
gnostischen Verhältnisse der Nordkarpathen ete. 1S61« führt er von Crinoiden an (p. 21): 


Apiocrinites Mmuelleri, Schloth. 
» flexuosus, Goldf. 
» mespiliformis, Schloth. 
» rosaceus » 


v. Zittel nennt Phyllocrinus Hoheneggeri n. sp. aus dem Neocom von Stramberg.!) Ebenda- 
selbst (l. c. p. 162) sagt er: »eine vierte noch unbeschriebene Art findet sich im obertithonischen Stram- 
“ berger Kalk.« Jaekel beschreibt in der Abhandlung über Holopocriniden aus den neocomen Mergeln 
von Stramberg: Cyriocrinus Thersites n. sp., Sclerocrinus strambergensis n. sp., Eugeniacrinus Zitteli 
n. sp:, Phylloerinus intermedius n. sp. Diese Neocommergel sind aber — wie an anderen Orten erwiesen 
wurde — eigentlich auch Tithon. In den Brüchen des roten Kalksteins sind sie zum großen Teile rot 
gefärbt, sonst aber auch weißlich und grau. Die hier zu beschreibenden Crinoiden stammen nicht aus 
diesen weißlichen Kalkmergeln, sondern aus dem echten dichten Stramberger weißen Kalkstein. In den 
mergeligen Partien kommen zum Teil diejenigen Arten vor, welche ich aus der »Echinodermenfacies» 
des Stramberger Tithon in der »Fauna des roten Kalksteins« (Nesselsdorfer Schichten) (Nachträge zur Fauna 
von Stramberg I) auf Grundlage reichlicher Funde beschrieben und abgebildet habe. Die vorliegenden 
Crinoiden meiner Sammlung sind teils im Bruche des Kotou£, teils im Gemeindesteinbruch gefunden worden, 
ich war nicht mehr in der Lage für jedes Stück zu eruiren, welchem von den beiden genannten Steinbrüchen 
es entstamme. Es ist gewiß eine auffallende Tatsache, daß diese Arten aus dem weißen Kalkstein mit 
jenen der Echinodermenfacies nicht übereinstimmen. Es wurde bis jetzt keine Art konstatiert, welche beiden 
Partien des Stramberger Tithon gemeinsam wäre. Ferner fällt die verhältnismäßig geringe Zahl, sowohl 
der Arten als auch der Individuen auf. Obwohl meine Sammlung reichlich Fossilien aus dem weißen 
Kalkstein enthält, so verfüge ich nur über wenige Crinoidenstücke aus diesem Gesteine. In der Wiener 


2) v. Zittel: Die Fauna der älteren Cephalopoden-führenden Tithonbildungen, Cassel 1870, p. 277 mit Text- 
figur I—6. 
g# 


ee Dr. M. Remes. [2] 


k. k. geologischen Reichsanstalt ist ebenfalls nur eine geringe Anzahl derselben vorhanden, im Münchener 
Paläontologischen Museum nach brieflicher Mitteilung des Herrn Prof. Dr. Pompeckj — keine. Es ist 
mir nicht bekannt, wo die obgenannten Hoheneggerschen Exemplare aufbewahrt sind. 

Von Asteriden kommen im weißen Kalkstein nur unbedeutende Reste vor. 

Die Revision der Echinoiden meiner Sammlung ergab als bescheidenes Resultat: Konstatierung 
einer neuen Lokalität für eine schon bekannte Art, ferner eine neue Cidarisart, welche jedoch nur in einem, 
aber charakteristischen Stachel erhalten ist. 

Die Seltenheit der erwähnten Funde sowie das Bestreben, unsere gegenwärtigen Kenntnisse der 
Stramberger Fauna zu vervollständigen, haben mich veranlaßt, auch das wenige neue, was ich an Echino- 
dermen besitze, zu publicieren. Aus diesem Grunde sind auch die vorgefundenen Stücke zum größten 
Teile abgebildet. 

Für die Unterstützung bei dieser Arbeit bin ich zum Dank verpflichtet den Herren: F. Bather in 
London, P. de Loriol le Fort in Frontenex und Dr. Tietze, Direktor der k. k. geologischen Reichs- 
anstalt in Wien. Ich bekenne es hier gern öffentlich, 


Crinoidea. 
Eucrinoidea. 
(Artieulata,. Joh. Müller.) 


Fam. Holopocrinidae, Jackel. 


Gen. Cyrtocrinus, Jaeckel, 


(Torynocrinus, Seeley.) 


Cyrtocrinus digitatus n. sp. 
(Fig. I, a,b.) 

Ein einziges Exemplar, an dem nur die Patina gut erhalten ist, vom Stiel der größte Teil abge- 
brochen. Es mißt etwa 15 mm Höhe, 14 mm Breite, I0O mm Dicke. Die Patina ist dick, halbkugelig 
gewölbt. Verwachsung der Costalia prima und der Patina mit dem Stiel sehr fest. Von der ersteren sind 
nur mit Mühe undeutlich die Nähte zu unterscheiden, von letzterer keine Spur sichtbar, daher auch nicht 
zu entscheiden wie die Patina mit Stiel verbunden war. Jedenfalls ist sie kaum schief gestellt. Die 
Die Ventralhöhle ist geräumig; die Armfurchen tief, Die Gelenkflächen der Patina erscheinen wie gestielt 
und sind durch tiefe Einschnitte voneinander getrennt. Gerade dieses Merkmal, welches ich bei anderen 
Cyrtocrinusarten nicht vorgefunden habe, verleiht der Art ihr charakteristisches Aussehen und ist für sie 
bezeichnend. Die Zeichnung der Gelenkflächen ist durch Abrollung etwas verwischt, doch kann man An- 
deutungen von Muskelgruben und Reste von Axialkanal und Ligamentgrube, wenigstens an einzelnen 


unterscheiden. Außenfläche des Stückes erscheint glatt. Der Stumpf des Stieles ist ziemlich dick. Arm- 
glieder unbekannt. 


Fam. Apiocrinidae. d’Orb, 
Gen. Thiollierierinus, Etallon, 
Thiolliericrinus Heberti, P. de Lorio!l. 


(Fig. 24—c, 3a—(c.) 


1868. Eugeniacrinus Heberti, P. de Loriol in Pictet, Etude provisoire d'Aizy, Mel. pal. IV. p. 281, pl. XLII, Fig, 7—8. 


1871. >» > » Pillet. L’etage tithonique A L&menc, tirage a part, p. 6. (Archives de la Bibl. univers, 
de Ge-neve, 3. Serie, t. 42. 
1878. > » » Pillet. Descer. geol. et pal. de Lemenc, p. 98, pl. X, Fig. 31. 


1889. Thiolliericrinus Heberti, P, de Loriol. Paleontologie francaise, ter. jurassique, Tome XI, 2, partie, Crinoides 
p. 545, p}. 228, Fig. I—II, Pl. 229, Fig, I. 


[3] Nachträge zur Fauna von Stramberg,. 61 


Die Art kommt im weißen Kalkstein ziemlich häufig vor. Die Kelche sind abgerollt. Sie variieren in 
der Dicke des Centrodorsale und in der Ausdehnung der Gelenkflächen, so daß man: mitunter an zwei 
verschiedene Arten denken könnte. Zwei derartige Kelche sind an Fig. 2 a—c und 3 a—c abgebildet. 
Diese Variation scheint Hohenegger veranlafßt zu haben, mehrere Arten zu bestimmen. Die Gelenkflächen 
für die Cirrhen waren sehr oberflächlich und sind daher schwer zu sehen. Ihre Lage ist an den Bildern 
angedeutet. Diese Art wird von Loriol aus dem Sequanien angeführt, und zwar nennt er die Lokalitäten: 
Vigne Droguet bei L&menc (Haute-Savoie), Echaillon (Isere); Cazilhac bei Ganges (H£rault). Esplöche bei 
Sauve (Gard.) 


Thiollierierinus flexuosus, Etallon (Goldfuss.) 
(Fig. 4a, b, 5, 6 a—d.) 


1829. Apiocrinites flexuosus, Goldfuss. Petrefacta Germaniae, t. I, p. 186, Taf. LVII, Fig. 4. 
1840. Bourgueticrinus flexuosus, d’Orbigny. Histoire des crinoides, p. 98, Taf. XVII, Fig. 13, 15. 


1848. » » Bronn. Index pal., p. 173. 

1851. Apiocrinites flexuosus, Quenstedt. Flötzgebirge Württemberes. 2. Auflage, p. 468. 
1852. » » » Petrefactenkunde, p. 612, Taf. LII, Fig. 17. 
1858. » » » Der Jura, p. 721, Taf. LXXXVI, Fig. 11. 

1859. Thiollierierinus flexuosus, Etallon. Etudes pal. sur le Haut-Jura, Corallien, II, p. 46. 
1860. » » » Paleontostatique du Corallien du Jura, p. 19. 


1861. Apiocrinites flexuosus, Hohenegger. Die geognostischen Verhältnisse der Nordkarpathen etc. p. 21. 

1867. Thiollierierinus flexuosus, Frere Ogerien. Hist. nat. du Jura, t. I, Geologie, fasc. I, p. 621. 

1876. Apiocrinus flexuosus, Quenstedt. Echinodermen, p. 337, Taf. CLV, Fig. 57 et 58. 

1879. Thiollierierinus flexuosus, P, de Loriol. Monographie des crinoides fossiles de la Suisse, p, 194, Taf. XVII, 
Fig. 8—10, 

1889. » » » Pal&ontologie frangaise. Terrain jurassique. Tome XI, Deuxieme partie, 
p- 553, Taf. 229, Fig. 2—8. 

Einige Kelche gehören zweifellos zu dieser Art. An dem Stücke Fig. 6a—d aus der Sammlung 
der geolog. Reichsanstalt sind Reste von Cirrhen deutlich sichtbar; an Fig. 5 ist der isolierte erste 
Radialring von unten zu sehen. Die hier vorhandene Cavität ist für die Aufnahme des Kopfes vom 
Centrodorsale bestimmt. 

Thiolliericerinus flexuosus wird aus dem Jurakalk Württembergs angeführt. Goldfuss nennt den 
weißen Jura e von Nattheim; Loriol: Valvin, Montagnole (Jura) — Sequanien. 

Von Arm- und Stielgliedern des Genus Thiollierierinus bilde ich mehrere ab. Von Armgliedern 
zwei Axillaria. (Fig. 7a—c, Sa—c.) Es läßt sich sehr schwer oder gar nicht entscheiden, zu welcher von 
den beiden genannten Arten diese Stückchen gehören. Das Exemplar 13 a—c stimmt zweifellos mit dem Stiel- 
glied überein, welches schon Goldfuss als Apiocrinites flexuosus abgebildet hat, doch werden genau 
solche Stücke von Loriol als zu Thiollierierinus Heberti gehörig abgebildet (cf. 1. c. Taf. CCXXVILI, 
Fig. 9@a5d und ein viel dickeres Fig. 12@5b derselben Tafel), Nach den Abbildungen bei Loriol zu 
schließen, sind die Stielglieder des Thiolliericrinus Heberti mehr elliptisch, die des 7h. flexuosus mehr 
rundlich (im Querschnitt). Armglieder führt Loriol nicht an, 

Das Axillare eines Thiollierierinus habe ich in einem Exemplar auch von Liebisch (Libhost) bei 
Freiberg gesehen. Dieser Fundort tithonischer Petrefacten ist noch wenig bekannt. 


Gen. Apiocrinus, Miller. 


Apiocrinus sp. 
(Fig. 15, Ida, b.) 

Einige Stielglieder reihe ich hier ein. Dieselben sind rund, ziemlich dick, Aufßenfläche glatt, an den 
Gelenkflächen sieht man dichte, vom centralen Nahrungskanal bis zur Peripherie ausstrahlende Furchen. 
Es sind mir vier Exemplare solcher Stielglieder vorgelesen, an zweien — aus der Sammlung der geolo- 
gischen Reichsanstalt — habe ich eine Höhe von 30 bis 35 mm, bei einer Breite von IS und 12 mm 


62 Dr. M. Reme®. [4] 


gemessen. An meinen Exemplaren kann man konstatieren: I. größeres Stück: 15 mm Höhe, 17 mm Breite; 
2. kleineres Stück: 9 nm Höhe, S mm Breite, Es sind hier auch die einzelnen Glieder deutlich zu unter- 
scheiden; sie sind bei I. etwa 2'5—3 mm, bei 2. I mm und etwas mehr dick. Alle diese. Stielglieder 
gehören wohl zu derselben Art, welche nicht näher angegeben werden kann, doch zweifellos ein Apro- 
erinus ist. i 

Ein nicht näher bestimmbares Stielglied eines Crinoiden sei wegen seiner von den im Stramberger 
Kalkstein vorkommenden Crinoidenstielen abweichenden Gestalt, erwähnt. Es ist annähernd cylindrisch, 
von 5 mm Höhe. Die Gelenkflächen sind elliptischh, mit einem Durchmesser von 5 bis 6 mm. Die eine 
Gelenkfläche ist etwas gewölbt, mit einer Andeutung eines Axialkanales in der Mitte, die andere zeigt eine 
breite, ziemlich tiefe Grube. An der Außenfläche ist keine Skulptur wahrzunehmen. 


Pseudosaccocoma strambergense n. gen. n. sp. 
(Fig. 17a b, 18, 22ab, 23a b.) 

Relativ häufig findet man in Stramberg einen Crinoiden, der beim ersten Anblick an Saecocoma 
erinnert. Es ist leider immer nur die dorsale Partie des Kelches bloßgelegt gefunden worden, die ventralen 
Teile habe ich an keinem Exeniplare bloßlegen können, so sehr ich mir auch Mühe nahm. Vielleicht gehört 
ein (Fig. 18) abgebildetes Crinoidenstück aus dem Kalkstein von Skali&ka hieher und es möchte dann ‚den 
ventralen Kelchteil darstellen. Der ganze Habitus des Stückes spricht für die Zusammengehörigkeit und 
außerdem ist gerade Pseudosaccocoma strambergense (in der Erhaltung wie in Stramberg) der einzige 
Crinoid, den ich bis jetzt von Skalicka kenne. Die Beschreibung des Fossils kann nach dem Gesagten 
keine vollständige sein und daher auch die Stellung desselben im System nicht ganz sicher. Wenn ich mich 
trotzdem zur Publikation veranlaßt sah, so geschah es deshalb, weil die Art im weißen Stramberger Kalke 
nicht eben selten vorkommt und durch seine auffallende Gestalt die Aufmerksamkeit der Sammler auf sich 
ziehen muss. 

Die Kelche sind recht groß, von pentagonalem gerundeten Umriß, halbkugelig gewölbt, mitunter 
etwas konisch. Vier Exemplare meiner Sammlung haben nachfolgende Dimensionen: 


Größte Höhe: Größte Breite: 
I... 17 mm 27 mm 
23 >) 23 >» 

Se, ı OR» 20 » 

A. a: 16 » 


Von einem mittleren Grübchen, welches von einem fünfeckigen, nicht immer deutlich sichtbaren 
Feld umgeben ist (Basale), strahlen fünf deutliche Furchen gegen den Rand hin aus. Der Rand ist an 
keinem Exemplar vom Gestein loszutrennen, so viel scheint jedoch sicher, daß er an den Stellen, wo die 
Furchen in ihn einmünden, deutlich vorspringt. Interessant ist die Skulptur dieser dorsalen Partie, welche 
besonders gut an dem Exemplar (Fig. 224,5) zu sehen ist, Von dem centralen Grübchen entspringen zwischen 
je zwei Furchen fächerförmige, scharfe Rippchen, welche sich gegen die Peripherie hin dichotomisch teilen. 
Die Mehrzahl der so entstandenen Ästchen strebt nach beiden Seiten den erwähnten Furchen zu und trifft 
hier mit den Ästchen des benachbarten Feldes unter einem spitzen Winkel zusammen. Nur die obersten 
Ästchen reichen bis zum Rande des Kelches und bilden hier zahlreiche größere und kleinere Feldchen. An 
den zwei anderen ebenfalls abgebildeten Stücken ist die Zeichnung etwas abweichend. Bei der Präparation 
eines solchen Crinoiden aus dem Gestein ist mir das Exemplar zerbrochen. Ich konnte nun konstatieren, 
daß diese Rippchen von der Oberfläche in die Bruchfläche hinein deutlich verfolgt werden können. Dabei 
war ich erstaunt zu sehen, daß die Platten (Radialia) am Bruch eine Dicke von 5 bis 6 mm haben. (Ex. 1.) 
An einem anderen Stücke ist der obere Teil des Kelches abgebrochen. Auch hier fällt die bedeutende 
Dicke der Platten auf — sie beträgt 3—4 mm. (Ex. 4.) Gehört das von Skalilka abgebildete Stück hieher, 
so möchte es die obere ventrale Partie des Kelches darstellen, nämlich die Oralplatten mit der Mundöffnung, 
Wie aus der Abbildung ersichtlich, ist es eine ziemlich ebene Platte, die Mitte wenig vertieft, fünf deutliche 


[5] Nachträge zur Fauna von Stramberg. 63 


Furchen ziehen von ihr gegen die Peripherie und bilden so fünf Felder. Man sieht nun wie jedes von diesen 
fünf Feldern gegen den Rand gewölbt und dann hier durch eine Furche und eine der Seite des Fünfeckes 
entsprechende Leiste abgegrenzt ist; die näheren Details des Randes sind durch Gesteinsmasse, die sich nicht 
wegpräparieren läfst, verdeckt. 

Wenn wir die Beziehungen dieses sonderbaren Crinoiden zu verwandten Formen prüfen, so finden 
wir, daß er einerseits in die Nähe von Saccocoma, anderseits an Plicatocrinus anzureihen ist. An Sacco- 
coma erinnert erstens die Zusammensetzung und die Form des Kelches, dann die Ornamentik der Radialia, 
dagegen bringt ihn das Fehlen von Furchen sowie die Festigkeit der Platten näher an Plicatocrinus. Über 
die Lage der Arme läßt sich an den Stramberger Exemplaren nicht viel sagen. Aus den angeführten Merk- 
malen erhellt deutlich die Sonderstellung des beschriebenen Crinoiden, 


Asteroidea. 
Stelleridae. 


Reste von Seesternen waren aus dem weißen Kalkstein von Stramberg noch nicht bekannt, aus 
dem roten Kalkstein habe ich sie zuerst beschrieben. Die abgebildeten Stückchen sind Randplatten, welche 
keine nähere Bestimmung zulassen, doch zu einem Vergleich mit solchen von Asteropecten auffordern. 
(Fig. I9 a—c, 20 a—.c.) 

Echinoidea. 
Diplocidaris Etalloni, de Loriol. 
Wird von Cotteau aus dem Kalk von Inwald und Kotzobenz angeführt. Ein Exemplar meiner 


Sammlung stammt von Stramberg und ist für diese Lokalität neu. 


Cidaris moravica n. sp. 
(Fig. 21 ac.) 
Es ist nur ein Stachel vorgefunden worden. Derselbe zeigt jedoch eine derart auffallende Form und 
Verzierung, daß eine Sonderstellung berechtigt erscheint. 
Dimensionen: Höhe 13 mm 
Größte Breite: I2 » 
Gestalt birnförmig. Die größte Breite wird annähernd an der Grenze zwischen oberem und mittlerem 
Drittel erreicht. Die unteren zwei Drittel sind von deutlichen, mit Körnern besetzten Leisten durchzogen. 
Jede Leiste endet oben in einem recht großen Höcker. Das oberste Drittel des Stachels ist nur zum Teile 
erhalten. Man sieht, daß hier am Gipfel ebenfalls eine Gruppe von Höckern war. Zwischen dem Gipfel 
und den erwähnten, die Rippen nach oben abschließenden Höckern sind die Reste eines zweiten Kranzes 
von Höckern zu sehen. Gegen die Ansatzstelle, welche eine ziemlich tiefe Grube darstellt, ist der Stiel 


eingeschnürt. 


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DIE BRACHIOPODEN- UND MOLLUSKENFAUNA DES 
GLANDARIENKALKES, 


Von 


Lothar Krumbeck. 


Mit 7 Tafeln (VIII-XIV). 


Vorwort. 


Das Material für diese Arbeit verdanke ich den wohlwollenden Bemühungen meines verstorbenen 
hochverehrten Lehrers, des Herrn Geheimrat Prof. Dr. v. Zittel. Auf seine Anregung hin stellte 
es mir Herr Dr. Blanckenhorn im Sommer 1903 in liebenswürdigster Weise zur Verfügung.) Der größte 
Teil der Fossilien wurde von Herrn Prof. Zumoffen aus Beirut im Jurakalk des westlichen Liba- 
non eigenhändig gesammelt. Der Rest entstammt der Privatsammlung des Herrn Dr. Blanckenhorn. 

Es ist mir nun eine sehr angenehme Pflicht, dem letztgenannten Herrn verbindlichsten Dank abzu- 
statten für sein freundliches Entgegenkommen wie für die bereitwillige Auskunft, die er mir des öfteren 
gewährt hat. 

Herr Prof. Dr. E. Fraas unterstützte mich in zuvorkommender Weise durch die Übersendung 
der Brachiopoden, die sein Vater im Salimatal gesammelt hatte. Ihm wie Herrn Hofrat Prof. Dr. 
Steinmann, welcher mir als hervorragender Kenner fossiler Hydrozoen seinen wertvollen Rat zu teil 
werden ließ, sage ich gleichfalls besten Dank. 

Besondere Freude aber bereitet es mir, mit Wärme der vielseitigen Belehrung und Förderung zu 
gedenken, welche mir die Herren Prof. Dr. Pompeckj und Prof. Dr. Rothpletz angedeihen ließen, 

Es liegt mir ferner am Herzen, den Herren des münchner paläontologischen Museums 
meinen lebhaften Dank auszusprechen für die selbstlose Bereitstellung der Hilfsmittel, deren ich für meine 
Zwecke bedurfte. 

Einen beträchtlichen Aufwand an Zeit und Mühe erforderte die Präparation eines großen Teiles 
der Muscheln und Schnecken, deren Wirbel- bzw. Mündungsregionen dem harten Kalk erst abge- 
wonnen werden mußten. 

Ursprünglich ist es nur meine Absicht gewesen, eine Beschreibung der Arten zu geben. Die Be- 
schäftigung mit den Bestimmungsresultaten ergab dann aber die Notwendigkeit einer gedrängten Übersicht 
über die verschiedenen Etappen in der Forschungsgeschichte des Glandarienkalkes. Ihre Kenntnis 


!) Die vorliegende Arbeit bildet die Fortsetzung der im XV. Bande dieser Beiträge erschienenen Veröffent- 
lichung über »Die fossile Fauna des libanesischen Jurakalkes« von Rauff, Felix und Blanckenhorn (1. Teil, Die 
Anthozoenfauna des Glandarienkalkes von J. Felix). Der gemeinsame Titel wurde hier fallen gelassen, da Herr 
Lothar Krumbeck an Stelle Herrn Blanckenhorns getreten ist. — Die Herausgeber 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVIII. 9 


66 * Lothar Krumbeck. [2] 


erscheint mir als unentbehrlich für eine richtige Würdigung dieses noch so wenig bekannten und so viel- 
versprechenden Formationsgliedes. Mit fortschreitender Vertiefung in den Stoff sah ich mich weiterhin ver- 
anlaßt zu einer kurzen Besprechung der Malmvorkommen der orientalischen und deräquatorialen 
Region im Hinblick auf ihre stratigraphische Stellung und ihre faunistischen Beziehungen zum libanesischen 
Jura. Dabei ergaben sich dann neue Gesichtspunkte, welche eine abermalige Erweiterung der Materie 
zur Folge hatten. Dem Ganzen wird eine Liste der zitierten Autoren vorangestellt, die zukünftigen Bearbei- 
tern der jurassischen Tierwelt des Libanon von Nutzen sein möge. 

Die systematische Gliederung der Fauna wurde auf die Neuauflage der Zittelschen Grund- 
züge !) basiert. 

Was endlich die Schreibweise syrischer Lokalnamen anbetrifft, so akzeptiere ich die von Felix?) 
angewandte Bezeichnungsart. 

Die nachfolgende Arbeit gliedert sich folgendermaßen : 

A. Autorenverzeichnis. 

B. Einleitung. Übersicht über die Forschungsgeschichte des Glandarienkalkes nebst 
einer Schlußnotiz über die Gesteinsbeschaffenheit und über den Erhaltungszustand der Petrefakten. 

©. Paläontologischer Teil. Beschreibung der Arten nebst einem Anhang. 

/D, AlNSemeiner Weanll 


1. Allgemeines. 


D 


Beziehungen der Fauna des Glandarienkalkes zum mitteleuropäischen Malm. 
Tabellarische Übersicht. 

Stratigraphische Endergebnisse. 

Allgemeiner paläontologischer Karakter der Fauna. 


Bionomische Bemerkungen, 


(sp en a an ee 


. Paläogeographische Untersuchungen. 


Autorenverzeichnis. 


1840. Agassiz. Etudes critiques sur les mollusques fossiles. M&moire sur les Trigonies. Neuchätel. 

1842. Agassiz. Etudes critiques sur les mollusques fossiles. Monographie des Myes. Neuchätel. 

1882. Alth. Die Versteinerungen des Nizniower Kalksteines. Beitr. z. Paläont. Öster.-Ung. u. d. Orients, Bd. 1, Heft 3, 4. 

1875. v. Ammon. Die Juraablagerungen zwischen Regensburg und Passau. München, 

1896. Anastasiu. Note preliminaire sur la constitution geologique de la Dobrogea. Bull. Soc. geol. de France. 3. Serie, 
Bd. 24, pag. 595—601. 

1901. Angelis d’Ossat e Millosevich. Studio geologico sul materiale raccolto da Maurizio Sacchi (Seconda spedi- 
zione Bottega). N. Jahrb. für Min., Geol. u. Pal., Bd. I, pag. 452. 

1874. Bayan. Sur la succession des assises et des faunes dans les terrains jurassiques sup£rieurs. Bull. Soc. g£ol. de 
France, 3. Serie, Bd. 2, pag. 316—-343, Taf. I0—11. 

1866. Beltr&mieux. Faune fossile du departement de la Charente inferieure. 

1877. Blake and Huddleston. On the corallian rocks of England. Quart. Journ, Geol. Soc. of London. 

1847. Blanche. Coupe transversale de la vall&ee du Damour dans le Liban. Bull. Soc. geol. de France, 2. Serie, Bd. 5, 
pag. 12—17, Taf. 1. 

1890. Blanckenhorn. Die Entwicklung des Kreidesystems in Mittel- und Nord-Syrien nebst einem Anhang über den 
jurassischen Glandarienkalk. Kassel, 

1870. Blanford. Observations on the geology and zoology of Abyssinia. Appendix. Descriptions of the new species 
of fossils from the Antalo Limestone, pag. Iggff., Taf. VIII. 

1882. Boehm, G. Die Bivalven des Kelheimer Diceraskalkes. Palaeontographica, Bd, 28. 

1882. Boehm, G. Über die Beziehungen von Pachyerisma u. s. w. Zeitschr. D. geol. Ges. Bd. 34, pag. 60211. 

1883. Boehm, G. Die Bivalven der Stramberger Schichten. Paläontologische Studien u. s. f. 


ı) 1903. Zittel: Grundzüge der Paläontologie 1. 
2) 1904. Felix: Anthozoenfauna des Glandarienkalkes. 


L- 


[3] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 67 


1889. Bogdanowitsch. Notes sur la geologie de P’Asie centrale. I. Description de queiques depöts sedimentaires de 
la contree transcaspienne et d’une partie de la Perse septentrionale. Petersbourg. 

1833. Botta. Observations sur le Liban et l’Antiliban, Me&m. Soc. g&ol. de France, Bd. I, Sect. I, Nr. 8, pag. 135, Taf. 12. 

1901. Boule. La geologie et la pal&ontologie de Madagaskar dans l’etat actuel de nos connaissances. Extr, du Compte- 
Rendu VIIIe. Congres geol. internat. 1900. 

1902. Boule. Madagaskar au debut du XXe, siecle. Paris. 

1874. Brauns. Der obere Jura in Nordwestdeutschland. 

1837. Bronn. Lethaea geognostica. 2. Auflage, m. Atlas. 

1881. Bruder. Zur Kenntnis der Juraablagerung von Sternberg bei Zeidler in Böhmen. Sitzber. k. Akad. Wiss., 
Wien, Bd. 83, Abt. 1. 


— 1882. Bruder. Neue Beiträge zur Kenntnis der Juraablagerungen im nördlichen Böhmen. Sitzber. k. Akad. Wiss., 


Wien, Bd. 85, Abt. 1. 


"1885. Bruder. Die Fauna der Jurabildungen des Hohnstein in Sachsen. Denkschr. k. Akad. d. Wiss. Wien. 


1887. Bukowski. Über die Jurabildungen von Czenstochau in Polen. Beitr. z. Pal. Österr.-Ung. u. d. Orients, Bd. 5, 
pag. 75 ff., Taf. XXV—XXX,. 

1852. Buvignier. Statistique g&ologique de la Meuse. Atlas. 

1903. Cayeux. Existence du Jurassique superieur et de l/Infracr&tac&e dans l’ile de Cr&te. Comptes Rendus, Bd. 136, 
Nr. 5, pag. 330—332. 

1852. Conrad. Official report of the U. S. Expedition tho the Dead Sea Baltimore. Zitiert nach ©. Fraas, »Aus dem 
Orient«, Teil I, pag. 42. 


- 1860. Contejean. Etude de l’etage kimmeridgien dans les environs de Montbeliard et dans le Jura. M&m. soc. 


d’emul. Doubs. 

1858—1860. Goquand. Description geologique, pal&ontologique et mineralogique du departement de la Charente. 2 Bde. 

1862. Coquand. GE£ologie et Paleontologie de la region sud de la province de Constantine, Bd. II. M&m. soc. d’&mul. 
de la Provence. Atlas. 

1880. Coquand. Etudes supplmentaires sur la description geol., pal. et min. de Constantine. Bull. de l’Acad&mie 
d’Hippone. 

1898. Cossmann. Contribution a la pal&ontologie frangaise des terrains jurassiques. Gastropodes: Nerindes. M&m. Soc. 
geol. de France. 

1885. Cotteau. Echinides nouveaux ou peu connus. Bull. Soc. g&ol. de France, pag. 53 fl. 

1864. Credner, H. Die Pteroceras-Schichten von Hannover. Zeitschr. D. geol. Ges., Bd. 16. 

1852. Davidson. A monograph of the british fossil brachiopoda. Teil 3, The oolitic and liasic brachiopoda. London. 

1903. Deprat. Note pr&liminaire sur la geologie de l’ile de I’Eubee. Bull. Soc. geol. de France. 3. Serie, pag. 229—243. 


-1886. Diener. Libanon. Grundlinien der physischen Geographie und Geologie von Mittel-Syrien. Wien. 


1887. Diener. Ein Beitrag zur Kenntnis der syrischen Kreidebildungen. Zeitschr. D. geol. Ges., pag. 314ff. 

1895. Diener. Ergebnisse einer geologischen Expedition in den Zentral-Himalaya von Johar, Hundes und Painkhanda. 
Denkschr. k. Akad. d. Wiss. Wien. 

1886. Douville. Sur quelques brachiopodes du terrain jurassique. Auxerre. 

1886. Douvill&. Examen des fossiles rapportes du Choa par M. Aubry. Bull. Soc. g&ol. de France, Bd. 14, pag. 223 ff. 

1896. Douvill&. Sur une Ammonite triasique recueillie en Grece. Bull. Soc. g&ol. de France, Bd. 24, pag. 799—800. 

1863. Dollfuss. La faune kimmeridienne du cap de la Heve. 

1876. Dumortieret Fontannes. Description des ammonites de la zone a Ammonites tenuilobatus de Crussol (Ardeche). 

1859. Etallon. Etudes pal&ontologiques sur les terrains jurassiques du Haut-Jura. Monographie de l’etage Corallien. 

1863. Etallon. Etudes paleontologiques sur le Jura graylois. M&m. Soc. d’Emul. du Doubs, 3. Serie, Bd. 8. 

1877. Favre. Etude stratigraphique de la partie sud-ouest de la Crimee. 

1904. Felix. Die fossile Fauna des libanesischen Jurakalkes. I. Teil. Die Anthozoenfauna des Glandarienkalkes. Beitr. 
z. Geol. u. Pal. Österr.-Ung. u. d. Orients, Bd. 15, Heft 4. 

1893. Fiebelkorn. Die norddeutschen Geschiebe der oberen Juraformation. Zeitschr. D. geol. Ges., Bd. 45, pag. 378 ff. 

1892. Fox-Strangways. The jurassic rocks of Britain. Bd. I, Yorkshire. Bd. 2, Yorkshire, Tables of fossils. 

1877. Fraas, ©. Juraschichten am Hermon. N. Jahrb. für Min., Geol. u. Pal., pag. 26. 

1878. Fraas, O. Aus dem Orient. Bd. II. Geologische Beobachtungen am Libanon. Stuttgart. 

1893. v. Fritsch. Zumoffens Höhlenfunde im Libanon. Abhandl. d. naturf. Ges. zu Halle. 

1894. Futterer. Beiträge zur Kenntnis des Jura in Ost-Afrika. I-III. Zeitschr. D. geol. Ges., Bd. 44. 

1897. Futterer. IV. Der Jura von Schoa (Süd-Abessinien). Zeitschr. D. geol. Ges., pag. 568-627, Tab. 19—22. 


L—1869. Gemellaro, G. G. Studi paleontologici sulla fauna del calcare a Terebratula janitor del nord di Sicilia. Palermo. 


L- 


1836. Goldfuß. Petrefacta Germaniae, 
1900. Gregory. On the geology and fossil corals and echinids of Somaliland. QOuart. Journal. Bd. 56, pag. 26 ff. 
1867. Greppin, J. Bte. Essai geologique sur le Jura suisse. Del&mont. 

9* 


68 Lothar Krumbeck. [4] 


1893. Greppin, E. Etude sur les mollusques des couches coralligenes des environs d’Oberbuchsitten. M&m. Soc. pal. 
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1891. Griesbach. Geology of the Central Himalayas. Mem. geol. Surv. of India. Bd. 23. (Zitiert nach Diener, loc. cit.). 

1891. Guembel. Geognostische Beschreibung der fränkischen Alb. (Frankenjura). 

1889. Haas. Die jurassische Brachiopodenfauna des schweizerischen Juragebirges und seiner angrenzenden Landesteile. 
Teil 1, Abh. d. schweiz. pal. Ges. 

1890. Haas. Das gleiche, Teil 2. 

1893. Haas. Dasselbe, Teil 3. 

1884. Hamlin. Results of an examination of syrian molluscan fossils chiefly from the range of the Mount Lebanon. 
Cambridge. 

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[5] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes, 69 


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Einleitung. 
Übersicht über die Forschungsgeschichte des Glandarienkalkes. 


Die nachfolgenden Zeilen sind dazu bestimmt, dem Leser die Hauptphasen in der stratigraphischen 
Erforschung des Glandarienkalkes vor Augen zu führen. 

Die ersten und, wie es sich später zeigen wird, anerkennenswert zuverlässigen Angaben über die 
herrschenden Verhältnisse gingen von Botta!) aus. Er legte seinen geologischen Beobachtungen ein Profil 
zu Grunde, das vom Strande des Meeres bis zum Kamme des gewaltigen Dschebel Sannin läuft. Es 
kreuzt das Tal des Kelb-Flusses, wo die Entwicklung der einzelnen Schichtkomplexe in übersichtlicher Weise 
studiert werden konnte. Danach gliedert sich die gesamte Schichtenfolge in diesem Teile des Libanon 
folgendermaßen: 

Unterer Teil: Calcaire caverueux (Calcaire jurassique sup£&rieur). 

Mittlerer Teil: Terrain sablonneux (Gres vert). 

Oberer Teil: Calcaires caverneux et marnes calcaires (Terrain cr&tac& inferieur). 

In den obersten Lagen der unteren Gruppe wurden Verkieselungen beobachtet. Botta hielt den 
Calcaire caverneux deshalb für jurassisch, weil er von einem Sandstein überlagert wird, den er mit 
dem nubischen Sandstein in Parallele stellte. 

Russegger?) schloß sich der obigen Einteilung an. Auch er unterschied drei Horizonte. Zu- 
unterst jurassische Bildungen. Darüber den nubischen Sandstein als wahrscheinliches Äquivalent des Gre&s 
vert. Zu oberst die der weißen senonen Kreide entsprechenden Ablagerungen. 

Blanche?) veröffentlichte 1847 ein ziemlich ausführliches Profil durch das Tal des Nahr ed - Dämür, 
welches in der Nähe von Abeih aufgenommen wurde. Er glaubte daraus den Schluß ziehen zu dürfen, 
daß dieser ganze südliche Teil des Libanonzuges kretazischen Alters sei. Dem Profil kann ein höherer 
Wert indessen nicht beigelegt werden. Der Verfasser hebt selbst seinen absoluten Mangel an paläontolo- 
gischen Kenntnissen hervor. Von seinen drei Hauptetagen entspricht wohl die tiefste dem Caleaire caverneux 
von Botta. 

Conradt) bestimmte die von der amerikanischen Expedition am Libanon gesammelten Fossilien 


zum größten Teil als jurassisch. 


1) 1833. Botta. Observations sur le Liban et l’Antiliban, pag. 135, Taf. 12. 

2) 184I. Russegger. Reisen in Europa, Asien, Afrika. Bd. 1, Teil 2, zitiert nach Diener »Libanon«, pag. 27. 
3) 1847. Blanche. Coupe transversale de la vallee du Damour. Bull. Soc. geol. de France, pag. 12—17, Taf. I. 
*) 1852. Conrad. U. S. expedition to the Dead Sea. Zitiert nach O. Fraas »Aus dem Orient«. 


[7] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 71 


Lartet!) gab eine kritische Übersicht über die Ansichten seiner Vorgänger, insbesondere von 
Botta und Russegger. Er bestätigte das Vorhandensein von Jura im Libanon und Antilibanon. Als 
Stütze für seine Meinung diente ihm das Vorkommen von Cidaris glandifera im Libanon, von Collyrites 
bicordat« bei Bäniäs, am Westfuße des großen Hermon. 

Lartet war somit dererste, welcher seine Anschauung wissenschaftlich begründet 
hat. Die Identität von Collyrites bicordata kann wegen des schlechten Erhaltungszustandes in Zweifel 
gezogen werden. Die Auffindung von Cidaris glandifera, einer typischen Juraform, hingegen stellte seine 
Behauptung auf eine feste Basis. 

©, Fraas?) überraschte im Jahre 1877 die Gelehrtenwelt mit der Kunde, dafs er im Antilibanon, 
an der Südseite des großen Hermon, Ablagerungen des oberen Dogger und des unteren Malm aufgefunden 
habe. Um so bemerkenswerter war es daher, daß er kurz darauf, im Jahre 1878,°) in einer wertvollen Studie 
über den Libanon, das Auftreten von Jura in diesem Gebirgszuge kategorisch in Abrede stellte. Das 
Nichtvorhandensein dieser Formation erschien ihm als etwas derart Selbstverständliches, daß er die gegen- 
teilige Anschauung unter dem Hinweise, daß Cidaris glandifera kein jurassisches Fossil sei, mit der Wen- 
dung »die alte Russeggersche Anschauung von der Verbreitung des Jura in Syrien« kurz bei Seite schob. 
Als die Frucht seiner sorgfältigen mehrmonatlichen Bemühungen ergab sich eine Einteilung der syrischen 
Kreide in 9 Zonen, deren tiefstes Glied die Bezeichnung »Glandarienzone« erhielt. Die letztere ist teilweise 
ident mit dem unteren Teil des Botta’schen Profils, dem Calcaire caverneux (Caleaire jurassique sup£rieur). 

©. Fraas traf dieses Formationsglied im Wadi Salima an in der Gestalt von »lichten« über 200 m 
mächtigen »Marmorn«, die nach oben mit einigen Meter, mächtigen Oolithbänken abschließen. In dem 
Marmor wurden Stacheln von Cidaris glandaria Lang gefunden. Die oolithischen Schichten mit ihren 
tonigen Zwischenbänken zeigten sich reich an Spongien, Korallen, Echiniden u. s. w. Fraas 
schrieb dem ganzen Komplex cenomanes Alter zu. 

Im Jahre 1884 ließ Hamlin?) die Beschreibung einer Anzahl von Libanonpetrefakten erscheinen. 
Der Autor ging bei der Bestimmung der Sachen von der Voraussetzung aus, dafs es die Kreide ist, welche 
den Sockel des Libanon aufbaut. 

Auch Diener?) erklärte sich in seinem 1886 erschienenen Werke einverstanden mit der von Blanche 
und ©. Fraas vorgeschlagenen Einbeziehung der Glandarienzone in das System der syrischen Kreide. Unter 
der neuen Benennung als »Aräja-Kalksteine« wies er ihr im Gegensatz zu O. Fraas unterkretazisches 
Alter zu. Das tiefste Glied seiner Aräja-Kalksteine soll an der Mündung des Nahr-el-Kelb zu Tage treten 
in Gestalt weißer dünngeschichteter Dolomite, darüber massiger undeutlich gebankter Dolomite und, als 
Hauptglied der Gruppe, wohl geschichteter grauer Kalke. Wie schon Lartet, so glaubte auch Diener 
am Westfuße des Hermon bei Bäniäs und Hasbeia deutliche Profile durch die Glandarienzone beobachtet 
zu haben. Wir werden später sehen, daß der letzteren Annahme mit Aussicht auf Erfolg widersprochen wurde. 

Ein Jahr darauf erschien eine von Noetling®) verfaßte Monographie als Ergebnis längerer Studien 
über das durch Fraas erschlossene Juragebiet am Südabfall des Hermon. Der Autor ging darin von 
der Anschauung aus, daß die Entwicklung des Jura am Hermon die gesamte Ausbildung dieser Formation 
in Syrien darstelle. Demzufolge gliederte er den von ihm untersuchten Schichtenkomplex auf Grund fauni- 
stischer Verschiedenheiten in einen unteren und in einen oberen syrischen Jura. Seinen »oberen 
syrischen Jura« teilte Noetling in vier Zonen ein. Von diesen wurden die drei unteren mit dem Argovien 
parallelisiert. Die vierte Unteretage, die Zone der Cidaris glandifera Goldf. = C. glandaria Lang (Fraas) 
entspricht dem Rauracien. Die weißen oder gelblichgrauen, zuweilen oolithischen Kalke der Glandarienzone 


können petrographisch von der sie unterlagernden Stufe der Rhynchonella moravica Uhlig nicht getrennt 


1) 1874. Lartet. Exploration geologique de la Mer morte in: Duc de Luynes. Voyage u. s. w. 
2) 1877. ©. Fraas. Juraschichten am Hermon. N. Jahrb. f. Min. u. Geol., pag. 17—30. 

3) 1878. ©. Fraas. Aus dem Orient. Teil 2, pag. 21. 

4) 1884. Hamlin. Syrian molluscan fossils. 

5) 1886. Diener. Libanon, pag. 28 ff. 

6) 1887. Noetling. Der Jura am Hermon. Stuttgart. 


” Lothar Krumbeck. [8] 


werden. An Fossilien enthält erstere zahlreiche Reste von Spongien und Echinodermen, außerdem aber 
Terebratula bisufarcinata Zieten und Cidaris glandaria Lang (Fraas). Das jurassische Alter 
dieser letzteren Spezies war somit festgestellt. Mit vollem Recht zog Noetling nun den 
Schluß, daß diejenigen Ablagerungen des Libanon, welche durch Cidaris glandaria Lang karakterisiert 
werden, ebenfalls der obersten Zone seines oberen syrischen Jura angehören. Es sind darunter zu verstehen: 
Calcaire caverneux (Botta)—= Glandarienzone (Fraas) = Aräja-Kalksteine (Diener). 

Damit war ein richtiges Verständnis angebahnt für die stratigraphische Stel- 
lungder Glandarienzone im Libanon. Die »alte« Auffassung von Botta, Russegger und 
insbesondere vonLartet erwies sich im großen Ganzen als zutreffend. 

Ein weiteres Fortschreiten auf diesem Wege bedeuten die im Jahre 1890 erschienenen Ausführungen 
von Blanckenhorn.!) 

Letzterer verwarf zunächst die Bezeichnung der in Rede stehenden Schichtenfolge als »Aräja-Kalk- 
steine«, welche Diener in die stratigraphische Namengebung, eingeführt hatte. An die Stelle trat die ein- 
deutigere Bezeichnung Glandarienkalk. Sodann wendete er sich gegen die von Diener geäußerte 
Ansicht vom Auftreten der Aräja-Kalksteine am Westfuße des Hermon bei Bäniäs und Hasbeia. Die Unter- 
suchung: der von letzterem bei Hasbeia gesammelten Fossilien in Verbindung mit einer kritischen Betrach- 
tung: des lithologischen Karakters der dortigen Gesteine führte ihn zu der Erkenntnis, dafs es nicht der 
Glandarienkalk ist, welcher die Westflanke des Hermon umgürtet, sondern höchstwahrscheinlich Schichten 
von cenomanem Alter mit Buchiceras syriacum, die unter komplizierten Lagerungsverhältnissen den älteren 
»Trigoniensandstein« untertäufen. 

Blanckenhorn untersuchte ferner die von Fraas im Nahr es-Salima gesammelten Fossilien, die 
sämtlich der Glandarienzone dieses Forschers entstammen sollten. Es ergab sich nun nach Abscheidung der 
dem Glandarienkalk nicht zugehörigen Typen eine Fauna von größtenteils neuen Formen, darunter eine 
Korallenart, welche mit einer mitteleuropäischen Malmspezies, Stephanocoenia? pentagonalis Goldfuss sp., 
identifiziert werden konnte. In der Sammlung des Day College zu Beirut sah Blanckenhorn ferner Ver- 
steinerungen mit der Fundortsangabe »Schweir«, welche er als Terebratula bisuffarcinata Schloth, Kin- 
gena gutta Qu., Terebratulina substriata Schloth. und Khynchonella lacunosa Schloth.?) erkannte. Diese 
Arten weisen auf unteren weißen Jura hin. Da aber Schweir im Tal des Nahr el-Kelb auf dem Glandarien- 
kalk selbst gelegen ist, so konnte an dem jurassischen Alter dieses Formationsgliedes füglıch nicht mehr 
gezweifelt werden! Dennoch erleben wir im folgenden nochmals einen Rückfall in die früheren, satt- 
sam widerlegten Anschauungen, 

In den Neunzigerjahren haben unsere Ansichten über den Formenreichtum des Glandarienkalkes 
durch die wertvollen durch geologische Beobachtungen vervollständigten Aufsammlungen von Zumoffen 
einen weiteren Ausbau erfahren. 

Loriol°) beschrieb in vier Abhandlungen, die in den Jahren 1897, 1901 und 1902 publiziert 
wurden, eine größere Anzahl von Seeigeln aus den Tälern des Kelb- und Salima-Flusses. Er geht dabei, 
ebenso wie Zumoffen,*) von der Fraas’schen Anschauung aus, die dem Glandarienkalk cenomanes. Alter 
zuschrieb. Wir sahen indessen oben, daß an seiner Zugehörigkeit zum Malm auf Grund der Untersuchungen 
von Lartet, Noetling und Blanckenhorn nicht mehr gezweifelt werden durfte! In Konsequenz seiner 
Überzeugung stellt nun Loriol bei der Besprechung verschiedener Fundplätze, wie Bekfeja und Duar, Jura- 
fossilien wie Cidaris glandaria Lang und Kingena gutta Qu. in eine Reihe mit kretazischen Typen vom 


1) 1890. Blanckenhorn. Entwicklung des Kreidesystems in Mittel- und Nord-Syrien, pag. 2 u. folg. 

2) Bei dieser Form lag wahrscheinlich eine Verwechslung der Etiketten vor, sonst fände sie sich doch wohl 
unter dem Zumoffen’schen Material! Diese Annahme ist deshalb nicht unwahrscheinlich, weil sich in der Sammlung 
des Day College auch eine Reihe von Jurafossilien des Jura am Hermon befinden, wo die genannte Form auftritt. 

®) 1897. Loriol: Notes pour servir a l’&tude des Echinodermes, Nr. VI. 


1901. « Notes pour servir u. s. f., Nr. IX. 
1902. « Das gleiche, Nr. X, 
1902. » Das gleiche, 2. Serie, Nr. I. 


*) 1897. in Loriol. Note VI, pag. 142—144. 


[9] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 


wo 


7 


Schlage der Vola quadricostata und Exogyra flabellata! Es sind demnach entweder beim Aufsammeln die 
verschiedenen, lithologisch scharf differenzierten Horizonte nicht genügend auseinander gehalten worden. 
Oder aber, und diese Erklärung halte ich für richtiger, die Petrefakten des höheren Niveaus haben sich 
infolge starken Geländewinkels mit denen der tieferen Ablagerungen vermischt. 

Die Zusammenstellung der Echiniden des Glandarienkalkes aus den Arbeiten von Cotteau!), Fraas?) 
und Loriol führt zu dem Resultat, daß sich unter einer Gesamtzahl von 14 Formen eine neue Gattung 
und 13 neue oder auf Syrien beschränkte Spezies befinden. Loriol wies ferner nach, daß Cidaris glan- 
daria Lang und Cidaris glandifera Goldf. spezifisch zu trennen sind. 

Im Jahre 1904 veröffentlichte Felix°’) eine Studie über die Anthozoenfauna des Glan- 
darienkalkes. Letztere setzt sich aus 25 Arten zusammen, von denen fünf mit bekannten Arten iden- 
tiiziertt und weitere fünf mit cf. versehen werden konnten. I5 Spezies sind neu. Felix kommt zu dem 
Ergebnis, »dafß der allgemeine Karakter der beschriebenen syrischen Korallenfauna der gleiche ist, wie der- 
jenige des schweizerischen und französischen Corallien«, Er bemerkte ferner Anklänge an Formen aus 
dem Pt&roc&rien von Nattheim und aus dem Virgulien von Porrentruy, 

Die nachfolgende Bestimmung der Brachiopoden und Mollusken des Glandarienkalkes führte mich 
zu einem Resultat, welches die stratigraphischen Ergebnisse der Felixschen Arbeit vervollständigt und 
schärfer umgrenzt, daß nämlich der libanesische Glandarienkalk das gesamte Säquanien 
und Kimmeridgien in echt mitteleuropäischer Entwicklungsweise enthält. Dieses 
Ergebnis kann uns indessen noch nicht befriedigen. Es muß vielmehr als unvollständig und lückenhaft 
gelten, solange nicht die praktische Arbeit im Felde die schwebenden Fragen ihrer Lösung näher gebracht 
hat. Das Fehlen von detaillierten Profilen und nicht zum mindesten der Umstand, daß die vorliegenden 
Fossilien ohne Berücksichtigung von Horizonten gesammelt wurden, macht eine Parallelisierung der Schichten- 
folge des Glandarienkalkes mit anderen faunistisch verwandten Ablagerungen zur Unmöglichkeit. Es handelt sich 
demnach hier nur darum, die gegebenen Formen rein paläontologisch zu bestimmen und aus ihren verwandt- 
schaftlichen Beziehungen zu wohlbekannten Formen auf die stratigraphische Stellung ihrer Muttergesteine 
zu schließen. 

Ich gebe jetzt zum Schluß eine kurze Übersicht über das Vorkommen und über die lithologische 
Gliederung des Glandarienkalkes im Libanon. Nach den Berichten von fast sämtlichen der genannten 
Autoren bildet er das basale Glied der mächtigen sedimentären Schichtenserie am Westhang des Libanon- 
zuges. Vom Nahr ed-Dämür im Süden bis zum Nahr Kadischah im Norden trifft man ihn in den tiefein- 
geschnittenen Tälern der größeren Ströme und ihrer Zuflüsse, wie er, vielfach in ungestörter Lagerung, *) 
den kretazischen Trigoniensandstein konkordant unterteuft. Infolge seiner »homogenen Gesteinsbeschaffenheit« 
eignet sich der Glandarienkalk nach Diener zur Caüonbildung, wie sie letzterer in typischer Ausbildung 
am Oberlauf des Dschözeh-, Kadischah- und Baridflusses antraf. 

Aus dem Tal des Nahr ed-Dämür beschreibt ihn Blanche als einen relativ wenig mächtigen, ooli- 
thischen Kalkstein, der in den tieferen Lagen durch das häufige Auftreten von Verkieselungen ausgezeichnet 
sei. Hier ist offenbar nur die obere Partie der gesamten weiter im Norden vorhandenen Schichtenfolge 
aufgeschlossen. 

Im Tal des Salima- und Hammänaflusses baut sich die »Glandarienzone« nach O. Fraas aus mäch- 
tigen, hellen Kalksteinen und Dolomiten auf, welche auf 200—300 m Mächtigkeit geschätzt werden, und 
die nach oben in oolithische Mergel mit tonigen Zwischenlagen übergehen. 


') 1885. Cotteau, Echinides nouveaux, pag. 56, 57, 59, 60. 

2) 1878. Fraas, ©. Aus dem Orient, II, pag. 27—30. 

®) 1904. Felix. Die Anthozoenfauna des Glandarienkalkes. 

*%) Eine von Zumoftfen (siehe: 1893. Fritsch. Zumoffens Höhlenfunde im Libanon, Taf. V) ausgeführte pho- 
tographische Aufnahme des rechten Ufergehänges des Kelb-Flusses bei der im Bereich des Glandarienkalkes gelegenen 
Höhle von Antelias zeigt die prachtvolle, dort nahezu horizontale Bankung des letzteren. Noch deutlicher führen uns, 
das die schönen Photogravüren vor Augen, die das Reisewerk des Herzogs von Luynes schmücken, (Siehe im Litte- 
raturverzeichnis unter Lartet.) 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII. Io 


74 Lothar Krumbeck. [10] 


Die Verhältnisse des oberen Kelb-Tales beleuchtete Botta. Bezüglich der Ausbildung seines Cal- 
caire jurassique superieur bemerkt er im allgemeinen: »Un terrain calcaire, compose de grands blocs de 
calcaire caverneux, dont les couches superieurs contiennent de gros blocs de silex et des lits de la m&me 
matiere. Les assisses inferieurs n’en contiennent pas et ne sont remarquables que parles trous et les canaux 
irreguliers qui les traversent<. Ein oberer oolitischer Mergelhorizont wurde weder von ihm noch von 
Diener bemerkt. 

Zumoffen!) gibt von zwei wichtigen Fundorten, Bekfeja und Duar, in 850 2 und 1100 m über 
dem Meeresspiegel gelegen, folgende geologischen Notizen: Im Tale des Kelb- und Salimaflusses liegen 
zu unterst graue kompakte Kalke. Darüber folgt eine Bank aus gelblichem, oolithischem Kalk, welcher lokal, so 
bei Duar und Käkür, von zahllosen Terebrateln, Schwämmen, Resten von Krinoiden, Seeigeln und 
vor allem mit Stacheln von Cidaris glandaria Lang erfüllt ist. Zuweilen enthält dieser letztere Kalk 
dünne Lagen eines fossilreichen Tones. Er wird überlagert von dem petrefaktenlosen Trigoniensandstein 
der Kreide. 

Die tiefsten Glieder des Glandarienkalkes sollen nach den Berichten mehrerer Autoren am Unterlauf 
des Kelb-Flusses zu Tage streichen. Es ist die von Diener (siehe Seite 7) beobachtete Schichtenreihe, 
von welcher zum mindesten die beiden unteren Glieder eine ungewöhnliche lithologische Ausbildung 
zeigen. Zumoffen?) stellt das Auftreten von Glandarienkalk an der Kelb-Mündung entschieden in Abrede. 
Da obendrein noch Verwerfungen die Lagerungsverhältnisse komplizieren, so muß eine Beantwortung dieser 
wichtigen Frage der Zukunft vorbehalten bleiben. 

Eine kurze Zusammenfassung der aufgezählten Einzelbeobachtungen ergibt zum Schluß das folgende 
Bild: Der Glandarienkalk besitzt anscheinend eine Mächtigkeit von 200 bis 300 m. Er setzt sich im wesent- 
lichen aus lichten wohlgeschichteten Kalken und Dolomiten von marmorartisem Gefüge zusammen, die im 
Kelb-Tal kavernöse Struktur besitzen und im Salima-Tal reich sind an Stacheln von Cidaris glandaria. 
In ihren oberen Partien zeigen sich häufig Verkieselungen und oolithische Bildungen. Über diesen kompakten 
Schichten lagern in relativ geringer Mächtigkeit oolithische Mergel, welche lokale Einschaltungen von to- 
nigen Bänken aufweisen. Mergel sowohl wie Tone bergen eine überaus reiche Fauna. 


Gesteinsbeschaffenheit und Erhaltungszustand der Fauna. °) 


Eine Prüfung der Gesteine, welche den vorliegenden Fossilien anhaften, führt zur Unterscheidung 
der folgenden lithologischen Glieder: 

1. Harte, splitterige, an der Oberfläche meist bräunliche, im Innern meist graubraune oder hell- 
graue Kalke von feinem Korn und homogener Struktur. Sie sind im ganzen selten vertreten und enthalten 
nur wenige Muscheln und vereinzelte Schnecken. 

2. Harte, unregelmäßig brechende, braune oder graubraune Kalke von gröberem Korn als die 
vorigen, unrein, reich an verkieselten Petrefakten, seltener mit Kalkoolithen, In ihnen finden sich viele 
Schnecken, seltener Muscheln und Brachiopoden. 

3. Anscheinend selten vorkommendes Gestein, das aus kleinen, gleichartigen, kugeligen, stark 
eisenschüssigen Oolithkörnern besteht, die in eine homogene, kalkige Grundsubstanz eingebettet erscheinen. 

4. Muschelsand, ausgezeichnet durch das Überwiegen von braunen oder gelblichen Kalkoolithen von 
verschiedener Gestalt und häufig von beträchtlicher Größe. Er ist erfüllt mit Bruchstücken von Krinoiden, 
Brachiopoden, Korallen, Muscheln u. s. w. und enthält viele Muscheln, seltener Schnecken und Brachiopoden. 

5. Weiße Kalkmergel und Tone angefüllt mit feinen, gleichmäßigen, weißen Oolithkörnern. Reich 


an Brachiopoden, besonders an Kingenen. 


1) 1897. Zumoffen in Loriol, Notes pour servir a l’&tude.... Nr. VI, pag. 142, 143. 

2) 1902. In einer mir vorliegenden brieflichen Mitteilung an Blanckenhorn. 

3) Für die Sorgfalt, mit welcher der größere Teil der letzteren zusammengebracht wurde, mufß man Herrn 
Zumoffen aufrichtigen Dank wissen. Viele Stücke sind aus anstehendem Gestein herausgeschlagen worden und geben 
uns daher eine Reihe von petrographischen Anhaltspunkten. Herr Zumoffen unterzog sich ferner der Mühe, einen 
Ammoniten zu photographieren, der wegen seiner Gröfse als nicht transportabel erschien. 


[11] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 75 


Die Fossilien konnten bei Nr. I mühsam, aber in relativ gutem Erhaltungszustand herauspräpariert 
werden. Bei Nr, 2 bereitete das gröbere Korn des Kalkes erhebliche Hindernisse. In Nr. 4 zeigen die Ver- 
steinerungen leidliche, in Nr. 5 sehr befriedigende Erhaltung. Die Mehrzahl der schlecht konservierten 
Stücke hat durch Verwitterung gelitten. Abgerollte Individuen sind selten. 

Aus der Verteilung der Fundorte und des dort anstehenden Gesteines geht hervor, daß die große 
Scholle von Bekfeja, welche Diener!) auf seiner geologischen Karte als Trigoniensandstein verzeichnet, 
in ihrer östlichen Region zum mindesten der Sphäre des Glandarienkalkes in der Ausbildung als 
Kalke und oolithische Tone und Mergel angehört. Bekfeja selbst wird von Zumoffen?) ausdrücklich als 
auf dem Calcaire a cidaris (Glandarienkalk) gelegen bezeichnet. 


Paläontologischer Teil. 


Brachiopoden.’) 
Familie: Rhynchonellidae Gray. 
Gattung: Rhynchonella Fischer. 


Rhynchonella Drusorum n. sp. 
Taf. I, Fig. 1a—d, Fig. 2a—c, Fig. 3a—c. 


Maße: Höhe: 12, IL, Io, 9!/,, 9 mm. 
Breite: 14,12 017,010, 9 Am: 
Dicke: 8!/,, 7, 6, 6, 5), mm. 

Beschreibung: Diese kleine Form, welche stets breiter ist als hoch, besitzt Sedrungen ovalen 
bis länglich ovalen Umriß. Höhe und Breite zeigen obigen Maßen zufolge ein ziemlich konstantes Ver- 
hältnis. Immer befindet sich die größte Dicke um ein geringes über der bedeutendsten Breite. Die längere 
Hinterregion verjüngt sich in schneller Weise. Die kürzere Vordergegend erscheint breit und unregelmäßig 
abgestutzt. Die stark aufgeblasene Dorsalschale ist kräftiger gewölbt als die große Klappe. 

Das Gehäuse ist durchweg asymmetrisch. Niemals liest der Wirbel in der Mitte. Erzeugt wird 
diese Unregelmäßigkeit in der Schalenform durch das Variieren von Wulst und Sinus. Kein Individuum stimmt 
in der Ausbildungsweise der letzteren mit einem anderen überein. Denn bald ist der Wulst der kleinen 
Schale, entsprechend der verschiedenen Wölbung der letzteren, schwächer oder stärker, bald erscheint er 
mehr oder minder nach rechts oder links verschoben, kurz, nirgends bemerkt man völlige Symmetrie. Im 
allgemeinen und so vor allem bei relativ hohen und wenig gewölbten Formen wird dadurch keine besonders 
auffällige Änderung in der Gestalt der Schale bewirkt. Bei dicken, breiten und relativ niedrigen 
Stücken aber kann sich die Vorderresion an der einen Seite zu einer fast flügelartigen Verlängerung aus- 
wachsen. Ein Sagittalschnitt durch den Wirbel derartiger Individuen ergibt dann zwei ziemlich verschieden- 
artig, gestaltete Hälften. Solche Extreme finden sich indessen selten und sind aufausgewachsene Exemplare 
beschränkt. 

Der Schloßrand ist gerundet und geht meistens mit konkaver Biegung in die geraden Seiten- 
kommissuren über. Die Stirnnaht ist unregelmäßig gezackt. Der dorsalwärts emporgeschlagene Wulst weist 
nur bei vereinzelten Vertretern annähernd symmetrische Ausbildung auf. Der Aufßenrand wird durch die 
Rippen kräftig gekerbt. 


1) 1886. Diener. Libanon. 
2) 1902. In einer mir vorliegenden brieflichen Notiz an Blanckenhorn. 
®) Bei der Beschreibung wurden die Bezeichnungen vorn und hinten, unten und oben im gleichen Sinne an- 
gewendet, soweit sie auf eine und dieselbe Schale Bezug nehmen. 
10® 


-6 Lothar Krumbeck. [1 2] 


Der Schnabel, von kleiner und spitzer Form, ragt senkrecht oder manchmal schwach ventral- 
wärts zurückgebogen empor. In der Jugend schärfere, später jedoch ganz gerundete Kanten umerenzen die 
wenig vertieften seitlichen Areolen. Das schlanke dreieckige Deltidium umfaßt die kleine, ovale Stielöffnung. 

Von dem inneren Schalenbau erkennt man äußerlich an der kleinen Schale ein ziemlich 
langes, fadenartig feines Septum nebst den kräftig gebogenen Flügeln der Schloßplatte. Durch die Schale 
des Schnabels hindurch gewahrt man die geraden Zahnstützen und den von ihnen gebildeten Ring zum 
Durchtritt des Stielmuskels. 

Die Skulptur besteht aus IO-—ı4 teils gerundeten, teils gekielten Radialrippen, von denen 4—5 
dem dorsalen Wulst, 3—4 dem ventralen Sinus angehören. Die Rippen der gleichen Schale können ver- 
schiedene Ausbildung erlangen. Es ist eine besondere Eigentümlichkeit dieser Art, daß die Wirbelregion 
auch bei den kleinsten Individuen ganz glatt erscheint. Niemals erreicht eine der Rippen den Wirbel, 

Bemerkungen: Obgleich die Angehörigen dieser Spezies von verschiedenen Fundorten des Kelb- 
und Salimatals herstammen, zeigen sie keine sehr bedeutenden Abänderungen. Der Umstand, daß es eine 
größere Anzahl von in der Größe verhältnismäßig wenig variierenden Stücken ist, welche mir vorliegen, 
berechtigt wohl zu dem Schlusse, daß wir es hier zum Teil mit ausgewachsenen Exemplaren zu tun haben, 

Aus der Beschaffenheit des Stirnrandes ergeben sich verwandtschaftliche Beziehungen zu dem 
Formenkreise der Rhynchonella inconstans. Bezüglich der Größe und der Art der Berippung zwar weicht 
unsere Form von sämtlichen dahin zu zählenden Typen ab. Dennoch lassen sich einige leitende Gesichts- 
punkte gewinnen. Nach Abscheidung von Rhynchonella inconstans Sow., welche nach Haas!) in ihrer 
Verbreitung auf England und das nördliche Frankreich beschränkt sein soll, bleiben drei Haupttypen übrig: 
Rh. pinguis Röm., Rh. corallina Leym. und Rh. Astieriana d’Orb. Ein Vergleich mit dem reichen Material 
des münchner Museums zeigt zunächst, daß Ah. pPinguis Röm. wegen ihres starken, kräftig gebogenen 
Schnabels nicht in Betracht kommt. Auf Rh. corallina Leym. weist der gedrungene, allseitig abgerundete 
Umriß unserer Stücke hin, Ah. Astieriana d’Orb. scheint mit:Bezug auf die Steilheit ihrer Schnabelregion 
den Vorzug zu verdienen. Eine nähere Entscheidung läßt sich nicht treffen. 

Untersuchte Stärke: 24. 

Vorkommen: 5 von Schweir, Die übrigen aus dem Kelb- und Salimatal aus hellen, mergelig- 
tonigen Lagen. 

Sammlung: Zumoffen. 


Rhynchonella n. sp. 
Taf. I, Fig. 4a—c, Fig. 5a—b. 


Maße: Höhe: 8, 7, 61), mm. 
Breite: 7, 7, 6 mm. . 
Dicke; 6, 5!/,, 4 mm. 


Beschreibung: Das kleine, dreieckig abgerundete Gehäuse ist bei jüngeren Exemplaren flacher, 
bei ausgewachsenen Individuen hingegen fast kugelig gestaltet. Näher dem Vorderrande findet man die 
bedeutendste Breite, ungefähr auf halber Höhe liegt die größte Dicke, 

Die Dorsalklappe ist stärker und gleichmäßiger gewölbt als die große Schale, Stark auf- 
gebaucht fällt sie ringsum steil gegen den Außenrand ab. Ein Wulst ist gewöhnlich nicht vorhanden. 

Die Ventralschale ist nur mäßig dick. Sie besitzt vielfach einen nur schwach angedeuteten 
Sinus, der sich bald nach rechts, bald nach links verschoben zeigt und daher ungleichmäßig vertieft ist. 

Der gerundete Schloßrand schließt sich in kurzer, kräftiger Biesung an die geraden Seiten- 
nähte an. Die Stirnkommissur ist entweder gerade oder aber in dorsaler Richtung leicht aufgebogen 
und asymmetrisch gezackt. 

Der Schnabel ragt trotz seiner kräftigen Krümmung steil empor. Das zierliche, dreieckig gleich- 
seitige Deltidium umschließt eine relativ große, spitzovale Stielöffnung. Die durchsichtigen Schalen lassen 


!) 1889. Haas. Brachiopoden d. schw. Jura. Teil I, pag. 16 ff. 


[13] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 77 


einen Teil des inneren Baues zum Vorschein kommen: Dorsal ein sehr schmales, ziemlich langes 
Medianseptum und die tief ausgeschnittene Schloßplatte. Ventral die starken, leicht gebogenen Zahnstützen 
und den Ring für den Durchtritt des Stielmuskels. 

Die Skulptur besteht aus 25—30 feinen, geraden, nicht diehotomierenden, breit gerundeten Radial- 
rippen, die den Wirbel nicht erreichen und den Außenrand ziekzackartig kerben. In ihren Zwischenfurchen 
werden nicht selten feine Zuwachsstreifen sichtbar. 

Bemerkungen: Sämtliche Stücke dieser Art sind leicht verdrückt. Verwandtschaftliche Beziehungen 
bestehen vielleicht zu Rhynchonella Drusorum n. sp. Etwas Sicheres konnte in dieser Hinsicht nicht er- 
mittelt werden. 

Untersuchte Stücke: 6. 

Vorkommen: Von Schweir 2, von Bekfeja 2, von Duar 2 aus bräunlichen und hellen Ton- 
mergeln. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Terebratulidae King. 
Gattung: Terebratula Klein. 


Terebratula asiatica n. sp. 
Taf. I, Fig. 60a —-d. 


Maße: Höhe: 35, 25 mm. 
Breite: 32, 22 mm. 
Dicke: 2I, 13 mm. 

Beschreibung: Mittelgroßer Brachiopode, fast so breit wie hoch, ziemlich stark aufgeblasen. Die 
größte Dicke liegt oberhalb der halben Höhe, die stärkste Breite nähert sich dem unteren Schalendrittel. 
Karakteristisch wirkt in der Vorderansicht der spitze Wirbel in Verbindung mit der nach unten breit aus- 
ladenden Mittelregion, unter welcher der sehr niedrige unterste Schalenteil kaum zur Geltung gelangt. 
Kurz, die ausgesprochen keilförmige Gestalt. 

Die kleine Klappe ist breiter als hoch und zeigt bedeutendere Breiten- als Längenkrümmung. 
_ Ihre in der Mitte flachere Wölbung verstärkt sich energisch auf den Flanken. Nach vorn hin zeigen sich drei 
seichte Furchen. Auf den Seiten zwei breite, etwas tiefer eingeschnittene, in der Mitte eine ganz flache. Die 
“ Furchen sowie die beiden schwachen Falten beginnen erst unterhalb der Mitte. 

Die große Klappe ist schmaler als hoch. Auf ihrer vorderen Hälfte bemerkt man eine breite, 
flache Falte begrenzt von zwei schmaleren, wenig tiefen Längsfurchen, die den korrespondierenden Gebilden 
der Oberschale entsprechen. 

Der Schloßrand ist mäßig gerundet und setzt sich unter schwacher Einbiegung in die Seiten- 
nähte fort. 

Der starke, spitze, hocherhobene Schnabel ist kräftig gebogen und trägt zwei seitliche nicht scharf 
markierte Kanten. Die Stielöffnung ist klein und oval gestaltet. Das Deltidium kommt deutlich zum 
Vorschein. 

Schalenstruktur: Eine der tieferen Schalenlamellen zeigt im oberen Teil gerade, gegen unten 
hin gewellte, feine Radialstreifen. Die Punktierung besitzt sehr regelmäßige Anordnung. 

Bemerkungen: Exemplare von Terebratula Bauhini Etallon und T. ovoides Sow., wie sie von 
Haas!) und Quenstedt?) abgebildet werden, bieten beim ersten Anblick mancherlei Ähnlichkeit dar. 
Die nähere Prüfung; erweist sie jedoch als unverwendbar zu näherer Vergleichung. Auf Tafel RING Eis 5 
und 6, seiner zitierten Brachiopodenarbeit bringt Haas die Abbildung zweier Jugendexemplare von 
T. Zieteni Loriol aus den Badener Schichten von Baden. Vielleicht gibt uns die Ähnlichkeit dieser Formen 


1) 1893. Haas. Brachiopoden d. schw. Jura. Bd. III, Taf. XXII, Fig. 2 a, b. 
2) 1891. Quenstedt. Die Brachiopoden. Atlas, Taf. NLIX, Fig. 103. 


78 Lothar Krumbeck. [14] 


mit einer jungen T. asiatica einen Anhalt für verwandtschaftliche Beziehungen. Die Vergleichung unserer 
Form mit ausgewachsenen Exemplaren von 7. Zieteni Lor. führte indessen zu negativem Ergebnis. 


Untersuchte Stücke: 2. 
Vorkommen: Im Kelb- oder Salimatal in hellen, anscheinend tonigen, oolithischen Gesteinen. 


Sammlung: Zumoffen. 


Terebratula Bauhini Etallon. 
Taf. I, Fig. 7a—d, Sa—d. 
Synonyme: 


1862. Terebratula Bauhini, Etallon. Lethea bruntrutana, pag. 285, Taf. XLI, Fig. 6. 
1862. Terebratula moravica, Etallon. Lethea bruntrutana, pag. 286, Taf. XLI, Fig. 8. 
1867. Terebratula Bauhini, Moesch. Aargauer Jura, pag. 158, 171. 


1886. » » Douville. Sur quelques Brachiopodes du terr. jur., pag. 76, Taf. I, Fig. 7. 

1888. > » de Loriol. Couches coralligenes de Valfin, pag. 336, Taf. XXXVII, Fig. 10—12. 
1891. » » de Loriol. Couches corall. inf. du Jura bernois, pag. 359, Taf. XXXVI, Fig. 16—20. 
1893. > cf. » Haas. Brachiopodenfauna d. schw. Jura, pag. 117, Taf. XXI, Fig. I—4. 

1893. » » Siemiradzki. Oberer Jura in Polen, pag. 138. 

1896. » » Semenow. Faune des dep. jur. de Mangyschlak, pag. 47. 


Maße: Höhe: 23, 29, 32, 38 mm. 
Breite. 20, 22, 25, 24 mm. 
Dicke: II, 13, I6, 19 mm. 


Beschreibung: Das Gehäuse der vorliegenden Art ist länglichoval bis fünfeckig, meistens 
bedeutend höher als breit, in der Jugend flach und gewinnt mit zunehmender Größe anscheinend bedeutend 
an Höhe, Stets liegt die Region der größten Breite etwas unter der halben Höhe, die Stelle der bedeutendsten 
Dicke aber darüber. 

Die kleine Klappe ist in der Jugend schwach gewölbt, bei großen Stücken dagegen besonders 
in der Wirbelregion kräftig aufgeblasen. Ihre im großen Ganzen gleichmäßige Krümmung wird durch zwei 
breite, flache Furchen unterbrochen, die unterhalb der Mitte beginnen und beiderseits den Stirnrand be- 
grenzen. Sie modellieren aus der Ventralschale den Stirnsinus heraus. 

Die große Klappe zeigt gleichmäßig kräftige Wölbung. Zwei schwach markierte Falten ziehen 
aus der Gegend unterhalb der Schalenmitte als Begrenzung der Stirnbucht gegen den Vorderrand. 

Die Schloßkanten laufen unter einem Winkel von etwa I20° zusammen und vereinigen sich 
unter schwacher Einbiegung mit den Seitennähten: Letztere gehen wieder unter ziemlich kräftiger Aus- 
biegung in den Stirnrand über, welcher einfach aufgebogen ist. 

Der Wirbel ist in der Regel ziemlich hoch, gerade emporstrebend mit ziemlich kleiner, kreisrunder 
Öffnung. Der Wirbelhals zeigt mäßige Verdickung. Unter dem Schnabelloch kommt ein ziemlich großes, 
dreieckiges Deltidium zum Vorschein. 

Die Schale erscheint glatt bis auf eine Anzahl gröberer Anwachslinien. Zuweilen macht sich eine 
feine radiäre Streifung bemerklich, die einer tiefer gelegenen Schalenschicht angehört. 

Bemerkungen: Kleine Individuen zeigen vielfach noch gar keine Sinusbildung. Die Wölbung 
der großen Schale unterliegt erheblichen Verschiedenheiten. Mittelgroße Stücke sind mehrfach schwächer 
gebogen als kleine Exemplare. Die vorliegende Form muß ohne Zweifel mit Terebratula Bauhini Loriol 
identifiziert werden. Ein Vergleich mit den Beschreibungen von Loriol und Etallon, insbesondere mit 
den von ersterem Autor gegebenen Abbildungen, zeigt das aufs deutlichste, Auch das reiche Material der 
münchner Staatssammlung verschafft uns weitere Gewißheit. Manche Stücke von Yonne und Valfin sind 
von den vorliegenden kaum zu trennen. Eine Vergleichung von zahlreichen mir vorliegenden Jugendformen 
aus dem Formenkreise der Terebratula moravica Glockner, T. repeliniana d’Orb., T. cyclogonia Zeusch,, 
mit 7. Bauhini Lor. führt zu der Erkenntnis, daß die prägnanten Artunterschiede sich häufig erst bei 
ausgewachsenen Individuen mit aller Deutlichkeit herausbilden, und daß die auf Jugendformen gegründeten 
Bestimmungen mit großer Vorsicht aufzunehmen sind. So ähneln z. B. kleine ‚Exemplare unserer Art zum 


[15] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 79 


Verwechseln solchen von 7. cyclogonia Zeusch. aus dem Kelheimer Diceraskalk. Anderseits lassen sich 
mittelgroße Individuen der letzteren Spezies absolut nicht trennen von gleichgroßen Stücken von 7, Bauhini 
Lor. aus dem weißen Kalk von Valfın. 

Am Schluß seiner Betrachtungen über die Beziehungen von T. Bauhini zu anderen Formen zieht 
Loriol!) die Richtigkeit der Bestimmung einer von Schlosser‘) als 7. repeliniana d’Orb. beschriebenen 
und abgebildeten Form in Zweifel. Das Original scheint mir bei näherer Besichtigung jedoch alle Merkmale 
der Repeliniana zu besitzen. Ebenso erweist sich die von Schlosser’) gebrachte T. moravica Glock. 
als typischer Vertreter der Glocknerschen Spezies, Loriol hatte sie gleichfalls seiner T. Bauhini zu- 
gerechnet. 

T. Bauhini Loriol, eine Form von starker horizontaler Verbreitung, findet sich im: Rauracien 
des Berner Jura, Astartien von Solothurn,*) Aargau,°) Süd-Baden, Pterocerien von Valfıin, Rauracien von 
Haute-Saöne, Polen, Astartien von Mangyschlak. 

Untersuchte Stücke: 10. 

Vorkommen: 2 von Schweir, Die übrigen von verschiedenen Fundstellen des Kelb- und Salima- 
tales aus hellem, mergeligem oder braunem, kalkig-tonigem Gestein. 


Sammlung: Zumoffen. 


Terebratula beirutiana n. sp. 
Taf. I, Fig. 9a—d. 
Maße: Höhe: 40, 3I mm. 
Breite: 33, 25 mm. 
Dicke: 25, IQ mm. 


Beschreibung: Das mittelgroße, fünfseitig abgerundete Gehäuse ist länger als breit. Etwas 
über der halben Höhe liegt die größte Dicke, ein wenig unter der ersteren die bedeutendste Breite, Beide 
Schalen sind gleichmäßig und stark gewölbt. 

Die kleine Klappe, der Breite nach stärker gekrümmt als die Ventralschale, schwillt in der 
Mitte am kräftigsten an. Gegen den Stirnrand hin ziehen sich zwei kurze, seichte Lateralfurchen und eine 
schmalere Medianfurche hinab, zwischen denen sich zwei kurze, gerundete Falten erheben. 

Die große Klappe ist in der Längsrichtung stärker gekrümmt als die Dorsalschale, in der 
Breitenerstreckung aber schwächer. Unterhalb der Mitte verschmälert sie sich zu dem mittelmäßig breiten 
‚Stirnrand. Man bemerkt hier zwei flache Depressionen und eine kurze, schwach angedeutete mittlere Falte. 

Der Schloßrand bildet einen mäßig stumpfen Winkel. Die Seitenkommissuren biegen ventralwärts 
ziemlich tief aus. Die Stirnlinie zeigt eine leichte Doppelfalte. 

Der breite, gerundete, hochragende Schnabel legt sich ziemlich kräftig nach vorn über, so daß 
er über den Wirbel der Dorsalklappe um ein relativ bedeutendes Stück hinausragt. Die rundlich-ovale Stiel- 
öffnung läßt trotz ihrer beträchtlichen Größe das Deltidium deutlich hervortreten. Letzteres wird durch eine 
geringe Kallosität verunstaltet, die dem unteren Rande des Loches gleichsam als Stütze dient. Die schwachen 
Schnabelkanten bilden eine Areola. 

Die Schalenoberfläche ist glatt bis auf einige nur schwach hervortretende Zuwachsstreifen. 
Tiefere Schalenlamellen zeigen irregulär verlaufende, leicht gewellte Radiärrippchen. 

Bemerkungen: Bei dem Versuche, diese biplikate Form in das große Heer europäischer zwei- 
gefalteter Formen einzureihen, nahm ich die von Rothpletz®) vorgeschlagene Einteilung zum Ausgangs- 
punkt. Dabei ergab sich ihre Zugehörigkeit zu der »Grandis-Sippe«, welche als Unterart für den Malm die 


1) 1888. Loriol. Couches corall. de Valfin, p. 337. 

2) 1881. Schlosser. Kelheimer Diceraskalk, p. 200. 

®) 1881. Schlosser. Das Obige. 

4) 1867. Moesch. Aargauer Jura, p. 158, 171. 

5) 1893. E. Greppin. Couches d’Oberbuchsitten, p. 94, Taf. VII, Fig. 5, ©. 
‘%) 1887. Rothpletz. Monographie d. Vilser. Alpen, p. 75. 


go Lothar Krumbeck. [16] 


varietätenreiche Terebratula bisuffarcinata Schlotheim aufweist. Die Fülle von Unklarheit, welche bezüglich 
des Formenkreises dieser Art herrscht, findet ihren Ausdruck in der verschiedenartigen Auffassung ihrer 
Unterarten und Varietäten bei deutschen, französischen und italienischen Autoren. Für den Nichtspezialisten 
ist es daher zweckmäßiger, auf die älteren, grundlegenden Autoren zurückzugreifen. Als unserer Form ver- 
wandt treffen wir die T. bicanaliculata Qu. aus dem weißen Jura von Zwiefalten. Quenstedt!) läßt 
dieses Stück indessen nur als eine nach unten verbreiterte Abänderung der T. bisuffarcinata Zieten gelten. 
Diese starke Verbreiterung der Unterregion und die relativ schwache Faltenbildung haben nun unsere 
Stücke mit T. bicanaliculata Qu. gemeinsam. Anderseits weichen sie vormöge der starken Wölbung der 
Oberschale und durch die für Bisuffarcinaten ungewöhnliche Art der Schnabelbildung von dem Quen- 
stedtschen Typ nicht unerheblich ab. Auch mit den Bisuffarcinaten des Glandarienkalkes hat 7. beirutiana 
nur wenige Berührungspunkte. 

Untersuchte Stücke: 3. 

Vorkommen: Kelbtal, Salimatal, in hellen, mergeligen, oolithischen Ablagerungen. 


Sammlung: Zumoffen. 


Terebratula bisuffarcinata Schloth. 
Taf. I, Fig. 104—d. 
Synonyme: 


1820. Terebratulites bisuffareinatus Schlotheim. Petrefaktenkunde, pag. 279. 
1871. Terebratula bisuffarcinata Quenstedt. Die Brachiopoden, pag. 394, Taf. 49, Fig. 22—23. 


1876. 5; 5 de Loriol. Couches de Baden, pag. 167, Taf. 23, Fig. 6—7. 

1886. 5 5 Douville. Brachiopodes du terr. jur., pag. 84, Taf. 3, Fig. 3. 

1890. 5 " Neumayr. Zur Geol. u. Pal. Japans. Naumann u. Neumayr, pag. 33, Taf, 5, Fig. 4. 
1893. 5 M Haas. Brachiopodenfauna d. schw. Jura, pag. 127. Taf. 18, Fig. I—6. 


Maße: Höhe: 28 mm. 
Breite: 20 >» 
Dicke: I6 » 

Bemerkungen: Von dieser Art liegt ein Stück von Schweir vor, das in der Form des Schnabels 
Merkmale vorgeschrittenen Alters erkennen läßt. Es reiht sich den beiden größeren Jugendexemplaren an, 
die von Blanckenhorn?) als Terebratula bisuffarcinata Schloth.? beschrieben wurden. Von dem von 
letzterem Autor durch Fig. 8 veranschaulichten Typ unterscheidet sich das vorliegende Stück durch die 
schmalere, zusammengedrückte Form, durch die stärkere Wölbung seiner Dorsalschale sowie durch die 
flacheren, eng aneinander gerückten Stirnfalten. 

Blanckenhorn stellte diese Art mit Recht dem Formenkreise der T. bisuffarcinata zu. Nach 
meinem Erachten dürfen jedoch nur die durch Fig. 8 und Fig. 9 dargestellten Stücke als sicher hierher 
gehörig betrachtet werden. Letztere und das Exemplar von Schweir reihen sich zwanglos dem Schlot- 
heimschen Originaltypus an. Eine Prüfung des sehr reichhaltigen, aus der Gegend von Amberg stam- 
menden Materials des münchner Museums legt dafür beredtes Zeugnis ab. Eine eingehende Beschreibung 
dieser libanesischen Art findet sich bei Blanckenhorn. (loc. eit.) i 

T. bisuffarcinata Schloth. ist eine Form von weiter horizontaler und vertikaler Verbreitung. Sie 
findet sich im: S&quanien der Schweiz, Oxfordien, Sequanien und Kimmeridgien von Franken,?) Sequanien 
von Sachsen,t) Oxfordien von Böhmen?) und Oberschlesien,®) vielleicht auch in Polen?) und im Kaukasus.?) 


1) 1871. Quenstedt. Brachiopoden, pag. 394. 

2) 1891. Blanckenhorn. Kreidesystem in Syrien, pag. I5, Taf. 2, Fig. S—-II. 
3) 1870. Guembel. Frankenjura, pag. 99#. 

*) 1885. Bruder. Jura von Hohnstein in Sachsen. 

5) 1881. Bruder. Jura von Sternberg, pag. 38. 

) 1870. Roemer. Geologie von Oberschlesien, pag. 259. 

”) 1893. Siemiradzki. Oberer Jura in Polen, pag. 136. 

®) 1892. Neumayr und Uhlig. Jurafossilien im Kaukasus, pag. 12. 


[17] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna_ des Glandarienkalkes. 8ı 


Die von Sueßt!) beschriebene Form scheint mir unserer Art‘ nicht anzugehören. Dagegen: muß _die von 
Neumayr aus Japan beschriebene Species wahrscheinlich hier angeschlossen werden. 

Untersuchte Stücke: ı. 

Vorkommen: Schweir im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Terebratula curtirostris n. sp. 
Taf. I, Fig. Iıra-d, Taf. I, Fig. 1a—c. 
Maße: Höhe: 24, 2I, IS, 15 mm 

Breiter >21 WE ro T3 > 
Dieke-107,.131512, 100,3 

Beschreibung: Diese Spezies ist rundoval, längsoval oder subpentagonal. Größere Stücke er- 
scheinen im Verhältnis zur Höhe breiter als Jugendformen. Die größte Dicke hält sich im allgemeinen 
etwas über der halben Höhe. Die bedeutendste Breite befindet sich in der Jugend näher dem Vorderrande. 
Mit vorschreitendem Wachstum verlagert sie sich indessen mehr gegen die Mitte hin. Zwischen der Höhe 
und Dicke ergeben die obigen Messungen ein konstantes Verhältnis von 3:2, Das Gehäuse erhält durch 
die starke Ausbildung der dritten Dimension ein gedrungenes Aussehen. , 

Die Dorsalschale. ist. durchschnittlich ebenso breit wie hoch. Etwas unterhalb des Wirbels 
erleidet sie eine bauchähnliche Anschwellung, welche für die Gestalt unserer Art typisch ist. Die Schalen-: 
ränder ziehen sich. allseits konvex zu den Nähten herab. Nur an den Ecken der kurz und breit abgestutzten 
Unterregion zeigen sich zwei ganz kurze, schwache Depressionen. Ihnen entspricht ein kurzer, faltenloser 
Sinus der großen Klappe. 

Die kräftig gewölbte Ventralschale zeigt eine in der Längsrichtung stärker akzentuierte Aufschwel- 
lung, der mittleren Schalenpartien. Der Stirnrand verläuft entweder gerade oder in leichter dorsaler Aufbiegung. 

Der Schloßrand bildet einen sehr stumpfen Winkel. Die Seitennähte zeigen sich in ventraler 
Richtung flach ausgebogen und steigen ziemlich steil zu der einfach geschwungenen Stirnkommissur empor.‘ 

Den Schnabel findet man bei kleinen Individuen kräftig ausgebildet, bei. größeren relativ schwach 
entwickelt... Er erscheint kaum mittelgroß, mäßig gekrümmt und allseits gerundet. Die kreisrunde Stiel- 
öffnung von mittlerer Größe verdrängt fast vollständig das Deltidium, 2 

: Die glatte Schalenoberfläche wird gegen den Außenrand hin von groben Zuwachsstreifen 
"unterbrochen. Die Perforationen sind sehr zahlreich, sehr fein und von länglich-ovalem Umriß. 

Bemerkungen: Trotz ihrer Kleinheit machen die größten der vorliegenden Stücke einen ziemlich 
ausgewachsenen Eindruck. Von ähnlichen Formen kommen hier nur in Betracht T. Gallienei d’Orb. 
und T. Bourgueti Et., wie sie von Douvill&?) aus der Cordatenzone Ostfrankreichs und aus dem Rauracien 
von Chätel-Censoir abgebildet werden. Von beiden Arten unterscheidet sich unsere Spezies nun von vorn- 
herein durch relativ geringere Höhe. T. Gallienei d’Orb. ist eine biplikate Form, unsere Stücke sind typisch 
uniplikat. Noch weitere Unterschiede lehrt das aus dem französischen und schweizerischen Jura herbeigezogene. 
Vergleichsmaterial des münchner Museums.. Es finden sich bei 7. Gallienei bedeutenderer Dickendurch- 
messer bei relativ geringerer Breite, andere Beschaffenheit des Schnabels, welcher, wie auch Haas?) hervor. 
hebt, durch zwei Arealkanten begrenzt wird, und dessen kleines Loch das Deltidium deutlich hervortreten 
läßt. Schließlich ist noch die abweichende Gestalt der Perforationen zu erwähnen, welche die Form eines 
kurzen sich an den Enden verjüngenden Striches besitzen. Weit näher steht unserer Art 7. Bourgueti Et., 
aber auch hier machen sich wieder einige Unterschiede geltend, Letztere ist nach Douville uniplikat, 
nach Haas?) aber biplikat, Douvill&s Abbildungen zeigen ferner längere, schmalere Formen mit spitzer 
zulaufendem Schloßrand und mit stärker gekrimmtem Wirbel. 

1) 1858. Sueß. Brachiopoden d. Stramberger Schichten, pag. 25, Taf. ı, Fig. I—3. 

2) 1886. Douville. Quelques brachiopodes du terr. jur., pag. 74, Taf. I, Fig. I, 4, 5, pag. 63, Taf. 1, Fig, 1. 

®) 1893. Haas. Brachiopoden d. schw. Jura, pag. II3. 

“) 1893. Haas. In obigem, pag. II5, Taf. 15, Fig. 5—10. 

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII. II 


82 Lothar Krumbeck. iR 8] 


T. Bourgueti Et. findet sich im: Rauracien des Berner Jura,!) von Yonne,?) Boulogne,?) Polen,*) des 
Aargaus.’) 

Untersuchte Stücke: 7. 

Vorkommen: Duar im Kelbtal, Mär Eljas im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Terebratula longisinuata n. sp. 
Taf. I, Fig. 124—d, Fig. 13 a—d. 
Maße: Höhe: 36, 32, 30, 28, 26, I7 mm. 
Breite: 30, 26, 27, 24, 22, 16 » 
Drkellgag io, S, MO, Mi 8 > 

Beschreibung: Dieser Typ von karakteristischem fünfseitigem Umriß ist nur wenig höher als 
breit. Die Region der größten Breite wechselt. Bald liegt sie über, bald auf, manchmal auch unterhalb 
der Schalenmitte. Die bedeutendste Dicke fällt stets in die obere Schalenhälfte. . Gegen unten hin zeigen 
sich sämtliche Stücke stark verschmälert, 

Die Dorsalschale ist meistens konvex, in selteneren Fällen aber auch konkav gewölbt. Ihre 
obere Partie entsendet schräg nach unten zwei sehr breite Furchen. Letztere sind bei jungen Exemplaren 
flach. Mit zunehmender Größe und Dicke des Gehäuses vertiefen sie sich jedoch derart, daß die Ventral- 
schale in ihrer Unterregion auf einen verhältnismäßig schmalen, langgestreckten Sinus beschränkt wird. 
Die Dorsalschale erfährt so auf Kosten der Ventralschale eine erhebliche Vergrößerung. Bei der Hälfte 
der vorliegenden Stücke tritt zwischen den beiden Seitenfurchen der kleinen Klappe eine schmale Mittel- 
furche auf. Sie findet ihr Analogon in einer leichten Mittelfalte der großen Klappe. 

Die Ventralschale zeigt verschiedene Grade von Wölbung. Meistens umfaßt sie in gleichmäßiger 
Krümmung, die sich einem Halbkreise nähern kann, die bedeutend niedrigere kleine Klappe. Der Umstand, 
daß ihre breite Oberregion sich oft schon oberhalb der Mitte in die langgestreckte Stirnbucht verjüngt, 
verleiht ihr vor allem in der Rückansicht ein höchst bezeichnendes Aussehen. 

Der kräftig gerundete Schloßrand vereinigt sich unter leichter Einbiegung mit den Seitenkom- 
missuren. Letztere wieder sind in ventraler Richtung sehr stark ausgebuchtet. Die Stirnnaht erscheint 
einfach emporgeschlagen oder doppelt. gefaltet. 

Der relativ kleine, allseits gerundete Schnabel ist derart gebogen, daß die kreisrunde. mittel- 
große Stielöffnung genau nach vorn blickt. Das Deltidium kommt nur wenig zum Vorschein. 

Skulptur: Abgesehen von einer Anzahl von kräftig entwickelten Anwachsstreifen, zeigen tiefere 
Schalenlamellen eine große Anzahl zierlicher, gerader oder gewellter Radialstreifen. 

Bemerkungen: Die beschriebene Art gehört ohne Zweifel zum Formenkreise der Terebratul« 
subsella Leym, Man findet bei beiden Arten den gleichen Kontrast in der Wölbung der großen und der 
kleinen Schale, ferner dieselbe Bauart der Wirbelregion und des Schloßrandes. Der Hauptunterschied liegt 
für unsere Form in der tiefen ventralen Ausbuchtung der Seitenkommissuren, insofern sie zur Bildung des 
typischen langgezogenen Sinus der Unterschale führt. Für T. longisinuata kommt dann noch die zier- 
lichere Gestalt des Schnabels mit dem kleineren Schnabelloch in Betracht. 

Besonders nahe steht unserer Spezies die von Dacqu£°) aus dem Kimmeridgien des Somalilandes 
beschriebene Art, die mir in großer Anzahl zur Verfügung steht. Der Autor identifiziert diese Form mit 
T. subsella Leym. Ich bin geneigt, in ihr einen neuen Typ zu erblicken, der in seinen zahlreichen lokalen 
Variationen starke Anklänge zeigt an T. subsella Leym., aber auch z. B. an T. farcinata Douwville. 


1) 1861, Thurmann und Etallon. Lethea bruntrutana, pag. 286, Taf. 41, Fig. 7. 
2) 1893. Haas. Jurass. Brachiopodenfauna, pag. 116. 

3) 1886. Douville. Quelques Brachiopodes, pag. 75. 

*) 1886. Douville. Wie obiges. 

5) 1893, Siemiradzki. Oberer Jura in Polen, pag. 137. 

%) Die betreffende Arbeit liegt noch nicht gedruckt vor, 


[19] Die Brachiopoden und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 83 


Erwähnt sei ferner die bedeutende Ähnlichkeit unserer Art mit 7, sella Sow., wie sie Davidson!) 
aus dem Grünsand der Insel Wight abbildet. Hier sind es hauptsächlich Verschiedenheiten in der Bildung 
von Schnabel und Schloßrand, welche die beiden Spezies trennen. 

Untersuchte Stücke: Io. 

Vorkommen: Kelbtal und Salimatal in hellen, oolithischen Mergeln und Tonen, 

Sammlung: Zumoffen. 


Terebratula phoeniciana n. sp. 
Taf. I, Fig. 14a—d, Taf. II, Fig. 2a—c. 
Maße: Höhe: 31, 30, 26 mm. 

Biete: 20, 20, aA 8 
Diekens1o,nS > 

Beschreibung: Die vorliegende Spezies ist von rundlich-ovaler oder subpentagonaler Gestalt. 
Ihre Höhe übertrifft die Breite nur wenig. Die größte Breite befindet sich stets ein wenig unter der stärksten 
Dicke. Beide Schalen sind kräftig gewölbt. 

Die kleine Klappe, etwas breiter als lang und von beinahe kreisrunder Form, wird in ihrer 
unteren Partie durch drei Furchen schwach modelliert. Gewöhnlich übertrifft die mediane Furche die seit- 
lichen an Breite, während die letzteren etwas tiefer eingebuchtet erscheinen. Zwischen diesen Depressionen 
erheben sich zwei kurze Falten. 

Die große Klappe ist von länglicher Gestalt. Ihre Schale fällt von dem median kräftig auf- 
geschwollenen Wirbelbug in gleichmäßiger Konvexität nach dem Außenrande ab. In der Unterregion 
bewirken die ventralwärts einspringenden Lateralfurchen der Dorsalschale die Bildung eines kurzen, schwach 
gefalteten Sinus. 

Der Schloßrand bildet einen ziemlich stumpfen Winkel. Die Seitenkommissuren sind ventral- 
wärts schwach eingebogen. Die Stirnnaht ist doppelt gewellt. 

Der kräftige, aber nicht sehr stark gebogene Schnabel trägt eine ziemlich weite Schnabelöffnung. 
Das Deltidium kommt deutlich zum Vorschein. Das Armgerüst kennzeichnet sich äußerlich durch drei 
fast gleichlange Streifen auf der Dorsalschale. Am Wirbel der letzteren schimmern die starken, wenig ge- 
bogenen Schloßplatten durch. 

Bemerkungen: Das kleinste der gemessenen und abgebildeten Exemplare besitzt einen relativ 
stark gefalteten Stirnrand wie man ihn in ähnlicher Ausbildung bei T. sudsella Leym. antrifit. Von 
T. orbiculata Roem., welche mir aus dem münchner Museum aus dem Argovien von Dives bei Calvados 
vorliegt, unterscheidet sich 7. phoeniciana durch stärkere Wölbung, stumpferen Schloßrand und geringere 
Krümmung des Wirbels. Eng sind dagegen ihre Beziehungen zu 7. Baltzeri Haas.) Dieser Autor bildet 
neben Stücken mit ganz glattsm Stirnrande auch gefaltete Exemplare ab. Dieser Umstand nun in Ver- 
bindung mit einer allgemeinen Ähnlichkeit der Umrisse scheint mir die Annahme verwandtschaftlicher Be- 
ziehungen zwischen letzterer Form und T. phoeniciana zu rechtfertigen. Größere Dicke und steilere 
Schnabelstellung weisen unserer Art eine eigene Stellung zu. 

T. Baltzeri Haas findet sich im Astartien des Aargaus. 

Untersuchte Stücke: Io. 

Vorkommen: Kelbtal und Salimatal in hellem oolithischem Kalkmergel. 

"Sammlung: Zumoffen. 

Terebratula sannina n. sp. 
Taf. II, Fig. 3a—d, Fig. 4a—c, Fig. 5a—c. 
Maße: Höhe: 21, IQ, Ig, I4 mm. 
Breite: 16, I6, IS, II » 
Dicko-Srr Bow 9,7 > 

») 1852. Davidson. British fossil Brachiopoda, Bd. I, pag. 59, Taf. 7, Fig. 4—10. 

2) 1893. Haas. Brachiopodenfauna d. schw. Jura, pag. 136, Taf. 19, Fig. 1—2, II—14. 

DL: 


84 3 BEEH Lothar Krumbeck. . [20] 


Beschreibung: Das. kleine"fünfseitig bis dreieckig gerundete Gehäuse von bald schlankerer, bald 
plumperer. Gestalt ist. stets um. ein Beträchtliches höher als breit. Seine größte Dicke liegt in der oberen 
Schalenhälfte, die bedeutendste Breite hingegen -in der unteren. Gegen” den Birsel hin’ ne, sich das 
Gehäuse ganz allmählich zu. Die Vorderregion erscheint kurz abgestutzt. !ssarsin 

Die Dorsalschale:i zeigt je nach der Art ‘der Wölbung zwei Haupttypen. ° Ist: sie‘stärker auf- 
geblasen, so tritt die Wirbelregion an Bedeutung zurück, der Schnabel erscheint dann. klein und wenig 
gekrümmt. Bei geringerer Aufbiegung der Schale gewinnt die Wirbelpartie an Bedeutung. Unterhalb der 
Schalenmitte entspringen zwei flache laterale und eine tiefere mediane Furche und erteilen dem Unterrande 
seine karakteristische Doppelfaltung. Je nach der Beschaffenheit der Furchen sind nun die Falten hoch 
und schmal oder niedrig und breit. Ist‘ die Medianfurche breit und tief, so erhalten die Falten leicht 
etwas Zugeschärftes. SERCL SU ER 

Die Ventralschale von gleichmäßiger Wölbung und nicht sehr bedeutender Dicke fällt ziemlich 
‚schroff gegen den. Außenrand hin ab. Eine Medianfalte, die sich- selten’ bis über-die Schalenmitte hinauf 
verfolgen:-läßt, und zwei kürzere seitliche Furchen entsprechen den Furchen und. Falten der anderen Schale. 

Der Schloßrand ist im allgemeinen kräftig gebogen und geht unter leichter -Einbiegung. in die 
Seitennähte über. Letztere‘ verlaufen bis zum vorderen Schalendrittel etwa ‘gerade, um 'dann inach kurzer 
aber kräftiger ventraler Ausbiegung”zu den Falten .des Vorderrandes emporzuziehen. Die Stirnkommissur 
besitzt von vorn gesehen ‚die Gestalt eines verkehrt gestellten: lateinischen W; I ER 

Der Schnabel von mäßiger Größe ist nicht sehr kräftig gebogen. Der Wirbelhals: zeigt starke 
Entwicklung. Eine: leichte. Andeutung ‘von Schnabelkanten wurde nur ‘in einem Falle heobacliteh Die 
mittelgroße Stielöffnung verhindert bei kurzem Schnabel die Ausbildung eines’ Deltidiums. . ri 

Bis-auf eine-Anzahl grober Anwachsstreifen‘ist die Schalenoberfläche glatt. An Auichstten 
Schalen gewahrt man die langen, nicht sehr starken Schloßplatten. re 

'Bemerkungen:. Die vorliegende Art zeigt in der Größe und in der Ausbildung der Falten im 
allgemeinen konstante Merkmale. Sie ist deshalb sehr leicht von anderen Spezies zu unterscheiden.’ Da- 
gegen gelang. es. mir nicht, sie mit Formen aus (dem weißen Jura in Verbindung zu bringen. Es zeigten 
sich ‘vielmehr nur Anklänge an Terebratula longiplicata Oppel aus dem Kallovien von Salins, departement 
‚Jura. Sieht man-ab von dem nicht unbedeutenden Größenunterschied, so läßt sich ziemliche Übereinstim- 
mung der beiden Arten feststellen bezüglich der allgemeinen Form, der Beschaffenheit der Falten und 
‘der Gestalt des Wirbels Exemplare der münchner Staatssammlung geben dafür sicheten! Anhalt. 

Untersuchte Stücke: 13. 2 Ze sim. Gabe gr92 

Vorkommen: Kelbtal und Salimatal, aus ; bräunlichen “oder hellen Kalken und Mergeln. 

Sammlung: zumuten ” 


_ Terebratula subsella Leymerie. 
Taf. II, Fig. 6&a—d, Fig. 7a—-d. 
Synonyme: 
1846. Terebratula subsella Leymerie. Statistique geol. de l’Aube, pag. 249, Atlas, Taf. X, Fig. s 


1846. » sella Leymerie. Im vorigen, pag. 240, Atlas, Tafı IX, Fig. 12, 

1860. » subsella Contejean. Kimmeridgien de Montbeliard, pag. 219. \ 

1862. » suprajurensis Thurmann und Etallon. Lethea Bruntrutana, pag. 283, Taf. XLI, Fig, 1. 

1862. » » Etallon. Jura Graylois, pag. 444, 499. B 

1863. > subsella Dollfuß. Faune du Cap de la Heve, Prodrome, Nr. 124. 

1865. > » _Sadebeck. Ob. Jurd in Pommern, pag. 663. 

1866. » » Beltr&mieux. Charente-inferieure, pag. 13, 22. 

1867. » suprajurensis Moesch. Aargauer Jura, pag. 189, 200. 

1868, » subsella de Loriol, in de Loriol und Cotteau. Portlandien de l’Yonne, pag. 216, Taf. XIV, 
Fig. 1I—12. 

1872. Terebratula subsella de Loriol. Haute-Marne, pag. 412,' Taf. XXV, Fig. 2—20. 


1874. » » de.Loriol et Pellat. ‘Boulogne-s.-m. Pag: 236, Taf, XXV, Fig, 17, 18. 
1874. > » Brauns. Oberer Jura, pag; :37I- ; . ; 


[21] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes 85 


1878. Terebratula subsella Davidson. Fossil brachiopoda. Supplement, pag. 148, Taf. XIX, Fig. 10— 12. 


1878. 5 » de Loriol. Couches de Baden, pag. 170, Taf. XXIII, Fig. 13—15. 
1881. » > de Loriol. Couches de Wangen, pag. .ıo5, Taf. XIV, Fig. 21, 22. 
1882. » » Alth. Nizniower Kalkstein, pag. 301, Taf. XXVIII, Fig. 7. 

1885. » » Bruder. Hohnstein in Sachsen, pag. 71. 

1886. » s Douville. Quelques brachiopodes du terr. jur., pag. 86. 

1386, » > » Fossilesdu Choa, pag. 232, Taf. XII, Fig. 2. 

1892. > » Neumayr und Uhlig. Kaukasusfossilien, pag. 13. 

1893. » Siemiradzki. Ob. Jura in Polen, pag: 138. 

1893. > » Haas. Brachiopodenfauna d. schw. Jura, pag. 137, Taf. XXI, Fig. 15, 9-17. 
1895. > > Woodward. Jurassic rocks, pag. 385: 

1896. 5 » Semenow. Mangyschlak, pag. 45, Taf. I, Fig. S-9. 


Maße: Höhe: 30, 28, 24 mm, 
Breite: 28, 23,25 .» 
Dicke: 19, 10,9 » 

Beschreibung: Das karakteristische, ovale, pentagonale oder subpentagonale Gehäuse ist viel- 
fach von annähernd .der gleichen Breite wie Höhe. Bei extremen Formen kann erstere die letztere um ein 
Geringes übertreffen oder aber, wie es häufiger vorkommt, beträchtlich hinter ihr zurückstehen. Die größte 
Breite liegt stets unterhalb der Schalenmitte, die bedeutendste Dicke dagegen näher am Wirbel. 


Die Ventralschale umfaßt in fast halbkreisförmiger Wölbung die flach gebogene Oberschale, 
Das Gehäuse erhält so das Aussehen, als sei es von oben nach unten zusammengepreßt worden. Dieser 
Typ findet sich bei der Mehrzahl der Exemplare. Andere Stücke wieder sind von schmalerer Gestalt, ihre 
Dorsalschale ist kräftiger gewölbt und tritt deshalb der Unterschale als gleichwertiger gegenüber. 


Die kleine Schale entsendet gegen den Außenrand eine mediane und zwei seitliche Furchen. 


Letztere sind mehr oder minder flach und breit. 


Die Mittelfurche ist kurz, tief und wohlgerundet. Zwischen diesen Depressionen erheben sich 
zwei kurze, mitunter kräftige, gerundete Falten. Die Ventralschale zeigt zwei mäßig breite, wenig vertiefte 
Rinnen und zwischen ihnen eine 'schmale, nicht sehr starke, bis zur Schalenmitte verlaufende, gerundete Falte, 


Der Schnabelhals ist bald schlanker, bald massiver. Trotzdem ist der Schnabel bei beiden 
Typen in gleicher Weise ausgebildet. Er erscheint kurz, kräftig gebogen, von mittlerer Größe. Die 
Stielöffnung, gleichfalls von mittlerem Umfang, läßt das Deltidium kaum zum Vorschein kommen. 


Die Schalenskulptur besteht aus einer Anzahl von groben Zuwachsstreifen. 


Bemerkungen: Der breite Typus findet seine nächsten Verwandten im S&quanien von Bou- 
logne in der von Loriol (loc. cit., Fig. 18) gegebenen Abbildung. Von letzterer unterscheiden sich unsere 
Stücke lediglich durch die etwas kräftiger ausgeprägten Seitenfurchen und durch die schwächere Aufwölbung 
der Dorsalschale. Übereinstimmung herrscht ferner mit zahlreichen Exemplaren. des münchner Museums 
aus dem Sequanien und Kimmeridgien von Charente inferieure, Le Hävre und Wendhausen bei Hannover. 
Der zweite Typ, schmaler als der erste, mit spitzer zulaufendem Schloßrand und schlankem Schnabel- 
hals,. steht den von Loriol in Fig. I3 und Is gegebenen Formen aus dem Astartien von Baden (loc. 
eit.) sehr nahe. 

T. subsella Leym. kann wegen ihrer Häufigkeit als Leitfossil gelten für das Astartien und Ptero- 
c£rien, zeigt sich aber noch im Virgulien und Portlandien. Sie findet sich infolge ihrer außerordentlich . 
großen horizontalen Verbreitung nicht nur in den mitteleuropäischen Juraterritorien mit Ausnahme von Schwaben 
und Franken, sondern auch in Polen, Ostgalizien, Transkaspien, Kaukasus, Kreta, Abessinien, Somali- 
land, Algier. 

Untersuchte Stücke: 8, 

Vorkommen: Kelbtal und Salimatal. 


Sammlung: Zumoffen. 


86 Lothar Krumbeck. [22] 


Terebratula ef. Zieteni Loriol. 
Taf. II, Fig. Sa—d. 
Synonyme: 


1830. Terebratula a: v. Zieten. Württembergs Versteinerungen, pag. 54, Taf. XL, Fig. 3. 


1869. » » Quenstedt. Der Jura, pag. 638, Taf. LXXIX, Fig. 17. 

1871. » » » Die Brachiopoden, pag. 394. 

1875. » » v. Ammon. Juraabl., pag. 159. 

1878. » Zieteni de Loriol. Couches de Baden, pag. 168, Taf. XXIII, Fig. 8—12. 

1881. » » Bruder. Jura von Sternberg, pag. 37, Taf. II, Fig. 1. 

1885. » bisuffarcinata Bruder. Jura von Hohnstein, pag. 71. 

1857. » Zieteni Douville. Quelques brachiopodes du terr jur., pag. 70. 

1893. » » Haas. Brachiopodenfauna d. schw. Jura, pag. 129, Taf. XVII, Fig. 7—13, 15, Taf. XIX, Fig. 3—9. 


Maße: Höhe: 30 mm. 
Breiterw2s> 
Dicke: 15 » 

Beschreibung: Länglich-ovale, biplikate Form, die über der halben Höhe am dicksten, unterhalb 
der letzteren am breitesten erscheint. 

Die Dorsalschale ist flach gewölbt und mit zwei breiten, seichten Lateralfurchen und einer tieferen, 
kurzen Medianrinne versehen. Zwischen ihnen erheben sich zwei kräftige Falten. 

Die Ventralschale von kräftiger, in der Mitte der Unterregion etwas abgeflachter Wölbung, 
zeigt, entsprechend.den Furchen und Falten der kleinen Klappe, eine gut ausgebildete Mittelfalte und seit- 
lich davon die bis zur Längsmitte reichenden, mäßig stark vertieften, gerundeten Furchen. 

Der gleichfalls gerundete Schloßrand geht mit leichter Einbiegung in die Sejtenkommissuren 
über. Letztere biegen ventralwärts ziemlich kräftig aus und erheben sich dann steil zu dem doppelt ge- 
wellten Stirnrand. 

Der Schnabel von graziler Gestalt besitzt zwei schwache, sich bald verlierende Kanten. Trotz 
seiner energischen Vorwärtskrimmung tritt das Deltidium deutlich zu Tage. Die Stielöffnung ist kreisrund 
und mittelgroß. 

Auf der sonst glatten Schale machen sich gegen den Unterrand hin einige grobe Zuwachsstreifen 
und feine Radialrippchen bemerkbar. Die letzteren gehören einer tieferen Schalenschicht an. 

Bemerkungen: Zum Ausgangspunkt dieser Bestimmung wurde die Form genommen, welche 
v. Zieten (loc. cit.) als T. bisuffarcinata abbildet. Letztere stellt ein kräftig gefaltetes Exemplar dar, 
das sich von unserer Form durch seine stärker gewölbte Oberschale, durch die schwächer ausgebildete 
Falte seiner Unterschale sowie durch seine längere Stirnregion unterscheidet. 

Nahe Beziehungen zeigt unser Stück des weiteren zu den von de Loriol (loc. cit., Fig, 8) und 
von Haas (loc. eit,, Taf. XVII, Fig. 15) abgebildeten Formen. Die gründlichen Ausführungen dieser 
beiden Autoren sind von großem Werte für das Studium des Formenkreises der T. bisuffarcinata. 

Es ist mir zweifelhaft, ob die von Noetling aus dem unteren Malm vom Hermon beschriebene 
T. bisuffarcinata Zieten der Sippe der Bisuffarcinaten angehört. Die mächtige Entwicklung des Wirbels 
im Verein mit der merkwürdigen Krümmung der kleinen Klappe erscheinen doch absonderlich. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Schweir. 

Sammlung: Zumoffen. 


Terebratula n. sp. 
Taf. II, Fig. 9a—a. 
Maße: Höhe: 37 mm. 
Breite: 33 » 
Dicke: 24 >» 


[23] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 87 


Beschreibung: Vereinzeltes, mittelgroßes Exemplar von rundlicher Gestalt, beinahe so breit wie 
hoch. Die größte Dicke und Breite liegen etwa auf halber Höhe. Beide Schalen sind kräftig gewölbt, 
unten kurz abgestutzt und breit gerundet. 

Die kleine Klappe besitzt bauchartige Aufwölbung. Sie ist breiter als lang und sehr gleich- 
mäßig gebogen. Erst ganz nahe am Vorderrande machen sich zwei etwas breitere laterale und eine 
schmalere, kaum angedeutete mittlere Depression bemerkbar. 

Die große Klappe ist oben stark, unten ziemlich wenig gekrümmt. Zu beiden Seiten der flachen 
Mittelfalte ziehen die etwas breiteren, schwach konkaven Furchen bis über die Längsmitte empor. 

Der Schloßrand ist kräftig gerundet. Die Seitennähte beschreiben einen sehr lachen, ventralwärts 
gerichteten Bogen. Die Stirnkommissur ist doppelt gewellt. 

Der dicke, stark vornüber gebogene Wirbel erscheint von vorn gesehen relativ schmal. Unter dem 
großen, kreisrunden Schnabelloch wird das Deltidium sichtbar. 

Die Oberfläche der Schale ist glatt. Tiefere Schalenschichten zeigen feine, gerade Radialstreifung. 
Die Perforationen sind sehr klein, rundlich und dicht geschart. 

Bemerkungen: Es gelang mir leider nicht, diese karakteristische Form an andere Arten 
anzuschließen. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Kelbtal oder Salimatal. 


Sammlung: Zumoffen. 
Terebratula sp. 


Maße: Höhe: 30, 28 mm. 
Breite: 28, 26 » 
Dicke: 19, 17 >» 
Beschreibung: Stücke von mittlerer Größe und von fast kreisrunder Gestalt. Die bedeutendste 
Breite und Dicke liegen ungefähr auf halber Höhe. 
Die sehr regelmäßig und ziemlich kräftig gewölbte Dorsalklappe trägt zwei breite, kurze 
und flache Falten. 
Die Ventralklappe ist in ihrer Längsmitte stark gekrümmt. Unten entsprechen zwei kurze, 
seichte Depressionen und eine breitgerundete, flache Falte den Furchen und Falten der anderen Schale. 
Der Schloßrand ist fast gerade. Die Seitenkommissuren buchten sich erst weit vorn leicht ven- 
 tralwärts aus und steigen in kräftiger Kurve zu der doppelt gefalteten Stirnnaht empor, 
Der Wirbel ist kurz, dick und kräftig gebogen. Die runde, ziemlich kleine Stielöffnung blickt genau 
nach vorn. Das Deltidium ist auf ein Minimum reduziert. 
Die sonst glatte Schale weist einige grobe Anwachsstreifen auf. 
Bemerkungen: Die vorliegende Form ist ohne Zweifel nahe verwandt mit Terebratula phoeniciana 
n. sp. In bezug auf die allgemeinen Umrisse, besonders aber hinsichtlich der Ausbildung der Stirnfalten, 
ist sie mit letzterer Art ident. Als trennendes Merkmal fiel jedoch die andersartige Gestalt des Schnabels 
ins Gewicht. Übergangsformen fehlen vorläufig noch. 
Untersuchte Stücke: 2. 
Vorkommen: Kelbtal, Salimatal. 
Sammlung: Zumoffen. 
Terebratula sp. 
Maße: Höhe: ı0o, 9 mm. 
Breite: 8, 74, >» 
Dicke: 6, 51), >» 
Beschreibung: Sehr kleine Form von mehr vierseitig-gerundetem als pentagonalem Umriß. 
Größte Breite und Dicke liegen aut halber Höhe. Das Gehäuse verjüngt sich nach oben und unten in 


fast gleichem Maße. 


88 Lothar Krumbeck. [24] 


Die stark konvexe Oberschale baucht sich unterhalb ‘des .Wirbels kräftig aus. mal zeigt ihre 
stärkste Krümmung in horizontaler Richtung. 

Die Ventralschale schwillt in der Wirbelregion am meisten _an. i 

Die Schloßränder bilden einen sehr. stumpfen Winkel. Die Seitenkommissuren biegen ein wenig 
abwärts aus und laufen dann in der schwach emporgebogenen Stirnnaht zusammen. . 

Der sehr große, dicke und sehr breite Schnabel’ ragt steil in die Höhe. . Das kleine. Loch liegt 
unmittelbar über dem Schloßrand und verdeckt gänzlich das Deltidium. 

Die Schale ist glatt.bis auf wenige grobe Zuwachsstreifen. 29 

Bemerkungen: Bei der Kleinheit der Exemplare wäre man geneigt, sie. für ganz jugendliche 
Individuen zu halten. Eine solche Annahme stände aber nicht in Einklang mit der vorgeschrittenen Aus- 
bildung der ‚Schnabelregion. Die a faßt das größere Stück ins Auge. 

Untersuchte Stücke: 

Vorkommen: Zwischen a NEE und Bekfeja. 


Sammlung: Zumoffen. 


Terebratula sp. 


Beschreibung: Kleine, anscheinend jugendliche, mehr oder weniger stark verdrückte Formen. 
Dorsalschale unterhalb des Wirbels sehr stark aufgetrieben und . biplikat. Ventralschale in der 
Oberregion kräftig gewölbt, unten flach. Stirnsinus leicht gefaltet. Schloßrand spitz zulaufend. Schnabel 
kurz, dick, wenig gekrümmt. Stielöffnung mittelgroß, kreisrund, schräg nach oben blickend. Deltidium 
schwach sichtbar. Schale glatt oder mit groben Zuwachsstreifen. 

Bemerkungen: Beziehungen zu anderen Formen ließen sich nicht feststellen. 

Untersuchte Stücke: 2 

Vorkommen: Schweir. 

Sammlung: Zumoffen. 


Terebratulina substriata Schloth, 
Taf. II, Fig. 12a—d, Fig. I13a—b, Fig. 14. 
"Synonyme: 

1820. Terebratulites substriatus Schlotheim. Petrefaktenkunde, pag. 283. 
1830. Terebratula striatula Zieten. Württemb. Verst, pag. 59, Taf. XLIV, Fig 2. 
1852. Terebratulina substriata Davidson. Ann. and mag. of nat. History., pag. 255. 
1852. Terebratula substriata Quenstedt. Handbuch d. Petr., 1. Ausg., pag. 462, Taf. XXXVII, Fe 7 
1858. » > » Jura, pag. 635, Taf. LXXVIII, Fig. 30. 
1858. Terebratulina substriata Sueß. Die Brachiopoden d. str. Schicht., pag. 37, Taf. IV. Fig. 3—6. 
1863— 1868. Terebratulina substriata Pictet. Melanges pal., pag. 270, Taf. XLI, Fig. 9. 
1867. Terebratulina substriata Moesch. Aargauer Jura, pag. 189. 
1867. » » Quenstedt. Handbuch, 2. Ausg., pag. 551, Taf. XLVII, Fig. 7. 
1870. » » F. Roemer. Geol. von Oberschlesien, pag, 265, Taf. XXV, Fig. 6. 
1871. Terebratula snbstriata Quenstedt. Brachiopoden, pag. 245, Taf. XLIV, Fig. 12—26. 
1878. Terebratulina substriata de Loriol. Couches de Baden, pag. 181, Taf. XXIII, Fig. 33— 34. 


1878. > » Struckmann. Oberer Jura, pag. 32. 

1882. » » Schlosser. Kelh. Diceraskalk, pag. 205. 

1885. » » Quenstedt. Handbuch, 3. Ausg.. pag. 703, Taf. LIV, Fig. 30—31. 
1885, » » Bruder. Jura von Hohnstein, pag. 71. 

1893. » » Siemiradzki. Ob. Jura in Polen, pag. 141. 


Maße: Höhe: 16, I4, I3, I2 mm. 
Breite ra 2 ET Rn: 
Dicke:. 5, 4, 5, 4 mm. 


Beschreibung: Das kleine, längsovale bis gerundet-vierseitige Gehäuse ist stets höher als breit 
und von großer Flachheit. Wie aus den obigen Abmessungen hervorgeht, unterliegt das Verhältnis von 


[25] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 89 


Höhe zu Breite bei verschiedenen Individuen keinen beträchtlichen Schwankungen. Sämtliche Stücke sind 
hinten und vorn stark verschmälert. Die größte Dicke liegt stets über der halben Höhe, die bedeutendste 
Breite immer darunter. Die Wölbungsart der beiden Schalen variiert stark. Nicht selten erscheint die 
Dorsalschale durch stärkere Krümmung ausgezeichnet. 

Die kleine Klappe ist vielfach breiter als lang. Je nach dem ihre mittlere Längsregion konvex, 
gerade oder konkav ist, ändert sich mit ihrer Form zugleich die des gesamten Gehäuses. Ihre Gestalt 
wird aber ferner noch bedingt durch zwei sehr breite, mehr oder minder seichte Furchen, deren Depression 
es bewirkt, daß der Mittelteil der Schale zungenartig nach vorn vorspringt und daß sich ferner die untere 
Randlinie dorsalwärts emporbiegt. Die mittlere Region der Schale zeigt starke Breitenentwicklung. Sie 
gewinnt häufig ein gleichsam geflügeltes Aussehen dadurch, daß ihr Außenrand sich beiderseits kräftig 
herausbuchtet. Die kleinen, zierlichen Ohren bewirken einen geraden oder nur sanft gebogenen Verlauf des 
Schloßrandes. 

Die Ventralschale ist viel regelmäßiger gewölbt als die kleine Klappe. Der Medianfalte der 
ersteren entspricht hier eine schwach angedeutete, selten bis zur halben Länge reichende Furche. 

Von den Ohren nehmen die scharfen Kanten des steilen, kräftigen, oben gerundeten Schnabels 
ihren Ausgang. Sie umschließen ein ziemlich großes, horizontal gestreiftes Deltidialfeld von parabolischer 
Form, dessen Fläche von der Fläche der Schnabelkanten nur leicht abgesetzt ist. Ersteres umgibt eine 
mittelgroße, kreisrunde Stielöffnung, 

Die Skulptur besteht aus zahlreichen, feineren oder gröberen, gerundeten Radialrippen, die in 
geringer Zahl von den Wirbeln ausstrahlen und sich durch Teilung und durch Einschaltung von neuen 
Elementen stark vermehren. Außerdem bemerkt man wenige, kräftige Zuwachsstreifen und sehr kleine, 
ziemlich weit voneinander entfernte, unregelmäßig angeordnete Perforationen. 

Bemerkungen: Wie die Berippung, so zeigt auch der Schnabel mancherlei Verschiedenheiten. 
Bald ist sein Deltidialfeld breit und niedrig, bald relativ schmal und hoch. Das Loch kann sich ausnahms- 
weise bis zum Schlofßrand herunter erstrecken. Die Zahl der Rippen schwankt je nach dem Fundort 
zwischen 30 und 80. Diese Extreme sind jedoch durch Übergänge miteinander verbunden. Im allgemeinen 
sind die einzelnen Rippen von gleicher Stärke.‘ Bei feingerippten Individuen kommt es indessen vor, daß 
sich einzelne durch besonders kräftige Entwicklung vor den übrigen auszeichnen. 

Die vorliegenden Exemplare nehmen eine Art von Mittelstellung ein zwischen T. substriata alba 
Qu. und T. substriata silicea Qu. mit größerer Hinneigung zu der letzteren Form. Wir sind daher zu 
‚ einer Prüfung der etwas unklaren Verhältnisse veranlaßt, wie sie innerhalb des Formenkreises der T, sub- 
striata herrschen. Quenstedt (loc. eit.) unterschied zwei Typen. Den ersten, flachschalig, mit feinen 
dichotomierenden Streifen, ohne merklichen Wulst und Sinus, aus dem Malm a—y. Er entspricht augen- 
scheinlich der Terebratula substriata Schloth. und der T. striatula Zieten. Ouenstedt schied ihn als 
Terebratula substriata alba von dem zweiten Typ T. substriata silicea aus dem Malm = von Nattheim, 
weil der letztere größer und mit gröberen Rippen versehen sei. Sueß (loc. eit.) hielt im Gegenteil den 
ersten Typ für spezifisch verschieden von T. substriata Schloth. und schlug für ihn die neue Bezeichnung 
Terebratulina Quenstedti vor. Nur für die Stücke von Nattheim und Stramberg wollte er die ursprüng- 
liche Bezeichnung Schlotheims beibehalten wissen. Loriol (loc. cit.) erklärte sich nicht einverstanden 
mit dieser Auffassung. Nach seiner Ansicht kommt der nattheimer Variation eine neue Artbenennung zu. 

Eine Prüfung des einschlägigen Materials des münchner Museums führte mich nun zu folgenden 
Ergebnissen: Die Darlegungen von Sueß erweisen sich zunächst als nicht ganz zutreffend. Freilich begegnet 
man unter den von verschiedenen Fundstellen Schwabens und Frankens herstammenden Exemplaren weit- 
aus der Mehrzahl nach solchen Formen, welche die von Sueß klar präzisierten Merkmale des ersten Typs 
aufweisen. Es finden sich aber überall und vor allem in Streitberg und Engelhardsberg Individuen, die in 
der Art der Schalenwölbung, im Vorhandensein von Ohren, durch die Art der Schnabelbildung und durch 
kräftige Berippung mit T. substriata silicea Qu. übereinstimmen. Trotzdem müssen sie ihrer Größe und 
dem heimischen Horizont nach zu dem ersten Typ Quenstedts gerechnet werden. Als unterscheidendes 
Artmerkmal bleibt sonach nur der Größenunterschied übrig, wie es schon von Quenstedt hervorgehoben 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns. Bd. XVII. I2 


90 Lothar Krumbeck. [26] 


wurde. Dieser Größenunterschied herrscht aber in gleichem Maße zwischen Exemplaren von Nattheim und 
von Stramberg vor. Er bietet also etweder keine Handhabe zur spezifischen Trennung, oder es muß auch 
der stramberger Typ seine eigene spezifische Stellung erhalten. 

Eine Mischung von Eigenheiten der eben genannten lokalen Varietäten zeigt sich nun bei den 
Exemplaren aus dem Korallenkalk von Kelheim. Junge Individuen ähneln der T. substriata alba, größere 
der T. substriata silicea und ausgewachsene Stücke erreichen fast den Umfang der Vorkommen von Stram- 
berg. Diese Tatsache scheint auch in der historischen Aufeinanderfolge der verschiedenen Typen ihr Ana- 
logon zu finden, Es ist daher wohl zweckmäßig, die gesamte oberjurassische Entwicklungsreihe der be- 
sprochenen Typen unter der Bezeichnung Terebratulina substriata Schloth. einheitlich zusammenzufassen. 

T. substriata Schloth. ist eine Form von großer vertikaler und horizontaler Verbreitung. Sie findet 
sich häufig in der Schweiz und Süddeutschland. Man trifft sie ferner in Hannover, Sachsen, Oberschlesien, 
Polen und in Algier. 

UniteirsniehteSituckes,3n: 

Vorkommen: Salimatal, Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen, Blanckenhorn, Münchner Museum. 


Eudesia Zitteli n. sp. 
Taf. II, Fig. II a—d. 


Maße: Höhe: 12 mm. 
Breite: 9 » 
Dicke: 8 » 

Beschreibung: Das kleine, schlanke, zierliche Gehäuse ist von längsovaler Gestalt. Breite und 
Dicke kommen einander fast gleich und liegen auf halber Schalenhöhe. Beide Klappen sind kräftig gewölbt. 

Die Dorsalschale erfährt gleich unterhalb des Wirbels eine Aufbauchung, deren Kulminations- 
punkt im oberen Teil des mittleren Schalendrittels liegt. Nahe dem Außenrande fällt die Schale ringsum 
steil gegen die Randlinie hin ab. Auf ihrem unteren Teil bewirkt eine leichte Aufbiegung des breit 
und etwas eckig abgestutzten Vorderrandes eine schwache Falte, die bis zum oberen Schalendrittel verfolgt 
werden kann. Sie überragt das Schalenniveau nur wenig. 

Die Ventralschale ist von sehr kräftiger Wölbung. In der Mitte etwas abgeflacht, fällt sie 
seitlich noch steiler als die Oberschale gegen die gemeinsame Naht hin ab. Ihr Vorderrand springt in seiner 
Mitte dorsalwärts etwas vor. Im Zusammenhang damit steht eine schwache, nicht sehr breite Depression, 
welche sich bis zum Schnabelhals fortsetzt. 

Der Schloßrand ist kräftig gerundet und geht mit leichter Einbiegung in die Seitenkommissuren 
über. Diese wieder verlaufen unter geringer ventraler Ausbiegung zu der in dorsaler Richtung etwas auf- 
gebogenen Stirnnaht. 

Der große, kräftige Schnabel ist stark nach vorn gekrümmt. Sein Hals wird durch eine leichte 
Einziehung gegen den Schalenbauch abgesetzt. Zwei gerundete Kanten begrenzen eine Areola, Das große, 
rundovale Stielloch verdeckt völlig das Deltidium. Von der inneren Schale sieht man nur die schmalen 
Schloßplatten durchschimmern. 

Die Skulptur besteht aus starken, hochgerundeten Radialrippen, die ihre schmalen, feinen 
Zwischenräume um das Dreifache an Breite übertreffen. Ihre Zahl beträgt am Außenrande etwa 24. Hiervon 
entfallen 5—6 auf den Wulst der Dorsalschale, beziehungsweise auf den Sinus der Ventralklappe. Sämtliche 
Rippen dichotomieren mehr oder minder weit unterhalb der Wirbel. Der Schalenrand ist deutlich gekerbt. 

Bemerkungen: Nach der von Zittel!) gegebenen Einteilung ist unsere Form der Gattung 
Eudesia zuzustellen. Verwandte Formen aus dem weißen Jura sind mir nicht bekannt geworden. Vergleiche 
mit gerippten Dogger- und Kreidearten wie Zudesia cardium Lam. und Terebratella oblonga Sow. ver- 


1) 1903. Zittel, Grundzüge, pag. 270. 


[27] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. gI 


sprechen wenig Erfolg wegen grundsätzlicher Verschiedenheiten in der Gestalt der Gehäuse und in der 
Ausbildung der Wirbel. 

Untersuchte Stücke: ı. 

Vorkommen: Unterhalb der großen Straße zwischen Bekfeja und Ain Alak. 

Sammlung: Zumoffen. 


Kingena cubica Quenstedt. 
Taf. Il, Fig. 15a—c, Fig. I6a—c. 
Synonyme: 
1871. Terebratula cubica, Quenstedt. Brachiopoden, pag. 403, Atlas, Taf. XLIX, Fig. 90, 91. 


Maße: Höhe: 9, 8, 8 mm. 
Breite: 9, 7, 8 mm. 
Diides 77, 7%, ©, 2222 


Beschreibung: Die vorliegende Form wird durch den ihr verliehenen Speziesnamen sehr gut 
gekennzeichnet. Wie die Abmessungen zeigen, bestehen zwischen den drei Dimensionen keine nennenswerten 
Unterschiede. Das Gehäuse ist von rundlich-fünfseitiger bis dreieckig abgerundeter Gestalt. 

Die kräftig gebauchte Dorsalschale ist in der Mitte meistens flach gewölbt, fällt an den Seiten 
aber steil gegen den Externrand ab. Der Vorderrand ist gerade abgestutzt. 

Die Ventralschale zeigt sich in der Längsachse halbkreisförmig gekrümmt. Der Punkt der 
stärksten Wölbung liegt auf halber Höhe oder etwas über der letzteren. Die Flanken sind sehr steil. 

Der Schloßrandwinkel ist ziemlich stumpf. Die meist geraden Seitenkommissuren gehen 
zuweilen unter sehr geringer ventraler Schweifung in die Stirnnaht über. Diese biegt sich manchmal etwas 
dorsalwärts auf. 

Der kurze Schnabel legt sich mit derartig starker Krümmung nach vorn über, daß die kleine, 
runde Stielöffnung den Wirbel der kleinen Klappe zu berühren scheint. 

Das Medianseptum der Oberschale ist lang und kräftig entwickelt. An seinem oberen Ende 
bemerkt man die schmalen Schloßplatten. Unter dem Wirbel der Unterschale schimmern starke Zahnstützen 
und ein schwächeres Medianseptum hervor. 

Skulptur: Gegen den Außenrand hin erscheinen einige grobe Zuwachsstreifen. Die Perforationen 
“sind außerordentlich fein und zahlreich. 

Bemerkungen: Unsere Stücke zeigen enge Anlehnung an die von Quenstedt gegebene Ab- 
bildung und Beschreibung (loc. cit.). Das geringe hier vorliegende Material kann allerdings nur auf 
Fig. go und 9I bezogen werden. Eine unbedeutende Verschiedenheit tritt im Umriß des Gehäuses hervor. 
Unsere Exemplare verjüngen sich nämlich nach oben, während die Stücke aus Schwaben, wenigstens der 
Abbildung nach zu schließen, gerade in der oberen Schalenhälfte ihre größte Breite erreichen. Das einzige 
Vergleichsstück aus dem münchner Museum nähert sich übrigens auch in dieser Beziehung den libane- 
sischen Typen. 

Quenstedt wirft die Frage auf nach den Beziehungen von Kingena cubica zu Hynniphoria glo- 
bularis Sueß. Hierzu läßt sich folgendes bemerken, und zwar wird hier nur die innere Beschaffenheit der 
Schalen ins Auge gefaßt, da die sonderbare Abplattung der Wirbel bei Hynniphoria mit Sueß durch Ab- 
reibung an dem Gegenstand der Festheftung erklärt werden könnte. Die eingehenden Untersuchungen des 
letzteren Autors!) ergaben bei letzterer Gattung: Das Septum der unteren Klappe ist länger als das der 
oberen. Beide Septen werden durch einen länglichen, hellen Mittelraum in zwei Teile geschieden. Erstere 
sind von relativ mittlerer Länge. Bei Kingena cubica Qu. ist nun das dorsale Septum sehr lang und 
kräftig, das ventrale dagegen kurz und schmal. Zum Unterschied von Hynniphoria globularis Sueß besitzt 


1) 1858. Suef. Die Brachiopoden d. stramb. Schichten, pag. 44, Taf. V, Fig. 4—8. 


92 Lothar Krumbeck., [28] 


unsere Spezies außerdem kräftige, ventrale Zahnstützen. Eine spezifische Verschiedenheit der beiden Formen 
ist demnach zum mindesten sicher. 

Quenstedt beschreibt K. cubica aus dem Astartien von Schwaben. 

Untersuchte Stücke: 4. 

Vorkommen: Salimatal, Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Kingena gutta Quenstedt. 
Taf. II, Fig. 17a—c, Fig. I8a—b, Fig. 19. 
Synonyme: 


1858, Terebratula gutta, Quenstedt. Jura. pag. 639, Taf. LXXIX, Fig. 21-22 


1867. » » Moesch. Aargauer Jura, pag. 138. 
1871. » » Quenstedt. Brachiopoden, pag. 402, Atlas, Taf. XLIX, Fig. 7581. 
1891. » »  Guembel. Frankenjura, pag. 113, II4. 


Maße: Höhe: ıı, 9!/,, 94,, 9, S!/, mm. 
Breite: 8 Mol) Elm: 
Dicke: 6, 5, 51), 51/,, 6 mm. 

Beschreibung: Das kleine Gehäuse, welches Quenstedt treffend mit der Gestalt eines Regen- 
tropfens verglich, besitzt länglich-ovale, gedrungen ovale bis subpentagonale Beschaffenheit. Die größte 
Dicke liegt über der halben Höhe. Die bedeutendste Breite befindet sich auf der Mitte oder etwas über 
derselben, so daß unsere Stücke nach unten hin stets verschmälert sind. Die verschiedenartige Gestalt der 
stark varierenden, aber durch Übergänge verbundenen lokalen Typen erschwert eine einheitliche Diagnose. 
Folgendes ist jedoch von allgemeiner Gültigkeit: 

Die Dorsalschale von kräftiger Wölbung schwillt vor dem Wirbel bauchartig an. Von hier aus 
verlaufen ihre Flanken gleichartig konvex gegen den Aufßenrand. 

Die Ventralschale ist in der Wirbelregion stark aufgeblasen. Unten kommt ihre Krümmung 
der der kleinen Schale gleich. 

Der Schloßrand bildet einen relativ spitzen Winkel. Die Seitenkommissuren verlaufen in der 
Mehrzahl der Fälle gerade, manchmal aber unter sehr geringer, ventralwärts gerichteter Ausbiegung. Tritt 
letzteres ein, so ist die Stirnnaht in dorsaler Richtung leicht aufgebogen. 

Der Schnabel ist breit gerundet und kräftig gekrümmt. Schlanke Exemplare zeigen ihn höher 
entwickelt mit mittelgroßer Stielöffnung und mit Deltidium. Bei breiten Stücken sehen wir ihn niedriger 
und stärker nach vorn gebogen,. so daß das kleine Loch an den Schloßrand angrenzt. 

Das Medianseptum der kleinen Klappe erstreckt sich fast bis zur Schalenmitte. Die große 
Schale besitzt zwei kräftige, gebogene Zahnstützen und zwischen ihnen ein feines, kurzes Ventralseptum. 

Die Skulptur besteht dann und wann aus einigen groben Zuwachslinien. Die Perforierung zeigt 
den Waldheimientyp. 

Bemerkungen: Die Bestimmung stieß bei der Vielzahl der von Quenstedt (loc. cit.) gege- 
benen Abbildungen auf keine Schwierigkeiten. Unsere Exemplare lassen alle von ihm hervorgehobenen 
Merkmale in der Hauptsache erkennen. Die von Quenstedt erwähnte »breite Zunge, welche sich zum 
Rücken schlägt«, zeigt sich bei ihnen nur als schwache Andeutung. Dagegen zerstreute seine Bemerkung 
über die Zusammengehörigkeit der flachen, breiten und schmalen, fast zylindrischen Individuen die Be- 
denken, welche ich anfangs gegen eine unbedingte Identifizierung gehegt habe. Es liegt mir aus dem 
münchner Museum eine größere Anzahl von Formen von der Lochen und von Streitberg vor. Ihr Bau 
weicht von der Beschaffenheit unserer Stücke dadurch etwas ab, daß bei den letzteren die Dorsalschale im 
allgemeinen gleichmäßiger und kräftiger gewölbt ist. Auf diesen Unterschied allein ist der etwas fremd- 
artige Eindruck zurückzuführen, den die libanesischen Exemplare anfangs hervorrufen, Es bleibt nun eine 
offene Frage, ob ein umfangreicheres Material nicht vielleicht die Abscheidung von Varietäten erfor- 
dern wird. 


[29] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 93 


K. gutta Qu. findet sich im Oxfordien des Aargaus, in der Tenuilobaten-Zone Schwabens und 
in der Bimammaten- und Tenuilobaten-Zone Frankreichs, 

Untersuchte Stücke: 9. 

Vorkommen: Kelbtal, Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. Blanckenhorn. 


Kingena latifrons n. sp. 
Taf. II, Fig. 204—c, Fig. 21a—b. 
Maße: Höhe: 13X/,, 13, 12, II mm. 
Breite: II, IO, IO, 8 mm. 
Dicke ES Tu mnm. 


Beschreibung: Die vorliegende, wohlkarakterisierte Art ist im allgemeinen von fünfseitiger, 
seltener von längsovaler, zuweilen von keilförmiger Gestalt. Ihre Form unterliest ziemlich bedeutenden 
Variationsgraden. Breite Exemplare mit kurzer Ober- und Unterregion wechseln mit schlankeren Individuen 
ab, deren Stirn- und Wirbelteile langgestreckter erscheinen. Man bemerkt ferner dicke und dünne Stücke 
in mannichfacher Abstufung. Trotzdem findet sich eine Reihe von konstanten Merkmalen. 

Die bedeutendste Breite liegt ausnahmslos in der Nähe des Vorderrandes, die größte Dicke aber 
stets über der Schalenmitte. Der Vorderrand ist breit abgestutzt, massiv und rechteckig. 

Das Aussehen der kleinen Klappe wird wesentlich beeinflußt durch eine starke Aufbauchung, 
die unmittelbar unter dem Wirbel einsetzt. Von diesem Kulminationspunkt ab dacht sich die Schale allseits 
in konvexer Biegung gegen den Außenrand hin ab. 

Die große Klappe zeigt gleichmäßigere Wölbung als die Dorsalschale. Sie entsendet gegen die 
Vereinigungsstellen von Seiten- und Unterrand aus der Gegend der stärksten Wölbung zwei schwache 
Kanten. Zwischen diesen ist sie ganz flach, während die nach außen liegenden Schalenpartien sich oft 
sehr steil abdachen. Manchmal bildet sich zwischen den Kanten eine Vertiefung. Dann erscheint der Stirn- 
rand leicht dorsalwärts aufgebogen. Meistens ist der letztere indessen ganz gerade. Das Gleiche gilt von 
den Seitenkommissuren. 

Der Schloßrand bildet einen relativ spitzen Winkel und geht mit konkaver Krümmung in die 
Seitennähte über. 

Der Schnabel ist klein, rundlich, manchmal etwas spitz und nicht sehr stark gebogen. Die 
kleine, kreisrunde Öffnung verdrängt meistens das Deltidium. 

Vom inneren Schalenbau bemerkt man zunächst das Dorsalseptum als feine, dunkle Linie, 
die sich bis zur Schalenmitte verfolgen läßt. Die Ventralschale besitzt ein weniger langes Medianseptum 
und kurze, ziemlich breite, schwach gebogene Zahnstützen. 

Die Schale ist glatt bis auf einige grobe Anwachsstreifen. Die sehr feinen und zahlreichen Durch- 
bohrungen lassen in ihrer Anordnung eine gewisse Regelmäßigkeit erkennen. 

Bemerkungen: Der äußeren Form nach gehört unsere Art in die Verwandtschaft von Kingena 
caeliformis Sueß,!) von der mir Stücke des münchner Museums aus dem weißen Kalk von Stramberg: und 
aus dem roten Kalk von Nesselsdorf vorliegen, Übereinstimmung zeigen beide Formen bezüglich des drei- 
eckig bis fünfeckigen Umrisses, der Wölbungsart des oberen Teiles der kleinen sowie der großen Klappe. 
K. caeliformis Sueß unterscheidet sich von K. latifrons n. sp. durch ihre bedeutendere Größe, durch die 
stärkere. Entwicklung ihres Schnabels, durch die schwache Konkavität des unteren Teiles ihrer Dorsalschale, 
welche eine ventrale Ausbiegung der Stirnkommissur zur Folge hat, während die letztere bei K. latifrons 
gerade oder dorsal aufgebogen ist. Endlich besitzt die Tithonform ein ventrales Septum und Zahnstützen 
von der gleichen Länge und Feinheit. Sueß fügt der Beschreibung von K. caeliformis die Bemerkung an, 
daß diese Art im weißen Kalk von Stramberg noch nicht gefunden worden sei. In der langen Zwischenzeit 


1) 1858. Sueß. Brachiopoden d. stramb. Schichten, pag. 42, Taf. V, Fig. ı. 


94 Lothar Krumbeck. [30] 


ist das geschehen. Die münchner Sammlung enthält mehrere Exemplare, die zum Unterschied von der 
ähnlich gestalteten Terebratula mitis ein Dorsalseptum erkennen lassen. 

Untersuchte Stücke: I1, 

Vorkommen: Kelbtal, Salimatal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Kingena orbis Quenstedt. 
Taf. II, Fig. 220—d, Fig. 23a—b. 
Synonyme: 


1858. Terebratula orbis, Quenstedt. Jura, pag. 639, Atlas, Taf. LXXIX, Fig, 23—29. 


1867. » » Moesch. Aargauer Jura, pag. 138. 
1871. > » Quenstedt. Brachiopoden, pag. 400, Atlas, Taf. XLIX, Fig. 59-61, 63— 74. 
1891. » »  Guembel, Frankenjura, pag, II3—I14. 


1395. Waldheimia cf. orbis, Siemiradzki, Ob. Jura in Polen, pag. 140. 


Maße: Höhe: ıo!),, 9, 9, 8 mm. 
Breite: gU/,, 9, 8, 7!/, mm. 
Dicke: 5, 4, 41/,, 4 mım. 


Beschreibung: Kleine, runde bis viereckige Form von flacher Beschaffenheit. Die größte Dicke 
und Breite liegen in der oberen Schalenhälfte. Der Außenrand ist zugeschärft. 

Die kleine Klappe ist breiter als lang und besitzt unterhalb des Wirbels eine sehr karakteri- 
stische Aufschwellung. Dieselbe dacht sich gegen den Schloßrand hin steiler, nach den Seiten zu flacher 
ab. Nach vorn geht sie in die manchmal etwas konkave Vorderregion über. Der Stirnrand ist zuweilen 
leicht aufgebogen. 

Die große Klappe ist in der Längsmitte kräftig aufgetrieben und fällt nach allen Richtungen. 
konvex ab. Wie bei der anderen Schale erleidet ihr Vorderrand manchmal eine schwache, dorsale Aufbiegung. 

Der Schloßrand bildet einen ziemlich stumpfen Winkel. Die Seitennähte verlaufen gerade. Die 
Stirnkommissur ist zuweilen leicht anfgebogen. 

Der kleine, breite, ziemlich kräftig gebogene Schnabel besitzt wohlausgebildete Kanten. Die Stiel- 
öffnung ist klein und kreisrund. 

An der Basis des langen dorsalen Medianseptums werden die S-förmig geschwungenen Hälften 
der Schloßplatte bemerkbar. WVentral befinden sich ein schwaches Medianseptum und seitlich davon die 
starken Zahnstützen. 

Die Schalenoberfläche ist glatt. Manchmal findet sich in der Nähe des Externrandes parallel 
zu letzterem eine Furche, die den Grad seiner Zuschärfung steigert. Die Perforationen erscheinen fein und 
regelmäßig angeordnet. 

Bemerkungen: Es handelt sich hier lediglich um den kreisrunden, flachen Typ, den Quenstedt 
(loc. eit.) in den »Brachiopoden« mit Bezug auf die Abbildung Fig. 59 bespricht. Die von ihm erwähnten 
schlankeren Exemplare fehlen uns bis jetzt. Sie sind aber auch selten in dem von mir untersuchten Material 
des münchner Museums. Unter dem letzteren begegnet man durchweg; breiten Formen, die zum Unterschied 
von den unseren stärker gewölbte Ventralschalen und in Verbindung damit stärker vorgekrümmte Schnäbel 
besitzen. Diese Merkmale gestatten indessen um so weniger die Aufstellung ‘einer neuen Art, als einzelne 
flache Stücke solchen von Schweir zum verwechseln gleichen. 

Im »Jura« spricht Quenstedt von Zwischenformen zwischen X. orbis und K. gutta. Er hatte 
dabei wohl die schlankeren und dickeren Exemplare von K. orbis im Auge, die sich auch in meinem 
Vergleichsmaterial vorfinden. Letztere lassen sich nun meines Erachtens vermöge zweier Hauptmerkmale 
auf sichere Weise von K. gutta trennen. Die letztere Art besitzt nämlich stets einen wohlgerundeten Schnabel, 
ihre Stirnlinie ist entweder gerade oder in ventraler Richtung gefaltet. K. orbis dagegen hat kräftige 
Schnabelkanten. Ihr Vorderrand zeigt geraden oder dorsal aufgebogenen Verlauf. 


[31] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 95 


Kingena orbis Qu. erscheint im Oxfordien der Schweiz und findet ihre Hauptverbreitung in der 
Bimammaten- und Tenuilobatenzone Schwabens und Frankens. 

Untersuchte Stücke: 5. 

Vorkommen: Schweir. 

Sammlung: Blanckenhorn. 


Kingena triangularis n. sp. 
Taf. II, Fig. 244 —d, Fig. 25 a—b. 
Maße: Höhe: 10, 9!/,, 9!, mm. 
Breite lenm. 
Dicke: 61),, 5, 6 mm. 


Beschreibung: Die vorliegenden Exemplare von dreiseitig gerundeter Gestalt sind am dicksten 
über der halben Höhe. Die größte Breite liegt dagegen in der unteren Schalenregion. Die kurze, gerundete 
Stirngegend, die darauffolgende starke Verbreiterung in Verbindung mit der langverschmälerten oberen Partie 
verleihen dem Gehäuse seine karakteristische Form. 

Die schwach gebauchte Dorsalklappe ist ungefähr ebenso breit wie lang und von gleichmäßiger 
Krümmung. Ihre bedeutendste Wölbung liegt auf halber Höhe. 

Die Ventralschale zeigt sich stark gebogen. Ihre Hauptkrümmung befindet sich im oberen 
Schalendrittel. Die Wirbelregion ist abgeplattet. 

Der Schloßrand bildet einen ziemlich spitzen Winkel. Er geht geradenwegs in die Seitenkom- 
missuren über, welche in der faltenlosen Stirnnaht zusammenlaufen. 

Der breite, stark zusammengedrückte, kräftig gebogene Schnabel besitzt scharf ausgeprägte 
Kanten. Das Stielloch erscheint klein und rundlich. Das Deltidium tritt deutlich hervor. 

Die Dorsalschale besitzt ein nicht sehr langes, kräftiges Mittelseptum. Der Schloßfortsatz 
kommt nicht zum Vorschein. Ventral werden zwei schmale, gerade Zahnstützen sichtbar. Ein Medianseptum 
scheint hier aber zu fehlen. 

Die Schalen sind regelmäßig perforiert und mit feinen, geraden Radiallinien verziert, die aus 
einer tieferen Schicht durchschimmern. 

Bemerkungen: Diese Art muß als nah verwandt gelten mit Kingena gutta Qu. Letztere 
unterscheidet sich von X. Zriangularıs durch ihre ovaloide Gestalt, sowie durch die abweichende Beschaf- 
fenheit des Schnabels und des Armgerüstes. Die Aufstellung dieser neuen Art kann demnach als gerecht- 
fertigt gelten. Mit Kingena orbis Qu. hat unsere Spezies die Anwesenheit von Schnabelkanten, den breiteren 
Umriß und die schwächere Wölbung der Dorsalschale gemeinsam. Von trennenden Merkmalen sei hervor- 
gehoben die gänzlich andere Form des Gehäuses und das Fehlen eines ventralen Medianseptums bei 
unserer Spezies. 

Untersuchte Stücke: 3. 

Vorkommen: Kelbtal, Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Kingena sp. 

Maße: Höhe: 8, 8, 7 mm. 
Breite: 7, 6l),, 7 mm. 
Dicke: 4, 4!),, 3 mm. 


Beschreibung: Das sehr kleine Gehäuse von fünfseitigem Umriß ist von flacher Beschaffenheit. 
Die bedeutendste Breite und Dicke gehören der oberen Schalenhälfte an. Die Oberregion ist relativ kurz 
und spitz zulaufend. Die Unterregion besitzt ein breites, gerundetes Aussehen, 

An der Dorsalschale bemerkt man verschiedene Grade von Wölbung. Manchmal ist sie bei 
verhältnismäßig geringer Breite bauchartig aufgetrieben. Solche Individuen haben dann ein recht verschie- 


96 Lothar Krumbeck. [32] 


denes Aussehen von den breiten Exemplaren, deren kleine Klappe nur geringe Krümmung aufweist. Die 
Stelle der stärksten Wölbung ist stets dem Wirbel nahegerückt. 
Die Ventralschale erscheint gleichmäßig und kräftig gebogen. Etwas Karakteristisches bietet 


ihre Erscheinung nicht. 
Der Schloßrand bildet einen ziemlich spitzen Winkel. Seitennähte und Stirnkommissur liegen 


in der gleichen Ebene. 

Der Schnabel ist klein, wenig voluminös, steil aufgerichtet und besitzt zwei leichtgebogene, 
gerundete Kanten. Das kleine kreisrunde Stielloch läßt ein niedriges Deltidium frei. 

Vom inneren Bau gewahrt man ein ziemlich kräftiges, langes Dorsalseptum und im Anschluß 
an letzteres schmale Schloßplatten. Am ventralen Wirbel werden zwei gebogene Zahnstützen und ein 
kürzeres, schwaches Medianseptum bemerkbar. 

Die Schalenoberfläche ist ganz glatt. 

Bemerkungen: Nicht im klaren bin ich mir darüber, ob wir es hier mit ganz jugendlichen oder 
im Wachstum bereits vorgeschrittenen Individuen zu tun haben. Die Ausbildung von Schnabel und Schloß- 
rand scheint das erstere wahrscheinlich zu machen. Auf alle Fälle kann die vorliegende Form in Beziehung 
gebracht werden zu Kingena orbis Qu., von der sie sich durch ihre fünfeckige, schlankere Gestalt, durch 
den spitzeren Schloßrand und durch den steilen, spitzen Wirbel unterscheidet. Einzelne Merkmale verweisen 
auch auf X. gutta Qu. und K. Friesenensis Qu. Bezüglich dieser Arten ist jedoch der Verwandtschafts- 
grad ein sehr minimaler. Erst eine größere Anzahl von Stücken kann uns über die Stellung dieser Form 
aufklären. 

Untersuchte Stücke: 4. 

Vorkommen: Duar. El-Käkür im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Lamellibranchiaten. 
Familie: Pinnidae Gray. 
Gattung: Trichites Plott. 


Trichites suprajurensis n. sp. 
Taf. II, Fig. 1a—b. 


Maße: Höhe: ca. 145 mm. 
Länge: 63 mm. 
Dicke: ca. 65 mm. 


Beschreibung: Die nicht sehr stark klaffende, ungleichklappige Form ist lang gestreckt, unten 
verbreitert, gegen den Wirbel hin verschmälert. Beide Klappen zeigen ziemlich kräftige Wölbung. 

Die größere rechte Schale verjüngt sich von unten nach oben ganz gleichmäßig. Sie ist zum 
größten Teil unregelmäßig konvex gebogen, in ihrem unteren Teil jedoch etwas konkav. Hinter dem 
spitzen, nach vorn gewendeten, terminalen Wirbel schwillt sie zu einem gegen den letzteren scharf abge- 
setzten Buckel an. Der enorm verdickte Vorderrand beschreibt eine flache, S-förmige Kurve. Der Hinterrand 
von sehr viel geringerer Dicke erscheint oben etwas eingebogen, unten ziemlich gerade. Beide Seitenränder 
gehen in anscheinend nahezu rechteckiger Rundung in den kurzen Unterrand über. 

Die linke Schale erleidet im Gegensatz zur rechten Klappe in ihrer Längsrichtung eine konkave 
Biegung. Ihre Gestalt ist etwas symmetrischer als die der letzteren, da die Schalendicke bei ihr nicht so 
ungleichmäßig verteilt ist. Ihre Wölbung übertrifft die der anderen Schale. Die Rückenlinie liegt wie bei 
dieser näher am Vorderrand. 

Die Skulptur besteht im Maximum aus acht, im Minimum aus fünf ungleich langen, gerundeten, 
durch grobe konzentrische Streifen gekerbten, vielfach dichotomierenden Radialrippen, welche sich nicht 
weit über das obere Schalendrittel hinab erstrecken und dann entweder ziemlich plötzlich aufhören oder aber 
in einige monströse Aufschwellungen auslaufen. Die übrigen Schalenpartien zeigen nur grobblätterige An- 


[33] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 97 


wachsstreifen. Die Schale ist von ausgezeichnet prismatischer Struktur, die an dem abgebrochenen Wirbel 
der rechten Klappe besonders deutlich zum Ausdruck kommt. Erstere schwillt an den Wirbeln zu außer- 
ordentlicher Dicke an, zeigt aber in der Unterregion relativ dünne Beschaffenheit. 

Bemerkungen: Bei beiden Klappen findet man die Eigentümlichkeit, daß die Rippen vorn am 
längsten sind und nach hinten allmählich kürzer werden. Zuweilen beschreiben sie einen nach hinten leicht 
konkaven Bogen. Die Breite, Dicke und Wölbung der Schale unterliegen anscheinend manchen Abände- 
rungen. Ihrer typischen Form darf man dagegen wohl ziemliche Konstanz zusprechen. 

Schon in den allgemeinen Umrissen unterscheidet sich die vorliegende Spezies von den in der 
Literatur aufgeführten Trichites-Typen, noch mehr aber in der Art der Berippung, in der eigenartigen 
Beschaffenheit der Wirbelregion, welche oben geschildert wurde, sowie in dem Größen- und Wölbungs- 
verhältnis der beiden Klappen. Hinsichtlich der äußeren Gestalt zeigt sich nun einige Ähnlichkeit bei 
T. Saussurei Desh. mit Bezug auf die von Thurmann und Etallon!) gegebene Abbildung. Keine Be- 
ziehungen sind dagegen zu ermitteln zu den Abbildungen derselben Form, wie sie von Deshayes?) und 
Loriol gegeben werden, von letzterem aus dem Se&quanien von Tonnerre®) und aus dem Pterocerien von 
Valfin®). Das gleiche gilt erst recht von den verschiedenen Arten, welche G. Boehm?’) aus dem kelheimer 
Diceraskalk beschrieb, Quenstedt‘) aus dem Malm = und Dogger ö von Schwaben sowie Lycett”) aus 
dem Großoolith von Minchinhampton. 

Unmesrsuehte Stlekes % 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Limidae d’Orb. 

Gattung: Lima Brug. 

Lima acutirostris n. sp. 
Taf. III, Fig. 2 a—c. 


Beschreibung: Die rechte Klappe besitzt viereckig-gerundete, im Verhältnis zur Länge 
ziemlich hohe, seitlich zusammengedrückte Gestalt. Der Vorderrand ist leicht S-förmig geschwungen, der 
Unterrand zeigt in Gemeinschaft mit dem Hinterrand kraftvolle Rundung. Am Wirbel ist der letztere wie 
der Vorderrand leicht konkav gebogen, wodurch die stark zugespitzte, schlanke Form der Wirbelregion ein 
noch karakteristischeres Aussehen erhält. Dieser schnabelartigen Beschaffenheit ihrer oberen Partie, welche 
‚durch die lange, schmale, stark vertiefte Lunula noch gesteigert wird, verdankt die vorliegende Spezies 
ihre Benennung. Die kleinen Ohren sind nahezu gleich groß. Die Längswölbung der Schale ist rela- 
tiv gering. 

Die Skulptur ist ähnlich derjenigen bei Lima sublaeviuscula n. sp. und Lima informis n. sp. Zahl- 
reiche, gerundete, flache Radialrippen und ihre linienartigen Zwischenräume werden von haarfeinen, konzen- 
trischen Streifen gekreuzt. Letztere veranlassen in den Zwischenräumen die karakteristische Punktierung. 
Auf der Lunula ändert sich diese Struktur. Der größere, der Schale zugewandte Teil, zeigt zwar die 
Radialberippung der letzteren. Nach dem Mantelrande hin beobachtet man indessen einige stärkere, durch 
sehr breite Zwischenräume getrennte Streifen, die mit den schwächeren Radialrippen konvergieren. In dem 
äußersten Zwischenraum tauchen zwei feine Zwischenrippchen auf. 

Bemerkungen: Noch mehr als Lima informis n. sp. entfernt sich diese Art von den Vertretern 
des Formenkreises der Zima laeviuscula Sow., mit denen sie ihre im großen Ganzen gleichartige Skulptur 
verbindet, durch ihre abweichende äußere Gestalt. Letzterer Umstand nötigt uns immerhin, einen gewissen 


1) 1861. Thurmann et Etallon, pag. 218, Taf. 27, Fig. 5. 

2) 1838. Deshayes. Conchyliologie, pag. 24, Taf. 38, Fig. 4. 

3) 1893. de Loriol. Tonnerre, pag. 136, Taf. ıı, Fig. 7. 

*) 1888. de Loriol. Valfin, pag. 300, Taf. 34, Fig. 1. 

>) 1882. G. Boehm. Bivalven..., pag. 170, Taf. 32 ff. 

®) 1853. Morris and Lycett. Bivalvia, pag. 35, Taf. 3, Fig. 11. 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII. 13 


98 Lothar Krumbeck. [34] 
Zusammenhang nicht aus dem Auge zu verlieren. Ein eingehender Vergleich erscheint bei dem vorliegenden 
geringen Material als unzweckmäßig. 

Untersuchte Stücke: ı. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Lima densistriata n. sp. 
Taf. III, Fig. 6a—c. 


Maße: Höhe: 28 mm. 
Länge: 27 mm. 
Dicke: S mm. 

Beschreibung: Das vorliegende Stück ist eine kleine, schief ovale, ungleichseitige, rechte 
Klappe. Der obere Teil des Vorderrandes ist konkav eingebogen, der übrige Außenrand verläuft unter 
kräftiger und ziemlich gleichmäßiger Rundung. Die Schale ist allseits kräftig gewölbt und fällt nach vorn 
etwas steiler ab. Der vorwärts gekrümmte Schnabel erscheint leicht zugespitzt. Die Lunula ist lanzett- 
lich, mittelbreit und schwach vertieft. Von den Ohren hat sich nur der Ansatz des vorderen erhalten. 

Der Schalenschmuck besteht aus über Ioo feinen, durch sehr schmale Zwischenräume getrenn- 
ten, gerundeten Radialrippen, die entweder ungeteilt vom Wirbel zum Mantelrand verlaufen oder im unter- 
sten Schalendrittel sich in zwei oder drei Äste spalten. Feine, mit unbewaffnetem Auge eben noch er- 
kennbare konzentrische Streifen kerben die Kanten der Radialrippen und erzeugen mit letzteren eine äußerst 
zierliche Gitterung der Schalenoberfläche. Die Lunula ist mit etwa 20, durch linienartig schmale Zwischen- 
räume getrennten, flachen Radialrippen bedeckt, welche in schiefer Richtung von feinen Zuwachsstreifen 
gekreuzt werden. Senkrecht zu den letzteren gewahrt das scharf bewaffnete Auge minutiös feine Rippchen, 
die in Verbindung mit den Anwachsstreifen die Lunula mit einem sehr zarten Gitterwerk überziehen. 

Bemerkungen: Man trifft demnach bei dieser Form drei nebeneinander bestehende Verzierungs- 
weisen: Einmal die Gitterung der Schale, dann die Grundstruktur der Lunula, die aus Radialrippen und 
schief zu diesen verlaufenden Zuwachsstreifen besteht; endlich die Rippchen, welche mit den letzteren das 
lunulare Gegitter hervorbringen. Es bleibt nun dahingestellt, ob diese Rippchen, die offenbar mit dem 
Wachstumsvorgang der Schale nichts zu tun haben, einer Druckwirkung oder einem mineralogischen Aus- 
scheidungsprozeß oder einer dritten Ursache ihre Entstehung verdanken. 

Form und Skulptur unseres Exemplars zeigen manche Anklänge an Lima densipunctata Roem.!) 
Seine schief-ovale Gestalt und die karakteristische Einbuchtung des Vorderrandes sind auch der letzteren 
Form eisen. Anderseits verleihen unserem Stück seine stärkere Wölbung und sein weiter ausladender 
Hinterrand von vornherein ein verschiedenartiges Aussehen. Bezüglich der Skulptur zeigt sich Überein- 
stimmung in der grofsen Anzahl der Radialrippen. Die Zuwachsstreifen treten bei Z. densipunctata Roem. 
nur in den Furchen auf. Bei unserem Stück überziehen sie dagegen Rippen und Zwischenräume und bringen 
bei den ersteren die typische Kerbung der Kanten hervor. Weitere Unterscheidungsmerkmale besitzt Lima 
densistriata in dem Dichotomieren ihrer Rippen sowie in der etwas anderen Skulptur der Lunula. Weit 
geringere Beziehungen ergeben sich zu Lima subdensipunctata Futt.?) aus dem Malm von Schoa. 

Lima densipunctata Röm. findet sich im Rauracien und Astartien von England °), im Virgulien von 
Porrentruy,), im Portland von Hannover°), im Kimmeridge von Pommern.®) 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Metein im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 


») 1836. Römer: Oolithengebirge, pag. 79, Taf. XIV, Fig. 3. 

2) 1897. Futterer. Schoa, pag. 586, Taf. XIX, Fig. 4, 4a, 5. 

3) 1877. Blacke and Huddleston. Corallian rocks. 

‘) 1863. Thurmann und Etallon. Lethea bruntrutana, pag. 245, Taf. XLII, Fig. 17. 
°) 1878. Struckmann. Ob. Jura, pag. 36. 

°) 1865. Sadebeck. Ob. Jura in Pommern, pag. 667. 


[35] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 99 


Lima sublaeviuscula n. sp. 
Taf. III, Fig. 3a—b. 


Maße: Höhe: 49, 47 mm. 
Länge: 45, 45 mm. 
Dicke: Io, IO mm. 


Beschreibung: Mittelgroße, ungleichseitige Art mit ziemlich langem, leicht einwärts gebogenem 
Vorderrande und allseitig gerundetem Unter- und Hinterrande. Die untere Schalenregion ist nach unten 
und vorn stark verbreitert, derart, daß etwa drei Fünftel der Schale auf ihre vordere Hälfte entfallen. Der 
Schloßrand ist kurz, gerade und geht gerundet in die Seitenränder über. Die Schale ist bei gleichartiger 
Wölbung mäßig stark gekrümmt. Ihr Längsprofil zeigt eine nach unten sanft abfallende, ziemlich gerade 
Kurve, nach oben ist die letztere etwas mehr gebogen. Der lange, zugespitzte, durch zwei Kanten begrenzte, 
schmale Wirbel überragt den Oberrand. Die Lunula ist lang, schmal und derart tief eingeschnitten, 
daß sich der angrenzende Teil der Schale zu einer sehr scharfen Kante gestaltet. Das vordere, langge- 
streckte, gerundete Ohr übertrifft das wenig karakteristische hintere ganz bedeutend an Größe. 

Die Skulptur der Schale besteht aus 6070 flachgerundeten, durchlaufenden Radialrippen, die 
durch schmale Zwischenfurchen getrennt werden. Rippen und Furchen werden von sehr zahlreichen, sehr 
feinen, konzentrischen Streifen gekreuzt, welche in den letzteren die karakteristische Punktierung erzeugen. 
Die Lunula scheint glatt gewesen zu sein. 

Bemerkungen: Die mir vorliegenden Stücke, zumeist linke Klappen, stellen verschiedene Alters- 
zustände dar. Das Größenwachstum äußert sich hier anscheinend in der stärkeren Zunahme der Höhe im 
Verhältnis zur Breite und in der relativen Abnahme des Grades der Schalenwölbung. Bei dem größten, 
nicht gemessenen Exemplar verschwindet die Berippung in der Wirbelregion. Die Radialrippen zeigen gegen 
den Unterrand hin eine Tendenz zur gruppenweisen Verschmelzung. Es bilden sich dann wenig erhabene 
Streifen von wechselnder Breite aus. 

Ohne Zweifel gehört unsere Art vermöge ihrer Gestalt und Skulptur zum Formenkreise der Lima 
laeviuscula Sow. Loriol!) bringt ein Individuum aus dem S&quanien von Sancourt zur Abbildung, das 
in der Form von Schale und Wirbel sowie in der Skulptur unserer Spezies sehr nahe steht. Auch die 
Wölbung zeigt die gleichen wesentlichen Merkmale. Bedeutende Unterschiede ergeben sich jedoch in der 
stärkeren Entwicklung der Lunula und des hinteren Ohres bei Z. laeviuscula Sow. 

Untersuchte Stücke, 5. 

Vorkommen: Kelbtal, Salimatal, in hellem, dichtem, oolithischem Kalkstein. 


Sammlung: Zumoffen. 


Lima libanensis n. sp. 
Taf. III, Fig. 5. 
Maße: Höhe: 3ı mm. 
Länge: 3I mm. 
Dicke: 9 mm. 

Beschreibung: Schief-dreieckige, ungleichseitige, linke Klappe, ebenso hoch wie lang. Der 
nicht sehr stark gebogene Unterrand geht mit kräftiger Rundung in die Seitenränder über. Die Vorder- 
seite ist kurz und etwas zugespitzt, die lange Hinterregion dagegen breit und gerundet. Dementsprechend 
fällt der vordere, etwas konkav gebogene Rand weitaus steiler vom Wirbel ab als der mehr horizontale, 
längere und gerade Hinterrand. Die Gestalt des Schloßrandes kann nicht bestimmt werden. Die Schale 
ist stark gewölbt, hinten ein wenig mehr als vorn. Der kurze, ziemlich stumpfe Wirbel ist stark nach 
vorn gewendet nnd überragt den Schloßrand beträchtlich. Die Lunula setzt sich mit wohlgerundetem 
Rand gegen die Schale ab. Sie ist nicht sehr tief, aber ziemlich lang und von bedeutender Breite. 


!) 1875. Loriol. Haute-Marne, pag. 375, Taf. XXI, Fig. 9. 
13% 


100 Lothar Krumbeck. [36] 


Die Skulptur der Schale besteht aus ungefähr 70 ganz flachgerundeten, breiten, durch schmale 
Rillen getrennten, gebogenen Radialrippen, die am Wirbel und am Vorderrand etwas stärker hervortreten. 
Im letzteren Falle nimmt ihre Breite ab, die Furchen sind dann am Wirbel vielfach breiter als die 
Rippen. Die sehr feine konzentrische Streifung, welche die letzteren überzieht, bringt in den Zwischen- 
räumen die zahlreichen, regelmäßig verteilten Punkte hervor, die aber an Zahl von den Anwachsstreifen 
weit übertroffen werden. Die Lunula ist mit einer größeren Anzahl von breiten, gebogenen, scharfkantigen 
Radialrippen verziert, die nach oben kurz und steil, nach unten aber ganz allmählich abfallen. Die konzen- 
trischen Streifen erzeugen hier nur eine Art von unregelmäßiger Kerbung der Rippengrate. 

Bemerkungen: Hinsichtlich der Umrisse unserer Form ergeben sich schwache Beziehungen zu 
Lima Pratzi G. Boehm, die mir in verschiedenen Exemplaren der münchner Staatssammlung aus dem 
kelheimer Diceraskalk und aus dem stramberger Tithon vorliegt. Ich habe dabei besonders ein kelheimer 
Stück im Auge mit gerade abgestutztem Vorder- und Hinterrand, das nach der Boehm schen Beschreibung 1) 
auch bezüglich der Skulptur mit Zima libanotica ziemliche Übereinstimmung zeigt. Während aber unsere 
Form sehr kräftige Wölbung aufweist, während ihr UmrifS schief-dreieckig, ihr Hinterrand von gerader oder 
leicht konkaver Beschaffenheit ist, ergibt sich für Lima Pratzi G. Boehm im allgemeinen eine geringere und 
etwas andersartige Wölbung der Schale und eine schief ovale Gestalt mit kräftig gebogenem Hinterrand. 

Ümtersnehte Setlalkez 2, 

Vorkommen: Metein im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 

Lima informis n. sp. 
Taf. III, Fig. 7a—c. 
Maße: Höhe: 56 mm. 
Länge: 48 mm. 
Dicke: 15 mm. 

Beschreibung: Die vorliegende rechte Klappe ist ziemlich gleichseitig, bedeutend höher als breit, 
vorn gerade abgeschnitten, unten stärker, hinten schwächer gerundet. Die Schale ist kräftig gewölbt und 
unterhalb des Wirbels stark aufgeblasen. Der letztere gewinnt dadurch eine weit plumpere Beschaffen- 
heit, als wir es bei Lima acutirostris n. sp. und bei Lima sublaeviuscula n. sp. vorfanden. Er ist im 
übrigen hinten steil gerundet, vorn durch die Lunularkante begrenzt und überragt den kurzen, rückwärts 
geneigten Schloßrand nicht unbeträchtlich. Die Lunula ist nicht sehr lang, breit und kräftig ausgehöhlt. 
Das Vorderohr ist größer als das schwach entwickelte hintere. 

Die Skulptur besteht aus sehr zahlreichen, flachen, mit vielen, sehr feinen, konzentrischen Streifen 
bedeckten Radialrippen, die durch punktierte Zwischenräume getrennt sind. Nach unten hin werden die 
Rippen erhabener und schmaler, die Furchen gewinnen dafür an Breite. Auf der Lunula findet sich 
lediglich radiäre Berippung. Die Ohren bieten gegenüber der Schale keine Besonderheiten dar. 

Bemerkungen: Von Lima sublaeviuscula n. sp. unterscheidet sich diese Art durch ihre gleich- 
seitigere Gestalt, durch die im Verhältnis zur Breite bedeutendere Höhe, durch stärkere Schalenwölbung, 
stumpfere Wirbelregion, kürzere, breitere Lunula. Wie die genannte Spezies, so gehört auch Lima infor- 
mis zum Formenkreise der Lima laeviuscula Sow. Vielleicht lassen sich an der Hand von umfangreicherem 
Material nähere Beziehungen zu Lima fumida Roem. feststellen. 

Untersuchte Stücke: I. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal in oolithischem Kalkstein. 

Sammlung: Zumoffen. 

Lima Zenobiae n. sp. 
Taf. III, Fig. 4. 
Maße: Höhe: 30 mm. 
Länge: 29 mm. 
Dicke: 5 mm. 
1) 1883. G. Boehm. Bivalven d. stramb. Schicht, pag. 636, Taf. LXIX, Fig. 17—109. 


[37] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 101 


Beschreibung: Die vorliegende linke Klappe ist schief oval, stark ungleichseitig und sehr flach. 
Der Vorderrand ist ausgeschnitten und geht eckig in den allseits kräftig gerundeten Mantelrand über. Der 
Hinterrand beschreibt eine flache, S-förmige Kurve und zieht in konkaver Schwingung zum Schloßrand 
empor. Die Wölbung der Schale ist relativ unbedeutend. Letztere ist unterhalb des Wirbels zwar ziemlich 
kräftig aufgeblasen, ihre Flanken steigen jedoch nur gegen den Hinterrand etwas steiler ab. Der Wirbel 
ist ziemlich breit und stumpf. Eine Lunula existiert nicht. Die karakteristischen Ohren sind sehr hoch 
angesetzt, von kräftiger Entwicklung und laufen in scharfe Ecken aus. Das kleinere vordere ist etwas 
stumpfwinklig, das größere ragt im spitzen Winkel nach hinten. Der Schloßrand biegt sich am Wirbel 
leicht ein. 

Die Oberfläche ist mit etwa 70 gleichartigen, gerundeten Radialrippen bedeckt, die durch 
schmalere Zwischenräume getrennt werden. Letztere zeigen unter der Lupe Reste von Punktierung. 

Bemerkungen: Bezüglich der schiefen Form dieser Art findet sich etwas Vergleichbares in 
Lima densipunctata Roem., wie sie in der Leihea bruntrutana abgebildet und beschrieben wird. Letztere 
Spezies zeigt eine ähnliche schiefovale Gestalt der Schale und die gleiche dichte Punktierung der Furchen 
wie Lima Zenobiae. Sie unterscheidet sich aber von dieser letzteren durch andersartige Schalenwölbung, 
durch das Vorhandensein einer Lunula und durch die niedriger angesetzten und vergleichsweise schwächer 
entwickelten Ohren. 

Untersuchte Stücke: ı. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Lima n. sp. 


Beschreibung Die nur teilweise beschalte linke Klappe ist von flacher, dreieckiger, anscheinend 
ziemlich gleichseitiger Gestalt. Der Unterrand ist kräftig gerundet. Vorder- und Hinterrand sind mäßig 
gebogen. Die Wirbelregion erscheint lang und zugespitzt. Die Muschel erhält derart ein hohes, schlankes 
Aussehen. Eine Lunula fehlt. Der Wirbel wird von dem einzig erhaltenen Ohr überragt. Letzteres ist 
ziemlich groß und vorn konkav ausgeschnitten. Sein Oberrand verläuft gerade und horizontal. Eine schwache 
Depression trennt es von dem Wirbel. 

Die Schalenskulptur besteht aus sehr zahlreichen, durchlaufenden, flachgerundeten, durch 
schmale Zwischenräume getrennten Radialrippen. Über Rippen und Furchen hinweg setzen feine, regel- 
“ mäßige, konzentrische Streifen und erzeugen eine regelmäßige, mit bloßem Auge erkennbare Punktierung 
der letzteren. Das Ohr ist mit etwa 6 kräftigen, zum Vorderrand parallelen Rippen bedeckt, die sich als 
Einkerbungen auf den Schlofßrand fortsetzen. 

Bemerkungen: Die flache Gestalt des vorliegenden Stückes im Verein mit seinem höchstwahr- 
scheinlich ziemlich gleichseitigen Umriß erinnert an Jugendformen von Lima aequilatera Buv. aus dem 
Astartien von Angolat, wie sie mir aus dem münchner Museum vorliegen. Auch bezüglich der Skulptur 
herrscht Übereinstimmung. Dagegen bildet das Fehlen einer Lunula in Verbindung mit derfür Lima etwas 
ungewöhnlichen Gestalt des Ohres, welche an Pecien gemahnt, ein spezifisches Karakteristikum unserer Art. 

Untersuchte Stücke: I. 

Vorkommen: EI-Kakür im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Lima sp. 


Beschreibung: Die vorliegende, stark beschädigte linke Schale ist etwa 30 mm hoch, etwa 
24 mm breit, von dreieckiger Gestalt, mit halbkreisföormig gerundetem Unterrande und kräftig verjüngter 
Wirbelregion. Die Wölbung der Klappe ist bedeutend, besonders gegen die Mitte hin. Der gerade Wirbel 
läuft spitz zu. Der Schloßrand ist nicht erhalten. Die Lunula erscheint ziemlich lang, nicht sehr breit 
und mäßig vertieft. Das hintere Ohr war anscheinend von bedeutender Größe. 


102 Lothar Krumbeck. [38] 


Die Skulptur besteht aus etwa 20 gerundeten Rippen, die durch breite Zwischenräume getrennt 
sind. Von der Schalenmitte ab nach unten verändern die ersteren ihr Aussehen. Sie werden kantig, fallen 
steil gegen die Intervalle ab und tragen auf der Mitte ihrer Oberfläche eine seichte Längsfurche. Unab- 
hängig von letzterer findet besonders gegen den Hinterrand zu eine partielle Teilung der Rippen statt in 
einen Hauptast und in einen Nebenast. Ersterer behält die Rückenfurche bei. Am Ansatzstück des hinteren 
Ohres finden sich einige quergestellte Zähnchen als Überbleibsel einer Querberippung. 

Bemerkungen: Beziehungen, wenn auch nur entfernterer Natur, eröffnen sich zu Lima Kobyi 
Lor.!) aus dem Pterocerien von Valfin. Übereinstimmung der beiden Formen läßt sich feststellen mit Bezug 
auf die Zahl, Beschaffenheit und Teilungsweise der Rippen. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Zwischen Merudsch und Antüra im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Lima sp. 

Beschreibung: Schlechterhaltenes rechtes Schalenexemplar mit nur teilweise erhaltenem Außen- 
rand und mit kräftig gewölbter Schale. Der Unterrand war augenscheinlich bedeutend gerundet, der Hinter- 
rand erscheint schwach konvex gebogen. Der Vorderrand besaß entweder geraden oder etwas konkaven 
Verlauf. Die Lunula ist flach, länglich und ziemlich schmal, Ohren und Schloßrand sind nicht 
erhalten. Die Wirbelregion spitzt sich ziemlich kräftig zu. Der Wirbel ist ein wenig nach vorn gewendet 
und überragte anscheinend den Schloßrand. 

Die Skulptur der Schale besteht aus etwa 50 schwach gerundeten Radialrippen. Diese ziehen 
vom Wirbel zum Aufßenrand ohne sich zu teilen und nehmen dabei kräftig an Breite zu, während ihre 
punktierten Zwischenräume eine nur geringere Erweiterung erfahren. 

Bemerkungen: Das vorliegende Stück zeigt, soweit es sein mangelhafter Erhaltungszustand er- 
kennen läßt, Ähnlichkeit mit Lima cypris Lor.?) aus dem Pterocerien von Valfin. Die beiderseitige Skulptur 
zeigt nicht unbedeutende Übereinstimmung. 

Untersuchte Stücke: I. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


- 


Familie: Pectinidae Lam. 
Gattung: Pecten Klein. 


Sämtlichen der Gattung angehörigen, vorliegenden Formen ist eine Anzahl von karakteristischen 
Merkmalen gemeinsam. In erster Linie die starke Schalenwölbung, ferner die weit vorragende, kräftig zuge- 
spitzte Wirbelregion und die Gleichwertigkeit der einzelnen Rippen. 


Pecten palmyrensis n. sp. 
Taf. III, Fig. Sa—b. 


Maße: Höhe: 24 mm. 
Länge: 24 mm. 
Dicke: 7 mm. 


Beschreibung: Das vorliegende, ziemlich gleichseitige Exemplar ist eine rechte Klappe mit teil- 
weise erhaltener Schale. Die letztere ist ebenso lang wie hoch, ihre vordere Partie erscheint etwas mehr 
zugestutzt und verlängert als die hintere. Der Unterrand verläuft nahezu halbkreisförmig. Vorder- und 
Hinterrand sind in scharfem Winkel gegen ihn abgesetzt und beide konkav gebogen. Der Hinterrand ist 
der kürzere, seine stärkste Einbiegung liest im unteren Teil seines Verlaufs. Der längere Vorderrand zeigt 


1) 18897 Loriol. Couches de Valfın, pag. 328, Taf. XXXIV, Fig. 7. 
2) 1887. Loriol. Couches de Valfın, pag. 325, Taf. XXXVI, Fig. 7—9. 


[39] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 103 


geringere und gleichmäfßigere Schwingung. Die kräftig gewölbte Schale ist in der Breite stärker gebogen 
als in der Längsrichtung und fällt mit gleichmäßiger Konvexität gegen den Mantelrand ab. Die Wirbel- 
region erscheint hingegen mehr zusammengedrückt, ihre Flanken krümmen sich überhängend zu den 
Ohren hinab. Der spitze, schlanke, stark gebogene Wirbel ist leicht nach innen und vorn gewendet. 
Der horizontale Schloßrand verläuft lang und gerade. Die Ohren sind von bedeutender Größe, Das 
vordere, längere, läuft schmal und spitzwinklig zu und hat unter sich einen tiefen Byssusausschnitt. Das 
hintere von kurzer und gedrungener Form endet in einen rechten Winkel. 

Die Skulptur der Schale besteht aus etwa 28 gleichartigen, an der Oberfläche ebenen, an den 
Kanten gerundeten Rippen, deren Vorderseite mit kaum wahrnehmbaren, flachen Einkerbungen versehen 
ist, Ihre Zwischenräume sind schmal und kantig. Das rechte Ohr ist mit etwa 7 nicht sehr deutlich her- 
vortretenden Radialrippen verziert, welche Überreste von konzentrischer Streifung aufweisen. An der Ansatz- 
stelle des linken Ohres haben sich ebenfalls Spuren einer feinen, regelmäßigen, konzentrischen Skulptur 
erhalten. 

Bemerkungen: Nähere Beziehungen der vorliegenden Spezies zu anderen Arten wurden nicht 
ermittelt. Ein Vergleich mit Pecien erinaceus Buv., der mit Bezug auf die von Loriol!) gegebene Abbildung 
im Äußeren etwas Ähnlichkeit mit unserem Typ besitzt, führte wegen durchgreifender Unterschiede zu einem 
negativen Resultat. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Pecten lykosensis n. sp. 
Taf. IV, Fig. 1a—c. 
Maße: Höhe: 7 mm. 


Länge: 7 mm. 
Dicke: 4 mm. 

Beschreibung: Sehr kleine, ziemlich gleichseitige, mäßig gewölbte Form, ebenso hoch wie 
breit. Vorder- und Hinterrand laufen geradlienig an dem zentralen, spitzen, leicht nach unten gekrümmten 
Wirbel zusammen, welcher den langen, horizontalen Schloßrand etwas überragt. Der letztere erscheint 
zu den beiden Ohren ausgezogen, von welchem das rechte, größere als spitz zulaufender Flügel seitwärts 
‚ hinausragt, während das andere nur wenig im stumpfen Winkel vorspringt. Unter dem Hauptohr befindet 
sich ein Byssusausschnitt. Beide Klappen sind von der gleichen Wölbung. 

Auf ihnen zeigen sich als Hauptskulpturelement durchgängig ıı kräftige, ungeteilte Rippen 
von der gleichen Breite wie ihre Zwischenräume. Rippen wie Furchen sind in ihren Konturen ebenmäßig 
gerundet und von sehr feinen Querstreifen überzogen. Die Rippen, insbesondere die der linken Schale, sind 
anscheinend alternierend mit wenigen, relativ großen, regelrecht angeordneten, hohlen Dornen besetzt. Der 
Außenrand wird durch die Berippung im Zickzack gekerbt. 

Bemerkungen: Unsere Exemplare stehen bezüglich ihrer Gesamterscheinung dem Pecien sub- 
spinosus Schloth. nahe, wie ihn Schlotheim?) und Goldfuß?°) abbilden. Als die Anzahl der Rippen 
geben beide Autoren übereinstimmend die Zahl 12 an, Quenstedt?) jedoch nur ı1. Nach ihnen sind auch 
nur die Furchen und die Seiten der Rippen mit Querstreifen bedeckt, ferner sollen die Rippen spitz zu- 
laufen. Aus der münchner Staatssammlung liegen mir nun typische Exemplare von P. subspinosus Schloth. 
vor aus dem Malm von Amberg und von Rammingen bei Ulm. Sie zeigen die gleiche Form der Rippen 
und dieselbe Art der konzentrischen Streifung, wie Pecten lykosensis. Diese Merkmale bieten sonach keine 
konstanten Unterschiede zwischen den mitteleuropäischen und den Libanonexemplaren. Solche ergaben sich 


ı) 1887. Loriol. Couches de Valfin, pag. 312, Taf. XXXV, Fig. 6. 
2) 1830. Schlotheim. Petrefaktenkunde, pag. 223. 

3) 1834. Goldfuß. Petref. Germaniae, pag. 46, Taf. XC, Fig. 4. 
*) 1885. Quenstedt. Petrefaktenkunde, pag. 772. 


104 Lothar Krumbeck. [40] 


vielmehr in der viel kräftigeren Ausbildung des Vorderohres und in dem anscheinend alternierenden Auf- 
treten der Rippendornen bei der hier beschriebenen Art. Beide Eigentümlichkeiten, in Verbindung mit der 
weitaus geringeren Größe unserer Exemplare, veranlassen mich, in ihnen eine neue, mit P. subspinosus 
Schloth. nah verwandte Spezies zu erblicken. 

Pecten subspinosus Schloth. findet sich!) im Sequanien und Kimm£ridgien des Aargaus, Schwabens 
und Frankens, im Rauracien von Gray, im Kimmeridge von Oberschlesien und Polen. 

Untersuchte Stücke: 4. 

Vorkommen: Duar im Salimatal. Mär Eljas im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Pecten n. sp. 
Tab. III, Fig. 9. 
Maße: Höhe: 37 mm. 
Länge: 37 >» 
Dicker > 

Beschreibung: Die vorliegende, gleichseitige, etwas zusammengedrückte Form ist weit größer 
als die beiden oben besprochenen. Der Unterrand erscheint kräftiger gerundet, die Wirbelregion stärker 
zugespitzt und bei der linken Schale ein wenig intensiver aufgewölbt als bei der rechten. Vorder- und 
Hinterrand sind etwas konkav gebogen und von gleicher Länge. Der Schloßrand nimmt geraden Ver- 
lauf, Die Ohren zeigen verschiedenen Bau. Das größere mit tiefem Byssuseinschnitt springt breit und 
rundlich abgestutzt nach vorn vor. Seine untere Partie ist gegen den Byssuseinschnitt hin ziemlich konkav 
gebogen. Das hintere ragt von langer Basis aus nur wenig nach außen. 

Die Skulptur der Schale besteht aus etwa 30 starken, oben gerundeten, gegen die Zwischenräume 
steil abgesetzten Radialrippen. Die ersteren sind anfangs viel schmaler als die letzteren, übertreffen sie 
jedoch am Mantelrand an Breite. Die Rippen sind gegen die Schalenmitte hin mit zwei Reihen seitlicher, 
regelmäßig angeordneter, kleiner, rundlicher Knötchen versehen. Nach dem Vorderrande hin schwillt die 
äußere Knötchenreihe stärker an und bildet in der Nähe des letzteren kräftige Anschwellungen, welche über 
die ganze Rippe quer hinweg laufen. 

Das hintere Ohr erscheint glatt bis auf drei nicht sehr stark markierte Radialreihen von etwas 
länglich gestalteten Knötchen. Das Vorderohr ist gegittert durch eine größere Anzahl von Radialstreifen 
und durch feine Querstreifen, die auf den ersteren entsprechende Knötchen erzeugen. 

Bemerkungen: Die beschriebene Art zeigt nahe Beziehungen zu Pecien lykosensis in der Form 
und Wölbungsart der Schalen. Unterschiede ergeben sich aus der Größe, Form und Skulptur der Ohren. 

Untersuchte Stücke: 2. Erhalten ist eine rechte Schale und die Wirbelregion einer linken, 
welche mangelnde Teile der ersteren ersetzt. 

Vorkommen: Duar im Kelbtal. Zwischen Merudsch und Antüra im Salimatal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Pecten sp. 
Taf. IV, Fig. 24—d. 


Beschreibung: Schalenbruchstück eines Exemplars mit außergewöhnlich stark gewölbter, mittlerer 
Schalenpartie und mit anscheinend nach vorn gelegenem Wirbel. Der Vorderrand scheint konkaven, der 
Hinterrand konvexen Verlauf besessen zu haben. Die 22, an ihrer Oberfläche ebenen, gegen die Zwischen- 
räume hin kantigen Rippen sind breiter als die letzteren und werden wie diese von sehr feinen Anwachs- 
streifen überzogen, die auf den Rippen nach oben, in den Furchen nach unten hin gebogen sind. Auf 
ihren Rückenkanten tragen die Rippen je zwei Reihen von verschieden großen, eng und regelmäßig zu- 
sammenstehenden, rundlichen Knötchen. Nach hinten schwellen die Knötchen der hinteren Reihe, nach 
vorn aber die der vorderen Reihe stärker an. Unter diesen letzteren zeigt sich auf den Flanken der Rippen 


t) Nach Moesch, Guembel, Etallon undRoemer. 


[41] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 105 


noch eine dritte Reihe sehr kleiner Knötchen. Ein spärlicher Überrest vom Ansatz des vorderen, wahr- 
scheinlich mächtig entwickelten Ohres, zeigt äußerst feine Streifung, welche schief zu der Richtung der 
Radialrippen der Schale verläuft. 

Bemerkungen: Die vorliegende Form besitzt anscheinend enge Beziehungen zu FPecten 
erinaceus, wie ihn Buvignier!) aus dem Argovien und Rauracien des Departements Meuse abgebildet hat. 
Übereinstimmung herrscht bezüglich der Wölbungsart der Schale, der gleichen Anzahl von Radialrippen 
und mit Bezug auf die Ausschmückung der letzteren mit drei Reihen von Knötchen. Anderseits ergibt 
sich eine Reihe von feineren Trennungsmerkmalen: Bei Buvignier erscheint die dritte Reihe der Knoten 
mitten auf den Rippen, Loriol?) fand sie bei keinem seiner Exemplare, bei uns zeigen sie sich aber auf 
der Außenseite der stärker ausgebildeten Knotenreihe. Dieser Unterschied in Verbindung mit der anscheinend 
abweichenden Skulptur des Vorderohres scheint unser Exemplar als eine vielleicht selbständige mit Pecten 
erinaceus Buv. allerdings nah verwandte Art zu kennzeichnen. Der mangelhafte Erhaltungszustand dieses 
einzigen Stückes läßt uns hier natürlich zu keinem festen Ergebnis gelangen. 

Untersuchte Stücke: ı. 

Vorkommen: Kelbtal. Nahe der »Grotte«. 


Sammlung: Zumoffen. 


Pecten sp. 


Beschreibung: Mittelgroßes, etwas zusammengedrücktes Exemplar, dessen Schale in der Länge 
und Breite regelmäßig und kräftig gewölbt ist. Der Unterrand ist breit und nicht sehr stark gebogen. 
Der Vorderrand erscheint etwas länger als der Hinterrand. Beide sind mäßig konkav geschweift. Die 
kräftig gebauchte Schale fällt ziemlich steil zu den Außenrändern ab. Der kurze, spitze, zentrale Wirbel 
überragt ein wenig den Schloßrand. Letzterer ist ziemlich lang, horizontal und von geradem Verlauf. 
Das vordere Ohr ist in die Länge gestreckt, abstehend und besitzt einen tiefen Byssusausschnitt. Das 
hintere Ohr schiebt sich von seiner breiten Ansatzstelle aus stumpfwinklig nach außen vor, 

Die Schalenskulptur besteht aus etwa 36 Radialrippen, die von minutiös feinen Anwachsstreifen 
überzogen werden. Erstere sind oben flach, an den Ecken kantig und von der gleichen Breite wie ihre 
Zwischenfurchen. Das vordere Ohr ist mit einer geringen Anzahl von Radialrippen bedeckt, die von häufi- 
geren, konzentrischen Streifen gekreuzt werden. Auf dem hinteren Ohr läßt sich Skulptur mit Sicherheit 
nicht feststellen. 

Bemerkungen: Die konzentrischen Streifen des Vorderohres sind bedeutend stärker als die 
‘der Schale. Die vorliegende Art besitzt manche Ähnlichkeit mit Pecien palmyrensis n. sp. Der Umstand, 
daß ihre Form durch Verdrückung stark gelitten hat, hält mich von näheren Vergleichen ab, 

Untersuchte Stücke: ı. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Ostreidae Lam. 
Gattung: Ostrea Lin. 
Ostrea akkabensis n. sp. 
Taf. V, Fig. 2a—b. 
Maße: Höhe: 47 mm. 
Länge: 47 > 
Dicke: 38 >» 
Beschreibung: Dickschalige, unregelmäßig gewölbte Muschel von etwa gleichseitig dreieckiger 
Gestalt. Die größere, stärker gekrümmte Unterschale weist in ihrer oberen und vorderen Partie eine 


1) 1852. Buvignier. Meuse. pag. 23, Taf. XIX, Fig. 7—12. 
2) 1887. Loriol. Valfin. pag. 312, Taf. XXXV, Fig. 4-6. 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. X VIII. 14 


106 Lothar Krumbeck. [42] 


ausgedehnte, leicht konkave Anwachsfläche auf, die mehr als ein Drittel der Schalenoberfläche einnimmt 
und den Wirbel gänzlich verwischt. Ihr Innenraum ist relativ wenig vertieft und zeigt parallel zum Außen- 
rand eine wohlabgegrenzte, breitgerundete Erhabenheit, welche das eigentliche Lumen der Schale umschließt. 
Der kleine, aber sehr tiefe Muskeleindruck hat die karakteristische Gestalt eines Pferdehufes. Die Liga- 
mentgrube ist breit und flach. Die kleinere, flachere Oberschale gewinnt infolge einer breiten, konzen- 
trischen, auf der Oberfläche verlaufenden Furche in ihrer unteren Hälfte konkave Beschaffenheit. 

Die Skulptur der Schale besteht aus groben, unregelmäßigen, konzentrischen Lamellen. 

Bemerkungen: Ein Vergleich mit Ostrea kakurensis n. sp. muß sich auf Eigentümlichkeiten 
des Schalenäußeren beschränken, da das Innere der ersteren nicht bekannt ist. Übereinstimmende Merkmale 
ergaben sich eigentlich gar nicht, wenn man nicht die ähnliche Lage und Form der Festwachsfläche und 
die Tendenz der Oberschale zu konkavem Einsinken bei Ostrea akkabensis als solche gelten lassen will. 
Dafür existiert eine Reihe von bedeutenden Unterschieden in der andersartigen Gestalt von Oszfrea kaku- 
rensis n. sp., welche durch bedeutendere Schalenhöhe, durch die breite und flache Rundung des Vorder- 
randes, durch die Ausbuchtung des Hinterrandes sowie durch die tiefe Aushöhlung der Oberschale karak- 
terisiert wird. Wir haben es hier offenbar, trotz der großen Formenmamnigfaltigkeit der oberjurassischen 
Austern, mit zwei gut umschriebenen Arten zu tun. In dieser Auffassung bestärkt uns eine Bemerkung von 
Loriol'), des Inhalts, daß der von ihm beschriebenen Osfrea moreana Buv. »scharfumgrenzte und ziemlich 
konstante Merkmale«e zukommen. Da nun Osfrea kakuria mit letzterer Spezies nächstverwandt ist, so 
trifft jene Erfahrung: vielleicht auch bei ihr zu. Das würde unserer Ansicht weiteres Gewicht verleihen. 
daß nämlich Ostrea akkabensis eine Art ist von selbständiger spezifischer Stellung. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Kefr Akkäb im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 

Ostrea kakurensis n. sp. 


Taf. V, Fig. 1. 
Maße: Höhe: 55 mm. 
Länge: 55 « 
Dicke: 36 « 


Beschreibung: Die vorliegende Muschel ist sehr ungleichklappige, ungefähr ebenso hoch wie 
lang, und besitzt in der Jugend dreieckigen, später mehr gerundeten Umriß. Die linke Schale zeigt eine 
ziemlich große, rundliche Anheftungsfläche, die eine Abplattung der Wirbelregion bewirkt. Ein eigentlicher 
Wirbel ist daher gar nicht ausgebildet. Die schräge, nach hinten gerichtete Neigung der Festwachsfläche 
verstärkt noch das an und für sich schon etwas gryphäenartige Aussehen des vorliegenden Stückes. Ein 
junges Exemplar zeigt diese Rückwärtsneigung der oberen Schalenregion in ganz unauffälliger Weise. Die 
Wölbung der beiden Klappen ist bedeutend. Die linke ist stark konvex, die rechte kräftig konkav 
gekrümmt. Vorderseite und Unterseite erscheinen mäßig« gebogen. Die Hinterseite wird durch eine kräftige, 
ziemlich schmale Ausbuchtung: des Hinterrandes gekennzeichnet, sowie durch eine seichte Furche, welche 
die letztere nach unten hin begrenzt. 

Die Skulptur der Schale besteht aus zahlreichen, unregelmäßigen, blättrigen Zuwachslamellen. 
Das kleinere Exemplar besitzt auf der Mitte seiner großen Klappe eine Reihe nicht sehr starker, runder 
Radialrippen, welche abwärts von der Anwachsplatte entspringen und in verschiedener Stärke bis zum 
Mantelrand hinabsetzen. 

Bemerkungen: Unsere Form vereinigt in sich Merkmale von Oszrea moreana Buv. und von 
Ostrea gryphaeata Schloth. Von der ersteren lassen die treftlichen Abbildungen und Beschreibungen bei 
Buvignier!) und Loriol?) die ähnliche Form und Wölbung der Schale und die relativ große Anwachs- 
fläche erkennen. Mit Ostrea gryphaeata Schloth., wie sie Loriol°) gibt, hat unser Stück lediglich die 


1) 1852. Buvignier. Statist. g&ol. de la Meuse, pag. 26, Taf. XVI, Fig. 41—43. 
2) 1874. Loriol et Pellat. Boulogne s. m., pag. 224, Taf. XXV, Fig. T. 
») 1834. Das gleiche, pag. 226, Taf. XX1V, Fig. 17. 


[43] Die Brachiopoden- und Moliuskenfauna des Glandarienkalkes. 107 


leichte gryphäenartige Hinneigung des Wirbels nach hinten gemeinsam. Wir legen deshalb auf die Be- 
ziehungen zu OÖ. moreana das größere Gewicht. Von der letzteren Spezies unterscheidet sich Ostrea 
kakurensis n. sp. durch ihre stärkere Schalenwölbung sowie durch die karakteristische Ausziehung der 
hinteren Region, welche von einer oberen und unteren Einbuchtung des Aufßenrandes begleitet ist. 
Unterseite Sunelkas > 
Vorkommen: Ain Hamäda und Duar im Salimatal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Ostrea sp. 
Kleine, dünne, meist oval gestaltete Muschel, deren Unterschale mit der ganzen Oberfläche fest- 
wächst und bald flach, bald gewölbt erscheint. Der Muskeleindruck hat die Form eines Pferdehufes. 
Umverswehn® Sewelkes Ak 
Vorkommen: Antüra im Salimatal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Gattung: Alectryonia Fischer. 


Alectryonia hastellata Schloth. 
Tab. IV, Fig. 3a—b. 
Synonyme: 
1820. Ostracites cristagalli hastellatus, Schlotheim. Petrefaktenkunde, pag. 243. 
1834—1840. Ostrea colubrina, Goldfuß. Petr. Germaniae, II, pag. S, Taf. LXXIV, Fig. 5a—e, 
1858. Ostrea hastellata, Quenstedt. Jura, pag. 750, Taf. XCI, Fig. 27. 
1862. » > Thurmann et Etallon. Lethea bruntrutana, pag. 279, Taf. XXXIX, Fig. 12. 


1874. Ostrea gregaria, Brauns. Ob. Jura, pag. 347. 
1881. Ostrea hastellata, Loriol. Couches de Wangen, pag. 97, Taf. XIII, Fig. 8—9. 


1882. » > Roeder. Terr. ä chailles von Pfirt, pag. 29, Taf. 1, Fig. 1. 
1882. Alectryonia hastellata, G. Boehm. Bivalven d. kelh. Dicerask., pag. 186. 
1883. » » G. Boehm. Bivalven d. str. Schichten, pag. 658, Taf. LXX, Fig. 30—31. 
1885. Ostrea hastellata, Bruder. Jura des Hohnstein, pag. 38, Taf. IV, Fig. 5. 
1892. » » Loriol. Jura bernois, pag. 346, Taf. XXXVI, Fig. 8. 
1893. » » Siemiradzki. Ob. Jura in Polen, pag. 115. 
1894. Alectryonia hastellata, Loriol, Jura bernois, pag. 72, Taf. IX, Fig. I—3. 
1896. » » Semenow. Mangyschlak, pag. 67, Taf. I, Fig. 19. 
Maße: Höhe: 47 mm, 
Länge: 16 » 
Dicke: I5 >» 


Beschreibung: Die vorliegende linke Schale ist bedeutend höher als breit und im Ganzen mäßig, 
gegen das untere Ende hin etwas stärker nach hinten gebogen. Sie verjüngt sich von der Stelle des größten 
Breitendurchmessers gleichmäßig nach unten. Ihre Form ist dachartig, ihr Querschnitt ähnelt einem Anti- 
parallelogramm. Der First dieses Daches ist eben und verbreitert sich nach unten unter gleichzeitigem 
Flacherwerden der Muschel. Auf dem Kamme dieser letzteren zieht näher dem Hinterrande eine nicht sehr 
kräftige Längsrippe entlang, von der aus zu beiden Seiten in der Richtung nach unten und außen ebenso 
starke und gerundete Rippen ausstrahlen. Die vorderen zweigen unmittelbar von der Mittelrippe ab und 
verästeln sich mehrfach. Die hinteren sind bei ihrem Beginn durch eine Längsfurche von der Hauptrippe 
getrennt und dichotomieren niemals. An den kräftigen Kanten des Schalenrückens bilden die Rippen beider- 
seits längliche Knoten und setzten unter nahezu rechtwinklicher Umbiegung in großer Anzahl als kräftige, 
gerade, regelmäßige, parallele Streifen an den senkrecht abfallenden Flanken herab. Ihre Zwischenräume 
sind ziemlich tief und spitzgerundet. 

Am Schaleninneren fällt der Kontrast auf zwischen dem kleinen Wohnraum des Tieres und 
der sehr bedeutenden Dicke der Schale. Ligamentgrube und Muskeleindruck sind nicht erhalten. 

14* 


108 Lothar Krumbeck. [44] 


Schalenbruchstücke dieser Spezies von einer anderen Lokalität (Mär Eljas) zeigen manche abwei- 
chenden Merkmale. Insbesondere erblickt man dort auf der konvexen Seite des Daches nie das vorhin 
erwähnte Dichotomieren der Seitenrippen. Letztere schwellen hingegen bei ihrem senkrechten Abbruch zu 
spitzen Dornen oder zu schmaler aber hocherhobenen Lamellen an, die in ihrem weiteren Verlauf eine breite 
Basis und einen scharfen, gratartigen Rücken aufweisen. Umgekehrt sind ihre Zwischenfurchen oben sehr 
breit und laufen an der Sohle spitz zu. Rippen wie Furchen sind von sehr zahlreichen gut markierten 
Zuwachsstreifen überzogen, deren zickzackartiger Verlauf bei den Stücken von Mar Eljas besonders deut- 
lich hervortritt. 

Bemerkungen: Die beiden beschriebenen und abgebildeten Typen erscheinen einander ziemlich 
unähnlich. An der Hand der zahlreichen Exemplare von Alectryonia hastellata Schloth., welche mir aus 
dem münchner Museum vorliegen, lassen sich jedoch Übergänge von der einen zur anderen Form mit 
Sicherheit feststellen. 

Bei einer Durchsicht der mezosoischen Ostreen des genannten Museums fiel es mir auf, daß Exem- 
plare von Ostrea carinata Lam. aus dem unteren Cenoman von Plauen bei Dresden bezüglich ihrer äußeren 
Gestalt von unserem an erster Statt beschriebenen Typ kaum zu unterscheiden sind. 

Umserstislare Seueker ©, 

Vorkommen: Duar im Salimatal. Schweir und Mär Eljäs im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Alectryonia sp. 

Der Wirbel des anscheinend ganz jungen, noch nicht festgewachsenen Exemplars liegt fast am 
Ende der kleinen, länglichen, mäßig stark gewölbten Schale. Der Mantelrand ist bis auf den konkaven 
Hinterrand konvex gebogen. Gegen den Unterrand stellt sich eine Reihe von sehr kräftigen, gerundeten 
Radialrippen ein, die den Außenrand in dem die Gattung kennzeichnenden Zickzack kerben. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Zwischen Ain Alak und Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen, 


Familie: Mytilidae Lam. 
Gattung: Mytilus Lin. 


Mytilus alatus n. sp. 
Taf. IV, Fig. 4a—b, Fig. 5. 


ypEE II: III: 
Maße: Höhe: 112, etwa Ioo, 84 mm. 
Tänge. 53, 52, 47 >» 
Dicke: Sy 36, 31022 


Beschreibung: Längliche Muschel von karakteristischer, dreieckiger Gestalt, die vom Wirbel 
aus nach der Mitte hin an Breite und Dicke erheblich zunimmt, um nach unten zu wieder schmaler und 
dünner zu werden. Die Wirbel sind terminal und nicht sehr stark nach vorn gebogen. Die Wirbelregion 
erscheint lang und kräftig zugespitzt. Der Schloßrand nimmt vom Wirbel aus schnurgeraden Verlauf und 
biegt in ziemlich scharfer Knickung in den Hinterrand um. Dieser schlägt seinerseits auch wieder gerade 
Richtung ein und geht weiterhin in den kräftig gerundeten Unterrand über. Der Vorderrand streicht von 
hier aus in einer zuerst auswärts, dann nach innen, schließlich wieder konvex geschweiften Linie zum 
Wirbel zurück, 

Der Rücken der Schale ist stark und breit gewölbt. Es begrenzt ihn vorn eine kräftige, breitgerun- 
dete Kante, die sich vom Wirbel aus in einem Bogen dem Hinterrand zuwendet, dann aber dem Vorder- 
rand zustrebt und dicht an diesem hinziehend in stetigem, konvexem Abfall in den Unterrand übergeht. 
Von dieser Kante aus fällt die Schale mit Ausnahme der oberen Partie sehr steil gegen vorn ab. Eine 


[45] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 109 


zweite, schwächer ausgeprägte, hintere Kante nimmt gleichfalls vom Wirbel ihren Ausgang. Sie verläuft in 
Divergenz mit der vorderen, aber auch in gewissem Sinne parallel zu ihr, gegen die Übergangsstelle von 
Hinter- und Unterrand derart, dafß sie alle Ein- und Ausbiegungen der Parallelkante mitmacht. Beide Kanten 
zusammen geben dem Schalenrücken seine karakteristisch-gebogene Gestalt. Auswärts von der Hinterkante 
verflacht und verschmälert sich die Schale zu der weit ausgebuchteten Hinterregion. Das Schloß ist nicht 


sichtbar. 
Die Skulptur der Oberfläche besteht aus feinen, regelmäßigen Anwachsstreifen, die zuweilen etwas 


gröbere Beschaffenheit erlangen. 

Bemerkungen: Der Schloßrand dieser Art ist von außergewöhnlicher Länge. Er übertrifft 
darin den Hinterrand. Von zwei Stücken, welche von dem gleichen Fundort stammen (I und III), zeichnet 
sich das größere vor dem anderen durch relativ bedeutendere Höhe und durch seine schlankere Form aus. 

Futterer!) weist hin auf die engen Beziehungen zwischen Mytilus intermedius Thurm.,2) Mytilus 
jurensis M£r.,3) und Mytilus tigrensis Blanf.,t) welche durch viele Übergänge miteinander verbunden sind. 
Mytilus alatus bildet in dieser Kette das vierte Glied. Er unterscheidet sich von M. tigrensıs Blanf., wie 
er von Futterer (loc. eit.) in übersichtlicher Weise beschrieben und abgebildet wurde, durch die folgenden 
Merkmale: Sein Schloßrand ist noch stärker verlängert. Die Hinterregion ladet schon bei Exemplar Il 
weiter aus und gewinnt bei I und III ein fast geflügeltes Aussehen. Der Schalenrücken ist unten bedeutend 
schmaler und hebt sich bis zum Unterrand deutlich vor der übrigen Schale heraus. Seine stärkste Wölbung 
liegt der Längsmitte näher. Auch der Querschnitt verhält sich abweichend. Diese Unterschiede lassen mir 
eine Abtrennung: der vorliegenden Stücke von M. jurensis und in zweiter Linie von M. tigrensis als ge- 
boten erscheinen. 

Untersuchte Stücke: 3. 

Vorkommen: Kefr Akkäb und Bekfeja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Mytilus cfr. furcatus Münst. 
Taf. IV, Fig. 6. 
Synonyme: 


1834. Mytilus furcatus Münster in Goldfuß. Petrafacta Germaniae, pag. 170, Taf. CXXIX, Fig. 6. 


1839. > » Roemer. Oolithengebirge, Nachtrag, pag. 33, Taf. XVIII, Fig. 38. 
‚1858. » » Quenstedt. Jura, pag. 757, Taf. XCII, Fig. 22. 

1859. » » Etallon. Haut-Jura, II, pag. 110. 

1864. » > Seebach. Hannoy. Jura, pag. 112. 

1874. » » Brauns. Ob. Jura, pag. 298. 

1874. > » Loriol et Pellat. Boulogne s. m., pag. 158, Taf. XVII, Fig. 15—16. 

1886. » » Loriol. Valfin, pag. 302, Taf. XXXIV, Fig. >. 


Maße: Höhe: 17 mm. 
Länge: Io mm. 
Dicke: 4,5 mm. 


Beschreibung: Rechte Klappe von typischer Schinkenform und von zierlicher, kleiner Gestalt. 
Der Schloßrand ist lang und gerade und bildet mit dem leicht gebogenen Hinterrand einen vorspringenden 
Winkel. Der kräftig gekrümmte Unterrand geht gerundet in den S-förmig geschwungenen Vorderrand über. 
Die Schale erscheint unten wenig gewölbt, schwillt jedoch nach oben hin in der Nähe des Vorderrandes 
sehr kräftig an, während sie zum Hinterrand bedeutend weniger steil abfällt. Die schlanke, zusammenge- 
preßte, hocherhobene, nach vorn gekrümmte Wirbelregion endigt in den spitzen, terminalen Wirbel. 


1) 1897. Futterer. Jura in Schoa. Zeitschr. D. geol. Ges., pag. 592, Taf, XX, Fig. 1. 
2) 1861. Thurmann et Etallon. Pag. 221, Taf. XXIX, Fig. 5. 

3) 1861. Dieselben, pag. 220, Taf. XXIX, Fig. 4. 

% 1870. Blanford. Abyssinia, pag. 201, Taf. VII, Fig. 3. 


11o Lothar Krumbeck. [46] 


Die Schalenskulptur besteht aus zahlreichen, ziemlich kräftigen Radialrippen, die in ihrem Verlauf 
von einzelnen, gröberen Zuwachsstreifen nicht unterbrochen werden und häufig dichotomieren. Sie sind 
mit regelmäßigen, dichtstehenden Körnchen besetzt. 

Bemerkungen: Das vorliegende Stück zeigt gute Übereinstimmung mit einem der im münchner 
Museum befindlichen Originalexemplare zu der von Goldfuß (l. c.) gegebenen Abbildung, welche aus dem 
Kimmeridgien von Nattheim stammen. Von letzteren Stücken unterscheidet sich unsere Form durch geringere 
Größe und Wölbung. Vielleicht sind diese Abweichungen indessen auf ihr jugendliches Alter zurückzuführen. 
Der von Loriol (loc. cit.) gegebene Typ aus dem Pteroc£rien von Valfin unterscheidet sich von unserem 
Individuum durch schlankeres und etwas mehr gewölbtes Aussehen. Die Größe ist dagegen bei beiden 
Vertretern gleich. Das von Quenstedt (l. c.) abgebildete Stück ist im Gegensatz zum unsrigen durch be- 
deutendere Länge und Schmalheit ausgezeichnet. Die Loriolschen Exemplare von Boulogne (loc. eit.) 
stehen unserem Typ nicht sehr nahe. 

Das gleiche gilt mit bezug auf das von Morris and Lycett?!) abgebildete Individuum aus dem 
Großoolith von Minchinhampton. 

Mytiliss furcatus Münst. findet sich im: Astartien und Kimmeridgien von Hannover, Sequanien von 
Boulogne, Pterocerien von Valfin, Kimmeridgien von Nattheim, Ulm, Sequanien von Amberg. 

Untersuchte Stücke: I. 

Vorkommen: Zwischen Merudsch und Antüra im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Gattung: Modiola Lam. 


Modiola Amphitrite n. sp. 
Taf. IV, Fig. 7 a—b. 
Maße: Höhe: II3Z mm. 
Länge: 45 > 
Dicke: 45 » 

Beschreibung: Etwas abgerollter, langer, stark zusammengedrückter, karakteristischer Stein- 
kern von der gleichen Breite wie Dicke. Wirbel terminal, fast zusammenstehend. Der langgestreckte 
Schloßrand geht mit scharfer Knickung in den Hinterrand über. Beide sind etwas konkav gebogen. Der 
Unterrand ist kurz und kräftig gerundet. Der Vorderrand erscheint S-förmig gekrümmt und geht mit ziem- 
lich starker Konvexität in den Schloßrand über. Ihre typische Gestalt aber erhält die vorliegende Muschel 
durch die Wölbungsart der Schalen. 

Vom Wirbel aus zieht eine gerundete, sehr deutlich abgesetzte Kante unter leichter S-förmiger, 
Schweifung schräg über die Schale hinweg zu der Vereinigungsstelle von Vorderrand und Unterrand. Sie 
erscheint oben nach hinten, unten nach vorn leicht ausgebogen und bildet in ihrem Verlauf überall den 
Kulminationspunkt des Schalenrückens. Der letztere fällt nach hinten steil und etwas konkav, nach vorn in 
sanfterer, konvexer Neigung gegen den Außenrand ab. Nach unten tritt eine Verbreiterung und Verflachung 
des Schalenrückens ein. In der Gegend der Abgrenzung zwischen Schloß- und Hinterrand, also etwa im 
oberen Teil des zweiten Schalendrittels, erscheint die Muschel im stumpfen Winkel nach hinten ausgebuchtet, 
Das Schloß hat sich nicht erhalten, 

Von der Schalenskulptur lassen die wenigen, abgeschliffenen Reste der Schale nichts erkennen. 

Bemerkungen: In Beziehungen tritt unsere Form zu Modiola subaequiplicata, wie sie Gold- 
fuß?) aus dem Portlandien des Kahleberges abbildet sowie zu Modiola Pantanellii Futterer?). Mit beiden 
Arten hat sie die starke Wölbung des Schalenrückens und den geraden Verlauf des Schloßrandes gemein- 
sam. Sie weicht von ihnen ab durch bedeutendere Höhe, schlankeren Umriß, durch andersartigen Verlauf 


1) 1853. Morris and Lycett. Bivalves. pag. 39, Taf. IV, Fig. 9. 
2) 1841-1844. Goldfuß. Petrefacta Germaniae, pag. 177, Taf. CXXXI, Fig. 7. 
3) 1894. Futterer. Jura von Schoa, pag. 594, Taf. XX, Fig. 4, 4a. 


[47] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. III 


und schärfere Markierung der Rückenkante. Im einzelnen betrachtet, steht unser Exemplar Modiola Panta- 
nellii Futt. näher in der weiteren Ausziehung des Hinterrandes und in der stärkeren Biegung des Vorder- 
randes. Mit Modiola subaequiplicata Goldf. hat es Ähnlichkeit mit Bezug auf die relativ geringe Länge 
des Schloßrandes und die kräftigere Herauswölbung der oberen Partie des Vorderrandes. 

Die hervorgehobenen Unterschiede machen trotz des nicht einwandfreien Erhaltungszustandes die 
Abtrennung der vorliegenden Form als selbständige Art zur Notwendigkeit. 

Wie Modiola Pantanelli Futt. gehört auch M. Amphitrite zu dem Formenkreise der Modiola 
aequiplicata Strombeck. Letztere findet sich im: Rauracien des Berner Jura, Haute-Marne, Meuse, Astartien 
von Oberbuchsitten, Tonnerre, England !), Polen ?), Hohnstein °), Sequanien und Kimmeridgien von Hannover und 
Porrentruy, Kimm£ridgien von La Rochelle, Haute-Saöne, Le Hävre, Yorkshire %). 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Kefr Akkäb im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Modiola sp. 
Taf. V, Fig. 3. 
Maße: Höhe: 33 mm. 
Länge: 16 mm. 
Dicke: I4 mm. 


Beschreibung: Schalenexemplar von nicht sehr langer, etwas gedrungener Gestalt und von 
ziemlich kräftiger Wölbung. Am Unterrand ist ein leichtes Klaffen zu bemerken. Letzterer wie der Vorder- 
rand sind nur teilweise erhalten. Der Schloßrand ist lang und gerade. Er geht am Wirbel in den 
Vorderrand über, der in seinem oberen Teil kräftig konvex gebogen ist. Nach unten, beim Übergang in 
den kürzeren, geraden Hinterrand erfährt er eine nicht sehr scharfe Abknickung, durch welche eine geringe 
Ausbuchtung der hinteren Schalenregion bewirkt wird. 

Die Oberregion unserer Muschel ist breit entwickelt. Die Wirbel sind beinahe terminal, eng 
aneinander geschoben und niedrig. Ihre Buckel schwellen kräftig an und begleiten eine Strecke weit den 
Schloßrand, den sie überragen. Dann setzen sie sich in den Schalenrücken fort, der in schräger Richtung 
dem vorderen Teil des Unterrandes zustrebt. Ersterer fällt nach hinten steil und etwas konkav, nach vorn 
sanfter und konvex ab uud erreicht etwas über der halben Schalenhöhe seine stärkste Aufwölbung. 

Die Schale ist dünn und mit deutlichen Zuwachsstreifen sowie mit ganz feinen, vielfach dicho- 
tomierenden, radialen Rippen verziert. 

Bemerkungen: Beziehungen scheinen sich zu ergeben zwischen der vorliegenden Form und 
Modiola aequiplicata Strombeck, wie sie Loriol?°) aus dem oberen Jura von Boulogne abbildet und anderen- 
orts®) beschreibt. Wir sehen die Ähnlichkeit der Umrisse, die annähernd gleiche Länge und dieselbe Art 
der Schalenverzierung. Unterscheidend wirken bei unserem Exemplar die größere Breite und die stärkere 
Entwicklung der Oberresion, der kürzere Schloßrand und der etwas andere Verlauf des Schalenrückens. 

Von den von anderen Autoren, wie Thurmann, Dollfuß, Buvignier, Goldfuß, Roemer 
u. a. beschriebenen Formen von Modiola aequiplicata Strombeck weicht unser Stück in weit erheblicherem 
Maße ab. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Mar Eljäs im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


1) 1895. Woodward. Jurass. rocks of Britain, pag. 220. 

2) 1893. Siemiradzki. Oberer Jura in Polen, pag. 120. 

®) 1885. Bruder. Jura des Hohnstein, pag. 71. 

%) 1892. Fox-Strangways. Jur. rocks of Britain, pag. 220. 
5) 1874. Loriol. Boulogne-s.-m., Taf. XVII, Fig. 21a, b. 

°%) 1872. Loriol. Haute-Marne, pag. 344. 


112 Lothar Krumbeck. [48] 


Gattung: Lithodomus Cuv. 


Lithodomus Lorioli n. sp. 
Taf. IV, Fig. 8a—c. 


Maße: Höhe: 10, I2 mm. 
Länge: 18, 20 mm. 
Dicke: II, 13 mm. 


Beschreibung: Kleine, gestreckt-ovale, niedrige, sehr ungleichseitige Muschel, die etwas dicker 
ist als hoch und von vorn nach hinten allmählich an Breite zunimmt. Infolge der terminalen Lage der 
Wirbel ist die Vorderseite auf ein Minimum beschränkt. Der Vorderrand ist kurz gerundet. Der Schlofßrand 
verläuft lang und gerade. Er geht mit stumpfwinkliger Abknickung in den kurzen, kräftig gebogenen 
Hinterrand über. An dieser Umbiegungsstelle erreicht unsere Form ihren größten Höhendurchmesser auf 
etwa zwei Drittel ihrer Längserstreckung. Der Unterrand ist von flacher, gleichmäßiger Rundung. 

Die Wirbel sind klein, einander sehr genähert und wenig hervorragend. Ihre Buckel aber 
schwellen kräftig an und entsenden ihre Flanken in konvexer Wölbung zum Vorderrand, Unterrand und 
Hinterrand. Nur gegen den Schloßrand hin zeigt ihr Abfall geringe Konkavität. 

Die Schale weist drei verschiedenartig verzierte Schichten auf. Die oberflächliche ist glatt, erst 
nach dem Rande hin stellt sich unregelmäßige Zuwachsstreifung ein. Die zweite Lage trägt feine, makro- 
skopisch nicht wahrnehmbare, konzentrische Rippchen von gleicher Stärke, die durch schmale Zwischen- 
räume voneinander getrennt sind. Die dritte Schicht wird gekennzeichnet durch feine, etwas unregelmäßige 
Radialstreifen, welche vielfach dichotomieren und wieder miteinander verschmelzen. 

Bemerkungen: Die vorliegende Art steht in nahen Beziehungen zu Lithodomus Pidanceti 
Guirand!) mit Bezug auf die von Loriol?) gegebene Abbildung und Beschreibung. Übereinstimmung 
herrscht hinsichtlich der Ansicht von oben und von vorn. Als unterscheidend ergibt sich bei unserer Form 
ihre geringere Größe, die stärkere Anschwellung ihrer Wirbelbuckel in Verbindung mit der geringeren Ver- 
breiterung der Hinterregion. Was die Schale betrifft, so spricht Loriol nur von einer einzigen Schicht 
mit unregelmäßiger, konzentrischer Streifung, während wir drei Schichtlamellen mit verschiedener Skulptur 
feststellten. 

Lithodomus Pidanceti Guirand wurde aus dem Pteroc&rien von Valfın beschrieben. 

Untersuchte Stücke: 5. 

Vorkommen: Duar im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen., 


Lithodomus Zumoffeni n. sp. 
Taf. IV, Fig. 9a—b. 
Maße: Höhe: 17, II mm. 
Länge: 38, 26 » 
Dicker, om» 

Beschreibung: Kleine Muschel von längsovalem, fast zylindrischem Umriß, vorn und hinten 
gleichartig und kräftig abgerundet, vorn jedoch etwas schmaler. Die Vorderseite erscheint verschwindend 
klein gegenüber der hinteren Region, die beständig an Höhe zunimmt, bis sie auf etwa zwei Drittel der 
Breitenerstreckung ihren größten Höhendurchmesser erreicht. Der Unterrand verläuft in gleichmäßiger, 
‚schwach konvexer Kurve. Der Schloßrand ist lang und gerade. Der Oberrand bildet in der Gegend der 
bedeutendsten Schalenhöhe nach oben ausladend einen kleinen, stumpfgerundeten Flügel und leitet konvex 
in den Hinterrand über. 

Die fast terminalen Wirbel sind klein, schwach eingerollt und einander sehr genähert. Ihre Buckel 
schwellen kräftig an, derart, daß sie sich über dem Schloßrande fast zusammenwölben, Auf etwa ein 


!) Die ersten Beschreibungen von Guirand und Ogerien sind mir leider nicht zugänglich. 
2) 1888. Loriol. Couches de Valfin, pag. ‚7 Taf. XXXIV, Fig. 9. 


[49] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 113 


Drittel der Schalenbreite erreichen sie ihre größte Anschwellung, die sich ganz allmählich zum Hinterrand 
abdacht. Von dem hierdurch gebildeten Schalenrücken aus steigen die Seitenteile der Schale nach oben in 
stärkerer, nach unten in schwächerer Aufkrimmung zum Aufßenrand hinab. Nur in die Ausziehung des 
Oberrandes gehen sie mit leichter Konkavität über. 

Die Schale ist dünn. Sehr bezeichnend sind ihre Zuwachsstreifen, von denen einzelne in karakte- 
ristischer Weise hervortreten. Sie haben die Form langsestreckten Ellipsen, deren vorderes Ende stets am 
Wirbel liest und deren hintere Pole sich auf der oberen Abdachung des Schalenrückens befinden. Die Ver- 
bindungslinie dieser Fixpunkte beschreibt eine gegen oben leicht konvex gebogene Linie, die also stets dem 
Oberrande genähert ist. 

Bemerkungen: Unter den mir vorliegenden Stücken befindet sich ein großes, anscheinend aus- 
gewachsenes Exemplar nebst jüngeren Formen in verschiedenen Größen. Im Laufe des Wachstums scheint 
sich bei dieser Spezies eine starke Zunahme der Schalenwölbung einzustellen in Verbindung mit schärferer 
Markierung einzelner Anwachsstreifen. 

Bedeutende Annäherung zeigt sich zwischen unseren Stücken und Modiola gradata Buv.!) Das gilt 
bezüglich der Seitenansicht, des Vorsprungs des Oberrandes und des scharfen Hervortretens einzelner kon- 
zentrischer Streifen. Als trennende Merkmale seien bei unseren Formen hervorgehoben: Die bedeutendere 
Schmalheit der Vorderseite im Hinblick auf die Verbreiterung der hinteren Region, der andersartige Verlauf 
der Zuwachsstreifen und schließlich die bedeutendere Größe. 

Modiola gradata Buv. findet sich im Se&quanien der Meuse und Yonne. 

Untersuchte Stücke: 6. 

Vorkommen: Mär Eljas, Duar, »Grotte« im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Nuculidae Gray. 
Gattung: Nucula Lam. 


Nucula sp. 
Taf. IV, Fig. I104—b. 


Beschreibung: Es liegen zwei mittelgroße, ziemlich gut erhaltene Steinkernexemplare vor. Das 
besser konservierte hat eine Höhe von 14 mm, eine Länge von 20 mm bei einer Dicke von Io mm. Die 
Schalen sind gleichklappig, aber ungleichseitig. Der Vorderrand ist kurz abgestutzt und gerundet. Die brei- 
‘“ tere Hinterseite erscheint lang ausgezogen. Die Wölbung ist auf der Mitte der Klappen gering, erst gegen 
den Aufenrand hin macht sich eine stärkere Abkrümmung bemerkbar. Zu letzterem parallel verläuft die 
Mantellinie zwischen den kräftig abgesetzten, oval gestalteten Muskelerhöhungen. Die starken, nach vorn 
gekrümmten Wirbel liegen im vordersten Schalendrittel. Eine Lunula war augenscheinlich vorhanden. Der 
vordere Schloßrand ist konkav, der hintere konvex gebogen. Die Struktur des Schlosses wird durch eine 
feine Zickzacklinie angezeigt, welche die vordere und hintere Schloßgrube des einen Steinkerns durchzieht. 

Untersuchte Stücke: 2. 

Vorkommen: Zwischen Bekfeja und Ain Alak im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Nucula sp. 


Beschreibung: Kleine, gleichklappige, flache Steinkerne mit kurzer, schart zulaufender Vorder- 
seite und verlängerter, mehr gerundeter Hinterregion. Die Wirbel sind schwach nach vorn gedreht, klein 
und stehen ziemlich weit voneinander ab. Eine Lunula war vorhanden. Die Schloßgruben lassen nicht sehr 
deutliche Überreste von kleinen, regelmäßigen, quergestellten Zähnchen erkennen. 

Bemerkungen: Es ist möglich, daß die vorliegende Form sich an Nucula Palestina Hamlin ?) 


1) 1852. Buvignier. Meuse, p. 22, Taf. XVII, Fig. 24—25. 
2) 1887. Noetling. Jura am Hermon, pag. 34, Taf. V, Fig.’ 14. 


Beiträge zur Paläcntologie Osterreich-Ungarns, Bd. XVII. 15 


114 Lothar Krumbeck. [50] 


anschließt, von der mir Exemplare der Blanckenhorn’schen Sammlung aus Medschdel-es-Schems vor- 
liegen. Bei der mangelhaften Erhaltung unserer Stücke kann hier lediglich eine Ähnlichkeit in der äußeren 
Form konstatiert werden. 

Untersuchte Stücke: 2. 

Vorkommen: Zwischen Ain Alak und Bekfeja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 
Cucullaea? sp. 


Beschreibung: Zwei mit wenigen Schalenresten bedeckte Steinkerne einer rechten und einer 
linken Klappe. Die linke größere ist 47 mm hoch, 60 mm breit, 19 mm dick. Ihre Form ist abgerundet- 
dreieckig, die der rechten Klappe trapezförmig. Die Vorderregion ist kürzer abgestutzt und breit gerundet, 
die Hinterseite erscheint langausgezogen. Der Unterrand verläuft unter geringer konvexer Biegung und ist 
bei dem kleineren Stück nach hinten leicht konkav geschweift. Die Oberfläche der Steinkerne ist von kräf- 
tiser Wölbung. Sie fällt gegen Mantelrand und Schloßrand steiler ab als in den mittleren Partien, wo eine 
mäfsige Aufbauchung Platz greift. Der starke, kräftig vorspringende Wirbel erscheint ziemlich weit nach 
vorn verlängert und etwas vorwärts gebogen. Es begrenzt ihn eine deutlich abgesetzte Kante, welche 
schräg zu der hinteren Schaleneeke hinzieht. Die Muskeleindrücke kennzeichnen sich als ovale, scharf abge- 
grenzte Erhebungen. 

Die dicke Schale wird von lamellösen, durch breite Zwischenräume getrennten, konzentrischen 
Rippen bedeckt, zwischen denen wieder zahlreiche, sehr feine, gerundete Zuwachsstreifen auftauchen. 

Bemerkungen: Das Schloß war trotz aller aufgewendeten Mühe nicht hierauszupräparieren. Da es 
ferner nicht gelang, die vorliegenden Stücke mit bekannten Formen in Beziehung zu bringen, so konnte 
das Genus nicht mit Sicherheit ermittelt werden. 

Untersuchte Stücke: 2. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

SammiInng: Zumoffen. 

Familie: Trigoniidae Lam. 
Gattung: Myophoria Bronn. 
Myophoria sp. 

Taf. V, Fig. 4. 

Beschreibung: Kleiner Steinkern von dreieckigem Umriß und ziemlich kräftioer Wölbung mit 
sehr beschädigtem Außenrand. Von dem starken, weit nach vorn gerückten Wirbel strahlen drei Kanten 
aus. Die stärkste, hintere, grenzt die Area ab, Die beiden vorderen zerlegen den übrigen Teil der Ober- 
fläche in drei ungleich große Felder. Innerhalb der langen, anscheinend spitzovalen Area tritt eine kleine, 
ovale Lunula hervor. | 

Die Skulptur des Hauptteils der Schale besteht aus zahlreichen, kräftigen, gerundeten, konzen- 
trischen Rippen, die an den beiden vorderen Kanten eine geringe Abknickung erfahren. Der Schmuck der 
Area und Lunula hat sich nicht erhalten. 

Bemerkungen: Der Wirbel erscheint leicht nach hinten gedreht und durch die vordere und hin- 
tere Kante scharf begrenzt. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Zwischen Ain Alak und. Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Gattung: Trigonia Brug. 
Trigonia libanensis n. sp. 
Taf. V, Fig. 5a—b. 
Maße: Höhe: 24 mm. 
Länge: 28 mm. 
Dicke: 18 mm. 


[51] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. IT, 


Beschreibung: Kleine, gleichklappige, ungleichseitige Form von dreieckiger Gestalt, fast so hoch 
wie breit. Die Vorderregion besitzt parabolischen Umriß und erscheint breit abgestutzt. Die Hinterseite 
zeigt verlängerte und zugespitzte Beschaffenheit. Der vordere Schloßrand wird von dem kürzeren Hinterrand 
durch eine deutlich markierte Hervorragung des Aufßenrandes getrennt. Die beiden ersteren sind leicht 
konkav gebogen. Der Hinterrand geht weiterhin unter scharfer, spitzwinklicher Umknickung in den 
Unterrand über, welcher anfangs gerade verläuft, um dann im schwachen Bogen in den stark gekrümmten 
Vorderrand überzugehen. Der Wirbel liegt weit nach vorn geschoben und zeigt kräftige Neigung nach 
hinten. Es verbindet ihn mit der Spitze der Hinterseite eine starke, schön geschwungene, etwas gekörnelte 
Rippe, welche die Area von der übrigen Schale sondert. 

Letztere wird von etwa 30 konzentrischen, leicht geschwungenen Rippen bedeckt, die vorn und 
hinten eine schwache Aufbiesung erkennen lassen. 

Die Area zerfällt in zwei scharf getrennte Abschnitte, die eigentliche äußere Area und eine lunula- 
artige Innenarea von spitzovalem Umriß. 

Die Außenarea wird durch eine gutmarkierte Radialfurche in zwei ungleich große Hälften 
geschieden. Ihre Verzierung bilden 15 feine, schwach geriefte Radialrippen. 

Die Innenarea weist zweierlei Arten von Verzierung auf. In ihrem der Außenaurea anliegenden 
Teil bemerkt man 5 Radialrippen, die sich bis zur Mitte der Lunula erstrecken und stärker sind als die 
Radialrippen der ersteren. Sie werden von kurzen konzentrischen Rippen gekreuzt und erscheinen daher 
wie gekörnelt. Die letzteren sind sehr zahlreich und werden nach dem Wirbel zu feiner und dichtergedrängt. 

Bemerkungen; Die parabolische Gestalt des Vorderrandes unserer Muschel erinnert an Trigonia 
suprajurensis Ag.!) aus dem Portlandien von Laufen (Kanton Solothurn). 

Engere Beziehungen hinsichtlich der Größe und Form des vorliegenden Stückes sowie der Schwin- 
gungsart seiner Schalenrippen ergeben sich zu Trigonia papillata, wie sie Agassiz°’) aus dem Oxfordien 
von Dives (Calvados) beschrieb. Zum Unterschied von letzterer Art finden wir bei Trigonia libanensis 
andere Gestalt und Skulptur der Area nebst einer bedeutend größeren Anzahl von Schalenrippen, die bei 7. 
papülata Ag. überdies niemals an die Arealkante heranreichen. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Duar im Salimatal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Astartidae Gray. 
Gattung: Astarte Sow. 


Astarte sp. 
Taf. V, Fig. 60«—c. 


Maße: Höhe: 3 mm. 
Länge: 8 mm. 
Dicke: 5 mm. 

Beschreibung: Kleine, gleichklappige, sehr ungleichseitige, viereckige Muschel, deren Wirbel- 
region so weit nach vorn liegt, daß die Vorderseite auf eine kurze, scharfe Vorbuchtung beschränkt wird. 
Die Hinterregion ist lang und sehr breit abgestutzt. Der vordere Schloßrand erscheint in seiner steilen 
Stellung gegen den hinteren Schlofrand fast im Betrage eines rechten Winkels abgebogen. Der letztere 
wieder ist gegen den Hinterrand winklig abgesetzt. Unterrand und Hinterrand zusammen nähern sich der 
Halbkreisform. Die Schalen sind in der Mitte kräftig aufgetrieben. Die Wirbel ragen spitz empor, berühren 
sich nahezu und umschließen mit ihren vorderen Kanten eine leicht vertiefte Lunula von der Form eines 
Apfelkerns. Ihre hinteren Kanten umgrenzen ein schmales, langes Feldchen. 

Die Skulptur der Schale besteht aus schmalen, regelmäßig angeordneten, konzentrischen Rippen, 
die durch bedeutend breitere Furchen getrennt werden. 

1) 1840. Agassiz. M&moire sur les Trigonies, pag. 42, Taf. V, Fig. 1-6. 

2) Das gleiche, pag. 39, Taf. V, Fig. I0—14. 


116 Lothar Krumbeck. [52] 


Bemerkungen: Es lassen sich nähere Beziehungen vermuten zu Astarte curvirostris Roem., wie 
sie Loriol!) aus dem S&quanien von Haute-Marne zur Darstellung bringt. Gemeinsame Merkmale ergeben 
sich bezüglich der Größe der Stücke und der Beschaffenheit von Lunula und Schildchen. Der Winkel zwischen 
Schloßrand und Hinterrand, welcher der Loriol’schen Figur ihr karakteristisches Aussehen verleiht, tritt 
an dem einen unserer Steinkerne in noch ausgesprochenerer Weise auf. 

Unterschiede bestehen einmal hinsichtlich der Wölbungsart der Schalen: Unsere Exemplare sind 
in der Mitte zwar sehr kräftig aufgetrieben, erscheinen jedoch gegen den Außenrand hin manchmal sogar 
etwas konkav. Bei Astarte curvirostris setzt sich die konvexe Biegung aber stets bis zum Mantelrand fort. 
Es ist ferner die von Loriol erwähnte, tiefe, konzentrische Furche bei den vorliegenden Stücken nicht vor- 
handen. Die Möglichkeit darf daher als nicht ausgeschlossen gelten, daß unser Typ spezifisch neu ist. 

Untersuchte Stücke: 2. 

Vorkommen: Zwischen Ain Alak und Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Megalodontidae Zitt. 
Gattung: Pachyerisma Morris and Lycett. 


Pachyerisma Blanckenhorni n. sp. 
Taf. V, Fig. 7a—b. 

Maße: Höhe: 55 mm. 
Länge: 63 mm. 
Dicke: 22 mm. 


Beschreibung: Die vorliegende rechte Klappe von kräftiger Wölbung und ziemlich ungleich- 
seitiger Form ist breiter als hoch. Die Hinterregion erscheint kürzer als die vordere und sehr breit abge- 
stutzt, so daß der Hinterrand oben und unten zwar gerundet aber nahezu im rechten Winkel in den an- 
grenzenden Aufenrand übergeht. Im Gegensatz hierzu ist die Vorderseite länger und schmaler. Ihr kräftig 
konkaver Vorderrand geht mit mäßiger Rundung in den schwach gebogenen Unterrand und in den etwas 
mehr gekrümmten Schloßrand über. An Länge übertreffen die beiden letzteren selbst den Hinterrand nicht 
unbeträchtlich. 

Der äußeren Gestalt nach zerfällt diese Schale in zwei scharf gesonderte Abschnitte: in den 
durchweg konvex gewölbten Hauptteil der Schale und in die flügelartig vorspringende, leicht konkave 
Hinterregion, deren Niveau bedeutend liefer liegt als das des ersteren. Zwischen sie schiebt sich als ver- 
mittelndes Element eine sehr breite, gerundete Kante ein, die den Wirbel nach hinten scharf begrenzt und 
in schräger Lage unter stetiger Verbreiterung zu der hinteren unteren Ecke der Muschel zieht. 

Der Wirbel ist ziemlich klein, etwas abgeplattet und ein wenig vorwärts gedreht. Er findet seine 
vordere Begrenzung durch eine kurze, schwach markierte Kante. 

Die massive Schloßplatte erscheint breit und dick. Ihre obere Grenze, der Schloßrand, dacht 
sich nach vorn und hinten ziemlich gleichmäßig ab, nach vorn eher etwas stärker. Ihr Unterrand zeigt je 
nach der Beschaffenheit des Schlosses einen mannigfach gekrümmten Verlauf, welcher seine Signatur er- 
hält durch eine starke hintere und eine mediane Ausbuchtung der Schloßplatte. 

Der starke, plumpe, allseits gerundete, etwas schräg nach hinten gerichtete Kardinalzahn von 
ovaler Gestalt fällt an seiner Vorderseite steil ab gegen die dreieckige Grube des Hauptzahns der linken 
Klappe, welch’ erstere ziemlich tief unter den Schloßrand einschneidet. Die kräftige Entwicklung dieser 
beiden Schloßelemente ist die Ursache der medianen Verbreiterung der Schloßplatte. 

Unmittelbar dahinter tritt dann eine bedeutende Verschmälerung der letzteren ein. Darauf folgt die 
hintere Verbreiterung, welche durch den großen, langen, runden, gebogenen, hinteren Schloßzahn 
bewirkt wird. Dadurch, daß dieser anfangs schräg nach unten zieht und sich dann wieder mehr nach hinten 
wendet, grenzt er eine große, tiefe, ovale Grube für den Seitenzahn der linken Klappe ab. 


!") 1872. Lorio]. Haute-Marne, pag. 283, Taf. XVI, Fig. 15. 


[53] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 117 


Der vordere Teil des Schlosses ist erheblich beschädigt. Man nimmt hier lediglich den Ansatz einer 
dünnen Leiste war, die parallel zum Schloßrand verläuft und bei der Präparation nicht erhalten werden 
konnte. Am vorderen Ende dieser Leiste erfährt die Schloßplatte ihren Abschluß durch eine letzte Ver- 
breiterung, welche von dem vorderen Muskeleindruck anscheinend unterhöhlt wurde. 

Die Schale erscheint im allgemeinen sehr dick, in der Hinterregion aber beträchtlich dünner. Ihre 
Oberfläche ist mit feinen, regelmäßig angeordneten, lamellösen, konzentrischen Streifen verziert, zwischen 
denen minutiös feine Anwachsrippchen hervortreten. 

Bemerkungen: Die von mir ergänzten Teile des Schlosses waren ursprünglich vorhanden und 
gingen erst bei der Präparation verloren infolge der Härte des Kalkes und der Sprödigkeit der in Kalkspat 
metamorphosierten Schale. 

Beziehungen zu anderen Formen eröffnen sich nur in beschränkter Weise. Bezüglich der äußeren 
Gestalt zeigt unser Stück einige Annäherung an eine nicht näher bestimmte rechte Klappe einer Pachye- 
risma des münchner Museums, welche mir aus dem mittleren Malm von Minchinghampton vorliegt. Aber 
die Kante ist dort weniger stark ausgeprägt, der Hinterfügel zeigt geringere Verbreiterung und der stär- 
kere Wirbel liegt mehr nach vorn geschoben. Hinsichtlich des Schaleninnern ergibt sich eine gewisse Über- 
einstimmung in der Gestalt des Schloßzahnes und der Schloßgrube. Die übrigen Partien des Schlosses zeigen 
bemerkenswerte Abweichungen von unserem Typ. 

Nicht viel günstiger fällt ein Vergleich aus mit Pachyerisma septiferum Buv.!), wie sie Loriol?) 
aus dem Rauracien des Berner Jura zur Darstellung bringt. Dieses Fossil ist höher und bedeutend schmaler 
als unsere Form, Die Hinterregion zeigt viel geringere Ausdehnung, der Wirbel erscheint stärker ausgebildet 
Das Schloß nähert sich dem unsrigen etwas mehr als das des Exemplars von Minchinghampton, denn außer 
Kardinalzahn und Grube ist ein vorderer und hinterer Seitenzahn vorhanden. Die Einzelheiten erweisen sich 
jedoch als stark abweichend. 

Ein karakteristisches Merkmal der Gattung Pachyerisma bildet bekanntlich die dem hinteren 
Schließmuskel zur Anheftung dienende Leiste. Durch Abbrechen des hinteren Schalenflügels wurde 
festgestellt, daß eine solche dem vorliegenden Stück fehlt. Es erscheint daher als nicht ausgeschlossen, daß 
das letztere der Vertreter einer neuen Gattung ist. 

Untersuchte Stücke: LI. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Isocardiidae Gray 
Gattung: Isocardia Lam. 
Isocardia eljasensis n. sp. 

Taf. V, Fig. 1004 —b. 

Beschreibung: Sehr ungleichseitige, längsovale, linke Klappe mit kräftig und gleichmäßig ge- 
wölbter Schale. Die Vorderseite ist sehr kurz und mäßig konvex gebogen. Der Verlauf von Unterrand 
und Hinterrand bleibt des mangelhaften Erhaltungszustandes wegen unbekannt. Der breite, gerundete, etwas 
plumpe Wirbel ist stark nach vorn und außen gewendet. 

Das Schloß ist wohlerhalten. Auf der schmalen, aber kräftigen Schlofßplatte stehen zwei, zum 
Schloßrand parallele, schmale, leistenartige Zähne, von denen der vordere den hinteren an Länge und Breite 
übertrifft. Die Schloßplatte wird vorn durch eine schräg von innen und hinten heraufziehende Leiste ver- 
stärkt, die dem entsprechenden Zahn der rechten Klappe als Widerlager dient. 

Die ziemlich dicke Schale ist von feinen Zuwachsstreifen überzogen. 

Bemerkungen: Ähnlichkeit in der äußeren Form besteht zwischen unserer Muschel und einer 
Isocardia sp. aus dem Dogger von Balin, die mir aus dem münchner Museum vorliegt. Sie ist indessen 
größer als unser Stück, die Schale besitzt stärkere Wölbung, der Wirbel erscheint noch mehr nach vorn 


1) 1891. Loriol. Couches corall. inf. du Jura bernois, pag. 228, Taf. XXV, Fig. 3—4. 
2) 1895. Loriol. Rauracien sup. du Jura bernois, pag. 37, Taf. XIII, Fig. 2—3. 


108) Lothar Krumbeck. [54] 


gerückt und die Vorderseite infolgedessen kürzer, die Schloßplatte stärker geneigt. Das mangelhaft er- 
haltene Schloß zeigt Anklänge an das unsrige. 

Untersuchte Stücke: I. 

Vorkommen: Mär Eljäs im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 
Isocardia sp. 
Ian, N, 181 m 


Maße: Höhe: I9 mm. 

Länge: 21 » 

Dicker 
Beschreibung: Kleine, ovale, stark aufgeblähte, ungleichseitige Form mit kurzer, relativ schmaler 
Vorderregion und mit stark verlängertem, breit abgestutztem Hinterteil. Der Mantelrand ist nahezu halb- 
kreisförmig gebogen und geht unter stumpfwinkliger Abknickung in den mäßig konvexen Oberrand über. 
Der weit nach vorn gelegene Wirbel erscheint klein, stumpf und kräftig vorwärts gedreht. Unmittelbar 
unterhalb des letzteren erreicht die Schale ihre stärkste Aufbauchung und fällt dann nach allen Seiten kon- 
vex zum Aufßenrand ab. Nur gegen den vorderen Schloßrand hin macht sich eine schwache Konkavi- 


tät geltend. i 
Unter dem Schloßrand kommt ein schmaler, leistenartiger, nur leicht angedeuteter Schloßzahn zum 


Vorschein. 

Die Schale ist mit sehr zahlreichen, feinen, regelmäßigen, konzentrischen Streifen verziert, die 
bedeutend breiter sind als ihre Zwischenfurchen. 

Bemerkungen: Die Beziehungen der vorliegenden Form zu /socardia eljasensis n. sp. beschränken 
sich auf Ähnlichkeiten in der Gestalt und Drehung des Wirbels sowie in der Skulptur. Zu mitteleuropäischen 
Arten konnte keinerlei Verwandtschaft ermittelt werden. 

Untersuchte Stücke: I. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Lucinidae Desh. 
Gattung: Unicardium d’Orb. 


Unicardium subglobosum n.: sp. 
Taf. V, Fig. 12. 


Maße: Höhe: 18 mm. 
Länge: 25 mm. 
Dicke: 16 mm. 

Beschreibung: Kleine, längsovale, gleichklappige und ziemlich gleichseitige Muschel. Beide 
Klappen sind fest geschlossen. Vorderseite und Hinterseite erscheinen gleichlang. Erstere ist breiter abge- 
stutzt, letztere schmaler gerundet. Der Unterrand verläuft in mäßiger Biegung. Der Schloßrand ist hori- 
zontal. Die Schalen sind sehr kräftig gewölbt. Ihre Mitte schwillt hoch an und fällt nach allen Seiten, be- 
sonders nach oben und unten hin, ziemlich steil ab. Die kleinen, stark gekrümmten, leicht nach vorn gedrehten 
Wirbel stoßen über dem Schloßrand zusammen. 

Die Schalenskulptur wird aus zahlreichen, kräftigen, rundlichen, konzentrischen Rippen gebildet, 
die keinerlei regelmäßige Anordnung erkennen lassen. 

Bemerkungen: Verwandtschaftliche Beziehungen ergeben sich zu Unicardium globosum d’Orb. 
(Mactromya globosa Ag.), wie sie von Agassiz!) und Loriol?) beschrieben und abgebildet wird. Es 

1) 1843. Agassiz. Monographie des Myes, pag. 200, Taf. 9a, Fig. 9—14. 

2) 1896. Loriol. Oxfordien sup. du Jura bernois, pag. 87, Taf. XII, Fig. 1I—12. 


[55] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 119 


herrscht Übereinstimmung in bezug auf die allgemeine Form, die starke Aufblähung der Schalen, die Be- 
schaffenheit der Wirbel und die unregelmäßige, konzentrische Skulptur. 

Auf der anderen Seite müssen einige Verschiedenheiten konstatiert werden. Unicardium globosum 
d’Orb. besitzt auf der Schalenmitte eine leichte Abplattung, während sich unser Exemplar durch bedeutende 
Aufwölbung auszeichnet. Bei der ersteren Form erscheint ferner die Vorderseite relativ kurz und abgestutzt, 
während wir sie von unserem Stück als schmaler gerundet und von der gleichen Länge wie die Hinterseite 
beschrieben haben. Zum Schluß darf die geringere Größe unseres Individuums nicht unerwähnt bleiben. 

Diese Unterschiede veranlassen mich, den vorliegenden Typ als neu, aber nahe verwandt mit 
Unicardium globosum d’Orb. aufzufassen. 

Die letztere Spezies findet sich im: Rauracien des Berner Jura !) und von Haute-Saöne 2), Sequanien 
des Aargauer Jura.°) 

Umtersucehter Stücke: Tr, 

Vorkommen: Zwischen Ain Alak und Bekfeja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Cardiidae Lam. 
Gattung: Cardium Lin. 
Cardium corallinum Leym. 
Taf. V, Fig. Sa—b. 
Synonyme: 


1843. Cardium striatum Buvignier. M&m, Soc. philom. de Verdun, pag. 229. Taf. III, Fig. 20—21. 


1845. » corallinım Leymerie. Statist. g&ol. de l’Aube, pag. 252, Atlas, Taf. X, Fig. 11. 

1852. » cochleatum Quenstedt. Petrefaktenkunde, I. Ausg, pag. 540, Taf. XLV, Fig. 17. 
1852. » corallinım Buvignier. Statist. g&ol. de Ja Meuse, Atlas, pag. I5, Taf. X, Fig. 36—38. 
1860. > » Contejean Kimmeridgien de Montbeliard, pag. 279. 

1867. » cochleatum Quenstedt. Petrefaktenkunde, 2. Ausgabe, pag. 644, Taf. LVI, Fig. 17. 
1867. » corallinım Moesch. Aargauer Jura, pag. 172. 

1872. BEE » Loriol, Royer et Tombeck. Haute Marne, pag. 251, Taf. XV, Fig. 5—6. 


1874. Pterocardia cochleata, (Buvignieri), Bayan. Succession des assises, pag. 339. 
1876. Pterocardia cochleata Gemellaro. Calcare a Ter. janitor., pag. 39. 
1878. Cardium corallinum Pirona. Fauna giurese del Monte Cavallo, pag. 46, Taf. VII, Fig. 16. 


‚1882. » » G. Boehm. Beziehungen von Pachycrisma u. s. f., Taf. XXII, Fig. I—2. 

1882. > 5 G. Boehm. Kelheimer Diceraskalk, pag. 151. 

1883. » » G. Boehm. Stramb. Schicht., pag. 503. 

1885. » cochleatum Quenstedt. Petrefaktenkunde, 3. Ausgabe, pag. 825, Taf. LXV, Fig. 10. , 
1888. » corallinım Loriol. Valfin, pag. 234, Taf. XXV, Fig. 1—4. 

1892. » > Loriol. Jura bernois, pag. 185, Taf. XX, Fig. I—3. 

1893. > » Loriol. Tonnerre, pag. Io2. 


Maße: Höhe: 70 mm. 
Länge: 58 » 
Dicke: 30 » 

Beschreibung: Die mäßig gut erhaltene rechte Schale ist bedeutend höher als breit, sehr kräftig 
gewölbt, in der Vorderregion breit gerundet. Die Hinterseite erscheint bedeutend verschmälert. Sie wird 
karakterisiert durch eine breite und tiefe Furche, die unmittelbar hinter dem Wirbel beginnt und diesen 
scharf begrenzt. In ihrem weiteren Verlauf gegen das untere Ende des Hinterrandes hebt sie sich scharf 
von dem Niveau der angrenzenden Schalenteile ab und bewirkt unten eine kräftige Einbuchtung des 
Mantelrandes. Die Hinterregion wird auf diese Weise gleichsam abgeschnürt und bildet einen selbständigen 


1) 1896. Loriol. Jura bernois, pag. 37, 
1901. Loriol. Jura bernois, pag. 64. 
2) 1864. Etallon. Jura graylois, pag. 313. 
®) 1867. Moesch. Aargauer Jura, pag. 149, 159. 


120 Lothar Krumbeck. [56] 


Nügelförmigen Abschnitt der Muschel. Der Hinterrand erscheint demgemäß oben sehr konvex, unten konkay. 
Der Unterrand nimmt ziemlich geraden Verlauf und geht mit gleichmäßiger Rundung in den ziemlich wenig 
gekrümmten Vorderrand über. Letzterer wieder zieht steil empor zu dem kräftig gebogenen Schloßrand. 

Der starke, hocherhobene, zusammengedrückte, hakenartig gekrümmte Wirbel erscheint etwas nach 
vorn gedreht und fällt gegen die besprochene Furche steil ab. Die große Lunula ist längsoval und deut- 
lich abgesetzt. 

Am Schloß treten von hinten nach vorn hervor: Der kleine, runde Hinterzahn, weiter eine undeut- 
liche Grube für den Seitenzahn der anderen Klappe. Es folgt die breite Basis des abgesprengten Kardinal- 
zahnes und davor die ovale Vertiefung des Hauptzahnes der linken Schale. Vor jener erscheinen dann die 
etwas undeutlichen Überreste des Vorderzahnes und die große Höhlung für den vorderen Schließmuskel. 

Die außerordentlich dicke Schale wird von zahlreichen, gerundeten, regelmäßig über die ganze 
Oberfläche verlaufenden Radialrippen bedeckt, die durch schmalere Zwischenräume getrennt sind und die 
Kerbung des Mantelrandes bewirken. 

Bemerkungen: Zu erwähnen ist hier noch eine leichte, schmale, nur schwach angedeutete Ver- 
tiefung der äußeren Schalenfläche, die vor der Hauptfurche liegt und vom Wirbel zum Unterrand zieht. 

Eine willkommene Ergänzung unseres Schalenstückes bietet ein gut erhaltener Steinkern, dessen 
Gehäuse etwas größer war als das erstere. In bezug auf das Innere unserer Schale ergibt sich hier folgendes: 
Der Mantelrand ist in der Vorderregion scharf abgegrenzt und schwach gezähnelt. Der hintere Muskelein- 
druck zeigt sich als sehr kräftige, lange, hakenförmig gebogene Platte, die sich hoch in den Wirbel hinein 
fortsetzt. Der vordere Muskeleindruck erscheint als halberhaben und von ovaler Gestalt. 

Was nun das Schloß anbetrifft, so sind besonders gut erhalten die breitgerundeten, plumpen Gruben 
des Kardinalzahnes und des Hinterzahnes der rechten Klappe. Die letztere erscheint beträchtlich größer 
als es der mangelhaft erhaltene Zahn unseres Schalenindividuums voraussetzen ließ. Von der linken Schale 
markiert sich deutlich die kleine, unregelmäßig gestaltete Vertiefung des hinteren Seitenzahnes. Die Gruben 
für die vorwärts der Wirbel gelegene Region sind infolge des schlechten Erhaltungszustandes nicht mit 
Sicherheit zu erkennen. Kardinalzahn und Seitenzahn der linken Klappe greifen hier nebeneinander zwischen 
den Hauptzahn und Vorderzahn der rechten Klappe ein. 

Am nächsten stehen unsere Exemplare den Formen, welche Loriol!) aus dem Pterocerien von 
Valfın abbildet. Man sieht dort indessen nur zwei linke Schalen. 

Aus dem münchner Museum liegt mir eine Anzahl von vortrefflich erhaltenen Stücken von Valfın 
vor, darunter eine rechte Schale, welche von G. Boehm?) abgebildet wurde. An diese letztere schließen 
sich nun unsere Libanonstücke auf das allerengste an. Wäre unser Steinkern nicht etwas zu groß, so 
könnte man seine rechte Hälfte genau in jene Schale hineinverpassen. Unsere Schale unterscheidet sich von 
der letzteren durch ihren kürzeren hinteren und etwas längeren vorderen Schloßrand, sowie durch die 
längere und etwas schmalere Lunula. Endlich durch ihre bedeutendere Dicke, welche die plumpere 
Beschaffenheit des Schlosses zur Folge hat. 

Cardium corallinum Leym. erscheint in großer horizontaler und vertikaler Verbreitung im: Rauracien 
des Berner Jura, der Meuse, S&quanien der Haute-Marne, des Aargaus und der Yonne, Astartien und 
Kimmeridgien von Montbeliard, Pteroc&rien von Valfın, Portlandien von Kelheim, Stramberg, Friaul, Sizilien. 
(Siehe unter Synonyme.) 

Untersuchte Stücke: 2. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 
Cardium sp. 
Taf. V, Fig. 9a—b. 
Maße: Höhe: IS mm. 
Länge: ı6 » 
Dicke: I3 » 


1) 1888. Loriol. Valfin, Taf XXV, Fig. 1-4. 
2) 1882. S. Boehm Beziehungen von Pachyerisma u. s. f, Taf. XXII, Fig. I—2. 


[57] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 121 


Beschreibung: Das gut erhaltene, kleine, schianke, gleichklappige und ziemlich gleichseitige 
Steinkernexemplar ist höher als breit. Die Vorderregion ragt etwas mehr nach außen als die nur wenig 
abgestutzte Hinterseite. Der Unterrand besitzt halbkreisförmige Gestalt. Vorderrand und Hinterrand sind 
mäßig stark gebogen und ziehen steil zu dem geraden Schloßrand hinauf. Die kräftige, mediane Aufwölbung 
der Klappen verliert sich nach oben in die sich rasch verjüngenden, kleinen, spitzen, leicht nach vorn gedreh- 
ten, stark gekrümmten Wirbel, die über dem Schloßrand zusammenstoßen. 

Schloß und Schale sind nicht erhalten. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Zwischen Bekfeja und Ain Alak im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Cardium (?) sp. 

Kleiner, abgerollter, viereckiger, gleichklappiger, aber sehr ungleichseitiger Steinkern. Die Vorder- 
region springt weit nach außen vor. Die Hinterseite ist breit und steil abfallend. Der Unterrand zeigt be- 
deutende Konvexität und geht mit ziemlich gleichartiger Rundung in den stark gekrümmten Vorderrand 
sowie in den sehr wenig gebogenen Hinterrand über. Der Schloßrand verläuft unter leichter Aufbiegung, 
Beide Klappen zeigen in der Mitte kräftige Wölbung und fallen nach vorn mit geringerer, nach hinten in 
größerer Konvexität ab. Die starken, hochaufragenden, mäßig gekrümmten Wirbel sind etwas nach vorn 
gedreht. Vor ihnen markiert sich eine breite und tiefe Lunula. 

Untersuchte Stücke: I. 

Vorkommen: Zwischen Ain Alak und Bekfeja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Pleuromyidae Zitt. 
Gattung: Ceromya Ag. 


Ceromya augusticostata n. sp. 
Taf. VI, Fig. 1. 


Maße: Höhe: 21 mm. 
Länge: 18 » 
Dicke: I3 » 

Beschreibung: Das kleine, rundovale, fast gleichseitige Schalenexemplar besteht aus zweı etwas 
ungleichen Klappen von denen die rechte die linke an Höhe ein wenig übertrifft. Der Schalenrand ist vorn 
und hinten stärker gebogen als an dem schwach und gleichmäßig konvexen Unterrand. Bei mäßiger Gesamt- 
wölbung sind die Schalen in der Mitte etwas flacher und fallen dann etwas steiler nach vorn und hinten 
ab. Die Wirbel ragen ziemlich kräftig in die Höhe und erscheinen leicht nach vorn gedreht. 

Die Skulptur der Schale besteht aus sehr zahlreichen, feinen, gerundeten, konzentrischen Rippen, 
deren Dichtigkeit sich von oben nach unten in auffallendem Maße verringert. Die breiteren Zwischenfurchen 
enthalten vier oder fünf sehr feine Anwachsstreifen, die gegen den Schalenrand hin auch dem unbewaffneten 
Auge sichtbar werden. 

Bemerkungen: Der vorliegende Typ zeigt nahe Verwandtschaft zu Ceromya globosa Buv. aus dem 
unteren Astartien des Maas-Aspartements!) und aus dem Rauracien von Haute-Marne?). Mit der letzteren 
sind ihm gemeinsam die allgemeine Form und die Art der Berippung. Unterschiede ergeben sich aus der 
geringeren Größe, aus der schwächeren Schalenwölbung und aus der Kleinheit der Wirbel bei unserem 
Exemplar. Als trennende Merkmale kamen für das letztere vor allem in Betracht die bedeutendere Anzahl 
der konzentrischen Rippen sowie die feine Zuwachsstreifung, welche bei Ceromya globosa Buv. nicht vor- 


handen ist. 


1) 1852. Buvignier. Stat. geol. de la Meuse, pag. 9, Taf. IX, Fig. I—3. 
2) 1872. Loriol. Haute-Marne, pag. 202, Taf. XII, Fig. 9, 9a, Taf. XIII, Fig. 15, Isa. 
16 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVIII. 


1 Lothar Krumbeck, [58] 


Letztere findet sich im: Rauracien von Haute-Marne, im Astartien der Meuse, im Pterocerien von 
Porrentruy ?), im Virgulien von Gray 2). 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Ceromya excentrica Ag. 
Taf. V, Fig. I3a—b. 
Synonyme: 
bei Loriol, Haute Marne, pag. 199 und Dacqu&, Beitr. z. Geol. d. Somalilandes, II, 1905, Beitr. z. 
Pal. u. Geol. Österr.-Ung. u. d. Orients, Bd. 17, pag. 139. 


Maße: Höhe: 87 mm. 
Länge: 70 
Dicke: 63 » 

Beschreibung: Großes, stark gewölbtes, sehr ungleichseitiges, mit Schalenresten bedecktes Stein- 
kernexemplar, hinten etwas klaffend. Die linke Klappe erscheint dicker und im ganzen etwas aufge- 
blasener als die rechte. Die Vorderregion ist kurz gerundet, die Hinterseite zeigt sich breit abgestutzt. 
Die Gestalt des vorliegenden Stückes ist ausgesprochen vierseitig gerundet. Ins Auge fällt vor allem die 
Parallelität von Oberrand und Unterrand. Senkrecht zu ihnen stehen Vorderrand und Hinterrand. Der 
erstere ist kurz und geht unter schwächerer Konvexität, der letztere von größerer Länge und von fast 
gerader Beschaffenheit, unter kurzer, kräftiger Rundung in die Mittelrandpartien über. 

Die kräftig entwickelten und nach außen gedrehten Wirbel sind sehr weit nach vorn verlagert, 
der rechte mehr als der linke, was zu Verschiedenheiten führt in bezug auf ihre Höhe und auf die Wölbungs- 
weise der beiden Klappen. Die stärkste Anschwellung der letzteren zieht von den Wirbeln zur hinteren 
unteren Schalenecke und fällt nach unten und vorn konvex ab, nach oben und hinten teilweise konkav. Der 
rechte Wirbel wird von einer Furche unterhöhlt, welche der Schloßleiste seiner Schale entspricht. 

Die Skulptur der Schale besteht aus kräftigen, unregelmäßig verteilten Radialstreifen von 
ungleicher Stärke und aus sehr zahlreichen, konzentrischen Rippen von schmaler und regelmäßiger Be- 
schaffenheit. Die letzteren erleiden eine scharfe Abbiegung an einer Kante, die vom Wirbel zum unteren Teil 
des Hinterrandes verläuft. 

Bemerkungen: Die vorstehende Beschreibung faßt dasjenige der beiden vorhandenen Exemplare 
ins Auge, welches sich von dem Urtyp der Art am weitesten entfernt, soweit, daß ich es lange Zeit für 
den Vertreter einer neuen Art gehalten habe, Erst vor Kurzem wurde mir Gelegenheit, das zweite Stück 
bei Blanckenhorn in Berlin zu besichtigen. Es stellt in der Tat die Verbindung mit dem Excentrica- 
Typ her. Das von uns abgebildete Stück ist noch am besten zu beziehen auf die Abbildung in der Lethea 
Bruntrutana°), die zwar nicht für schön aber immerhin als brauchbar gelten kann. Das betreffende Indi- 
viduum entstammt dem Kimmeridgen des Berner Jura und unterscheidet sich von unserer Form durch die 
abweichende Gestalt seines Grund- und Aufrisses, ferner durch die andere Lage, Form und Krümmungs- 
weise seiner Wirbel. Die Skulptur verhält sich übereinstimmend. 

Das Blanckenhorn’sche Exemplar nähert sich in Form und Berippung dagegen mehr dem von 
L. Agassiz!) abgebildete Stück. Enge Beziehungen bestehen ferner zu den gröfßsten Vertretern von 
C. excentrica Ag. aus dem braungelben Kalk von Atschabo, deren Stellung von Dacqu&?) eingehend ge- 
würdigt wurde. Zu der gleichen Art, wie sie von Futterer‘) aus dem Malm von Schoa abgebildet wurde, 


besitzen die Libanonexemplare wenig Anknüpfungspunkte. 


1) 1862. Lethea bruntrutana. pag. 167, Taf. XIX, Fig. 8. 
2) 1864. Etallon. Jura graylois, pag. 432. 

3) Taf. 19, Fig. 9. 

*) Monogr. des Myes, Taf. Sa, Fig. II. 

5) 1905. Dacque&, Geologie des Somalilandes. pag. 139. 
®) 1897. Futterer. Jura von Schoa. Taf. 22, Fig. 2, 2a. 


[59] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 123 


Ceromya excentrica Ag. findet sich in weiter horizontaler und vertikaler Verbreitung ım: Oxford 
und Kimmeridge von Hannover (Struckmann), Sequanien von England, Boulogne (Loriol), Haute-Marne 
(Loriol), berner Jura (Thurmann), Oberbuchsitten (Moesch), Kimmeridgien von Le Hävre (Dollfuß), 
La Rochelle (Coquand), Solothurn (Moesch), berner Jura (Thurmann), Gray (Etallon), Pommern 
(Sadebeck), Algier (Coquand, Peron), in Abessinien °), im Kaukasus), in Polen), 

Untersuchte Stücke: 2. 

Vorkommen: Feraike im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Pholadomyidae Fischer. 
Gattung: Pholadomya Sow. 


Pholadomya sp. 
Taf. VI, Fig. 2. 


Beschreibung: Dickes, aufgeblasenes, gleichklappiges, aber ungleichseitiges, klaffendes Steinkern- 
exemplar, dessen unterer Teil weggebrochen ist. Die Vorderseite war anscheinend länglich herzförmig. Die 
Hinterregion erscheint verschmälert und lang ausgezogen. Die plumpen, kräftigen, stark eingekrümmten 
Wirbel sind leicht nach vorn gedreht und stoßen über dem Schloßrand zusammen. Letzterer zeigt lange 
und gerade Beschaffenheit und teilt das schmale, hintere Feldchen, das von zwei von den Wirbeln zu seinem 
hinteren Ende verlaufenden Kanten gebildet wird, in zwei gleiche Hälften. 

Die Skulptur besteht aus zahlreichen, ungleich starken, aber ziemlich regelmäßig angeordneten 
konzentrischen Rippen, welche breiter sind als ihre Zwischenräume. Der rechte Wirbel zeigt außerdem 
zwei sehr schwach angedeutete Radialrippen. 

Bemerkungen: Bezüglich der äußeren Gestalt steht das vorliegende Stück in Beziehungen zu 
Pholadomya Woottonensis Moesch °) aus dem Kimmeridge von Wiltshire. Es verhält sich abweichend in 
der kräftigeren Entwicklung seiner Wirbel, in dem schwächeren Hervortreten des Schloßschildehens und 
durch das fast gänzliche Fehlen von Radialrippen. 

Untersuchte Stücke: I. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Anatinidae Gray. 
Gattung: Anatina Lam. 


Anatina sp. 
Taf. VI, Fig. 3. 


Beschreibung. Mittelgroßer, ziemlich flacher, querovaler Steinkern, 23 mm hoch und etwa 
40 mm lang. Der kürzere Vorderteil ist breitabgestutzt. Die klaffende Hinterseite erscheint langausgezogen 
und verschmälert. Vorderrand und Unterrand zeigen geringere, der Hinterrand stärkere Konvexität. 

Die Schale ist ziemlich dünn. Es zeigt sich folgende Skulptur: Vom Wirbel zieht senkrecht zum 
Unterrande eine kräftige Rippe herab und teilt den Schalenabdruck in zwei Regionen. Die vordere wird 
durch etwa zwölf ansehnliche, konzentrische Rippen verziert, welche durch breitere Furchen getrennt sind. 
Die hintere ist ganz glatt. Gegen unten hin stellt sich beiderseits feine Zuwachsstreifung ein. 

Bemerkungen: Die vorliegende Form zeigt engere Beziehungen zu Cercomya expansa Ag.!) 
aus dem Pterocerien und Virgulien des Berner Jura. Letztere unterscheidet sich von unserem Typ durch 


1) 1877. Blake and Huddleston, Corallian rocks, pag. 267. 
2) 1891. Neumayr und Uhlig. Kaukasusfossilien, pag. 19. 
®) 1893. Siemiradzki. Ob. Jura in Polen, pag. 127. 
#) 1874. Moesch. Pholadomyen, pag. 75, Taf. XXVI, Fig. 5a, b. 
)) 1842. Agassiz, Monographie des Myes, pag. 151, Taf. XI, Fig. I—4. 
16* 


124 Lothar Krumbeck. [60] 


ihre kürzere und breitere Hinterregion. Eine Kante, welche die Rippen nach hinten begrenzt, ist dort nicht 
vorhanden. 

Aus den gleichen Horizonten bildet Etallon!) ein Exemplar von Cercomya expansa Ag. ab, 
dessen Gestalt mit unserem Individuum bedeutende Ähnlichkeit aufweist. Da es indessen vollständig berippt 
ist, so ergeben sich hinsichtlich der Skulptur erhebliche Unterschiede. 

Die merkwürdige, in der Schalenmitte scharf abgegrenzte Berippung findet sich dagegen bei Ana- 
tina Jettei Coq.?) aus dem Carentonien von Algier. Bezüglich der Schalenform verhält sich diese Spezies 
jedoch ganz verschieden von unserer Forın. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Duar im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Gastropoden. 
Familie: Turbinidae Adams. 
Gattung: Turbo Lin. 


Turbo Antonini n. sp. 
Taf. VI, Fig. gab. 
Maße: Ganze Höhe: 13 mm. 
Höhe des letzten Umganges: 8 mm. 
Durchmesser des letzten Umganges: Io nm. 
Gewindewinkel: 70°. 

Beschreibung: Kleine, hohe Form von zierlicher Gestalt mit turmartigem Gewinde und mit an- 
sehnlichem letzten Umgang. Die Gesamtzahl der Umläufe beträgt fünf bis sechs. 

Die ziemlich rasch zunehmenden Umgänge der Spira sind von geringer Wölbung und werden 
durch tiefe Nähte voneinander getrennt. Die einzelnen Windungen erscheinen dadurch terrassenartig gegen- 
einander abgesetzt. 

Der letzte Umgang erreicht fast zwei Drittel der Gesamthöhe. Im Gegensatz zu den oberen ist 
er bauchartig aufgetrieben und besitzt eine wohlzuunterscheidende obere und untere Fläche, welche unter 
Bildung eines stumpfen Kieles zusammenstoßen. 

Die innen glatte Mundöffnung ist von vierseitig gerundeter Gestalt. Ihre im Verhältnis zur Höhe 
beträchtliche Breite wird hauptsächlich durch die starke Einbiegung der Innenlippe hervorgebracht. Der 
obere Teil dieser letzteren legt sich mit gezacktem Saum an den letzten Umgang an. Ihre untere Partie 
schiebt sich als konvexe Scheidewand zwischen Nabel und Mundöffnung ein. 

Die Skulptur der oberen Windungen besteht aus sechs lamellösen Spiralstreifen, die bedeutend 
schmaler sind als ihre Zwischenfurchen. Sie werden von dickeren, in etwas weiteren Zwischenräumen ange- 
ordneten Querrippen gekreuzt, über welche sie hinwegsetzen. Nur die oberste Reihe weist an diesen 
Kreuzungspunkten knötchenartige Verdickungen auf. Spiral- und Radialrippchen erzeugen eine aus kleinen 
Parallelogrammen zusammengesetzte Gitterung. 

Auch die obere Partie des letzten Umganges zeigt den eben geschilderten Schmuck. Unterhalb seines peri- 
pheren Kieles werden noch 8 weitere Längsrippen sichtbar, welche etwas kräftiger sind als die oberen. Zwischen 
ihnen tauchen zahlreiche Querblättchen auf, die zu den Spiralrippen senkrecht oder ein wenig schräg gestellt 
sind und auf ihnen eine leichte Körnelung erzeugen. Eine typische Gitterung kommt hier nicht zu Stande. 

Bemerkungen: Der Skulptur nach wäre unserer Form anzuschließen Chzlodonta clathrata Etallon, 
wie sie von Loriol°) aus dem Pterocerien von Valfin abgebildet wurde. Man gewahrt bei dieser Art ein 
ähnliches Verhalten in Bezug auf die Gitterung des Gewindes und auf den Schmuck der Schlußwindung. 


1) 1861. Lethea bruntrutana. pag. 162, Taf. XVII, Fig. 6. 
2) 1862. Coquand. Constantine, pag. 190, Atlas, Taf, VI, Fig. 3. 
®) 1887. Loriol. Couches de Valfin, pag. 184, Taf. XXI, Fig. I—.2. 


[61] Die Brachiopoden- und Molluskentauna des Glandarienkalkes. 125 


Übereinstimmung herrscht ferner bezüglich der Abflachung der Umgänge der Spira. Andrerseits bieten die 
verschieden gestaltete und mit 5 Zähnen versehene Mundöffnung sowie der Mangel eines Nabels tief- 
greifende Unterschiede dar, welche Ch. clathrata Et. als von unserer Form spezifisch verschieden er- 
scheinen lassen, 

Untersuchte Stücke: I. 

Vorkommen: Mär Eljäs im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Turbo sp. 
Taf. VI, Fig. 5. 

Beschreibung: Das vorliegende Exemplar ist ein mit sehr wenigen Schalenresten bedeckter, 
etwas abgerollter Steinkern. Erhalten sind zwei Umgänge, beide wohlgerundet und langsam an Höhe 
zunehmend. Der Gewindewinkel beträgt etwa 120°. Die Nahtsutur ist mäßig vertieft. 

Der letzte Umgang nimmt ziemlich gleichmäßig an Breite und Höhe zu. Er trägt an seiner 
peripheren Außenseite 5 große, flache, regelmäßig angeordnete Anschwellungen. Über die Gestalt der Mund- 
öffnung läßt sich nichts Bestimmtes aussagen. Der Nabel ist klein und tief. 

Auf der Schale erscheinen die Überbleibsel einer feinen Querberippung. 

Bemerkungen: Anklänge an unser Stück zeigt ein Steinkern von Pleurotomaria mosensis Buv., 
den Loriol!) aus dem unteren Portlandien der Haute-Marne abbildet. Verwandtschaftliche Beziehungen 
lassen sich indessen nicht mit Sicherheit vermuten. 

Untersuchte Stücke: I. 

Vorkommen: Kefr Akkäb im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Delphinulidae Fischer. 
Gattung: Delphinula Lam. 


Delphinula Tethys n. sp. 
Taf. VI, Fig. 60—c. 
Maße: Ganze Höhe: 6 mm. 
Höhe des letzten Umganges: 5 mm. 
Durchmesser des letzten Umganges: 7 mm. 
Gewindewinkel: etwa 100°. 

Beschreibung: Das vorliegende, gut erhaltene, sehr kleine Schalenstück ist von dreieckiger Ge- 
stalt und breiter als hoch. Das Gehäuse setzt sich insgesamt aus etwa fünf Umgängen zusammen. Die 
Spira ist sehr kurz und spitz. Ihre Windungen nehmen nach vorn schnell an Breite zu und stoßen an 
vertieften Suturen zusammen. 

Der letzte Umgang gewinnt in seinem Verlauf außerordentlich an Breite. Seine Oberseite zeigt 
geringe Konvexität, die Unterseite ist abgeflacht. Es entsteht auf diese Weise ein scharfer Kiel und der 
Mundsaum formt sich zu einer Nachen Ellipse. Der runde, tiefe und ziemlich breite Nabel wird durch die 
Mundöffnung etwas eingeengt. 

Der Schalenschmuck hat sich nur auf dem letzten Umgang erhalten. Man gewahrt auf seinem 
oberen Teil sechs kräftige, auf dem unteren neun feinere Längsrippen. Die ersteren tragen regelmäßig an- 
geordnete Knötchen. Die letzteren lösen sich vollständig in kleine, runde Knötchen auf und erscheinen 
derart wie gekörnelt. Die Dicke der Schale ist ziemlich beträchtlich. 

Bemerkungen: Die ovale Apertur dieses Stückes ließ seine Zugehörigkeit zur Gattung Delphi- 
nula anfangs als zweifelhaft erscheinen. In der münchner Staatssammlung befinden sich jedoch Kreide- 
individuen dieser Gattung nicht selten im Besitz jener Eigentümlichkeit. 


1) 1872. Loriol. Haute-Marne, pag. 131, Taf. IX, Fig. ı. 


126 Lothar Krumbeck. [6 2] 


Von sämtlichen formverwandten Arten unterscheidet sich unsere Spezies durch den Mangel der 
Dornfortsätze an der Kielkante der Schlußwindung, welche für jene karakteristisch sind. Sie übertrifft 
sie ferner durch die Neunzahl ihrer Basalrippchen. Die Berippung der Suturalfläche des letzten Um- 
ganges ist ihr gemeinsam mit Delphinula bicarina Buv.!) aus dem unteren Rauracien des Maas-Departements. 
Im übrigen ergibt diese Art wenige Vergleichspunkte. 


Allgemeine Größenverhältnisse sowie die Gestalt des letzten Umlaufes und des Nabels verweisen 
mehr auf Delphinula Chantrei Loriol.) Ähnliche Beziehungen lassen sich ferner beobachten bei Delphinula 
Ogerieni Loriol®) und D. stellata Buv.*) Diesen Arten gegenüber behauptet unser Exemplar die angeführten 
Sonderkaraktere eines neuen Typs. 


Delphinula Chantrei Lor. und D. Ogerieni Lor. finden sich im Pteroc£rien von Valfin. D. szellata 
beschrieb Buvignier aus dem Rauracien des Maas-Gebietes. 


Untersuchte Stücke: 1. 
Vorkommen: Duar im Salimatal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Neritidae Lam. 
Gattung: Nerita Lin. 


Nerita litoralis n. sp. 
Taf. VI, Fig. 7a—b. 
Maße: Ganze Höhe: 7 mm. 
Höhe des letzten Umganges: 6 mm. 
Durchmesser des letzten Umganges: S mm. 


Beschreibung: Sehr kleine, querovale Schnecke, deren Durchmesser die Gesamthöhe übertrifft. 
Das Gewinde besteht aus drei rasch anwachsenden, konvexen Umgängen, die durch einfache Nähte ver- 
bunden sind. 


Die Hauptwindung erfährt eine derart starke Entwicklung, daß die Spira gänzlich zurücktritt 
und nur als kurzes, stumpfes Kegelchen erscheint. Unter der Sutur wird eine leichte Abflachung des sonst 
kräftig gewölbten Umganges bemerkbar. 


Die Mündung ist halbkreisförmig und groß. Ihr etwas beschädigter Saum erstreckt sich oben 
ein Stück weit vor die hintere Grenze des Kallus, der in kräftiger Entwicklung die Spindel bedeckt. Der 
freie Rand der Schwiele beschreibt gegen die Mundöffnung hin eine S-förmig gebogene Linie. 


Die dicke, glatte Schale besitzt sehr feine Zuwachsstreifung. 


Bemerkungen: Die eigentümliche Abgrenzung der Schwiele gegen die Spindel unterscheidet die 
vorliegende Form von den mir bekannten Nerita-Arten. In den äußeren Umrissen zeigt sich einige Über- 
einstimmung mit Nerita crassa Etallon, wie sie von Loriol°) aus dem Pterocerien von Valfin abgebildet 
wurde. Das kleinere Exemplar zeigt ähnliche Größe und ziemlich gleichartige Gestaltung des letzten Um- 
ganges mit der bezeichnenden Nahtdepression. Nähere verwandtschaftliche Beziehungen können hieraus 
wohl nicht abgeleitet werden. 


Untersuchte Stücke: 2. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 

1) 1852. Buvignier. Meuse, pag. 36, Taf. XXIV, Fig. 30—31. 
2) 1887. Loriol, Valfin, pag. 183, Taf. XX, Fig. 6. 

3) 1837. In Obigem, pag. 182, Taf. XX, Fig. 4-5. 

4) 1852. Buvignier. Meuse, pag. 35, Taf. XXIV, Fig. 37—39. 
5) 1887. Loriol. Valfin, pag. 164, Taf. XVII, Fig. 18. 


[63] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 127 


Familie: Purpurinidae Zittel. 
Gattung: Purpuroidea Lycett. 


Purpuroidea sp. 
Taf. VI, Fig. 8. 


Maße: Ganze Höhe: 67 mm. 
Höhe des letzten Umganges: 56 mm. 
Durchmesser des letzten Umganges: 85 mm. 
Gewindewinkel: etwa 120°, 

Beschreibung: Der große, wohlerhaltene Steinkern von karakteristischem Aussehen ist bedeutend 
breiter als hoch. Es existieren im ganzen drei oben gerundete, nach außen steil abfallende Windungen, die 
langsam an Höhe gewinnen. Das Vorhandensein von breiten suturalen Vertiefungen verstärkt noch den 
terrassenförmigen Aufbau dieses Stückes. 

Der letzte Umgang ist oben flacher, an den Flanken gegen sein Ende hin etwas stärker gewölbt. 
Im Gegensatz zu den Umläufen der Spira nimmt er rasch an Höhe zu. 

Die Mündung steht fast senkrecht und besitzt längsovale Gestalt. Der weite runde Nabel wird 
durch die mächtig verdickte Schale bis auf eine schmale Ritze ausgefüllt, 

Als Skulpturreste erscheinen an der Nahtkante des letzten Umganges einige knotige Verdicknngen. 

Bemerkungen: Unser Stück steht in mancher Beziehung Purpuroidea moreana Buv. nicht 
fern, wie sie Buvignier!) und Loriol?) aus dem Rauracien des Maas-Gebietes und des Berner Jura zur 
Abbildung brachten. Soweit ein Vergleich zwichen Steinkern und Schalenexemplar zulässig ist, stimmt jene 
Form mit der unsrigen überein bezüglich der Kürze der Spira, der außerordentlichen Entfaltung des Haupt- 
umganges sowie der Form und Stellung der Mundöffnung. Auch die Nabelschwiele dürfte bei unserem 
Exemplar eine ähnlich starke Entwicklung aufweisen. Unterschiede scheinen sich zu ergeben aus dem 
größeren Durchmesser und bedeutenderen Gewindewinkel unseres Stückes sowie aus der andersartigen 
Höhenzunahme seiner Schlußwindung. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Natieidae Forbes. 
Gattung: Natica Lam. 
Natica cfr. amata d’Orbigny. 
Taf. VI, Fig. 9a—b. 

Synonyme: 


1851. Naticaamata d’Orbigny. Terrains jurassiques, Bd. 2, pag. 205, Taf. CCXCIV, Fig. 3—4. 


1882. » » Schlosser. Kelheimer Diceraskalk, pag. 9I, Taf. XII, Fig. 19—20, Taf. XIII, Fig. 1. 
1882. > » Alth. Nizniower Kalkstein, pag. 210, Taf. XIX, Fig. 15. 

1837. » » Loriol. Valfin, pag. 150, Taf. XV, Fig. 9—11I. 

1890. » »  Loriol. Jura bernois, pag. 92, Taf. XI, Fig. 12—-15. 

1892. » » Loriol. Tonnerre, pag. 51, Taf. III, Fig. 15—16, 


Maße: Ganze Höhe: 67 mm. 
Höhe des letzten Umganges: 64 mım. 
Durchmesser des letzten Umganges: 53 mm. 
Beschreibung: Der ziemlich gut erhaltene Steinkern besitzt von vorn gesehen viereckig ovale 
Gestalt. Es sind im ganzen zwei bis drei Umgänge vorhanden. Die Spira kommt nur als kurzer, flacher 
Kegel zum Vorschein. Ihre Windungen sind schmal und wenig gewölbt und steigen sehr langsam an. 


1) 1852. Buvignier. Meuse, pag. 45, Taf. XXX, Fig. 16—18. 
2) 1892. Loriol. Jura bernois, pag. 14, Taf. II, Fig. I—2. 


128 Lothar Krumbeck. [64] 


Der letzte Umgang nimmt fast die ganze Höhe des Gehäuses ein. Er ist anfangs kräftiger, 
dann ziemlich flach gewölbt und erfährt in seiner unteren Hälfte eine außerordentlich starke Verbreiterung. 
Sein Vorderende verjüngt sich rasch zu dem ziemlich spitz gerundeten Unterrand. 

Die sehr große, ovale Mündung erscheint nach innen und außen gleich stark verbreitert. Ihre 
Oberregion läuft im spitzen Winkel zu. Die leicht S-förmig gekrümmte Spindel ist nicht sehr schräg ge- 
stellt. Man erblickt auf ihr einen kräftigen Eindruck, ein Zeichen, daß sich die Innenlippe zu einer den 
Nabel verhüllenden Schwiele verdickte. 

Von der Schalenskulptur werden nur grobe Zuwachsstreifen ersichtlich. 

Bemerkungen: Mit dem von d’Orbigny!) abgebildeten Exemplar kann unser Stück nicht identi- 
fiziert werden. Das erstere zeigt vor allem geringere Verbreiterung der Hauptwindung sowie steiler gestellte 
Spindel. Nähere Beziehungen ergeben sich zu den Individuen von Valfin und zu denen von Tonnerre, die 
nach Loriol?) übereinstimmen. Der letztere fand dort nie die steile Spindelstellung, wie sie d’Orbigny 
zeichnen ließ. Es macht sich vielmehr stets eine sChräge Stellung der Spindel bemerkbar und im Zu- 
sammenhang damit eine breitere Beschaffenheit der Mundöffnung. Eine Reihe von gut erhaltenen Steinkernen 
des münchner Museums, die von Tonnerre stammen, zeigt im allgemeinen die für unser Stück angeführten 
Merkmale. Als unterscheidend macht sich die bedeutendere Höhe unseres Exemplars geltend, deren Maß 
die Angaben sämtlicher Autoren weit hinter sich läßt. 

Ein Vergleich. mit Natica hemisphaerica Roemer führte zu negativen Ergebnissen wegen des 
steileren Gewindes und der flacheren Beschaffenheit des letzten Umganges bei der vorliegenden Form. 

Natica amata d’Orb. kommt vor im: Rauracien des Berner Jura, Astartien von Tonnerre, Kimme- 
ridgien von Valfin, La Rochelle, Bukowna (Galizien). 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Feraike im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Natica Dido n. sp. 
Taf. VI, Fig. 104—b. 
Maße: Ganze Höhe: 150 mm. 

Höhe des letzten Umganges: 113 mm. 
Durchmesser des letzten Umganges: 105 mm. 
Höhe der Mundöffnung: 83 nm. 
Breite der Mundöffnung: 61 mm. 
Gewindewinkel: 74°. 


Beschreibung: Gutkarakterisierte, sehr große, ziemlich schlanke, turmartige Form, viel höher 
als breit. Das Verhältnis der Höhe der Spira zu der des letzten Umganges beträgt beim größten Exemplar 
1:3, bei dem kleinsten 6:7. Die Höhe der Schlußwindung erweist sich durchgehends als ziemlich gleich 
ihrem Breitendurchmesser. 

Das Gehäuse baut sich aus 6-7 Windungen auf, die in ihrem peripheren Teil kräftige 
Wölbung zeigen und nach unten hin steil abfallen. Ihre Aufwicklung vollzieht sich unter einem Naht- 
winkel, welcher nach unten hin an Größe zunimmt. Eine zuweilen etwas konkave Abplattung, die sich unter 
der Sutur befindet, verleiht den Umgängen nicht selten ein bauchiges Aussehen. 

Im Gegensatz zu den Umläufen der Spira verbreitert sich die Schlußwindung oa! und in 
hohem Grade. Ihre Flanke zeigt gegen die Apertur hin Neigung zum Flacherwerden. Ihre infrasuturale 
Abplattung gestaltet sich in ihrem Verlauf nach vorn zu einer kräftig markierten Furche. 

Die Mundöffnung von ziemlicher Größe erscheint schräg gestellt, ganzrandig, von unregelmäßig 
ovaler Form, oben winklich abgebogen, unten gerundet. Der Außenrand ist rundlich zugeschärft, Die stark 
verdickte Innenlippe legt sich oben meist dicht an den letzten Umgang an, verhüllt dann als freistehende 


1) 1851. d’Orbigny. Terrains jurassiques, Bd. 2, pag. 205, Taf. CCXCIV, Fig. 3—4. 
2, 1887. Loriol. Valfin, pag. 150, Taf. XV, Fig. 9-11. 


[65] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 129 


Leiste zum Teil den Nabel und verbreitert sich auf der Spindel zu einer ausgedehnten Schwiele, welche 
verschiedene unregelmäßige Falten bildet. Der Nabel kommt je nach der Beschaffenheit der Innenlippe mehr 
oder weniger zum Vorschein. Manchmal zeigt die letztere flachere Stellung und ihr oberes Ende verbreitert 
sich stärker, Dann wird der Umbo auf einen schmalen Spalt reduziert. Beim vorliegenden Stück ist er hin- 
gegen tief und rund. 

Die Skulptur der Schale besteht aus feinen Längsstreifen, die durch noch feinere Querstreifen 
gekreuzt werden. Die so entstehende zarte Gitterung verwischt sich sehr leicht, es bleibt ein System von 
kleinen, in Längsreihen und Querreihen angeordneten Punkten zurück. 

Bemerkungen: Die ursprüngliche, nicht sehr bedeutende Dicke der Schale hat sich bei keinem 
der vorliegenden Exemplare erhalten. Sie erscheint vielmehr stets mehr oder weniger verstärkt durch Inkru- 
station mit Kalkspat. Erst später griff der Verkieselungsprozeß ein und metamorphosierte einzelne Individuen 
in einer ähnlichen Weise, wie man es 2. B. bei den nattheimer Petrefakten antreffen kann. Die Form des 
Gehäuses zeigt auch unabhängig von seiner Größe mannigfache Verschiedenheiten. Messungen ergaben 
solche bezüglich des Gewindewinkels, des Verhältnisses des letzten Umganges zur Gesamthöhe und des 
Nahtwinkels. Es scheint darin keinerlei absolute Konstanz vorzuherrschen. Auch der Wölbungsgrad der 
einzelnen Windungen und das Maß ihrer infrasuturalen Abflachung unterliegt erheblichen Schwankungen. 
Hier scheint sich jedoch mit zunehmenden Alter eine stärkere Ausbauchung der Umläufe und ein höherer 
Grad der betreffenden Abplattung einzustellen. Ein Stück, das von einer anderen Lokalität herstammt als 
die übrigen, zeichnet sich dadurch vor den letzteren aus, daß sich der obere Teil seines Mundsaumes 
nicht mit schwieliger Verdickung an den Schlußumgang anlegt, vielmehr von diesem als etwas losgelöst 
erscheint. 

Als »probably cretaceous« beschrieb Hamlin!) aus den Bergen von Gilead im östlichen Jordan- 
land eine Form, welche mit einem der kleineren vorliegenden Exemplare bezüglich der Anzahl und der 
Wölbungsweise der Windungen ziemliche Übereinstimmung an den Tag legt. Auch die infrasuturale Ab- 
plattung wird in der Beschreibung erwähnt. Der letzte Umgang von Zunatia gileadensis Hamlin ergibt 
jedoch durchgreifende Verschiedenheiten in seiner schmaleren Ausbildung, sowie bezüglich der niedrigen, 
mehr horizontal eingestellten, halbmondförmigen Mundöffnung, welche wieder die gänzlich andere Gestaltung 
des Nabels hervorruft. 

Ein Vergleich mit mitteleuropäischen Spezies ergibt Beziehungeu zu Natica marcousana d’Orb.,?) 
einer Art, die mit Bezug auf die Größe und die viel flachere Wölbungsart der Windungen von unserem 
‚Typ erheblich abweicht. Die Mundöffnung dagegen zeigt ähnliche Ausbildung. Ein mittelgroßes Stück 
von Bekfeja im Kelbtal und ein Exemplar des münchner Museums aus dem oberen Portlandien von Auxerre 
(Yonne) besitzen weitgehende Übereinstimmung hinsichtlich der Gestalt des Mundsaumes, der leicht S-för- 
migen Schwingung der Innenlippe sowie der Konfiguration des Nabels. Ein weiteres gemeinsames Merkmal 
bildet die karakteristische Punktierung der Schale. Die gleichen Beziehungen ergeben sich auch bezüglich 
der von Loriol und Pellat?) gegebenen Abbildung einer Natica Marcousana d’Orb. aus dem Portlandien 
von Hartwell (England). 

Von Natica macrostoma Roemer unterscheidet sich Natica Dido durch die bedeutendere Höhe 
ihrer Spira, durch das Vorhandensein einer Nahtvertiefung und durch abweichende Ausbildung der Haupt- 
windung, der Mündung und des Nabels. Exemplare des münchner Museums aus dem Portlandien von Kel- 
heim zeigen außerdem eine weit plumpere Gesamterscheinung und langsam anwachsende, kaum gewölbte 
Umgänge. 

Natica Marcousana d’Orb. findet sich im: Astartien und Kimmeridgien von Hannover (Struckmann), 
im Portlandien von Haute-Marne (Loriol), Yonne (Loriol), Boulogne (Loriol), Salins (d’Orbigny), Ain (d’Or- 
bigny), Oise (d’Orbigny), Sizilien (Gemellaro). 


1) 1884. Hamlin. Syrian molluscan fossils, pag. 14, Taf. I, Fig. 1. 
2) Synonyme bei: 1868. Loriol et Cotteau. Yonne, pag. 32. 
1882. Schlosser. Diceras-Kalk, pag. 90. 
3) 1866. Loriol et Pellat. Boulogne-s.-m., pag. 25, Taf. III, Fig. 1I—12. 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. X VIII. 


130 Lothar Krumbeck. [66] 


Untersuchte Stücke: 8 Schalenexemplare, 4 Steinkerne. 
Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal und Ain Hamäda im Salimatal. 
Sammlung: Zumoffen. 


Natica Mylitta n. sp. 
Taf. VI, Fig. IIa—b. 


Maße: Gesamthöhe: 19 mm. 
Höhe des letzten Umganges: 16 mm. 
Durchmesser des letzten Umganges: 15 mm. 
Höhe der Mundöffnung: 13 mm. 
Breite der Mundöffnung: 8 mm. 
Gewindewinkel: etwa 75°. 

Beschreibung: Kleines, wohlerhaltenes Schalenexemplar von ovaler Gestalt und höher als breit. 
Die Spira ist außerordentlich klein und zierlich und erscheint der Hauptwindung als spitzes Kegelchen 
aufgesetzt. Sie besteht aus etwa 5 Umgängen, die oben stärker gewölbt sind als unten und durch vertiefte 
Nähte verbunden erscheinen. Sie nehmen ferner anfangs langsam, dann schneller an Breite zu, an relativer 
Höhe ab. Die Messung des Gewindewinkels bezieht sich nur auf die Spira. 

Der letzte Umgang entwickelt sich zu über drei Vierteln der Gesamthöhe. Er ist kräftig ge- 
wölbt und verjüngt sich nach unten hin stark, wodurch seine Oberregion ein bauchiges Aussehen erlangt, 
das von der grazilen Gestalt des Gewindes in karakteristischer Weise absticht. 

Die nicht sehr große, ovale Mundöffnung erscheint etwas schräg gestellt, unten gerundet, ben 
winklig zulaufend. Die Außenlippe ist nicht sehr kräftig gebogen. Dagegen buchtet sich der Spindelrand 
in seiner unteren Partie mit bedeutender Konvexität gegen die Schlußwindung vor und gibt dadurch der 
Mündung ihre ansehnliche Breite. Die Kolumella erscheint in ihrem oberen Teil ganz glatt. Erst abwärts 
vom Nabel zeigt sich eine ansehnliche Schwiele, welche den letzteren bis auf eine schmale Furche verhüllt. 

Die Skulptur der ziemlich dicken Schale besteht aus sehr feinen, unregelmäßigen Zuwachsstreifen. 

Bemerkungen: Allem Anschein nach ist unsere Form anzuschließen an Natica venelia Loriol‘) 
aus dem Portlandien von Tour-Croi bei Boulogne. Gemeinsam haben beide Formen den bezeichnenden 
Gegensatz zwischen der kleinen, spitzen Spira und dem gewaltigen Schlußumgang, ferner die Gestalt der 
Mundöffnung und den sehr schmalen Nabelspalt. Als unterscheidend von der syrischen Form kommt für 
Natica venelia Lor. in Betracht: Das Vorhandensein einer deutlichen Längs- und Querstreifung, die ge- 
ringere Höhe des letzten Umganges im Vergleich mit der Gewindehöhe sowie seine verschiedenartige 
Kontur, welche die stärkste Wölbung als tiefer liegend zeigt als bei unserem Stück. Die letztere Eigen- 
tümlichkeit hat wieder andere Gestalt der Spindel und abweichende Beschaffenheit der Schwiele und Nabel- 
ritze zur Folge. Diese Verschiedenheiten lassen unser Individuum als Vertreter einer neuen Art erscheinen. 

Natica venelia Loriol wurde meines Wissens nur aus dem Portlandien von Boulogne beschrieben. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Bekfteja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Natica n. sp. 
Taf. VI, Fig. 12. 


Maße: Gesamthöhe: 41 mm. 
Höhe des letzten Umganges: 35 mm. 
Durchmesser d. letzten Umganges: 31 mm. 
Gewindewinkel: 83°, 
Beschreibung: Ziemlich gut erhaltenes Schalenexemplar mit beschädigtem Gewinde und unvoll- 
kommen erhaltenem Mundsaum. Das Gewinde weist eine nicht bestimmbare Anzahl von schwach gewölbten 


1874. Loriol. Boulogne-s.-m., pag. 89, Taf. VII, Fig. c—ı2. 


[67] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 131 


Umgängen auf, die sich durch vertiefte Nähte gegeneinander absetzen. Die Schlußwindung ist groß, 
kräftig konvex, in der Mitte bauchig. Ihre Krümmung erfährt eine Verminderung gegen die Außenlippe hin. 
Die ovale, oben winklige, unten gerundete, relativ schmale Mundöffnung erreicht nur etwas über die 
Hälfte der Gesamthöhe. Ihr Außenrand verläuft mäßig konvex, der Spindelrand erscheint schwach konkav. 
Der Nabel wird durch eine breite Schwiele gänzlich verhüllt, deren karakteristische Gestalt auf der Ab- 
bildung gut zum Ausdruck kommt. 

Die Schale ist von großer Dicke und ganz glatt. 

Bemerkungen. Die vorliegende Spezies besitzt bedeutende Ähnlichkeit mit Nutica elegans Sow. 
wie sie mir in Gestalt der Zittelschen !) Originalexemplare aus dem stramberger Tithon vorliegt. Gemein- 
sam ist den beiden Formen die Größe des Gewindewinkels, das Höhenverhältnis der Spira zum Haupt- 
umgang sowie die allgemeine Gestalt des letzteren. Natica elegans Sow. unterscheidet sich von unserem 
Typ durch das treppenartig Abgesetzte des Gewindes, durch die Abflachung der Schlußwindung, durch die 
stärkere Biegung des Spindelrandes und durch das Auftreten einer Nabelspalte. 

Der von Loriol und Pellat?), gegebenen Figur steht unser Exemplar allerdings ziemlich fern. 

Natica elegans Sow. tritt auf im Portlandien von Stramberg, Boulogne (Loriol et Pellat), 
Oise, England. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Natica n. sp. 
Taf. VII, Fig. ı. 


Beschreibung: Kleines, mäßig erhaltenes Schalenstück mit einem Gewindewinkel von 78°. Die 
Spira ist oben abgebrochen. Der äußere Mundsaum fehlt. Das Gehäuse ist turmförmig, oben anscheinend 
kräftig zugespitzt, unten oval gerundet. Die Spira besteht aus mehreren, flach gerundeten, gleichmäßig 
anwachsenden Umgängen, die durch einfache Nähte verbunden sind. Der letzte Umgang erscheint sehr 
hoch und bis zur Mündung kräftig aufgeblasen. Die Innenlippe beschreibt einen S-förmigen Bogen, dessen 
untere Konvexität sich energisch gegen die Schlußwindung vorschiebt. Der Nabel kommt als deutlicher 
Spalt zum Vorschein. Schalenskulptur ist nicht vorhanden. 

Bemerkungen: Es gelang mir nicht, unter genabelten Naticiden eine formverwandte Art zu 
‚ entdecken. 

Untersuchte Stücke: T.. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Natica sp. 


Beschreibung: Ziemlich kleine Steinkerne mit geringen Schalenresten. Von den zwei bis drei gerun- 
deten Umgängen erscheinen die oberen bald etwas stärker, bald schwächer aufgewickelt. Dementsprechend 
ist die Spira bald höher oder niedriger. Letztere tritt völlig zurück gegen den Schlußumgang, welcher 
durch breite Nahtrinne vor ihr getrennt seine starke Breiten- und Höhenentwicklung nimmt. Die Mund- 
öffnung erscheint oval gestaltet, oben leicht zugespitzt, gegen die Spindel hin stärker erweitert und unten 
gleichmäßig gebogen. Die Schale ist ziemlich dünn. 

Untersuchte Stücke: 4. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. Zwischen Merudsch und Antüra.. Zwischen Ain Alak und 
Bekfeja. 

Sammlung: Zumoffen. 


1) 1873. Zittel. Stramberger Schichten, pag. 407, Taf. XLV, Fig. 23. 
2) 1866. Loriol et Pellat. Boulogne-s.-m., pag. 27, Taf. III, Fig. 13—15. 


a 


132 Lothar Krumbeck. [68] 


Natica sp. 


Es liegt mir eine Reihe von mittelgroßen Steinkernen vor, darunter einer mit karakteristischen 
Schalenresten. Letzterer erinnert durch die Lage und Gestalt seiner Mündung, durch das Vorhandensein 
einer Nabelritze und besonders durch die wohlausgeprägte Punktierung seiner ziemlich dicken Schale an 
N. dido n. sp. Wir schließen die hierhergehörigen Formen an die letztere Art deshalb nicht an, weil ihr 
Gewinde relativ niedriger zu sein scheint und weil ihnen die bezeichnende infrasuturale Abplattung fehlt. 

Untersuchte Stücke: 3. 

Vorkommen: Im Kelbtal bei Bekfeja und nahe den »Grotten«. 

Sammlung: Zumoffen. 


Untergattung: Tylostoma Sharpe. 


Tylostoma sp. 
Taf. VI. Fig. 13. 


Maße: Gesamthöhe: 37 mm. 
Gewindewinkel: etwa 60°. 

Beschreibung: Mangelhaft erhaltener Steinkern von turmartiger Gestalt, viel höher als breit. 
Die Spira besteht aus mindestens drei Windungen und spitzt sieh kräftig zu. Der letzte Umgang übertrifft 
das Gewinde beträchtlich an Höhe und erscheint etwas kräftiger gewölbt als die oberen Umläufe, Die 
Mündung ist nicht sehr schräg gestellt, relativ schmal, oben wahrscheinlich etwas breiter gerundet als 
unten. Von einem Nabel zeigt sich keine Spur. 

Bemerkungen: In der allgemeinen Form zeigt das vorliegende Stück geringe Annäherung an 
Tylostoma corallinum Zittel, wie sie Loriol!) zur Abbildung bringt. Der letzte Umgang dieser Spezies 
ähnelt dem unseren mit Bezug auf seine Längen- und Breitenproportionen, in der Art seiner Zuspitzung nach 
unten hin sowie bezüglich der Ausbauchung der Flanken. Ein wesentlicher Unterschied ergibt sich jedoch 
aus der verschiedenen Beschaffenheit des vorletzten Umganges, der bei unserem Exemplar verhältnismäßig 
bedeutend höher erscheint als bei der von Loriol gegebenen Figur. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen. Ain Hamada im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Nerineidae Zittel. 
Gattung: Nerinea Defr.?) 
Nerinea pauciplicata n. sp. ; 
Taf. VII. Fig. 2 a—b. 


Maße: Gesamthöhe: — 
Höhe des letzten Umganges: 46 mm. 
Durchmesser des letzten Umganges: 46 mm. 
Höhe der Mündung: 24 mm. 
Gewindewinkel: etwa 19°. 

Beschreibung: Das große, massive, turmartige Gehäuse besteht aus zahlreichen, stark und 
gleichmäßig konkaven Windungen, die unter einem kräftigen Nahtwinkel in die Höhe streben. Nach unten 
hin verringert sich die Konkavität der Umgänge ebenso wie die relative Höhe der letzteren. Gegen seine 
untere Naht hin schwillt jeder Umlauf zu einem runden, aufgeblasenen Kiel an. Dicht unter der Sutur 
verläuft ein schmales Schlitzband. Die Unterseite des letzten Umganges erweist sich als etwas konkav. 


1) 1887. Loriol. Valfin, pag 149, Taf. XVI, Fig. 2, 2a. 

2) Zumoffen hebt in einem Schreiben an Blanckenhorn hervor (1902), daß in Gesellschaft von Stacheln 
von Cidaris glandaria zahlreiche Nerineen angetroffen wurden. Es seien vielfach Exemplare von bedeutender 
Größe, die von sehr hartem Gestein umgeben seien. Ein gemessenes Stück besaß 53 cm Länge bei 7 cm Durchmesser. 


[69] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 133 


Die Mündung von ausgesprochen viereckiger Gestalt setzt sich oben in einen kurzen spitzwink- 
ligen Ausschnitt fort, der Sich in das Schlitzband verlängert. Sie endigt nach vorn in einen kurzen 
kanalartigen Ausguß. Die leicht konvexe Spindel erscheint hier glatt. Ein Querschnitt läßt jedoch er- 
kennen, daß die Kolumella eine wohlausgebildete Falte besitzt. Auch die Außenwand zeigt an der Stelle 
der größten Konkavität eine schwache Verdickung, die man für die Anlage einer Falte halten kann. Die 
Innenlippe ist glatt. 

Die relativ dünne Schale weist feine, leicht S-förmig geschwungene Zuwachsstreifen auf. 

Bemerkungen: Enge Beziehungen verbinden unsere Art mit Nerinea Desvoidyi d’Orb. 
Als besonders ähnlich erweisen sich die von d’Orbigny!) und von Loriol?) abgebildeten Exemplare hin- 
sichtlich der Form des Gewindes wie der Mündung. Als unterscheidend machen sich bei unserem Stücke 
geltend die beträchtlich konkavere Gestalt der Windungen und die abweichende Beschaffenheit der Falten. 
Ein gut erhaltenes Individuum von N. Desvoidyi d’Orb. von Coulanges sur Yonne, welches mir aus 
dem münchner Museum vorliegt, zeigt aufs deutlichste die typischen Falten auf Spindel und Außenlippe, 
von denen die letztere die kräftigere ist. Dahingegen besitzt unsere Form eine wohlmarkierte Kolumella- 
falte, während die Verdickung der Außenwand kaum als Falte zu bezeichnen ist. Die betonten Unter- 
schiede in der äußeren und inneren Organisation unseres Stückes führen notgedrungen zur Aufstellung 
einer neuen Art. 

Blanckenhorn?) brachte aus der syrischen Kreide den Durchschnitt einer Nerinea zur Ab- 
bildung, welche in der äußeren Form mit Nerinea pauciplicata völlig übereinstimmt. Nerinea bery- 
tensis Blanck. weicht jedoch hinsichtlich der inneren Organisation von unserem Typ nicht uner- 
heblich ab. Es befinden sich nämlich auf der Spindel zwei leichte Anschwellungen, denen eine stärkere Ver- 
dickung der Außenwand gegenübersteht. Immerhin ist die Ähnlichkeit beider Formen anscheinend eine 
so bedeutende, daß wir uns N, berytensis Blanck. aus N. pauciplicata entstanden denken könnten. 

Nerinea Desvoidyi d’Orb. findet sich im: Sequanien von Oyonnax (d’Orbigny); Yonne 
(Loriol); Meuse, Ardennes (d’Orbigny); Haute-Marne (Loriol); Boulogne (Loriol et Pellat); Eng- 
land (Woodward); Kimmeridgien von Hannover (Struckmann); Franken (Guembel); Portlandien von 
Kelheim, Oberstotzingen, Ingolstadt (Schlosser). 

Untersuchte Stücke: ı. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Nerinea Maroni n. sp. 
Taf. VII. Fig. 3a—b. 


Maße: Höhe: 64 mm. 
Höhe des letzten Umganges: 18 mm. 
Durchmesser des letzten Umganges: 25 mm 
Gewindewinkel: 29°. 
Nahtwinkel: 16°. 

Beschreibung: Die ziemlich kleine, ungenabelte, turmartige Form besteht aus ungefähr sieben bis acht 
Windungen. Von diesen sind nur fünf erhalten, die von oben nach unten an relativer Höhe bedeutend ab- 
nehmen. Der Spiralwinkel zeigt das umgekehrte Verhalten. Die Umgänge weisen eine sehr kräftige Ein- 
sattlung auf, deren tiefster Punkt etwas über der Mitte liest. Auf der Grenze zweier Umgänge befindet 
sich ein scharfer, aber gerundeter Kiel. Unter ihm verläuft die Sutur. Die Mündung ist fast vierseitig, 
höher als breit, mit kräftigem, schwach gebogenem Ausguß. Sie zählt bei einem Exemplar auf Spindel und 
Innenlippe je eine deutliche Falte. Ein Querschnitt durch das vorliegende Stück läßt eine dritte etwas 

1) 1850. d’Orbigny. Terrains jurassiques, II, pag. 107. Taf. CCLXI, Fig 1-3. 

2) 1872. Loriol. Haute-Marne, pag. 81, Taf. VI, Fig. 2. 

®) 1891. Blanckenhorn. Kreidesystem in Syrien, pag. 106, Taf. VIII, Fig 3. 


134 Lothar Krumbeck. [70] 


schwächere Falte auf der Innenseite der Außenwand erkennen und auf dem Boden der Kammer eine vierte, 
die jedoch nur sehr wenig angedeutet ist. ; 

Die dünne Schale zeigt auf dem Kiel eine Reihe von ziemlich dicken, regelmäßig angeordneten 
Knoten, die sich als wenig markierte, breite Querrippen nach oben und unten fortsetzen. Der feinere 
Schmuck wird durch dünne Spiral- und Zuwachsstreifen gebildet. 

Bemerkungen: Wie die Schale, so sind auch die größeren Falten auf Spindel und Innenlippe 
von lamellös feiner Beschaffenheit. Das Auftreten einer Falte auf dem Boden der Umgänge ist eine 
spezifische Besonderheit dieser Art. Im übrigen zeigt sie hinsichtlich ihrer äußeren und inneren Struktur 
sehr enge Verwandtschaft mit Nerinea Visurgis Roem. Das von d’Orbigny!) abgebildete Stück stimmt 
mit dem unsrigen überein in dem Vorhandensein einer Längs- und Querskulptur, sowie in der Anordnung 
der drei Falten, von denen jedoch, im Gegensatz zu Nerinea Maroni, die Außenfalte die stärkste Ent- 
wicklung erreicht. 

Zwei Exemplare von N. Visurgis Roem. des münchner Museums, welche die Fundortsbezeichnung 
Coulanges-sur-Yonne tragen, lehnen sich in Bezug auf die Form der Umgänge und der Mündung noch 
enger an unser Exemplar an als die Typen von d’Orbigny. 

Ein Steinkern, der nach den Angaben Zumoffens im Glandarienkalk des Kelbtales allgemein 
verbreitet ist, sei trotz seines kleineren Gewindewinkels vorläufig an unsere Spezies angeschlossen. 

Nerinea Visurgis Roem. tritt auf im: Sequanien von Neuchätel (Tribolet); Yonne, Meuse (d’Or- 
bigny); Hannover (Struckmann); Pteroc&rien von Oyonnax (d’Orbigny); Mangyschlak (Semenow). 

Untersuchte Stücke: 3. 

Vorkommen: Feraike, Bekfeja, Ain Alak im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen: 


Nerinea Sesostris n. sp. 
Taf. VII, Fig. 4a—b. 

Beschreibung: Ziemlich lange, sehr schlanke, ungenabelte Art von der Form eines Schrauben- 
ziehers, deren Anfangs- und Schlußumgänge nicht erhalten sind. Das vorliegende Gewinde besteht aus 
neun Umgängen. Die Höhe der letzteren übertrifft oben deren Durchmesser, unten kommt sie ihm fast 
gleich. Der Nahtwinkel beträgt 22°. Die Windungen erscheinen derart konkav, daß sie sich an den 
Nähten zu scharfen Kielen vereinigen, welche dieser Art ihr karakteristisches Aussehen verleihen. Es 
existiert nur eine, ziemlich kräftige Spindelfalte. Die sonst glatte Schale ist mit feinen, nach oben an- 
scheinend rückwärts geschwungenen Zuwachsstreifen verziert. 

Bemerkungen: In der Lethea bruntrutana?) findet sich die Abbildung eines Individuums aus 
dem Astartien von Porrentruy, dessen Zugehörigkeit zu Nerinea Gosae Roem. von Thurmann und 
Etallon in Zweifel gezogen wird. In der Tat hat es nichts mit der letzteren Art zu tun. Seine Mün- 
dung zeigt den Typ der Kammerdurchschnitte, wie er sich bei unserer Spezies findet. Die Verwandt- 
schaft beider Formen ist unverkennbar. 

Noch enger sind die Beziehungen von Nerinea Sesostris zu Nerinea contorta Buv.°) Exemplare 
der münchner Sammlung aus dem Rauracien von Caquerelle zeigen sehr ähnliche äußere Formenver- 
hältnisse, wie sie bei der ersteren bestehen. Die Konkavität der Windungen ist bei der berner Art etwas 
geringer, ebenso besitzt diese auf der Spindel eine schwächere und auf der Innenlippe eine kräftigere Falte, 
im Gegensatz zu der einzigen Spindelfalte unseres Exemplars. Loriol®), welcher Nerinea contorta Buv. aus 
dem Rauracien das Berner Jura beschrieb, spricht seinen Zweifel darüber aus, daß es mit der Spindelfalte 
der Buvignierschen Stücke seine Richtigkeit hat. Er konnte lediglich eine Falte auf der Innenlippe 
konstatieren. Wie dem auch sei, unsere Form behauptet dieser und ähnlichen Arten gegenüber, wie z. B. 
Nerinea turriculata d’Orb., eine durchaus selbständige Stellung. 

1) 1850. d’Orbigny. Terrains jurassiques, II, pag. 122, Taf. CCLXVII, Fig. 5—7. 

2) 1861. Thurmann et Etallon, Lethea bruntrutana, pag. 94, Taf. VII, Fig. 38 bis. 

8) 1852. Buvignier, Meuse, pag. 35, Taf. IV, Fig. 7—8. 

*) 1892. Loriol, Jura bernois, pag. 62, Taf. VIII, Fig. 1-2. 


[71] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 135 


Nerinea contorta Buv. ist bekannt aus dem Rauracien des Berner Jura und des Maas-Gebietes. 
Untersuchte Stücke: 4. 

Vorkommen: Bekfeja, Ain Alak im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Nerinea sp. 


Beschreibung: Das kleine, sehr schlanke, turmförmige, ungenabelte Gehäuse weist mehr als 
zehn Umgänge auf, die sich unter bedeutendem Nahtwinkel aufwickeln. Sie sind sehr wenig konkav und 
besitzen anscheinend über der Naht eine geringe kielartige Anschwellung. Ein Längsschnitt durch das 
Stück zeigt drei wohlentwickelte Falten. Die schwächste entfällt auf die Spindel. Eine zweite, längere, 
von lamellöser Feinheit, gehört der Innenlippe an. Die dritte, von bemerkenswerter Stärke und Länge 
ragt unter hakenartiger Aufwärtskrümmung von der Innenfläche der Außenwand in das Schalenlumen vor. 

Bemerkungen: Die verschiedenen vorliegenden Exemplare befinden sich in sehr dürftigem Er- 
haltungszustand. Kein einziges gewährt allein für sich ein einheitliches Bild der oben angeführten 
Eigenschaften. 

Untersuchte Stücke: 3. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Nerinea sp. 


Beschreibung: Die verdrückten, turmförmigen Steinkernfragmente bestehen aus zahlreichen, 
unter bedeutenden Nahtwinkel aufsteigenden Windungen. An Falten sind vorhanden: eine kräftige an 
der Außenlippe und eine schwächere je auf der Innenlippe und auf der Spindel. 

Bemerkungen: Mit den oben beschriebenen Formen aus dem Glandarienkalk besitzen die vor- 
liegenden Stücke keine näheren Beziehungen. 

Untersuchte Stücke: 2. 

Vorkommen: Bekteja im Kelbtal. 

Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Strombidae d’Orb. 
Gattung: Harpagodes Gill. 


Harpagodes!) cfr. Oceani Brongn. 
Taf. VII, Fig 5a—b. 
Synonyme: 
1820. Strombites dentieulatus, Schlotheim. Petrefaktenkunde, pag. 153, Nachträge, Taf. XXXII, Fig. 9. 
1821. Strombus Oceani, Brongniart,?) Annales des Mines, VI, pag. 554, 570, Taf. VII, Fig. 2. 
1836. Pteroceras Oceani, Roemer, Oolithengebirge, pag. 145, Taf. XI, Fig. 9. 
1837. Pterocera Oceani, Bronn, Lethaea, pag. 401, Taf. XXI, Fig. 4. 


184I— 1844. Pteroceras Oceani, Goldfuß, Petrefacta, Taf. CLXIX, Fig. 4a—b. 
1842. Pterocera Ponti, Deslongchamps,?) Coqu. ailees du Calvados, pag. 162, Taf. IX, Fig. 2. 


1855. » Oceani, Pictet, Traite de Pal&ontologie, pag. 199, Atlas, Taf. LXIV, Fig. 14. 
1856— 1858 Pterocera Oceani, Oppel, Juraformation, pag. 717. 

1860. » » Contejean, Kimm. de Montbeliard, pag. 117, IIS, 215. 

1861. » » Coquand, Charente, pag. 57. 

1861. » » Thurmann et Etallon, Lethea, pag. 133, Taf. XII, Fig. ı1c. 
1862. » Ponti, Coquand, Pal&ontol. de Constantine, pag 279. 

1863. » Oceani, Dollfuß, Cap de la Heve, pag. 17. 


1864. Aporrhais Oceani, Gredner, Pteroceras-Schichten, pag. 210. 


1) Vergl. 1903. Zittel. Grundzüge der Paläontologie, pag. 373. 
2) Zitiert nach: Loriol. Haute-Marne, pag. 144. 


136 Lothar Krumbeck. [72] 


1864. Pterocera Oceani, Etallon, Jura graylois, pag. 455. 


1867. » > Moesch, Aargauer Jura, pag. 201. 

1867. > > Peters, Dobrudscha, pag. 35, Taf. II, Fig. 3—4. 

1868. > > Loriol et Pellat, Boulogne-s.-m., pag. 40, Taf. IV, Fig. 4—5. 
1869. > D Gemellaro, Calcare a Ter. janitor. pag. 84, Taf. XIV, Fig. 18—19. 
1872. » » Loriol, Haute-Marne, pag. 144, Taf. IX, Fig. 13—14. 

1874. » > Loriol, Boulogne-s.m., pag. 146. 

1882. » efr. Oceani, Schlosser, Diceras- Kalk, pag. 67, Taf. X, Fig. I—2 

1882. > Oceani, Alth, Nizniower Kalkstein, pag. 198. 


1886. Pterocera ? Oceani, Douville, Choa, pag. 223. 
1891. Harpagodes Oceani, Piette, Pal. frangaise, pag. 456, Taf. XLV. Fig. ı—2, Taf. XLVIII, Fig 1, Taf. LXV, Fig. 

57, Taf. LXXX, Fig. ı, Taf. LXXXI, Fig. 13. 

1893. Pteroceras Oceani, Fibelkorn, Geschiebe d. ob. Juraform., pag. 424. 

1896. > cfr. Oceani, Semenow, Mangyschlak, pag. 72. 

1900. » » » Müller, Verstein. d. Jura u. d. Kreide, pag. 25, Taf. XVII, Fig. 6. 

1904. Harpagodes Oceani, Cossmann. Essais de Pal&oconchologie comparee. 6. Lief. Paris. pag. 85, Taf. VII, Fig. LI. 

Beschreibung: Dem vorliegenden Steinkern fehlt der Kanalausguß, der obere Teil des Ge- 
windes sowie der äußerste Teil des letzten Umganges. Erhalten sind nur die beiden letzten Umgänge. Die 
vorletzte Windung erscheint oben kurz aber kräftig gerundet, an den steil abfallenden Seiten mäßig ge- 
baucht, im ganzen ziemlich niedrig und nach oben rasch anwachsend, so daß man auf eine relativ ge- 
ringe Höhe der Spira schliefsen kann. 

Der letzte Umgang ist außerordentlich erweitert. 6 breite, gleichmäßig gerundete Spiralrippen 
verleihen ihm sein karakteristisches, unregelmäßiges Aussehen. Von ihnen sind die 3 vorderen wieder 
stärker ausgebildet und durch breitere Zwischenräume getrennt als die hinteren. Die dritte Rippe, von 
unten ab gezählt, bildet einen kräftigen, schön geschwungenen Kiel, an dem sich die schwach konvexe 
Ober- und Unterseite der Schlußwindung in’ kräftiger Umbiegung gegeneinander absetzen. Gegen die 
Mündung hin wird die Wölbung der Schale bedeutend geringer. Letztere verbreitert sich hier flügelartig. 
Die drei schwächeren, oberen Rippen, deren höchste an der Sutur des vorletzten Umganges in die Höhe 
zieht, verschwinden nach hinten zu bald. Die unteren hingegen lassen sich mit großer Deutlichkeit auf 
der Spindel weiterverfolgen. Zwischen den beiden oberen von ihnen erscheinen etwa 4—5 schwach sicht- 
bare, spirale Zwischenrippen. 

Bemerkungen: In der Art der Berippung kommt unser Steinkern dem von Goldfuß!) abge- 
bildeten Exemplar am nächsten, dessen Fundort leider nicht angegeben ist. Es zeigt sich Überein- 
stimmung in der Anzahl der Rippen und in der Art ihrer Verteilung auf die Ober- und Unterseite der 
Schlußwindung. Spirale Zwischenrippen treten bei der Goldfußschen Form zwischen sämtlichen sechs 
Hauptrippen auf und waren vielleicht auch bei unserer Form ursprünglich vorhanden. Unterschiede er- 
geben sich aus der schärferen Ausbauchung der Schlußwindung der letzteren, die in ihrer oberen Partie 
relativ breiter, in ihrem unteren Teil jedoch verhältnismäßig schmaler ist als bei dem zitierten Exemplar. 
Man gewahrt ferner bei unserem Stück eine stärkere Autkrümmung der Mundsaumregion und einen 
andersartigen Verlauf der drei unteren Rippen, welche sich vorn etwas kräftiger nach unten abbiegen. 

Ähnliche Beziehungen ließen sich feststellen zu einem Steinkernexemplar, das mir aus dem Kimme- 
ridge von Wendhausen bei Hildesheim aus dem münchner Museum vorliegt. Es erscheint deshalb nicht 
als ausgeschlossen, daß das Goldfußsche Original ebenfalls jener Lokalität entnommen war. 

Der von Müller‘) aus dem Kimme£ridgien des Mahokondo-Baches (Deutsch-Ostafrika) abgebildete 
Steinkern steht unserem Typ anscheinend ziemlich fern. Das gleiche gilt hinsichtlich des Individuums, das 
Peters?) aus dem Kimmeridgien von Tschernawoda (Dobrudscha) zur Abbildung brachte, 

An die zahlreichen Formen, die man bei französischen Autoren sieht (Loriol, Piette u. a.), 
finden sich wenig Anknüpfungspunkte. Gröfere Ähnlichkeit bezeugt unser Stück dagegen wieder zu dem 


1) 1841—1844. Goldfnß. Petrefacta Germaniae, III, Taf. CLXIX, Fig. 4a. 
2) 1900. Müller. Versteinerungen u. s. w., pag. 25, Taf. XVII, Fig. 6. 
8) 1867. Peters. Dobrudscha, pag. 35, Taf. II, Fig. 3—4. 


[73] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 137 


von Thurmann und Etallon!) gebrachten Exemplar. Die betreffende Abbildung ist jedoch zu mangel- 
haft, um zu genaueren Vergleichen einzuladen. 

Harpagodes Oceani Brongn. karakterisiert im allgemeinen die untere Etage des Kimme£ridgien. 
Nicht selten aber erscheint diese kosmopolitische Form schon im AÄstartien oder verschwindet erst im 
unteren Portlandien. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Kephalopoden. 
Familie: Nautilidae Owen. 
Gattung: Nautilus Breyn. 


Nautilus turcicus n. sp. 
Taf. VII, Fig. 6a—b. 
Maße: Größter Durchmesser: etwa I20 mm. 
Höhe des letzten Umganges an der Mündung: 75 mm. 
Größte Dicke: zirka 90 mm. 

Beschreibung: Das Gehäuse ist ziemlich eng genabelt und sehr stark aufgeblasen. Der Extern- 
teil erscheint außerordentlich breit und gerundet. Die Flanken fallen ziemlich steil gegen den Nabel hin 
ab und gehen unter kräftiger Rundung in den letzteren über. 

Die Mundöffnung ist bedeutend breiter als hoch und dehnt sich lateralwärts derart stark aus, 
daß der Nabel zum größten Teil verhüllt wird. 

Die Sutur bildet an der Nabelkante einen kurzen, kräftigen Sattel, geht dann in einen weiten, 
flachen Lobus über und setzt unter abermaligem Aufsteisen mit mäßiger Konvexität über den Aufßen- 
teil hinweg. 

Die Schale ist dünn und allem Anschein nach glatt. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Familie: Phylloceratidae Zitt. 
Gattung: Phylloceras Sueß. 


Phylloceras Salima n. sp. 
Taf. VII, Fig. 7a—b. 
Maße: Größter Durchmesser: 67 mm. 
Höhe des letzten Umganges: 43 mm. 
Dicke des letzten Umganges: 24 mm. 
‘Nabelweite: 5 mm. 

Beschreibung: Das enggenabelte, am Externteil kräftig gerundete, an den Seiten flach konvexe 
Gehäuse ist an der der Mündung ungefähr gegenüberliegenden Region der letzten Windung etwas verdrückt. 
Die Flanken der letzteren fallen unter ziemlich steiler Rundung zum Nabel ab. Sie zeigen sich, anscheinend 
von der Mitte an, nach auswärts mit zahlreichen, gleichartigen, gerundeten, geraden, rückläufigen Streifen 
bedeckt, die etwa halb so breit sind wie ihre Zwischenfurchen. Nach dem Siphonalteil zu werden die 
Rippen kräftiger und laufen ununterbrochen über ihn hinweg. Man zählt dort zwölf von ihnen auf die 
Länge eines Zentimeters nahe der Mündung. Die Höhe dieser letzteren verhält sich zu ihrer Breite wie 


43:26 mm. 


1) 1861. Lethea bruntrutana, pag. 133, Taf. XI, Fig. 110. 
18 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVIII. 


138 Lothar Krumbeck. [74] 


Die Überreste der Schale geben ein ziemlich genaues Bild der Loben und Sättel. Die Loben 
sind stark zerzackt. Die Sättel von gedrungenem, kräftisem Bau erscheinen reich verästelt. Der erste 
Laterallobus übertrifft den zugehörigen Außenlobus fast um das Doppelte der Länge des letzteren. Der 
Externsattel ist zweiblätterig und nur wenig kürzer als der erste Lateralsattel, welcher anscheinend in vier 
Blätter endigt. Die Blattspitzen zeigen eine ovale, zugespitzte Form. Die Anzahl der Hilfsloben beträgt 
an der Mündung 7, außerhalb des Nabels 5. 

Bemerkungen: Das vorliegende, der Formenreihe des P’hylloceras heterophyllum Sow. ange- 
hörende Stück ähnelt in seiner Gestalt, besonders hinsichtlich der Krümmung seiner Externseite und der 
Form seiner Mündung, am meisten dem P’hylloceras Kudernatschi Hauer.!) Von dieser Spezies liegen mir 
Exemplare des münchener Museums vor aus dem obersten Bajocien von Digne und aus dem Bathonien 
von Swinitza im Banat. Unser Individuum unterscheidet sich von ihr durch die flachere Beschaffenheit 
seiner Flanken, durch die abweichende Anordnung seiner Rippen, welche niemals zu Bündeln vereinigt 
sind, durch die größere Anzahl seiner Hilfsloben sowie durch die Vierblätterigkeit des ersten Lateralsattels. 
Auch der Typ der Lobenzeichnung erinnert in mancher Beziehung an Ph. Kudernatschi Hauer. Die Bau- 
art der Sättel weist ebenfalls auf eine gewisse Verwandtschaft hin, besonders hinsichtlich der Art ihrer Ver- 
ästelung und der Form ihrer Blätter. 

Mit Phylloceras Kunthi Neum.?) hat unser Exemplar gemeinsam die gleichartige Schalenskulptur 
die gleiche Anzahl der Auxiliarloben und die Vierblätterigkeit des ersten Lateralsattels. Unterschiede er- 
geben sich aus der weniger hochmündigen und stärker aufgeblasenen Gestalt unserer Art, welche einen 
weit gedrungeneren Bau der Loben und Sättel aufweist als Ph. Kunthi Neum. 

Das Gewicht der trennenden Merkmale läßt das vorliesende Individuum als den Vertreter einer 
neuen Art erscheinen, die insbesondere zu Ph. Kudernadschi Hauer in ziemlich engen verwandtschaftlichen 
Beziehungen zu stehen scheint. Andere Heterophyllen wie Phylloceras plicatum Neum.?) und Phylloceras 
praeposterius Fontannes*) stehen unserer Spezies ziemlich fern in der Skulptur sowohl wie in der An- 
ordnung der Suturlinie. 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Duar im Salimatal. 

Sammlung: Zumoffen. 

Aspidoceras? sp. 

Es liegt mir die verkleinerte Photographie eines ziemlich mangelhaft erhaltenen Ammoniten vor 
von 21 cm Durchmesser. Das Stück ist ziemlich weit genabelt und scheint nach Form und Skulptur dem 
Genus Aspzdoceras anzugehören. An den Nabelkanten des letzten und vorletzten Umganges bemerkt man 
eine Reihe von kräftigen Knoten, die sich gegen die Externseite hin anscheinend in kurze Rippen fortsetzen. 
Die sonstige Skulptur der Schale ist durch Verwitterung unkenntlich geworden. Die Suturlinie tritt nur 
unvollkommen hervor. Loben wie Sättel erscheinen breit und mäßig zerschlitzt. Der erste und zweite 
Laterallobus sind anscheinend zweiteilig. Der erste Lateralsattel gabelt sich in zwei starke Äste, 

Untersuchte Stücke: 1. 

Vorkommen: Bekfeja im Kelbtal. 


Sammlung: Zumoffen. 


Anhang. 


Es liegt mir eine Reihe von Fossilien des Glandarienkalkes vor, die außerhalb des Rahmens dieser 
Arbeit stehen und daher nicht näher bestimmt wurden. 


1. Eine neue Hydrozoe, die sich nach der Ansicht von Steinmann an die paläozoischen Stroma- 
toporiden anschließt. 


1) 1854. Hauer. Heterophyllen, pag. 902. 
°) 1871. Neumayr. Jurastudien, pag. 310, Taf. XII, Fig. 4. 
In obigem, pag. 312, Taf. XIII, Fig, 1. 
») Das gleiche, pag. 313, Taf. XII, Fig. 7, Taf. XII, Fig. 2. 
’) 1876. Dumortier et Fontannes, Crussol, pag. 38, Taf. VI, Fig. 1—2. 


[75] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 139 


2. Mehrere Stielglieder und das mangelhaft erhaltene basale Kelchstück einer Millericrinusart, 
welche mit Apiocrinus cretaceus Fraas!) ident sein könnte. Da aber der Autor weder Beschreibung noch 


Abbildung: gegeben hat, handelt es sich möglicherweise um eine neue Spezies. 


3. Drei verschiedene Typen von Seeigelstacheln, von denen zwei zu Cidaris glandaria Lang ?) 
und Cidaris clavimorus Fraas?) gehören. Cotteau*) wies mit Recht darauf hin, daß die letztere Art 
mit Cidaris clavimorus Quenstedt nicht vereinigt werden darf, wie es durch ©. Fraas geschehen war. 
Er beschrieb sie als neue Art unter der Bezeichnung Cidaris Morgueti Cott., aber irrtümlicherweise aus dem 
Cenomanien von Ain Hamäda, das er merkwürdigerweise in den Antilibanon versetzte. Das dritte Stachel- 


individuum erscheint als spezifisch verschieden von den beiden erwähnten. 
4. Eine neue Bryozoe aus der Familie der Cerioporiden. 


5. Ein kleiner, verlängert vierseitiser Fischzahn, dessen Struktur mit den Zähnen von SZrophodus 


subreticulatus Ag. volle Übereinstimmung zeigt, wie sie mir aus dem kelheimer Diceraskalk vorliegen. 


Allgemeiner Teil. 


Ein Rückblick auf die beschriebene Fauna entrollt vor unseren Blicken das Bild einer relativ 
reichen und mannichfachen Lebewelt. Sie verteilt sich auf 5 Tierstämme mit insgesamt 9 Klassen, 
34 Familien, 43 Gattungen, 94 Arten. Unter Hinzurechnung der von Blanckenhorn angeführten 
Schwämme und Korallenspezies sowie der von Loriol und von CGotteau beschriebenen See- 
igel und der von Felix bearbeiteten Korallen ergibt sich die stattliche Gesamtzahl von 144 Spezies, 
darunter über SO neue Arten! Von den Faunengebieten, welche mit dieser Tierwelt des Glandarienkalkes 
nahe verwandt sind, zeigt eine ganze Anzahl von entsprechend grofßsen mitteleuropäischen Bezirken 
einen weit erheblicheren Formenreichtum. Zieht man aber dabei in Rechnung, daß die letzteren seit über 
100 Jahren die klassische Stätte bilden für das Studium der Juraablagerungen, während wir fast die ge- 
samte bisher nachgewiesene Fauna des libanesischen Malm der sporadischen Sammlertätigkeit eines einzelnen 
verdanken, so eröffnen sich für die Zukunft des weißen Jura im Libanon aussichtsreiche Perspektiven, 
welche das Herz des Fachmannes in dem gleichen Maße erfreuen, wie ihre Realisierung seiner wissen- 
schaftlichen Erkenntnis neue‘ Wesenselemente zuführen kann. 


Unter 24 Brachiopodenarten befinden sich zwölf neue Spezies. Von drei der letzteren wurde die 


nähere Verwandtschaft ermittelt. Vier Arten konnten identifiziert werden. 


Von 18 Schneckenspezies wurden zwei unter Vorbehalt mit bekannten Arten als identisch erklärt. 
Von den zehn neuen Typen gelang es sechs an bekannte Formen ziemlich eng anzuschließen. 

Die Muscheln umfassen 43 verschiedene Arten, darunter 24 neue. Vier wurden identifiziert, die 
eine davon unter Vorbehalt. EIf erwiesen sich als nah verwandt mit früher beschriebenen Spezies. 
Die Kephalopoden endlich sind nur durch drei Arten vertreten, darunter zwei neue Typen. 

Von insgesamt 88 Formen wurden somit neun vollkommen, drei mit Vorbehalt (cfr.) identifiziert. 
47 sind neu. Der Rest von 30 Arten mußte wegen mangelhafter Erhaltung oder wegen ungenügenden 
Materials unbestimmt gelassen werden. 

Die bearbeitete Fauna ist nicht nach Horizonten gesammelt worden. Es tehlt daher eine stratigraphische 
Grundlage und die Bestimmungen fanden auf rein paläontologischer Basis statt. Sie richteten sich aus- 
schließlich nach der größeren oder geringeren Übereinstimmung oder Verschiedenheit hinsichtlich der für 
eine Art als wichtig erkannten Merkmale. Auf dieser Grundlage fußend, habe ich es für erlaubt gehalten, 


beim Aufsuchen von verwandten faunistischen Zentren und bei der Festlegung von stratigraphischen Etagen 


ı\ 1878. ©. Fraas. Orient, II, pag. 26. 
2) 1708. Lang. Historia lapidum, pag. 127, Taf. XXXVI, Fig. 1. 
%) 1878. Fraas O. Orient, II, pag. 30. 
*) 1885. Cotteau Echinides nouveaux, pag. 56, Taf. VII, Fig. 16-17. 
19* 


140 Lothar Krumbeck. [76] 


wie es später versucht werden soll, auch solche Formen mit in den Kreis meiner Betrachtungen einzube- 
ziehen, die sich als nah verwandt erwiesen zu anderwärts beschriebenen Malmvorkommen. 

Es sei ferner ausdrücklich betont, daß sämtliche Vergleiche, welche später zur Klärung der 
faunistischen Beziehungen des Glandarienkalkes mit anderen Faunenbezirken unternommen werden, auf der 
Voraussetzung beruhen, dafs das vorliegende Material in seiner Zusammensetzung ein relativ getreues Ab- 


bild gibt von der gesamten Tierwelt des libanesischen Malm. 


1. Beziehungen der Fauna des Glandarienkalkes zum mitteleuropäischen Malm. 


Da die später folgende Tabelle trotz ihrer Ausführlichkeit den stratigraphischen Gesamtkarakter 
unserer Fauna nicht voll zum Ausdruck bringen kann, so werden hier noch einmal kurz die der Über- 
schrift entsprechenden Ergebnisse des beschreibenden Teiles zur Darstellung gebracht. 

Die Brachiopoden lehnen sich in ihrer Gesamtheit auf das Engste an ostfranzösische, süd- 
deutsche und schweizer Vorkommen an. 

Rhynchonellidae: Rh. Drusorum, eine kleine, ungleichseitige Spezies nähert sich in ihrem 
Gesamthabitus Formen wie Rh. astieriana d’Orb. und Rh. corallina Leym., wie sie in der Schweiz und 
in Süddeutschland auftreten. 

Terebratulidae: T. Bauhini Lor. findet ihre nächsten Verwandten im französischen Jura und 
im Yonne-Gebiet. T. subsella Leym. zeigt die Ausbildung, wie sie diese Form in der Nordwestschweiz 
und in Ost- und Nordfrankreich erfahren hat. T. bisuffarcinata Schloth. steht fränkischen Typen (Am- 
berg) sehr nahe. T. Zieteni Loriol sehen wir sich anschließen an Sequanienformen Süddeutschlands und 
der Schweiz. Die neuen Spezies, wie T. curtirostris, T. longisinuata, T. phoeniciana weisen anf fran- 
zösische und schweizer Typen hin, T. sannina und T. beirutiana sowie einige unbestimmte Arten nehmen 
eine isolierte Stellung ein. Terebratulina substriata Schloth. steht der nattheimer Ausbildungsweise dieser 
Art am nächsten. Für Eudesia Zitteli wurden in jurassischen Ablagerungen keine Verwandten ermittelt. 
Die Sippe der Kingenen reiht sich mit K. cubica, Qu., K. gutta Qu., K. orbis Qu. sehr eng an die 
süddeutschen und schweizer Formen an, die im Sequanien die Höhe ihrer Entwicklung erreichen. 
K. triangularis schließt sich an obige an. X. latifrons nimmt eine gesonderte Stellung ein. 

Die Muscheln verweisen der Mehrzahl nach auf Ostfrankreich, Nordfrankreich und den Berner 
Jura, wobei vielleicht der Umstand, daß die Muscheln aus Franken und Schwaben nicht eingehend bearbeitet 
sind, zu Ungunsten der letzteren Faunengebiete in die Wagschale fällt. 

Pinnidae: Trichites suprajurensis konnte an bekannte Arten nicht angeschlossen werden. 

Limidae: Die nächsten Verwandten von 2. acutirostris, L. sublaeviuscula, L. informis sind in 
dem Formenkreise der Lima laeviuscula Roem. zu suchen, wie er im Berner Jura, im östlichen und nörd- 
lichen Frankreich seine Ausbildung genommen hat. ZL. densistriata steht einer Form nahe, die im Vir- 
gulien des östlichen Frankreich vorkommt. 

Pectinidae: P. Iykosensis ließ sich auf P. subspinosws Schloth. beziehen wie er im Sequanien 
und Kimmeridgien von Schwaben und Franken auftritt. P. palmyrensis steht dem P. erinaceus Buv. nahe, 
einer auf den Berner Jura und Ostfrankreich beschränkten Form. 

Ostreidae: O. akkabensis und O. kakurrensis finden Anlehnung an ©. moreana Buv., die in ihrer 
Verbreitung auf das Sequanien des berner Jura und Ostfrankreichs beschränkt ist. ©. hastellata Schloth. 
steht den nattheimer Typen, aber auch denen des berner Jura nicht fern. 

Mytilidae: M. cfr. furcatus Münst. zeigt wesentliche Merkmale der Art von Valfın, aber auch 
enge Beziehungen zu südostdeutschen Formen. M. alatus erweist sich als nahverwandt mit M. jurensis 
Mer. aus dem Pterocerien des Jura von Bern. Modiola Amphitrite und M. sp. besitzen ihre nächsten Ver- 
wandten im Söquanien von Ostfrankreich und Valfin. Zithodomus Lorioli verweist auf L. Pidanceti Guir. 
aus dem Valfin, Z. Zumoffeni auf Modiola gradata Buv. aus dem Sequanien von Ostfrankreich. 


Trigoniidae: T. libanensis lehnt sich an Formen an, die im unteren Malm der Nordschweiz 
verbreitet sind. 


[77] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 141 


Megalodontidae: P. Blanckenhorni tritt in entfernte Beziehungen zu Pachyerisma septiferum Buv. 
aus dem Rauracien des Berner Jura, 
Isocardiidae: Zwei neue Arten weisen einen ziemlich fremden Habitus auf. 


Lucinidae: Unicardium subglobosum gehört zur nächsten Verwandtschaft von U, globosum 
d’Orb. aus dem Sequanien des schweizer Jura. 


Cardiidae:C. corallinum Leym. erwies sich als absolut ident mit dem Vertreter dieser Spezies 
aus dem Pterocerien von Valfin. 


Pleuromyidae: Ceromya augusticostata steht in nahen Beziehungen zu C. globosa Buv. wie sie im 
Sequanien von ÖOstfrankreich vorkommt. C, excentrica Ag. wurde mit Formen aus dem berner Jura 
identifiziert. 

Pholadomyidae: Pholadomya sp. wurde in Beziehung gesetzt mit einer Art aus dem Kimme- 
ridge von England. 


Anatinidae: Anatina sp. zählt zur Verwandtschaft von Cercomya expansa Ag. aus dem Kimme- 
ridgien des Berner Jura. 


Die Schnecken zeigen eine Entwicklungsweise, wie sie in Ostfrankreich, im Valfin und im 
berner Jura vorherrscht. 


Turbinidae: T. Antonini steht nahe der Chilodonta clathrata Etallon aus dem Pterocerien 
von Valfin. 


Delphinulidae: D. Tethys verweist auf Formen aus dem Rauracien des Maas-Gebietes 
und aus dem Pterocerien von Valfin. 


Neritidae: N. litoralis zeigt Annäherung an N. crassa Etallon aus dem Pteroc£rien von Valfin. 


Purpurinidae: Purpuroidea sp. konnte in Verbindung gesetzt werden mit einer Art aus 
dem Rauracien des berner Jura und des Dep. Meuse. 


Naticidae: N. cfr. amata d’Orb. ist vollkommen ident mit Vertretern aus dem Astartien von 
Tonnerre und aus dem Pteroc£rien von Valfın. N. Dido besitzt Verwandte, welche im Portlandien von 
Yonne auftreten, Eine Nafica n. sp. zeigt Beziehungen zu N. Venelia Loriol aus dem Portlandien von 
Boulogne-s.-m., Tylostoma sp. zu T. corallinum Zitt. aus dem Valfin. 


Nerineidae: N. pauciplicata wurde mit N. Desvoidyi d’Orb. in Verbindung gebracht, wie sie 
in den Dep. Yonne und Haute-Marne angetroffen wird, N. Maroni mit Typen von N. Visurgis Roem., 
welche in Ostfrankreich heimisch sind. N. Sesosztris steht am nächsten N. contorta Buv. aus dem 
Sequanien des Berner Jura. 


Strombidae: Harpagodes cfr. Oceani Brong. konnte nur in Beziehung gesetzt werden zu der 
Goldfußschen Abbildung, deren Original wahrscheinlich einem Fundorte in Hannover entstammt. 


Die Kephalopoden erscheinen in spärlicher Anzahl. 
Nautilidae: Für Nanzilus n. sp. wurden keine engeren Beziehungen ermittelt. 


Ammonitidae: Phylloceras Salima steht in relativ engen Beziehungen zu Bathonien- oder 
Kallovienformen von echt alpinem Gepräge. Diese Tatsache verdient insofern Beachtung, als sie in schein- 
barem Widerspruch steht zu unseren gesamten übrigen Ergebnissen. Da die erstere Form jedoch von 
einer typischen Malmlokalität (Duar) herkommt, da ferner die Unterschiede von den alpinen Formen in 
jedem Falle beträchtlich sind, so vermag diese einzige Ausnahme unsere Endergebnisse in keiner 
Weise zu beeinflussen. Letztere lassen sich kurz zu den folgenden Sätzen verdichten: 


Die Fauna des libanesischen Glandarienkalkes zeigt keine Beziehungen zur 
borealen Faunenprovinz. Sie besitzt keine Formen von spezifisch alpinem Habitus. 
Es existiert auch keinerlei Verwandtschaft mit der indischen Region. Man muß ihr 


daher rein mitteleuropäischen Karakter zusprechen. 


142 Lothar Krumbeck. [78] 


Innerhalb der mitteleuropäischen Faunenprovinz steht die Gesamtheit der 
oben beschriebenen Arten inihrer Ausbildungsweise am mächsten der Tierwelt des 
schweizer und französischen Jura und des östlichen Frankreich. Vielfache Be- 
ziehungen ergeben sich ferner zu den Malmbezirken von Süddeutschland und 
Nordfrankreich. 

Trotz dieser bemerkenswerten Annäherung an die obigen Gebiete steht ihnen die 
Tierwelt des Glandarienkalkes doch in gewisser Hinsicht als eigenartig entwickelt 
gegenüber vermöge ihrer überwiegenden Anzahl von neuen, zum Teil vielleicht autoch- 
thonen Formen, 


[79] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 143 


2. Tabellarische Übersicht. 


Zur Erläuterung der nachfolgenden Tabelle!) bemerke ich folgendes: Sie ist in erster Linie dazu 
bestimmt, die horizontale und vertikale Verbreitung der identifizierten und mit cfr. versehenen Formen zu 
zeigen. Diese Formen werden in fettem Druck wiedergegeben. Es war dann ferner von Wichtigkeit, 
einen Überblick zu gewinnen über das horizontale und vertikale Verbreitungsgebiet derjenigen Spezies, 
welche zu den neuen Arten in näheren Beziehungen stehen. Horizont und Art ihres Auftretens sind durch 
schwächeren Druck angezeigt. 


Aus Rücksicht auf die Raumverteilung wurden die Gastropoden vor den Muscheln eingereiht. Es 
werden ferner der Übersichtlichkeit halber folgende Abkürzungen angewendet: O— Oxfordien; S— S&quanien; 
R — Rauracien; A—= Astartien,;, K=Kimme£ridgien; Pt— Pteroc£rien, V — Virgulien; Po=Portlandien. Dort 


wo der nähere Horizont nicht mit Bestimmtheit ermittelt werden konnte, erscheint das Vorkommen durch 
ein (+) ausgedrückt. 


Da die bearbeitete Fauna sich vornehmlich an die schweizer und ostfranzösische Ausbildungsweise 
anlehnt, so wurde der Parallelisierung eine Einteilung zu Grunde gelegt, wie sie im Wesentlichen von 
Autoren wie Bourgeat, Greppin, Kilian, Koby, Lambert, Lapparent u. a. angenommen worden ist. 
Es ergibt sich daraus die folgende Gleichstellung mit anderen Malmbezirken, die für unsere Zwecke voll- 


kommen ausreicht: 


een nn 


: Schweiz 2 England 
rank Süddeutschland | Norddeutschland 
Frankreich Aioesch) üddeutschlan orddeutschlan arg) 
Birmensdorfer 
Oxfordien Schichten Oxfordian 
Effinger Schichten 
Oxford Oxford 
Geisbergschichten 
Rauracien Crenularis 
Schichten B 
Sequanien Corallian 
Wangener 
Astartien Schichten 
Badener Schichten 
Pterocerien VVeltinget Kimmeridge Kimmeridge 
Schichten 
Kimmeridgien Kimmeridgian 
Virgulien Plattenkalke 
Portlandien Tithon Portland Portlandian 


1) Die Tabelle bildet zugleich das Verzeichnis der Arten. 


[80] 


Lothar Krumbeck. 


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145 


Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 


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19 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns Bd. XVIIT. 


146 Lothar Krumbeck. [82] 


3. Stratigraphische Endergebnisse. 


Es soll hier der Versuch gemacht werden, auf Grund der statistischen Tabelle über die vertikale 
Gesamtverbreitung der einzelnen Arten Klarheit zu gewinnen darüber, welche Stufen die vorliegende Fauna 
vertritt. Zunächst folgt eine Zusammenstellung der identifizierten und mit cfr. versehenen Spezies.!) 


I. Terebratula Bauhini Et... ..... SPt 

2 > Sribsellanlley EEE eh nae, tn 0: "0 AR 

3 » neben Eon Sn en ES SK 
4. » bisuffarcinata Schloth. .. . . . EEE) SITE 

5. Terebratulina substriata Schloth.. . . FRISTEN Be ee re OSKPo 

6. Kingena gutta Qu. ..... En ES el OS 

7 » ONDTSEO) U RE Beer nr ae er a Er Er Be OS 08 
8. CODE) UT ee a eg A A 

S IN) Eye errDemE OH. oo nv aa SG EN I en ERSTE ) 

10. Harpagodes cfr. Oceani Brongn. ee ee RER: BR | 

11. Alectryonıa hastellata Schloth. ner DO SKIEO SK 
TOM USKCHTNTUKEOIEU SEN Un Ste le  SK 

138 Cardiniım Col UN UNE 0 re SK ] 
TANICEROMY OBER GENICHLC WEN Er er Er rs SKC 


Es ist augenscheinlich, dafs die Mehrzahl der vorstehenden Formen in den beiden mittleren Haupt- 
stufen des weißen Jura auftritt. Ein Vergleich mit den Einzelresultaten des ersten Kapitels ergibt nun, 
daß der Schwerpunkt in der Verbreitung der einzelnen Typen bald mehr in das Sequanien fällt, bald mehr 
in das Kimmeridgien. Im ersteren Falle sehen wir wie hier bei Nr. 6 und 7 eine Anzahl von Formen aus dem 
Oxfordien aufsteigen und im Rauracien oder im Astartien den Höhepunkt ihrer Verbreitung gewinnen. 
Andere Arten wieder erreichen im Pterocerien oder im Virgulien ihre Blüte, um erst im Portlandien 
zu erlöschen. 

Das Vorhandensein des Sequanien und Kimme£&ridgien im Libanon darf somit 
wohl als gesichert gelten?.) 

Weitere Bestätigung erhält diese These durch die folgende Übersicht über die den neuen Spezies 


nächstverwandten Formen: 


DNerınea% Mares (UN Sm VizsırozsaRo eıı)) we 

» SESOSEHISU UNE CONGOREO By) er Be 
erebratulasphoenicianau (WB ul02er BES) 
Lithodomus Zumoffeni (Modiola gradata Buv.) .. . x... 2.0... 
Unicardium subglobosum (U. globosum d’Orb.) 

. Pecten lykosensis (P. subspinosus Schloth.), . .. .. . EL 
SOstreagkakımensisy(O,21107e0ma BB UV.) Bar 
„ Nerinea paneiplieata @V. Desvoidyo d’Orb)) 2 

. Modiola Amphitrite (M. aequiblicata Stromb.) . : » ». „2.2.0. 
Geromyawauaustieostatag((0.01050s@ WB U) rs Er Er 
12-aleithodommus@Eoriol@ Eid Getunle or) We 

18 Alnanbag) au, So, ((C. Aypeasn Ay) aa one on so cu ono% 0, Se 

14. Lima densistriata (Z. densipunctata Roem) ... .. 2... ne... Se 
15. Mytilus alatus (M. jurensis M£r.). .. . . Re RR SKPo 
102. Natica Dido, (IV: Marcousena ad! Orb)) Er En AKPo ] 


R7A » Mylittar @V. Veneha Eor), 2 2 Er a A RE: 0. 
TS 9 En SPAN eles00nSE SO, Er er Po 


nn} 
HOoO@mıs surWwn. 


lierebratulageuntirostrisg (@2.2B 0u7.071e ra Pit) a 
| SK 
I 


Wenn es sich auch empfiehlt, dieser letzteren Zusammenstellung keine unumstößliche Bedeutung 
beizumessen, so dürfen ihre Ergebnisse anderseits nicht außer acht gelassen werden. Sie bestärken uns 


1) O — Oxfordien;, S—Sequanien; R=Rauracien; A= Astartien; K— Kimmeridgien , PL— Pterocerien; V — 
Virgulien; Po=Portlandien. 
2) Siehe die Resultate von Felix, 1904. Die Anthozoenfauna des Glandarienkalkes, pag. 166-167. 


[83] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 147 


in erster Linie in unserer oben ausgesprochenen Überzeugung. Vielleicht enthalten sie aber auch bezüglich 
des Portlandiens eine Andeutung, die spätere Untersuchungen an Ort und Stelle zur Gewißheit werden 
lassen könnten. 

Eine engere Gliederung der beiden Hauptzonen in Unterzonen unter Zuhilfenahme unserer geringen 
Kenntnis der Stratenfolge des Glandarienkalkes in Verbindung mit dem lithologischen Karakter des Mutter- 
gesteines unserer Fossilien erwies sich als undurchführbar. 


4. Allgemeiner paläontologischer Karakter der Fauna. 


Ein kritischer Blick auf das Gesamtbild, das uns die Brachiopoden- und Molluskentierwelt des 
Glandarienkalkes darbietet, enthüllt uns folgende bezeichnenden Züge: 

Wir sind es zwar gewohnt, die Lamellibranchiaten als einen wesentlichen Bestandteil der 
Malm-Fauna Mitteleuropas anzusehen. Sie bilden nach Zittel!) etwa die Hälfte sämtlicher Juramollusken. 
Im Libanon aber stehen sie den Brachiopoden und den übrigen Mollusken in nahezu ebenbürtiger Ent- 
wicklung gegenüber. Diese Tatsache ist um so bemerkenswerter, als gerade die Brachiopoden, wie wir ge- 
sehen haben, einen erstaunlichen Formenreichtum entfalten, Bei einer Rundschau über faunistisch verwandte 
Ablagerungen Mitteleuropas treffen wir auf ähnliche proportionale Verhältnisse in den Malmgebieten des 
berner Jura, von Haute-Marne, Yonne und Boulogne-s.-m. Wie die letzteren, so kennzeichnet auch unsere 
Muschelfauna das relativ starke Hervortreten der Limiden, Pectiniden und Mytiliden mit den gleichen 
Geschlechtern und mit Arten, welche denjenigen der erwähnten Bezirke als nah verwandt erscheinen. Ne- 
gative Merkmale ergeben sich für unser Gebiet aus dem Zurücktreten der Trigonien und der desmo- 
donten Sinupalliaten, hauptsächlich aber aus dem gänzlichen Fehlen von Diceras. Es verdient ferner 
hervorgehoben zu werden der meist dickschalige Habitus unserer Muscheln, der auf ein Leben in bran- 
dungsnahen Gewässern hinweist. 

Die Glossophoren treten an Formenzahl und Mannichfaltigkeit weit hinter die Acephalen zu- 
rück. Das entspricht den Verhältnissen der oben berührten Regionen Frankreichs und der Westschweiz. Die 
ersteren sind karakterisiert durch das absolute Überwiegen der Nerineen und Naticiden, wie es in 
dieser Kombination als typisch gilt für die Ablagerungen Ost- und Nordfrankreichs und der nordwestlichen 
Schweiz. Auffällig ist der Mangel an Capuliden und Cerithiden, insbesondere aber die spärliche Ent- 
faltung der Aspidobranchier. Unsere sämtlichen Schnecken sind mit starken Schalen ausgerüstet. 

Die Klasse der Brachiopoden überrascht uns durch ihre große Anzahl von Arten. Die letztere 
"beträgt mehr als ein Viertel der Gesamtziffer und übertrifft diejenige der Schnecken um ein Bedeutendes. 
Von den früher erwähnten Malmgebieten findet sich nur im berner Jura ein Bezirk, der einen annähernden 
Formenreichtum entfaltet. Erst im Aargau, weit mehr aber noch in Schwaben und Franken brachten gleiche 
oder wohl noch günstigere bionomische Bedingungen eine ähnjiche und noch weit bedeutendere Mannich- 
faltigkeit des Artlebens hervor. Als bezeichnend für unsere Armfüßer heben sich folgende Punkte heraus: 

ı. Das auffallende Hervortreten der Terebrateln mit 14 meist biplikaten Formen, die zum 
größeren Teil auf verschiedene Malmgebiete Ostfrankreichs und der Schweiz hindeuten, zum kleineren Teil 
aber auf Schwaben, Franken und Norddeutschland. 

2. Die starke Entwicklung der Sippe der Kingenen vor allem in Anlehnung an Südostdeutschland. 

3. Das Zurücktreten der Rhynchonellen. 

4. Das Fehlen typischer Waldheimien. 

Die Kephalopoden endlich sind durch drei Arten höchst dürftig vertreten. Das seltene Vorkommen 
von Ammoniten bildet eine der hervorstechendsten Eigentümlichkeiten der Glandarienfauna. 

Wenn wir schließlich noch die stark vertretenen Klassen der Korallen (Felix) undSchwämme 
(Rauff)2) in den Kreis unserer Betrachtung einbeziehen, so ergibt sich die folgende Zusammenfassung: 


1) 1881— 1885. Zittel. Paläozoologie, II, pag. 148. 
2) Die Bearbeitung der Spongien des Glandarienkalkes durch Rauff wird sich den Arbeiten von Felix und 


mir anschließen. 
19* 


148 Lothar Krumbeck. [34] 


Die gesamte Tierwelt des Glandarienkalkes weist folgende karakteristischen 
Züge auf: 

Außerordentliche Entfaltung der Muscheln, Brachiopoden, Korallen und 
Schwämme. 

Geringe Entwicklung der Kephalopoden. 

Das Zahlenverhältnis der Arten innerhalb der verschiedenen Klassen in Ver- 
bindung mit der jeweiligen Zusammengruppierung bestimmter Familien und Ge- 
schlechter entspricht den faunistischen Verhältnissen, wie sie an erster Statt vor- 
herrschen im berner Jura und in Östfrankreich, fernerhin auch in Nordfrankreich 
und in Süddeutschland. 

Mit den früher gewonnenen stratigraphischen Ergebnissen stimmt dieses Resultat völlig überein, 


5. Bionomische Bemerkungen. 


Wir wenden uns nun der Betrachtung der Lebensbezirke unserer Tierwelt zu, bei der uns Walthers!) 
»Beobachtungen über das Leben der geologisch wichtigen Tiere« u. a. die wertvollsten Dienste leisten. 
Die tabellarischen Zusammenstellungen dieses Autors beziehen sich zwar nur auf das Leben der Gegenwart, 
sie beanspruchen auch bezüglich des letzteren nur beschränkte Geltung. Dennoch erscheint ihre ontologische 
Nutzanwendung als brauchbar für unseren bescheidenen Zweck. 

Die vorliegende Fauna des Glandarienkalkes ist ihrer Zusammensetzung nach 
rein marin, Das ergibt sich a priori aus der hochmarinen Beschaffenheit ihrer Muttergesteine, welche wir 
am Schluß der Einleitung beschrieben haben. 

Weitaus die Mehrzahl der Gattungen umfaßt ausschließliche Bewohner der 
diaphanen Region. Die Muscheln tragen entweder Litoral- und Flachseekarakter wie Cardium, 
Mytilus, Trigonia. Oder es sind typische Flachseebewohner wie das Heer der Aleciryonia, Astarte, Lima, 
Lucina, Modiola, Ostrea, Pecten, Pachyerisma, Trichites. Formen wie Nucula, Pholadomya, Anatina greifen 
nicht selten auf die Tiefsee über und finden sich auch bei uns zum Teil in Sedimenten, welche in den tieferen 
Regionen der Flachsee zur Ablagerung gekommen sein können. 

Unter den Schnecken verweisen Nerita und Strombus auf Küstengewässer. Pleuwrotomaria, Turbo, 
Delphinula sind bezeichnende Flachseetiere, ebenso die formenreichen Naticiden und Nerineiden. 

Die Brachiopoden könnten uns in Verlegenheit bringen, wenn nicht das die Schalen erfüllende 
Gesteinsmaterial indirekt einigen Aufschluß über ihre Lebensbezirke erteilte. Bei den kleinen Formen wie 
Terebratulina und Kingena darf man es als wahrscheinlich annehmen, daß sie, wie zur Malmzeit in Franken 
und Schwaben, auf Schwammrasen angesiedelt waren, die auch in der Gegenwart häufig als Begleiter der 
Korallenriffe erscheinen. Terebratula wird rezent vielfach in der Tiefsee angetroffen. Da aber ihre Schalen 
hier mit Muscheln, Schnecken oder Kingenen vergesellschaftet vorkommen, deren Flachseekarakter keinem 
Zweifel unterliegt, so waren ihre Wohnsitze entweder die gleichen wie diejenigen der letzteren, was uns 
sehr wahrscheinlich vorkommt, oder aber sie wurden aus anderen Meeresregionen auf mechanischem Wege 
in fremde Wohnsitze verfrachtet und kommen dann nicht mehr in Betracht für bionomische Erwägungen. 

Die Kephalopoden sind für unseren Zweck nicht brauchbar. Ihre Lebensbezirke werden sich 
im einzelnen Falle nur bei einem Zusammentreffen von besonders günstigen Umständen ermitteln lassen. 

Die Korallen zeigen sich hier weitaus in der Mehrzahl als riffbildende Elemente. Da bei der 
gleichförmigen Lagerung des Glandarienkalkes kein Grund vorliegt zu der Annahme, daß sie auf den 
submarinen Bildungen eines tiefen Meeres erwachsen sind, so bildet ein seichtes Gewässer die natürliche 
Voraussetzung für ihre Entstehung. 

Über den Karakter der Schwämme, welche von Rauff bearbeitet werden, ist noch nichts Näheres 


bekannt geworden. Fassen wir das Gesagte in allgemeinerer Weise zusammen, so ergibt sich kurz 
folgendes: 


1) 1893/94. Walther. Geologie als histor. Wiss., II, pag. 199 ff. 


[S5] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 149 


Die obere Region des Glandarienkalkes kennzeichnet sich durch ihre reiche 
Fauna und durch die Mannichfaltigkeit ihrer Sedimente als typisches Gebilde der 
Flachsee. Die letztere wird als ein sehr kalkhaltiges und, wenigstens stellenweise, stark bewegtes Ge- 
wässer karakterisiert durch das Auftreten zahlreicher riffbildender Korallen und durch den Reichtum an 
dickschaligen Mollusken. Die unteren Partien des Glandarienkalkes scheinen sich dagegen als Ablagerungen 
aus tieferem Wasser zu kennzeichnen auf Grund ihrer einförmigen, homogenen, lithologischen Beschaffenheit 


und der relativen Armut an Versteinerungen. 


6. Paläogeographische Untersuchungen. 


Im allgemeinen Teil sind die Beziehungen des libanesischen Jura zu den Malmgebieten von Mittel- 
europa erörtert worden. Als letzte Aufgabe erübrigt eine Besprechung seiner Stellung zu den Malmvor- 
kommen von Afrika, Asien und Südosteuropa. Die zentrale Lage des Libanon, der Reichtum und die 
Mannichfaltigkeit seiner Malmfauna lassen einen solchen Versuch als geboten erscheinen. 

Von Interesse ist die Frage nach den Beziehungen zwischen dem Jura des Libanon und dem Jura 
am Hermon. Sind diese Komplexe trotz ihrer so verschiedenen Mächtigkeit in irgend einer Weise als 
Äquivalente aufzufassen? Die Antwort hierauf wurde zum Teil schon in der Einleitung gegeben. 

Wie bekannt, erlitt seinerzeit Neumayr's glänzende Hypothese von den klimatischen Ringzonen 
den ersten starken Stoß durch das Bekanntwerden des mitteleuropäischen Karakters des Jura am Hermon.') 
Eine Durchsicht der Fossilien von Medschdel-es-Schems läßt in der Tat keinen Zweifel übrig an dem echt 
mitteleuropäischen Habitus dieser Fauna. Das gleiche Ergebnis wurde aber oben bezüglich der Tierwelt 
des Glandarienkalkes konstatiert. 

Über die stratigraphische Stellung des Jura am Hermon sind verschiedene Ansichten laut geworden. 
Fraas und Diener nahmen an, daß außer dem Oxford auch die Ornatenzone vorhanden sei. Der erstere 
auf Grund des Erhaltungszustandes der Versteinerungen, welcher ihn auf das Eindringlichste an die schwä- 
bischen Vorkommen erinnerte. Letzterer nach Auffindung von karakteristischen Ammoniten aus dem Formen- 
kreise des Peltoceras athleta, des Ouenstedtoceras Lamberti und des Perisphinctes eurvicosta, ferner von 
Cosmoceras ornatum und Hecticoceras lunula u. a. 

Noetling kam nach Bearbeitung seiner reichen Aufsammlungen zu dem Resultat, daß seine Fauna 
die gesamte Oxford-Stufe repräsentiere. Mir selbst bot das liebenswürdige Entgegenkommen Blancken- 
horns Gelegenheit, seine Kollektion von Medschdel-es-Schems mit dem reichen Juramaterial des münchner 
‘ Museums zu vergleichen. Sie besteht in der Hauptsache aus Ammoniten und Muscheln aus der Zone des 
Harpoceras Socini Noetl. Ein Teil dieser Formen wurde von mir bestimmt und legte bezüglich der Gestalt 
und des Erhaltungszustandes große Ähnlichkeit an den Tag mit Kallovientypen, wie sie in Schwaben auf- 
treten. Es erscheint mir daher als ernstlich in Betracht zu ziehen, ob nicht ein Teil der Arten aus der 
Socinizone dem Horizont des Ornatentons angehört. 

Die darüber folgenden Stufen des Collyrites bicordata, des Pecten capricornus, der Rhynchonella 
moravica hatte Noetling sämtlich noch dem Transversarius-Horizont zugerechnet. Die oberste Zone, 
diejenige der Cidaris glandaria (nicht glandifera), stellte er dagegen in die Bimammaten-Stufe (Rauracien). 
Für diese letztere Annahme konnte indessen kein strikter Beweis erbracht werden, da von den vorkommenden 
Fossilien weder Cidaris glandaria noch Terebratula bisuffarcinata als Leitfossilien zur Abgrenzung ge- 
sicherter Horizonte gelten können. , Noetling hielt deshalb auch das Vorhandensein des Rauracien als 
durchaus nicht für unanfechtbar. Auf der anderen Seite kamen wir weiter oben zu dem Ergebnis, daß das 
Rauracien im Libanon anscheinend seine volle Vertretung findet. Eine gewisse Gleichaltrigkeit der Ab- 
lagerungen in West- und Ostsyrien müßte sich sonach in ihren Faunen kundgeben. Sie beschränkt sich 
nun aber in Noetlings Zone e auf T. bisuffarcinata, welche unseren Formen ziemlich fern steht und 
vielleicht gar nicht dem Bisuffarcinatenkreise angehört. Wichtiger ist das Vorkommen von Cidaris 


1) 1878. Fraas. Aus dem Orient, II, pag. 17 ff. 
1886. Diener. Libanon, pag. 26. 


150 Lothar Krumbeck. [86] 


glandaria Lang, das der Zone ihren Namen eintrug. Es muß hier hervorgehoben werden, daß dieses Fossil 
im Libanon nicht nur in den oberen Partien des Glandarienkalkes erscheint, die durch das Sequanien 
und Kimmeridgien vertreten sind, sondern daß Fraas!) es im Salimatal fand, wie es aus den tieferen 
Lagen unserer Schichtenserie herauswittert, die dort in einer Mächtigkeit von ca. 200 m in horizontaler 
Lagerung ansteht. Berücksichtigt man nun weiter, daß Noetlings Zone e sich als absolut untrennbar 
erwiesen hat von dem tieferen Horizont der Rhynchonella moravica, den Noetling noch dem Oxfordien 
zuzählte, daß der letztere sich außerdem durch die Ähnlichkeit seines Profils mit dem vom Fringeli viel- 
leicht veranlaßt sah, seine ganze Parallelisierung etwas zu hoch anzusetzen, so gelangen wir zu folgendem 
Endergebnis: ; 

Die Zone des Harpoceras SociniNoetl. vertritt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht 
den Perarmaten-Horizont, sondern zum mindesten die Stufe des Oecofraustes Renggeri, 
also das allerunterste Oxfordien. Für diese Annahme bietet sich eine Reihe von 
Beweisen dar, vor allem das Auftreten von Oecotraustes Renggeri selbst. Das ganze Profil 
von Medschdel-es-Schems rückt dann in ein etwas älteres Niveau hinab, Die Zone der Cidaris glandaria 
wird zum obersten Oxfordien. Da nun für unsere Fauna, welche den oberen Partien des Glandarienkalkes 
entstammt, mit Sicherheit erst das Vorhandensein des Rauracien nachgewiesen wurde, so müssen die tieferen 
Lagen des Glandarienkalkes, soweit sie Cidaris glandaria führen, der Zone eam Hermon, d.h. dem obersten 
Oxfordien, äquivalent sein. Bei der großen Mächtigkeit unserer Stratenfolge erscheint es gleichwohl als 
denkbar, daß auch noch tiefere Zonen des Jura am Hermon im Libanon aufgefunden werden. 

Aus Abessinien haben Douvill&,°) Blanford®) und Futterer*) eine Reihe von Fossilien des 
weißen Jura beschrieben. Ersterer und letzterer aus Schoa, Blanford aus Tigre. Futterer beschrieb eine 
49 Arten umfassende Fauna, die er mit dem Pterocerien des berner Jura in Parallele stellte. Es erscheint 
mir jedoch als möglich, daß er den stratigraphischen Bezirk seiner Fauna nicht tief genug abgrenzte. Nach 
der von ihm gegebenen Übersichts - Tabelle kann das Vorhandensein des oberen wie des unteren 
Sequanien als durchaus wahrscheinlich gelten, und Hinweise finden sich sogar auf das obere Oxfordien. 
Es muß ferner dahingestellt bleiben, ob Futterer denn die Fauna von Schoa mit Recht einem relativ 
engbegrenzten Bezirk wie dem berner Jura gleichstellte. Von der letzteren erweisen sich nur vier Formen als 
ident oder nah verwandt mit Typen des Glandarienkalkes: 

Harpagodes cfr. Oceani Brongn. ident. 

Mytilus tigrensis Bl. und M. jurensis Mer. sehr nahe stehend unserem Mytzlus alatus n. sp. 

Ceromya excentrica Voltz ident. 

Terebratula suprajurensis Et. — T. subsella Leym. 

Futterer hat die Beziehungen des abessinischen Malm mit dem weißen Jura von Mitteleuropa 
einer ausführlichen Besprechung unterzogen Er kam dabei zu ähnlichen Ergebnissen, wie sie im »allge- 
meinen Teil« hinsichtlich des libanesischen Jura festgestellt wurden. Beide Faunengebiete zeigen 
eine typisch mitteleuropäische Entwicklungsweise. Diese relative Übereinstimmung fordert 
zu einem näheren Vergleich heraus. 

Die lithologische Ausbildung unserer Malmsedimente ist ziemlich verschieden von derjenigen in 
Schoa. Hier wie dort erscheinen allerdings versteinerungsreiche Mergel in faunistischer Hinsicht von großer 
Wichtigkeit. Es fand jedoch im Libanon eine ungleich reichere Faziesbildung statt infolge der großen Rolle, 
welche hier den Korallen- und Oolithbildungen zufällt. Auch die Faunen stimmen nur in einem kleinen 
Bruchteil ihrer Spezies überein, wie wir oben sahen. Dennoch ergibt sich eine Anzahl von paläontologischen 
Vergleichsmomenten, die in folgende Sätze zusammengefaßt werden: 

Beide Faunenbezirke treten einander nahe in der dominierenden Entwicklung der Muscheln, in dem 
auffallenden Zurücktreten der Kephalapoden und in dem Vorwiegen der karakteristischen Geschlechter der 
Limiden, Mytiliden, der desmodonten Integripalliaten und der Naticiden. 


1) 1878. ©. Fraas. Orient, II, pag. 23. 

2) 1886. Douville. Fossiles du Choa, pag. 223. 

®) 1870. Blanford. Geology of Abessinia, pag. 199, Tafel. 

*) 1894. Futterer. Jura von Schoa, pag. 568—-624, tab. 19—22. 


[87] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. I5I 


Die Tierwelt des Glandarienkalkes unterscheidet sich von der abessinischen durch das stärkere 
Hervortreten der Gastropoden, durch den überraschenden Formenreichtum der Brachiopoden, durch 
das Vorhandensein von Kephalopoden, endlich durch das bezeichnende Auftreten von Nerineen und 
Kingenen. Dem steht gegenüber eine schwächere Entfaltung der Muscheln, welche in Schoa durch 
ihre außerordentliche große Zahl hervorragen. Daraus ergibt sich in Kombination mit den beiderseitigen 
Vergleichsresultaten hinsichtlich Mitteleuropas, 

Die Faunenbezirke des libanesischen und des abessinischen Malm stehen, 
soweit sie bis jetzt bekannt sind, in engeren Beziehungen zu Mitteleuropa als unter- 
einander. 

Dieses Resultat kann uns nicht sehr überraschen, sobald wir uns vergegenwärtigen, daß die Ent- 
fernung Schoas vom berner Jura z. B. fast das doppelte der Strecke Schweiz-Libanon beträgt. 

Dacque!) veröffentlichte kürzlich?) eine eingehende Beschreibung der Fauna der Schichten von 
Hakim, Harro Rufa, Atschabo, Abulkassim und Badattino, welche von Neumann und Erlanger in den 
Gallaländern gesammelt worden sind. Bei Abulkassim fanden sich in grauen Kalken einige Fossilien, 
auf Grund deren der Autor besagten Schichtenkomplex in das obere Oxfordien stellt. Er stützt sich dabei 
vornehmlich auf Rhynchonella moravica Uhlig. Mit letzterer Art gemeinsam findet sich dort indessen Zxo- 
gyra bruntrutana Thurm., eine Form, welche in Mitteleuropa erst im unteren S&quanien erscheint. Wir 
werden daher als das wahrscheinliche Alter der Abulkassim-Kalke das Rauracien festlegen können. 

Die harten grauen und gelbbraunen Kalke von Hakim, Harro Rufa und Atschabo haben eine reiche 
Brachiopoden- und Molluskenfauna geliefert. 19 Formen wurden mit schon bestehenden Arten völlig, 
4 unter Vorbehalt identifiziert. Dacqu& folgert hieraus auf eine Vertretung des oberen S&quanien (— Astartien) 
und des Kimme£ridgien. 

Diese Tierwelt stimmt nun mit der des libanesischen Malm lediglich in 2 kosmopolitischen Arten 
überein: Terebratula subsella Leym. und Ceromya excentrica Ag. Angesichts der faziellen Verschieden- 
heiten könnte ja auch eine irgendwie bedeutendere Übereinstimmung kaum erwartet werden. Während wir 
nämlich im Libanon eine typische Korallen-, Schwamm-, Brachiopoden- und Nerineenfazies antrafen mit ihrer 
Gefolgschaft von dickschaligen Riffbewohnern, tritt uns hier eine echte Kephalopoden- und Molluskenfauna 
entgegen, wie wir sie bei Mombassa (Deutsch-Ostafrika) kennen lernen werden. Von großer Bedeutung ist 
es nun für den Zweck unserer paläogeographischen Untersuchung, daß die von Dacqu& beschriebene 
Fauna, wie der Verfasser ausdrücklich hervorhebt, das Sequanien und Kimmeridgien in rein mitteleuropäischer 
Entwicklung vertritt, wie wir es in gleicher Weise für die Tierwelt von Mangyschlak, Libanon, Abessinien 
und Mahokondo feststellen werden. Wie die letzteren, so zeigtauch die oberjurassische Fauna der Galla- 
länder anscheinend engere Beziehungen zu der Fauna der mitteleuropäischen marinen Bildungsräume als 
zu den eben aufgezählten Vorkommen der orientalischen und äquatorialem Region. Das gleiche gilt sogar 
bezüglich der räumlich so naheliegenden Tierwelt von Abessinien. 

Wir durften es vorher als selbstverständlich betrachten, daß in dem Meeresarm, welcher zur 
Malmzeit aus der Gegend von Kreta und vom Libanon über Abessinien bis zum Mahokondo-Bach vor- 
drang, auch kephalopodenführende Ablagerungen entstanden, Gleichwohl überrascht uns hier das Auftreten 
einer Fazies, deren faunistischer Karakter mit den kephalopodenführenden Sedimenten von Mombassa und 
Kutch nicht die mindesten Berührungspunkte besitzt, in einem Gebiet, das von allen genannten dem grofsen 
indischen Faunenzentrum am nächsten gelegen ist. Zugleich bietet sich uns hier eine Bestätigung dar für 
unsere weiter oben geäußerte Meinung, daß Müller (l. c.) dem Malm von Schoa und Mahokondo mit 
Unrecht einen starken Einschlag indischer Faunenelemente zugeschrieben hat. Andererseits stellen sich jetzt 
unserem Verständnis des Malm von Mombassa größere Schwierigkeiten als zuvor in den Weg, da sein 


1) 1905. Dacque. Beiträge zur Geologie des Somalilandes. Beitr. z. Paläont. und Geol. Österr.-Ung. u.d. Or. 
pag. II9—I51, Taf. 14—1IS. 
2) Diese Arbeit erschien, als die meinige schon zum größten Teil gedruckt war. Es wird daher nur in diesem 


letzten Abschnitt auf sie Bezug genommen. 


152 Lothar Krumbeck. [88] 


starker Prozentsatz an indischen Formen unserer paläogeographischen Auffassung ganz erhebliche Schwierig- 


keiten bereitet. 

Zum mittleren Malm in Algier ergeben sich nur oberflächliche Beziehungen aus dem gemeinsamen 
Vorkommen von 

Terebratula subsella Leym. 

Erogyra bruntrutana Thurm. 

Ceromya excentrica Ag. 

Es liegt daher für uns keine Veranlassung vor, an eine direkte Verbindung dieser Gebiete unter- 
einander zu glauben. Der innerafrikanische Kontinent, wie ihn v. Stromer für das Mesozoikum annimmt, 
dehnt sich nach dem Stande unseres heutigen Wissens zur Malmzeit im Norden über Ägypten und wahr- 
scheinlich auch über Tripolis aus, reicht im Nordosten bis in die Gegend von Kreta und Mittelsyrien und 
im Osten in die Region des heutigen Habesch. Im Norden und Osten umbranden ihn die Wogen eines 
Meeres, dessen Flachräume einer typisch mitteleuropäischen Sequanien- und Kimmeridgienfauna von ver- 
schiedenartigster fazieller Ausbildung Lebensmöglichkeiten gewährten. 

Das letzte Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts brachte eine Reihe von neuen wichtigen Funden von 
Jurapetrefakten in Deutsch-Ostafrika. 

Tornquist!) berichtete über eine Fauna von Mtaru, die sich vornehmlich aus Macrocephalen 
und Perisphincten zusammensetzt. Sie steht daher der unsrigen fern. Der Autor beschränkte das Alter 
dieser Schichten auf das Oxfordien. 

Es erscheint mir indessen als nicht ausgeschlossen, daß auch noch Kallovienelemente hier Ver- 
tretung finden. 

Jaekel?2) berichtete über den Malm von Usambara. Es fanden sich dort: Cidaris glandifera 
Goldf., eine Rhynchonella aus dem Formenkreise der Rh. lacunosa, welche er mit Rh. jordanica Noetl. 
in Verbindung brachte; Terebratula biplicata L. v. Buch; Ostrea dextrorsum Qu. Abbildungen existieren 
nicht, so daß wir uns über die nähere Beschaffenheit von Cidaris glandifera, die uns besonders interessiert, 
kein Urteil bilden können. Jaekel stellte diesen Fund in das Oxford. Die beiden letzteren Spezies ver- 
weisen jedoch auf jüngere Horizonte, 

Futterer?) beschäftigte sich eingehend mit der Fauna von Mombassa, Saadaniund Tanga, 
Letztere Vorkommen sind sämtlich als Kephalopodenfazies entwickelt und unterscheiden sich schon dadurch 
in fundamentaler Weise von dem libanesischen Jura. Der Malm von Mombassa enthält vorwiegend 
Astartien- und Kimmeridgienelemente. Es fehlt aber auch nicht an Hinweisen auf die Anwesenheit des 
Rauracien. Bei Saadani fanden sich Kallovienformen in Gemeinschaft mit solehen des Oxfordien. In der 
Umgegend von Tanga wurde in verschiedenen Horizonten von kalkigen Mergeln und dickbankigen Kalk- 
steinen eine Anzahl von Arten entdeckt, welche dem Oxford angehören und zu der Fauna von Mtaru in 
Beziehungen treten. 

Müllert) beschrieb eine 40 Arten umfassende Jurafauna aus hellgrauem, in verwittertem Zustand 
gelbgrauem, sehr festem, sandigem Kalkstein von einer Lokalität westlich des Mahokondo-Baches, etwa 
230 km südlich von Saadani. Hiervon sollen 19 Spezies auf den Dogger entfallen, 20 aber auf den 
Malm. Als fest bestimmten Horizont erachtet der Autor nur das Kimmeridgien. Eine Prüfung der ein- 
schlägigen Literatur brachte mich jedoch zu der Überzeugung, daß für das Vorhandensein des Sequanien 
ebenso gewichtige Gründe sprechen wie für dasjenige des Kimme£ridgien. Steigen doch in den faunistisch 
nächstverwandten Gebieten des berner Jura, der Yonne, Haute-Marne und Meuse mit Ausnahme von 
zwei Arten sämtliche von Müller identifizierten und mit cfr. versehenen Formen aus dem Oxfordien auf 
und erlangen schon im Rauracien ziemliche Verbreitung. Jene beiden Spezies sind Harpagodes cfr. Oceani 
Brongn. und eine Art, welche in den erwähnten Bezirken erst im Portlandien vorkommt. An die Fauna 


des Glandarienkalkes bildet ersterer den einzigen Anknüpfungspunkt. 


1) 1893. Tornquist. Oxfordfauna von Mtaru. 

2) 1893. Jaekel. Oberjurass. Foss. aus Usambara, pag. 507—508. 

3) 1894. Futterer. Jura in Ostafrika, I-II. 

%) 1900. Müller. Versteinerungen des Jura und der Kreide, pag. 1IS—27, tab. 17—1S. 


[89] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 153 


In Mtaru, Mombassa, Tanga, Saadani trat uns eine Tierwelt entgegen, welche durch das 
Vorherrschen der Kephalopoden, durch das Zurücktreten der Muscheln und durch das Fehlen der Schnecken 
und Brachiopoden eigenartig karakterisiert ist. Sie zeigt nach der Ansicht der betreffenden Autoren ge- 
wichtige Anklänge an die Fauna der indischen Dhosa-Oolithe. 

Die Mahokondofauna bietet aber hinsichtlich der Vorherrschaft von bestimmten Tierklassen 
und des Auftretens oder Fehlens von bezeichnenden Ordnungen und Geschlechtern ähnliche Verhältnisse, 
wie wir sie früher in Mitteleuropa, im Libanon, in Abessinien antrafen. Noch ein weiteres 
Analogon ergibt sich. Die von Müller zitierte Literatur beweist, daß der letztere in erster Linie Bezug 
nimmt auf den weißen Jura der Nordwestschweiz und des östlichen Frankreich. Das geschah 
nun von uns weiter oben in ähnlicher Weise bezüglich der Fauna des Glandarienkalkes. Auf Mitteleuropa 
hat Müller sechs identifizierte Arten bezogen und fünf mit cfr. versehen. Von seinen sieben neuen 
Typen weisen fünf ebenfalls auf mitteleuropäische Formen hin und zwei auf den Jura von Kutch. Außer- 
dem fanden sich „vollkommen unbestimmbare Reste von Phylloceras, Perisphinctes, Belemnites“. 

Für die Gesamtheit der Mahokondofauna ergibt sich somit ein echt mittel- 
europäischer Karakter. Es ändert hieran nichts das abweichende Ergebnis von nur zwei unter sieben 
neu aufgestellten Spezies und ebenso das etwas problematische Vorkommen eines Phylloceras. Das spo- 
radische Auftreten solcher alpiner Formen gewährt uns meines Erachtens hier ebensowenig Anhaltspunkte 
für ihre bodenständige Lebensweise wie in Mitteleuropa oder im Libanon. 

Das eben gewonnene Ergebnis findet weitere Bestätigung durch die von Müller betonte Ähnlich- 
keit seiner Fauna mit derjenigen von Schoa. Ein Gegensatz zwischen den Anschauungen des letzteren 
und denen von Futterer, Dacqu&und mir besteht insofern, als wir den mitteleuropäischen Habitus des Jura 
von Südabessinien ausdrücklich in den Vordergrund stellen. 

Zu der Uitenhage-Formation!) des Kaplandes zeigt der Glandarienkalk keine Be- 
ziehungen. 

Das gleiche gilt von der Malmfauna auf Madagaskar,?) deren Beziehungen zu Ostafrika von 
Futterer und Müller eingehend gewürdigt worden sind. 

Zu der Fauna von Kutch?) und Baluchistan‘) ergaben sich keine Beziehungen, wie es die 
abweichende lithologische Ausbildung der Katrol-Gruppe voraussetzen ließ. Nach einer Durchsicht 
meines Materials bestätigte mir Kitchin?) dieses Ergebnis bezüglich der von ihm publizierten Muscheln 
und Brachiopoden. 

Wir wenden uns nun nach Westen, wo wir auf Kreta weißen Jura antreffen. Cayeux®) fand dort 
"kürzlich eine gewaltige Schichtenfolge von oberjurassisch-kretazischen Gesteinen, deren Mächtigkeit er im 
ganzen auf 4000 »m schätzte. Fossilien fanden sich außerordentlich selten. Als Fundorte erwiesen sich 
zahlreiche fossile Korallenriffe, deren wichtigstes am Westfuß des Ida liegt. Der Riffkalk ruht auf einem 
nicht näher bezeichneten Konglomerat und ist reich an Bohrlöchern. Seine Fauna wird gekennzeichnet 
durch den Reichtum an Brachiopoden und Korallen. Es werden genannt: 

Rhynchonella inconstans d’Orb. 

Terebratula Repellini d’Orb. 

Terebratula subsella Leym. 

Terebratella pectunculoides Schloth. 


1) 1845. Sharpe. Sec. Rocks of Sunday and Zwartkop-River. 
1867. Tate. Sec. fossils from. S.-Afrika. 
1881. Holub und Neumayr. Fossilien der Uitenhage-Formation. 

2) 1901. Boule. G£ol. et Pal. de Madagascar. Übersicht mit Literaturangabe. 
1902. Boule. Madagascar au debut du XXe siecle. 

3) 1875. Waagen. The Cephalopoda. 

*) 1895. Noetling. Kellaway’s of Mazär Drik. 

5) 1900. Kitchin. The Brachiopoda. 
1903. Kitchin. Genus Trigonia. 

6) 1903. Cayeux. Jurass. sup. dans l’ile de Crete. 

Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII. 2 20 


154 Lothar Krumbeck. [90] 


Terebratulinen in großer Anzahl, von Seeigeln die Geschlechter Diplopodia und Glypticus. Die Anzahl 
der Korallen beläuft sich auf acht bis zehn verschiedene Typen. Der Autor schließt daraus auf das Vor- 
handensein des Kimme£ridgien, hält jedoch die Existenz von jüngeren Horizonten nicht für ausgeschlossen. 

Für uns ergeben sich manche Anknüpfungspunkte an den kretischen Malm. Das Auftreten zahl- 
reicher riffbildender Korallen in Verbindung mit einer reichen Brachiopodenfauna weist hin auf ähnliche 
lithogenetische und bionomische Verhältnisse, wie sie im Libanon herrschten. Die Fauna, soweit sie bis 
jetzt bekannt ist, trägt ausgesprochen mitteleuropäischen Habitus und nähert sich derjenigen des Glandarien- 
kalkes, in welcher wir nachweisen konnten: Terebratula subsella Leym., sowie Arten aus den Formen- 
zyklen der Rhynchonella inconstans d’Orb. (Rhynchonella Drusorum n. sp.) und der Terebratula Repellini 
d’Orb. (7. Bauhini Et.). 

De&prat!) berichtete über oberjurassische Ablagerungen am Drakopsilo-Berge auf Euboea. 
Er schildert sie als »une serie Eegalment calcaire et dolomitique sans intercalations de schistes ni de 
gres.» In den mittleren Partien, in weißen, oolithischen und lithographischen, foraminiferenreichen Kalken 
fanden sich Diceras Luci, D. Münsteri, Ptygmatis pseudobruntrutana und Ellipsactinien. D. Lucei ist 
auf das alpine Tithon beschränkt. D. Münsteri hat seine Hauptverbreitung gleichfalls im alpinen Tithon. 
G. Boehm?) beschreibt diese Form aber auch von Lokalitäten mit vorwiegend mitteleuropäischer Fauna 
wie Kelheim und Cirin (Ain). Pf. pseudobruntrutana findet sich nach genanntem Autor?) vorwiegend 
im unteren alpinen Tithon, aber auch im Astartien des berner Jura. Der oberste weiße Jura scheint somit 
auf Euboea in vorzugsweise alpiner Entwicklung aufzutreten. Es sei hier noch erwähnt, daß die drei 
obigen Spezies von Gemellarot) auf Sizilien nachgewiesen wurden. 

Anzuschließen ist hier das folgende Vorkommen. Nach Douvill&®) fand Boblaye bei Nauplia 
in der Landschaft Argolis diskordant auf älteren Schichten typische Lithoralablagerungen. Ihr Fossilgehalt 
erinnerte bezüglich seines Erhaltungszustandes an plumpe Korallenkalke. Als wohlbestimmbar erwies sich 
eine Anzahl von Nerineen, welche an Formen der Korallenfazies erinnern sollen, ferner eine Dicerasart, 
welche D. ZLuci nahesteht. Faunistisch scheint hier wie auf Euboea der obere Malm durch Elemente 
von alpinem Habitus seine Vertretung zu finden. Das gewinnt noch an Wahrscheinlichkeit durch den Fund 
einer Fllipsactinia, die nach Steinmann?) stets in Gesellschaft von tithonischen Fossilien gefunden wird. 

Cayeux (loc. cit.) und Philippson‘) konstatierten aus Analogien in den Lagerungsverhältnissen, 
daß die jurassischen Pindos- und Olonoskalke Griechenlands auf Kreta ihre Fortsetzung; finden. 
Wir beschränken uns hier auf die Feststellung, daß der Malm von Euboea und Argolis alpines Ge- 
präge®) zeigt, daß in ihm bis jetzt nur Portlandfossilien aufgefunden wurden, während er am Ida wie im 
Libanon für mitteleuropäisch erachtet wurde und durch tiefere Horizonte vertreten wird. 

Wir gehen nun ganz kurz auf die Malmfauna von Algier ein. Eine Durchsicht der hauptsäch- 
lichen Literatur?) zeigt uns, daß der weiße Jura stellenweise zwar durch eine typische Ammonitenfazies 
vertreten ist und dort lithologisch wie faunistisch der mediterranen Entwicklung angehört. Das Sequanien 
und Kimmeridgien kennzeichnen sich hingegen in anderen Gebieten durch den Mangel an Kephalopoden. 
Die Fauna dieser Etagen erscheint hier vielmehr aufs engste verbunden mit französischen, insbesondere 
mit ostfranzösischen Tierbezirken, die als wahrhaft klassischer Boden gelten können für die außeralpine 
Ausbildungsweise. Das beweist uns die lange Reihe von identen Spezies, welche in den Fossillisten u. a. 
von Coquand, figurieren. Es ist mir daher nicht recht klar, weshalb Neumayr und nach ihm 


1) 1903. Deprat. G£ologie de l’Eubee, pag. 235—236. 
2) 1883. G. Boehm. Bivalven d. stramb. Schichten. 
3) 1882. G. Boehm. Bivalven d. kelh. Diceraskalkes. 
ı #) 1869. Gemellaro. Calcare a Ter.-janitor, parte II. 
5) 1896. Douville. Amm. trias. rec. en Gre&ce. pag. 799, 800. 
6) 1890. Steinmann. Fossilreste aus Griechenland, pag. 764—71. 
?) 1903. Philippson. Zur Geologie Griechenlands. 
8) Schwager erklärte den Olonoskalk für Globigerinenkalk! 
°) Literaturverzeichnis bei Pe&ron Geologie de l’Algerie, 1883, und bei Lapparent, Traite de 
Geologie, 1900, 


[91] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 155 


Futterer den Malm von Algier ohne Vorbehalt als echt alpin bezeichnet haben. Mit der Fauna der 
mittleren Stufen des letzteren hat die Tierwelt des Glandarienkalkes wichtige gemeinsame Berührungs- 
punkte. Nicht nur in Hinsicht auf den beiderseitigen mitteleuropäischen Faunenkarakter und den auffallen- 
den Reichtum an Seeigeln, sondern auch durch den Besitz der gleichen Formen wie Terebratula subsella 
Leym., Terebratulina substriata Schloth., Cidaris glandifera Goldf. eng verwandt mit unserer C. glan- 
daria Lang, und Ceromya excentrica Ag. 

In welchen Beziehungen steht nun der mittlere Malm von Algier, soweit er in mitteleuropäischer 
Fazies entwickelt ist, zu den ostafrikanischen Vorkommnissen ? 

In Abessinien fanden wir das S&quanien und Kimme£ridgien in enger Anlehnung an die Aus- 
bildungsweise des Schweizer Jura. Futterer konnte 20 Arten identifizieren. Mit den entsprechenden 


Horizonten in Algier sind dem Jura von Schoa nur fünf Spezies gemeinsam. Es sind: 


Acrocidaris nobilis Ag. 
Terebratula subsella Leym. 
Spondylus inaequistriatus Voltz. 
Exogyra bruntrutana Thurm. 
Ceromya excentrica Ag. 


Es befinden sich demnach beide Gebiete in weit größerer Übereinstimmung mit Mitteleuropa 
als untereinander, ein Wechselverhältnis, wie wir es hinsichtlich der Faunen vom Libanon, von Schoa, 
von den Gallaländern und vom Mahokondo-Bach bereits kennen gelernt haben. 

Sehr geringfügig erscheinen ferner die Beziehungen zu der Mahokondofauna. Letztere stimmt 
mit der Fauna des mittleren weißen Jura von Algier nur in einer Spezies überein: Zxogyra bruntrutana 
Thurm. Andere übereinstimmende paläontologische Merkmale lassen sich kaum auffinden. 

Unsere bisherigen Beobachtungen nötigen uns zur Annahme einer offenen 
Meeresverbindung zwischen Mitteleuropa, Algier, Kreta, Libanon, Abessinien, Galla- 
ländern und Deutsch-Ostafrika zur Zeit des S&quanien und Kimme£ridgien. 

‚Der lithogenetische und bionomische Karakter dieses Meeres begünstigte die 
Entstehung und Verbreitung einer Fauna wie sie in Mitteleuropa, besonders im 
schweizer Jura und im außeralpinen Frankreich, ihre typische Ausbildung ge- 
funden hat. 

Ein Versuch zur Rekonstruktion dieses Meeres soll an dieser Stelle nicht unternommen werden. 

Im Norden unseres Gebietes fesselt unser Interesse eine Reihe von Malmvorkommen im weiteren 
und engeren Umkreise des schwarzen Meeres, 


Alth!) beschrieb aus dem östlichen Galizien eine sehr reiche Litoralfauna, welche er mit dem 
Kimmeridge und Portland in Hannover, im berner Jura und in Ostfrankreich verglich. Eine Reihe von 
Formen aus dem Korallien von St. Mihiel, Chätel-Censoir u. a. scheint indessen auch einen Rückschluß 
zu gestatten auf die Anwesenheit des Rauracien. Die Übereinstimmung dieser Fauna mit der des Glan- 
darienkalkes beschränkt sich nur auf drei Spezies: 


Terebratula subsella Leym. 
Natica cfr. amata d’Orb, 
Harpagodes cfr. Oceani Brongn. 


Die ganze Zusammensetzung der Tierwelt des Nizniower Kalksteines deutet auf andere bio- 
nomische Verhältnisse hin als sie im Libanon herrschten durch das Vorherrschen der Schnecken sowie 
durch das völlige Zurücktreten der Korallen, Seeigel, Brachiopoden und Kephalopoden. 

Aus der Dobrudscha beschrieb Peters!) aus den oolithischen, korallenreichen Thonen, Mergeln 
und festen Kalksteinen von Tschernawoda eine Fauna, welche das Kimmeridgien vertritt. Die litho- 
logische Ausbildung dieser Ablagerung erscheint als ähnlich derjenigen des Glandarienkalkes. Der 


2) 1882. Alth. Nizniower Kalkstein. 
20* 


156 Lothar Krumbeck. [92] 


von Peters!) abgebildete Harpagodes Oceani Brongn. ist von unserer Form ziemlich verschieden. Ge- 
steine wie Fauna der Kalke von Tschernawoda besitzen vorwiegend mitteleuropäische Merkmale. Die 
weiter nördlich gelegenen Vorkommen von Hirschova und Kara-bair stellte Peters dem stram- 
berger Tithon an die Seite. Neumayr!) fügte irrtümlicherweise die Gesamtfauna der Dobrudscha 
seiner alpinen Ringzone ein. Vor nicht langer Zeit stellte dann Anastasiu:) das Vorhandensein des 
Rauracien, Astartien und Kimmeridgien fest auf Grund von Fossilfunden bei Tschernawoda, Topal 
und Gekirgeoa, welche rein mitteleuropäischen Karakter besitzen. Den oberen Teil der Schichten 
von Tschernawoda verwies er in die Kreide. Während nun bei Cekirgeoa eine Ammonitenfazies 
entwickelt ist, finden sich bei Topal und Tschernawoda fazielle Verhältnisse, welche denen des Glan- 
darienkalkes als homolog erscheinen. Von identen Arten seien genannt: 


Terebratula subsella Leym. 
Terebratula Zieteni Loriol. 


Als eine Mischung von mitteleuropäischen mit vorwiegend mediterranen Typen scheint sich eine dem 
oberen Sequanien angehörige Fauna zu kennzeichnen, die vonZlatarski beiGinci imNNW. von Sofia 
gesammelt und von Toula?°) beschrieben wurde. Neben selteneren Exemplaren von Phylloceras, Lytoceras, 
Simoceras, Haploceras spielen die Hauptrolle flexuose Oppelien sowie Perisphincten aus der Gruppe des 
P. colubrinus und P. polyplocus. Ähnlichkeiten mit dem Jura im Libanon wurden nicht konstatiert. 


An der Südküste der Krim zwischen Yalta und Theodosia begegnet uns weißer Jura bei 
Sudak®), Während die relativ zahlreichen Korallen dieser Fauna zum größten Teil auf das Rauracien be- 
schränkt sind, läßt die übrige Tierwelt das Vorhandensein von Astartien und Kimmeridgien als nicht aus- 
geschlossen erscheinen. Die wenigen bis jetzt bekannten Spezies ergaben keine Verwandtschaft mit unseren 
Formen. Es zeigt jedoch der Malm von Sudak enge Anlehnung an die mitteleuropäische Aus- 
bildungsweise, eine bemerkenswerte Tatsache, da Neumayr°) das von Favre®) beschriebene Juravor- 
kommen der westlichen Krim als entschieden alpin bezeichnet hat. 


In nordöstlicher Richtung treffen wir weiter auf den weißen Jura von Isjum am Donetz in der 
Entwicklung als grobkörniger Sandstein und oolithischer, bald gelblicher, weicher, bald weißer dichter und 
harter Kalkstein. Trautschold’) parallelisierte die dortige Fauna, welche mitteleuropäischen Habitus auf- 
weist, mit dem Sequanien und Kimmeridgien von Hannover. Nähere Beziehungen zum Malm des Libanon 
ließen sich nicht ermitteln. 

Im Inneren von Kleinasien zeigen sich Ablagerungen von Oxfordien bei Angora.°) d’Archiac 
beschrieb von dort lediglich Ammoniten, welche die betreffenden Bildungen als mediterran zu karak- 
terisieren scheinen. 

Auch Leonhard’) stieß nur auf Oxford-Ammoniten südlich von Tutasch und im Tschatak-Boghaz. 


Philippson!°) fand in dem lithographischen Kalk von Mihalitsch Belemniten, die Jaekel 
dem oberen Jura zustellte. 


1) 1867. Peters. Dobrudscha. 
In obigem pag. 35, Taf. II, Fig. 3—4. 
2) 1896. Anastasiu. G£ol. de la Dobrogea. 
®) 1893. Toula. Jura am Balkan. pag. 9—ı6, Taf. II. 
%) 1897. Vogdt. Le Jurassique A Soudak. 
5) 1883. Neumayr. Klimatische Zonen, pag. 20. 
6) 1877. Favre. Sudouest de Ja Crimee. 
’) 1878. Trautschold. Der Jura von Isjum. 


°) Tschihatscheff. Asie mineure. Pal&ontologie (d’Archiac), pag. 83—86. Zitiert nach Pompeckj. Ana- 
tolien, 1897. 


°) 1903. Leonhard. Andesitgebiet nördl. von Angora. 
1) 1903. Philippson. Vorl. Bericht über Forschungen in Kleinasien. 


[93] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 157 


Schlehan!) berichtete über ein Juravorkommen bei Amasry, an den südlichen Gestaden des 
schwarzen Meeres. Es ist ein sehr mächtiger, weißer Kalkstein, dicht, feinkörnig und oolithisch, oft von 


Kalkspatadern durchzogen, stellenweise reich an Versteinerungen. 
Von diesen verweisen auf den Lias: 


Gryphea cymbium Lam. 
Pleurotomaria anglica Sow. 
Rotella polita Sow. 


aut den Dogger: Trochus duplicatus Sow. 
Pleurotomaria conoidea Desh. 
Turbo ornatus Mill. 


auf den Malm: /sastraea helianthoides Goldf. 
Diceras arıetinum Lam. 
Harpagodes Oceani Brongn. 
Nerinea suprajurensis Voltz. 
» Gosae Roem. 
» bruntrutana Thurm. 


Wir haben es hier mit einer Fauna zu tun, die ein typisch mitteleuropäisches Gepräge 
besitzt und deren Malmspezies auf das S&quanien und Kimmeridgien verweisen, Ihre Übereinstimmung mit 
dem Glandarienkalk beschränkt sich auf den einzigen Harpagodes Oceani Brong. Ralli!) suchte kürzlich 
das Vorkommen von Jura bei Amasry vollkommen in Abrede zu stellen auf Grund von einigen Kreide- 
fossilien, die er während eines kurzen Aufenthaltes in jener Gegend sammelte. Es ist nun keineswegs 
ausgeschlossen, daß auch Kreideschichten in jenem Gebiet zum Ausstreichen gelangen, Im übrigen aber 
erscheint mir die Leichtigkeit als unbegründet, mit welcher Ralli?) die bedeutend gründlicheren Unter- 


suchungen Schlehans bei Seite schiebt. 


Von einer Besprechung der einzelnen Kaukasusvorkommen und ihrer Fossilfunde®) wird hier Ab- 
stand genommen. Faunistisch beschränkt sich die Übereinstimmung mit dem Glandarienkalk auf einige 
kosmopolitische Arten, die sich wieder auf verschiedene Lokalitäten verteilen im Norden und Süden der 


zentralen Aufbruchszone kristalliner Gesteine. Es sind: 


Terebratula subsella Leym. 

T. bisuffarcinata Schloth. 

T. Zieteni Loriol. 

Ceromya excentrica Ag. 

Nerinea Visurgis Roem. (N. Maroni n. sp.). 


In beiden Regionen herrschen vielfach mitteleuropäische Faziesverhältnisse in normaler litholo- 
gischer und faunistischer Ausbildung vor. So begegnen uns im nordwestlichen Kaukasus am Ber- 
mamyt®) beiKislowodsk Sequanien- und Kimmeridgienbildungen von typisch aufßeralpiner Entwicklung. 
Zu unterst lagern dort kompakte, korallenreiche, hellgraue Dolomite mit Rhynchonella lacunosa Schloth, 
und mit Stacheln von Zemicidaris crenularis Ag. Darüber setzen graue oder gelbliche, feinkörnige Dolo- 
mite auf mit Natica hemisphaerica d’Orb., Nerinea Zeuschneri Peter, N. bruntrutana Thurm. Außerdem 
mit Ceromya excentrica Voltz, Nerinea Visurgis Roem., N. Defrancei d’Orb. und N. sp. aff. N. supra- 


Jurensis. 


1) 1852. Schlehan. Geogr. Beschr. d. Gegend von Amasry. 
2) 1895/96. Ralli. Le bassin houiller d’Heraclee. 
®) 1892. Neumayr und Uhlig. Kaukasustossilien. 


*) 1897. Karakasch et Roug&witsch. Congres VII. geol. intern, Heft 19. 


158 Lothar Krumbeck. [94] 


Aus dem südwestlichen Kaukasus zitiert Simonowitsch!) aus der Umgebung von Koutais 
Kieselkalke mit Cidaris florigemma Münst,, magnesiahaltige Kalke mit Nerinea und Diceras, ferner Kalke 


mit Pferoceras. 


Das Bestehen einer selbständigen »krimo-kaukasischen Faunenprovinz« er- 
scheint daher auch für den Malm als anfechtbar. Die Unhaltbarkeit jener Hypothese für den 
Lias legte Pompeckj?) eingehend dar. 


Östlich des kaspischen Meeres erscheint der weiße Jura auf der Halbinsel Mangyschlak?). Die 
dortigen S&quanien- und Kimmeridgienfauna hat mit der des Glandarienkalkes die folgenden Formen 


gemeinsam: 
Terebratula Bauhini Loriol, 
» subsella Leym. 
Alectryonia hastellata Qu. 


Harpagodes cfr. Oceani Brongn. 


Außerdem steht Mytilus jwrensis MEr. sehr nahe unserem M. alatus n. sp., ebenso Nerinea Visurgis 
Roem. unserer N. Maroni n. sp. Das ist nicht die einzige Analogie. Der Malm vom Karatau besitzt 
lithologisch und faunistisch ausgesprochen mitteleuropäischen Karakter. Er zeigt in dem Auftreten gewisser 
Tierklassen sowie in der Ausbildung bestimmter Geschlechter enge Anlehnung an unsere Fauna. Es ist 
ferner zu konstatieren, dafs sich in dem ersteren keine Fossilien finden, welche auf das Oxfordien hindeuten. 
Der weiße Jura von Mangyschlak scheint vielmehr ebenfalls erst mit dem unteren S&quanien zu begin- 
nen. Letzteres darf allerdings nicht aus der von Semenow gegebenen Tabelle gefolgert werden, in 
welcher die Bezeichnungen der Malmetagen etwas unklar gehalten -sind, indem die Art der Einteilung für 
Deutschland Gültigkeit hat, die Benennung aber für Frankreich. Hervorstechende Unterschiede zwischen 
den Malmkomplexen des Libanon und des Karatau sind für den letzteren gegeben in dem Fehlen von 
Korallen- und Oolithbildungen und im Zusammenhange hiemit in der zum Teil verschiedenartigen faziellen 
Ausbildung der Sedimente. 

In der von Semenow beschriebenen Malmfauna ist eine große Anzahl von identen Formen 
Mitteleuropas enthalten. Die Fauna von Mangyschlak steht somit zu Mitteleuropa in be- 
deutend engeren Beziehungen als zu der Fauna des Glandarienkalkes und erst recht 
zu der Tierwelt von Schoa. 


An diesem echt außeralpinen, mitteleuropäischen Karakter der Fauna von Mangyschlak vermag nun 
meines Erachtens auch das Auftreten von drei Aucellen-Spezies nichts zu ändern. Gewiß, es sind typische 
Bewohner des borealen Meeres, deren sporadisches Vorkommen auf eine Einwanderung aus der Richtung 
von Simbirsk schließen läßt. Weshalb aber soll ihr vereinzeltes Erscheinen auf den Karakter der ein- 
gesessenen Tierwelt irgendwie bestimmend einwirken? Auch im Frankenjura z. B. finden sich drei 
Aucellen von echt nordischem Habitus*) und doch wird niemand die rein mitteleuropäische Entwicklungs- 
weise der dortigen Ablagerungen in Zweifel ziehen! Der Formenreichtum des fränkischen Malm kann hier 
nicht als Einwand benützt werden, da das Gebiet des Karatau sozusagen einen jungfräulichen Boden 
darstellt, in welchem vermöge des weitaus kürzeren Verbindungsweges mit dem borealen Meere ein ent- 


sprechend stärkerer Einschlag von nordischen Elementen als selbstverständlich erscheint. 


Aus der Provinz Asterabad am Südostende des Kaspisees beschrieb Bogdanowitsch?) 
mehrere Malmvorkommen. Im Norden, an den Quellen des Flusses Gurgen, entdeckte er eine alpine 
Fauna von tithonischem Alter mit: 


1) 1897. Simonowitsch. Environs de Koutais. Congres VII. geol. intern, Heft 27. 
2) 1897. Pompeckj. Anatolien, pag. 824—826. 

3) 1896. Semenow. Mangyschlak. 

*) 1901. Pompeckj. Aucellen im fränkischen Jura, pag. 29, 30. 

5) 1889. Bogdanowitsch. Geologie de l’Asie centrale I. 


[95] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 159 


Perisphinctes Richteri Opp. 

Hoplites aff. Calisto d’Orb. 

Belemnites cfr. semisulcatus Münst. 

Phylloceras aus der Gruppe des Ph. tatricum. 


Tithonische Ablagerungen wurden auch südlich des Elburs angetroffen. Weiter fand sich im 
Süden von Schahrud in der Ohionu-Kette eine Schichtenfolge von hellen, kompakten oder porösen Kalken 


oder von weichen, gelben und tonigen Kalken mit: 


Peltoceras bimammatum Qu. 
Perisphinctes plicatilis d’Orb. 
» aff. plicatilis d’Orb. 
» Tiziani Opp. 
» cfr. colubrinus Qu. 
Diceras sp. 
Cidaris sp. 


Das Auftreten von Peltoceras bimammatum veranlaßte Bogdanowitsch, auf das Vorhandensein 
des Rauracien zu schließen. Es könnten diese Fossilien jedoch das gesamte Sequanien repräsentieren. 
Man muß ausdrücklich betonen, daß diese kephalopodenreichen Horizonte lauter Formen enthalten, die im 
weißen Jura von Südostdeutschland zum Teil sogar eine leitende Rolle spielen. Die lithologische Ausbil- 
dung zeigt gleichfalls mitteleuropäischen Karakter. 


Eine Reihe von wichtigen Beobachtungen über die Geologie von Nord-Persien veröffentlichte kürzlich 
Stahl?). Wenn seine Karte auch nur annähernd den wirklichen Verhältnissen entspricht, so bedeckt der 
weiße Jura im Elburs weite zusammenhängende Areale und bildet besonders häufig die oberen Partien 
ganzer Gebirgszüge. Die älteren Juraablagerungen, auf denen er nach Stahl konkordant auflagert, treten 
infolgedessen seltener zu Tage. Die Kreide ist beschränkt auf schmale Streifen an den Randzonen 
und in den tiefer eingeschnittenen Tälern. Gedenken wir ferner des Umstandes, daß archäische und paläo- 
zoische Gesteine vereinzelt, also keineswegs in einer bedeutenden, zusammenhängenden Zone zum Aufbruch 
kommen, daß endlich besonders im zentralen Teil große Flächen von jüngeren Eruptivgesteinen und Tuffen 
überdeckt werden, so entsteht in uns die Vorstellung, als habe das Malmmeer einst das ganze Elburs- 
gebiet überflutet. Auffallend ist nun die einförmige Ausbildung der Malmsedimente auf solch weiten Strecken. 
Stahl erwähnt lediglich helle Kalke, helle dolomitisierte Kalke und helle Kalkkonglomerate. Im folgenden 
werden die versteinerungsführenden Vorkommen des weißen Jura kurz aufgezählt. 


Bei Kulit, westlich von Aschref, am Nordrande des Gebirges, treten helle, horizontal gelagerte 
Kalke zu Tage in einer Mächtigkeit von 50 bis 60 m mit Rhynchonella cfr. Astieri, einer Astartien- und 
Kimmeridgienform Süddeutschlands und der Nordschweiz. Bei Aschref enthalten die gleichen Schichten: 

Oylindrophyma sp. 

Belemnites sp. 

Oppelia aus der Gruppe der O. flexuosa. 

Aspidoceras Oegir Opp. 

Perisphinctes aus der Gruppe d. P. biplex. 


A. Oegir ist im wesentlichen auf das Oxfordien beschränkt, O. flexuosa und P. biplex auf das 
untere und obere Sequanien verschiedener mitteleuropäischer Jurabezirke. In den südöstlichen Gebirgsteilen 


1) 1898. Stahl, Zur Geologie von Persien. 


160 Lothar Krumbeck. [96] 


erheben sich südlich des Tales von Schahmirzad mehrere schmale Gebirgszüge, die aus hellgrauen an 
Perisphincten reichen Kalken bestehen. Bei Kelate, im NNW. von Damgan, stehen gleichfalls Kalke 
an mit Perisphinctes. Bei Ostanek im NW. von Damgan fanden sich in Malmkalken Ammonites 
aus der Gruppe des Phylloceras silesiacum, Perisphinctes und Olcostephanus, ersterer eine Tithonform 
von echt alpinem Gepräge. Bei Tueh, im WSW. von Damgan, wurden helle Kalke angetroffen mit 
Perisphinctes aus der Gruppe des P. biplex. Auf dem Passe zwischen Tueh und Fuladmahale stehen 


hellgraue ammonitenreiche Kalke des weißen Jura an, 


Die von Bogdanowitsch und von Stahl aufgeführten Fossilien karakterisieren eine Kephalopoden- 
fauna, die mit der Fauna des Glandarienkalkes keine Berührungspunkte aufweist. Vielleicht aber veran- 
schaulichen sie uns in gewisser Hinsicht die Verteilung alpiner und außeralpiner Vorkommen. Wir 
trafen im nördlichen Elburs eine alpine Tithonfauna am Flusse Gurgen, unteren Malm in mitteleuro- 
päischer Entwicklung bei Aschref. Im südlichen Elburs fand sich bei Schahrud eine Sequanien- 
fauna von außeralpinem Habitus, im NW. von Damgan dagegen eine typische Form des alpinen Tithon. 

Bis jetzt liegt daher keine Veranlassung vor, an eine zonenweise Anordnung der mediterranen und 
mitteleuropäischen Lebensbezirke im Elbursgebirge zu glauben, wie sie die Theorie von den klimatischen 
Zonen zur Voraussetzung hatte. Auch bezüglich der »krimo-kaukasischen Faunenprovinz« scheint unser 
früher ausgesprochener Zweifel neue Nahrung zu finden, 

Auf die Malmablagerungen der Spiti-Shales kann hier nicht näher eingegangen werden, da 
von Uhlig noch der Abschluß seiner wichtigen Untersuchungen zu erwarten ist. Die Verwandtschaft un- 
seres Phylloceras Salima zu Phylloceras plicatius Uhlig erstreckt sich lediglich auf ihre gemeinsame 
Zugehörigkeit zum Formenkreise des Ph. heterophyllum. 


In Japan liegt an der Basis der unterkretazischen Sandsteine und Schiefer der Torinosu-Kalk, 
ein dunkler, bituminöser, vielfach oolithischer Kalkstein mit einer reichen Fauna von Foraminiferen, Ko- 
rallen, Seeigeln, Zweischalern und Schnecken. Neumayr!) und Yokoyama beschrieben von 


Sakawau.a. 
Textularia cf. cordiformis Schw. 
Cidaris cf. glandifera Goldf. 
Hemicidaris cf. crenularis Ag. 
Terebratula bisuffarcinata Zieten. 
Nerinea cf. Visurgis Roem. 


Auf Grund dieser Fossilien kam Neumayr zu dem Schluß, daß wir es hier mit einer oberjuras- 
sischen Fauna von zweifellos mitteleuropäischem Karakter zu tun haben. Er glaubte das Alter dieses Ho- 
rizonts auf das Rauracien präzisieren zu können. Sagawa?) fand später bei Ogawa: 


Alectryonia cf. amor d’Orb. 
Nerinea cf. dilatata d’Orb. 


Von diesen Formen ist N. dilatata d’Orb. (Ptygmatis costulata Et.) nach Cossmann?) auf das 
Pteroc&rien beschränkt. Alectryonia amor d’Orb. findet ihre Hauptverbreitung im Astartien und Kimme- 
ridgien. Die Gesamtfauna des Torinosu-Kalkes kann also vielleicht das Sequanien und Kimmeridgien 
vertreten. Die Beamten der japanischen geologischen Reichsanstalt*) rechnen den letzteren neuerdings zur 
unteren Kreide, da er von den neokomen Ryoseki Series nicht zu trennen sei. Die Versteinerungen 
lassen jedoch keinen Zweifel übrig an dem oberjurassischen Alter der Korallenkalke. 


1) 1890. Naumann und Neumayr. Zur Geol. und Pal. von Japan. 
2) 1900. Geology of Japan, pag. 60. 

®) 1900. Cossmann. Nerinees. 

*) 1900. Geology of Japan, pag. 61. 


[97] Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes, 161 


Die Faunen des Torinosukalkes und des Glandarienkalkes haben folgende entweder 
identen oder nahverwandten Arten gemeinsam: 


Torinosukalk. Glandarienkalk. 
Cidaris cf. glandifera Goldf. Cidaris glandaria Lang. 
Terebratula bisuffarcinata Zieten Terebratula bisuffarcinata Zieten. 
Alectryonia cf. amor d’Orb. Alectryonia hastellata Schloth. 
Nerinea cf. Visurgis Roem, Nerinea Maroni n. sp. 


Das Fehlen von Abbildungen erschwert leider eine Beurteilung. Bei der geringen Anzahl der bis- 
her bekannten japanischen Malmfossilien muß das obige übereinstimmende Ergebnis gleichwohl überraschen, 
Neumayr bemerkt außerdem bezüglich der Cidaris cfr. glandifera Goldf., daß ihre Stacheln 
sich nur unbedeutend von den lapides judaici, d.h, von den Stacheln von C. glandaria Lang, unterscheiden, 
Vielleicht weist auch diese Tatsache auf eine engere Verwandtschaft der beiden Faunenbezirke hin. 


Die lithologische Ausbildung der beiden Komplexe erweist sich ebenfalls als nicht sehr verschieden- 
artig. Hier wie dort treten oolithreiche Korallenkalke auf, welche Faunen von anscheinend gleichartiger 
Zusammensetzung ähnliche bionomische Existenzbedingungen darboten. Die dunkle Farbe des Torinosu- 
kalkes ist wohl’ auf seinen Bitumenreichtum zurückzuführen und scheint dem Gewicht der erwähnten Bezie- 
hungen gegenüber nur die Bedeutung einer leichten faziellen Verschiedenheit zu besitzen. Eingehendere 
Untersuchungen der Tierwelt der japanischen Korallenkalke müssen uns zeigen, inwieweit diese Verschie- 
denheit der Fazies von Einfluß war auf die nähere Beschaffenheit der zugehörigen Organismenwelt. 


Schon jetzt aber können wir uns der Erkenntnis nicht verschließen, daß der Torinosukalk ein 
Glied von großer Wichtigkeit bildet in der Reihe der von uns besprochenen Malmvorkommen. Wir 
sahen, wie sich innerhalb der gegenseitigen Beziehungen der letzteren durchwegs stärkere faunistische 
Unterschiede geltend machen als in ihrem Einzelverhältnis zu Mitteleuropa. Es könnte uns daher 
Mitteleuropa als das Entstehungszentrum dieser Tierwelt gelten, von dem aus auf ungeheure Ent- 


fernungen hin die jeweils korrespondierenden marinen Lebensbezirke besiedelt wurden. 


Die Verbreitung von Sedimenten und von Faunen, die in ihrer faziellen Entwicklung entweder 
volle Übereinstimmung zeigen mit einem relativ engumgrenzten Gebiet Mitteleuropas oder als eine 
Mischung aufzufassen sind von mehreren solchen Lebensbezirken, vom 50. Grad nördlicher bis zum ıo. 
Grad südlicher Breite, in einer kontinuierlichen Kette von gleichaltrigen Ablagerungen läßt aufs neue die 
Theorie von den klimatischen Zonen als völlig unhaltbar erscheinen. Eine geschlossene alpine Zone 
scheint sich in ihrem östlichen Teil zu beschränken auf die Region zwischen dem Karpathenbogen und 
den Dinariden. Von hier aus greift sie, dem Zuge beider folgend, auf das kleinasiatische Festland über. 
Einen Hinweis darauf enthalten die Fossilien, welche im Süden im Bereich der Olonos- und Pindos- 
kalke gefunden wurden. In Kleinasien lernten wir dann aus der Gegend des Marmarameeres 
und von Angora Faunenelemente kennen von alpinen Habitus. Im Gebiet des schwarzen und kaspischen 
Meeres scheint dagegen ein geschlossener Zug von mediterranen Ablagerungen nicht mehr vor- 
handen zu sein. Fanden sich doch in der Dobrudscha im Norden alpine, im Süden außeralpine Ele- 
mente. In der Krim im Westen mediterrane, im Südosten mitteleuropäische Faunen, Im Innern Klein, 
asiens alpine, bei Amasry wieder außeralpine Ablagerungen! Im Kaukasus wie im Elburs stellten 


wir im Norden wie im Süden beiderlei Faunen fest. 


Es liegt im Rahmen dieser Arbeit, wenn wir hier lediglich die obigen Tatsachen konstatieren, 
ohne uns mit mehr oder minder lückenhaften Rekonstruktionsversuchen der Verteilung von Meer und Fest- 


land zur Zeit des weißen Jura weiter zu befassen. 


Unsere Untersuchungen gelangen hiermit zum Abschluß. Es ist ihr Zweck gewesen, die Fauna des 


Glandarienkalkes mit den Vorkommen zu vergleichen, die uns bis jetzt in so spärlicher Weise aus 


162 i - Lothar Krumbeck.  - Ike a 


den weiten Gebieten der orientalischen und äquatorialen Keen Banaı sind und die weı 
Resultate darzulegen. ee Fr ray ee 

Sie führen zu der Annahme, daß zur Zeit des Sarnen und Kimm& 
eine offene Meeresverbindung existiert hat, die in Polen, in Ostgalizien, in 
Gegend des schwarzen und ‚kaspischen Meeres, in Japan, ferner in Syrien, auf K 
sowie in Nord- und Ostafrika die Ablagerung von Sedimenten und die Ausbildu 
von Faunen ermöglichte, wie sie uns inMitteleuropa in een reher Ba | 


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DIE FISCHRESTE DES MITTLEREN UND OBEREN EOCÄNS 
VON ÄGYPTEN, 


I. Teil: Selachii, B. Squaloidei und II. Teil: Teleostomi, A. Ganoidei. 


Von 


Ernst Stromer 


(München). 
Mit 2 Tafeln (XV (III) und XVI (IV). 


In dem ersten Abschnitt meiner Abhandlung (diese Zeitschrift, Bd. 18, S. 37—58) habe ich Reste 
von Myliobatinen und Pristiden beschrieben, weitere Familien der Rochen sind leider nicht ver- 
treten, wohl nur deshalb, weil die winzigen Zähne dieser Formen nur selten erhalten und nur 
schwer zu finden sind. Zähne von Haien im engeren Sinne jedoch sind aus dem Eocän von Ägypten 
schon in größerer Zahl bekannt geworden (Dames 1883, Priem 1897 und 1899, Stromer 1903) und liegen 
mir in vielen Hunderten wohlerhaltener Exemplare aus dem Kalksteine des unteren Mokattam bei Kairo, 
den Mergeln des Uadi Ramlich bei Wasta und der Kasr-es Sagha-Stufe des Fajum und vor allem von 
verschiedenen Fundorten aus den lockeren Sandsteinen und Mergeln der Birket el Kurun-Stufe des Fajum vor. 

Leider wurden aber keine zusammengehörigen Reste einzelner Individuen gefunden, sondern die 

vielen großen und kleinen Zähne der verschiedensten Formen konnten nur durch Sortierung von mir ge- 
sondert werden. Dazu gehörige Flossenstacheln sind nicht vorhanden und Wirbel nur in sehr beschränkter 
Zahl. Sie lassen sich bestimmten Arten nicht zuteilen und ich kann daher diese nur nach ihren Zähnen 
charakterisieren. Bei dem Mangel einer Durcharbeitung der Gebisse der rezenten Haie, der größtenteils 
recht ungenügenden Beschreibung und Abbildung derselben und bei der nicht ausreichenden Menge des 
mir zur Verfügung stehenden rezenten Materials, das ich vor allem der hiesigen zoologischen und ver- 
gleichend anatomischen Sammlung und dem Stuttgarter Naturalienkabinett, sowie der Güte von Herm Prof. 
Cori in Triest und R. Burckhardt in Basel verdanke, konnte ich von vornherein nicht hoffen, 
die natürlichen Schwierigkeiten der Bestimmung isolierter Haifischzähne zu überwinden. 
j Obwohl es bei der Menge und guten Erhaltung des fossilen Materials sehr verlockend war, den 
Versuch von Rekonstruktionen ganzer Gebisse zu machen und daraufhin eine Revision der beschriebenen 
fossilen Arten anzubahnen, stand ich bald davon ab, weil diese Rekonstruktionen größtenteils willkürlich 
geworden wären. Die Form der einzelnen Zähne bei einer Art wechselt ja nach der Stellung, womöglich 
auch nach Geschlecht und Lebensalter und anderseits sind sehr häufig einzelne Zähne ganz verschiedener 
Formen so gleichartig, daß sie nicht oder kaum zu unterscheiden sind. 

Es kann sich im folgenden deshalb fast nur um Mitteilungen über die Zahnformen, die im Mittel- 
eocän Ägyptens sich finden, um annähernde Bestimmungen und um Bemerkungen über die wichtigsten 
Literaturangaben handeln, um so einer künftigen Revision etwas die Wege zu ebnen. 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns. Bd. XVII. 21 


164 Ernst Stromer. [2] 


Da die Bezeichnungen der Orientierung der Zähne nicht gleichartig gebraucht werden, 
möchte ich hier meine Ausdrucksweise klarstellen: Die auf dem Palatoquadratum befindlichen Zähne 
nenne ich »obere«, die des Mandibulare »untere«. Der einzelne Zahn, also auch der obere, wird aber stets 
so gestellt gedacht, daß die Kronenspitze »oben«, die Wurzel »unten« ist. Gezählt werden die Zähne von 
der Medianebene aus. »Innen« gebrauche ich für lingual, »außen« für labial oder buccal, »vorn« für 
mesial, also für die der Symphyse zugewandte, »hinten« oder distal für die ihr abgewandte Seite. Von 
»Länge« ist in der Kieferlängsachse, also in mesiodistaler Richtung die Rede, von »Dicke« in labiolingualer 
Richtung und von »Höhe« in der Richtung von oben nach unten. Endlich unterscheide ich oben wie unten 
mittlere oder Symphysenzähne, vordere oder Frontalzähne, Lückenzähnchen und hintere oder Seitenzähne. 

Eine Zahnkrone steht »gerade« und ist bilateral »symmetrisch«, wenn sie nicht distalwärts geneigt 
ist, »aufrecht«, wenn sie nicht nach innen (lingual) gebogen ist. Wo nichts Besonderes bemerkt ist, habe ich 
die Kronenlänge außen unten gemessen, die Dicke auch unten und die Höhe in der Mitte der Außenseite, 
Einen senkrecht zur Vertikalachse gelegten Schliff nenne ich endlich einen »horizontalen«, den senkrecht zur 
Längsachse einen »queren«, den senkrecht zur Querachse einen »frontalen«, und unter »Medianschliff« ver- 
stehe ich einen in der Symmetrie-Ebene liegenden Querschliff. In Bezug auf die Benennung der ver- 
schiedenen Hartgebilde schließe ich mich endlich in der Hauptsache an Tomes (A Manual of dental 
Anatomy, 6. Edit., London 1904) an, da ich dessen Bedenken gegen Röses (Anat. Anzeiger, Bd. 14, Jena 
1898, S. 21 ff.) Einteilung mich nicht verschließen kann, bemerke aber, daß ıch im folgenden nur syste- 
matisch wichtige Merkmale hervorhebe und eine ausführliche Beschreibung der Mikrostruktur der Hart- 
gebilde und Stellungnahme zu dieser Frage mir vorbehalte. 


B. Squaloidei, Scylliidae. 
Taf. XV (III), Fig. 32, 33. 

Schon 1903, S. 3I, 32, habe ich Bedenken betreffs der Zugehörigkeit der kleinen ebenda, Taf. 1, 
Fig. 10, und von Dames (1883, Taf. 3, Fig. 9, 10) abgebildeten Zähnchen zu Odontaspis verticalis Ag. 
geäußert. Sie verstärkten sich, weil Odontaspis und die verwandten Genera in meinem Material vom 
unteren Mokattam und der Kurun-Stufe reichlich und auch in kleinen Lücken und Seitenzähnchen vertreten 
sind, die betreffenden Zähnchen sich aber nır im Uadi Ramli&h und zu Hunderten in der Kurun-Stufe 
fanden, ohne daß in der Größe und der Form der Wurzeln Übergänge dabei waren, und sie wurden durch den 
Nachweis einer regelmäßigen Pulpahöhle!) gerechtfertist. 

Bei den meisten Zähnchen ist die schlanke, gerade Krone etwas nach innen gebogen, außen ein 
wenig, innen deutlich gewölbt und die Wurzel unten kaum konkav, innen median stark verdickt und wie 
bei den Carcharidae mit einer deutlichen Vertikalfurche versehen und endlich unten innen so abgeplattet, 
daß eine Kante als obere Grenze dieser Fläche innen an der Wurzel ausgebildet ist. Bei einigen aus 
der Kurun-Stufe ist aber die Krone außen flach, nicht nach innen gebogen und die Wurzel nicht so dick, 
so daß sie sich von den gleich großen Zähnchen des Aprionodon frequens Dames fast nur durch die 
deutlichen Seitenspitzen unterscheiden. An sie schließen sich dann ebenda seitliche, zum Teil recht kleine 
Zähnchen an, bei welchen überdies die Krone meistens relativ länger und wenig bis etwas rückgeneigt ist 
(Taf. XV (III), Fie. 32 und 33). 

Da nach den Abbildungen von Müller und Henle (1841) Scyllkium Bürgeri anscheinend recht 
ähnliche Zähnchen hat, möchte ich die vorliegenden Zähnchen alle zu Scylliidae rechnen, kann aber nicht 
entscheiden, zu welchem Genus, da weder genügende Abbildungen noch Beschreibungen der Zähne der ver- 
schiedenen dazu gehörigen Formen mir zur Verfügung stehen, und da ich zum Vergleich nur Gebisse von 
Scyllium caniculus habe, dessen Zähne durch den außen unten stark konkav begrenzten Schmelz und die 
etwas divergierenden Seitenspitzen deutlich abweichen. 


!)Anmerkung: Es strahlen von ihr auf dem Horizontalschliffe die zahlreichen, sehr spitzwinklig sich ver- 
zweigenden Dentinröhrchen regelmäßig radiär aus, ihre feinsten, etwas geschlängelten Äste dringen zum Teil auch in 
die deutlich abgegrenzte und relativ dicke Schmelzschicht ein, wo sie gerade auf die Oberfläche zu verlaufen, ohne sie 
aber (nach dem Frontalschliffe) zu erreichen. 


[3] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 165 


Ich muß auch unentschieden lassen, ob all die Zähnchen zu einer Form gehören, und ob auch das 
1903, Taf. 1,Fig. II von mir abgebildete Zähnchen mit schlanker gedrehter Krone und unten konkaver Wurzel, 
zu dem ich kein Seitenstück fand und dessen Struktur ich nicht kenne, hieher zu rechnen ist. 

Von den von A. Smith Woodward (1891, S. 106) mit den vorliegenden Formen in Be- 
ziehung gebrachten Zähnchen scheinen mir die von Ofodus Mourloni Winkler (18So) und Odontaspis parvus 
Winkler (1876) echte Lamniden-Zähne zu sein, Ofodus minutissimus Winkler (1874) aber könnte hieher 
gehören. Nötling (1886, S. 3) allerdings wollte diese Zähnchen zu Odontaspis gracilis gerechnet wissen, 
wogeeen jedoch das Vorhandensem der Medianfurche auf der Innenseite der unten sehr wenig konkaven 
Wurzel spricht. Eine sichere Entscheidung gegen die Zugehörigkeit zuLamniden kann eben nur eine Unter- 
suchung der Struktur geben. 

Äußerlich ähnlich sind auch die ungefähr gleichalterigen, als vordere Seitenzähne von Synechodus 
eocaenus von Leriche (1902, S. 30, Taf. ı, Fig. 24) beschriebenen Zähnchen, deren Struktur wohl noch 
nicht untersucht ist. Ihre Krone ist aber gestreift, während bei all den vorliegenden der Schmelz glatt ist. 
Eine Ähnlichkeit mit weiteren anderwärts beschriebenen Zähnen konnte ich nicht finden und darf deshalb 
wohl annehmen, daß eine neue Art einesScylliiden vorliegt, gebe ihr aber natürlich bei dem dargelegten 
Stand der Kenntnisse keinen Namen. 


Scyliiolamnidae. 
Ginglymostoma Müller et Henle s. s. 


Ein schön präpariertes Kopfskelett eines erwachsenen G. Miülleri Günther (G. concolor Müller et 
Henle, non Rüppel) aus dem Roten Meere, das ich aus dem Stuttgarter Naturalienkabinett erhielt, ermöglicht 
mir, über das Gebiß des auch fossil vertretenen einen Subgenus von Ginglymostoma einige Bemerkungen 
zu machen. - 

Zunächst gaben Müller und Henle (1841, S. 23), die das Gebiß der Art abbildeten, nur zwei bis 
vier Nebenspitzen auf jeder Seite der Zahnkrone an, bei dem vorliegenden Exemplar sind aber vier bis 
fünf vorhanden, es wechselt also ihre Zahl ebenso wie bei G. cirratum, wo nach jenen (l. c.)in der Jugend 
drei, im Alter fünf bis sieben Spitzen sich finden. Dann bildete Nötling (1886, S. ı, Fig I, Iı a—c) einen vorderen 
unteren Zahn derselben Art ab, erwähnte aber wie jene nichts über den Unterschied der oberen und 
unteren Zähne und behauptete (l. c. S. 2), dafs die mittleren und seitlichen Zähne nicht zu unterscheiden 
seien, und endlich lassen die bisherigen Abbildungen die Wurzelhörnchen von vorn nicht sehen. 

Bei meinem Exemplar nun sind erstlich die seitlichen Wurzelecken von vorn, wenigstens bei den 
Zähnen des Unterkiefers, stets sichtbar und dann ist zu erwähnen, daß die Außenseite der Krone bald 
glatt, bald mit einer senkrechten Medianfurche oder mit mehreren vertikalen Furchen versehen ist, hierin 
also variiert. 

Im Unterkiefer sind die mittleren Zähne bilateral-symmetrisch, bei den immer kleiner werdenden 
seitlichen neigt sich aber zuletzt die Hauptspitze, neben der jederseits drei bis fünf Nebenspitzen sind, ein 
wenig nach hinten und der seitliche untere Kronenrand, der mesial wie bei den mittleren Zähnen ein 
wenig konkav ist, wird distal gerade, 

Am Oberkiefer sind die mittleren Zähne ein wenig kleiner, ihre Krone ist niederer, denn ihr Unter- 
rand ist median weniger konvex als bei den unteren Zähnen, und jederseits sind vier bis fünf Seitenspitzchen vor- 
handen. Bei den seitlichen Zähnchen neigt sich die Hauptspitze wie unten etwas nach hinten, aber die seit- 
lichen Unterränder der Krone sind jederseits konkav und median ist der Rand nach unten konvexer als bei 
den vorderen Zähnen. 

Es lassen sich also die seitlichen Zähne sehr wohl von den mittleren unterscheiden und auch die 
unteren einigermaßen von den oberen. Um auch von den Größenverhältnissen einige Daten zu geben, füge 
ich noch an, daß bei einer Schädellänge von 172 mm die Krone eines unteren Vorderzahnes 6:2 mm lang 
und 5 mm hoch ist, die eines oberen 6'I mm lang und nur 4°2 mm hoch. 

Was die Struktur der Zähne anlangt, so ist nach einem Medianschliff senkrecht zur Kante unten 
eine ungefähr dreieckige Höhlung zu sehen, also eine kleine Pulpahöhle; darüber aber ist das Innere der 


AN 


166 Ernst Stromer. [4] 


Krone erfillt von regellosem Osteodentin. Die randlichen Kanäle sind jedoch der Oberfläche ziemlich parallel 
und von ihnen laufen zahlreiche spitzwinklig sich verzweigende Dentinröhrchen senkrecht gegen sie aus, 
so daß das Osteodentin von einem Mantel von regelmäßigem Dentin umgeben erscheint. Der Schmelz 
endlich, der im oberen Teile der Krone ziemlich dick wird, ist wie meist bei den Haien nicht scharf abzu- 
grenzen, indem in ihn die feinsten Ausläufer der Dentinröhrchen senkrecht zur Oberfläche eindringen. 
Endlich ist noch zu erwähnen, daß die Zähnchen in sehr vielen Querreihen dicht nebeneinander 
stehen und daß die Aufrichtung der Kronen allmählich erfolgt, daß aber nur eine bis zwei Längsreihen 
funktionieren, und zwar wahrscheinlich nur insofern, als die vielen Haupt- und Nebenspitzchen ein Fest- 
halten glatter Beutetiere ermöglichen, denn zum Zerreißen oder Zerreiben eignet sich das Gebifs nicht, 


Ginglymostoma Blanckenhorni Stromer. 
Taf. XV (III), Fig. 28231. 


Der von mir (1903, S. 34, 35, Taf. ı, Fig. 6) beschriebene Zahn ist wahrscheinlich ein Mittelzahn 
des Unterkiefers. Jetzt liegen mir etwa 60 in Größe und Form dazu gehörige (St., wenige Fr. und M.) vor, 
die alle aus dem untersten Mokattam unter der Tingije Moschee bei Kairo stammen. 

Die Außenseite der Krone ist bei ihnen wie bei den rezenten von G. Miülleri bald glatt, bald mit 
einer oder mehreren Vertikalfurchen versehen, fast nie sind aber die seitlichen Unterränder, die bei den 
meisten Mittelzähnen kaum konkav sind, wie bei dem Originalexemplar nach außen vorgewölbt. Die bei 
der genannten rezenten Art ziemlich flache Außenseite der Krone ist übrigens bei der Mehrzahl der seit- 
lichen Zähne in der Vertikalrichtung etwas konkav und bei allen ist die Mittelspitze relativ schwach, Obere 
und untere Zähne sind kaum zu unterscheiden, nur dürften die mit seitlich konkaven Unterrändern ver- 
sehenen Vorderzähne dem Unterkiefer, die mit geraden Rändern (Taf. XV (III), Fig. 28) dem Oberkiefer angehören. 

Bei den seitlichen Zähnen ist der mesiale Unterrand stets konkav, der distale aber ziemlich gerade. 
Die Hauptspitze ist relativ noch schwächer und neigt sich bei den kleineren deutlich nach hinten und zu- 
gleich werden die oberen Kronenränder unsymmetrisch, indem der distale gerade bleibt, der mesiale aber 
länger und konvex wird und mehr Spitzen als der distale bekommt (Taf. XV (II), Fig. 29—31). 

Es ist demnach bei allen Zähnen konstant die Krone mit einer schwachen Hauptspitze und vielen 
Nebenspitzen versehen und ihr Unterrand ist median stark nach unten konvex. Bei den Mittelzähnen sind 
außerdem die oberen Seitenränder stets gerade und bei den seitlichen werden nur die mesialen konvex. 

Wie groß die Art gegenüber der rezenten wurde, geht daraus hervor, daß ein noch fast symme- 
trischer Seitenzahn (St.) eine 15 mm lange, ı3 mm hohe Krone hat. Erwähnenswert ist aber, daß aus 
der Kurun-Stufe des Fajum ein Mittel- und vier Seitenzähnchen (St., M.) vorliegen, die alle recht klein sind, 
sonst aber, außer durch größere Länge der Krone anscheinend nicht von den beschriebenen sich unter- _ 
scheiden. Da sie jedoch alle schlecht erhalten sind, kann ich sie nicht näher bestimmen. Zugehörige Wirbel 
sind leider nicht unter meinem Material zu finden. 

Von den bisher beschriebenen Ginglymosztoma-Arten ist mir unter den rezenten leider nur G. Müller: 
dem Gebisse nach bekannt. Die vorliegende Form unterscheidet sich davon vor allem durch die schwache 
Mittelspitze aller Zähne, ebenso auch unter den fossilen von G. serra Leidy sp. (1879, S. 250, Taf. 34, 
Fig. II—14), zu dem nach den obigen Ausführungen über die Form der Seitenzähne Acrodobatis obliquus 
Leidy. (l. c.) als synonym zu rechnen ist, sowie von G, Miqueli Priem (1904, S. 288, Fig. 35) und von 
G. minutum Forir (1887, S. 35, Taf. 2, Fig. 2, 3); von letzteren unterscheidet übrigens auch die größere Zahl 
und geringere Größe der Seitenspitzen. Bei G. Zhielense Winkler sp. (1874, S. 301, Taf. 7, Fig. 5, Nötling, 
1886, S. 1—3, Fig. 2, 3), wo die Hauptspitze eher noch schwächer ist, sind die oberen Seitenränder der 
Krone etwas konvex, der Unterrand aber viel breiter konvex und bei G. irilobatum Leriche (1902, S. 19, 
Taf. ı, Fig. 30) scheinen, soweit die schlechte Abbildung etwas zu sehen erlaubt, die Krone niederer, ihre 
Hauptspitzen stärker und ihre Seitenränder konvex zu sein. 

Ginglymostoma ist demnach in mehreren zum Teile verhältnismäßig großen Arten im Mittelmeere, 
wo es jetzt nicht mehr vorkommt, und im’ mittleren Atlantischen Ozean schon zur Eocänzeit vertreten, in 


[5] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 167 


einer Art, G, minutum Forir, sogar schon zur Zeit der obersten Kreide. Leider sind die Wirbel dieser fos- 
silen Formen unbekannt; ihre Untersuchung böte insofern Interesse, als Hasse (1882, S. 193 ff.) das Genus 
für das jüngste in der von ihm aufgestellten Familie der Scylliolamnidae erklärte. Was aber die Zähne 
anlangt, so unterscheiden sie sich in bemerkenswerter Weise von den im Tertiär und der Jetztzeit meist 
verbreiteten Formen der Haifischzähne der Lamniden und Carchariden durch die geringe Entfaltung der 
Wurzelhörner, indem die Krone auf einer niederen, flachen, wie sie nach innen verbreiterten Basis aufsitzt. 
Sie gleichen hierin älteren Zahnformen der Haifische (siehe Jaekel, 1898, S. 146!) und sind auch in der 
Ausbildung einer Hauptspitze mit beiderseits kleiner werdenden Nebenspitzen mesozoischen Haifischzahn- 
formen wie Synechodus-, Hybodus- und auch manchen Notidanus-Zähnen ähnlich, 

Ihre Struktur, die bei G. Blanckenhorni genau dieselbe ist wie bei G. Mülleri, rechtfertigt übrigens 
die Trennung von den Scylliidae, wo in der Krone kein Osteodentin vorhanden ist (Agassiz, 1843, S. 301, 
Taf. N, Fig. I, 2). Sie gleicht in der Krone fast völlig derjenigen von Acrodus (Owen, 1840, S. 54, 55, 
Taf. 14, 15, 16, Fig. 2); da aber zum Unterschiede von dieser und verwandten Formen in der Basis eine 
kleine Pulpahöhle vorhanden ist, nehmen die Zähne eine vermittelnde Stellung zwischen beiden Struktur- 


formen ein. 
Lamnidae. 


Aus dem untersten Mokattam bei Kairo und aus der Birket-el Kurun-Stufe des Fajum liegen mir 
Hunderte trefflich erhaltener Zähne dieser im Tertiär so reich entwickelten Familie vor, einige auch aus dem 
Kalke des weißen (unteren Mokattam) ohne genaue Niveauangabe (M., aus der Zittelschen Sammlung), andere 
aus den Mergeln des Uadi Ramlieh (Stromer, 1903) und endlich auch aus der Knochenschicht der Kasr- 
es Sagha-Stufe des Fajum. Ein brauchbares äufseres Merkmal der oft recht schwierigen Unterscheidung 
dieser Zähne von denjenigen gleichzeitig vorkommender Angehöriger anderer Familien scheint mir die sehr 
geringe Größe der Gefäßeintritte in die Wurzel zu sein, während speziell bei Carchariden anscheinend 
immer eine deutliche vertikale Medianfurche diese Stelle bezeichnet. 


Oxyrhina. 


Aus der hiesigen zoologischen Sammlung habe ich zwei Gebisse einer Oxyrhina glauca vor mir, 
deren Zähne auch Müller und Henle (1841) abbildeten, aber anscheinend nach einem jungen Exemplar, 
denn es sind statt 13—14 Zähnen nur I2: II vorhanden und außerdem scheint bei ihm unten vorn die Be- 
 zahnung nicht ganz normal zu sein. Bemerkenswert ist, daß sich bei dieser Art die Krone des 2, bis 4. 
oberen und 2. und 3. unteren Zahnes mehr nach hinten neigt als die der seitlichen Zähne, während der 
vorderste untere Zahn ein wenig, der obere etwas in dieser Richtung geschwungen ist. 

Nach Eastman (1894, S. 186, 187) sollen sich die Zähne dieser Art nicht von denjenigen der 
anderen rezenten 0. gomphodon — Spalanzanii unterscheiden. Nach der Abbildung in Agassiz (1843, 
Taf. G, Fig. 2) sind aber die Zahnkronen bei letzterer deutlich länger und an den Frontalzähnen nicht 
so seitlich geschwungen wie bei ©. glauca, doch vermitteln die Zähne von 0. gomphodon in Müller und 
Henle (1841) in letzterer Beziehung. Bei beiden Arten sind übrigens, ebenfalls in Widerspruch mit der An- 
gabe von Eastman (I. c.), stets die ersten zwei Zähne ziemlich gleich groß und unten ist, wie ein so 
feiner Beobachter wie Probst (1879, S. 128, 129) in seiner guten Charakteristik des Oxyrhina-Gebisses 
schon bemerkte, der erste Zahn eher kleiner als der zweite. Endlich ist auf die Angaben von Alessandri 
(1902, S. 298) und anderen zu verweisen, daß manchmal neben der Krone einiger Zähne Seitenspitzen wie 


bei anderen Lamniden vorhanden sind, was natürlich die Bestimmung isolierter Zähne sehr erschwert. 


:Oxyrhina cfr. Desori Ag. 
Taf. XV (II), Fig. 15—18. 
Priem (1897, S. 215, Taf. 7, Fig. 5, 6, und 1899 S. 243, Taf. 2, Fig 5, 6) beschrieb einige 
Seitenzähne aus dem unteren Mokattam und erwähnte (1899, S. 246) einen fraglichen aus dem oberen und 
ich beschrieb (1903, S. 30, Taf. I, Fig. 13—15) einige dazugehörige Zähne aus dem Uadi Ramlich, 


168 Ernst Stromer. [6] 


Dames (1883) aber erwähnte einige von Prof. Schweinfurth auf der Kurun-Insel gesammelte Zähne (B.) 
nicht. Sie hat Prof. Jaekel auf der Etikette als Typen einer neuen Art O. aegyptiaca bezeichnet, aber 
auch zuCarchariden gehörige Zähne und einen zu einer abweichenden Oxyrhina-Art gehörigen, aus dem 
Eocän Ägyptens (B. coll. Eilemann 1883, ohne Fundortsangabe) dazugerechnet. 


Mir liegen acht gut erhaltene Oxyrhina-Zähne der Zittelschen Sammlung (M.) aus dem unteren 
Mokattam und 17 weitere (St, M, und Fr.), sicher aus dem untersten Mokattam bei Kairo stammend, vor. 
Einige davon gleichen genau den Originalen von Priem, andere auch den von mir aus dem Uadi Ramlich 
beschriebenen, keine aber den dort in Fig. I3 und 14 abgebildeten. Dagegen ist ein oberer Frontalzahn 
(St.) dabei, dessen nach innen geschwungene, aber kaum seitlich geneigte Krone länger und innen weniger 
gewölbt ist als bei dem nur wenig kleineren Original von Fig. 14, so daß er sehr Fig. ı, Taf. 2 in 
Probst (1879) gleicht. 


Unter den sehr zahlreichen Oxyrhina-Zähnen aus der Kurun-Stufe (St., M., wenige B.) sind all die 
erwähnten Formen vertreten, bemerkenswerterweise aber kein so großer Zahn, wie der von mir 1903, 
Fig. ı5 abgebildete, dafür aber größere Exemplare der Form von Fig. 14, wovon der größte eine Kronen- 
höhe von 30, Länge von 15'5 und Dicke von 9 mm hat. 


Die meisten all dieser Zähne lassen sich nun wohl unter Oxyrhina Desori Ag., die von Nötling 
(1884 S. 5o ff, Taf. 3) als O. xiphodon bezeichneten mit inbegriffen, zusammenfassen, es sind aber einige 
Bemerkungen zu machen. 


Zunächst sind unter den Frontalzähnen mehrere mit kaum nach innen gebogener Krone, nach Analogie 
der rezenten O0. glauca obere, unter den seitlichen Zähnen haben aber im Gegensatz zu den Zähnen dieser 
Art fast alle beiderseits abgestutzte, unten nur wenig konkave Wurzeln und nur ein Teil hat gerade- 
stehende Kronen, ein anderer etwas rückgeneigte. 


Bei der miocänen Oxyrhina hastalis, nach Alessandris Abbildung (1896, Taf. ı, Fig. 1), sind aber 
sogar an Frontalzähnen die Wurzeln ebenso entwickelt und bei der rezenten ©. Spalanzanii nach Agassiz’ 
zitierter Abbildung an den seitlichen Zähnen auch ähnlich, und bei ihr sind die Kronen der oberen Seiten- 
zähne, bei O. glauca wenigstens die des zweiten bis vierten oberen und dritten unteren Zahnes etwas 
rückgeneigt, so daß also hier nichts Besonderes vorliegt. 


Nun finden sich aber unter den Seitenzähnen mit abgestutzten Wurzelenden, aber nur unter den- 
jenigen aus der Kurun-Stufe und dem Uadi Ramlieh auch solche, deren Krone nicht nur rückgeneist, son- 
dern durch Konvexität des mesialen und Konkavität des distalen Randes eben bis etwas rückgebogen ist, 
während bei den anderen Seitenzähnen diese Ränder fast gerade sind. Sie sind bis zu ganz kleinen 
herunter vertreten (Taf. XV (III), Fig. 15—ı8) und die größten (Fig. 15) besitzen auch eine relativ längere 
Krone als die anderen, gleichen also Fig. 4 in Nötling (1884, Taf. 3) und Nr. S und 9 in der ge- 
nannten Abbildung in Alessandri, oder Fig. 18, 19, Taf. 2, in Probst (1879), welch letztere zu Oxy- 
rhina hastalis gehören sollen. 


Das Fehlen solcher Formen bei den zwei rezenten Arten und unter dem allerdings nicht großen 
Material aus dem Kalksteine des unteren Mokattam spricht nun allerdings dafür, daß hier eine zweite 
fossile Art vertreten ist; ich kann aber unter den Frontalzähnen keine klare Trennung zu Wege bringen, 
begnüge mich also mit der Konstatierung des Vorkommens dieser Zahnformen, 


Während bei all diesen Zähnen die Außenseite der Kronen ganz schwach oder nicht gewölbt ist, 
hat der oben genannte Seitenzahn bei O. aegyptiaca (B. coll. Eilemann), der seiner Erhaltung nach aus 
dem weißen Kalkstein des unteren Mokattam stammt, eine etwas konvexe Außenseite und gleicht bis auf 
den etwas konkaven Unterrand der Wurzel den aus dem Eocän von Carolina stammenden Zähnen von 
Oxyrhina Sillimani Gibbes (1849, S. 202, Taf. 27, Fig. 165—-168). 

Außerdem liegen mir dann noch Formen vor, wiesie Gibbes |. c. Fig. 162 und 164 als O. minuta 
Ag. abbildete. Erstere sollen aber unter Alopecias besprochen werden und letztere gehören zu Carchariden. 
Die Originale der genannten Art von Agassiz jedoch sind meiner Ansicht nach alle unbestimmbar. 


[7] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 169 


? Alopecias, Müller et Henle, 
Taf. XV (IID, Fig. 19—23. 

Agassiz (l.c.S. 87) erwähnte von den Zähnen dieses Genus nur, daß sie schwer von Oxyrhina- 
Zähnen zu unterscheiden seien und Probst (1879, S. 139 ff.) hat auch zum Teil Oxyrhina-Zähne fälschlich 
dazu gerechnet. Er betonte nur die Gleichartigkeit der Zähne, die alle schief zur Basis gestellte Kronen 
haben sollen, was den Angaben und der Abbildung in Müller und Henle (1841, S. 74) direkt wider- 
spricht. Der eine von ihm abgebildete Zahn seines Alopecias acuarius (l. c. Taf. 2, Fig. 6), der fast völlig 
einigen bei Aprionodon frequens Dames zu erwähnenden mit Pulpahöhle versehenen Zähnchen gleicht, 
hat aber eine gerade Krone, ebenso wie die Zähne seines Alopecias gigas, er legte also selbst keinen Wert 
auf dieses Merkmal. 

Nötling endlich gab (1384, S. 345-348) zwar eine sehr genaue Beschreibung des oligocänen 
Alopecias Hassei-Zähnchens, das vollkommen einem rezenten Alopecias-Zähnchen gleichen soll, den von 
Probst hieher gerechneten aber ganz unähnlich ist. Ich habe nun leider kein rezentes Vergleichsmaterial, 
um die Widersprüche entscheiden zu können, und muß mich deshalb an die Beschreibung und Abbildung 
in Müller und Henle halten, die nach einer gütigen Mitteilung des Kustos am Berliner zoologischen 
Museum Herrn Dr. Pappenheim ganz richtig ist. Auch er betont, dafs die Krone der vorderen Zähne 
sich fast gerade stellt, hebt aber zugleich hervor, daß sie nie ganz symmetrisch wird. Danach sind also die 
geraden Vorderzähne von den rückgekrümmten seitlichen deutlich verschieden und zu den letzteren könnte 
das Zähnchen von Alopecias Hassei Nötling sehr wohl gehören. 

Ihnen gleicht nun wieder das von mir (1903, Taf. ı, Fig. 12), abgebildete Zähnchen aus dem Uadi 
Ramlich, welches ich (l. c. S. 34) zu Aprionodon frequens Dames rechnete, wie ja auch unter den von 
Dames zu dieser Art gestellten Zähnchen von der Kurun-Insel (B.) ein solches sich befindet, das aber von 
Herrn Prof. Jaekel nachträglich auf der Etikette zu Aypoprion gerechnet wurde. Außerdem habe ich 
jedoch aus der Kurun-Stufe einige Dutzend solcher Zähnchen (St., M.).nebst Übergängen zu solchen mit 
relativ kürzerer Krone und zu Vorderzähnchen mit gerader und meist relativ kurzer Krone, die ganz dem 
von Gibbes (1849, Taf. 27, Fig. 162) als Oxyrhina minuta Ag. abgebildeten Zahn aus dem Eocän von 
Süd-Carolina gleichen. (Taf. XV (II), Fig. 19—23.) 

Falls sie alle, wie mir sehr wahrscheinlich ist, zusammengehören, sind es Vorder- und Seitenzähne 
und die Verschiedenheit in der Kronenlänge deutet dann auf Unterschiede von oberen und unteren Zähnen, 
Sie sind sämtlich klein (Kronenhöhe des größten 14, Länge 12 mm) und haben keine Pulpahöhle, sondern 

' bestehen aus Osteodentin. Ihre Wurzel ist unten, besonders an den vorderen Zähnen, stets deutlich konkav, 
nie winklig oder fast gerade, ihre Enden sind mehr oder weniger spitz und außen ist sie nieder und 
flach, innen höher und gewölbt, aber nie besonders verdickt oder mit einer Kante oder Furche versehen. 
Der glatte Schmelz der Krone ist unten gerade bis etwas konkav begrenzt und springt außen nicht über 
die Wurzel vor. Die Krone ist stets niederer als die Wurzel lang ist, bei Vorderzähnen aber wenigstens 
höher als lang, außen fast flach, innen mäßig gewölbt und immer weniger dick als lang. Ihre scharfen, 
glatten Seitenränder verlaufen unten nicht, auch finden sich nie Seitenspitzen angedeutet. Die niemals nach 
außen oder innen gebogene Krone ist an den Vorderzähnen gerade und wird bei seitlichen immer mehr 
rückgebogen. 

Die äußere Ähnlichkeit dieser Zähnchen mit denjenigen von Alopecias vulpes nach Müller und 
Henles Abbildung und Beschreibung veranlaßt mich, sie alle zu Alopecias zu rechnen, natürlich nur mit 
größtem Vorbehalt, weil das von Nötling (1884, S. 347) für besonders charakteristisch gehaltene Merk- 
mal, das Vorspringen der Außenseite der Krone, für sie nicht zutrifft und weil die von mir dazugerech- 


neten Vorderzähne symmetrisch sind. 


Odontaspis, Lamna und Otodus. 
Taf. XV (III), Fig. 13, I4, 24—27. 
Außer einem Gebiß eines stattlichen Odontaspis ferox und einer Lamna cornubica aus der 
Privatsammlung Herrn Prof. Burckhardts habe ich noch zwei unter sich und von letzterer Art ver- 


170 Ernst Stromer. [8] 


schiedene Gebisse rezenter Zamna-Arten aus der hiesigen Sammlung und glaube auf Grund dieses 
Materiales im Vergleich mit den Abbildungen und Beschreibungen in Müller und Henle (1841), Agassiz 
(I. c. S. 287—288, Taf. G, Fig. 1, 1a—d) und Probst (1879, S. 143, 144) einige Bemerkungen über die 
rezenten Gebißformen machen zu dürfen. 

Bei Odontaspis ferox und taurus ist nur die Krone einiger vorderer Seitenzähne ein wenig distal- 
wärts geneigt und bei den drei Zamna-Gebissen nur diejenige einiger neben dem oberen Lückenzahn be- 
findlicher Seitenzähne und des zweiten oberen Frontalzahnes, nie aber ist die Krone rückgebogen. Bei allen 
drei Lamma-Gebissen springt ferner der Unterrand der Krone außen staffelförmig vor, wie es Nötling 
(1884, S. 24) für Alopecias als charakteristisch angab, bei dem Gebiß von Odontaspis ferox ist dies aber 
nur an wenigen Zähnen der Fall. Endlich ist die Wurzel bei allen stets unten deutlich konkav, aber auch 
dies ist kein konstantes Merkmal, denn nach der Figur in Müller und Henle (1841) ist die starke Aus- 
bildung von Wurzelhörnern bei den seitlichen Zähnen von Odontaspis faurus und nach Taf. G, Fig. 3, in 
Agassiz auch bei Lamna cornubica nicht vorhanden. 

Wie groß übrigens die Schwierigkeit der Bestimmung isolierter Zähne dieser Genera ist, geht am 
besten daraus hervor, daß Zamma elegans Ag. von Smith Woodward (1889, S. 361) als Odontaspis 
bezeichnet wurde und daß Leriche (1902, S. IQ) die Zähne von Otodus obliquus Ag. als Seitenzähne 
dazurechnen zu dürfen glaubte. 

Aus der Kurun-Stufe beschrieb Dames (1883, S. 145, Taf. 3, Fig. 8) Zähne als Odontaspis verti- 
calis Ag. — Die fälschlich von ihm (1883, S. 145—146, Taf. 3, Fig. 9, 10) und mir (1903, S. 3I, 32, 
Taf, ı, Fig. 10, 11) dazugerechneten kleinen Zähnchen sind schon oben S. 164 unter Scylliidae besprochen — 
und Priem (1897, S. 213, Taf. 7, Fig. 4) wollte dieselbe Art auch im unteren Mokattam konstatieren, 
Jaeke! (1895, S. 31) errichtete aber auf die Originale von Agassiz ein neues Genus Aypotodus. 

Zunächst ist nun festzustellen, daß die Originale von Dames gut mit den von! Agassiz (l.c. 
S. 294, Taf. 37a, Fig. 31, 32) beschriebenen Zähnen übereinstimmen und daß sich unter dem Material aus 
der Kurun-Stufe (St., M.), dem unteren Mokattam aus der Zittelschen Sammlung (als Olodus aegyptiacus 
Zittel bezeichnet) und dem untersten Mokattam (St., M., Fr.) völlig übereinstimmende Zähne befinden, Der 
von Priem abgebildete Zahn hat aber eine höhere Wurzel und eine längere, relativ niedere Krone, gehört 
also nicht dazu, wohl aber der eine von ihm (l. c. Taf. 7, Fig. 2) als Zamna Vincenti Winkler bezeichnete 
Zahn, denn auch die Originale von Dames weisen Andeutungen von zweiten Nebenspitzchen auf, fast alle 
der von mir hieher gerechneten Zähne aus dem untersten Mokattam haben auch je zwei Nebenspitzchen, 
und schon Agassiz, wie neuerdings Alessandri (1902, S. 296, Anm.), betonte die Variabilität 
solcher Gebilde. 2 

Bei Vergleich der zitierten Abbildung und Beschreibung von Agassiz mit den rezenten Zamna- 
Zähnen sehe ich nun, wie Smith Woodward (1891, S. 106), keinen Grund zu einer generischen Trennung 
von Lamna und finde weder eine Berechtigung dafür, daß Jaekel l. c. von einer kegelförmigen Krone der 
Vorderzähne sprach, nachdem diese doch eine nur ganz wenig gewölbte Außenseite haben (Agassiz|.c. 
Fig. 31a, 32), noch auch dafür, daß er derartige Seitenzähne wie l.c. Fig. 8, zu seiner neuen Art rechnete, 
Ich kann nach Analogie der rezenten Lamma-Gebisse aus meinem Material Zahnreihen bis zu Seitenzähnen 
von ziemlich geringer Größe aufstellen und finde nur, daß die Seitenspitzen größer als bei Zamna sind. 
Da sie aber nicht so groß sind wie bei Odontaspis und auch die Zahnkronen nicht so schlank, an den 
Vorderzähnen nicht so geschwungen und außen nicht so gewölbt sind wie bei ihm, rechne ich sie alle zu 
Lamna, und zwar zu verticalis Ag., obwohl die Kronen innen zwar deutlich gewölbt, nie aber besonders 
dick sind. j 

Der von Smith Woodward (1891, Taf. 3, Fig. 2) dazu gerechnete Zahn unterscheidet sich 
durch größere Länge der Krone und der Seitenspitzen und gleicht hierin den als Zamna Vincenti Winkler 
von Priem abgebildeten Formen (1897, Taf. 7, Fig. 1, 1899, Taf. 2, Fig. 2) vom unteren Mokattam und 
dem Plateau von Gizeh bei Kairo. Eben solche Zamna-Zähne liegen mir aus dem untersten Mokattam 
(St., M.) (Taf. XV (II), Fig. 24) wie aus der Kurun-Stufe (St., M.) in ziemlicher Anzahl vor. Sollte übrigens 
Winkler, der allerdings meistens das Unrichtige erraten hat, (1878, S. 25, Taf, 2, Fig. 9, Io) Seiten- 


[9] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 171 


zähne mit etwas rückgebogener Krone mit Recht dazugerechnet haben, so sind auch sie zahlreich vor- 
handen. (Taf. XV (III), Fig. 25.) 


Dames beschrieb ferner aus der Kurun-Stufe zwei Zähne, wovon er einen abbildete (1883, S. 145, 
Taf. 3, Fig. 6 a, b), als Ofodus obliquus Ag., sie unterscheiden sich aber von den Typen von Agassiz 
durch ihre spitzigen Seitenzacken. Aus der Kurun-Stufe liegt mir eine ziemliche Menge solcher Zähne 
vor (St., M.), die teils etwas größer, teils auch kleiner sind und alle eine lange, nicht dicke, etwas bis 
deutlich rückgebogene Krone besitzen, zum Teil aber keine zweite Nebenspitze haben. 


Den größeren schließt sich vollkommen die von mir (1903, S. 32, 33, Taf. ı, Fig. 8) unter Lamna 
macrofa Ag. aus dem Uadi Ramliöh beschriebene Zahnform an, bei welcher auch jederseits nur eine 
Nebenspitze vorhanden ist, und sie leitet über zu Frontalzähnen, deren Nebenspitze jedoch schlank ist. 
Ihre geradestehende Krone ist aber auch relativ lang, außen ganz wenig, innen nur etwas gewölbt und 
auch nicht oder kaum nach innen geneigt (St., M.), die Seitenspitzen erheben sich direkt neben deren 
Basis und die wohlentwickelte Wurzel ist unten deutlich konkav (Taf. XV (II), Fig. 13, 13 a). 


Auch vom untersten Mokattam ist übrigens eine ganze Anzahl solcher Frontal- und Seitenzähne 
vorhanden (St., M., Fr.). Aber selbst die größten unter diesen Zähnen sind kaum halb so groß als die 
Otodus obligwus-Zähne (Ag. l. c. Taf. 31, Fig. 1-14, Taf. 36, Fig. 22—27, und Alessandri, 1902 ua, 
Taf. ı2, Fig. ı—6), die Krone der Frontalzähne ist schlanker und die Nebenzacken sind fast immer 
schwächer und spitzer. Da Zamna macrota Ag. nach Smith Woodward (1899, S. 9) auf der Innen- 
seite der Krone Streifung zeigt, die hier fehlt — es sind nur manchmal Furchen und Risse vorhanden — 
und die Seitenspitzen dort auch stumpfer sind, kommt diese Art, die Leriche, wie erwähnt, mit Odon- 
taspis elegans Ag. vereinigt, auch kaum in Betracht, und Zamna compressa Ag. endlich hat bis auf die 
Ag, l. c. Taf. 37a, Fig. 37, abgebildete Form kürzere Kronen. 

Zittel hat nun auf einen zu den vorliegenden Formen gehörigen Seitenzahn vom unteren Mokattam 
(Taf. XV (III), Fig. 14) mit exzeptionell hohen Nebenspitzen, der sehr einem von Alessandri (I902a, 
S. 450—454, Taf. ı2, Fig. 7, 8) zu Lamna Vincenti Winkler gerechneten Zahn aus dem Unteroligocän 
Italiens gleicht, handschriftlich eine neue Art Ofodus Aschersoni gegründet, und es ist wohl das einfachste, 
darunter all die genannten Zähne aus der Kurun-Stufe, dem Uadi Ramlith und dem unteren Mokattam 
vorläufig zusammenzufassen, bis glückliche Funde vollständiger Ofodus-Gebisse die so nötige Revision der 
beschriebenen fossilen Formen erlauben. 

Priem (1899, S. 243, Taf. 2, Fig. 7) erwähnte einen im Schutt des unteren Mokattam gefundenen 
Zahn als Odontaspis elegans Ag. und in der Tat scheint er sich von den typischen Formen nur durch 
seine seitliche Biegung zu unterscheiden. Auffälligerweise ist jedoch unter meinem großen Material 
keiner, der wie bei dieser Art innen an der Krone sehr viele und sehr feine Vertikalstreifen hat. Viele 
zeigen allerdings die von mir (1903, S. 32, Taf. ı, Fig. 9) beschriebenen Rillen, die in unregelmäßigen 
Abständen bald unten, bald höher oben beginnend manchmal bis fast zur Spitze laufen und bei den 
herausgewitterten Zähnen aus dem Uadi Ramliöh und Fajum als Furchen erscheinen, an den aus dem 
Kalke des Mokattam herauspräparierten aber doch als ursprüngliche Risse sich erweisen. Es sind übrigens 
auch die Seitenspitzen bei ihnen stärker als bei den typischen O0. elegans-Zähnen. 

Das Original von Uadi Ramlieh zeichnet sich ferner dadurch aus, daß die Innenseite der relativ 
langen Krone an der Stelle der stärksten Wölbung abgeflacht ist, worin zahlreiche Zähne vom untersten 
Mokattam und der Kurun-Stufe (St., M.) ihm gleichen. Bei vielen ist auch die Krümmung der Krone 
nach innen recht schwach. Wahrscheinlich dürfte also in ihnen Odontaspis crassidens Ag. in der ihm von 
Smith Woodward (1889, S. 373) gegebenen Fassung vertreten sein. 

Sowohl in dem untersten Mokattam (Taf. XV (III), Fig. 26) wie in der Kurun-Stufe sind aber ebenso 
große Odontaspis-Zähne nicht selten, deren Krone ein wenig kürzer und innen nicht abgeplattet ist (St., M., Fr.). 
Die kleinen spitzkonischen Seitenspitzen sind bei ihnen nicht selten von je einem kleineren begleitet, die 
Zähne entsprechen demnach eher Odontaspis cuspidata Ag. (l. c. S. 290, Taf. 37a, Fig. 43—50). Das 
Odontaspis Abattei genannte Zähnchen endlich (Priem 1899, S. 246, 247, Taf. 2, Fig. 26), dessen Ab- 


22 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns. Bd. XVII. 


172 Ernst Stromer. [10] 


bildung leider sast nichts erkennen läßt, dürfte ein Lückenzähnchen einer der Zamna- oder Odontaspis- 
Arten sein, wie mir solche auch vereinzelt vorliegen (Taf. XV (III), Fig. 27). 


Carcharodon. 
Taf. XV (IN), Fig. ı—ı2. 


Agassiz (l. c.S. 9I, 245, 246, Taf. F, Fig. 3, 3 a—c) hat die Zähne der einzigen noch Jebenden 
Art Carcharodon Rondeleti Müller et Henle, die er einmal C. Smithii, dann C. lamia nennt, beschrieben 
und abgebildet und ich habe außer den linken Kiefern dieser Form aus der hiesigen Sammlung ein 
prächtiges Gebiß eines im Golf von Salerno gefangenen 55 m langen Tieres aus der Privatsammlung 
des Herrn Prof. Burckhardt zum Vergleich, kann also einiges zur Charakteristik des Gebisses 
bemerken. 


Zunächst möchte ich einige Maße angeben: 
Krone in mm. 
hoch lang 


Erster Zahn unten (M.) . . — 21 
» » » (Salerno). 30'5 23-25 
» >») Foben (MM. 2 2 238 7209i5 
® » > (Salerno) 36 36—-36,5 
Dritter >» > (Mo) a. Ba 2 


» » »  (Salerno). 24'5—25 26'5 

Es schwanken danach die Größenverhältnisse der Zähne etwas und vor allem ist bei dem Exemplar 
von Salerno der dritte obere Zahn relativ viel kleiner als nach der Abbildung von Agassiz, wobei das 
Münchner Exemplar vermittelt, es ist ferner auch die Kronenbasis des ersten und zweiten oberen Zahnes 
bei dem ersteren länger als in der genannten Figur 3. 

Im übrigen kann ich die Angabe von Storms (1901, S. 262), daß oben die ersten sechs Zähne 
allmählich, die weiteren rasch an Größe abnehmen, und dafs sie erst vom vierten an ein wenig schiefe 
Kronen haben, ebenso daß unten die ersten fünf etwas abnehmen, die weiteren aber rasch sehr klein 
werden, nur bestätigen, ich finde aber unten den zweiten Zahn nur bei dem Münchner Exemplar etwas 
stärker als den ersten und die hintersten drei durch schlankere Kronenspitzen von den oberen hintersten 
Zähnen verschieden, Es zeigt das letztere ja auch die Abbildung in Agassiz, die zugleich erkennen 
läßt, daß unten die Kronen stets gerade stehen. 

Erwähnenswert ist auch ein Schwanken in der Zahl der Zähne, die nach Müller und Henle 


13 


und nach der Figur in Agassiz 


(1841, S. 70) — nach Günther (S. 392) beträgt, Sie ist 


I2 
1u3t 


12—I & ß 
- und bei letzterem ist oben auf 


I 
nämlich bei dem Münchner Exemplar —, bei dem von Salerno 


der Seite mit 13 Zähnen noch eine anormale Querreihe dicht neben der Symphyse vorhanden. Es sind un- 
regelmäßig schräg gestellte Zähne mit etwas medianwärts gekrümmter Krone von 17 mm Höhe und 17'5 mm 
Breite, die kaum Symphysenzähnen entsprechen, sondern wohl eher medianen Lückenzähnen, wie sie z. B. 
bei Odontaspis ferox vorhanden sind. Dasselbe dürfte also wohl auch bei den von Jaekel (1895, S. 28, 
Taf, 2, Fig. 4) beschriebenen Zähnchen von Carcharodon turgidus Ag. gelten und ich bemerke gleich, 
daß mir ein entsprechendes (St.) aus dem untersten Mokattam vorliegt (Taf. XV (II), Fig. 5). 

Ob bei der großen Verbreitung der rezenten Art (Günther, 1870, S. 392) die erwähnten Unter- 
schiede nicht doch auf das Vorhandensein geographischer Abarten hindeuten, kann ich mit meinem Mate- 
rial leider nicht entscheiden, jedenfalls ist dadurch ein gewisses Variieren der Bezahnung der lebenden Form 
erwiesen und dadurch wahrscheinlich gemacht, daß die große Artzersplitterung der fossilen keine Berechtigung 
hat, wenn man auch zugeben muß, daß zur einstigen Blütezeit des Geschlechtes in einer Region mehrere 
Arten nebeneinander vorkommen konnten. 

Da ich eine Arbeit von Lawley, in der das Gebiß der rezenten Art mit dem der fossilen ver- 
glichen ist (Studi comparativi sui pesci fossili coi viventi etc, Pisa 1881), nicht erhalten konnte und Herr 


[rt] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 178 


Prof. Jaekel eine Monographie über das Genus in Vorbereitung hat, beschränke ich mich im folgenden auf 
die kurze Besprechung der mir vorliegenden Zahnformen. 

Priem (1897, S. 216, 217, Taf. 7, Fig. 7) hat einige im unteren Mokattam gefundene Zähne zu 
Carcharodon auriculatus Blainv. gestellt, wobei er die Art so weit faßte wie Smith Woodward (1889, 
S. 411, 413) und Bassani (1895, S. 7 ff). Außer drei unvollständigen Zähnen aus der Zittelschen Samm- 
lung vom gleichen Fundort liegen mir über 40 meist vorzüglich erhaltene Zähne (St., M., Fr.) aus dem 
untersten Mokattam vor, darunter auch solche obere seitliche, wie der von Priem abgebildete, aber kein so 
schlanker, wie er (l. c.) für einen unteren Frontalzahn angab, denn der größte dieser Art (St.) hat eine 
Kronenhöhe von 42'5 und Länge (ohne Ohren) von 26 mm. - 

Herr Prof. Fraas stellte die Zähne vorläufig zu C. lanceolatus Ag. und in der Tat steht der 
Typus dieser leider nur sehr dürftig begründeten Art (Agassiz, Taf. 30, Fig. 1) manchen der unteren 
Zähne sehr nahe. Herr Prof. Jaekel machte mich aber auf die Ähnlichkeit mit C. Sokolowi (Jaekel, 
1895, S. 25—27, Taf. ı, Fig. ı—5)l) aufmerksam. Sie gleichen auch diesen Zähnen in der starken 
Konkavität des Unterrandes der Wurzel und deren nicht sehr starker Entwicklung, aber die Zähne 
sind, besonders die oberen, schlanker und alle etwas kleiner. Derartig große Zähne mit rückgebogener 
Krone, wie C. heterodon Ag., Taf. 28, Fig. 16, liegen ferner zwar nicht vor, wohl aber solche wie 
dessen Taf. 28, Fig. II—15, doch sind die Ohren schwächer und die Kronenränder weniger konvex. Wieder 
andere Zähne stehen den in der hiesigen paläontologischen Sammlung reich vertretenen (. angustidens Ag. 
(S. 257, Taf. 30, Fig. 3) nahe, während ich keine spezielle Ähnlichkeit mit den von Gibbes (1849, 
S. 142—147, Taf. 1S—21) beschriebenen Formen finde. 


Entweder sind also im unteren Mokattam mehrere Arten vertreten oder es variieren die Zähne einer 
Art etwas und manche seitliche Zähne verschiedener Arten sind kaum zu unterscheiden. Da fast alle aus 
einer beschränkten Lokalität stammen und in Größe und Form den verschiedenen Zähnen eines Gebisses 
wohl entsprechen könnten, neige ich mehr zu fetzterer Ansicht und möchte sie alle einer Carcharodon an- 
gustidens Ag. nahestehenden Art zurechnen, diesich derartig charakterisieren würde (siehe Taf. XV (II), Fig. 
1—7!): Krone aller Zähne schlank, Seitenränder gleichmäßig fein gezähnelt, Ohren klein, Wurzel nie sehr 
groß, Unterrand stets stark konkav. 

Bei den unteren Zähnen ist die Wurzel nicht hoch aber innen deutlich verdickt, die Krone der 
Frontalzähne sehr schlank, bis über 40 mm hoch, 20—26 mm lang (ohne Ohren), gerade und senkrecht 
mit schwach geschwungenen Seitenrändern, ebener Außen- und deutlich gewölbter Innenseite; bei den seit- 
lichen Zähnen ist sie weniger schlank, gerade bis ein wenig ungleichseitig mit geraden Seitenrändern. 
Oben sind wohl ungleichseitige kleine Lückenzähne neben der Symphyse (Taf. XV (III), Fig. 5). Die Wurzeln sind 
hier innen recht dick, die Krone der Frontalzähne wird bis über 40 mm hoch und bis über 30 mm lang, ist 
symmetrisch mit fast geraden Seitenrändern, ein wenig nach innen gebogen, außen ein wenig, innen 
deutlich gewölbt. Bei den oberen Seitenzähnen wird sie mehr oder weniger unsymmetrisch und ist manch- 
mal ein bißchen nach außen gebogen, die Spitze kleinerer Seitenzähne ist fast ober dem hinteren Ohr, der 
Mesialrand ist etwas konvex, der distale ebenso konkav. 

Von der Kurun-Insel beschrieb Dames (1883, S. 145) einen 55 mm hohen und 60 mm langen 
Zahn als ©. angustidens Ag. nahestehend, er liest mir leider nicht vor, aber Herr Prof. Jaekel 
schrieb mir, er gehöre nicht zu dieser Art, unterscheide sich auch deutlich von den Formen aus dem unteren 
Mokattam und sei von ihm als Typus einer neuen Art C. aegyptiacus bezeichnet. Ich habe nun zahlreiche 
zum Teil recht stattliche und wohlerhaltene Zähne aus der gleichen Stufe (M., St., Taf. XV (III), Fig. 8$—ı2) und 
einige derselben Art aus dem unteren Teile der Kasr es Sagha-Stufe (St.) vor mir und finde eine so große 
Ähnlichkeit mit hier befindlichen Zähnen des C. Zurgidus Ag. aus dem Oligocän von Flohnheim bei Mainz 
und von Rupelmonde in Belgien, daß ich sie kaum von dieser Art trennen möchte, obwohl unter den oberen 
Zähnen keiner mit so langer Krone wie der von Agassiz (Taf. 30a, Fig. 9) oder von Jaekel (1895, Taf. 2, 
Fig. 3) abgebildete sich vorfinden. Die größte Krone eines oberen Frontalzahnes (M.) ist wohl fast 55 mm 


!) Anm.: Seine Figur 3 ist ein oberer Zahn. 


174 Ernst Stromer. [12] 


hoch und fast 40 mm lang, eines unteren (M.) 50 resp. 55 mm, und die des größten oberen rückgeneigten 
Zahnes (Taf. XV (III), Fig. ı1) 46'5 resp. 38 mm. Einige Zähne gleichen aber C. angustidens Ag. (Taf. 28, 
Fig, 20— 25), doch sind keine so schlanken wie die unteren Zähne dieser Art vom Kressenberg dabei. Die 
meisten stehen vielmehr im Verhältnis von Länge und Höhe der Krone zwischen den Zähnen der zwei genannten 
Arten, in der Ausbildung der Wurzel schließen sie sich aber an Carcharodon turgidus Ag. an, also der 
geologisch jüngeren Form. Sie kommen ja auch im oberen Mitteleocän vor, also im höheren Niveau als die 
Zähne aus dem unteren Mokattam und in Ablagerungen, welche manche sonst obereocäne oder oligocäne 
Fossilien enthalten. Auch hier sind übrigens außer den rückgeneigten deutlich rückgebogene seitliche Zähne 
vorhanden (Taf. XV (III), Fig. 12). 
Carcharidae. 


Hemipristis curvatus Danıes. 
Taf. XVI (IV), Fig. 1-3. 

Probst (1878, S. 29 ff.), der zuerst für die Beurteilung der Hemipristis-Zähne durch die Identifikation 
mit denjenigen des rezenten Dirhizodon Khunzinger eine sichere Basis schaffte, betonte die Ähnlichkeit 
mancher Formen mit Jugendstadien von Prionodon glaucus, Dames (1883, S. 140—142, Taf. 3, Fig. 4a,b) 
aber, der auf einige Zähnchen aus der Kurun-Stufe (B.) eine neue Art Hemipristis curvatus aufstellte, die 
Schwierigkeit, seine Originale von Galeocerdo-Zähnen zu unterscheiden, und Jaekel (1894, S. 168) endlich 
wies auf die geringen Unterschiede dieser Formen von Galeus-Zähnen hin. 

Außer einem aus der Sagha-Stufe des Fajum stammenden Zähnchen (M.), das völlig mit Dames’ 
Originalen übereinstimmt, und einem aus dem unteren Mokattam (M.), das einen glatten Vorderrand hat, 
liegen mir nur einige Dutzend hieher gehöriger Zähnchen aus der Kurun-Stufe (St., M.) vor, von welchen 
das größte eine Gesamthöhe von nur IOo'5 mm und eine Wurzellänge von 12'9 mm hat. Viele davon sind 
schlanker und ihre Krone ist weniger rückgebogen und mesigl nur unten gezähnelt, es sind also intermediäre 
untere Zähne, beimanchen ist die Krone kaum asymmetrisch (Taf. XVI (IV), Fig. I, I a), mediane Zähnchen finde 
ich aber nicht in meinem Material. Der in Fig. 1, 1a abgebildete fast symmetrische Vorderzahn (St.) hat 
übrigens eine innen stark verdickte in deutliche Hörner geteilte Wurzel und eine innen stark gewölbte 
Krone, deren Schmelz außen unten konkav begrenzt ist, seine Zugehörigkeit erscheint mir nicht ganz sicher, 
da er sehr manchen Zähnchen von Scylliiden gleicht. Dagegen möchte ich wegen des Vorhandenseins von 
Übergängen andere Zähnchen, deren Mesialrand keine Zähnelung aufweist, z. B. Taf. XVI (IV), Fig. 3, doch zu 
Hemipristis curvatus rechnen, obwohl sie kaum von manchen Galeus-Zähnen zu unterscheiden sind. 
Dames (1883, S. 140, 141) bemerkte ja, daß die Zähnelung am Vorderrand im Schwinden begriffen sei, 
während Jaekel, wie oben erwähnt, wohl richtiger darauf hinwies, daß hier noch Übergangsformen von 
Galeus- und Hemipristis-Zähnen vorliegen. Die Unterschiede endlich von anderen Hemipristis-Arten hat 
Dames schon hervorgehoben und die Figuren (Taf. XVI(IV), Fig. ı—3) lassen sie ja leicht erkennen. 


Galeocerdo, Galeus und Alopiopsis. 
Taf. XVI (IV), Fig. 4-15. 

Smith Woodward ließ in seinem Katalog (1889, S. 446) die Zähne von Galeocerdo minor Ag. 
(l. c. Taf. 26, Fig. 1IS— 19) bei diesem Genus, später rechnete er aber (1899, S. 12, Taf. ı, Fig. 27—30) 
sie und ganz ähnliche aus dem englischen Eocän stammende Zähne zu Galeus. Es steht also auch hier 
mit der Bestimmung isolierter Zähne verschiedener Genera nicht zum besten, abgesehen von der eben be- 
tonten Ähnlichkeit mancher Zähne von Hemipristis und-Galeus und der weiteren von Zähnen des Gale- 
ocerdo mit gewissen Prionodon-Zähnen. 

Da ich aus der hiesigen und Stuttgarter Sammlung Gebisse des Galeocerdo arcticus Faber und odfusus 
Klunzinger @, sowie eines jungen und eines erwachsenen Galeus canis habe und sie mit den Abbildungen 
und Beschreibungen von Gebissen dieser und weiterer rezenter Arten (Galeocerdo tigrinus und Galeus 
japonicus) in Müller und Henle (1841) und Agassiz (l. c. Taf. E, Fig. 5, 6) vergleichen kann, glaube 
ich doch einige Bemerkungen über die rezenten Genera machen zu sollen. 


[13] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 17 


aa 


Bei allen drei Galeocerdo-Arten sind — abgesehen von den Symphysenzähnen — die oberen und 
unteren Zähne kaum verschieden und bis zu den hintersten an den Kronenrändern vorn und hinten ge- 
zähnelt und, wenn auch die Zähnelung gegen die Spitze zu minutiös werden kann, ist sie es nie an der 
ganzen aufragenden Krone. Bei Galeus aber ist die aufragende Krone frei von Zähnelung, nur an der Basis 
des mesialen Randes ist eine solche an den oberen Vorder- und Symphysenzähnen des erwachsenen Galeus 
canıs vorhanden, wie auch Alessandri (1902, S. 306) fand. Ferner ist bei Galeocerdo der Mesialrand der 
Krone etwas konvex, bei Galeus gerade und außer bei Galeocerdo tigrinus ist die Krone bei Galeocerdo 
länger als bei Galeus. Die stärkere Zähnelung hinten unter dem Einschnitt ist ja beiden gemeinsam und 
unterscheidet von den gleichartiger gezähnelten Prionodon - Zähnen; der Winkel des Einschnittes 
wird übrigens bei seitlicheren Zähnen spitzer. Bei Galeus ist er manchmal nicht scharf und liegt höher als 
bei Galeocerdo, auch sind unter ihm nur 2—3, seltener 4—5 Spitzchen, so daß eine Verwechslung mit 
manchen Hemipristis-Zähnen sehr nahe liegt. Über die Symphysenzähne, die bei Galeus fast symmetrisch 
sind, habe ich den bisherigen Angaben nichts anzufügen und über die Wurzeln nur zu bemerken, daß sie 


unten fast stets etwas konkav, aber nie in längere Hörner ausgezogen zu sein scheinen. 


Wenn man demnach die Zähne der rezenten Genera wohl auseinander halten kann, so ist bei 
fossilen, besonders paläogenen Arten doch möglich, daß die Diagnose des Gebisses jedes Genus so erweitert 
werden muß, daß die Unterschiede sich ganz verwischen. Immerhin scheint mir sicher, daß die meisten 
der von Agassiz (l. c. S. 232) als Guleocerdo minor beschriebenen Zähnchen typische Galeus-Formen sind 
(Taf. 26, Fig. 15— 19, Taf. 260, Fig. 64—66), die nur zum Teil an der Basis des Mesialrandes Zähnelung 
zeigen; auch die von Winkler (1875, S. 118, 119, Taf. 2, Fig. I0) und von Kißling (1896, S. 21, Taf. L, 
Fig. 26—28) als Galeocerdo latidens beschriebenen Zähne gehören zu Galeus, ebenso Galeocerdo recti- 
conus Winkler (1874, S. 296, Taf. 7, Fig. I) wohl als obere Symphysenzähne, dagegen Galeocerdo minor 
Gibbes (1849, S. 192, Taf. 25, Fig. 63—65) und Galeocerdo dubius Nötling (1884, S. 367, Taf. 5, Fig. 6) 
sowie Galeocerdo minor Koch (1903, S. 147, Taf. ı, Fig. 6 a—-c) zu Carcharias.‘) 


Die von Dames 1883, S. 142, 143) als Galeocerdo latidens Ag. bestimmten Zähnchen aus der 
Kurun-Stufe hat Herr Prof. Jaekel handschriftlich als obere und untere Zähne einer neuen Art, 
aegyptiacus bezeichnet, ich kann aber bei den rezenten Galeocerdo-Arten keinen Unterschied von 
oberen und unteren Zähnen finden und nur die ersteren als Galeocerdo-Zähne anerkennen und dafür 
Jaekels Name annehmen. (Taf. XV[(IV), Fig. 4) Es gehören dazu noch etwa 60 Zähnchen aus der Kurun- 
Stufe (M., St.) und das von mir (1903, S. 33, Taf. ı, Fig. 7) beschriebenen Zähnchen aus dem Uadi 
‚ Ramlieh. 

Die Zähnchen sind alle klein und länger ais hoch. Die Wurzel ist nicht dick und unten deutlich 
konkav. Die Krone ist im aufgerichteten Teil nie sehr lang und immer sehr spitzig, etwas bis deutlich 
rückgeneigt. Ihr etwas konvexer Vorderrand ist höchstens bis nahe zur Spitze etwas gezähnelt, oft fast 
ganz glatt, ihr Hinterrand aber stets glatt. Die unter der spitzwinkligen Kerbe befindlichen Zähnelung 
endlich bildet meistens eine Konvexität. 

Agassiz (l. c. S. 231) sagt nun zwar von seinen Originalen von Galeocerdo latidens, dafs die 
Krone speziell am Vorderrand nur sehr fein gezähnelt sei, was auch bei den von Gibbes (1849, 
S. 192, Taf. 25, Fig. 59—62) dazugerechneten Formen der Fail ist, aber die geringe Größe der vorliegen- 
den Zähne und das schon von Dames (1883, S. 142) betonte Verhalten der Zähnelung unter der Kerbe 
bilden doch Unterschiede, welche der in der rudimentären Kronenzähnelung liegenden Differenz Nach- 
druck verleihen. Daß in diesen Formen Übergänge zu Galeus-Zähnen vorliegen, braucht nach dem oben 
ausgeführten nicht weiter betont zu werden; wenn aber Jaekel (1894, S. 165) sagt, daß ihm echte Galeo- 
cerdo-Zähne aus unzweifelhaften Eocänablagerungen unbekannt seien, so kann auf die von Dixon (1850, 
S. 202, Taf. ıı, Fig. 22, 23) und Smith Woodward (1899, S. ı2, Taf. ı, Fig. 31, 32) abgebildeten 
Zähne aus dem englischen Eocän verwiesen werden, sowie auf die gleich zu erwähnenden aus dem 
untersten Mokattam. 


1) Anm. Siehe auch Alessandri 1902, S. 306, 307! 


176 Ernst Stromer. [14] 


Diese zu Galeocerdo latıidens Ag. zu rechnenden Zähne (Taf. XVI(IV), Fig. 10—15) liegen nur in 
mäßiger Zahl (20 St., 3 M., ı Fr.) vor, aber in allen Größenabstufungen. Die Wurzel ist bei ihnen etwas 
konkav und nicht dick, die Krone stets gezähnelt, an der Spitze meistens nur ganz fein oder nicht. Sie ist 
an den größeren vorderen Zähnen relativ länger und wenig rückgeneigt, so daß die Kerbe hier stumpf- 
winklig ist. Bei diesen ist auch der Mesialrand etwas bis deutlich konvex, während er bei seitlichen 
Zähnen wenig konvex wird. Letztere gleichen derartig den Seitenzähnen von Galeocerdo medius Wittich 
(1898, S. 6, 7, Taf. ı, Fig. 4) aus dem Mainzer Oligocän, daß ich diese nicht als Vertreter einer neuen 
Art anerkennen möchte. Zähne, die sehr der auf Taf. 25, Fig. 25, von Gibbes (1849) abgebildeten Form 
gleichen, bestätigen ferner die Bemerkung von Probst (1878, S. 25, 26), daß manche Zähne von Galeo- 
cerdo latidens und aduncus kaum zu unterscheiden seien, doch ist bei ersteren die Verbindungslinie der 
unter der Kerbe gelegenen Spitzchen stets eine fast gerade, nie eine deutlich konvexe Linie. 

Der von Priem (1897, S. 217, Taf. 7, Fig. 8) abgebildete auch aus dem unteren Mokattam 
stammende Zahn scheint nun gar nicht hieher zu gehören und läßt sich mit manchen Hemipristis-Zähnen 
vergleichen. Abgesehen davon aber, daß zugehörige weitere Hemipristis-Zähne nicht vorliegen, habe ich 
gleiche Formen, die durch Übergänge in Gestalt und Größe mit den anderen verbunden sind und sich so 
als vorderste Zähne von Galeocerdo latidens Ag. erweisen (Taf. XVI (IV), Fig. Io, Ioa, 12). Es ist also eine 
echte Galeocerdo-Art, die fast so groß wurde wie der rezente G. arcticus Müller et Henle, im untersten 
Mokattam, also im unteren Parisien vertreten. 

Außerdem liegen mir aber ziemlich viele Zähnchen aus der Kurun-Stufe (M., St.) vor, zu welchen 
eines aus dem Uadi Ramlieh (M.) und drei aus dem untersten Mokattam (St.) und die drei von Dames 
(1883, S. 142) als Unterkieferzähne von Galeocerdo latidens, von Jaekel schriftlich als solche von 
G. aegyptiacus bezeichneten Exemplare von der Kurun-Insel (B.) gehören (Taf. XVI (IV), Fig. 5—9). Sie sind 
alle klein, wenn auch die größten stattlicher sind als die Zähne von Galeocerdc aegyptiacus. Ihre Krone 
ist etwas bis deutlich rückgeneigt, schlank und sehr spitz, außen etwas, innen deutlich gewölbt und an 
der Spitze fast immer etwas gedreht. Ihr Mesialrand ist gerade oder ein wenig, selten etwas konvex, zu- 
geschärft und selten ganz fein gezähnelt, der ebenfalls scharfe Distalrand ist oben ganz glatt, unter dem 
spitzwinkligen Einschnitt aber manchmal mit drei bis vier Spitzchen oder meist mit Kerbungen versehen. 
Die niedere lange Wurzel ist unten kaum bis etwas konkav, innen an den seitlichen Zähnen etwas, 
an vorderen aber sehr stark verdickt. Stets ist übrigens die für Carchariden-Zähne charakteristische Vertikal- 
furche wohl entwickelt. 

Es ist nun gar nicht zu verkennen, daß die von Gibbes (1849, S. 193, Taf. 25, Fig. 71—74) 
beschriebenen Zähne von Galeocerdo contortus den vorliegenden sehr ähnlich sind, andernteils ent- 
sprechen die Frontalzähne der von Jaekel (1894, S. 165, 168, Fig. 37) Alopiopsis genannten 
Form, wie ja auch Jaekel (1898 a, S. 165) bei oligocänen Zähnchen, die er zu Galeocerdo contortus Gibbes 
rechnete, die Ähnlichkeit mit Alopiopsis-Zähnen erwähnte. Von typischen Galeocerdo- und Galeus-Zähnen 
weichen sie entschieden so stark ab, daß ich die Aufstellung eines besonderen Genus Alopropsis billige, 
und nur bedaure, daß Jaekel, wie mehrfach, die angekündigte Beschreibung der ihm vorliegenden Zahn- 

. formen nicht publiziert hat. Er bezeichnete ]. c. den von ihm abgebildeten Zahn als Seitenzahn, ich müßte 
ihn aber als Frontalzahn auffassen, da er selbst (l. c. S. 165) bemerkte, daß wie bei Galeocerdo (und 
Galeus) die Kronen der seitlichen Zähne sich mehr rückneigen. Der Unterschied endlich von gewissen 
Carcharias(Physodon)-Zähnen von den Alopiopsis-Zähnen scheint mir nach den Beschreibungen und Ab- 
bildungen nicht groß zu sein. Deshalb kann ich die vorliegenden Zähnchen wie die von Galeocerdo con- 
zortus Gibbes nur mit Vorbehalt zu dem neuen Genus rechnen. 


Carcharias. 
Taf. XVI (IV), Fig. 16-28. 
Nur bei wenigen Genera der Haifische tritt die geringe systematische Bedeutung einzelner Zähne 
so auffällig hervor als bei diesem jetzt so formenreichen Geschlecht. Da ich überdies zum Vergleich fast nur 
Gebisse von Prionodon-Arten vor mir habe und also in bezug aufdie anderen Subgenera nur auf die Beschreibungen 


[15] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 177 


und ungenügenden Abbildungen angewiesen bin, beschränke ich mich auf Feststellung der hieher gehörigen 
Formen. Es liegen mir nur einige Zähnchen aus dem Uadi Ramlich (M.), aus dem untersten Mokattam 
(St) und aus der Kasr es Sagha-Stufe (M.) vor, aber Hunderte von kleinen und relativ großen Zähnen aus 
der Birket el Kurun-Stufe (St. M.), die zu Carcharias zu rechnen sind. 

Prof. Jaekel hat auf den Etiketten nur die ersten von Dames (1883, S. 143, 144) als Aprionodon 
frequens zusammengefaßten Zähnchen aus der Kurun-Stufe dabei belassen (Taf. 3, Fig. 7a—f) und die weiteren 
als Aypoprion aegyptiacus n. sp. bezeichnet. Auch in dieser engeren Fassung ist der Damessche Artname 
richtig, denn mir liegen Hunderte von solchen Zähnchen aus der Kurun-Stufe vor (St. M.) und Priem 
(1899, S. 243, 244) fand sie auch bei Kafr el Ahram bei Gizeh sehr häufig. Er konstatierte ihr Vorkommen 
auch auf dem Gebel Giuschi (oberer Mokattam bei Kairo) (1899, S, 246), ich im Uadi Ramlich (1903, 
S. 33, 34) und nun liegen mir auch einige aus dem untersten Mokattam (St.) und aus der Sagha-Stufe vor (M.). 

Prof. Jaekel hat Formen, wie Dames’ Fig. 7 f, als Frontalzähne aufgefaßt, ich aber möchte sie, 
die mir in ziemlich großer Anzahl aus der Kurun-Stufe vorliegen (St. M.), nur mit Vorbehalt hieher rechnen, 
denn sie unterscheiden sich von den anderen durch die Form ihrer Wurzel und die sehr spitze, schlanke und 
innen stark gewölbte Krone. 

Die den Formen von Dames’ Fig. 7. i, /, n und o entsprechenden Zähnchen haben eine etwas 
längere Krone mit selten etwas konvexem Vorderrand, die eben bis etwas, bei kleineren Exemplaren auch 
deutlich rückgeneigt ist, und sind von manchen Zähnchen des Scoliodon Kraussi Probst (1878, Taf. ı, 
Fig. 8, 9) zum Teil kaum zu unterscheiden. Großenteils zeigt übrigens bei ihnen der nach hinten aus- 
laufende scharfe Kronenrand wie bei den typischen Zähnchen von Aprionodon frequens eine Kerbung. Sie 
sind sehr häufig in der Kurun-Stufe (St., M.), viel seltener im untersten Mokattam (St.), dem Uadi Ramlich 
(5 Stück M.) und in der Sagha-Stufe (25 Stück M.), kommen also in entsprechender Zahl und Größe in 
denselben Schichten vor wie jene, was doch vielleicht für Dames Ansicht spricht, daß sie zusammengehören. 


Agassiz (l.c.S. 228, Taf. 36, Fig. 6, 7), hatte aus dem Tertiär von Maryland stammende Zähne 
zuerst zu Carcharias gerechnet und ihre Ähnlichkeit mit solchen von Galeocerdo betont, sie aber 
dann doch als Corax Egertoni bezeichnet und Dames (1883, Taf. 3, Fig. 5) zählte sechs Zähne von der 
Kurun-Insel dazu. Priem aber, der (1897, S. 225) sie zu Prionodon rechnet, willnoch zwei Zähne von dem oberen 
Mokattam bei der Giuschi-Moschee (bei Kairo) und eventuell noch einen vom Kafr el Ahram bei Gizeh, 
die er leider nur ungenügend abbildet (1899, S. 246, Taf. 2, Fig. 17, und S. 244, Taf. 2, Fig. 16), als dazu- 
gehörig betrachten. Ich habe nun etwa dreißig derartige Zähne aus der Kurun-Stufe vor mir (St., M.) 
(Taf. XVI (IV), Fig. 17—19). 

Das Vorhandensein einer Pulpahöhle und die deutliche Vertikalfurche der Wurzel spricht für 
Zugehörigkeit zu Carcharidae, von den Typen in Agassiz unterscheiden sich aber alle durch die gleich- 
mäßige Konvexität des Vorderrandes und den scharfen stumpfen Winkel des Hinterrandes, auch erreichen 
nur die größten die Größe von seiner Fig. 6. Bei kleineren ist übrigens zum Teil die Krone relativ schmaler 
und etwas mehr rückgeneigt, so dafs sie Zähnen von Galeocerdo sehr ähnlich sind. Aber die oberen Zähne 
eines mir vorliegenden rezenten Prionodon aff. falciformis Bibron und des Prionodon Menisorah Val. 
nach Müller und Henles (1841) Abbildung verhalten sich ebenso und bei Galeocerdo ist die Zähnelung 
unter der Kerbe stärker. Bei manchen Zähnen ist jedoch eine Zähnelung überhaupt kaum zu erkennen und 
nur ihre sonst völlig gleiche Form (Größe und Fundort derselbe) lassen sie mit Vorbehalt auch hieher 
rechnen, also zu einer Prionodon-Art, die Egertoni Ag. sehr nahe steht. 

Die von Alessandri (1895, S. 16, 17, Fig. 13 a,b) abgebildeten Zähne von Prionodon Egertoni 
aus dem Neogen von Piemont gleichen den vorliegenden vollkommen, nicht aber die von Pasquale (1903, 
Fig. 7, 8) abgebildeten. In Größe, Länge der Krone, glatter Spitze und gerundeten Winkelunterscheidet sich auch 
Prionodon (Galeocerdo) dubius Nötling (1884, S. 367, Taf. 5, Fig. 6), SmithWoodward (1889, S. 439) rechnete 
endlich auch die von Gibbes (1849, S. 192, Taf. 25, Fig. 66—68) beschriebenen Zähne zu Prionodon 
Egertoni und dessen Fig. 66 und 69 passen auch dazu. Fig. 68 unterscheidet sich von meinen Originalen 
durch den geraden Vorderrand, Fig. 67 ist aber einigen ganz ähnlich. Bei allen vorliegenden ist jedoch die 
Wurzel innen hoch und wenig gewölbt, während sie nach Gibbes |. c. sehr dick sein soll. 


178 Ernst Stromer. [16] 


Smith Woodward wollte nun (l. c.) die Zähne von Glyphis subulata Gibbes (1849, S. 194, 
Fig. 86, 87) als untere zu Prionodon Egertoni rechnen und es liegen mir in der Tat ähnliche Formen von 
denselben Fundorten der Kurun-Stufe vor, aber sie zeigen keine Spur der von Gibbes erwähnten Zähnelung 
der Kronenränder und ich kann mich auf die Zurechnung isolierter unterer Zähne von Carcharias um so 
weniger einlassen, als untere Zähne der rezenten Prionodon aff. falciformis, Pr. Menisorah und Hypoprion 
hemiodon kaum voneinander zu unterscheiden sind. 


Aus dem untersten Mokattam stammen außer den schon bei Aprionodon freyuens Dames erwähnten 
Zähnchen nur noch zwei Carcharias-Zähne (St.), die zu Prionodon aber zu einer neuen Art gehören dürften, 
(Taf. XVI(IV), Fig. 16, 16a). Ihre mäßig lange Krone ist außen ganz wenig, innen deutlich gewölbt, die Ränder 
sind unten deutlich, an der Spitze nur ganz fein gezähnelt, der vordere ist ein wenig wellig konvex, der hintere 
deutlich konkav. Die so nach hinten gebogene Krone ist aber außerdem ein wenig um ihre Vertikalachse 
gedreht, was sie allein schon von Zähnen von Galeocerdo latidens oder Prionodon Egertoni unterscheidet. 
Die wohl entwickelte, unten konkave und an den Enden gerundete Wurzel ist übrigens innen neben der 


medianen Rinne mäßig verdickt. 


Sehr häufig in der Kurun-Stufe (St., M.), aber auch in der Sagha-Stufe gut vertreten (etwa 20 Stück M.) 
sind Zähne, die ganz denjenigen von Odontaspis Hopei Gibbes (1849, S. 198, Taf. 26, Fig. 120—123) 
gleichen, aber durch den Besitz einer regelmäfsigen Pulpahöhle und einer Vertikalfurche an der Wurzel- 
innenseite als zu Carchariden gehörig sich erweisen, wie sie jaschon Smith Woodward (1889, S. 449) 


zu Hemipristis serra Ag. rechnete. 


Nach den Angaben von Probst (1878, S. 29 ff.) kann ich sie aber unmöglich bei Hemipristis 
lassen, auch müßten bei der mir vorliegenden Zahl großer Zähne doch entsprechende gezähnelte Hemüpristis- 
Zähne, nicht nur die kleinen oben S. 174 besprochenen in meinem Material sich befinden. Viel eher vergleichbar 
erscheinen mir die von Probst (1878, Taf. ı, Fig. 27 und 32) abgebildeten Prionodon-Zähne, doch finde 
ich leider unter den rezenten Formen nichts ähnliches, speziell die Wurzel ist bei meinem Vergleichs- 
material nie derartig innen verdickt und unten so stark konkav. 


Die Krone der fossilen Zähne ist mehr oder minder deutlich nach innen und die Spitze wieder 
nach außen gebogen, nur selten auch etwas zur Seite, außen ist sie wenig, innen stark gewölbt und beider- 
seits mit einer bis nahe zur Basis herablaufenden Kante versehen (Taf. XVI(IV), Fig. 20, 23). Die Hörner der 
dicken Wurzel sind bei den meisten Zähnen sehr nahe beieinander, es gibt aber Übergänge zu Formen mit 
deutlich divergierenden Hörnern (Taf. XVI(IV), Fig, 21). Beide Formen sind übrigens in stattlichen bis kleinen 
Exemplaren vorhanden, doch überwiegen größere. 


Die kleineren nun sind kaum zu trennen von Zähnen, bei welchen die Kanten bis unten scharf 
sind, da bei manchen nur einseitig die Kante vorher verläuft, bei welchen ferner die Krone nur wenig nach 
innen gebogen ist und die hier stets ungleichen Hörner der innen ebenfalls dicken Wurzel recht deutlich 
divergieren. Sie finden sich nur in einigen Dutzend Exemplaren von mittlerer Größe in der Kurun-Stufe 
(St., M., Taf. XVL (IV), Fig. 24). Nur manchmal ist bei ihnen die Krone ganz wenig rückgeneigt und hinten neben 
ihrer Basis ein ganz schwacher Absatz vorhanden (Taf. XVL(IV), Fig. 22). Offenbar sind es seitliche Zähne, 


sollten sie aber zu den vorigen gehören, so fällt ihre geringe Zahl auf. 


Die letzten der vorhandenen Zahnformen kommen bis auf einige Exemplare aus der Sagha-Stufe (M.) 
auch alle nur in der Kurun-Stufe häufig vor (St., M.). Es sind die den Fig. 7 8, h in Dames (1883) ent- 
sprechenden, welche von Prof. Jaekel auf den Etiketten teils zu Oxyrhina aegyptiaca, teils zu Hypoprion 
aegyptiacus gerechnet wurden, meiner Ansicht nach aber zusammengehören. Die größten stehen in der 
Mitte zwischen den Zähnen von Aprionodon freguens und den vorhin beschriebenen Vorderzähnen. Stets 
ist ıhre Wurzel neben der Vertikalfurche nur wenig verdickt, unten wenig bis kaum konkav und mäßig: 
lang. Die spitze, glatte Krone ist außen ganz schwach, innen nur mäßig gewölbt und ihre scharfen glatten 
Seitenränder laufen unten scharf aus. Sie ist nie nach innen gebogen, an Frontalzähnen gerade und schlank 
(Dames, Fig. 7 g), an seitlichen schwach bis deutlich rückgeneigt (Taf. XVI (IV), Fig. 25—26) oder rückgebogen 
(Taf. XVI (IV), Fig. 27,28, und Dames, Fig. 7 h)und dann ist die Krone meistensrelativ länger und hinten unten 


[17] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 179 


ein kleiner scharfkantiger Absatz vorhanden. Solche gebogene Formen sind bis zu recht geringer Größe vor- 
handen, also wohl Zähne aus den Mundecken. 

Welchen Subgenera und wie vielen Arten diese drei Zahnformen zuzuteilen sind, möchte ich aus 
den mehrfach betonten Gründen nicht entscheiden, mir kommt es ja hier wie überhaupt bei der Bearbeitung 
der isolierten Haifischzähne auf das Feststellen und Auseinanderhalten der verschiedenen Formen an, zum 


systematischen Bestimmen halte ich die Zeit noch nicht gekommen. 


Tabelle der Verbreitung der Haifischzähne im Mitteleocän Ägyptens. 


Mokattam bei Kairo Uadi |Norden des Fajum 
ea ee Anmerkungen: 
unterster) unterer | oberer Di kn 5 Seen ni 
Wasta | stufe Stufe 
Schlinge a... _ e— 2 2 5 = 
omg Elsner so: E 1—ı-2 Zähne 
mE 0 0» Sn 4 _ — I 22 = 2— wenige » 
Oxyrhina cfr. en Aa te: 3 2 I 3 5 — 3—= mehrere » 
» ZESDECEEE . — -- — 2 3 — 4= viele » 
» cfr. Sıllimani bass. 5 —_ I — — = = 5=sehrviele » 
2 Alopecias'. . . . HE ALERREE 17 — _ — 2 4 — ee 
Odontaspis elegans Ne N _ I _ Dre ne ame dem 
» en crassidens Ag. 3 _ —_ I 3 = Be aeg 
» cfr. cuspidata Ag. 4 E= — — 3 = el nn 
Lamna vwerticahs Ag... ..... 3 3 — _ 4 — etel) dien Limgi: 
» efr. Vincenti Wink, ER 4 2 _ — 3 — Nluselhee Dead: 
? Otodus Aschersoni Zittel 4 I = 2 4 — ‚dee Ralksisie- 
Carcharodon aft. turgidus Ag. — 2 — _ 4 2 Be Sein 
» aff. angustidens Ag.. 4 2 = Ez = = Hauplagsr N 
Hemipristis curvatus Dames I _ _ 3 I Eselzons gelundei. 
Galeocerdo aegybtiacus Jaekel — — — I 4 _ Lamna cfr. Vin- 
] » latidens Ag. . . 3 I — = = — centi wies Priem 
? Alopiopsis aff. contortus ie 2 _ _ I 4 _ auch auf dem Pla- 
Aprionodon frequens Dames 3 — 2 3 5 B teau von Gizeh 
Prionodon aff. Egertoni Ag. — = Pi — 3 = nach, Aprionodon 
» nov. spec. 1 = = frequens und Pri- 
Carchaması forma rn — _ = Z 5 3 onodon bei Kafr el 
» » DI N EEE — = = = 3 x Ahram bei Gizeh. 
» » Ara 2 al: — — = —_ 4 3 


Schlußworte betreffs der Haifsche. 


Auch wenn man sich, wie im vorstehenden, fast nur auf die so wohl erhaltungsfähigen Zähne 
stützt, erhält man von der Verbreitung der fossilen Haifsche nur ein sehr unvollständiges Bild. Stattliche, 
auch häufige oder weitverbreitete Haifische haben ja nicht selten nur winzige Zähnchen, deren Erhaltung 
und besonders Auffindung nur bei einem Zusammentreffen sehr günstiger Umstände möglich ist. Natürlich 
muß man sich auch hüten, aus der Zahl der gesammelten Zähne einen einfachen Rückschluß auf die Häufig- 
keit der Tiere zu machen, da die Zahl der Zähne eines Individuums bei den verschiedenen Haifischen eine 
wechselnde ist und auch die Intensität des Zahnwechsels verschieden stark sein kann, 

Im untersten Mokattam bei Kairo ist nun zwar jahrelang und in der Birket el Kurun-Stufe wochen- 
lang sorgfältig gesammelt worden, so daß für diese Schichten der Zufall gelegentlichen Findens möglichst 
ausgeschlossen ist, trotzdem beweist das Nichtauffinden von Zähnen der meisten Familien der Rochen, der 
Squatiniden und Spinaciden nicht, daß sie im ägyptischen Teile des mitteleocänen Mittelmeeres nicht vor- 
kamen, und Zähne von Chimaeren wie Cestracioniden sind im Eocän Europas auch nicht so häufig, daß 
das Fehlen ihrer Zähne nicht ebenfalls nur ein zufälliges sein könnte. Auch ist es nicht zu verwundern, 
daß die kleinen Zähne der Seyllüdae und Scylliolamnidae gegen die meist stattlichen der Zammidae und 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVIII. 23 


180 Ernst Stromer. [It 8] 


Carcharidae sehr zurücktreten. Immerhin beweist das Fehlen von Hautschildern mancher Rochen und von 
Chimaeridenzähnen, daß diese Formen höchstens sehr selten vorkamen. Sehr auffällig ist dagegen, daß 
kein einziger Zahn eines Notidaniden gefunden wurde, nachdem solche im Tertiär Europas und speziell 
auch Italiens nicht sehr selten sind; doch ist bemerkenswert, daß sie nach Woodward (1899, S. 5) auch 
im Mittel- und Obereocän Englands fehlen oder selten sind. 

Jedenfalls ist das im ersten Teile der Arbeit besprochene Vorherrschen von Pristidae- und Myliobatis- 
Arten im Vereine mit dem von Lamnidae und Carcharidae sichergestellt, die anderen eben genannten Fa- 
milien waren dagegen wohl nur in wenigen Arten oder nur in recht kleinen Formen vertreten. Wie bei 
Myliobatis und Pristidae ist übrigens die Fauna des unteren Mokattam von der des Fajum etwas ver- 
schieden!), es kann dies sowohl auf Differenzen des Alters als der Fazies beruhen. Im unteren Mokattam ist 
ja rein mariner Kalkstein, in der Birket el Kurun- und Kasr es Sagha-Stufe aber ein Wechsel von Mergeln, 
Tonen, Sandsteinen und unreinen Kalken vorhanden und in der letzteren sind ja auch Fossilien genug ge- 
funden, die auf brackisches und süßes Wasser hinweisen (Beadnell 1905, S. 41—55).?) 

Über die Scylliidae ist auf Grund meiner unsicheren Befunde kaum noch etwas zu bemerken und 
über Ginglymostoma ist das nötige schon oben S. 166, 167 vorgebracht, ebenso über Myliobatidae und Pristidae 
im ersten Abschnitte der Arbeit. Daß die Lamnidae in mehreren Gattungen mit mehreren Arten vertreten 
und an Größe und Formenreichtum den Carcharidae überlegen sind, entspricht den schon öfters für das 
Paläogen festgestellten Verhältnissen, doch mußte ich ja mehrere bisher bei ihnen eingereihte Formen 
anderwärts einstellen. Ein verschiedenen Genera der damaligen Zeit (Oxyrhina, Lamna, Ofodus und 
Carcharodon) gemeinsames Merkmal sind die seitlichen rückgebogenen Zähne, welche den jetzigen Ver- 
tretern dieser Geschlechter anscheinend fehlen, auch hat wenigstens Carcharodon noch Nebenohren, während 
sonst nur Nebenspitzen auftreten, die nie so lang sind als bei den kretazischen Ofodus-Zähnen, und es 
scheint mir nicht unmöglich, daß die auf Seite 173 erwähnten Lückenzähne so zu deuten sind, dafs 
die ältesten Formen von Carcharodon wie manche andere Lamnidae regelmäßig solche besaßen. Im 
übrigen finden sich aber dieselben Zahnformen wie jetzt. 

Carcharidae herrschen ja in der Gegenwart weitaus vor (siehe u. a. Jaekel, 1894, S. 156 ff.), 
sind aber im Mitteleocän nicht soschwach vertreten, wie man bisher annahm (Jaekel, ibidem und 1898a, 
S. 167), denn obwohl ihre Zähne nie sehr groß, meistens sogar ziemlich klein sind, übertreffen sie an Zahl 
diejenigen der Lamnidae bedeutend und es macht nicht nur etwa Aprionodon frequens seinem Namen 
Ehre, sondern die Familie war damals schon offenbar ziemlich formenreich und nach der Größe der Zähne 
zu schließen, keineswegs arm an stattlichen Exemplaren. 

Hemipristis allerdings war klein und, wie schon S. 174 erwähnt, in seiner Bezahnung so Galeus 
ähnlich, daß ich nicht sicher bin, ob unter den zu der einen Art gerechneten Zähnchen nicht doch Galeus 
selbst auch vertreten ist. Das Genus war wohl nie artenreich und scheint im Miocän seine stattlichsten 
Vertreter gehabt zu haben, und zwar auch in den ägyptischen Gewässern (Alessandri, 1902, S. 303, 
Taf. 5, Fig. 3).) Bemerkenswert ist, daß seine einzige rezente, wohl sehr seltene Art jetzt nır im Roten 
Meere nachgewiesen ist, also in der Nachbarschaft Ägyptens.*) 

Galeocerdo ist nicht häufig, aber doch in typischen und keineswegs kleinen Zähnen vertreten, nach 
Smith Woodward (1895, S. 45) soll er ja schon in der oberen Kreide vorkommen. Die betreffenden 
Zähnchen sind Seitenzähnen von G. aegyptiacus ähnlich und besitzen auch die bei Carchariden stets 


1) Siehe die Tabelle auf Seite 179! 

?) Beadnell (l. c. S. 41) nimmt die Birket el Kurun-Stufe als gleichalterig mit dem oberen Teile des unteren 
Mokattam an, sie erscheint aber lithologisch und faunistisch so eng mit der Kasr es Sagha-Stufe verbunden, daß vor 
genauer Vergleichung der Fossilien ihre von Blanckenhorn angewiesene Stellung an der Basis des oberen Mokattam 
einstweilen besser beibehalten bleibt. 

») Wittich (1897, S. 49) hat übersehen, daß Agassiz (l. c. S. 237) mit Recht erwähnte, das Vorkommen 
einer Hemipristis-Art (H. subserrata Münster, 1846, S. 21) in der oberen Kreide sei sehr unwahrscheinlich; die hier 
befindlichen Originale Münsters gehören zu H. serra. 

*) Auch in dem Auftreten von Ginglymostoma, das im Mittelmeere jetzt anscheinend fehlt, besteht ja eine 
Beziehung zum Roten Meere. Sonst fand ich aber sehr viele europäische Arten, 


[19] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 181 


vorhandene Vertikalfurche der Wurzel. Das Zähnchen von Galeocerdo denticulatus Ag. (l.c. S.223, Taf. 26, 
Fig. 1) aus der Kreide von Maestricht ist aber zu problematisch, um einen Beweis für das Auftreten eines 
echten Galeocerdo bilden zu können. Die ersteren und die meisten eocänen hieher gerechneten Zähnchen 
sind allerdings bemerkenswerterweise denjenigen von Galeus recht ähnlich oder zeigen Merkmale einer an- 
scheinend jetzt nicht mehr vertretenen Form (? Alopiopsis). Jedenfalls sind also Galeocerdo und ähnliche 
Formen älter, als Jaekel (1894, S. 165, 166) annahm. 

Mein rezentes Vergleichsmaterial reicht leider nicht aus, um über die Zähne der übrigen Genera 
und Subgenera der Carcharidae mich weiter verbreiten zu können, doch so viel war ich doch im stande 
festzustellen, dafs Carcharias in zum Teil recht stattlichen Zähnen vertreten ist und gar nicht selten oder formen- 
arm war. Typische Prionodon- und Aprionodon-Zähne sind sicher in meinem Material vorhanden, ob 
auch solche der anderen Subgenera, bin ich nicht in der Lage zu konstatieren. Bemerkenswert ist jeden- 
falls die Tatsache, daß Zähne mit gezähnelten Rändern gegenüber glatten recht selten sind, während jetzt 
bei Carcharias erstere sehr häufig sind. Es scheint also hier eine ähnliche Entwicklung stattgefunden zu 
haben wie bei Galeocerdo. 

Da ich ein Zusammenstellen von Gebissen aus isoliert gefundenen Zähnen außer in Fällen, wo 
offenbar nur eine wohl charakterisierte Art vorliegt, wie Ginglymostoma Blanckenhorni im untersten 
Mokattam, für äußerst gewagt halte, muß ich mich mit obigen wenigen Bemerkungen begnügen und kann 
nichts sagen über die interessante Frage nach der Herausbildung der verschiedenen jetzt vertretenen 
Gebißformen (Jaekel, 1894, S. 162—-164). £ 

Um endlich wenigstens ein ungefähres Bild von dem Verhältnis der im Mitteleocän von Ägypten 
und des Monte Bolca gefundenen Haifische zu den jetzt aus dem Mittelmeere und Roten Meere bekannten zu 
geben, füge ich noch die untenstehende Tabelle bei. Ich bemerke dazu, daß es fraglich ist, wie vielen Arten 
die zu Scylliidae, Lamma, Odontaspis und Otodus, Alopecias und Carcharias gerechneten Zähne entsprechen. 
Bezüglich der Haifische vom Monte Bolca habe ich einfach die von Eastman (1904, S.27) gegebene Ta- 
belle wiedergegeben, während ich die rezente Fauna Palackj (1891, S. ı14 fl.) und Klunzinger (1871, 
S. 655 ff.) entnahm. Leider konnte ich die ziemlich unkritische Zusammenstellung von Palackj nur zum 
Teil durch Vergleich mit Berichten über Lokalfaunen (von Gräffe u. s. w.) kontrollieren und die ver- 
altete und daher sicher unvollständige Liste Klunzingers nur wenig durch neuere Angaben (Kossmann, 
1877, S. 31-33, Picaglia, 1894, S. 38, 39) ergänzen. 

Die Zahlen der nachstehenden Tabelle beziehen sich auf die Arten. Diein meinem Material gar nicht 
vertretenen Spinacidae, die jetzt aus dem Mittelmeere in sieben Gattungen mit zehn Arten bekannt sind, so- 
wie die ebenfalls in der Gegenwart so zahlreichen Rochen lasse ich weg. Es ist ja schon im ersten Ab- 
schnitte meiner Arbeit vermerkt, daß Myliobatis und die Pristidae im Mitteleocän Ägyptens besonders reich 
vertreten sind, während sonstige Rochen und verwandte Formen dort noch nicht gefunden wurden. 

Die Tabelle zeigt klar, daf die mitteleocäne Haifischfauna kaum ärmer war als die jetzige, wenn 
man berücksichtigt, daß damals die Zamnidae durch größeren Formenreichtum den Ausfall mancher Car- 
charidae deckten und daß seltene Formen und solche mit sehr kleinen Zähnen noch unbekannt sind und 
daß die Fauna weiter Meeresbecken mit der lokalen ägyptischen verglichen ist. 

Einige Worte möchte ich zum Schlusse noch Hays (1901, S. 63 ff). Versuch einer Übersicht der 
Entwicklung der Elasmodranchier widmen. Es erscheint mir nicht nur deshalb verfrüht, weil eine neue 
wirklich kritische Durcharbeitung des fossilen Materials fehlt, sondern vor allem auch, weil jetzt zwar 
viele Selachier sehr weit, zum Teil sogar fast kosmopolitisch, andere aber nur lokal verbreitet sind, und wei 
also anzunehmen ist, daß es früher ebenso war und daß deshalb die allein leidlich bekannten Faunen 
Europas und Nordamerikas nur ein recht unvollständiges Bild der einstigen Verhältnisse geben können. 
Hay hat die Bedeutung dieses Umstandes und die damit zusammenhängende der nicht nur für das Leben 
der Tiere, sondern vor allem für die Erhaltung ihrer Reste günstigen oder abträglichen Fazies zwar er- 
örtert, scheint sie mir aber doch nicht genug zu würdigen. Auch kommen ja solche Zufälliskeiten, daß 
z. B. die Solnhofer Kalksteine im größten Maße abgebaut werden oder daß im Miocän von Baltringen ein 


so sorgfältiger Beobachter wie Probst Jahrzehnte lang sammelte, bei seiner Statistik sehr in Betracht, 
23% 


182 Ernst Stromer. [20] 


Mitteleocän 


Mittelmeer Rotes Meer 
Ägypten Monte Bolca 
— _ Chimaera I - 
— = Heptanchus I _ 
= — Notidamus 1 = 
Scyllüde 1 2 Mesiteia I Seyllium 3 _ 
— = Pristiurus 1 — 
Ginglymostomd I — —_ Ginglymostoma I 
— —_ Stegostoma 1 
? Alopecias I _ Alopecias 1 — 
Oxyrhina 3 ? — Oxyrhina I Oxyrhina I 
Lamna 2 ? Lamna 1 Lamna I _ 
Odontaspis 3 ? Odontaspis I Odontaspis 2 = 
Otodus I — —_ — 
Carcharodon 2 Carcharodon I Carcharodon I _ 
-- _ Selache I — 
Carcharias 3 ? Scoliodon I ? Carcharias 2 ? Scoliodon 2 
Prionodon 2 = Prionodon 3 Prionodon 4 
Aprionodon I ? „= _ Aprionodon 3 
— E —_ Loxodon I 
= Ze Sphyrna 3 Sphyrna 2 
? Alopiopsis I Alopiopsis I — — 
_ Pseudogaleus I — — 
— — Galeus I _ 
| Hemipristis I En _ Hemipristis I 
Galeocerdo 2 = — Galeocerdo 2. 
— — Mustelus 2 | Mustelus 2 
== = _ Triaenodon I 


— —_ Thalassorkimus 1 — 


und endlich vergleicht er direkt derartig verschiedene Abschnitte wie das ganze Devon, und die ganzen 
mesozoischen Formationen mit Tertiärstufen wie Miocän und Pliocän. 

Die Zahl der z. B. aus dem Kohlenkalk bekannten Arten wird sicher bedeutend überschätzt, 
denn die damaligen Elasmobranchier waren gewiß großenteils anisodont und heterodont und man hält 
ihre meistens isoliert gefundenen Zähne nicht nur als Formen, sondern als Arten auseinander. Sie ent- 
sprechen also nicht den aus Solnhofen, Monte Bolca oder vom Libanon bekannten Arten. 

Die Erhaltung vollständiger Reste wie dort ist ja leider nur zu exzeptionell, um viel mehr als wie 
durch Blitzlicht ermöglichte Einblicke in ein recht dunkles Gebiet zu gewähren. Deshalb erscheint mir 
eine wirkliche Ordnung in der Systematik der Selachier-Zähne und eine Revision der großenteils minder- 
wertigen Literaturangaben nur möglich auf Grund vollständiger Durcharbeitung rezenten Materials, da die 
späteren Systematiker wie Dumeril und Günther das Gebiß der lebenden Selachier noch viel weniger 
berücksichtigt haben als Müller und Henle. Von dieser sicheren Basis aus könnten dann erst die ein- 
zelnen Formen in die Vergangenheit zurückverfolgt werden, denn es entspricht den Anforderungen einer 
strengen Wissenschaftlichkeit vom Gesicherten zum Unsicheren vorzugehen und nicht gemäß der Entwick- 
lungstheorie vom Ältesten zum Jüngsten. 

Mögen auch die Zähne der Selachier nur recht mäßigen systematischen Wert haben, so wäre es 
bei dem Interesse, das sich gerade an die niedersten unter den rezenten Fischen mit Recht knüpft, und bei 
der Häufigkeit und oft so vorzüglichen Erhaltung dieser Fossilien von großer Bedeutung, in einigermaßen 
klarer Weise die phylogenetische Entwicklung dieser Organe, die Ausbildung der einzelnen Zahnformen 
und ihrer Struktur, der Gleichheit oder Ungleichheit der unteren und oberen (isodont, anisodont), der vor- 
deren, seitlichen und hinteren Zähne (homoeodont, heterodont), ihrer Verbindung und Verwachsung verfolgen 


zu können. 


1] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 183 


Da ich von Anfang an nur eine Beschreibung einer Fauna geben wollte und bei dem jetzigen 
Stand des Wissens über die Verbreitung der rezenten oder gar der fossilen Selachier tiergeographische 
Erörterungen kaum möglich sind, muß ich natürlich zufrieden sein, zur Lösung solcher Probleme Material 
beigetragen zu haben. Ich habe mich dabei möglichst bemüht, das wenige Gesicherte von dem fraglichen 
scharf zu trennen und hoffe, daß es mir doch gelungen ist, zu zeigen, daß die eocäne Selachier-Fauna 
Äoyptens eine recht reiche war, daß dort damals schon manche noch jetzt vorhandene Genera in mannig- 
faltisen und stattlichen Formen vertreten waren, und daß im ganzen die Fauna schon sehr der modernen 


sich näherte. 


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184 Ernst Stromer. [22] 


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II. Teil: Teleostomi. A. Ganoidei. 


Ordnung: Crossopterygü, cfr. Polypterus. 
Taf. XVI (IV), Fig. 29., 30. 


Während man tertiäre Reste der Acipenseridae, Lepidosteidae und Amiidae schon seit längerer 
Zeit aus Europa und Nordamerika kennt, scheinen fossile Vertreter der Polypteridae noch nicht gefunden 
worden zu sein, und es klafft deshalb eine große Lücke zwischen den marinen mesozoischen und den jetzt 
nur noch in den Flüssen Afrikas lebenden Crossopterygiern. 

Es ist von vornherein am wahrscheinlichsten, daß im Tertiär ihres jetzigen Verbreitungsgebietes 
fossile Angehörige dieser hochinteressanten Fischgruppe zu finden sein würden, und zwar nicht in rein 
marinen Ablagerungen. Drei verschieden große Ganoidschuppen (2 St., ı M.) von drei Fundorten der 
Birket el Kurun-Stufe, die ja aus typischen Küstenablagerungen besteht, zeigen nun an, daß sehr stattliche 
Ganoidfische, nach Vergleich mit Schuppen eines Polypterus bichir aus dem Nil bis etwa 3 m lang, 
vorhanden waren. Da aber trotz ihrer Größe und trotz meines umfangreichen, von den gleichen 
Fundorten stammenden Materials keine weiteren zugehörigen Reste vorliegen, müssen diese Fossilien sehr 
selten und wahrscheinlich in die Küstenablagerungen nur eingeschleppt sein. Die Tiere lebten eben in 


[23] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 185 


dem eocänen libyschen Urmil (Blanckenhorn, 1902, S. 696—699), wie jetzt noch Polypterus im Nil 
vorkommt.!) 

Wenn auch die dürftigen Reste natürlich nicht mehr als einen Beweis für das Vorkommen eines 
mitteleocänen nahen Verwandten der rezenten PolypZerus-Arten bilden können, sind sie doch als erste tertiäre 
Reste von Crossopterygiern von Bedeutung und verdienen deshalb eine genauere Beschreibung. Sie sind um so 
interessanter, als die bisher bekannten mesozoischen und sehr viele paläozoische Vertreter dieser merkwürdigen 
Fischgruppe keine dicken Rhombenschuppen besitzen. Vielleicht haben eben die Nachkommen der mit 
Rhombenschuppen bekleideten Oldred-Formen sich ganz in das Süßwasser zurückgezogen und sind bald auf den 
alten afrikanischen Kontinent beschränkt worden, und womöglich sind manche der in der Karooformation 
Südafrikas sowie nordöstlich des Nyassa-Sees gefundenen Ganoidschuppen, die als Reste von Palaeonisciden 
oder Lepidostiern angesehen wurden, ihnen zuzurechnen. 

Alle drei Schuppen sind ungefähr rhombisch, ihre besonders vorn ziemlich dicke Knochenschicht 
besitzt oben dieselben zwei Fortsätze und unten bei der großen (Taf. XVI (IV), Fig. 30) vor, bei den kleineren 
(Taf. XVI (IV), Fig. 29, 29 a) hinter der Mitte diekonischen Gelenkgruben wie die Polypterus-Schuppen. Ihre 
Schmelzschicht ist mit unregelmäßigen starken, aber gerundeten Runzeln verziert, bei der größten Schuppe (St., 
Taf. XVI (IV), Fig. 30) aber nur in den vorderen zwei Dritteln. Auch dies spricht für einen Polypterus, da seine 
meisten Schuppen im Gegensatz zu denjenigen von Calamoichthys, die eine Skulptur von rundlichen Erhebungen 
haben (Smith, 1867, S. 463 und 466) und denen des rezenten und fossilen Zepidosteus, die außer ganz vorn am 
Rumpf glatt sind (Dümeril, 1870, S. 302), eine ganz ähnliche, wenn auch nur schwache Skulptur besitzen.?) 
Ein Querschliff durch eine Schuppe, den Herr Dr. ©. Reis mit seinen zahlreichen Dünnschliffen von Ganoid- 
Schuppen zu vergleichen die Güte hatte, bestätigt völlig das erhaltene Resultat, denn er zeigt unter der 
dicken Schmelzschicht typisches Osteodentin, das an der Basis in spongiösen Knochen übergeht, also nach 
Dr. Reis eine Struktur charakteristisch für Crossopterygier im Gegensatz zu Lepidostiern. Die Dentinschicht 
ist aber mächtiger als bei Polypierus, was vielleicht dafür spricht, daß ein neues, ihm sehr nahestehendes 
Genus vorliegt. 

Die größte (St., Taf. XVI (IV), Fig. 30) und die mittlere (M.) Schuppe ist fast rechteckig, letztere zeichnet 
sich aber durch einen deutlich konvexen Unterrand aus, die kleinste (St.) endlich ist schief rhombisch 
(Taf. XVI (IV), Fig. 29, 29a). Da bei allen der schmelzbedeckte Teil etwa 1!/‚mal so hoch als lang und das 
hintere Untereck nur bei der kleinsten etwas spitz ist, sind es offenbar keine Schwanzschuppen und speziell 
die größte stammt wohl aus der Dorsalregion des Rumpfes. 


Ordnung: Euganoidei. 


Pycnodontidae, Pyenodus. 
Taf. XVI (IV), Fig. 3137. 


Die Genera Palaeobalistum Blainville und Pycnodus Ag. sind beide auf Fische vom Monte Bolca 
(Palaeobalistum orbiculare und Pycnodus platessus),°) also aus der Mokattam-Stufe ungefähr gleichalterigen 
Schichten, gegründet und von letzterem ausgehend hat Agassiz (II, S. 181 ff.) die Familie der Pycnodontidae 
aufgestellt. Es ist also von Wichtigkeit, über die betreffenden Arten Klarheit zu erlangen, und zwar vor allem 
über ihr Gebiß, da mir leider nur Zähne von Pycnodontiden vorliegen. 


ı) Beadnell (1905, S. 66) bezweifelt zu Unrecht die Annahme Blanckenhorns, daß in der Obermokattam- 
Stufe Spuren von Flußmündungen seien; Blanckenhorns zahlreiche Profile der Kasr es Sagha-Stufe, deren Fossilien 
und auch seine eigenen Angaben (l. c. S. 53) darüber, lassen Schlüsse auf deren Lage im Norden des Fajum zu. Für 
die Birket el Kurun-Stufe liegen allerdings noch keine so guten Anhaltspunkte vor, sie schließt sich aber topographisch 
und lithologisch eng an die erstere an. 

?) Ich konnte das Schuppenkleid von vier Exemplaren von Polypterus und von zwei Lepidosteus aus den 
hiesigen Sammlungen mit den Literaturangaben vergleichen, von welchen ich diejenigen über die fossilen Zepidosteus- 
Schuppen nicht anzuführen brauche, 


°) In der Figur I, Taf. 72, in Agassiz (l. c.) ist die Stirn gewölbter gezeichnet als bei dem Original der Fall ist. 


186 Ernst Stromer. [24] 


Nach Heckel (1855, S. 204) bestände ein Unterschied in der Bezahnung beider Genera eigentlich 
nur am Gaumen, indem bei Pycnodus die Zähne aller fünf Gaumenreihen von vorn nach hinten gestreckt, in 
den drei Mittelreihen rundlich und ziemlich gleich groß und in den zwei äußeren elliptisch und größer seien, 
während bei Palaeobalistwm die Mittelzähne quergestreckt, und alle ziemlich gleich groß und elliptisch sein 
sollen. Das trifft auch für Palaeobalistum Ponsortii Heckel(l. c. S. 236, Taf. ıı, Fig. 7) zu, die seitdem 
beschriebenen Pycnodus-Gebisse fügen sich aber nicht recht in diese Definition ein. 

Das in der hiesigen paläontologischen Sammlung befindliche Original von Pycnodus Pplatessus Ag. 
(II S. 185—ı88, Taf. 72, Fig. I, 2) und seine Gegenplatte ließ nun leider die Bezahnung nicht genügend 
erkennen, mit gütiger Erlaubnis von Herrn Prof. Rothpletz komnte ich sie aber so weit herauspräparieren, 
daß ich das Wichtigste festzustellen in der Lage bin. 

Unten sind auf der Platte (Agassiz II, Taf. 72, Fig. 1) und der Gegenplatte (l. c. Fig. 2) beide 
Unterkieferhälften von innen zu sehen, aber der untere und vordere Teil der rechten Hälfte befindet sich 
fast ganz auf der letzteren. Vorn ist auf ihr zwischen den Abdrücken zweier kleiner Schneidezähne und 
einem einzigen Stiftzahn nur ein großer Schneidezahn der rechten Seite erhalten, dessen außen etwas konvexe 
scharfkantige Krone 4’ı mm lang und 1'6 mm hoch ist. Dahinter liegen die abgebrochenen Zähne der 
Innenreihe der rechten Seite und über ihnen die drei Zahnreihen der linken, während auf der Platte 
unten die Basis der hinteren Zähne der Innenreihe und darüber die zwei anderen Zahnreihen, wenn auch 
alle nicht vollständig zu sehen sind. 

Oben ist nur auf der Platte ein winziger Stiftzahn, die Basis eines größeren Schneidezahnes der 
linken, sowie ein großer Schneidezahn wohl der rechten Seite zu sehen. Seine Krone ist wie am unteren 
schartkantig, innen ein wenig konkav und 3’I mm lang, 2'3 mm hoch und hat mesial ein spitzes, distal ein 
stumpfes Eck, wie der von mir (Taf. XVI(IV), Fig. 31) abgebildete Zahn. Die Gaumenzähne waren leider nur 
teilweise herauszupräparieren und sind so verteilt, daß auf der Platte außer einem Zahn der rechten Zwischen- 
reihe die Mittelzähne, die vorderen vier linken Zwischenzähne und der vorderste linke Seitenzahn, auf der 
Gegenplatte nur die fünf hinteren linken Zwischenzähne und mittleren Seitenzähne zu sehen sind.!) 

Ich kann nun die Heckelsche Definition nur für das Unterkiefergebiß als richtig anerkennen und 
die Beschreibung, die Smith Woodward (1895, S. 276) nach dem Blainvilleschen Original von 
Zeus (Pycnodus) platessus gab, insofern modifizieren, als bei dem Agassizschen Original auch die äußeren 
Zähne glatt sind, und kann das Gebiß desselben folgendermaßen beschreiben. 

Vorn sind unten und oben jederseits außer ein oder zwei seitlichen stiftförmigen Zähnchen ein oder 
mehrere lange nicht sehr hohe und dicke Zähne von typischer Schneidezahnform, Dahinter sind die glatten, 
sehr wenig bis deutlich gewölbten Mahlzähne alternierend in Längsreihen angeordnet, und zwar sind unten 
jederseits drei Längsreihen, oben jedoch eine Mittelreihe und jederseits eine Zwischen- und eine Seiten- 
reihe vorhanden. Die Zahl der Zähne jeder Reihe beträgt nicht unter sechs, wahrscheinlich ist sie 7 bis 9. 

Die Größe der Zähne, speziell ihre Breite nimmt von innen nach außen und von hinten nach vorn 
ab, die Länge aller Zähne bis auf die vordersten ist aber in allen Reihen und oben wie unten ziemlich 
die gleiche. In der unteren Außenreihe sowie in der oberen Mittelreihe und Zwischenreihe befinden sich 
vorn 2 bis 3 recht kleine fast halbkugelige Zähne, die anderen sind aber alle mehr oder weniger oval. 

Unten sind sie alle einfach queroval, nur diejenigen der Zwischenreihe verschmälern sich gegen das 
äußere Ende zu und die der Außenreihe sind nur wenig queroval. Die hochgewölbten Zähne der Innenreihe 
sind so groß, daß sie nur unvollkommen mit denjenigen der Mittelreihe alternieren, ihre Breite übertrifft bei den 
größten hintersten Zähnen sowohl die der zwei entsprechenden Zähne der anderen zwei Reihen, als sogar 
die der Mitte]-, Zwischen- und Seitenreihe der Gaumenzähne zusammengenommen. Auch die Zähne der 
unteren Zwischen- und Seitenreihe sind größer als die entsprechenden Gaumenzähne. 

Am Gaumen sind hinter den zwei kleinen Zähnen in der Mittelreihe querovale, wenig gewölbte Zähne 
mit deutlich konvexem Vorder- und eben konkavem Hinterrand und in der Zwischenreihe kleinere gewölbte 
kaum querovale Zähne vorhanden. Der vorderste Zahn der Seitenreihe ist stark längsoval, die weiteren 


!) Am Gaumen wende ich die Ausdrücke lang in der Körperlängsachse, breit in der Querachse, hoch in der 


Sagittalachse an. 


[25] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 187 


sind größer, aber stets kleiner als die der Zwischenreihe, flach und etwas längsoval. Alle Gaumenzähne 


scheinen endlich mit denen der Nebenreihe zu alternieren und nur ausnahmsweise ein Grübchen auf der 
Oberfläche zu besitzen, sonst aber wie die unteren glatt zu sein. 

Palaeobalistum, bei dem ich mich auf die Angaben Heckels verlassen muß, würde sich demnach 
im Gebiß nur dadurch unterscheiden, daß bei ihm im Unterkiefer die äußeren Zähne nicht queroval sind 
und daß am Gaumen die Zähne weniger in der Größe verschieden und die Zwischen- wie die äußeren 
Zähne längsoval sind. Es sind aber auch bei dem Typus von Pyenodus die vorderen Außenzähne des 
Unterkiefers nicht und die weiteren nur wenig queroval und das Gaumengebiß von Pycnodus pachyrhinus 
Egerton (1877, Taf. 4, Fig. 2) hat ähnliche Mittelzähne wie Pycnodus platessus, aber schrägoyale Zwischen- 
zähne und vermittelt so zu Pycnodus mokattamensis Priem (1897, Taf. 7, Fig. 9) und Pycnodus Munieri 
Priem (1902, S. 45, Fig. I), wo die Gaumenzähne in den Gröfßsenverhältnissen sich wie bei Pycnodus, in 
der Stellung aber wie bei Palaeobalistwin verhalten. 

Egerton (1877, S. 50, 51 und 53) wies schon auf die Variabilität der Mahlzähne hin und das 
Gebiß von Pycnodus Bowerbanki Esgerton (l. c. Taf. 3, Fig. 2), P. pachyrhinus Egerton (l. c. Taf. 4, 
Fig. 2), P. Munieri Priem (1902, S. 45, Fig. 1), P. Pellei Priem (1903, Taf. 13, Fig. 5), das eben be- 
schriebene von P. platessus Ag. und einige der hier zu beschreibenden, z. B. Tat. XVI (IV), Fig. 35 —37 und 
die Maße meiner Tabelle, S. 19I, beweisen genugsam, daß vorn nicht nur meistens recht kleine, rundliche 
Mahlzähne, sondern auch manchmal unregelmäßig gestaltete Zähne vorhanden sind und daß auch in der 
Mitte und am Hinterende jeder Reihe die Form der Zähne wechseln kann. Bei dem Taf. XVI (IV), Fig. 36, ab- 
gebildeten Gebiß sind auch Spuren einer innersten Reihe kleinster Mahlzähne vorhanden, wie sie Egerton 
(l. c. S. 53) bei einem Unterkiefer von P. foliapieus Ag. einseitig ausgebildet fand. Es sind also die Maße 
und die Form einzelner Zähne nicht genügend zu einer Bestimmung, auch unvollständige Gebisse sind 
kaum ganz sicher und selbst vollständige nur schwer bestimmbar, denn durch obige Befunde erscheinen 
ja sogar die Unterschiede der Bezahnung von Palaeobalistum und. Pycnodus sehr verwischt. 

Vom untersten Mokattam bei Kairo liegen mir 6 mehr oder minder vollständige, kleine bis sehr 
große Unterkieferhälften mit je 3 Zahnreihen (5 St, 1 M., siehe Tabelle S. ı9L) und eine kleine (St.) mit 
nur 2 erhaltenen Zahnreihen, und ein kleines (M.) und etwas größeres (St.) Gaumengebiß (siehe Tabelle 
S. 191) außer vielen einzelnen Mahl- und Schneidezähnen (St., M. und Fr.) vor, aber nur ein großer glatter 
und ovaler Mahlzahn (St.) aus den Mergeln der Kurun-Stufe des Fajum. Pyenodonten sind also im 
unteren Mokattam in sehr stattlichen und häufigen Exemplaren vertreten, im oberen aber äußerst selten. 

Dabei ist gleich hier zu bemerken, daß Ancistrodon!)-Zähne im untersten Mokattam bei Kairo auch 
sehr häufig und zum Teilsehr groß sind, in der Kurun-Stufe aber klein, jedoch nicht selten. Die zuletzt von 
Priem (1902, S. 49) erwähnte Ansicht von Smith Woodward (1895, S. 283), sie seien Vorderzähne 
von Pyenodonten, erscheint mir aber nach der Form der Schneidezähne von Pycnodus platessus und der 
isolierten Pycenodonten-Schneidezähne aus dem unteren Mokattam, sowie derjenigen von mesozoischen 
Pycenodonten ausgeschlossen, auch haben die seitlich stark komprimierten hakenförmigen Ancistrodon-Zähne 
eine von jenen ein wenig abweichende Struktur. ?) 

Was nun die Gebisse vom unteren Mokattam anlangt, so gehören die zwei etwas querkonvexen 
Gaumengebisse (siehe Taf. XVI (IV), Fig. 33, 34, und Maßtabelle S. 191) sicher zu einer dem Pycnodus 


1) Der 1849 von Debey (Römer) aufgestellte Name Ancistrodon ist schon 1797 für eine rezente Cro- 
talide, allerdings in der griechischen Schreibweise Agkistrodon, vergeben. Da ich die Zugehörigkeit der hakenförmigen 
Aneistrodon-Zähne zu einemGymnodonten-Genus erweisen zu können hoffe, hat es keinen Zweck, dafür einen neuen 
Namen aufzustellen. 

2, Owen (1840, S. 72, 73, Taf. 43, Fig. I) und Agassiz (II, S. 242, 243, Taf. 'J, Fig. ı, 3, 4 und 5) 
beschrieben die Struktur der Pycnodus-Mahlzähne. Danach ist meistens eine Pulpahöhle vorhanden, von welcher die dicht 
stehenden und sehr spitzwinklig verzweigten Dentinröhrchen senkrecht zur Oberfläche ausstrahlen, z. B. Gyrodus, Mi- 
crodon, Pycnodus und dasselbe fand ich auch bei Mahlzähnen vom unteren Mokattam, bei Periodus Koenigü aber fand 
Agassizl.c. das ganze Innere mit Osteodentin erfüllt. Etwas ähnliches kann ich auch bei Pycnodus-Schneidezähnen 
vom unteren Mokattam konstatieren, bei welchen außen, wie es Agassiz |. c.S. 242 beschrieb, zwei Schichten zu 
unterscheiden sind, das Innere aber ganz von Vasodentin erfüllt ist. 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII. 24 


188 Ernst Stromer. [26] 


platessus sehr nahe stehenden Art. Bei beiden sind alle fünf Längsreihen, aber nur mit höchstens je vier 
Zähnen vorhanden, die kleinen vordersten und die hinteren fehlen. Die Größenverhältnisse, Form und Stellung 
der Zähne sind fast ganz wie bei Pycnodus platessus Ag., speziell der vorderste Zahn der Mittelreihe ist 
wie dort der vierte vorn stark konvex, hinten gerade begrenzt, aber alle sind deutlich gewölbt, der über- 
nächste Zahn hinter ihm ist deutlich queroval und der nur am kleineren Gebiß (M., Taf. XVI (IV), Fig. 33) 
erhaltene vierte ähnlich wie der vorderste gestaltet, nur schmaler. Bei dem größeren Stück (St.) endlich ist auf 
allen Zähnen der Zwischen- und Seitenreihen ein kleines Grübchen vorhanden, das natürlich beim Abkauen 
verschwinden muß. 

Das Gaumengebiß von P. pachyrhinus Egerton (1877, S. 54, Taf. 4, Fig. 1, 2) unterscheidet sich 
von diesen vor allem durch seine schrägovalen Zwischenzähne, das von P. mokattamensis Priem (1897, 
S. 217—220, Taf. 7, Fig. 9, 10) durch die deutliche Grube und die Radialfalten der Zähne, welche in der 
Mittelreihe fast alle ein wenig mehr queroval und in der Zwischenreihe eher längs- als schrägoval sind. 
P. Munieri Priem (1902, S. 44—46, Fig. 1) hat zwar in den Seitenreihen und den ersten drei Mittelzähnen 
fast dieselben Verhältnisse wie meine Exemplare, aber die weiteren Mittelzähne sind deutlich quer-, die 
Zwischenzähne etwas längsoval und P. Savini Priem (1902, S. 46—48, Fig. 2) endlich weicht in seinen 
stark querovalen Mittelzähnen, den etwas schrägovalen Zwischen- und den nur wenig längsovalen Seiten- 
zähnen stärker ab. 

Die unteren Mahlzahngebisse bezeichne ich, wie in der Tabelle S. 191 angegeben ist, und bemerke, 
daß bei St. I@ nur sechs Innenzähne und drei verschobene vordere Zwischenzähne erhalten sind. St. ı und 
St. 3 enthält nur vordere, St. 4 nur hintere Zähne, die anderen Stücke sind vollständiger, speziell bei St. 5 
(Taf. XVI (IV), Fig. 35) fehlen nur hinten an der Außenreihe und vorn wenige Zähne. 

Bei dem größten (St. 5, siehe Taf. XVI (IV), Fig. 35) und bei St. 3 ist auch der Unterkiefer so weit er- 
halten, daß sich unten eine deutlich konvexe Fläche, oben aber unterhalb der Innenzahnreihe eine Längsrinne 
wie bei Periodus Koenigii Ag. (II, S. 201, Taf. 72a, Fig. 62) und bei Pycnodus Pellei Priem (1903, Taf. 13, 
Fig. 5) erkennen läßt. Die bei allen außer bei St. 1a normale Lage der Zahnreihen ist offenbar die für 
Pycnodus geltende, da sie auch bei dem Original von P. platessus Ag. und bei P. Pellei Priem (1903, 
S. 403) dieselbe ist. (Siehe Heckel 1855, S. 193, Anm.!) Sie ist insofern eigenartig, als bei horizontal 
gestellter Oberfläche der Zwischenzähne die der äußeren nach innen und oben, die der inneren aber nach 
oben und mäßig innen sieht. Ist die Abkauung deutlich, so sind wie bei P. platessus Ag. und Periodus 
Koenigii Dixon (1850, Taf. 10, Fig. 13) die Zwischenzähne am 'stärksten abgenützt, flach bis flachkonkav, 
die Innenzähne sind aber nur bei den kleinsten Gebissen St. I und St. 1a und dem größten St. 5 wie bei 
P. platessus Ag. auf der Oberfläche abgenützt, bei St. 2 und M., ı (Taf. XVI (IV),-Fig. 36 und 37) wie bei P. 
faba H. v. Meyer (1848, Taf. 20, Fig. 3) und £. Koenigii Dixon l. ec. jedoch “an ihrem äußeren Ober- 
ende. Diese Verschiedenheit in der Art des Abkauens hängt wohl mit Unterschieden in der relativen Größe 
und Wölbung der Innenzähne und Gaumenzähne zusammen. In bezug auf den Zahnersatz kann ich nur 
bemerken, daß wie bei P. platessus Ag. die vorderen Zähne am meisten abgenützt sind, die hinteren 
manchmal noch gar nicht, z. B. bei St. ıa, St. ı, St. 2, M. ı. Es spricht das natürlich für den von 
Smith Woodward (1895, S. 194) angenommenen Ersatz von hinten her. 

Bei allen sind die gewölbten Innenzähne ganz glatt und die Zwischen-und Außenzähne haben nur beiden 
zwei größten Exemplaren (St. 4und St. 5) eine kleine Grube auf der Oberfläche. Fast alle Zähne sind mehr oder 
weniger breiter alslang, nur vorn sind, wie in der Regel bei Pycnodus, in der Außenreiherunde Zähne. Bei St. ı sind 
alle drei erhaltenen Aufßenzähne rund, bei St. 3 nur der erste und bei M. I und St. 5 (siehe Taf. XVI (IV), 
Fig. 35 und 37) ist er zugleich anormal klein, Auch hier wie bei P. platessus Ag. werden die Zähne nach außen 
und vorn zu kleiner, doch letzteres nicht immer regelmäßig; die Zahnzahl jeder Reihe dürfte auch 8 oder 9 
betragen und die Zähne der Zwischen- und Außenreihe alternieren außer bei St. Iı und St. 2, die der ersteren 
und der Innenreihe aber außer bei St. I nur undeutlich, 

Die stark gewölbten Innenzähne sind bei allen ungefähr zweimal so breit als lang, bei den kleineren 
Exemplaren zum Teil bis zweieinhalbmal, bei St. 4 und St. 5 so breit als die zwei daneben liegenden Zähne 
zusammen, bei den kleineren aber weniger breit. Sie sind nur bei St. ıa, St. 4 und St. 5 einfach oyal, bei 


[27] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 189 


den anderen ist ihr vorderes Aufßeneck gerundet, das hintere bei St. ı spitzwinklig, bei St. 2 (Taf. XVI (IV), 
Fig. 36) ist ihr Hinterrand ein wenig konkav und bei St. ı und St. 2 sind sie außen länger als innen und 
nehmen wie bei St. Ia nach vorn zu deutlich an Größe ab, während sie bei St. 5 ziemlich gleich bleiben. 

Die Zähne der Zwischenreihe sind weniger gewölbt, oben meist durch Abkauung flach oder konkav. 
Ihre Länge ist bei St. 1a und 3 wenig, sonst deutlich geringer als die der entsprechenden Innenzähne, 
die Breite ebenfalls, besonders bei St. 4 und St. 5, stets werden sie nach vorn zu ein wenig: schmaler, 
aber kaum kürzer und sind deutlich queroval, nur bei St. 1a und 2 sind die vorderen außen spitzwinklig. 

Die äußeren Zähne sind kaum kürzer, aber etwas bis mäßig schmaler als die entsprechenden 
Zwischenzähne, die vorderen sind stets schmaler als die hinteren. Sie sind nur etwas queroval, vorn, wie schon 
erwähnt, oft rund, 

Es ist nun natürlich nicht leicht zu entscheiden, ob die sieben Gebisse alle zu einer Art gehören 
und ob sie zu den beschriebenen Gaumengebissen oder zu dem von Pycnodus mokattamensis Priem zu 
rechnen sind. Die nicht unerheblichen Unterschiede können ja nicht nur auf der schon oben S. 187 fest- 
gestellten Variabilität beruhen, sondern auch auf Differenzen der je nach ihrer Stellung etwas anders ge- 
stalteten, zufällig erhaltenen Zähne der größtenteils unvollständigen Gebisse (siehe Smith Woodward, 
1895, S. 195!) und endlich auch auf Verschiedenheit im Lebensalter. Es ist im Hinblick darauf sicher be- 
merkenswert, daß die zwei größten und die drei kleinsten Stücke am meisten Besonderheiten zeigen, die 
mittelgroßen aber vermitteln. 

Gemeinsam ist allen, daß die Zähne glatt oder nur bei den zwei größten Stücken mit einer 
schwachen Grube versehen sind, ferner daß die Innenzähne 2—2'/,mal so breit als lang, selten so breit als 
die zwei daneben liegenden Zähne zusammen werden und daß die Zwischenzähne stets sehr deutlich, die 
Außenzähne aber nur etwas oder gar nicht breiter als lang sind. Der Mangel einer deutlichen Skulptur der 
Zwischen- und Außenzähne unterscheidet sie nun zunächst von den auch im unteren Mokattam gefundenen 
unvollständigen Unterkieferresten von Pycnodus mokattamensis Priem (1897, S. 219, Taf. 7, Fig. ı1, und 
1899, S. 240, 241, Taf. 2, Fig. 1), auch sind dort die Aufsenzähne relativ breit, die Zwischenzähne relativ 
schmal. Es stimmt dies also überein mit den schon beim Vergleich der Gaumengebisse gefundenen Unter- 
schieden und genügt demnach zur Trennung der Arten. 

Von Pycnodus Munieri, Savini und pachyrhinus sind leider die Unterkiefer noch nicht nachge- 
wiesen, ich kann deshalb nur aus den Differenzen der Gaumengebisse des Mokattam von jenen schließen, 
daß auch die wahrscheinlich zu ihnen gehörigen Unterkiefer verschieden sein werden. 

Das Gebiß von P. Pellei Priem (1903, S. 402—404, Taf. 13, Fig. 5) hat relativ breitere Innen- 
und Außenzähne als meine Exemplare (speziell die großen), relativ längere Innenzähne als P. platessus Ag. 
und glatte Zähne gegenüber P. mokattamensis Priem. Das Gebiß von P. Bowerbanki Egerton (1877, 
S. 52, 53, Taf. 3, Fig. 2) unterscheidet sich, wie Priem (1903, S. 403) auseinandersetzte, auch deutlich 
von ihm, aber auch von den anderen genannten Formen. Seine Innenzähne sind etwa 2'/mal so breit als 
lang, aber nicht so breit als die beiden Zähne daneben, weil die Zwischenzähne recht breit, zweimal so 
breit als lang sind. Die Außenzähne sind im Verhältnis zu ihnen dann natürlich viel schmaler als bei 
meinen Exemplaren (außer die vorderen runden bei St. ı), nur etwas breiter als lang. Egerton 
l. c. bezeichnete sie als »fast kreisförmig«e, Smith Woodward (1895, S. 279) aber irrtümlich als »be- 
deutend breiter als lang«. 

Das Gebiß von P, faba H. v. Meyer (1848, S. ı52, Taf. 20, Fig. 3, 4) zeichnet sich durch die 
Länge der Innenzähne und die geringe Größe der kaum querovalen, offenbar vorderen Zwischen- und Außen- 
zähne aus. Das von P. fohiapicus Ag. (II, S. 196, Taf. 72a, Fig. 55) hat Innenzähne wie meine großen 
Exemplare, ihre Breite übertrifft aber wohl die der zwei daneben liegenden Zähne, denn die Zwischenzähne 
sind hier im Gegensatz zu denen von P. Bowerbanki nur halb so breit als die Innenzähne und nur etwas 
queroval und die Außenzähne scheinen auch kaum oder nur wenig queroval zu sein. Das Gebiß von Pe- 
riodus — Pycnodus Koenigii Ag. (II, S. 201, Taf. 72a, Fig. 61, 62 und Taf. J, Fig. 45) hat Innenzähne 
wie P. Bowerbanki Egerton, siesind aber so breit als die zwei daneben liegenden Zähne, weil die Zwischen- 


zähne nur halb so breit als sie und nur etwas queroval sind und auch der vierte Außenzahn kaum quer- 
24* 


190 Ernst Stromer. [28] 


oval ist. Von meinen Exemplaren unterscheidet es sich außer durch die Struktur seiner Mahlzähne (siehe 
Agassiz, S. 243, Taf. J, Fig. 4,5 und oben S. 187 Anm. 2!) vor allem durch seine relativ kurzen und breiten 
Innenzähne und eben dadurch auch von dem Gebiß von Periodus Koenigii Dixon (1850, S. 205, Taf. Io, 
Fig. 13), das sich in der Größe und den Form- und Abkauungsverhältnissen so an M. ı anschließt, daß 
ich beide zusammen rechnen muß. 


Bis auf dieses letzte Gebißstück zeigen also alle beschriebenen eocänen Unterkiefer so deutliche 
Unterschiede von meinen Exemplaren und untereinander, daß ich sie zu anderen getrennten Arten rechnen 
muß, die wichtigste noch ausstehende Vergleichung ist aber die mit Pycnodus platessus Ag. Dort sind die 
hinteren Innenzähne so breit wie bei keiner anderen Form, was allein zur Unterscheidung von den Stücken 
aus dem Mokattam genügt. Es ist aber immerhin bemerkenswert, daß die kleinsten Exemplare manche An- 
näherung zeigen, indem bei St. 1a und St. 2 die hinteren Innenzähne breiter sind als bei den anderen und 
auch die Form der Zwischenzähne dieselbe ist wie bei F. platessus und endlich bei St. 1a und St. I die Innen- 
zähne wie bei ihm abgekaut sind. Aber auch das Gebiß St. 1a, das hierin und in der Größe jener Art 
am nächsten steht, hat relativ größere Zwischenzähne und es sind also die Unterschiede der unteren Mahl- 


zähne doch größer als die der Gaumengebisse von jenen des P. platessus Ag. 


Wenn ich nicht das Vorkommen einer ganzen Zahl sich nahe stehender Pycnodus-Arten im unteren 
Mokattam annehmen will, bleibt nichts übrig, als wie oben schon angedeutet, außer einer allgemeinen Va- 
riabilität, besonders der vorderen Zähne, Altersverschiedenheiten anzunehmen und alle Unterkiefer unter 
einer Art, zu welcher auch der gleichalterige Unterkiefer von P. Koenigii Dixon (non Ag.) und die Gaumen- 
gebisse gehören, zusammenzufassen. Dafür spricht entschieden, daß die zwei größten Stücke St. 5 und 
St. 4, dann wieder die mittelgroßen P, Koenigii Dixon und M. ı sich am nächsten stehen, daß dann wieder 
das nächst kleinere St. 3 kaum zu trennen ist und daß nur die drei kleinsten in der Form der Innen- und 
Zwischenzähne am meisten Differenzen zeigen, was einer besonderen Variabilität in der Jugend entspräche. 
Diesem im Unterkiefergebiß so variablen, stattlichen Pycnodus variabilis mihi stünde dann der deutlich 
verschiedene, ebenfalls große Pycnodus mokattamensis Priem aus einer höheren Schicht der gleichen Lo- 
kalität gegenüber. 

Zu erwähnen ist noch, daß mir außer zahlreichen einzelnen Zähnen, die wohl zu ersterem gehören, 
auch einige (St.) mit Skulptur der Krone wie bei der anderen Art vorliegen und auch eine ziemliche Zahl 
von Pycnodus-Schneidezähnen (St., 2 Fr, ı M.), deren Zugehörigkeit und Stellung sich leider nicht ge- 
nauer feststellen läßt (Taf. XVI (IV), Fig. 31, 31 a, 32, 32 a). Ihre aus Vasodentin mit einem sehr dicken Dentin- 
mantel bestehende, glatte Krone ist stets länger als dick oder hoch und oben in eine schneidende Kante, die oft 
abgekaut ist (Taf. XVI (IV), Fig. 32), zugeschärft, außen etwas gewölbt, innen konkav und erhebt sich auf einem 
im Horizontalschnitt etwas ovalen, aus Vasodentin bestehenden Sockel. Im übrigen wechselt ihre Form 
ziemlich stark, die Kante wölbt sich meistens auf einer Seite konvex empor, während sie auf der anderen 
in einem spitzwinkligen Eck endet, wie es ja auch bei dem oberen Schneidezahn von P. platessus Ag. der 
Fall ist; seltener endet sie beiderseits in mehr rechtwinklisem Eck, so daß die Krone ziemlich bilateral 
symmetrisch ist. Unten bleibt die Krone nur selten platt, sondern fast immer wird sie hier innen dicker, 
so dafs der Horizontalschnitt ihres untersten Teiles ein Oval darstellt. 


Zum Schluß sei noch hervorgehoben, daß die beiden Arten vom Mokattam wie die meisten andern 
eocänen Arten von Pycnodus zu den stattlichsten Vertretern der ganzen Familie gehören; speziell Formen 
wie Pycnodus Bowerbanki Egerton, Pellei und Savini Priem dürften den größten mesozoischen Vertretern 
der Familie nicht nachstehen. Wie öfters in der Tierwelt finden sich also auch in dieser Tiergruppe un- 
mittelbar vor dem Erlöschen besonders stattliche Vertreter in größerer Zahl und anscheinend auch in keiner 
geringen Menge von Individuen, doch sind es keine ganz exzeptionellen Riesenformen, denn schon im Jura 
kommen ja so große Tiere wie Gyrodus titanius Wagner und Mesodon gigas Ag. vor. 


[29] Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 191 


Maße der Pycnodus-Zähne.') 


— = = —— en nn 


Unterkiefer Gaumen 
Innenzähne | Zwischenzähne Außenzähne Medianzähne ||Zwischenzähne|| Seitenzähne 
lang |breit)| lang | breit | lang | breit lang | breit)| lang | breit| lang | breit 
Pyenodus (| (I) 2 Su Ma)et:S 2:8 || (2) 1:9 DA 
Iplatessus Ag.“ (6) 2 6 (4) 1:9 3 5) 15 2 | Gerz 25 || (5) 19 2 (N) 2 wol 
P. mokatta- 

z OR 5 [ (I) Io 20 ( ß) 13 I 13 | a 
mensis Pr. £ == I0O |14—15 12 9 II 8 
1899 u.1807 | ze 9 IC 2 ei 

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(2) 2:5 55 || @) 2 4 = _ | © a ee 3 25 |(@) 32 | 78 
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* 2 (0), SO || suw 8 8 4° 65 
us 2 e aA Q 4) Ei 3 !) Maße in Millimetern. Die einseklammerten 
I@ 67 | ms | a2| 8 | © 4| 65 = 
Zahlen bezeichnen den gemessenen Zahn von vorn 
[ —_ (1) 65 92 | (1) 1 55 || her gezählt. Die mit einem * versehenen Stücke sind 
Sir 41. «|| (@) © 18 || (@) 6:5 2|@ 61 | 85 || aufTaf. XVI(IV)abgebildet. Die mit M.undSt. bezeich- 
| 9 19 9) 7 Ir |) 62 86 neten Gebißteile des Pycnodus variabilis nov. spec. 
| () 9 18 () 65 | 103 || (2) 6 $:8 || sind bei der Tingije Moschee unter dem Hauptlager 
"St. 5 2| (3) TO 18 (4) &5 | To: || (4) 61 9 des Nummaulites gizehensis gefunden. 
lo 95|8|96 | | &r| os 


Literatur-Verzeichnis zum Abschnitte II A. 


Agassiz L.: Recherches sur les Poissons fossiles, Tome II. et Atlas II, Neuchätel, 1833— 1843. 

Beadnell H.: The Topography and Geology of the Fayum Province of Egypt. Cairo 1905. 

Blanckenhorn M.: Die Geschichte des Nilstromes in der Tertiär- und Quartärperiode etc. Zeitschr. Gesellsch. f. Erd- 
kunde. Bd. 37, S. &94—762, Berlin, 1902. 

Dixon Fr.: The Geology and the Fossils of the tertiary and cretaceous Formations of Sussex, London, 1850. 

Dumeril Aug.: Histoire naturelle des Poissons, Tome II, Paris, 1870. f 

Egerton Grey: On some new Pycnodonts. Geolog. Magaz. Dec. 2, Vol. 4, S. 49—55, Tat. 3, 4, London, 1877. 

Heckel Joh. Jak.: Beiträge zur Kenntnis der fossilen Fische Österreichs. Denkschr. k. Akad. d. Wiss. math. naturw. 
Kl., Bd. Iı, S. 18S7—274, 15 Taf., Wien, 1855. 

Meyer H. v.: Myliobates pressidens, Cobitis longiceps und Pycnodus faba. Palaentogr. Bd. 1, S. 1I49—152, Taf. 20, 
Kassel, 1851. 

Owen R.: Odontography, 2 Vols., London, 1340— 1845. 

Priem F.: Sur les Poissons de l’Eocöne du Mont Mokattam (Egypte), Bull. Soc. g&ol. de France, Ser. 3, T. 25, 
S. 212—227, Pl. 7., Paris, 1897. 


192 Ernst Stromer. ee [30] 


Priem F.: Sur des Poissons &ocönes d’Egypte etc. Ibidem, Ser. 3, T. 27, S. 241—253, Pl. 2, Paris, 1899, 


» ‘Sur des Pycnodontes tertiaires du Departement de l’Aude. Ibidem, Ser. 4, T. 2, S. 44-49, 2 Fig., 
Paris, 1902. 

» Sur les Poissons fossiles des Phosphates d’Algerie et de Tunisie. Ibidem, Ser. 4, T. 3, S.393—406, Pl. 13, 
Paris, 1903. 3 5 


Smith John M.: Description of Calamoichthys etc. Trans. R. Soc. of Edinburgh, Vol. 24, S. 457—479, "Tat. Su; 2 
Edinburgh, 1867. r 
Woodward A. Smith: Catalogue of the fossil Fishes in the British Museum, Part. 3, London, 1895. 


DIE OBERTRIADISCHE FISCHFAUNA VON HALLEIN 
IN SALZBURG. 


Von 


Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger, 


k. Universitätsprofessor in Agram. 


Mit 3 Tafeln (XVII (I) bis XXI (V)) und ı9 Textbildern. 


Vorwort. 


Die vorliegende Fischfauna bearbeitete ich auf Ansuchen des Herrn Hans Hoefer, Professor an der 
k. k. montanistischen Hochschule inLeoben. Es wurde mir die Kollekte eigentlich zur Bestimmung übersendet, 
doch wurde ich bei einer genaueren Durchsicht derselben gewahr, daß dieselbe einzelne bisher in der oberen 
Trias noch nicht gefundene Fische enthält. Nachdem noch sehr schöne Exemplare von Colobodus und ein 
Semionotus vorlagen, entschloß ich mich sofort diese Kollekte wissenschaftlich zu verwerten, da so manche 
Ergebnisse zu erwarten waren, die gewisse Ansichten über die Stellung dieser oder jener Art besser zu 
begründen versprachen. Vor allem mußte die Frage über die Existenzberechtigung der Art Colobodus latus 
im Sinne Kner und Bassanis untersucht und die problematische Stellung der Art Semionotus Kapffi 
Fraas in der Gattung geprüft werden. Ebenso habe’ ich die systematische Stellung der Gattung Heterolepi- 
doftus, welche A. S. Woodward zur Fam. Eugnathidae versetzte, wiederum zurück zu jener der 
Semionotidae gestellt. Fügen wir noch hinzu, daß diese schöne Fischfauna auch eine neue Gattung, ferner 
einen Pyenodonten enthält: so haben wir damit auch die wichtigsten Momente erwähnt, die uns bewogen 
haben, diese sehr interessante Fauna zu bearbeiten, die in mehrfacher Weise die bereits bekannten Faunen 
der entsprechenden obertriadischen Abteilung nicht nur vervollständigt, sondern auch gewisse Verbindungen 
mit den nächst älteren und jüngeren — des Jura — darstellt. 

Ein großes Verdienst ist es, daß sich Herr Prof. Hoefer mit dieser Aufsammlung für die Wissen- 
schaft erworben hat. 

Bevor ich zum speziellen Teil übergehe, möge in Kürze eine geologische Darstellung der in Rede 
stehenden Fundstelle, die ich eben dem Entdecker derselben, Herrn Prof. Hoefer, verdanke, folgen. 


194 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [2] 


I. Die geologischen Verhältnisse und Angabe der Fundorte. 


»Der Mergel, dessen Fischfauna im nachfolgenden beschrieben wird, findet sich an der Straße von 
Hallein nach Ebenau. Dieselbe führt von Hallein bis zur sog. Glashütte — jetzt Marmorschleiferei — über 
das Diluvium der Salza. Unmittelbar neben der Fabrik treten die Oberalmer Schichten zu Tage, welche 
sowohl der Almbach, als auch die neue Straße von Adnet bestens aufschließt. Oberhalb der Fabrik ist 
an der Ebenauer Straße ein Steinbruch, in welchem diese Schichten, von mehreren nicht bedeutenden Ver- 
werfungen durchsetzt, mit 8° nach ı4% 8° (astron.) verflächen. Sie bestehen aus Mergelschiefer mit bis 
3 m mächtigen Bänken lichtbraunen Kalkes; insbesondere im ersteren fördert man nicht näher bestimm- 
bare Kriechspuren, Belemniten und Perisphincten, sowie Aptychus Beyrichi Opp., sind somit tithonen 
Alters, Bei der weiteren Verfolgung der Straße nach NO. halten die Oberalmer Schichten in petrographisch 
gleicher Ausbildung an, bis man beim Gehöfte »Maurer« wieder zu Steinbrüchen gelangt, in welchen rote 
Adneter Kalke gewonnen werden, die ziemlich reich an Ammoniten und Belemniten sind; das häufige 
Auftreten von Nautilus ist bemerkenswert. Die Adneter Kalke begleiten nun die Straße, bis sie bei einigen 
Häusern etwas steiler ansteigt, dort finden sich die dunklen Kössener Kalke mit Brachiopoden wenig 
gut aufgeschlossen und sind weiterhin zum Teil von Glazialdiluvium überdeckt. Unmittelbar hinter dem 
Wirtshause »Zum Schmidt«, bei einer Brücke, sind in einer Grube abermals die dünnbankigen roten Adneter 
Kalke gut aufgeschlossen, ebenso etwas weiter an der Straße. Bei dem genannten Wirtshause muß ein 
Verwurf durchsetzen, welcher sich westlich als ein Sattel zwischen dem Almberge (722 m S. H.) und dem 
Eberstein (733 »n) markiert, und auch am Westabhang dieses Bergzuges beim Jägerhause (J. H.) nördlich 
von der Pucher Kirche wieder zu finden ist. 

Die Adneter Kalke werden vom Glazialdiluvium überdeckt. Die Straße übersetzt beim »Edelgut« 
einen Bach; linker Hand, d. i. westlich, ist ein naher, größtenteils bewaldeter Rücken, aus dunklen, zum 
Teil mergeligen Kalken bestehend, die ziemlich reichlich die Fauna, insbesonders Muscheln, der Kössener 
Schichten führen. Diese halten an, bis die Straße in den Wald tritt und einen scharfen Bug nach ©. macht. 
In diesem, bei ziemlich scharfen Ansteigen, treten in mächtigen Bänken Kalke und dolomitische 
Kalke zu Tage, die bis zur Höhe (»Schöngut«) anhalten, und hier in typischen Dolomit übergehen; 
von hier bergabwärts ist Dolomit und dolomitischer Kalk, in welchem der fischführende Mergel ein- 
gelagert ist. Er ist dunkelgrau, führt neben Fischen vereinzelt auch Pflanzenreste und Herr Kollege Dr. F. 
Wähner fand — laut privater Mitteilung — auch einen kleinen Saurier. Der Mergel ist in Bänken ge- 
schichtet, welche mit r0° nach 17%0° (astron.) verflächen. Das etwa 7 m starke Mergellager wird steinbruch- 
mäßig abgebaut und das Material in Hallein zu Zement verarbeitet. Das Lager läßt sich als dunkle, tonige, 
sumpfige Erde in der Höhe nördlich vom Raucheck gut verfolgen und verschwindet weiter nördlich im 
Bache, welcher vom »Waschl« herabkommt. Es wird vom Dolomit über- und unterlagert, welcher bis 
Ebenau anhält, ab und zu von Glazialschutt überdeckt. Dieser Dolomit muß als Hauptdolomit ange- 
sehen werden, welcher bei Seefeld in Nordtirol ebenfalls einen fischführenden Mergel, den bekannten 


Asphaltschiefer, führt, dem unser Fundpunkt stratigraphisch gleich zu stellen ist.«!) (Siehe das Profil 
auf Seite 222). 


!) Knapp vor Drucklegung dieser Monographie erhielt ich von Herrn Prof, Eberhard Fugger, Leiter des 
Museums »Carolino-Augusteum« in Salzburg, noch eine kleine Kollekte von Fischresten, die von derselben Fundstelle 
herrühren, wie diejenigen in vorliegender Arbeit beschrieben und welche 4 Exemplare von Ophiopsis attenuata Wagner, 
einen kleinen Colobodus ornatus Ag. und einen recht gut erhaltenen Heterolepidotus dorsalis (Kner.) enthaltet. Ferner 
die verkleinerten Photobilder von 3 Exemplaren des Colobodus ornatus Ag., wovon eines 44 cm lang ist und jene charak- 
teristisch gekörnten Schuppen besitzt, wie man solche bei erwachsenen Stücken dieser Art beobachtet. Die übrigen 
Exemplare dieser Art sind laut Angabe des Herrn Fugger 20 und IQ cm lang. 


Die obeıtriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 195 


[3] 


II. SPEZIELLER TEIL. 


A. Systematische Übersicht der Fischfauna 


von 


Hallein ın Salzburg. 


Subelass.: Teleostomi. 

Ordo: Actinopterygi. 
Subordo: Protospondyli. 
Fam.: Semionotidae. 

1. Gen.: Semionotus, Agassiz. 

1. Semionotus Kapffi Fraas. 

2. Gen.: Colobodus, Agassiz. 

2. Colobodus ornatus, Agass. sp. 3. Colob. (Lepidotus) decoratus, Wagner. 
3. Gen.: Heterolepidotus, Egerton. 
4. Heterolepid. dorsalis, Kner sp., 5. Heterolep. parvulus, n, f. 
4. Gen.: Dapedius, Leach. 

6. Dapedius sp. aff. Costae, Bass. 

5. Gen.: Spaniolepis, n. gen. 

7. Spaniolepis ovalis, n. f. 

Fam.: Macrosemiidae. 

6. Gen.: Ophiopsis, Agassiz. 

8. Ophiopsis attenuata, Wagner. 

7. Gen.: Mesodon, Wagner. 

9. Mesodon Hoeferi, n. f. 
Subordo: Isospondyli. 

Fam.: Pholidophoridae. 

8. Gen.: Pholidophorus, Agassiz. 


10. Pholidophorus latiusculus, Agass., II. Pholidoph. sp. n. (?) 


B. Beschreibung der Arten. 


Subordo: Protospondyli. 
Fam.: Semionotidae. 
1. Gen.: Semionotus, Agassiz. 


Diese Gattung wurde im Jahre 1901 durch Prof. E. Schellwien!) monographisch bearbeitet, und 
zwar auf Grund des bereits vorhandenen bearbeiteten Fischmaterials, insbesondere aber wurde in die osteolo- 
gischen Verhältnisse des Schädels Klarheit gebracht durch einen in der Gegend von Senekal in Süd- 
afrika gemachten Fund einer Platte mit sieben beinahe vollständigen Exemplaren der Art Semionofus capensis 


1) Über Semionotus Ag. Schriften der physikal. ökonom. Gesellschaft zu Könizsberg in Pr., 1901. 


[D) 


[071 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. X VIII. 


196 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [4] 


A. S. Woodw., die bisher bloß in Bruchstücken bekannt war. Ich unterlasse eine eingehendere Schilderung 
dieser trefflichen Arbeit; ich werde aus ihr nur jene Momente vergleichend verwerten, welche bei der 
Beschreibung eines aus Hallein stammenden sehr gut erhaltenen Exemplars notwendig sein werden, um ein 
noch klareres Bild über die Charakteristik der Gattung Semionotus zu erhalten. Bisher sind nämlich noch 
einige Punkte unerledigt geblieben, die sich aber mit Zuhilfenahme der Überreste der nordamerikanischen 
s. g. Ischypterus-Arten, die nach Woodward und Schellwien eben mit Semionotus synonym sind, 
vollkommen klarstellen lassen. Unser Fisch ist auch in anderer Beziehung wichtig, der nämlich, als er die 
fraglich gewordene Stellung der Art Semionotus Kapffi Fraas in der Gattung Semionotus zweifellos machen 
und jene noch ungenügend beleuchteten Punkte über die Beschaffenheit der Dorsal und Caudalflosse, dann 
das Vorhandensein von Fulcra endlich definitiv erledigen wird. 


Semionotus Kapffi, Fraas. 
(Taf. II, Abb. 2.) 

1861. Semionotus Kapffi, OÖ. Fraas: Württemb. Jahreshefte, Bd. XVII, pag. 9I, 95, Taf. I, Fig. 1-3. 
1895. » » A. S. Woodward: Catalogue of fossil Fishes III, pag. 56. 
1901. (?) » » Schellwien: Schriften der physikal.-ökonom. Gesellschaft in Königsberg, pag 27. 

Dieser ausgezeichnet erhaltene Fisch verblieb, was seine Gestalt betrifft, vollkommen normal. Es 
gleicht der Körper einer flachen Ellipse, da sowohl die Rückenprofil- als auch die Bauchproäillinie gebogen 
sind, doch ist jene stärker gekrümmt als die letztere. Am besten wird das Gesagte ersichtlich durch die 
Ausmaße und die daraus sich ergebenden Verhältnisse: 


otalläumegeie sah) s Che Se O2 
[Maxımalesxonperhöhergr EEE 20 > 
Koptlängen, . .. mi are 0. ul SErDERRE en re oe 
Kopthöhe., = 4, „weit ur: Sure Ss Er 
Sch\wanzs uelh'öhe rer 20:0 


Es ergeben sich daraus folgende Relationen: 

Die maximale Körperhöhe ist in der Gesamtlänge 2'8mal enthalten. Der nach vorn zugespitzte Kopt 
beträgt den 3°6 Teil der Gesamtlänge und die Höhe des oben nach 
rückwärts ausgezogenen Schwanzstieles ist 2’4mal in der Körperhöhe 
enthalten. 


Die Schädelknochen sind leider nicht ganz geblieben, doch er- 
kennt man nach den noch teilweise erhaltenen Knochen und Eindrücken 
das oben etwas verschmälerte Operculum welches unkenntlich in die 
übrigen darunter liegenden Deckelstücke übergeht. Vor diesen Knochen- 
platten liegen einige deutlich erhaltene Circumorbitalia. Hinter dem Oper- 
culum steht die Clavicula und vor ihr etwa 7 Rad branchiostegi, die 
länglich sind und nach einwärts an Länge zunehmen. Am wichtigsten 
ist, daß in den Kiefern ‘nicht nur eine Zahnart vorhanden war, wie dies 


Schellwien annimmt, sondern es waren deren wenigstens zwei Formen 
Abb. 1. — Semionotus Kapffi, Fraas. 


5 : in den Kiefern: sehr dünne konisch zugespitzte mit etwas gebogener 
— Ein Teil des Schädels. —_pa. = 


Spitze, als auch kräftigere Griffelzähne mit einer kurzkonischen Krone, 


Parietale; fr. = Frontale;co. — Circum- { 

orbitalia; so. — Suborbitalia; op. — die jenen bei den Colobodus beobachteten knopfartigen Ansatz besitzen. 

Opereulum; s. op. — Suboperculum; Bezüglich der Zähne hat bereits Fraas für seinen Semionotus Kapffi 

2 (. eit. pag. 92) hervorgehoben, daß er »einen unter der Krone geschnür- 
coid; p. p. = Pinna pectoralis. 


ten spitzen Griffelzahn« besitzt. Aber auch Schellwien bemerkte an 
Ischypterus tenwiceps von Sunderland (l. eit. pag. 29) derbere griffelförmige Zähne. An einem Stücke von 
Isch. fultus schienen ihm aber hinter den vorderen Zähnen der Zwischenkiefer »niedrige, stumpfe Zähne 
zu liegen«. Schellwien aber hält diese Zahnformen als möglicherweise zufällige, durch die Präparation 


[5] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 197 
entstandene. Wir finden auch demgemäß in der Gattungsdiagnose bezüglich der Zähne bloß den Satz 
»Zähne überall lang und spitz«, was eben rektifiziert werden muß. 

Bezüglich der Beschaffenheit der Oberfläche der Kopfknochen nämlich der »Skulptur der Kopf- 
platten«, so ist bei den /schyplerus die Beobachtung gemacht worden, daß die Kopf- und Circumorbital- 
platten teilweise eine gekörnelte Oberfläche besessen haben. Nachdem ich an unserem Semionotus Kapffi 
ebenfalls eine sehr leichte radıiäre Runzelung und eine leichte Körnelung der Circumorbitalia bestätigen 
kann, so schwindet abermals eine Kluft zwischen /schypterus und Semionotus, da ja auch echte Semionotus 
leicht skulpturierte Kopfplatten aufweisen. 

Die Rückenflosse beginnt hinter der Mitte des Körpers und hat eine kurze der Schwanzstielhöhe 
entsprechend lange Basis, Sie besteht aus 14 Strahlen, von denen der erste mit schlanken (7—8) Fulcra 
belegt ist. Die gegliederten und mehrfach geteilten Strahlen sind ziemlich stark und nicht gedrängt. Der 
längste Strahl entspricht der halben Körperhöhe. 

Die Anale mochte unter dem Ende der Dorsale begonnen haben und war jedenfalls sehr schmal 
und zählte nur wenige Strahlen. Dieselben sind leider aneinander gedrückt und deshalb kann ihre Anzahl 
und nähere Beschaffenheit nicht angegeben werden. 

Die Ventralen sind gar nicht sichtbar, aber um so besser die Pectoralen, die fächerförmig 
ausgebreitet sind und aus 22 Strahlen bestehen. 

Die Caudale ist sehr gut entwickelt, deutlich ausgebuchtet und besteht aus 20 Strahlen, deren 
oberer und unterer Hauptstrahl mit schlanken Fulcra belegt ist. Die Entfernung der beiden Caudallappen- 
enden beträgt 55 mm und die Länge des längsten Strahles am unteren Caudallappenrande an 44 mm. Es 
ist also die Abbildung des Sem. Kapffi bei Fraas bis auf die zu dünn gehaltenen Strahlen der Flossen, 
die jedoch hier zumeist aneinandergelegt sind, ganz richtig, sowohl was die Form der Caudale, als auch 
was die Existenz der Fulera am ersten Dorsalstrahl betrifft, dargestellt. 

Die Schuppen sind zum Teil als Abdrücke, zum Teil auch ganz erhalten geblieben. Diejenigen der 
vorderen Körperpartie hinter der Clavicula sind höher als breit, die hinteren wiederum rhombisch. Alle 
sind glatt und am Rande nicht gezähnelt oder angesägt. Besonders zeichnen sich die 23—24 unpaaren 
Schuppen des Vorderrückens (bis zur Dorsale) durch ihre Gestalt und hauptsächlich dadurch, daß sie nach 
rückwärts in einen schlanken etwas abgebogenen Dorn übergehen, aus. 

Der Körperlänge nach verlaufen an 35 Schuppen, eine Querreihe aber enthält an der höchsten 
Körperstelle an 23 Schuppen. 

Die Seitenlinie hinterließ im oberen Drittel des Körpers gleich hinter dem Kopfe einige sichelförmige 
Eindrücke, die einen ganz ähnlichen Verlauf, wie bei Sem. capensis S. Woodw. zeigen. 

Und nun wollen wir einen Vergleich zwischen den beschriebenen Exemplaren der Art Sem. Kapffi 


Fraas, dem Sem. Bergeri Ag. und unserem Halleinerfisch durchführen. 


: .| Sem. Kapffi | Sem. Kapffi 
t zu Saga Te Sale 
Körperhöhe: tot. Länge wie — 1:3'4—37 1:25-3 12:8 
Koptlänge: tot. Läuge wie — 13:0) IR: | 1:05 
Schwanzstielhöhe: Körperhöhe — 13, 1:3 1:24 
D hat Strahlen: 16— IQ (2) 12 | -14 
Schuppenreihen der Körperlänge nach — 45 gegen 40 an 42 
Schuppenreihen der Quere in Maxim. = — 16 23 
Rückenschuppen bis zur D — — 21—22 23—24 


Es unterscheidet sich also unser Semionotus Kapffi von Sem. Bergeri durch einen etwas höher 
gewölbten Rücken, eine geringere Anzahl der Strahlen in der Dorsalen und durch die ausgebuchtete Caudale 
aus. Die geringen Abweichungen sind aber zumeist auf Kosten des Erhaltungszustandes oder auch unbedeutenden 
individuellen Eigenheiten zuzuschreiben, die man an diesen mesozoischen Fischen so häufig beobachtet, ins- 
besondere muß dies der Fall sein bei Formen von Gattungen, deren Charaktere so vielfach mit denen der 


verwandten Genera verflochten sind. 


25* 


198 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [6] 


Schlufjbemerkung. 


Aus dieser kurzen Auseinandersetzung folgt, daß die generische Diagnose von Semionotus noch die 
nachfolgenden Charaktere enthalten muß: 

»Zähne zweierlei: sehr dünne konische oft leicht gebogene Bürstenzähne und kräftigere Griffelzähne 
mit kurzkonischer Krone, auf welcher ein knopfförmiger Ansatz wie bei (olobodus vorkommt. Schädel- 
dachknochen glatt oder teilweise leicht skulpturiert; die Orbitalia gekörnelt. Die Caudale mehr minder 
deutlich ausgebuchtet oder gerade abgestutzt.«e — Durch diesen Zusatz wird die Gattungsdiagnose, die uns 
Schellwien (l. eit. pag. 32) gibt, komplett. 


2. Genus: Colobodus, Agassiz. 


Bezüglich des Historiats der Gattung Colobodus verweise ich auf die kurze aber gründliche 
Auseinandersetzung in Dames’ Abhandlung: »Die Ganoiden des deutschen Muschelkalkes«!), worin auch 
die Unterschiede dieser Gattung gegenüber der verwandten hervorgehoben sind. Ziehen wir ferner noch die 
kurze Zusammenstellung und Charakteristik sowohl der Gattung Colobodus mit den dazu gehörigen Arten, 
wie wir sie in A. Smith Woodwards Katalog vorfinden,?) so sind wir einerseits über die Kennzeichen 
der in Rede stehenden Gattung orientiert als auch gleichzeitig: unterrichtet, daß da so manche Arten bloß 
auf Zähnen und Schuppen begründet sind und daher ihre Bestimmung resp. Wiedererkennung im gegebenen 
Falle sehr schwierig, ja geradezu unmöglich ist. Selbst die Identifizierung gut erhaltener Exemplare stößt 
auf Schwierigkeiten, wie uns dies ein Vergleich der Arten Colobodus ornatus (Ag.) und Colobodus latus 
(Agass.) belehrt. Die beiden Diagnosen sind nämlich unvollständig und beruhen auf ziemlich sekundären 
Merkmalen so, daß eine Unterscheidung der genannten Arten in einer größeren Seite auf Grund der 
bestehenden Merkmale nicht gut möglich ist. So ist z. B. die Anzahl der Flossenstrahlen geringen Schwan- 
kungen unterworfen, desgleichen aber auch das Schuppenkleid, insbesondere die Ausdehnung jener an ihrem 
hinteren Rande gefingerten Seitenschuppen. Ferner schwankt auch die Lage der Flossen als auch die Gestalt 
des Körpers, da beides wohl zum großen Teil mit einer Deformation der Körperhülle durch Druck in 
Zusammenhange steht! — Es will mir scheinen, daß die Höhe und Länge des Schwanzstieles, dann die 
Fortsetzung der Schuppenhülle in den oberen Schwanzlappen etwas stabilere Merkmale liefern dürften. Wir 
finden zwar bei Bassani°) Fische mit jener in den oberen Schwanzlappen verlängerten Schuppenhülle als 
Colobodus ornatus und Colob. latus bezeichnet, anderseits wiederum Fische dieser Gattung mit ungleich 
gebauten Schwanzstielen, die aber auch mehreren Arten oder Varietäten angehören. Es kann sein, daß die 
Bassanischen Formen nur einer und derselben Art angehören, die auch demgemäß dieselbe Schwanzstiel- 
bildung aufweisen. 

In der Kollekte, die mir Herr Prof. H. Hoefer gesendet hat, gibt es eine größere Anzahl 
verschieden großer und alter Individuen der Gattung Colobodus und alle diese ließen sich bezüglich ihrer 
Körperform und der Beschaffenheit des Schwanzstieles in zwei Gruppen mit drei Formen sondern, und zwar: 

A. Körper mit hohem Rückenproßile: 


a) Schwanzstiel kurz, hoch, die Schuppen in den oberen Caudallappen verlängert. Caudale mäßig 
ausgrebuchtet: 


Colobodus ornatus. 


b) Schwanzstiel kürzer, niederer, am Ende abgestumpft unbedeutend in den oberen Caudal- 
lappen übergehend: 


‘) Paläontolog. Abhandlungen. IV. Band, 1888, pag. 23. 

*) Catalogue of the fossil Fishes. Part. III., 1895, pag. 68-77. 

°) La Ittiofauna della Dol. prince. di Giffoni. 1895, pag. 186-196. — Tav. XII (IV), Fig. 8,9, Tav. XIII (V), Fig. T, 
Tayv. XIV. (VD; Tav. XU (IV), Fig. 5—7, Tav. XII (V), Fig. 24 et 5. 


7] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 199 


Colobodus ornatus var. obfusus. 


B. Körper gestreckt, Schwanzstiel kurz, am Ende abgestumpft und unbedeutend in den oberen 
Caudallappen übergehend: 


Colobodus elongatus n. f. 


Ich übergehe zum ersten Formenkreise der Gattung Colobodus, zu welchem ich die von Bassani 
und Kner als Colob. latus beschriebenen Formen zuziehe, und zwar aus Gründen, die sich im Laufe der 
Beschreibung ergeben werden. 


1. Colobodus ornatus, Agassiz. 
‚Taf. T, Abb. 1; Taf. V, Abb. 1, 4.) 
1832. Lepidotus ornatus, L. Agassiz: Neues Jahrh., pag. 145. 
1833—37- » » L. Agassiz: Poiss. foss. Vol. II, pag. 9, 249, Pl. XXXII. 
(2) 1844. Lepidotus speciosus, L. Agassiz: ibid., pag. 266, Pl. XXXIV. a. Fig. 5—7. 
1850. Lepidotus acutirvostris, ©. G. Costa: Atti Acad. Pontan, Vol. V, pag. 30r, Vol. VII, Fig. IA. 
1850. Lepidotus gigas, ©. G. Costa: ibid, pag. 308, Pl. VII. 
1857. Lepidotus?spinifer, C. Bellotti in A. Stoppani: Studie geol. e paleont. Lomb., pag. 42T. 
1862. Lepidotus acutirostris, ©. G. Costa: Atti R. Acad. Sc. Napoli. Vol. VI. Append, pag. 17, 44, Pl. VII, Fig. 3. 
1862. Lepidotus sp., OÖ. G. Costa: ibid., pag, 20, 42, Pl. II. 
1862. Semzonotus sp., OÖ. G. Costa: ibid., pag. 43, Pl. III. 
1862. Semionotus curtulus, OÖ. G. Costa: ibid., pag. 20, 43, Pl. IV. 
1862. Urocomus picenus, ©. G. Costa: ibid., pag. 27, 43, Pl. VI, Fig. I a, A. 
1866. Lepidotus ornatus, R. Gredner: Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wiss., math. naturw. RI. Bd., 54., pag. 313, Taf. II. 
1866. Lepidotus obessus, OÖ. G. Costa: Atti R. Acad. Sci. Nap. Vol. III, pag. 4, Pl. T, II. 
1889. Semionotus spinifer, W. Deecke: Palaeontogr. Vol. XXXV, pag. 136. 
1891. Lepidotus triumphinorum, A. de Zigno: Mem. R. Acad. Lincei, (4) Vol. VII, pag. 6, Pl. I. 
1892. Lepidotus (Colobodus) ornatus, F. Bassani: Mem. Soc. Ital. Sci. (3), Vol. IX, pag. 24. 
1895. Colobodus ornatus, A. S. Woodward: Catalogue of the foss. Fisches. Part. III, pag. 72. 
1895. Colobodus ornatus, F. Bassani: La Ittiofauna d. Dol. prince. di Giffoni, pag. 187 (19), Tav. XII (IV), Fig. 8,9; 

Tav. XII (V), Fig. 1; Tav. XIV (VD); Tav. XV (VID, Fig. 4—30. 

Dazu hätte man noch zu setzen: 

1866. Semionotus latus, R. Kner: Foss. Fische v. Seefeld in Sitzungsber. d. k. Akad. der Wiss. math. nat. Kl., Bd. 

LIV, pag. 319, Taf. III, Fig. 5, et Taf. IV. 

1895. Colobodus latus, F. Bassani: La Ittiof. di Giffoni, pag. 192 (24), Tav. XIL (IV), Fig. 5, 5a, 6 und 7, Tav. 

XIII (V), Fig. 2—4 und 5), Tav. XV (VII), Fig. 31-43 und Fig. 44—47 (?). 

1895. Colobodus Zatus, A. S. Woodward: Catalogue Part III, pag. 75. 

Die bisher als Colobodus ornatus und Colobodus latus (im Sinne Kners und Bassanis) beschriebenen 
Arten, bilden meines Erachtens nach bloß eine einzige Art, welche man als Colobodus ornatus zu bezeichnen 
hätte. Die Berechtigung zu einem derartigen Vorgange ergibt sich aber aus dem Vergleiche der entsprechenden 
Artsdiagnosen. —A. S. Woodward hat die genannten Arten wie folgt charakterisiert: 

Colobodus ornatus (Agassiz) [Siehe: Catalogue III, pag. 73]: 

»A species attaining a length of about 0:5. Trunk deeply fusiform, its maximum depth much 
greater than the length of the head with opercular apparatus, which occupies nearly one-quarter of the 
total length of the fish. External bones finely ornamented with tuberculations; teeth smooth, not closely 
adpressed, those within the mouth oval or rounded. Pelvic fius arising opposite the origin of the dorsal 
fin, and much nearer tho the anal than to the pectorals; dorsal fin with about 24 rays, the anal less than 
half as large and opposed to its hinder portion. Scales smooth, but those of the flanks, except in the hinder 
half of the caudal region, with long and conspicuosus posterior digitations; prineipal flank-scales scarcely 
deeper than broad.« 

Colobodus latus (Agassiz) |]. eit. pag. 75]: 

»A species attaining a length of about 0'35; general proportions, teeth, and external ornamentation 
of bones as in Colobodus ornatus. Scales smooth and without serrations, except in the lower half of the 


200 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [8] 


abdominal flank, where they are often marked with feeble obligue striations and pectinated at the hinder 
margin; prineipal Nankscales considerably deeper than broad.« 

In letzterer Diagnose fehlen alle Angaben über die Lage der Flossen und über die Anzahl der Strahlen. 
Ziehen wir noch in Betracht daß die übrigen Verhältnisse des Körpers jenen des Colobodus ornatus ent- 
sprechen, so bleibt uns mit Ausnahme der gezackten Schuppen des Colobodus ornatus kaum noch etwas 
zur Charakteristik des Colobodus latus übrig. 

Mein hochgeehrter Kollege Prof. Dr. F. Bassani hebt noch für Colobodus ornatus die gekörnte 
Fläche der Schuppen hervor und bemerkt, daß ganz glatte Schuppen selten sind. Ich beobachtete gekörnte 
Schuppen bloß im Bereiche der Basis der Rückenflosse, wo man hie und da einzelne Körner an der Schuppen- 
fläche findet. Zahlreicher wird die Körnelung der Schuppenfläche bei ausgewachsenen Individuen, 
wie ich dies an geeigneter Stelle noch zeigen werde und ich möchte hier bloß hervorheben, daß die stärkere 
Körnelung der Schuppen ein an das individuelle Alter der Art Colobodus ornatus gebundenes Merkmal ist 
(siehe bei Exemplar IV). 

Auch bezüglich der fingerigen Zackung der hinteren Partie der Schmelzschicht der Schuppen werden 
wir uns noch überzeigen, dafs dieser Charakter abermals ein ganz individueller ist, da man an sonst ganz 
gleich gebauten Exemplaren einmal zahlreiche gezackte Schuppen vorfindet, ein andermal wiederum nur 
wenige derartige Schuppen beobachtet. Ich bin geneigt, die Zackung der Schuppen geschlechtlichen oder 
sonstigen individuellen Unterschieden zuzuschreiben. 

Die hier vorgebrachten Gründe mögen vorläufig ausreichen, um mein Vorgehen bei der Vereinigung 
der beiden genannten Colobodus-Arten zu rechtfertigen, gleichzeitig aber gehe ich zur Beschreibung; der 
6 Halleiner Exemplare der Gattung Colobodus über. 


Exemplar I. 
(Taf. I, Abb. 1.) 

Auf einer großen, leider zerschlagenen Platte eines grauen kalkigen Mergels befindet sich eine 
ganze Kollekte von Fischen: 3 große hochrückige Colobodus, 5 schlanke der Gattung Heterolepidotus und 
eine Anzahl junger Fische. Von den Colobodus werde ich in dieser Abhandlung das eine ganze Exemplar 
in Betracht ziehen (siehe Abb. Taf. I) und von dem zweitgrößten derselben Platte den Schädel, weil die 
Bezahnung der Kiefer hier sehr gut ersichtlich ist.._— Dem best erhaltenen Exemplar fehlt der obere und 
das Endteil des unteren Caudallappens, sonst ist der Fisch komplett. 

Die Ausmaße sind folgende: 


Totallängeı . & vn. ee a 
range nd erl@ Auda]len er ro 2 
Korperhonesbeigc eng) or: SAeP 
Kopflanser en u ee ao 
Kopihöhe 7 ee r, 1 re ENGE B 
Schwanzstielhöhe, = use 10 61:3 » 
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Der Körper des Fisches ist sehr hoch, denn es ist seine maximale Höhe beim Beginne der Dorsale 
bloß ı'5mal in der Körperlänge (ohne der Caudalen) enthalten. Der kurze hohe Schwanzstiel ist in der 
Körperhöhe nur 2'Smal und in der Körperlänge 5mal enthalten. Der verhältnismäßig kleine, dreieckige Kopf 
kann beiläufig 3'/;mal auf die Körperlänge (ohne Caudale) übertragen werden. Von den Kopfknochen ist 
wenig zu bemerken, da sie leider deformiert sind. Man gewahrt aber immerhin das breite, gekörnte 
Operculum, das Suboperculum, Teile der Clavicula, Fragmente der stark skulpturierten Parietalia und 
Frontalia und Kieferbruchstücke. Etwas besser ist der Schädel des zweitgrößten Exemplars, von welchem 
ich hier einiges entnehmen möchte. Am Unterkiefer sieht man eine Reihe von 8 konischen Zähnen, welche 


[9] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 201 


unter der Krone eingeschnürt sind und auf der Krone noch jene warzige Erhöhung zeigen (a, b). Am 
Zwischen- und Oberkiefer beobachtet man ähnliche Zähne (c), am Gaumen dagegen bemerkt man eine 
Gruppe größerer runder, halbkugeliger Pflasterzähne, umgeben von kleinen derartigen Zähnen. Diese Pflaster- 
zähne sind ebenfalls in der Mitte etwas erhaben (d). Sämtliche Zähne stehen schütter. Die konischen Kiefer- 
zähne erreichen 2 mm an Länge und 0'7 mm Kronenbreite;, die größten Pflasterzähne messen im Durch- 
messer 25 mm. — Vor dem schmalen Präopereulum sieht man Spuren größerer Suborbitalia und unter 
dem Interopereulum mehrere leicht gebogene Radii branchiostegi. 


Um eine gleichmäßige Beurteilung der Flossenstellung zu erlangen, bin ich so vorgegangen, dafs 
ich die Insertionsstelle der Pectorale mit der Basis des ersten mit Fulcra belegten Analstrahles verbunden 
habe. Zu dieser Geraden zog ich aus der Mitte der Schwanzstielhöhe eine Parallele, auf 
welche Linie ich nun die Anfangspunkte der Flossen (D, V, A, P) projizierte. 


Die Dorsale beginnt fast in der Mitte oder etwas vor ihr, erstreckt sich 
1205 mm weit zurück und endet beiläufig eine Schwanzstielhöhe vor der Insertionsstelle 
der Caudale. Die Basislänge der Flosse ist etwa 1!/,mal in der maximalen Körperhöhe 
enthalten. Die Flosse besteht aus 23, bis zur Basis herab geteilten Strahlen; bald be- 


einnt sich jeder Teil wiederum zu spalten, so dat die Endspitzen der Strahlen in vier 


bis sechs Fäden zerschliezt sind. Außerdem sind noch die einzelnen Teile gegliedert. 
== Abb. 2.— Zähne von 


Colobodus ornatus 
dem ersten Strahl, und zwar so, dafs sich je eine Schindel zwischen die drei vor dem (Ag.)vergrößert dar- 
gestellt. 


Der erste Flossenstrahl ist mit Fulcra besetzt; letztere beginnen aber schon etwas vor 


ersten Hauptstrahl liegenden Dorne einschaltet, vor welchen noch drei solche immer 
kürzer werdende Dorne stehen (siehe beiliegende Textabbildung). Der längste Strahl der Flosse war der 
fünfte und mißt an 101'5 mm, während der letzte noch 47 ınm erreicht. 


Die Anale beginnt unter dem 16. Hauptstrahl der Dorsalen oder unter dem 3. Viertel ihrer Basis- 
länge und reicht etwas über das Ende der vorigen heraus. Die Basislänge der Afterflosse beträgt kaum den 
dritten Teil der vorigen. Die Flosse enthält 10 Hauptstrahlen und etwa 2 Dorne. Der erste Hauptstrahl ist 
mit Fulera belegt; die längsten Strahlen (der 2. und 3.) dürften der halben Länge der längsten Dorsal- 
strahlen gleich kommen. Sonst sind die Strahlen ähnlich wie diejenigen der Dorsale beschaffen. 


Die Caudale ist am kurzen hohen Schwanzstiel 
derart befestigt, daß der obere Teil des Stieles mit vier 
‚ Schuppen in den Caudallappen übergeht, doch so, daß die 
Schuppen der Querreihe rasch an Größe und Zahl abnehmen 
und dieser schräg aufwärts gerichtete Stiel endlich spitz mit 
einer Schuppe endet. Der Hinterrand des Schwanzstieles ist 


in der Mitte leicht ausgebuchtet, weil die Schuppen der unteren 
Schwanzstielhälfte auch etwas ausbiegen. Charakteristisch ist pp, 2 Sansa) Terre 
nun die Anordnung der Schuppen in dieser mittleren Schwanz- salstrahl; a=Fulcra zwischen die Dorne d ein- 
stielpartie mit Bezug auf die Verlängerung des Stieles. Die schaltend. 

rhombischen Schuppen der vorletzten Reihe hinterlassen 

da einen dreieckigen Ausschnitt, und die tiefste Stelle desselben ist gerade die Mitte des Schwanz- 
stieles. Dieser Ausschnitt ist nun durch größere und anders gestaltete Schuppen ausgefüllt, so zwar, 
daß die größten Schuppen die Mitte des Ausschnittes bilden. Wir sehen zuerst im Winkel die große fünf- 
eckige Schuppe a. Auf diese Schuppe schmiegen sich mehrere oder bloß eine rhomboidische Schuppe und 
zwar nach oben bloß eine —b—, nach unten aber 6— c — h, welche letzteren allmählich kürzer werden. 
An die Schuppe —b— legen sich sogleich zwei rhombische, mit ausgezogenen hinteren oberen Winkel und 
gehen in den oberen Caudallappen über, doch so, daß sich daran noch die beiden vorangehenden Schuppen- 
reihen eine kurze Weile beteiligen. Zuletzt verbleiben nur die zwei immer schlanker werdenden Schuppen 
der letzten Reihe, von welchen endlich nur eine übrig bleibt. Auf diese Schuppen lehnen bereits die Fulcra. 
— Wie gesagt, schmiegen sich an die Schuppe —a— nach abwärts 6 rhomboidische an. An die letzte 


202 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [10] 


derselben lehnen zwei kleinere rhombische. Von nun an biegt der Schwanzstielrand nach abwärts und es 
treten bis zum ersten unteren Caudalstrahl weitere vier Schuppenreihen hinzu. 

Die Schwanzflosse scheint aus 21 Haupt- (2 I 1o0—-ıı ] 3) und nur einzelnen Randstrahlen 
zusammengesetzt zu sein. Der obere und untere randständige Hauptstrahl ist mit Fulcra belegt; die darauf 
folgenden oberen 5 und unteren 6 sind dicht aneinander gedrängt, kurz gegliedert und jedes Glied ist mit 
einer ovalen oder rundlichen, flachen, glänzenden Schmelzerhebung geziert. Teilt sich der Strahl, so werden 
auch die durch die Bifurkation entstandenen Glieder auf dieselbe Weise geziert. 

Diese Schmelzverzierungen sind indessen auf die untere Partie der genannten Hauptstrahlen gebunden 
Die mittleren Strahlen der Caudale stehen schütter, sind dünner und bis zur Basis geteilt, von wo sie dann 
rasch zerschließt (12fach) werden, ohne jene Verzierung zu zeigen. 

Die Ventralen sind am schwächsten entwickelt und liegen etwas hinter dem Anfange der Dorsalen 
so zwar, daß sie den Analen näher stehen als den Pectoralen. 

Die Pectoralen endlich stehen knapp hinter dem Kopfe am hinteren Rande, sind ziemlich gut 
entwickelt und aus einer größeren Anzahl von Strahlen zusammengesetzt. 3 


! Abb. 5. Colobodus ornatus (Ag.). — Zwei Haupt- 
Abb. 4. — Colobodus ornatus (Ag). Ein Teil des strahlen der Caudale die Schmelzverzierungzeigend 
hinteren Schwanzstieles schematisch dargestellt. (schematisch). 


Die Schuppen sind im großen und ganzen von rhombischer Gestalt, doch weichen sie je nach 
der Körperlage auch bedeutend von dieser Grundform ab. Insbesondere geschieht dies dort, wo sie sich 
zum Teil an eine besondere Konfiguration eines Körperteiles anpassen mußten. Als solche abweichend geformte 
Schuppen haben wir bereits jene des hinteren Schwanzstielrandes kennen gelernt. Es weichen ferner von 
der rhombischen Gestalt jene Schuppen, welche den Bauch- und Rückenrand besetzen, ab. Besonders be- 
merkenswert sind jene an der Rückenflossenbasis verlaufenden, weil sie — abgesehen von einer anderen 
Gestalt — noch mit gröberen Körnern bedeckt sind. In der schrägen S-ähnlichen QOuerreihe von der Dor- 
sale bis zum Beginne der Anale liegen an 32 Schuppen; der Körperlänge nach dürften ca. 46—48 Schuppen 
liegen. Leider sind die Schuppen mit geringer Ausnahme schlecht erhalten geblieben. Die Schuppen des 
vorderen Rückenteiles sind grob gekörnt, sonst sind alle übrigen, mit Ausnahme der erwähnten an der 
Basis der Rückenflosse gelegenen, glatt. Noch möge bemerkt sein, daß vor der Anale eine größere ge- 
zähnte Schildschuppe steht. 


Exemplar II. 
(Taf. V, Abb. ı.) 
Ist der Abdruck eines vorzüglich erhaltenen Fisches, dem leider der Kopf fehlt. Die Flossen und 


"insbesondere die Beschuppung sind vortrefflich. 
Die Ausmaße des Abdruckes und die Anzahl der Strahlen ist folgende: 


Körperlänge bis zum Schultergürtel . ... ...17 mm 
KornperhöhesbeigdengD) orsalen m ron » 
ElöhedesaSchwanzsueleser eo S 


N u 
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[11] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 


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[0] 
19) 


D hat Strahlen 
A) » 
SE » ae Se a u 
Nachdem diesem Fische leider der Kopf fehlt, so habe ich vom vorhandenen Körperteil dessen 
maximale Höhe und die Länge vom hinteren Rande des Schultergürtels an bis zur Basis der Caudale, mit 
denselben Ausmaßen des vorigen Fisches, vergleichend in Betracht gezogen. Der Vergleich ergab, daß an 
beiden Exemplaren die maximale Höhe 1!/;mal in der Länge vom hinteren Clavicularrande bis zur Mitte 


[8] 


oder 3125 — 26 
2[1o 
I 20—2113 


des hinteren Schwanzstielrandes, die Höhe des Schwanzstieles aber in der größten Höhe 3mal enthalten ist 
und es kommt diesbezüglich dieser Fisch dem vorher beschriebenen (mit 2'9) fast ganz gleich. Wie beim 
vorher geschilderten Fische, so steigt auch bei diesem die Rückenprofillinie gleich vom Hinterhaupte steil 
und bogig gegen den Beginn der Dorsale an, von wo sie wiederum mehr geradlinig gegen den Schwanz- 
stiel abfällt, welch letzterer beim Ende der Dorsale stumpfwinklig abbiegt, um sich endlich in den steil 
aufgerichteten oberen Caudallappen fortzusetzen. Die Bauchprofillinie, nämlich von den Pectoralen bis zur 
Anale, ist leicht abwärts gebogen, von letzterer Flosse wiederum ist das Profil bis zur Ansatzstelle der 
Caudale aufwärts gebogen. 

Wie bemerkt, fehlt unserem Fische der Kopf; bloß sind noch die postclavicularen Schilder des 
Schultergürtels sichtbar. Es sind dies drei ungleich große und verschieden gestaltete, stark gekörnte Schild- 
schuppen (siehe Skizze Abb. 6), von denen die obere das Supraclaviculare (s. c2.) das mittlere das clavi- 
culare (cl) und das untere das interclaviculare (z. cl.) Schuppenbild darstellt. 


Letzteres zeigt außer der 
Körnelung noch einige radiale Furchen. 


Abb. 6. Colobodus ornatus (Ag.). — Postclaviculare Abb. 7. Colobodus ornatus, (Ag.). — 


Schilder, und zwar: s. c2. — supraclaviculares, cl. = Ein Teil des hinteren Schwanzstieles schematisch 
elaviculares und 2. c/. = interclaviculares Schuppenbild. dargestellt. 


Die Dorsale ist lang und hoch, denn ihre Basis mißt 78 mm und reicht von der höchsten Stelle 
des Rückens bis 28°3 mm vor den aufgebogenen Teil des Pediculus caudalis zurück. Sie besteht aus 
25 oder 26 Hauptstrahlen und etwa 2 oder 3 kurzen, ungegliederten, welche vor dem ersten mit Fulkra be- 
legten Hauptstrahle stehen. Die längsten vorderen Strahlen messen 66 mm, der letzte nur 20 mm, der 
mittlere aber 57 mm. Die Strahlen sind bis zur Basis einmal geteilt, doch teilen sie sich in ihrer weiteren 
Erstreckung mehrfach, wobei sie auch gegliedert sind. 

Die Anale beginnt erst unter dem ca. 22. Dorsalstrahl und endet gleich hinter dem Ende der 
Dorsale. Ihre Basis mißt bloß 21!, mm, während die Länge des zweiten Strahles 44!/,, die des letzten 
nurmehr 16?/, mm beträgt. Der erste Flossenstrahl ist mit Fulcra besetzt. 

DieCaudale istauf dem kurzen hohen Schwanzstiel inseriert, dessen oberer Teil schräge nach aufwärts 
verlängert ist. Dieser aufgebogene Teil des Pediculus mifßt basalseits 13’3 mm und besteht da aus fünf Schuppen 
deren Zahl sich natürlich gegen das Ende des sich verschmälernden Fortsatzes vermindert. — Auch auf 
diesem Schwanzstiele gewahrt man einen dreieckigen Ausschnitt, welcher durch einige größere und zum 
Teil anders geformten Schuppen der letzten Reihe verkleidet ist. Die Mitte des Ausschnittes nimmt eine 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVIII. 26 


204 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. 12] 


große, unregelmäßig sechseckige Schuppe — a — ein. An diese schmiegt sich jederseits bloß eine, und zwar: 
oben eine sehr schmale — db —, unten eine breite — 5b! — an. Auf die obere — 5b — folgen nun drei 
Doppelreihen rhombischer Schuppen, von denen nachher die Außenreihe ausbleibt und die Schuppen der 
vorletzten Reihe länglich ausgezogen ebenfalls enden, doch bilden hier einige — mehr weniger — deformierte 
Schuppen der vorangehenden Reihen den nur mäßig ausgezogenen Schwanzstiel. Mit der Schuppe — 5b! — 
hört zugleich die hintere Schuppenreihe des Pediculus auf, da nachher bereits die verlängerten Schuppen 
der vorletzten Reihe an die Caudale herausreichen. 


Ein Vergleich dieses Schwanzstieles mit dem des zuvor beschriebenen Exemplars I ergibt zwar 
eine Analogie in der Anordnung der letzten Schuppenreihen, doch auch augenfällige Abweichungen. Die 
Übereinstimmung beobachten wirim oberen Caudallappen, indem auf die Schuppe — db — (an beiden Exemplaren) 
eine Doppelreihe von Schuppen folgt, während am unteren Lappen des Exemplares II, eine bedeutende 
Reduktion in der Anzahl der Schuppen der letzten Reihe auftritt. 


Die Ventralen liegen gerade so wie beim vorigen Exemplare, nämlich hinter dem Anfange der 
Dorsale und stehen der Anale näher als den Pectoralen. Die Strahlen der Bauchflossen waren über 23 mm lang. 


Die Pectoralen liegen knapp unter dem Schultergürtel und sind nur teilweise erhalten geblieben. 


Der Abdruck des Schuppenkleides ist vortrefflich erhalten. Bezüglich ihrer Anzahl soll bemerkt 
sein, daß man längs des Körpers vom Schultergürtel an bis zur Mitte des Schwanzstieles 44 Schuppen 
zählt. In der schrägen und S-förmig gebogenen OQuerreihe von der Dorsalen bis zur Analen gibt es 
30—3I und am Schwanzstiele 17 Schuppen. Was die Gestalt der Schuppen anlangt, so ist dieselbe 
je nach der Körperpartie verschieden. Hauptsächlich treten aber zweierlei Formen hervor: die parallel- 
epipedischen der vorderen Brustflanken und die rhombischen des Caudalabschnittes. Die ersteren sind im 
allgemeinen höher als breit (1!/,—2mal) und weil ihr hinterer Rand leicht gebogen, der Ober- und Unter- 
rand aber gerade ist, so sehen die Schuppen wie gestreckte Sechsecke aus. Sowohl nach oben, unten 
und nach hinten nimmt die Höhendimension der Schuppen etwas ab und übergehen, nachdem auch die 
Reihen schräger werden, in Rhomboide und Rhombe über, doch werden die Gestalten an den Rändern des 
Körpers und bei den einzelnen Flossen deformiert und zu Deltoiden, Pentagonen und anderen unregel- 
mäßigen Polygonen umgeformt. Die Schuppen der ersten 6—7 Reihen der mittleren Brustpartie, und zwar 
vom Schultergürtel an, besitzen an der hinteren Schuppenfläche bis acht etwas abwärts geneigte fingerige 
oder kammartige Zacken (a). 

Die Zacken aber reduzieren sich bald auf 4, 3, 2 oder I (d), und 
zwar nach allen Richtungen so, daß endlich bloß im Bereiche der Ventralen 
noch zwei oder eine Zacke sichtbar sind, welche sich beim unteren Schuppen- 
winkel befinden. Im caudalen Körperteil ist den rhombischen Schuppen 


der hintere untere Winkel in einen Dorn ausgezogen. 
b Die Seitenlinie zieht beiläufig durch die Mitte des Körpers und 
ist an unserem Bilde deutlich sichtbar durch die Einbiegung zweier neben- 


einander verlaufender Schuppenreihen, Die Schuppen jener Reihe, in 
\ N welcher sich die Öffnungen der betreffenden Kanäle befinden, zeigen an 


ihrem hinteren Rande unter der Mitte einen Ausschnitt (x) bei —d—-, und 
Abb. 8. Colobodus ormatus (Ag.) 


— Verschiedene Schuppen. a — 
aus der vorderen Körperpartiehin- Erhebung ) bei = —. 
ter dem Schulterblatte;, D=Schup- 
pen mit reduzierter Zackenzahl; 
c — eine Schuppe aus dem Cau- 
dalabschnitte; d — drei Schuppen Ist ein recht gut erhaltenes Stück, dem aber die Anale und Cau- 
der Seitenlinie mit dem Ausschnitte 
(x) unl der Kanalöffnung (y). 


auf jeder zweiten Schuppe eine dachluckenartige, nach rückwärts geöffnete 


Exemplar IH. 


dale fehlt. Dieses Exemplar schlieft sich, was Größe und Gestalt anlangt, 
derart an das vorher beschriebene Stück, daß ich es ursprünglich für das 
Original jenes Abdruckes hielt, bis mich genaue Messungen nicht überzeigten, daß es ein anderes doch 
gleich großes Individuum ist. Wenn wir sich das vorher beschriebene Stück durch diesen Fischrest ver- 


[13] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 205 


vollständigt denken, d. h. zu jenem den Kopf dieses Restes sich hinzu denken, so erhalten wir für die 
Exemplare II und III folgende Ausmaße und Relationen: 


Gesamtlansesdesu Körpers komm 
Länge des Körpers ohne Gaudale . . . . . .. . 2105 » 
IXopilane en ZI 5 
Ko pille ee ee ner OB 5 


Körperhöhe zur tot. Länge, wie 1: 2:04 
» » \Lamse One (G 115% 
Schwanzstielhöhe zur Körperlänge ohne C 1:5 
> » Körperhöhe, wie 1:3 
Kopflänge zur Gesamtlänge, » 1:3'6 
Kopflänge zur Körperlänge ohne C, » 1:3 


Exemplar IV. 


Dies ist ein vollkommen erhaltener Fisch, dessen Schuppenhülle weggebrochen ist. Er ist der kleinste 
und gleichzeitig auch etwas schlanker als die bisher beschriebenen Reste. Sonst aber stimmt er in allem 


mit den übrigen Fischen überein. 


.ca.I7o mm 


Totallänge des Körpers Er 

» » BEohneg Gr ee u TA 8 
Ktonpernolere ee ee a SO 8 
Schwan zstlelh ober 22,05 


Körperhöhe zur Gesamtlänge, wie I:2'57 


» » LängeohneC, >» 1:2'15 
Schwanzstielhöhe zur Gesamtlänge, » 1:7'5 
» » LängeohneC, » 1:62 
» Körperhöhe, » 1:2'9 
DiEhataScrallen zu 2 er een Kr 282:1.26 
A » » SE eo ie) 
Er» » a ee nn ana I a ATZE 


Längs des Körpers, und zwar vom Schultergürtel bis zur Mitte des Pediculus caudalis zählt man 
38 und in der Querreihe von der Dorsale zur Anale 30—31 Schuppen. Hinter dem Schultergürtel sind 
bloß an einigen Schuppen Abdrücke von Zacken sichtbar und an der Basis der Rückenflosse sind an den 
Schuppen der dritten Reihe punktförmige Abdrücke von Vertiefungen sichtbar. 

Dieser Fisch unterscheidet sich von den Exemplaren II und III hauptsächlich dadurch, daß er eine 
geringere Anzahl von gezackten Schuppen hinter der Clavicula besitzt. 


Exemplar V. 
Ist ein kompletter Fisch, dessen Kopf und vordere Rückenpartie durch einen Sprung gestört ist. 
Sein Körper ist sehr hoch und ganz wie bei Nr. I beschaffen, nur ist der Schwanzstiel kürzer, niederer und 
dabei geht der obere Teil des Pediculus kaum merklich in den Caudallappen über. 
Die Messungen ergeben folgende Zahlen: 


orale Ktorperlan sen um 
Körpenlänezohnes@audaleses ron 
Körperhöhe en 4 Are eg 15a OF 
Kopfläne se ae car 05, 3 
Kopihohemeg ee rer oe 
Schlwanzstie]|o ee 735053 


26* 


206 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [14] 


Dorsaleshats Strahlen re (nern 
Anale « » a EN te re Tr 
Caudale » » N ee eo en 2, vn 


Aus diesen Ausmaßen ergeben sich folgende Relationen: 


Die Körperhöhe verhält sich zur Gesamtlänge, wie I : 2'4 


» » » > =» Bänge ohne/E 7» 72 71:9 
Die Schwanzstielhöhe verhält sich zur Totallänge wie, ı : 81 
» » » » »LängeohneCwie, I : 6'3 
» » » » » Körperhöhe wie, 1 : 3'3 
DieaKoptilängeszunstoralenWMElohe we 1? 


Der Körperlänge nach liegen an 40 Schuppen (bis zur Mitte des Schwanzstieles gezählt) und in 
der schrägen Querreihe von der D. bis A. 30 Schuppen. Nur wenige Schuppen sind (hinter dem Schulter- 


gürtel) gezackt. 


Bezüglich der Flossenlage habe ich nichts zu bemerken, da in dieser Beziehung dasselbe gilt, was 


bereits bei dem vorher beschriebenen Fische gesagt wurde. 


Exemplar VI. 


Ist leider nur teilweise erhalten, denn es fehlt dem Fische der Kopf mit dem vorderen Rückenteil, 
die vordersten (ca. 3) Dorsalstrahlen und die Caudale. Esist dies zugleich der größte Colobodus der Kollekte! — 
Die Körperhöhe dieses Fischrestes beträgt 23—24 cm und die Länge vom Clavicularende bis zum Ende 
des Schwanzstieles mag etwa 30 cm gemessen haben. Der ganze Fisch aber war an 50 cm lang und stimmte 
diesbezüglich fast genau mit jenem Colobodus ornatus, den F. Bassani aus Giffoni beschrieben hat 
überein. Von der Rückenflosse sind 23 Strahlen erhalten geblieben, es fehlen also blof3 die vordersten 
1—3 Strahlen. Bemerkenswert sind die zumeist rhombischen Schuppen, weil sie an ihrer Fläche gekörnt 
sind. Die Anzahl der Körner ist aber eine unregelmäßige; es gibt im Caudalabschnitte Schuppen ohne 
oder mit nur 2—4 Körnern. Die gekörnten Schuppen sind indessen zahlreicher nahe dem Bauchrande, 
ferner am Rücken längs der Dorsale. Im Caudalteil fand ich auch eine rhombische, glatte Schuppe, deren 
hinterer, unterer Winkel in einen dornigen Fortsatz ausgezogen ist. Ob die Schuppen der abdominalen 
Körperpartie gezackt waren, kann leider nicht bestimmt werden, weil die Schuppen der betreffenden Körper- 
partie abgebrochen sind. 


Jedenfalls ist das Vorhandensein dieser gekörnten Schuppen an unserem Colobodus bemerkenswert, 
da wir daran jenes Merkmal zu erkennen haben, welches Bassini für Colob. ornatus namhaft macht. 
Wir beobachteten gekörnte Schuppen am Vorderrücken und an der Basis der Dorsalen unseres Exemplars I 
(Taf. I, Abb. 1), welches das zweitgrößte Individuum dieser Art ist (entspricht fast genau dem Bassani- 
schen Col. latus aus Giffoni), jedoch — wie wir sahen — in beschränkterer Verbreitung, Über das ganze 
Schuppenkleid sind derartige Schuppen bloß bei großen Exemplaren verteilt. Eine grobe Körnelung der 
Schuppen sehen wir endlich auf dem auf Taf. V, Abb. 4, abgebildeten Bruchteile eines aus der Gegend 


beim Anfang der Dorsale herrührenden Schuppenkleides eines ausgewachsenen Individuums. 


Aus allen den gemachten Beobachtungen aber folgt, daß die Körnelung der Schuppen ein 
rein individuelles und auf das Alter des Fisches gebundenes, also sekundäres 
Merkmal ist. 


Wir wollen nun in der Folge die Charaktere und Ausmaße der fünf beschriebenen vollständigen 
Exemplare in tabellarischer Form wiedergeben: 


[15] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 207 
Exemplar Il, MI, | III. Vz V. 
Verhältnis der:  ——— 

Körperhöhe zur Länge (ohne C), wie . | 1:18—-19 132 T:2°15 11:9 

Schwanzstielhöhe zur Körperhöhe, wie . 1022:8 233 1:29 1438 

Dorsale hat Strahlen... ... yes s 3123 2—3125—26 2126 124 

Anale » » ERS EN ERRER 21ıo 21 ıo 211o 3lıı 

Caudale » > er DR 910] T20—211 I20ol 3—4110-913 

Schuppenzahl der Länge nach ae > 46—48 44 38 40 

Schuppenzahl der Quere nach (von der D zur A) | 32 30—31 30—3I 30 


Zur besseren Feststellung der Art müssen wir noch die entsprechenden Zahlen der von Bassani 
für Colobodus ornatus und Colobodus latus, dann jene Werte, die Kner und Agassiz für die Seefelder 
Fische gaben berücksichtigen: 


Colob. ornatus | Colob. ornatus| Colob. latus | Cofob. Tatus 
Name =Semion.ornatus — Semion.latus : 
(Kner) | (Bassani) (Kner) (Bassani) 
Körperhöhe zur Länge (ohne C), wie . :2 (nach d. Abb.) | 10232) —_ | 12 
Schwanzstielhöhe zur Körperhöhe, wie . 1:27 » » » Bl _ 1:25 
IDorsaleshais Strahlen sr 122—23 min. 22 2—3120—21 min. 22 
Anale > De en. ER 19—10 | ca. 14 I19— 10 | 8—9 
Caudale » » a a Zr a nt _ IT10o—91I _ I13—1I0l 
Pectorale » DT EN I0—12 | — =: — 
Schuppen längs des Arms RE _ 42 — 36 
| Schuppen von der Dzur A...... || 28—29 28 | 28 28—29 


Ein Vergleich unserer Fische mit den Agassizschen Lepidotus ornatus (— Colobodus ornatus 
und Semionotus latus (= Colobodus latus) kann nicht gut durchgeführt werden, da letztere nur Fragmente 
sind. So viel ist indessen sicher, daß der Agassizsche Colobodus ornatus mit unseren und den 
Bassanischen übereinstimmt. Dasselbe kann jedoch nicht für Colobodus (= Semionotus) latus Ag. 
behauptet werden, da er entschieden zu schlank ist (er hat nur 20 Schuppen in der Querreihe von der 
D zur A) als daß man ihn mit Colobodus latus im Sinne Kners!) und Bassanis?) zusammenwerfen 
dürfte. Kner hatte ganz recht, wenn er zweifelte, daß jener Seefelder Fisch wirklich dem Agassizschen 
Semionotus latus zuzuzählen ist. Anderseits ist wiederum eine Trennung des Colobodus ornatus von 
Colobodus latus dadurch erschwert, daß dem Bassanischen Colobodus latus aus Giffoni die Ventralen 
nicht erhalten blieben und daß beim Knerschen Exemplare dieser Art der Bauchrand ziemlich deformiert 
ist. Ziehen wir noch den Umstand in Betracht, daß sowohl die Zackung als auch die Körnelung der 
Schuppen bloß als individuelle Eigenheiten betrachtet werden dürfen so wird es — glaube ich — klar, 
daß unsere im Anfange betonte Annahme, Colobodus ornatus und Colobodus latus wären bloß eine Art, 
als begründet angesehen werden darf. Es dürfte sich dies noch aus den nachfolgenden Betrachtungen 
ergeben: Bei allen fünf Exemplaren variiert der Unterschied im Verhältnisse der Körperhöhe zur Körperlänge 
(ohne C) zwischen 1'9—2'15, also ein Unterschied, der kaum eine spezifische Trennung zulassen würde 
(bei Bassani beiläufig 2—2'2). — Die Höhe des Schwanzstieles ist in der Körperhöhe 2'S—3 und nur 
in einem Falle (V) = 3'3 enthalten (bei Bassani 2'5—2'7). Die Anzahl der wahren Dorsalstrahlen 
oszilliert zwischen 23—26 (bei Bassani über 22), diejenige in der Anale zwischen 1o—ıI (bei 
Bassani 8—ı4!). Die Anzahl der wahren Caudalstrahlen wechselt zwischen I9—21 (bei Bassani 19—23). 
— Die Schuppenzahl längs des Körpers variiert von 38-44 (bei Bassani 36—42), diejenige in der 
Quere von der D zur A 30—32 (bei Bassani 28S—29). — Es können also auch in dieser Beziehung keine 


!) Die foss. Fische v. Seefeld, pag. 319. 
2) Ittiofauna die Giffoni, pag. 192. 


208 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [16] 


namhaften Differenzen heraus gefunden werden, die man als Artcharaktere ansprechen könnte. Am inter- 
essantesten sind aber die Resultate, die sich aus einer vergleichenden Prüfung der Beschaffenheit der Schuppen 
ergeben. Unsere Fische II und III haben an den Seiten (hinter dem Schultergürtel) die meisten gezackten 
Schuppen. Dieses Merkmal spricht dafür, daß unsere erwähnten Fische der Art (olobodus ornatus angehören. 
Der Fisch I besitzt — soviel beobachtet werden konnte — keine gezackten Schuppen an der Brust, wohl 
aber gekörnte am Vorderrücken und an der Basis der Dorsale und hat überdies nur 23 Dorsalstrahlen, gehört 
aber dennoch wie die übrigen mit 26 Strahlen der Art Colobodus ornatus an! Der Fisch IV mit nur wenigen 
gezackten Schuppen muß an die vorigen angeschlossen und der Art Colobodus ornatus zugeteilt werden. 
Bloß der Fisch V zeigt geringfügige Abweichungen, welche aber hauptsächlich in der Bildung des Schwanz- 
stieles liegen. Derselbe ist nämlich etwas kürzer und schlanker als bei allen vorher erwähnten Exemplaren 
und geht kaum merklich in den oberen Schwanzlappen über. Dieser Fisch, den ich auch abgebildet habe 
(Taf. II, Abb. 1), könnte eventuell als eine Varietät von Colobodus ornatus aufgefaßt werden. 

Aus den gemachten Erörterungen geht ziemlich klar hervor, daß die besprochenen Colobodus-Stücke 
nur einer einzigen Art zuzuzählen sind, die jedoch nach verschiedener Richtung hin variieren. Insbesondere 
sind es die Schuppen und an diesen wiederum ist es die Beschaffenheit ihrer Oberfläche, welche gewisse 
Verschiedenheiten aufweisen. Doch sind alle diese Verschiedenheiten wie wir dies annehmen dürfen — 
entweder auf geschlechtliche oder auf Altersdifferenzen zurückzuführen. Letzteres möchte ich geradezu für 
die Körnelung der Schuppen behaupten, welche bloß an erwachsenen Individuen am ganzen Körper auftritt, 
während die Zackung der Schuppen ohne Rücksicht auf Körpergröße hier spärlicher, dort häufiger vor- 
kommt und vielleicht auf geschlechtliche Unterschiede zurückzuführen sei. : 

Die Artsdiagnose, welche sich auf Grund der eben gemachten Beobachtungen für Colobodus ornatus 
ergibt, lautet wie folgt: 

Körper hochrückig, buckelig; Körperhöhe gleicht der halben Körperlänge. Schwanzstiel kurz, hoch, 
3mal in der Körperhöhe enthalten. Kopf klein, dreieckig, unbedeutend länger als hoch. Oberfläche der Kopf- 
knochen körnig. Zähne von der bei den Colobodus üblichen Gestaltung. Die Ventralen hinter dem Anfange der 
Dorsale und der Anale näher als den Pectoralen. Die Dorsale hat 23—26 Strahlen; die schmale hohe Anale 
beginnt unter dem hinteren Teil der Dorsalen, mit T0— 11 Strahlen. Caudale ausgebuchtet. Die Schuppen 
vornehmlich rhombisch, vorn an den Seiten etwas höher als breit, mehr weniger gezackt oder glatt und 
je nach Alter des Individuums mehr weniger gekörnt. 

Von der Art Colobodus ornatus könnte man — wie gesagt — unser Exemplar V (Taf. II, Abb. ı) 
trennen, da es einen kürzeren und dünnen Schwanzstiel und eine tief ausgebuchtete Caudale aufweist. Ich 


bezeichne diese Form als Colobodus ornatus var. obtusus. 


Colobodus elongatus, Kramb. Gorj. 
(Taf. III, Abb. 1.) 


Diese Art ist zugleich der Vertreter des zweiten Formenkreises der Gattung Colobodus, zu welchem 
eben langgestreckte Fische mit einem hohen, kurzen und nicht (oder kaum merklich) in den oberen Caudal- 
lappen verlängertem Schwanzstiel gehören. Jedenfalls bleibt für diese Gattung bezeichnend, daß sämtliche 
Arten buckelig sind, denn auch unsere gestreckte Form ist hinter dem Kopfe eingeschnürt, von wo sich 
dann die Rückenprofillinie etwas erhebt, um sich beim Anfange der Dorsale zu senken, jedoch schon vor 
ihrem Ende leicht aufbiegend, in den Schwanzstiel übergeht. Der Bauchrand ist etwas deformiert, und zwar 
in der Gegend der Anale, wo die Schuppen etwas auseinander geschoben sind, weshalb die genannte Flosse 
eine etwas tiefere Lage erhalten hat. 

Der Unterschied zwischen dieser gestreckten Form und dem Colobodus ornatus liegt in einer 
anderen Gestalt und in einer längeren Rückenflosse mit 26 Strahlen. Die gezackten Schuppen sind an die 
vorderen Körperpartien gebunden und reichen bis über den Anfang der Dorsalen zurück. Gekörnte Schuppen 
beobachtet man nur hinter dem Schädel am Rücken. Wir sehen da abermals, daß sowohl die Körnelung 
als auch die Zackung der Schuppen keine spezifischen Merkmale abgeben können, da sie an verschiedenen 
Arten in derselben Weise auftreten. 


[17] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 209 


Die Ausmaße und Anzahl der Flossenstrahlen ist: 


Gesamtlänwegdess Konperse 2 ren Er 52orRm 
Köörperlangesohneg@andalerıı Ey Sr 2 A1o 
ISOTpSnl oh ee rn ca. Ag 
Koptlänserg ea rn ae 2 ne TO 
Schwanzstelloheggsert ic Be enges eeir 65 >» 
IDorsaleahatsStrahlene ee 20r > 
Anale >» > ER NED Ei TEca: "8% 
Pectorale » > EACH ee EN Re nl 
Caudale » u Eee SE) 


Es ergeben sich für diesen Fisch nachfolgende Relationen: 


Die Körperhöhe ist in der Gesamtlänge 3'48mal und in der Körperlänge ohne der Caudale 2'7mal 
entbalten. Der Kopf macht den 4'7. Teil der Gesamtlänge oder den 3'7. Teil ohne Caudale aus. Der Schwanz- 
stiel ist 21/,mal in der Körperhöhe enthalten. 

Der kleine Kopf ist nicht gut erhalten, doch läßt er einige charakteristische Merkmale erkennen. 
Vor allem sei des breiten, hohen Operculums gedacht, dessen Oberfläche von oben herab gekörnt ist. An 


Abb. 10. — Colobodus elongatus n. f. 
Erster Dorsalstrahl (1) mit den Fulcra 
(a) und den Dornen (a). 


Abb. 9 — Schädelknochen von Colobodus elongatus n. f. 

op. = Opereulum; s. od. = Suboperculum; 2. op. = Prä- 

operculum; s. cl., cl., i. cl. = postclaviculare Schuppen- 
schilder; 5. o. = Postorbitale; s. o. —= Suborbitalia. 


dasselbe schmiegt sich unten das mit einem nach aufwärts gerichteten langen Fortsatz versehene Suboper- 
culum, welches ebenfalls gekörnt ist. Hinter den Opercularknochen liegt die Clavicula die nach unten 
merklich ausgebreitet ist, als auch drei gekörnte post. claviculare Schuppenschilder (s. cl., cl. u. 2. cl.) 
Ferner sind noch grob gekörnt die Parietalia und Frontalia. Bemerkenswert ist es, daß auch Ab- 


drücke der Orbitalia sichtbar sind. Ich nenne davon die Suborbitalia — so. —, wovon das eine nahe dem 
schmalen stumptwinklig gebogenen Praeoperculum stehende, radiär gestreift ist. Ober diesen gewahrt man 
Eindrücke der kleineren Circumorbitalia — c. o. — ferner den undeutlichen Rest des Postorbitale — p. 0. — 


Die Rückenflosse beginnt schon vor der Mitte des Körpers und erstreckt sich über eine Basislänge 
von 161 mm. Sie enthaltet 26 Strahlen, wovon der erste mit Fulcra besetzt ist und vor welchem sich noch 
6 nach vorn immer kürzer werdende Strahlen resp. Dorne befinden. Zwischen dem 5—7. basalen Strahl. 
schaltet sich bereits eine beiderseits zugespitzte Schindel (a) ein, welche nachher den ersten dorsalen Haupt- 
strahl (1) der Länge nach und in schräger Richtung besetzen. Die längsten Strahlen dieser Flosse erreichen 
eine Länge von 75 mm; sie sind mehrfach geteilt und gegliedert. Der Seitenrand des ersten, mit Schindeln 
belegten Strahles ist noch mit einer Reihe von Knoten versehen. 

Die Anale ist etwas herabgeschoben, doch lag ihr Anfang unter den hinteren Strahlen der Dorsale. 


210 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [18] 


Sie ist schmal und zählt etwa 8 Strahlen. Zu bemerken wäre, daß die Fulcra des ersten Strahles länger 
sind als jene am ersten Dorsalstrahl gelegenen. 


Die Caudale ist breit und tief ausgebuchtet; ihre Hauptstrahlen stehen beim oberen und unteren. 
Flossenrande dicht beieinander, doch werden sie gegen die Mitte der Flosse rasch schütter. Man zählt etwa 
19 Hauptstrahlen. Auch bei dieser Art sind die basaleren Teile der dem Flossenrande genäherten Strahlen 
mit emaillierten, schwach erhabenen, runden oder rundlichen Flächen geziert. 


Die Ventralen liegen unter der Mitte der Dorsalen und sind näher der Analen als den 
Pectoralen. 

Die Pectoralen sind gut entwickelt und bestehen aus etwa 14 Strahlen, wovon der erste mit 
Fulcra belegt ist, der längste aber an 69 mm erreicht. 


Die Schuppen sind zumeist rhombisch und glatt; nur die Schuppen der vorderen Körperpartie 
und zwar vom Schultergürtel abwärts, sind etwas höher als breit und auf ihrem hinteren Rande gezackt. 
Gezackte Schuppen beobachtet man bis unter die vorderen Strahlen der Dorsale herab und dann noch teilweise 
längs der Basis der genannten Flosse, wo sie noch hie und da gekörnt und in förmliche kleine Dorne aus- 
gezogen sind. Grob gekörnte Schuppen beobachtet man sonst blos am Rücken gleich hinter dem Schädel. 
Die Anzahl der fingerigen Zacken, die in das Email der Schuppenfläche eingeschnitten sind, variiert von 
9—1o und weniger. Die meisten Zacken sieht man an den Schuppen gleich beim Schultergürtel. Die Schuppen 
des Caudalabschnittes sind alle glatt und rhombisch, nur die Schuppen der hinteren und mittleren Partie 
des Schwanzstieles zeigen — wie gewöhnlich — eine andere Gestalt, welche eben durch den Bau der 
Flosse bedingt wurde. Jener dreieckige Ausschnitt des mittleren, hinteren Schwanzstieles wird durch bedeutend 


größere, jedoch ungleiche Schuppen ausgefüllt. Auf die mittlere, spitzrhombische Schuppe 


— a— (siehe beiliegende Textabbildung) folgen zwei ungleich große — b b’— ; neben — b! — 
liegen noch weitere 4 ähnliche — c, d, e, f —. Neben — 5 — zuerst eine dreieckige — c! —, 
auf dieser zwei ungleichgroße — e’d' —, ferner — f! —, von wo sich die Schuppen 


zur Stütze des oberen Schwanzlappens etwas schräg aufbauen, während sich am unteren 
Lappen die Schuppen bereits von — f— nach ab und rückwärts ordnen. Der hintere 
Schwanzstielrand hat also ein welliges Aussehen. 

Der Körperlänge nach gibt es 41—42 Schuppen, in der schrägen Querreihe vor 
der Dorsalen etwa 22 Schuppen. 


B Es liegen endlich noch einige Bruchstücke der Schuppenhülle von ausgewachsenen 
= Individuen der Gattung Colobodus oder auch (?) Lepidotus vor. — Ich werde davon 
a Bu: zwei markantere Fragmente bildlich darstellen, und zwar das eine, welches wir 
Ben bereits bei Colobodus ornatus erwähnten und welches auf Taf. V., Abb. 4., in natürlicher 
Mittlere Schwanz- Größe gezeichnet ist. Derselbe stellt uns eine Schuppengruppe aus der Umgebung der 
stielpartie von vorderen Dorsalflossenpartie dar, in welcher wir verschieden gestaltete: hexagonale, rhom- 
ee bische und teilweise abgerundete Schuppen beobachten. Die meisten sind gekörnt, doch 

gestellt. vornehmlich bei ihrem Rande herum; doch nimmt die Körnelung von der Flossenbasis 
nach abwärts ab. An einigen Schuppen der zweiten Reihe (unter der D) sieht man 
auch kleine fingerige Einschnitte in der Emailschichte doch sind diese, obzwar nahe beim hinteren Rande 


— doch noch unregelmäßig verteilt — und enden hie und da mit einem Körne. Die größte Schuppe 
mißt an 95 mm. 


Ein zweites Schuppenkleidfragment (Taf. I., Abb. 2.) zeigt uns zehn Schuppenreihen aus der vorderen 
Körperpartie gleich hinter dem Schultergürtel. Es sind dies stark gezackte Schuppen, deren Spitzen teil- 
weise über den hinteren Schuppenrand herausragen. Die Länge dieser scharf eingeschnittenen Zacken ist 
indessen oft an einer und derselben Schuppe eine ungleiche, da man oft sieht, wie auf eine über den 
Rand herübergreifende Zacke, eine um die Hälfte kürzere folgt. Die Anzahl derselben (11) nimmt nach 
rückwärts ab. Ihre Anordnung ist eine andere als bei Colob. ornatus, wo bekanntlich die Zacken eine 
schräg nach abwärts gerichtete Lage besitzen. An unserer Schuppengruppe sind die Zacken radiär ange- 


19] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 211 


ordnet und entsprechen in hohem Grade jenen Schuppen, welche Wagner!) als ZLepidotus decoratus be- 
schrieb, und zu welchem ich auch dies Fragment stellen möchte, obwohl damit noch die generische 
Stellung desselben keineswegs als erledigt betrachtet werden kann. 


3. Genus Heterolepidotus Egerton. 
[Eine Revision der Art: Allolepidotus dorsalis (Kner) u. s. w.] 


Als Pholidophorus dorsalis Ag. bezeichnete R. Kner?) einen aus Seefeld stammenden fragmentären 
Fisch. In derselben Schrift aber?) beschreibt Kner als Semionofus striatus A. zwei verschieden große, 
Individuen, die offenbar derselben Gattung und Art angehören. Im Jahre 1867 beschrieb Kner abermals 
einen gut erhaltenen Fisch (Seefeld) als Semionotus striatus*), bei welcher Gelegenheit alle wichtigeren Merk- 
male dieses Fisches hervorgehoben werden (vergl. pag. 898—-go1). Ich entnehme dieser Beschreibung bloß 
folgende Momente: 

»Die Kopflänge beträgt den vierten Teil der Totallänge. Deckknochen des Schädels fein gekörnt. 
Hinter dem Brustgürtel sind drei hohe, schmale schilderähnliche Schuppen, deren Oberfläche rauh, gekörnt 
und gefurcht ist. Die Pectorale mit ca. 20 Strahlen; Ventrale ca. 7 und genau dem Anfange der Dorsale 
gegenüber also nahezu in halber Totallänge, und liegt der Anale näher als der Pectoralen. Anale hat acht 
Strahlen nebst den ersten mit langen Fulkra besetzten ungeteilten. Vor der Anale liegen zwei größere 
schildähnliche Schuppen, die vordere davon am Rande rings in Spitzen ausläuft. 

Die Dorsale reicht wie die Anale weit zurück und hat mindestens 20 Strahlen. Wichtig ist, daß 
die Schuppen außer Längsfurchen auch einige wenige Zähne am Rande besitzen. Über der Bauchflosse 
liegen bis zum Rücken 18—19, vor der Anale bis zum Beginn der Dorsale 23—24 Schuppen. 

Am wichtigsten ist, was Kner über die Zähne berichtet. Es gibt da zahlreiche sowohl spitzkonische 
des Kiefers, als die rundlichen Pflasterzähne des Gaumens. An einigen der abgedruckten Köpfe sieht man 
die schlanken, fast zylindrischen Zähne, welche in eine knopfartig verdickte Spitze auslaufen. Außerdem 
gibt es noch größere, kugelig abgerundete Pflasterzähne« u. s. w. — Wir wollen sich mit diesem Auszuge 
des Artscharakters, den Kner für den in Rede stehenden Fisch gab, zufrieden stellen, da er vollkommen 
ausreicht, über die systematische Stellung desselben den nötigen Aufschluß zu gewähren. 

Deecke kreierte im Jahre 1889 die Untergattung Allolepidotus für solche Heterolepidotus-Formen,°) 
bei denen in der Höhe bedeutend verlängerte Schuppen die Mitte des Flanken einnehmen und bei denen 
die Bauchschuppen quadratisch bleiben. Über die Bezahnung dieser Allolepidotus meint Deecke, sind wir 
noch ganz im unklaren, so daß ihre Stellung bei Heterolepidotus auch nur eine provisorische ist. 

Die Gattung Heterolepidotus aber stiftete Egerton‘) für Lepidotus-artige Fische ohne Mahlzähne 
und mit schmalen, leistenartigen Schuppen auf der unteren Seite der Flanken und auf dem Bauche. 

A. Smith Woodward stellt nun beide diese Gattungen, nämlich Heterolepidotus und Allolepı- 
dotus in die Fam. Eugnathidae’). In die Gattung Allolepidotus aber hat er jene anfangs nominierten 
und von Kner als Pholidophorus dorsalis und Semionotus dorsalis (l. cit.) beschriebenen Seefelder Fische 
untergebracht. 

Da in der Hoeferschen Kollekte mehrere Fische vorliegen, die mit dem von Kner in seinem Nach- 
trage beschriebenen Semionotus dorsalis vollkommen übereinstimmen, so bleibt uns hauptsächlich zu unter- 
suchen, ob 

a) jene Knerschen Fische wirklich der Gattung Allolepidotus Deecke angehören und ob 

b) jene Knerschen Fische überhaupt in die Fam. Eugnathidae einzureihen sind. 


1) Monographie d. foss. Fische a. d. lith. Schiefern Bayerns. II. 1863. (Abh. d. k. bayr. Ak. d. Wiss. Bd. IX, 
pas. 626 (16). 


2) Sitzungsber. der k. k. Ak. d. Wiss. math. natw. Kl. Wien, 1866, LIV., pag. 324, Tab. VI, Fig. 1. 
®) ibid. pag. 322, Taf. V., Fig. 1. 

4) ibid. Bd. LVI., pag. 898, Taf. 1, Fig. 1. 

5) Palaeontographica 1889, Vol. XXXV. pag. I14. 

6) Fig. u. Dsscript. Organie Remains XII. (Mem, geol. Sarwey, 1872) Nr. 2. 
?) Catalogue. Part. 1II, pag. 285. 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII. 27 


Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [20] 


Was die erste Frage betrifft, so ist eine Entscheidung freilich schwer, und zwar deshalb, weil 
hiezu die Vertreter der Gattung Allolepidotus vorliegen müßten, um einen Vergleich unserer Fische mit 
jenen durchführen zu können. Aus der kurzen genetischen Diagnose, welche uns A, S. Woodward 
(l. eit. pag. 304) gibt, kann ebenfalls nur weniges auf unsere Fische bezogen werden. Wir müssen viel- 
mehr einen indirekten Weg einschlagen, um eine Antwort auf die oben gegebenen Fragen zu erlangen. 

Vor allem muß ich erklären, daß die Beschreibung Kners, welche er uns (auf pag. 898—-g901) 
über den Semionofus striatus Ag. gab, zutrefflich ist. Wir werden nur unsere hieher gehörigen Fische 
mit den Knerschen vergleichend zu untersuchen und auf Grund der gemachten Erfahrungen einen 
allgemeinen Charakterzug derselben festzustellen haben und diesen endlich mit den der bekannten ähnlichen 
Vertretern zu vergleichen. 

Das wichtigste Merkmal der Gattung Fleterolepidotus als auch des Subgen. Allolepidotus bilden 
die Schuppen und dann auch die Zähne, da ja Heierolepidotus keine Mahlzähne besitzt, die Bezahnung 
von Allolepidotus aber unklar ist. Bezüglich der Schuppen hat Kner ganz richtig seinen Sem. dorsalis 
jenen verglichen, von welchen Agassiz auf Taf. 27 a, Fig. 7 a,b, zwei Schuppen abbildet. Solche 
Schuppen besitzt auch unser größeres Exemplar. A. S. Woodward stellt jenen Sem. dorsalis zu Hetero- 
lepidotus. Jedoch soll diese Gattung keine Mahlzähne besitzen, was wiederum mit dem obigen Befunde 
Kners und mit meinen Beobachtungen nicht übereinstimmt, da wir beide eine aus konischen und mehr 
minder runden ungleich großen Pflasterzähnen bestehende Bezahnung vorfanden, welche ganz und gar 
jener der Gattung Colobodus entspricht. Aus diesem Grunde müssen jedenfalls die Gattungen Heterolepi- 
dotus und Allolepidotus aus der Familie Eugnathidae entfernt und — wie dies Deecke ganz richtig 
meinte — mit Semionotus zu den Stylodontidae resp. Semionotidae (im Sinne Woodwards) eingereiht 
werden. Auch im Bau des Schädels ist die Übereinstimmung unserer resp. der Kner’schen Fische mit 
Colobodus eine derartig große, daß diese Fische unbedingt in der nächsten Nähe von Colobodus belassen 
werden müssen, von welchen sie sich hauptsächlich durch die gestrecktere Form des Körpers, des Kopfes, 
die zwar lange und aus ebenso zahlreichen, doch dünnen Strahlen bestehenden Dorsale unterscheiden. 

Jetzt frägt sich nun, welcher von den beiden Gattungen: Heterolepidotus oder der Subgatt. 
Allolepidotus unsere und auch die Knerschen Fische angehören? Wir haben bereits gesagt, daß 
A. S. Woodward jenen Semion. striatus Ag. (Agassiz, Taf. 27 a, Fig. 7 a b), mit welchen die Schuppen 
unserer Fische übereinstimmen, zur Gattung Heterolepidotus (Catalogue, pag. 311) versetzt hat. Diese 
Auffassung teile ich ebenfalls, jedoch mit dem Bemerken, daß die genannte Gattung in die Fam. Semio- 
notidae und in die nächste Nähe zur Gattung Colobodus zu stellen ist. 

Ich übergehe nun zur Beschreibung der vorliegenden, aus Hallein herstammenden Fische. 


Hoterolepidotus dorsalis (Kner). 
(Taf. IIL, Abb. 2, 3.; Taf. IV, Abb. 1.) 


1866. Pholidophorus dorsalis, Kner: Sitzungsber. d. k. Akad. d. Wiss. math. naturw. Kl., Bd. LIV, pag. 324, Taf. VI, 
Fig. 1. 

1866. Semionotus striatus, Kner: ibid. pag. 322, Taf. V, Fig. ı. 

1867. Seminnotus striatus, Kner: ibid. pag. 898, Taf. I, Fig. 1. 

1867. Pholidophorus dorsalis, Kner: ibid. pag. 903, Taf II, Fig 2. 

1895. Allolepidotus dorsalis (Kner): A. S. Woodward, Catalogue III, pag. 316. 
Es liegen davon mehrere Exemplare an jener großen Platte, von welcher ich zwei aufnahm. Die 


Dimensionen und die Anzahl der Strahlen ist folgende: 
Exemplar Taf. IV. Fig. ı. 


Totale Körperlänge (ohne C und einen Teil des Caudalabschnittes). . 125 +x mm 
»Körperhohe (maximale)r er eG » 
Kopflänge 1... vl a8 2 Ania Be nn a » 
Kopthöhe zu: 27,0 2rn0n eo, » 


[21] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 213 
DiihatstStrahlengee gr es reale en Has: cae ir l;a6 
A» » ICE TEE EIS Hd ein TH u re 
P » » Se ee EL DENE nd AS 
Schuppenzahlgvon@dersDEzumg N re 28 


Neben diesem Fisch liegt auf der Platte ein anderer ganzer, der jedoch in dieser Abhandlung nicht - 


abgebildet ist. Ich habe ihn indessen gemessen und die Anzahl seiner Flossenstrahlen genau angegeben: 


Totale Körperlänge 1310 mm 
Körperhöhe (maximale). . 415 » 
Höhe des Schwanzstieles . ISO » 
Kopflänge 346 » 
Kopfhöhe. 320 » 

D hat Strahlen . I 26 

(Ci » I ıo—ı1rl 


Exemplar Taf. III. Fig 2. 
Ist ein ganzer Fisch, dem der Bauch etwas deformiert ist, weshalb er breiter aussieht, als er ur- 
sprünglich war. 


iotale@lkäanmertnesune Se ee EN TION mM 
Körperhöhe . . ca, 40 » 
Schwanzstielhöhe 146 » 
Kopflänge 3506 >» 
Kopihoheneae Sr a en ee ZIESe $ 
DorsaleghatsStrahlener EEE 6 

A » » ea, 1 © 

C » » AN er En Ip 20 27 
12 » » en en eretee A CAETS 


Exemplar Taf. III. Fig. 3. 
Ist der Länge nach zerbrochen und der untere Caudallappen fehlt, 


iotallansegs urcmand ra Sure cher YA mm 
Körperhöhe. 217,000 > 
Schwanzstielhöhe TO:008 > 
Kopflänge . 30 >» 
Kopfhöhe N u lea: Bi Sn erires  er23on 8 
DirhatsStrahlens sel sur: gen 2 erleeamer. 120 

IE» » 9— Io 

ID » I ee et es Lrbihe LEAHRLUO 


Die hieher gehörigen Fische erreichten kaum mehr als 155 mm an Länge. Die leichtgebogene 
Rückenprofillinie übergeht in den Kopf und bildet mit diesem zusammen einen leicht gekrümmten Bogen, 
während das Bauchprofil von der Mundöffnung bis zur Anale entweder eine fast gerade oder eine etwas 
gebogene Linie bildet, so dafs der ganze Körper einer flachen Ellipse gleicht. 

Die maximale Körperhöhe, welche sich etwas vor der Rückenflosse oder beim Anfange derselben 
befindet, ist 3—3'4 mal in der Gesamtlänge enthalten. Der dreieckige Kopf verhält sich zur totalen Länge 
wie 1:3.1— 3.7. Derselbe ist nur unbedeutend länger als hoch. 

Die Höhe des Schwanzstieles ist in der Körperhöhe 2.4 — 2.7 mal enthalten. Der Kopf würde, falls 
man den Schultergürtel außer acht ließe, einem rechtwinkligen Dreieck ähneln, dessen rechter Winkel 
rückwärts unten läge, die gebogene Stirnprofillinie nur aber die Hypotenuse darstellen würde. Die Schädel- 
knochen — insbesondere die des Schädeldaches — sind gekörnt und gefurcht, die Deckelstücke aber leicht 
gestreift, und zwar das breite Operculum der Länge nach, das mit einem nach oben gerichteten Fortsatz ver- 
sehene Supoperculum aber zeigt nahe seinem oberen gefalzten Rande eine schräge Streifung und Punk- 


DIE 


214 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [22] 
tierung. Ob die übrigen Schädelknochen granuliert oder gestreift waren, ist mir nicht gut möglich anzugeben, 
doch ist es wahrscheinlich. Von den Schädelknochen nenne ich außer den zwei erwähnten die beiden 
Clavicula-Stücke, wovon die obere Hälfte rückwärts leicht eingebuchtet ist, die untere nach vorne S-förmig; 
gebogen und der Mitte nach erhoben ist. Vor der Clavicula sehen wir lange, flache, dünne ARadii- 
branchiostegi die vorn verschmälert, sonst aber ziemlich gleich breit waren; ich zähle davon sechs, 
doch konnten ihrer auch acht gewesen sein, wovon dann die zwei letzteren breiter waren. 
Vor dem Radii, ja mit diesem im Zusammenhange, sieht man an einem Fische noch 
einen länglichen, verhältnismäßig starken Knochen, der gegen die Mitte eingeschnürt 
ist. Es ist dies das Hyordum. Die Kiefer sind nicht deutlich erhalten, dafür aber die 
Zähne an fast allen Exemplaren. Man beobachtet längs des Kieferrandes kleine Zähne, 
N die unter der konischen Krone eirgeschnürt und somit keulenförmig scheinen. Die Spitze 

) fo der Zähne ist aber Colobodus-artig warzig. Diese Zähne beobachtet man beim kleinsten 
unserer Exemplare. Am größten Fische dieser Art beobachten wir kurz konische Zähne, 


Abb. ı2. Kiemen- dann verschieden große, runde, halbkugelige und elliptische Pflasterzähne. Die großen 
deckel-Apparat u. Pflasterzähne bilden eine Gruppe, um welche die kleinen Zähne umherliegen. Der Durch- 
Ge eh messer des größten Pflasterzahnes mißt etwas über einem Millimeter. Ferner sieht man an 
vergrößert darge- Anderen Exemplaren, daß die vorderen Kieferzähne auch schlank — konisch sind und 
stellt. — od. Oper- einen eingeschnürten Hals haben, deren Spitze aber stumpf ist; dann beobachtet man 
culum;s.op—Sub- Auch hie und da sehr kleine feine Zähne. Die Bezahnung besteht bei den Heferol- 
nn epidoten also aus sehr feinen, kleinen vorderen und schlanken stumpf-konischen mit 

eingeschnürtem Halse, dann von kurz-konischen Griffelzähnen der Kiefer, sowie von 
runden, ovalen, ungleichgroßen Pflasterzähnen des Gaumens, die sich durch den knopfartigen Ansatz auf 
der Krone auszeichnen. 

Die Rückenflosse beginnt mehr weniger hinter der Mitte des Körpers (ohne Caudale). Sie besteht 
aus 26 Strahlen. Der erste daran ist mit langen schlanken Fulcra belegt und vor diesem stehen noch 
einige kürzere. Die geteilten und gegliederten Strahlen sind zumeist dünn und nahe aneinander gerückt, 
wodurch die Flosse relativ schmal erscheint. Die Strahlenlänge nimmt nach hinten zu langsam ab. Die 
längsten Strahlen betragen etwas über die halbe Körperhöhe. 

Die Anale ist schmal und hoch und liegt unter der hinteren Partie der Dorsalen. Sie besteht 
aus neun Strahlen. Vor der Flosse sieht man eine große schildförmige Schuppe, deren Rand bezahnt ist. 

Die Caudale ist leicht ausgebuchtet und besteht aus 21 Strahlen; der obere Teil des Schwanz- 
stiels ist nach rückwärts ausgezogen. 

Die Ventrale liegt beim Exemplar (Taf. IV, Abb. I) genau unter dem Anfange der Dorsale 
(wie beim Knerschen) oder hinter demselben. Letzteres ist dort der Fall, wo die Dorsale etwas vorge- 
rückt ist, während die Bauchflossen dem Anfange der Rückenflosse dort gegenüber stehen, wo diese weiter 
zurücksteht. Es erscheint demnach die Lage der Dorsale weniger konstant zu sein, als diejenige der 
Ventralen, die zugleich auch stets der Anale näher liegen als den Pectoralen. Die Ventrale besteht aus 
ziemlich langen Strahlen (ca. 6). 

Die Pectoralen sind ziemlich gut entwickelt und bestehen aus 16—18 Strahlen. Die Schuppen 
hat bereits Kner gut beschrieben und ich habe da nichts Besonderes nachzutragen. 

Erwähnenswert ist allerdings, daß beim Exemplar (Taf. III, Abb. 3,) sowohl die Träger der 
Dorsalstrahlen als auch die kräftigen Neurapophysen sichtbar sind. Auch die Zinea lateralis ist in Form 
einer weißßen Röhre erkenntlich. Dieselbe beginnt knapp hinter dem Kopfe im oberen Drittel und verläuft 
ziemlich geradlinig und mit dem Rückenprofil parallel. 


Heterolepidotus parvulus, Kramb. Gorj. 
(Taf. IV, Abb. 2.) 


Ausmaße und Flossenstrahlenzahl : 
ARorale got p en ar eier 727777 
Korperholesın dene Viren re: 2 


[23] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 215 
Rophlan see MEER ER EE TRSOEETR 
Schwanzstiellohese se a RS DD Sl 2 
IDorsaleahateStrahlen er 
Anale » SI OR ea a2 FLST 
Caudale » » a 


Der Körper dieser Fischart ist klein und die Gestalt untersetzt, denn es ist die maximale Körper- 
höhe kaum dreimal in der Gesamtlänge enthalten. Die Körperhöhe nimmt nur allmählich nach rückwärts 
ab. Die Höhe des Schwanzstiels macht kaum den dritten Teil der Körperhöhe aus. Der kurze deformierte Kopf 
lässt nur Weniges erkennen. Der längliche, vorne zugespitzte Unterkiefer trägt feine Zähne; hinten sieht 
man auch mehrere größere und kleinere, runde, halbkugelige, die offenbar dem Gaumen angehören und 
wovon einer deutlich jene Warze zeigt, die bei dem Colobodus so allgemein zu beobachten ist. Das Oper- 
culum ist breit, das Subopereulum groß. Von der Clavicula ist der untere Teil sichtbar, dessen Hinter- 
rand leicht ausgebuchtet ist, 

Die Dorsale ist hinter der Mitte des Körpers inseriert selbst dann, wenn wir die Caudale in 
Betracht ziehen, Diese Flosse ist schwach entwickelt, doch höher als ihre Basislänge. Sie besteht aus 
13—14 Strahlen, von denen der erste mit Schindeln bedeckt ist. — Gegenüber dem letzten Dorsalstrahl 
beginnt die Anale, die aus derselben Anzahl von Strahlen besteht wie die vorige Flosse, nur daß ihre 
Strahlen etwas dichter beisammen stehen, weshalb sie auch eine kürzere Basis als jene einnehmen. Ihr 
erster Strahl ist mit dünnen Fulcra belegt; vor diesem waren etwa noch zwei ungeteilte. 

Die Caudale ist verhältnismäßig breit, leicht ausgebuchtet und besteht aus 24 Hauptstrahlen, die 
flach und ziemlich breit, dabei geteilt und gegliedert sind. Die Schuppen des A 
Schwanzstiels übergehen nicht in den oberen Caudallappen und es hat diese Flosse IN N Ne 
ein ganz homozerkes Aussehen. II 

Die Ventralen sind gleich hinter und unter dem Anfange der Dorsale 


gelegen; sie bestehen aus beiläufig acht zarten, doch langen Strahlen, die nahe an 

Abb. 13. — Heterolepido- 
: - Zus parvulus, n.f. Unter- 
Pectoralen, welche letzteren ebenfalls ziemlich lang und aus ca. 14 Strahlen kiefer- u. Gaumenzähne. 


die Anale zurückreichen. Sie liegen um ein Drittel näher den Analen als den 


zusammengesetzt sind. 

Die Schuppenreihen divergieren gegen den Kopf hin, weil dahin ihre Höhe allmählich zunimmt. 
Vom Kopfe bis zur Schwanzflossenbasis dürften etwa 38 Schuppen liegen. Auf die Körperhöhe bei den 
‚ Ventralen kommen an 18 und die Schwanzstielhöhe bilden IO Schuppen. Es möge bemerkt sein, dafß die 
unpaaren Schuppen des Rückens etwas größer als die übrigen und daß sie nach rückwärts kurz spitz aus- 
laufen. Einige Seitenschuppen knapp hinter dem Schultergürtel lassen eine dichte feine Zähnelung wahr- 
nehmen; außerdem sind auch diese Schuppen höher als lang, sonsten aber sind sie rhombisch. 


4. Genus Dapedius, Leach (emend. Agassiz). 
(Taf. V, Abb. 3.) 

Zu dieser Gattung gehört das Fragment eines größeren Fisches, wovon 
bloß die vordere obere Seitenpartie hinter dem Schädel vorliegt. Wir sehen da 
noch die gekörnten Schuppen mit ihren verdickten Rändern, auch bemerken wir, 
daß die Schuppen ungleich groß und je nach ihrer Körperlage auch verschieden 
gestaltet sind. Am größten sind jene Schuppen, die sich hinter dem Schädel be- 
finden; ihr dornig vorgezogener oberer Schuppenteil befindet sich nicht am vor- 
deren oberen Rande, wie dies bei den weiter rückwärts liegenden Schuppen der 


Fall ist, sondern er steht näher zur Mitte (vergl. die beiden Schuppenskizzen a 


und 5). — Nachdem an der Seite die Schuppenhülle mangelt, sehen wir noch die 
sehr langen Neurapophysen, wovon die vorderen acht fast ganz, die weiteren nur Abb. 14. — Schuppen 
in Abdrücken vorhanden sind. Unter den vorderen Apophysen gewahrt man die VOR DEREN SD: 


innere Schuppenseite der anderen Flanke und daran die kräftigen verdickten Schuppenränder. 


216 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [24] 


Dieses Fragment dürfte mit Dapedius Costae Bass.!) verwandt sein, doch kann darüber nichts Nä- 
heres berichtet werden, da vorliegendes Fragment doch zu ungenügend erhalten ist. 


5. Genus: Spaniolepis, Kramb. Gorj. 


So benenne ich eine neue Fischgattung, die in die Familie Semionotidae und in die nächste Nähe 
der Gattung Dapedius zu stellen ist. Sie bekundet auch eine große Ähnlichkeit zur Gattung Aetheolepis 
A. S. Woodward, welche aus dem Upper Hawkesbury-Wianamatta-Series von Talbralgar in New-South- 
Walles herrührt.2) Die Übereinstimmung mit Dapedius beruht auf dem sehr analogen Skeletbau und der An- 
ordnung der Flossen, die Unterschiede aber liegen wiederum in einer ganz anderen Beschuppung: unserer Fische 
als auch darin, daß die Schädelknochen von Spaniolepis glatt sind. Was die Ähnlichkeit meines Spaniolepis 
mit Aetheolepis betrifft, so basiert sie, wie bereits bemerkt wurde, auf einem ähnlichen Skeletbau und der 
teilweise entsprechenden Beschuppung. Unsere Gattung besitzt nämlich zumeist dünne, rundliche, mit kon- 
zentrischen Kreisen gezierte Schuppen, wie ähnliche auch Aefheolepis, jedoch bloß in der hinteren Körper- 
partie hat. Letztere Gattung besitzt einen kleinen Kopf und einen sehr hohen Körper, während unser Spanzo- 
lepis einen mehr flach-elliptischen Körper und einen größeren Kopf hat. | 

Die Gattungscharaktere werden sich aus der nachfolgenden Beschreibung, welche auf allen vor- 
liegenden Stücken fußt, ergeben: 


Abb. 15. — Skelett von Spaniolepis etwa I!/ymal vergrößert. 


Die Gattung Spaniolepis umfaßt kleine Fische mit regelmäßig elliptischen Körper, dessen Höhe bei- 
läufig der halben Körperlänge entspricht. Der Kopf beträgt den dritten Teil der Körperlänge. Die Oper- 
kularknochen sind wie bei Dapedius bogig angeordnet; das Präoperculum dürfte sehr schmal sein, da für 
dasselbe nur sehr wenig Raum vorhanden ist. Dıe Suborbitalia sind zumeist viereckig; die Circumorbitalia 
sind kleiner und ebenfalls eckig. Die Zwischenkiefer mit vier schräg vorstehenden feinen Zähnen, dahinter 
noch mehrere kleinere Zähne von undeutlicher Beschaffenheit. Die Radii branchiostegi sind kurz und hinten 
ausgebreitet. Die Wirbelsäule besteht aus 23—30 Halbwirbel mit deutlich ossifizierten Neur- und Häma- 
pophysen; letztere sind kurz und haben eine breite Basis und gehen in eine lange Spina über. Die Neur- 
apophysen artikulieren mit der langen Spina und nehmen mit der wachsenden Körperhöhe an Länge zu. Die 
vorderen abdominalen Neurapophysen sind etwas nach vorn gebogen und am Ende gegabelt. Die Rippen 
sind lang. — Die Rückenflosse beginnt in der Mitte der totalen Körperlänge, ist lang und zählt gegen 
30 Strahlen, von denen der erste mit Fulcra bedeckt ist. Vor dem ersten Strahle stehen noch einige kurze 
ungegliederte. Die Strahlen werden durch oben kurzgegabelte Interneuralia gestützt. Letztere sind wiederum 
so angeordnet, daß mit Ausnahme der vorderen, sonst gewöhnlich drei Träger auf zwei Neurapophysen 
kommen. Die Träger der vorderen Flossenstrahlen sind nämlich weniger dicht und so entspricht da je ein 
Flossenstrahlträger einer Neurapophysis. — Die ähnlich gebaute, doch kürzere Anale hat eine über die 


!) Ittiofauna della Dolomia princ. di Giffoni. 1895. Pag. 197, Tav. XII (IV), Fig. 1-3. 
°) »The fossil Fishes of the Talbralgar Beds.« — Memoires of the geolog. Survey of New. South Wales. 
Sydney 1895, pag. 12, Taf. IV, Fig. ı. 


[25] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 217 


Hälfte geringere Strahlenzahl. Der erste Strahl ist mit Fulcra belegt und vor diesem stehen einige unge- 
gliederte kürzere Strahlen. Die Anordnung der Träger ist genau wie bei der Dorsale, nur dafs dieselben 
von vorn nach rückwärts an Größe abnehmen. — Die Caudale ist zweimal schwach ausgebuchtet und ent- 
hält 16— 18 Hauptstrahlen, von denen die beiden randständigen mit dünnen Fulkra belegt sind. Die Flosse 
ist kaum heterozerk; bloß sieht man, dafß die Hämapophysen des Schwanzstieles kräftiger entwickelt sind 
als die Neurapophysen. — Die kleinen Bauchflossen sind an längliche, vorn etwas abgeflachte Becken- 
knochen befestigt; der erste Strahl ist mit Fulcra besetzt. Diese Flosse liegt in der Mitte zwischen der 
Anale und den Pectoralen. Diese letzteren wiederum liegen etwas ober dem unteren Körperrand; ihre 
Strahlen sind dünn und lang und reichen bis zu den Ventralen zurück. Die Anzahl der Strahlen beträgt 
etwa 16. 

Die Schuppen sind hautartig, abgerundet und konzentrisch gestreift. Ihre Dicke ist nicht gleich- 
mäßig, denn es ist die hintere Zone beim Schuppenrande etwas dicker als die übrige Schuppenfläche und 
zeigt hier etwas deutlichere Eindrücke der konzentrischen Kreise. Die Schuppen des Bauchrandes, dann jene 


am Vorderrücken sind stärker als die übrigen und erreichen einen Durchmesser von 1:5 mm. 


Spaniolepis ovalis, Kramb. Gor;j. 
(Taf. IV, Abb. 6, 7, 8.) 

Es liegen davon 6 Exemplare (eines mit dem Abdrucke) vor, wovon nur eines vollständig erhalten 
blieb, während einem anderen sehr gut erhaltenen Fische leider ein Teil des Rückens abgebrochen ist. Die 
übrigen Stücke sind mehr weniger fragmentarisch, — Ich werde vorerst die Ausmaße den beiden best er- 
haltenen Exemplaren entnehmen und dann noch eine kurze Zuschrift zu der bereits bei der generischen 
Charakteristik gegebenen Beschreibung hinzufügen: 


Totale Körperlänge a Eee OBEN Baer ER 77472) 
Korpadaınas Onae (Con 5 Eon en BO 
IKorperhöheumee nun a re RE NE DUEE a0 
Köpflänge SE RER TRTS TEE CA DA 
Klopihöhemeser se er EN EMO Ton 
Schwanzstielhohesen ca SE 
Dorsale hat Strahlen . . . 2... .29-30 .... — » 
Anale » » RT BEL TURN 012 er ee, 
Caudale » > EA ERIC ZETSHHN 2 
Pectorale » » RL N) a » 
Wirbelsäule hat Halbwirbel . . ca. 28-30 (154 13 — 15). 


Die maximale Körperhöhe vor der Rückenflosse ist 2'3—2'4mal und die Kopflänge 3’2—3'5mal in 
der Gesamtlänge enthalten. 

Die Kopfknochen haben wir bereits beschrieben. Die Wirbelsäule besteht aus beiläufig 28—29 
Gliedern, wovon 15 auf den abdominalen und fast ebenso viele auf den caudalen Körperabschnitt entfallen. 
Es ist jedenfalls bemerkenswert, daß der Wirbelkörper hier schon zum Teil zum Ausdruck kommt, und zwar 
durch die basalwärts stark entwickelten Bogen und den zwischen diesen sichtbaren quadratischen und läng- 
lichen Eindrücken und Leisten. Freilich sind diese Wirbelteile sehr undeutlich und lassen uns kein sicheres 
Bild über den Bau derselben entwerfen. — Die Spina neuralis ist von der entsprechenden Apophysis ge- 
trennt, ebenso auch die Spina haemalis des caudalen Körperteiles, die sich von den breiten Apophysen 
nach rückwärts winklig abbiegen. Die Rippen sind lang und nur mäßig gebogen. An der hinteren Partie 
der Wirbelsäule des kleineren Exemplars ist zu sehen, daß etwa acht Halbwirbel mit ihren Apophysen zur 
Stütze der Caudale dienten. Hauptsächlich sind es die Hämapophysen, die hier diesbezüglich stärker ent- 
wickelt sind und deutlich zum Ausdruck kommen. Der Wirbelkörper erscheint als eine dünne, häutige Sub- 
stanz, die gegenüber den basalen Eindrücken der Bögen an Stärke zurückbleibt. Im caudalen Körperabschnitt 
gewahrt man auch deutliche rhombische Körpereindrücke zwischen je zwei Wirbeln, als auch kräftige, da- 
zwischen liegende horizontale Leisten. 


218 


Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [26] 


Die Dorsale beginnt in der Mitte des Körpers oder etwa hinter derselben und besteht aus 


30 Strahlen, welche nach rückwärts zu allmählich kürzer werden. Der erste Strahl ist mit dünnen Fulera 


belegt. Die Träger sind an ihrem oberen Ende gespalten. Die Anale beginnt beiläufig unter der Mitte der 


Abb. 16. Spamiolepis 
ovalıs n. gen. et sp. — 
Zwei vordere Caudalwir- 
bel (4u.5) mit den Apo- 
physen und Spinen etwas 

vergrößert dargestellt. 


vorigen, ist kürzer und enthält demgemäß auch bloß etwa ı5 Strahlen, von denen 
der erste einen Fulcrabesatz aufweist. Die Träger der vorderen — insbesondere 
des ersten Strahles — sind sehr lang und reichen hoch gegen die Wirbelsäule 
herauf. Die Caudale ist zweimal schwach ausgebuchtet und enthält 16-18 
Strahlen. Beide randständigen Hauptstrahlen sind mit Fulcra belegt. Vor letzteren 
stehen wenige — 2—3 — Randstrahlen. Die Ventralen liegen unter dem An- 
fange der Dorsalen und enthalten nur einige Strahlen, die indessen lang sind und 
zurückgelegt bis zur Anale reichen. Der Außenstrahl besitzt Fulera. Die Pecto- 
ralen sind etwas ober dem unteren Körperrand angebracht und enthalten an 
16 Strahlen, die zurückgelegt bis zu den Ventralen reichen. 


Die Schuppen endlich sind ziemlich groß, häutig und abgerundet; ihre 
Oberfläche ist mit konzentrischen Kreisen bedeckt und vor dem Rande deutlich 
verstärkt. 


II. Fam. Macrosemiidae. 


6. Genus: Ophiopsis, Agassiz. 


Da bisher die Gattung Ophiopsis hauptsächlich aus den Ablagerungen des Jura bekannt war, so 
ist das Vorkommen derselben, speziell aber der oberjurassischen Art Ophiopsis attenuata Wagner in den 
Schichten der oberen Trias von Wichtigkeit, um so mehr, da sie mit der von Deecke zitierten Art Ophiopsis 
lepturus Bell.‘) aus dem Muschelkalke von Perledo, die ebenfalls der Art Ophropsis attenuata sehr 
ähnlich ist, nun eine kontinuierliche Formserie vom Muschelkalke an bis in den oberen Jura herauf bildet, 
die sich nur wenig änderte. — Zu Ophiopsis gehört nach Deecke auch der Nothosomus Bellottii Bass. 
aus dem Keuper von Besano in der Lombardie.?) 


Ophiopsis attenuata, Wagner. 
(Taf. IV, Abb. 3, 4.) 


1863. Ophiopsis attenuata, A. Wagner: Abhandl, d. bayr. Ak. d. Wiss. Vol. IX, pag. 655. 


1873. » 
1895. » » 


V. Thiolliere: Pois. foss. Bugey. II, pag. 19, Pl. VIII, Fig. 2. 
A.S. Woodward: Catalogue of the fossil Fishes in the British Museum, Part. III, 
pag. 167, Tab. III, Fig. 2, 3. 


- 


Von dieser Fischart liegen mehrere gut erhaltene Stücke vor, von denen zwei vorzüglich konser- 
viert sind. Diesen zwei Exemplaren wurden auch die nachfolgenden numerischen Aufzeichnungen entnommen. 


Gesamtlänge des Körpers . a a Te ee ea 6336 mm 
Koöorpenlang;ego he Candale@wE eG Bose 
Kouperhöheshimtergdenm ste Die re To TAT ES 
HlöhesdessSchwanzstielesuur zn SE 5: 60 >» 
Kopflänge 18°3 175 » 
Kopfhöhe . TE TER EN PR TE FRA FEB 152 » 
DhatsStrahled nn la ae TEE ON! 5124 » 
A » » — 6 » 
GC» » ca. IA 1A 


1) Palaeontogr. Vol. XXXV, pag. 122, Pl. VI, Fig. 4. 
?) Atti Soc. Ital. Sei. Nat. Vol. XXIX, pag. 37. 


ana 2 


[27] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 219 


Die Schuppen sind am Hinterrande sehr fein gesägt. 

Zur Beschreibung dieser Art, welche uns Wagner gab, wäre nur weniges hinzuzufügen. Haupt- 
sächlich ist zu bemerken, dafs die Anale unserer Exemplare vor dem Ende der Dorsale beginnt und auch 
noch etwas vor dem Ende derselben endet. Ferner lassen noch unsere obertriadischen Ophiopsiden den 
Verlauf der Wirbelsäule durch die Schuppenhülle teilweise wahrnehmen. 


III. Fam. Pyenodontidae. 


7. Gen. Mesodon, Wagner. 


In der Prof. Hoeterschen Kollekte befinden sich auch zwei ganze Reste mit Abdrücken einer 
kleinen Fischart, welche sich durch ihre charakteristischen Zähne, die Entwicklung der Dorsal- und Anal- 
flosse, die an den Vorderkörper beschränkten Verdickungen der Schuppenränder: als der Gattung Mesodon 
angehörig; erweisen. Das Erscheinen der Pycnodontiden in der Trias ist, soviel ich weiß, bisher noch nicht 
bekannt gewesen und es ist deshalb interessant zu wissen, daß die bis nun aus dem Jura stammende 
Gattung, bereits in der oberen Trias existiert hat. 

Unsere Halleiner Fische ähneln am meisten dem NMesodon macropterus Ag. var. parvus (A. S. 
Woodward, Geolog. Magaz. vol. II, 1895, pag. 147, Tab. VI, Fig. 2), und zwar hauptsächlich was die 
Gestalt des Körpers anlangt, da auch bei unseren Fischen die Rückenprofillinie nicht sogleich vom An- 
fange der Dorsalen gegen die Schnauze abfällt, sondern wie bei der erwähnten Art, noch eine Strecke 
parallel zur Wirbelsäule verläuft und dann sich erst mit dem Beginne des Hinterhauptes steil herabsenkt. 
Es besteht aber ein äußerst großer Unterschied zwischen den erwähnten und den übrigen Arten der Gattung 
Mesodon; dieser Unterschied liegt aber in der Anzahl der Flossenstrahlen. Während Mesodon macropterus 
var. parvus in dr D und in der A 26 Strahlen besitzt, haben unsere 
Halleiner Fische in der D bloß 23—25 und in der A 4Ig Strahlen. Dieser 
Unterschied der Strahlenanzahl, insbesondere aber die geringe Anzahl der 
Strahlen in der Anale ist so auffallend, daß da von einer Identifizierung 
unserer Halleiner Fische mit irgend einer der bekannten Arten der Gattung 


überhaupt, nicht gesprochen werden kann. Diese sehr geringe Anzahl der Abb. 17. — Analtlosse von 
Analstrahlen ist aber in genetischer Beziehung von großer Wichtigkeit, Mesodon: I—-4 — Basal- 
strahlen Wr  Rnlerarue 7 — 


da man behaupten darf, daß sich die Pycnodonten wohl aus flachen, hohen N 
Fischformen, doch aus solchen mit geringerer Analstrahlenzahl ent- 
“ wickelten. Unser Mesodon hat ferner in der Analflosse noch eine weitere Eigentümlichkeit, 
die nämlich, daß nach den ersten vier kurzen spitzen Basalstrahlen (I—4) und zwischen dem ersten 
Analstrahl (7) Fulcra (7) zu beobachten sind. Durch diesen Befund sind die Pycnodonten abermals 
zu ihren älteren fuleratragenden Vorfahren näher getreten, doch zeigt unser Mesodon, dafs die Fulcra sich 
nur noch an der Analen teilweise erhielten, Ich kann mich in keine näheren genetischen Betrachtungen der 
Gattung Mesodon einlassen, weil das vorliegende Material doch zu unausreichend ist. Es kann sein, dafs 
die Pyenodonten einen im Schädelbau reduzierten Seitenzweig der Gruppe Semionotidae darstellen. 

Den neuen Mesodon widme ich dem für die Kenntnis vorliegender Fischfauna so verdienstlichen 


Herrn Prof. H. Hoefer in Leoben. 


Mesodon Hoeferi, Kramb. Gorj. 
(Taf. IV, Abb. 5, Taf. V, Abb. 2). 

Ausmaße und Strahlenzahl: 

Da zwei Exemplare vorliegen und nur eines ganz gut erhalten ist, so will ich die Dimensionen 
beider nebeneinander stellen, die Strahlenzahl aber bloß dem kleineren aber vollständigen Exemplare 
entnehmen. 

noale Kopie 5 0.0 5 ee u» a 29:0 mm (225 ohne C.) 
Körperhöhe (maximale) 16:6 se» 
28 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVIII. 


220 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [28] 


Schwanzstielhoher 2 re 25 mm 
DorsalenhatzStrahlen wer a ee 230 » 
Anale » » re EEHN Mer Alg >» 
Caudale » » ee ee 14—16 » 
Hlialbwirbel aka Ras a Re — 26—28 » 


Die Körperhöhe dieser sehr flachen, hohen Fische ist bloß zweimal in der Gesamtlänge oder I’5mal 
in der Körperlänge ohne der Caudale enthalten. 

Der hohe, schmale Schädel ist vorn abgestumpft und das Maul ist etwas geöffnet, so daß man 
das ganze Gebiß sieht. Nach oben spitzt sich der Schädel zu; derselbe endet da mit dem stark gekörnten 
und längs gefurchten Oceipitale. Nach abwärts schweift sich der Scheitelteil etwas aus und übergeht in 
das Stirnbein, hinter welchen man den Eindruck des unregelmäßig fünfeckigen Squamosum sieht. Alle 
diese Knochen sind stark gekörnt. Das runde große Auge ist nahe an das vordere Profil genähert. Hinter dem- 
selben sieht man das länglich dreieckige und reduzierte Operculum, an welches sich nach vor- und abwärts 
das große Präoperculum anschließt. Beide diese Deckelknochen sind gekörnt. Hinter diesen Knochen 
umgibt den Schädel die Clavicula und vor ihr stehen einige schlanke, etwas abgeflachte Radiö branchiostegt. 
Der Kiefer, besonders das Gebiß, ist vorzüglich konserviert geblieben. Am Zwischenkiefer stehen zwei 

schlanke, leicht gebogene und zugespitzte Zähne; die Gaumenplatte besteht aus 


a PTR ) einer Reihe querelliptischer größerer Zähne und neben ihnen sieht man einerseits 

E 0208, Toce®y noch zwei Reihen kleinerer runder Zähne. Es waren offenbar fünf Zahnreihen vor- 
ode 22, Hl handen: eine größere mittlere und beiderseits zwei Reihen kleiner runder Zähne, 
Abb. ı8, — Zähne von Der Unterkiefer hat vorn einen schlanken zugespitzten Zahn, dann folgten: eine 


Mesodon Hoeferi n. . Reihe querelliptischer größerer Zähne und neben diesen noch drei bis vier Reihen 
kleiner runder Zähne. 

Die Wirbelsäule markieren die Fortsätze und Halbwirbel; man kann etwa 26—28 solcher annehmen, 

Die Halbwirbel sind in der caudalen Körperpartie sichtbar; sie sind dünn und stehen mit den an 
der Basis gefaltenen Neurapophysen im Zusammenhange, während die breiten, kurzen Hämapophysen vom 
Halbwirbel getrennt sind; an diese bindet sich die rasch zurückgewendete Spina haemalis. Das Ende der 
Säule ist nur etwas aufgebogen: also die Caudale ist innerlich heterozerk. 

Die Dorsale beginnt nur etwas vor der Mitte der gesamten Körperlänge und besteht aus 23 weichen 
Strahlen, die ziemlich lang und so angeordnet sind, daß ihre Länge nach vorn und rückwärts abnimmt. 
somit die längsten Strahlen die Mitte der Flosse einnehmen. Diese Flosse reicht bis nahe zur Caudale 
zurück. Die ähnlich gebaute Anale reicht ebenso weit zurück, nur beginnt sie erst unter und hinter der 
Mitte der Dorsale. Sie besteht aus neun weichen, langen Strahlen, dann einen aus Schindeln gebildeten, 
vor welchem noch vier kurze, ungleich große Dornen stehen. Der vierte weiche Strahl war der längste. 
Sowohl die Strahlen der Dorsale als der Anale werden durch je einen entsprechend langen Träger unter- 
stützt. Besonders lang sind aber jene, welche die Dorne der Analflosse tragen, denn davon ragen die 
hinteren weit gegen die Säule herauf. 

Die Ventrale lag näher der Anale als den Pectoralen. 

Die Pectoralen sind am unteren Viertel des Körpers und nahe beim Schultergürtel angebracht. 

Die Caudale ist ziemlich lang, am Ende abgerundet und besteht aus 13—14 Strahlen und einigen 
dünnen Randstrahlen. 5 

Die Schuppenhülle bedeckte bloß den vorderen Körperteil, und zwar bis zum Beginne der 
Dorsale und Anale zurück. Sie ist durch ihre verdickten Ränder kenntlich, welche sich mit den langen 
Neurapophysen des abdominalen Körperabschnittes gitterartig kreuzen. Vor der Dorsale und bis zum 
Occipitale sieht man zwölf unpaare, einen kurzen Spitz bildende Firstschuppen, von denen besonders die 


vier vorderen deutlich sind. Auch den Bauchrand markieren kräftigere Schuppen, doch ist ihre Gestalt 
nicht erkennbar. 


A a m 


[29] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 221 


Subordo: Isospondyli. 
IV. Fam.: Pholidophoridae. 
8. Genus: Pholidophorus, Agassiz. 


Pholidophorus latiusculus, Ag. 
. (Taf. IV, Fig. 9.) 

1832. Pholidophorus latiusculus, L. Agassiz: Neues Jahrb., pag. 145. 
1833—1844. Pholidophorus latiusculus, L Agassiz: Poissons foss. Vol. II, pag. 9, 287. 
1844. Pholidophorus fusiformis, L. Agassiz: Ibid., pag. 288. 
1850. Semionotus curtulus, ©. G. Costa: Atti Accad. Pontan., Vol. V, pag. 204, Pl. VII, Fig. 6; Pl. VIII, Fig. 2. 
1853. » » » >» » Loc. eit., Vol. VIl, pag. 9; Pl. I, Fig. 5. 
1866-1867. Pholidophorus latiusculus, R. Kner: Sitzungsber. d. Ak. d. Wiss. math. nat. Kl., Bd. 54, pag. 328, Taf. III, 

Fig. 2, 3, und ibid., Bd. 56, pag. 903, Taf. II, Fig. 1. 
1892. Pholidophorus latiusculus, F. Bassani: Mem. Soc. Ital., Vol. IX, pag. 23. 
1895. » > A.S. Woodward: Catalogue III, pag. 454, Pl. XIV, Fig. 3. 
1895. » » F. Bassani: Ittiofauna di Giffoni, pag. 203, Tav. XI (III), Fig. 3—6; Tav. XV (VII), Fig. 1. 

Die generische Stellung des in Rede stehenden Fisches konnte genau ermittelt werden. Sowohl der 
Bau des Schädels, die Stellung der Flossen als auch die Beschuppung entsprechen der Gattung Pholido- 
phorus. Selbst die große schildförmige zugespitzte Schuppe vor der Basis des oberen und unteren Caudal- 
lappens ist vorhanden. 

Ich bringe den Fisch zu Phol. latiusculus Ag., da solche bereits aus Seefeld bekannt sind und weil 
unser Fisch mit dieser Art, bis auf die Lage der Ventralen, die bei jenem hinter dem Beginn der Dorsale 
liegt, sonst ganz gut übereinstimmt. 


Gesamtlanmeier SE enm 
Körperhöhe Sat SEEN. TSNERF  R 197 5 
Kopflänge Ein dee a CaeıS33 
DorsalegphziseStrahlene re rETo 

Anale » SE La = 3. Dil 9 » 
Ventrale » » ET 7—3 » 
Pectorale » » ET » 
Caudale » » es 20 ra oe 


Der Körper dieses kleinen Fisches ist flach elliptisch; seine Höhe bei der Dorsale ist 3'Iımal und 
der kleine ovale Kopf 3'6mal in der Gesamtlänge enthalten, Von den Kopfknochen wäre das große Oper- 
culum, das dreieckige Suboperculum, das ebenso gestaltete Interoperculum und das 
schwach gebogene Präoperculum zu erwähnen. Vor letzterem stehen zwei ungleich 
große Suborbitalia, ferner der Unterkiefer, dessen Unterrand gebogen ist. Unter dem 
Unterkiefer sieht man einige fast gerade, nach hinten ausgebreitete Radir branchiostegi 
und hinter dem Operculum den ziemlich kräftigen Schultergürtel. Die Parietalia mit 
den Frontalia hinterließen einen kräftigen Eindruck, wovon besonders die beiden 
Parietalhöcker hervortreten. 

Die Dorsale beginnt in der Mitte des Körpers (ohne der C), enthält zehn 


Strahlen und ist schwach entwickelt. Am ersten Strahl liegen einige feine Fulcra. Die Abb. 19. — Pholido- 
5 ; * ’bhorus latiusculus Ag. 

Ventralen liegen unter und hinter dem Anfange der Rückenflosse und enthalten ob. — Operculum; 
. - . - z u 2 

7—8 Strahlen. — Die Anale steht in der Mitte zwischen der Caudale und den s.0.—=Suboperculum; 
Ventralen; sie ist schwach entwickelt und besteht aus neun Strahlen, — Die mäßig i0P-— Interoperculum; 


ausgebuchtete Caudale wird von 23 Strahlen gebildet, von denen die beiden rand- a 
= s.o.. — Suborbitale; 


ständigen Hauptstrahlen mit feinen Schindeln bedeckt sind. Vor diesen Strahlen sind cz. — Clavicula; R.— 
noch einige Randstrahlen. Radii branchiostegi. 


28* 


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S 


Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. [30] 


Bra ebway org 


ng aeg 7° 


Die verhältnismäßig gut entwickelten Pectoralen 
bestehen aus beiläufig ı4 Strahlen. Noch wäre zu bemerken, 
daß die Ventralen näher den Analen als den Pectoralen 
stehen. 


Die Schuppen sind zumeist nur noch als Abdrücke 
erhalten geblieben; sie sind vorn — und zwar gleich hinter 
dem Schultergürtel — höher als breit. Ihr hinterer Rand ist 
etwas gebogen. An den Schuppen des caudalen Körper- 
abschnittes ist dies besonders gut sichtbar, wo eben noch 
eine Partie der Schuppenhülle erhalten blieb. Da gewahrt 
man noch, daß der obere und untere Schuppenrand gerade 
ist und daß die Ränder etwas verdickt sind. Es möge noch 
bemerkt sein, daß jene größeren respektive höheren Schuppen 
der vorderen Körperpartie auf die Mitte desselben beschränkt 
bleiben, da die Schuppen sowohl gegen den Rücken als auch 
gegen den Bauchrand zu an Größe abnehmen und ihr 
hinterer Rand stark abgerundet wird. Knapp vor der Schwanz- 
flosse, und zwar oben und unten liest je eine gebogene, 
beiderseits zugespitzte Schildschuppe. 


Pholidophorus sp. n. (?). 


Es liegen noch die Abdrücke zweier Pholidophorus- 
artiger Fische, die sich durch ihren schlanken Körper aus- 
zeichnen vor. Leider sind beide ungenügend erhalten, um sie 
näher charakterisieren zu können, Sie dürften offenbar eine 
neue Art der genannten Gattung darstellen. Ich entnehme 
den Fischen folgende numerische Aufzeichnungen: 


Totale Körperlänge . . . . ea. Han 2 2 A0:o m 
Körperhöhe Ro. en 
Kopflänge,, „.... Su. so oe 


Die Flossen sind sehr ungenügend erhalten. Es kann 
bloß teilweise ihre Lage bestimmt werden, 


Die Dorsale liegt in der Mitte des Körpers oder 
etwas vor derselben. Bloß unbedeutend vor ihr oder unter 
ihrem Anfange stehen die Ventralen, die wiederum in der 
Mitte zwischen den Pectoralen und der Anale liegen. Die 
Caudale war ausgebuchtet. Die Seitenlinie bildet eine durch 
die Schuppen hindurch schimmernde dünne Röhre. 


III. Schlußfolgerungen. 


Die beschriebene Fischfauna reiht sich an die be- 
kannten gleichalterigen von Seefeld und Giffoni, mit 
denen sie auch einige Arten gemeinsam besitzt. Wichtiger 
indessen ist der Umstand, daß mit der Fischfauna von 
Hallein die Liste der Gattungen und Arten namhaft vermehrt 
wurde, denn es entfallen an die obertriadische Fischfauna der 
norischen Stufe nicht weniger als 13 Gattungen mit 22 Arten, 


[31] Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. 22 


wovon acht Gattungen allein auf Hallein kommen. Es sind zwar auch von Giffoni acht Genera bekannt, 
doch hat Hallein damit nur drei gemeinsam, während Seefeld damit sechs Genera teilt. Die beiden nahe- 
liegenden Fundstellen Seefeld und Hallein haben auch nur vier Gattungen gemeinsam. Die vier oder 
fünf Gattungen aber, die in Hallein darüber auftreten, sind zum Teil höchst interessante Erscheinungen. 
Es sind dies die Gattungen: Semionotus, Spaniolepis n. g., Ophiopsis und Mesodon. 

Was die Gattung Semionotus betrifft, so haben wir die Gelegenheit gehabt, eine bisher noch nicht 
als sicher zur Gattung Semionotus gehörende Art, nämlich den Sem. Kapffi Fraas kennen zu lernen. Es 
konnte dabei ihre Stellung in der Gattung Semionotus festgestellt und auch gleichzeitig die Gattungs- 
diagnose erweitert werden. 

Die Gattung Spaniolepis ist neu und bildet eine zu Dapedius und Aetheolepis nahe stehende 
Gattung, wovon Dapedius bereits aus obertriadischen Bildungen bekannt, Aetheolepis aber aus jurassischen 
Ablagerungen stammen soll. 

Ophiopsis war bisher in der oberen Trias nicht bekannt und bildet nun mit der Art Oph. attenuata 
eine kontinuierliche Formenreihe von der mittleren Trias bis in den oberen Jura herauf. Der Oph. lepturus Bell., 
aus dem Muschelkalke von Perledo, ist nämlich mit vorerwähnter Art nahe verwandt und steht also mit 
Oph. attenuata der oberen Trias und des oberen Jura in Kontinuität. 

Am wichtigsten ist wohl das erste bisher bekannte Auftreten der Pyenodonten in der oberen 
Trias. Die Gattung Mesodon ist es, die uns da entgegentritt, und zwar mit einigen, Charakteren, die in 
entwicklungsgeschichtlicher Hinsicht nicht unwichtig erscheinen, da man an diesen triadischen Mesodon das 
Verschwinden der Fulcra und die noch geringe Anzahl von Strahlen in der Anale konstatieren kann. 

Der bequemeren Übersicht teile ich in tabellarischer Form das Verzeichnis der Fischfaunen von 
Giffoni, Hallein und Seefeld mit. 


Gattung Giffoni Hallein Seefeld 
SUndnas 2 5 Or BR RER Undina picena _ _ 
2 Belonorhynchusus, onen 5 Belonorh. sp. _ Belonorhyn. sp. 
3. Semionotus. ... . SR DR re oo u Semion. Kapffi — 
4. Colobodus ...... Et hg Colob. ornatus Colob. ornatus Colob. ornatus 
" EN nl ee _ »  decoratus —_ 
5. Heterolepidotus ..... RE — Heterolep. dorsalis | Heterolep. dorsalis 
» ot RG EN — > parvulus — | 
6SDapediusm era ee: : Daped. Costae .  Daped. sp. Daped. Bouei. 
ES pantolepis er: _ Spamiol. ovalis. — 
SEOphIopsısye ee — Ophiops. attenuata 0 — 
95 Mesodone. 02: SE Sc — Mesod. Hoeferi _ 
AO Ensnathusge ee a War Eugn. brachilepis - Eugn. insignis 
isEholıdophonusw Bea ee Pholid. cephalus Pholid. sp. n. (?) Pholid. cephalus 
»  Zatiusculus » latiusculus » latiusculus 
»  PDusillus — > pusillus 
12GBeltoplourusyr gr Peltop. humilıis. — Peltop. humilis 
13. Thoracopterus ...... a EN BREUER Thorac. (2) sp. _ _ 
Anhang. 


Chemische Analyse der Schuppen von Colobodus. 


In der Hoeferschen Kollekte befinden sich auch mehrere Bruchstücke der Schuppenhülle eines 
großen Colobodus. Einige der unansehnlichsten Bruchteile davon übergab ich Herrn Prof. Dr. S. Bosnja- 
kovic, Vorstand des k. Chemisch-analytischen Landesinstitutes in Agram zur Analyse. Dr. Bosnjakovic 
selbst meinte, es würde eine derartige Analyse nicht ohne Interesse sein, um zu sehen, wie hoch noch der 
Gehalt an organischer Substanz und an Phosphaten wäre. 


224 Dr. Karl Gorjanovic-Kramberger. 


In der bei 100° C getrockneten Substanz wurde gefunden: 


Organisches . BEN ee ec 4.29%, 

Kueselsauze (SION) Er on 

Tiouerden (A), OS) ee we re 02, > 

Kalk (Ga O0). Ser N a 2 

Magnesia (Me Oje ae Ber ee zn 
Kahlensaurer(CO,)2e ee een & 
ASchwetelsänte: (SO) an 

Phosphorsäure (PO) re De nn 


Außerdem noch kaum nachweisbare Spuren von Natron und Chlor. 
Demnach enthalten vorliegende Schuppen 25°/, an phosphorsaurem Kalke, welcher mit Beri 
 sichtigung der Muttergesteine (Mergel) ausschließlich den Schuppen entspringt. 


ÜBER EINE NEUE EQUIDENART AUS DER PAMPASFORMATION. 


Von 


Dr. ©. Reche, 


Mit einer Tafel und 14 Textabbildungen. 


Unter den im geologischen Institute der Universität Breslau befindlichen Fossilien der Pampas- 


formation!) befindet sich auch der Schädel eines Equiden. Derselbe stammt aus Pontezuela, Provinz 


Buenos Aires, und gehört nach dem Fundbericht dem äolischen Löß der oberen Pampasformation 


an, die zwar Santiago Roth (14) zum Pliocän rechnet, die aber meist als Quartär angesehen wird. 
O. Nordenskjöld z. B. gibt in seiner Abhandlung über die Pampasformation (II) folgende Tabelle: 


Sannolik motsvarighet 
inom andra omräden 
ee re 
Patagoniska formationen \ 
en : : Aldre miocen 
Tertiär Suprapatagoniska formationen 
| Santa Cruz formationen Yngre miocen 
Intermediära | Parana formationen Pliocen 
Pampas- bildningar | Monte Hermoso bildningarna | 
formation | 
: Undre 
i vidsträckt ) Egentliga | oe: 
mening pampas- Mellersta t 
formation | OR: ) 
Postpampeana bildningar Nutida 
Nutida 


Hiernach wäre also die obere Pampasformation jungdiluvialen Alters, eine Ansicht, der sich 
unter anderem auch Frech (6), Koken und Woodward (21) anschließen, und auch Branco (3) meint, 
daß die beiden Pferdegeschlechter, die der Pampasformation angehören, Heippidium und Egquus, in Süd- 
amerika während des Diluviums gelebt haben. 

Außer dem Schädel ist bei Pontezuela in derselben Schicht noch ein Zahn aus dem linken Unter- 
kiefer eines Equiden gefunden worden; im Fundbericht ist aber leider keine Angabe darüber enthalten, ob 
dieser Zahn in der Nähe des Schädels lag oder nicht. 

Bei der Untersuchung des Schädels wurden neben den fossilen Pferden Süd- und Nordamerikas 
auch die rezenten zum Vergleiche herangezogen; die angeführten rezenten Exemplare befinden sich in der 
Sammlung des zoologischen Instituts der Universität Breslau. 

Bei dieser vergleichenden Untersuchung ergab sich nun, daß der hier besprochene Schädel soweit 
von seinen Verwandten abweicht, daß die Aufstellung einer neuen Spezies berechtigt erscheint, die zu Ehren 


!) Die Sammlung ist von Herrn Santiago Roth zusammengebracht und ein Geschenk des Herrn Kom- 
merzienrats Haase in Breslau. 


226 Dr. ©. Reche. [>] 


des Spenders der reichhaltigen Sammlung, des Herrn Kommerzienrats und Rittmeisters d. Res. Haase in 
Breslau, Equus haasei benannt werden möge. 

Die neuerliche Zusammenstellung von Gidley (7) führt aus Nordamerika zehn sichere diluviale Pferde- 
arten auf, es ist daher die Auffindung einer fünften in dem orographisch so mannigfach gegliederten Süd- 
amerika nicht auffallend, zeigen doch auch die übrigen Gruppen der südamerikanischen diluvialen Säugetier- 
welt eine erstaunliche Mannigfaltigkeit. 

Erhalten ist von E. haasei nur der größte Teil des Schädels. Einige Verletzungen zeigt die 
Basis und das linke Parietale, von dem ein ca. 5 Dcm großes Stück fehlt; auf der Photographie (Taf. ı, Fig.2) 
ist die betreffende Stelle nach dem rechten Parietale ergänzt. Ferner fehlen Stücke des Occipitalkammes, 
der größte Teil des rechten Jochbogens, die Vorderteile der Nasalia und Maxillen und damit auch die Prä- 
maxillen mit den Incisiven; vom linken Processus paroceipitalis ist die Spitze abgebrochen. Sämtliche Molaren 
und Prämolaren sind relativ gut erhalten, Der ganze Schädel war mit sehr harten Kalkkonkretionen (Lößkindel) 
inkrustiert, die sich von den sehr weichen und zerbrechlichen Knochen nur schwer abpräparieren ließen. 


Schädel. 


Gehen wir nun zur Beschreibung der Einzelheiten über, so sehen wir zunächst, daß FE. haasei in 
der Länge des Schädels dem südamerikanischen Z. curvidens Ow. und dem warmblütigen E. caballus am 
nächsten steht. Da von FE. haasei der vorderste Teil des Gesichtsschädels fehlt, wurde als Vergleichsstrecke 
die Entfernung vom Hinterrande des foramen magnum bis zum Vorderrande von #2, dicht am Alveolar- 
rande, gemessen. Die von Branco (3) verwandte Strecke (äußerster Punkt des Hinterhauptes bis zum 
Vorderrand von 5°) wurde deshalb nicht benützt, weil sie zu sehr von der verschiedenen Entwicklung des 
äußersten Hinterhauptes abhängig ist. Bei F. curvidens und E. andium mußten diese Maße, da Angaben 
über ihre Größe fehlen, an den Abbildungen genommen werden!) ein Verfahren, das auch bei ganz genauen 
Abbildungen natürlich nie ganz korrekte Zahlen ergibt.) Der Fehler wird aber meist ziemlich gering sein 
und jedenfalls bei Berechnung der Indices kaum in Betracht kommen. 

Die Entfernung des Hinterrandes des foramen magnum vom Vorderrande von #2, dem vordersten 


Prämolaren, beträgt bei: 


Eguus Eguus Eguus Equus Eguus Equus 
Equus eurvidens caballus caballus zebra andium asinus Hippidium 
haaseı n. Araber ©? | Mischblut 4"/ Jahr n. og üb. 20 Jahr] neogaeım 
Burmister | Zool. Inst. | Geol. Inst. | Zool. Inst. Branco Zool. Inst. 
395 403* 381 407 | 368 | 307° ı | 254 | 418 | mm 


Equus haasei gehört also zu den großen Pferdearten und unterscheidet sich schon durch diese 
seine Größe von einer der bisher bekannten südamerikanischen, dem von Branco (3) beschriebenen 
E. andium, das ungefähr die Größe des Esels hatte. Zu E. andium zählt Branco allerdings auch Reste 
von einigen Tieren, die wesentlich größer waren; so erreicht die Zahnreihe (Molaren und Prämolaren) 
eines der Tiere mit 1690 mm Länge genau die Länge dieser Reihe bei E. haasei. Ob ausgewachsene 
Tiere von solcher Größendifferenz zu einer Art gezählt werden können, erscheint zweifelhaft, um so mehr, 
als sie auch andere Unterschiede aufweisen; der Umstand, daß es in der Spezies E. caballus 
auch kleine Varietäten, Ponys gibt, darf wohl nicht zum Vergleich herangezogen werden, da wir es doch 
bei E, caballus, wenn es überhaupt eine Art ist, mit einer durch den Einfluß des Menschen in Rassen 
zerspaltenen Art zu tun haben. Ich verstehe daher unter £. andium den bei Branco abgebildeten schönen 
Schädel (loco cit. Taf. 2), von dessen Zahnreihen mir durch Herrn Prof. Frechs Vermittlung von Herrn 


Prof. Branco freundlichst Abgüsse übersandt wurden.?) 


!) Hier wie in allen folgenden Tabellen sind an Abbildungen genommene Maße mit einem Sternchen 


bezeichnet. 

2) Es kann ja, wenn die zu messende Strecke nicht in der Ebene der Abbildung liegt, immer nur ihre Pro- 
jektion auf diese Ebene gemessen werden. 

3) Die Übersendung der Originale war ihrer Brüchigkeit wegen ausgeschlossen. 


[3] Über eine neue Equidenart aus der Pampasformation, 227 


In der größten Schädelbreite (Abstand der äußersten Jochbogenpunkte voneinander) ähnelt Z. haasei 
wieder sehr £. caballus und von fossilen Formen dem südamerikanischen E. rectidens Gerv. und Amegh. 
und dem nordamerikanischen E. semiplicatus Cope. 


n a. |» : % S = Mi leeres S 
SS Sy S u z [e) DE= eo) Sn z _ SE urn So SS 
SS S SQ O+ S IS] us —S -\ Q S S S 
a I|SE R.2l 8 Jaeaıssel Ss. Sa 85 sealse|.ss 
IS) Sa |SsoH es Sa S|S si ss [SO S+“| Ss Som x 2% SEN) 
See aan sea | ns 
S | So |88S| Ss |Ao|8 Al S8 |‘ dl Ss; |°ccı cd | Sa 
& 0 r ja & 2 QN9 So gro EA 8 
Ro IS 'N| A =) RI N| st „NIS O8 
gr. Breite 219 220 200 2II 199 192 | 195* 190 | 186 174 167 200 mm 
Ind Br..100 6x 
ndex === |, 55 54 52 52 46° | 59 5 mm 
Länge | 4 “7 


Für E. rectidens fehlt leider eine Angabe der Länge, so daß der Index nicht berechnet werden 
kunnte, nach der Beschreibung bei Ameghino (1) ist der Schädel aber länger als bei E. caballus und 
da er auch etwas breiter ist, wird der Index ungefähr 54 sein, 

Die relative Breite von E. haasei, E. rectidens und E. andium liegt also innerhalb der Variations- 
breite der rezenten Equiden, während sich E. curvidens ähnlich wie Hrppidium durch einen außer- 
gewöhnlich schmalen Schädel auszeichnet. 

Ziemlich bedeutende Unterschiede finden sich bei den Equiden im Verhältnis der einzelnen Schädel- 
teile zueinander, so z. B. im Verhältnis des Gesichtsschädels zum Hirnschädel. Nehmen wir als charakteri- 
stisch für die Länge des Hirnschädels die Strecke: Hinterrand des foramen magnum bis Vorderrand der 
Augenhöhle, und für den Gesichtsschädel: Vorderrand der Augenhöhle bis vor 5? an, so erhalten wir 
folgende Zahlen: 


Es ee | Areenine | 2 cur | | & | re Taopiciem 

‚aaseı | Zool. Inst. | Geol. Inst se Zool. Inst. eur Zool. Inst. | ?eogaeum 

a) Gesichtsschädel 193 190 201 187* 142 147* 180 202* mm 

b) Hirnschädel 227 223 242 229* 175 181* 217 217* mm 
a.1oo n 

Index Ga 85 85 83 82* SI $ı* 77 93* mm 


Der Gesichtsschädel ist also bei E. haasei unter den südamerikanischen eigentlichen Equiden am 
größten; einen gleich hohen Index zeigt nur noch das arabische Pferd, einen höheren Höppidium. Alle anderen, 
auch E. curvidens und E. andium, das sich hier übrigens wieder wie der gleich große E. asinus verhält, 
haben einen kürzeren Gesichtsschädel. 

Vergleichen wir mit der eben erwähnten Länge des Hirnschädels die Strecke vom hintersten Punkte 


des Occipitalkammes bis zum Vorderrande der Augenhöhlen, so ergibt sich folgende Tabelle: 


Equus | Equus | Equus So oa ai ar Hippidium 

haasei | Geol Inst. [etervidens andium ZT zu Inst. | reogaeum 

a) Hirnschädel 227 242 229* 181* 175 217 217* mm 
b) Oceip.-R. 

bis Vord. d. 254 251 261* 203* 193 230 249* mm 
Augenh. 

b.100 3 

Index 112 103.7 I14* 112* 110 106 114.7 mm 

a 
| 


. 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVIII. 29 


228 Dr. ©. Reche. [4] 


Bei den südamerikanischen Pferdearten lehnt sich also das Hinterhaupt mit seinem oberen Teile 
weiter nach hinten, als bei den rezenten, was zusammen mit der kräftigen Ausbildung der Cristen des 
Hinterhauptes auf eine stark entwickelte Kaumuskulatur schließen läßt. 

Als Charakteristikum für EZ. andium bezeichnet Branco (3), daß der Vorderrand der Augenhöhle 
senkrecht über dem Hinterrande von n® liegt, wenn der Schädel auf seiner Basis ruht. Nun ist allerdings das 
Verhältnis der Lage des Auges zur Lage von n° selbst bei demselben Individuum nicht konstant, da ja, wie 
Untersuchungen an rezenten Equiden gezeigt haben (7), die Zahnreihe im höheren Alter kürzer wird, da besonders 
die Molaren, also auch m’, etwas nach vorn rücken. Bei einem alten Exemplar wird also der Hinterrand 
von m° etwas weiter vorn liegen, als bei einem jüngeren Tiere derselben Spezies. Aber abgesehen von 
dieser durch das Alter bedingten verschiedenen Lage von m? finden sich doch Unterschiede, die für die 
einzelnen Gattungen und Arten charakteristisch zu sein scheinen. Denn geht man die Entwicklungsreihe 
der Unpaarhufer durch, so zeigen die ältesten Vorfahren weit hinter den vorderen Augenrand zurück- 
reichende Zähne, und je jünger die Gattung ist, desto weiter ist die Zahnreihe nach vorn verschoben. 

Um das Verhältnis der Lage des vorderen Augenrandes zum Hinterrand von 2” zu verdeutlichen, 
wurde die Entfernung des vorderen Augenrandes vom hinteren oberen Rande des foramen magnum mit 
dem Abstand des Hinterrandes von m® von demselben Punkte des foramen magnum verglichen; diese 
beiden Strecken müssen ziemlich gleich sein (for. mag. bis vorderen Augenrand etwas größer), d. h. ihr 
Index muß I0oI—Io2 sein, wenn der vordere Augenrand senkrecht über dem Hinterrande von m° liegt; 


ist der Index größer, so liegt m? weiter hinten, ist er kleiner, weiter vorn. 


en {e}ı) SI 3 P P Q 
seele Sauren 
SEES AS S S SHAINS S B 
ssolsgel 8 | Se S8 SB Sr IS 
I SHIS= N Dr N Ss” SD ,c D BSIeS c 
Sets Ss so | 8 SS: 8: S Su|l = 
Ssaaaa| , (a8 |se |.<8|&8| S | | 
N Q $ \ 5 = SS j 
‚RE 8 |S% N ij Nleeas RE = 
a) for. mag. bis vord. ” x Ä : > r 
Augenrand 181 175, |. 217102237 242202292 17217 227 mm 
b) for. mag. bis hinter m® os | 166) | au || 220 | 220 |1228° || 223° 238 mm 
.I0o 
Index 22 740% | 120% | 109% | 103 | Tor IOI IOoI 100* | 96* 95 mm 
b 


Danach liegt also der Hinterrand von m’ bei E. haasei weiter nach vorn, als bei irgend einem 
anderen Equiden, nur bei Hippidium ist die Zahnreihe annähernd soweit nach vorn gerückt. Bei allen 
rezenten liegen Augenrand und Hinterrand von m? so ziemlich senkrecht übereinander, ebenso bei E. curvidens, 
während bei EZ. andium m? etwas weiter nach hinten liegt. Noch besser kommen diese Verhältnisse auf 
nebenstehenden Abbildungen (Fig. I—5) zum Ausdrnck. Hier ist die Profilansicht des Schädels von 
E. haasei in die von E. curvidens, E. andium, E. zebra, E. asinus und Hippidium neogaeum hinein- 
gezeichnet, und zwar so, daß bei allen die Strecke: Hinterrand des foramen magnum bis vor p? gleich 
gesetzt wurde; das Profil von E, haasei ist dabei immer leicht angetuscht, das der verglichenen Pferdeart 
punktiert. Auch diese Figuren zeigen, daß das Auge bei E. haasei am weitesten hinter n°® liegt. Dieses 
Vorrücken der Zahnreihe bei E. haasei ist auch der Grund für die oben erwähnte relativ große Länge des 
Vorderschädels. 

Aus demselben Grunde ist auch scheinbar der Jochbogen bei E. haasei nach hinten und oben verschoben. 

Die obere Profillinie von E. haasei ähnelt, wie die vergleichenden Abbildungen zeigen, am 
meisten E. asinus;, sie zeigt nicht, wie bei #. curvidens und Hippidium neogaeum, am Ansatz der Nasalia 
eine Auftreibung und ist weniger gewölbt, als bei den meisten anderen Equiden. 

Die Augenhöhle liegt bei allen südamerikanischen Pferden sehr tief, d. h, ihr Abstand von der 
oberen Profillinie ist recht bedeutend, während bei rezenten Equiden das Auge sehr hoch liest. E. haasei 
nimmt in dieser Beziehung eine Mittelstellung ein, da sein Auge höher als bei den anderen südamerika- 


[5] Uber eine neue Equidenart aus der Pampasformation. 229 


Synoptische Tabelle zum Vergleich der Profilansichten von Equus haasei (ausgetuscht) mit 
fünf anderen Pferdearten. 


71 
S 
nS 
iS 
f S 
S 
oO 
2 S 
| - 
| 
iS] 
[S2 
EN 
ia] 
| 
, 
S 
: as 
S 
| S 
& x 
ee: < 
| ES 
ia) 
} 1 
| 
> 
| R 
e es 
RY 
{ Q 
| A es] 
{ &n S 
| Ei S 
B IS) 
i IQ 
{es 
| 
SE N Ss 
N .S 
4 - Be 22) 
4 = S 
| + <) 
[ E 3 
Ei iS} 
Ss 
EI 
S) 


29* 


Dr. ©. Reche. 


[6] 


230 


“1OSDDYy "7 


unawsoau umapıddırr 


nischen, aber niedriger als bei den rezenten Arten liegt; ein Blick auf die Textfiguren I—5 zeigt dies. 
Um dieses Verhalten in Zahlen auszudrücken, werden in der folgenden Tabelle der senkrechte Abstand!) 
der oberen Profillinie vom oberen Orbitalrande und Alveolarrande dicht hinter »n® verglichen. 


SS 22) e Se ö ein = 
SS los [a8 los logvolo@2lolazead as ee 
Ss 85|8|83 [8888 SS58 220 |8m 288-8 | sen 
RS I-S ISIS Se SEI sS|ıSTes | Ssso_, | S = SSo ln Spies 
Qu SIS SS ISES] ISSOEISSEN | SSn5S SES Ss | SSgI- ae 
Se |ıRS SS SES Ss?Aa QNSam ASao SS ma|S8 B 38 
KON S : 0° 
SIE 3 66) S<« 20 ES Sg 
a) Senkrechter Abstand N 2 
d. ob. Profilrandes v. 51 43° | 28,5 24 27 18 23 23 15 13 mm 
ob. Orbitalrand 
b) Senkrechter Abstand } 
d. ob, Profilrandes v. || 156* | 157* | 117 | 124 147 133 150 133 98 124 mm 
Alveolarrand \ 
Index —— ag | A 24 19 18 13 I5 | 17 15 Io anım 


Bei E. haasei ist also sogar der absolute Abstand des oberen Orbitalrandes vom Profilrande größer, 
als bei dem viel kleineren Schädel von E. andium. Am stärksten ausgeprägt ist diese für die südamerika- 
nischen Pferde charakteristische tiefe Augenlage bei dem nur in Südamerika heimischen Hrppidrum, aber 
auch recht bedeutend bei E. curvidens, das ja auch in anderen Eigenschaften unter allen Equiden dem 
Hippidium am nächsten steht. 

Recht verschieden ist bei den einzelnen Arten auch Gestalt und Lage der Masseterkante. Ihr 
vorderstes Ende liegt bei E. haasei, E.curvidens, E. andium, E. zebra und E. caballus über der letzten 
Hälfte von 2%, bei E. asinus und Hippidium neogaeum über der Mitte von m°. 

Besonders verschieden aber ist die Höhenlage der Masseterkante. Um diese festzustellen, ist in der 
folgenden Tabelle der senkrechte Abstand der Masseterkante vom Alveolarrande dicht hinter #2” mit dem 


Abstande dieses Randes von der oberen Profillinie verglichen. 


5 Q 
&) % 50 . & S & 
N „ SS 2) S 7 “u S = 
Se Sl.» |Sa = Se Seh S SZ 
Seo Ense ee en 2 SS 
S 5 sans SH iS Dali Suo NEee=i SS 3 Q ‚SS 
Seen 5. | 3: 
85 2 | & az | 85 | 2Er S Sg | © ESS, 
Sen 2.209 2 ® S 498 ae) see | 2a 2a % EITS) 
sE Seo SQ S so So: Sero S S 2 SQ 
Sg S SS SD EN e SUN S S HS 
So Ss SS S SIz) gg RS S S, 
So SS] S« Qg S| S 
| 
Senkr. a) d. oberen 12 I II 157* | 156* mm 
en Profillinie || 147 150 133 | 124 98 114 4 33 Zu WLan LS 
d. Alveo- Dam — en 
larrandes | 0) d. NMasse- R ? 
(0) 2 2 15* mm 
von: terkante 55 S1 En 28 36 38 3 5 7 5 
Inu 1a 37 34 30 32 28 31 30 22.6 21 17* | 9.6* nm 


1) Senkrechter Abstand ist hier die Projektion der betreffenden Strecke auf die in der Bildebene liegende Senkrechte. 


[7] Über eine neue Equidenart aus der Pampasformation. 231 


In diesem Punkte. liegt also E. haasel innerhalb der Variationsbreite der rezenten Equiden und 
weicht bedeutend von allen anderen südamerikanischen Arten ab, am meisten wieder von Hippidium. 

Auch die von der Masseterkante beschriebene Kurve ist bei den Pferdespezies recht verschieden, 

Das foramen infraorbitale liegt bei Eguus haasei, wie bei den meisten Equiden, über dem hintersten 
Ende von P*. 

Zwischen foramen infraorbitale und der Augenhöbhle findet sich bei £. haasei, wie bei allen anderen 
südamerikanischen Pferden und wie bei den Vorfahren der Equiden, eine flache breite Grube, die nach 
Weber (18) zur Aufnahme eines Drüsenkörpers, wie er von den Artiodactylen her als »Crumen« bekannt 
ist, diente. Bei den rezenten Equiden findet sich nur noch selten eine Andeutung dieser Grube. 

Wenig typisch für die Beurteilung einer Pferdeart sind die Maße der Augenhöhlen. In der fol- 
genden Tabelle ist die größte Breite schräg von vorn-unten nach hinten-oben gemessen, die größte Höhe 


steht senkrecht zu dieser Linie. 


| 
IH 8 eh RS a no 5 el was 7 
ıS8 | SS a | Ss SSaR| SSE su: | ses 
SS | SiS a |&8 Sea) Sao | Ss | Sid | Fin 
SESESES abs Se Se Bee ee 
| S) E | a N | A a N 
gr. Breite d. Orbita | 59 57" 59 55 60 67 57 60 48 43 mm 
gr. Höhe d. Orbita 52 51* 54 45 59 58 55 55 49 44 mm 
öhe - Io 93 : 3 3 
Ind: a m. ss | Sg* | 91 87 98 86.5 96 gL 102 102 mın 
Telte 


Die süidamerikanischen Pferde zeigen also im allgemeinen eine breitere, die rezenten eine 
höhere Augenhöhle. Nicht zum Ausdruck kommt in diesen Maßen, dafß bei den rezenten der hintere 
Orbitalrand' stärker nach außen vorspringt und etwas vertikaler steht als bei den fossilen. 

Recht charakteristisch für eine Pferdespezies ist die geringste Breite des processus orbitalis des 
Stirnbeines. Bei den Vorfahren der Pferde waren die Augenhöhlen zunächst hinten offen, d. h. der processus 
orbitalis war zu kurz, als daß er das Jugale erreicht hätte. Später nahm die Länge dieses Fortsatzes zu 
und es trat endlich eine Verbindung mit dem Jugale ein, die aber zuerst noch schmal ist, wie z. B. be 
Protohippus und Hipparion;, auch Hippidium hat noch einen recht schmalen processus orbitalis, und man 
kann daher wohl eine größere Breite dieses Fortsatzes als ein Kennzeichen der echten Equiden, des End- 
gliedes der Entwicklungsreihe, ansehen. 

Folgende Tabelle gibt die geringsten Breiten der proc. orbitales verglichen mit der größten 
Schädelbreite. 


Equus Eguus |E- caballus|E. caballus| E, caballus| Eguus 
Equus | Equu: I ippidi Ere aber a ch quu 
DE IS andium | Hipbidium asinus Arabeı schwer Mischblut zebra 
haasei \curvidens n. neogaeum n. n. 
Branco 5 'Zool.Inst.| Branco Branco |Geol. Inst.| Zool. Inst. 
a) Kleinste Breite { Se “ & x x a 
EL ra zit 3 27 14 10 25 27 30 27 24 mm 
b) Gr. Schädel- er 186* 6 = ”: Be = r 
tie 219 107 200 174 212 | 23 20 90 mm 
100 h 
Index 5 14 14°5* 8 5* 143 12 | 12:6 123 12:6 mm 


E. haasei und E. curvidens haben also einen sehr breiten, E. andium und noch mehr Hippidium 
einen schmalen processus orbitalis, 

Die Occipitalregion ist bei E. haaser recht gut erhalten (Textfigur 6). Die Maße derselben 
sind in der folgenden Tabelle mit denen von anderen Equiden verglichen, 


232 Dr. © Reche. [8] 


| Equus ee LEquus E Se 
| Equus Zeilen Equus | Equus | Bippidium | scotti En BEST Be 
haasei n. curvidens| andium | neogaeum n. E 
Ameshino Gidley |Zool.Inst.|/Zool.Inst.|Geol.Inst. 
Gr. Höhe 114 IIO 110* | —_ | 10S* 119* | 93 74 109 mm 
Gr. Breite 109 107 96* | 90 | 96* 107* 96 St 126 mm 
Höhe. 100 ( 
nn 5 bi _ 1125 DETE 7 I s6 
Index Ersite 105 103 | 114 | 97 9 


Die größte Höhe ist vom untersten Rande der Hinterhauptskondylen bis zum Oceipitalkamme, die 
größte Breite zwischen den Außenrändern der Basis der beiden processus paroceipitales gemessen. Bei all 
den angeführten fossilen Equiden, besonders bei Hippidium, E. curvidens und E. scotti übertrifft die Höhe 
die Breite, bei den rezenten ist das Umgekehrte der Fall. Bei Hippidium und E. curvidens ist der Grund 
hierfür die geringe Breite, bei E. haasei, E. rectidens und E. scofti mehr die bedeutende Höhe des Hinterhauptes. 

Für E. andium läßt sich leider der Index nicht berechnen, da dem Schädel die Kondylen fehlen, 
die Höhe also nicht gemessen werden kann. Vergleichen wir aber die Strecke: oberer Rand des for. magnum 
bis Oceipitalkamm von Equus andium, Equus haasei und Equus cabellus, so erhalten wir: 


Equus | Equus Pens 
ek di caballus 
zaasei | andium | eo]. Inst. 
Höhe: for. magn. = af = 
bis Occipitalkamm| 13 ee > 
Gr. Breite 109 ca. 90* 126 
| Höhe. 100 | $ 
Index Beer | 69 ca. 78 sı 


Also auch E. andium hatte einen schmalen hohen Hinterschädel, wie alle übrigen südamerikanischen 
-Equiden. Aus dieser Tabelle ist auch zu ersehen, daß es besonders der obere Teil des Hinterhauptes ist, 


Fig. 6. Oceiput von E. haasei. Orig. !),. 


der bei E. haasei die große Höhe verursacht; anders ist es bei E. rectidens, wo nach Ameghino (I) 
besonders der untere Teil schmal und hoch, der obere dagegen relativ breit ist. 

Das Hinterhaupt von E. haasei zeichnet sich ferner dadurch aus, daß die vertikal stehende Zinea 
nuchalis inferior als ziemlich beiter, rauher Kamm entwickelt ist. Eine derartig starke Entwicklung habe 


[9] Über eine neue Equidenart aus der Pampasformation. 


ich bei keinem anderen Pferde gefunden, nur bei einem 
arabischen Hengste trat diese linea ziemlich deutlich her- 
vor, während sie sonst fast ganz fehlt. Auch bei den 
anderen südamerikanischen Equiden scheint sie nicht 
in nennenswerter Entwicklung aufzutreten. 


Auffallend ist auch bei E. haasei der weit 
nach hinten gewölbte, stark profilierte obere (hintere) 
Rand des foramen magnum, d. h. die Stelle, die zum 
Ansatz des ligamentum obturatorium posterius dient. 
Die Textfiguren 7—Io zeigen, wie verschieden diese 


Stelle gestaltet sein kann. 


Dieselben Figuren dienen zur Veranschauli- 
chung der verschiedenen Form der Hinterhaupts- 
kondylen. Sie sind bei E. asinus, E. zebra und bei 
den südamerikanischen Arten (Ameghino erwähnt 
das auch bei E. rectidens) kurz und schmal. Während 
bei den anderen Equiden die sich auf die Unterseite 
des Basioceipitale legenden Lappen ziemlich weit aus- 
einander liegen und zwischen sich eine breite, tiefe, scharf 
umrandete Furche haben, ist bei E. asinus diese Furche 
meist Nach, ohne scharfe Ränder, und bei E. haasei 
kommen sich die beiden Lappen so nahe, daß sie 
sich zum Teil berühren; von der Furche sind nur 
schmale, seichte Reste übriggeblieben. 


Obwohl die Schädel von E. haaser, E. rectidens 
und E. caballus ungefähr gleiche Größe haben, ist doch 
die absolute Höhe und auch die Breite der Kondylen bei 
den südamerikanischen Arten bedeutend geringer; der 
Index bleibt, da beide Strecken kleiner sind, ziemlich 
derselbe. Auch bei E. curvidens, für das leider die 
Maße fehlen, sind, wie Burmeister (4) besonders 
hervorhebt, die Kondylen sehr klein, 


Die Maße der Hinterhauptskondylen sind in der 


folgenden Tabelle zusammengestellt: 


Hinterhauptskondylen (verkleinert) von: 


Equus 
Equus \rectidens| E. caballus | E.zebra |E. asinus 
haasei n. Geol. Inst. |Zool.Inst.'Zool.Inst. 
I} Amesh. | 
1 
|Gr. Höhe (Länge)| 30 52 61 39 | 34 
| | 
Gr. Breite | 29 33 34 23 20 
Breite. 100 f \ 
Index HShe = 53 63 56 59 59 


Der Abstand der äußersten Kanten der Kondylen beträgt bei: 


E. haasei 
E. curvidens 
E. caballus 1 


84 mm 
Sı* ann 
o2 mm 


Fig. 7. 


Equus asinus. Orig. 


Fig. 8. 


Equus zebra. Orig. 


Fig. 9. 


Equus haasei. Orig. 


Fig. 10. 


Equus caballus. Orig 


Fig. II. 


Eqguus curvidens (n. Bur- 


meister). 


Fig. 12. 


Hippidium neogaeum 


(n. Burmeister), 


234 Dr O. Reche, [10] 


Diese Unterschiede sind, da wir es ja mit drei fast gleich großen Schädeln zu tun haben, recht bedeutend. 


Das foramen magnum hat folgende Maße: 


| E 5 = 
en quwus Equus Equus 
ua Agwus idium ! 

Equus | Eguus | Bippidium caballus zebra asinus 


haasen,| yechidene | neosacum Geo] Inst,| Zeul nst.|Zuoliigen 


Gr. Höhe 39 43 409 40 34 29 mm j 
Gr. Breite 37 36 54 | 36 37 25 mm 
Index 22, 108 94.8 83.7 135 90 108.8 96 mm 
Höhe 


Die Maße, die die lichte Weite angeben, liegen also bei #. haase: und E. rectidens innerhalb 
der Variationsbreite der rezenten Equiden, während sich Höppidium durch ein abnorm breites foramen 
magnum auszeichnet. 

Die processus paroceipitales sind bei E. haasei ziemlich schwach und divergieren nach unten 
stärker als beim rezenten Pferde; sie verhalten sich ähnlich, wie die von E. curvidens. Die Spitze des 
linken ist übrigens abgebrochen. 

Betrachten wir den Schädel von E. haasei von der Unterseite, so sehen wir, daß der Vorderrand 
des ziemlich breiten Choanenausschnittes auf der Verbindungslinie der Mitten beider »? liest, also an der- 
selben Stelle, wie bei E. asinus, E. zebra und E. semiplicatus, während er bei E. caballus meist um Y; 
Zahnlänge weiter nach hinten, bei E. andium um dieselbe Strecke nach vorn verschoben ist. 

Das foramen palatinale posterius liegt meist etwas hinter dem Vorderrande des Choanenaus- 
schnittes, bei einigen Spezies aber auf gleicher Höhe. Folgende Tabelle gibt darüber Aufschluß: 


Equus | Equus | Equus 
asinus | caballus | caballus 


Equus | Hippidium 


i E.zebra | E. haasei 
andium | neogaeum 


in einer in einer |Mitte v.| Mitte v. |Mitte v. | Mitte v. [zwischen 


vord. Choanenrand Fe 2 
Linie Linie am? am? m? m? m?u.m® 
zwischen|( Mitte von | hintere | zwischen |zwischen| Mitte v. | Mitte v. 
for. palat. post. m’ u. m? m? Hälftev. m? u. m? | m?u. m® m’ m®3 
m? 


Gebiß des Oberkiefers. 


Nur die Molaren und Prämolaren sind erhalten (Taf. ı, Fig. r).!) Die Lage der Zahnreihen 
zueinander, und die von jeder einzelnen beschriebene Kurve zeigt bei den einzelnen Spezies verschiedene 
Unterschiede. In der folgenden Tabelle sind die Abstände immer vom Außenrande der Kaufläche eines 
Zahnes der einen Kieferhälfte bis zum Außenrande des gleichnamigen der anderen Kieferhälfte gemessen. 


“oo 
SI SI 
Ss S S 2) 2) os 
EN S IS a S S = 24H iS] 2) B 
S S IS} IQ S SL. =|S, z2|So| SH oA|S> ae 
| <\2|182|8 |: 8883/35888 |33|[88|538| 5a 
SS I SS ° u Iseelsesls . I! 82H | aE& et 
SS | 8 IS |SES ISIS |RSS IT| SS |ISE Su 
7 S s SQ So, “a oo 38) | Se Br [o) 
lals | elle a 
S Rei Q RT|I NIS N 
E a 
Abstand der mittleren : 
Außenlkänten von ine 128 | 100 | 102* | 128*| ı52| 139 121 12I | 1I2 | If3 | I07 | Ioo mm 
Abstand der vorderen | 3 * m: 
1,1 || 134 | 105 | 108° | 136*| 150*| 143 123 | II5 | .09 | IIo | 106 | 100 mm 
Außenkanten von an!I—m 
Abstand der vorderen } x £ \ Ei 
Außenkanten von p?—p? 107 | 84) 83° | 108* | rı3* 98 90 s6| 5| 93| 78| 73 mm 


!) Auf der Abbildung sind die Schmelzfalten der einen Zahnreihe, um sie besser hervortreten zu lassen, mit 
Deckweiß angelegt. | 


E22 


[11] Über eine neue Equidenart aus der Pampasformation. 235 


Von E. curvidens und E. rectidens fehlen leider diese Maße und von E. conversidens sind die 
von Owen (12) angegebenen Mafse nicht zu verwerten, da der abgebildete Kiefer, wie Gidley (7) nach- 
gewiesen hat, aus zwei gar nicht zueinander gehörenden Teilen zusammengesetzt ist. Nach der obigen Tabelle 
kann man zwei Gruppen unterscheiden, erstens solche Arten, bei denen die Zahnreihen hinten und zweitens 
solche, bei denen sie in der Mitte, d. h. im Abstand m!—m! am weitesten voneinander entfernt sind. Zur 
‘ersten Gruppe gehören E. asinus, E. quagga, E. zebra, zum Teil E. caballus und Hippidium neogaeum, 
zur zweiten die südamerikanischen eigentlichen Equiden Z. haasei und E. andium, das nordamerikanische 
E. semiplicatus und E. caballus. Von E. rectidens erwähnt Ameghino nur, daß der innere Abstand der 
beiden #? 44 mm, der der m? 386 mm betrage,; über die Krümmung der Zahnreihen sagt er gar nichts. 
Bei E. haasei sind die betreffenden Maße 65 und 8o mm, die Zahnreihen konvergieren also weniger. 

Über die Länge der Kauflächen der ganzen Prämolar-Molarreihe und ihr Verhältnis zur Länge 
des Hirnschädels (von Hinterrand des for. magn. bis zum vorderen Augenrande) gibt folgende Tabelle 
Auskunft: 


o Ez] 
S 2 % S S i i al = 
Sal Se ee een | see 
Ss IS IS I | SS Iı8 | & | |SSKeISyea|Sse | Se | SiS sa 
S S I IS} SQ x S o svo IN Po| Th |SH | Lo ss 
Som er SE Eu sis ls |ıses|sesl,s Ö Sell 
| S) S S RS S S Ss B2 SEES | REIS I Sa | RZII SH SE 
| S S S ? iS) S S : |Soa | S2& | °® SH PRLOH EST [e) 
S L S N RX ‚oaa|. BEON (eero BE S& 
ee le S Eu EDS N 
ei | = | 
{ | 
a) Länge d. ganz. Zahnreihe || 171*| ı80 |172| 159/138 |144 | 153*|204 | 195 186 | 167 | 160 ! 149 | 136 mm 
| b) Hinterrand d. for. mag 
R a S zz *|229*| — |2 + —_ 242 | 217 | — | 175 mm 
bis vord. Augenrand a2 27 | 181 4 17 75 02 
a .IO0o ; * r H mar 
Index 7 sa e782|2 = 270)|076° | 69 | 737 | — | 785 mm 
| | 
| | 


Die absolute Länge der Zahnreihe von E. haasei ist also ungefähr so groß, wie die von E. semi- 
plicatus und E. zebra, also für die Größe des Tieres sehr gering; die gleich großen Arten E. curvidens, 
E,. rectidens und E. caballus haben zum Teil bedeutend längere Zahnreihen, daher auch höhere Indices. 
E. haasei hat also, wenn man von dem wohl ziemlich vereinzelten Fall von E. caballus absieht, die relativ 
‚ kürzeste Zahnreihe, 

Diese Gesamtlänge ist, da die Zahnreihe eine flache Kurve beschreibt, meist etwas kleiner als die 
Summe der Längen der Molaren- und Prämolaren. Der Anteil, den Molaren und Prämolaren an der ganzen 


Länge haben, ist bei den Arten verschieden. 


2 5 NE 
Ss. Br || Sillas ll S < | SI ESC BE = 
SIE SDN SE SIISCHS RS 5 S sSIS,e|s|8 |Sso Sr 
. Sem nm ıS |IRHOo|S Lo SOIS IN+0o IS Na S 
[se 8 212 |S28 [8283 28 8 58252 54 54 
Ss SS ISIS I SBEISEISEBOFTE Eee zu 
Se ESaH ES RS SE SRER e  B ESESselESE Ss lese Fe 
Seele ee el ic 
Ss | &n : | rg a, > - Ri N & Ki | SIG) N 
S R SE 

Länge der Prämolaren ||82.4| 9ı |101|)77|89| 99 |ııo*| Sı | 75 |93| 105 [gr |Sı| SS | 71 mm 

Länge der Molaren 62.6) 69 | 79/61 |71|. 8ı 92*| 68 | 63 |79 9o I8ol72| 79 | 65 mm 

/ — 
Index ns. 75.6| 76 | 78/79|79| 82 83.6*| S4 | 84 |S5| 85.7 |88|89| 89.7 | 91 mm 
ram. 


Wir sehen zunächst, daß die Prämolaren bei allen Equiden den größeren Teil der Länge der ganzen 
Zahnreihe einnehmen, daß dieser Anteil aber recht verschieden, daß er sogar in derselben Spezies 
nicht konstant ist. Dieses letztere kommt daher, daß das Alter die Längen der Molaren und Prämo- 
laren verändert. Schnitte parallel zur Kaufläicke und Messungen der Zähne verschieden alter 
Exemplare derselben Art haben ergeben (besonders Gidley hat darüber gearbeitet), dafs beim rezenten 
und den untersuchten fossilen Pferden mit zunehmender Abnützung der Zähne die Reihe der Prämolaren 


Beiträge zur Paläontologie Österreich-Ungarns, Bd. XVII. 30 


236 Dr. ©. Reche. [12] 


9 


kürzer wird, während die der Molaren ungefähr gleich bleibt; Einzelheiten darüber siehe unten. Hier 
interessieren uns diese Tatsachen zunächst nur deshalb, weil dadurch das Verhältnis der Länge der Molaren 
zu der der Prämolaren verändert wird. Daher hat der von Branco erwähnte 7—8 Jahre alte Eselhengst 
den Index 84, der über 20 Jahre alte des Zoologischen Instituts den Index 91, d. h. die Prämolaren 
sind kürzer geworden. 

Doch außer dieser durch das Alter bedingten Verschiedenheit finden sich auch zweifellos solche, - 
die für die einzelnen Arten charakteristisch sind. So sehen wir, daß bei den echten südamerikanischen 


pP? Pp® p* m! m? m? ve 
ganzen 
Lg. | Br. |Ind.|| Lg. | Br. |Ind.|| Lg.| Br. | Ind.|| Lg. | Br. |Ind.|| Lg. | Br. | Ind. Lg | Br. [me] Reihe 
[f 1 l 
H. neogaeum 36* |24* | 67 || 26* |27:5*| 106 || 28* | 29* | 104 || 28* | 30* | 107|| 26* | 31* | 119||| 25* | 23* | 92 17I* 
E. haasei 33.128 7. 7272 2810377 25 | 2092 7116122517287 77277111229 9265 |Sn181727720 1023; | 85 || 159 
u) 37 |25 | 68 |27 |28 |ı04 |27 | 28 | ı04|| 22 | >27 | 123|| 23 | 26 | 113 || 24 | 23 E 160 | 
B. andium!) 31 |29 94 || 26 |25 96 || 23 | 24 | 104 || 21 | 23 | 109|| 21 | 21 | 100|| ıQ | 16 | 85 138 
E. conversidens?) || 30 | 25 83 | 25 |25 |Ioo|| — | — | — || 22 | 21 961 — | — | — | IQ | IS | 95 || 144 
B. rectidens?) 35 )26 74 || 29 |30o |103 || 29 | 31 | 107|| 26 | 30 | ı15|| 26 E 1076| 27 | 26 | 96 || 172 


E. curvidens 40° |28* | 70 || 32* | 33* | 103 || 29* | 31* | 107 || 26* | 29* | 112||| 26* 


E. curvidens‘) || 41 |30 | 73 || 34 |35 |1o3 | 34 | 35 | 103|| 28 | 3r | rır]| 29 | 29 | 1c00|| 30 | 28 | 93 || 106 
E. argentinus — |— | | — 1 98 | a8 || oo — | ee | RN ie 
ED. id hi 
2 re Il | — || 32 |28°5| 89 || 28:5) 28°5| 100|| 26:5) 28°5| 107 || 26°5| 27 | 102 || 26 | ı9 | 73 —_ 
| T 
E. scotti®) 43 30:5) 77T 34 33 97 || 33 E | Ioo|| 30 | 30 | Ioo||ı 317 | 29 | 93:51 31 | 24 | 77 || 204 
E. caballus*) I 
en [ol 45 |3I 69 || 32 |33 \103 || 31 | 32 | 103|| 28 | 30 | 107|| 30 | 30 | 1001| 34 | 28 | 82 || 195 
3; Jahr 
E. caballus!) 
Araber @ 42 |27 64 || 31 | 30 e7 || 29 | 29 | ı00|| 27 | 29 | 107) 27 | 27 | 100|| 28 | 25 | 89 || 180 
II Jahr A 
2 De 34 |24 71||28 |25 89 || 24 | 26 | 108|| 22 | 24 | I0Q|| 22 | 24 | 109|| 25 | 21 | 84 || 155 
E. zebra 
4a Jahr 34 125 73 || 26'5| 26 98 || 26 | 25'5| 98|| 26:5] 26 98|| 25 | 25 | ıoo|| 22 | ı8 | 82 || 160 
Zool. Inst. al 
,, ı 
= eh 29 |21 72 || 23 |24 |104 | 22 | 24 | 109|| 20 | 23 | II5|| 21 | 22 | I05|| 23 | 20 IE 138 
E. asınus ae | | 
Q' über 20 Jahr | 27 |21 | 78 | 22 | 23 |ıo4 || 22 | 26 | 118] 19 | 24 | 126|| ı9 | 23 | 121 24 | 22 | 92 | 136 
Zool. Inst. | | | 


‘) Nach Branco; die kürzere Zahnreihe von RE. andium gehört wahrscheinlich zu dem abgebildeten Schädel. 
2) Nach Owen. 

’) Nach Ameghino. 

‘) Nach Burmeister, größeres Exemplar. 

°) Nach Gidley. 


[13] Über eine neue- Equidenart aus der Pampasformation. 237 


Equiden die Prämolaren auffallend lang sind. Bei E. haasei muß man dabei noch das hohe Alter des 
Exemplares berücksichtigen, das die Prämolaren schon verkürzt hat; der normale Index dürfte also bei 
dieser Art unter 79 liegen. Ganz abseits von seinen Verwandten steht in dieser Beziehung E. rectidens, 


das den hohen Index von 85 aufweist, also sehr kurze Prämolaren besitzt. 


Über die Gestalt des einzelnen Zahnes von E. haasei, d. h. über seine Krümmung und den Grad 
derselben läßt sich deswegen nichts Genaues aussagen, weil bei der ungeheuren Zerbrechlichkeit der Knochen 
kein Zahn, ohne den ganzen Kiefer zu gefährden, herausgenommen werden konnte. Soweit es sich aber 


von aufen beurteilen läßt, sind die Zähne genau wie beim rezenten FE. caballus nur wenig gekrümmt. 


Genau dagegen lassen sich die Maße der Kauflächen der einzelnen Zähne angeben, da diese 
sehr gut erhalten sind. Gemessen wurde bei jedem Zahne nur die Kaufläche, und zwar die größte Länge 
in der Mittellinie des Zahnes, die gröfste Breite von der äußersten Rippe des Mesostyls bis zur äußeren 
Wand des hinteren Lobus des Protokonus, exklusive des Zements. Zur Berechnung des Index wurde die 
Länge jedes Zahnes gleich 100 gesetzt (s. Tafel auf S. 236). 


Vergleicht man die Indices dieser Tabelle, so fällt sofort die außergewöhnliche Breite auf, die die 
Zähne von E. haasei besitzen; eine ähnlich relative Breite erreichen nur dieZähne des über 20 Jahre alten 
E. asinus im Breslauer Zoologischen Institute, während der von Branco angeführte 7—8 Jahre alte 
Eselhengst viel schmalere Zähne hat. Das alte Exemplar von E. asinus hat also breitere Kauflächen und 
nach Gidleys (7) Untersuchungen ist auch die mit dem Alter zunehmende Abnützung der Zähne die Ursache 
ihrer Verbreiterung. Er hat Pferde verschiedener Altersstufen untersucht und hat für die Zahnbreite folgende 


Verhältniszahlen gefunden: 


Alter ca. p° pP? p* m! m? m? 


5 Jahre 67.5 89 gI ‘90 88.3 74 


40 


ga 8 Jahre 69.5 | 96.5 | 96.4 | 103.9 | 101.9 | 74.6 


og 15 Jahre 59.7 | 93.2 | 98.2 | 108.3 | 103 75 


20% Jahre || 66.7 | 101.9 | 108 | 116.2 |116.2| 75 


Wir sehen also bei fast allen Zähnen bei steigendem Alter, d. h. weiter fortgeschrittenerer Abnützung 


eine Zunahme des Breitenindex. 


Gidley (7) sagt über den Abnützungsvorgang und seine Folgen: »When the teeth first come into 
use the transverse diameters of all the teeth of the series are quite narrow, owing principally tothe rapid 
incurving of the ectoloph; this diameter increases very rapidliy for about one-half to three-fourths of an inch 
but from this point to the roots of the teeth the transverse diameters of 5° to m? inclusive remain about 
the same, diminishing slightly near the roots; 5? gradually diminishes while 2° increases in transverse 
diameter as the crown wears away.« Parallel dieser Breitenzunahme läuft bei allen Zähnen, außer bei 
m?°, eine Abnahme der Zahnlänge. Die Länge der Kaufläche ist bei #? bis m? am größten in dem Augen- 
blicke, wo die Zähne gerade voll in Gebrauch gekommen sind, d. h. wenn höchstens I cm abgekaut worden 
ist, »„from this point the antero-posterior diameter diminishes very rapidly for a short distance and than 
continues to diminish more gradually to the roots of the tooth.« Das Resultat dieser beiden Vorgänge ist 


dann ein Größerwerden des Index. 


Der erste Prämolar 5? behält ungefähr seine Länge, wird nur manchmal etwas kürzer, während der 


letzte Molar n® der einzige Zahn ist, der mit steigender Abnützung länger wird. 
30* 


oo 


23 Dr. ©. Reche. [14] 
Am stärksten abgenützt und daher am breitesten sind immer »2' und »m°, besonders ersterer, und 
zwar, weil diese am längsten im Gebrauch sind; bei ihnen ist auch die Verkürzung des Längsdurchmessers 
am stärksten; die Folge ist, daß diese beiden Zähne fast immer die größten Indices aufweisen. 


Die Verkürzung der Längsdurchmesser der einzelnen Zähne hat eine Verkürzung der ganzen Zahn- 
reihe, speziell der Prämolaren zur Folge; die Molarreihe wird deswegen nicht oder nur wenig kürzer, weil die 
Verkürzung von =! und ? durch das Längerwerden von »® ausgeglichen wird. Da 5? wenig verändert 


wird und an seiner Stelle bleibt, rücken im Alter alle dahinter gelegenen Zähne nach vorn, am meisten m. 


Das Verhältnis der Länge zur Breite der Kauflächen kann also, daes ja vom Alter abhängig ist, nicht 
als ein für eine Spezies charakteristisches Merkmal angesehen werden, es gibt nur in Verbindung mit anderen 
Anzeichen Aufschluß über das Alter des Exemplars. Danach muß man also schließen, daß das vorliegende 
Exemplar von E. haasei ein recht hohes Lebensalter erreicht haben wird. 


Als spezifisches Merkmal zu verwerten wäre aber die Länge des ersten Prämolaren, die ja ziemlich 
konstant bleibt. Von manchen Forschern wird auch das Verhältnis der Länge von 2° zu der von »n? und 
p° als Unterscheidungsmerkmal verwendet, was zweifellos berechtigt ist, wenn man dabei das Alter des 
Individuums berücksichtigt; denn »»° wird ja mit zunehmender Abnützung länger. Nach diesem Merkmal 
kann man die Equiden in zwei Gruppen einteilen, in eine, bei der m° kürzer ist als m? (nur im Alter ebenso 
lang oder wenig länger) und eine zweite, wo m? eine oft erheblich größere Länge erreicht, ja 2? fast gleich 
kommen kann. Von den in der großen Tabelle angeführten Equiden würden dann zur letzten Gruppe, d.h. 
mit langem m’, E. haasei, E. caballus, E. quagga und E. zebra gehören, zur anderen mit kurzem m’ 
alle übrigen, auch alle anderen südamerikanischen Spezies. In dieser Beziehung steht also E. haasei 
völlig abseits von den südamerikanischen Equiden, nähert sich stark dem rezenten E. caballus. 


Recht oft hat man fossile Pferdearten allein auf die Form der Schmelzfalten einzelner 
Zähne begründet; wenn sich wirklich wesentliche Verschiedenheiten fanden, so war das berechtigt, doch 
hat man meist nicht beachtet, daß erstens die individuelle Variation in der Bildung der Schmelzfalten, wie 
man bei den rezenten Equiden beobachten kann, recht groß ist und zweitens, daß die Abnützung des 
Zahnes auch hier bedeutende Veränderungen schafft. 

Diese Verhältnisse haben unter anderen besonders Rütimeyer (16), Forsyth Major (10) und 
Gidley (7) untersucht. 

Über die individuelle Variabilität in der Bildung der Schmelzfalten sagt Gidley: »no two 
specimens can be found, even ofthe same age and species, in which the enamel foldings of the corresponding 
teeth are exactly alike, and even corresponding teeth of the opposite sides of the same skull often show 
slight differences in the number andstyle of the minor enamel folds.<-Bei E. caballus und E. asinus wird 
ja diese starke Variabilität zum Teil eine Folge der Domestikation sein, aber sie tritt auch bei allen Wild- 
pferden auf und wird sich daher auch bei den fossilen Equiden finden. 


Im höheren Lebensalter, also mit steigender Abnützung, wird die Gestaltung der Kaufläche nach 
Rütimeyer immer »altmodischer«, bei E. caballus eselartiger, »sie kann überhaupt die gewöhnlichen Merkmale 
des Pferdegebisses einbüßen.« Von der Abnützung wird besonders die Kompliziertheit der Schmelzfalten verändert. 
Wenn ca. ı—ı', cm vom Zahn abgekaut ist, sind nach Gidley die Schmelzfalten am kompliziertesten, 
mit zunehmender Abnützung werden sie dann einfacher; die sich zwischen Hypokonus und Protokonus 
einschiebende, mit Zement gefüllte Hauptfalte wird schmaler und verliert etwa vorhandene Nebenfältchen, 
so daß sich ihr Ende abrundet; die die Mitte der Kaufläche einnehmenden halbmondförmigen Schmelzein- 
stülpungen büßen ebenfalls ihre Nebenfältchen ein, werden immer schmaler, verlieren ihre gebogenen Enden 
und können schließlich ganz verschwinden. 

Nach Forsyth Major verändert sich durch die Abnützung auch die Gestalt der durch Abkauen 
des Protokonus entstandenen Schmelzschlinge, indem in höherem Alter der vordere Lappen derselben an 
Ausdehnung gewinne, Gidley dagegen sagt, daß die Länge von vorn nach hinten beim Protokonus ziemlich 
konstant bleibe, und seine Zahlen und Abbildungen lassen eher eine geringe Verkürzung dieser Schmelz- 
schlinge erkennen. 


Über eine neue Equidenart aus der Pampasformation. 239 


— 
[> 

wi 

za 


Die Kauflächen der Zähne von E. haasei zeigen nun schon recht schmal gewordene Halbmonde, 
bei denen zum Teil schon die nach hinten gebogenen Hörner im Verschwinden begriffen sind; die große 
Innenfalte ist schmal geworden und hat bei »z2! schon die Nebenfalte verloren. Berücksichtigt man nun noch 
die große Breite der Zähne und den Umstand, daß die ursprünglich vorhandenen Querjoche fast 
ganz verschwunden sind, so muß man den Schluß ziehen, daß das vorliegende Exemplar von E. haasei ein 
ziemlich hohes Lebensalter (ca. 20 Jahre) erreicht haben muß. 

Beim Vergleich mit anderen Equiden müssen wir daher die Altersmerkmale ausschalten und die 
rekonstruierte Zahnform des jüngeren Tieres verwenden. Wenn sich trotz des hohen Alters an den Innen- 
rändern der Halbmonde noch eine ziemlich große Anzahl von Nebenfältchen findet, so muß man schließen, 
daß diese Fältelung beim jüngeren Tiere noch komplizierter ist. 

Ferner wird beim jugendlichen Exemplar (die ursprüngliche a 
Form hat sich noch am reinsten an 5? bewahrt) die große Innen- 


falte zwischen Hypokonus und Protokonus breiter, ihre Konturen Ed —°, 
geschweifter, ihre Nebenfalte deutlicher und tiefer sein, werden / 


-- paraconus 


die Halbmonde eine breitere, vollere Form zeigen; auch die Es 
sty 

zwischen Hypostyl und Hypokonus eindringende kleine Falte | Rn nnbe 

wird breiter und tiefer sein. Die durch Abkauen des Protokonus 

entstandene Doppelschlinge wird ungefähr dieselbe Gestalt mit 


rundlichen Enden und dieselbe Änsatzstelle haben; sie wird sich protoconus 
Fig. 13. m? von E. caballus, zur Erläuterung 


ü i i . Ebenso charakteristi 
daher gut für Vergleiche eignen nso charakteristisch und a 


durch das Alter nur wenig verändert ist die Gestalt des 
Parastyls, Mesostyls und Metastyls jedes Zahnes, und die Form von n?, die entweder drei oder vierseitig 
und in dieser Form der Spezies eigentümlich ist. 

Bei E. haasei sind die einander zugekehrten Seiten der Halbmonde reich gefältelt, es treten bis 
sechs größere und kleinere Fältchen auf; ähnlich verhält es sich bei E. andium und E. rectidens, während 
die Monde bei E. argentinus einfacher, bei E. curvidens noch komplizierter gebaut sind. Die Monde von 
E. haasei haben dabei die Form, die für die meisten fossilen nordamerikanischen und für die rezenten 
Equiden charakteristisch sind, während sie bei E. argentinus und E. curvidens einen anderen Bau zeigen. 

Die großeInnenfalte ist bei E. haasei breit mit gewellten Konturen und einer gut ausgeprägten 
Nebenfalte (siehe 2°); ihre Richtung ist sehr schräg nach vorn. Bei E. andium, E. rectidens und E. argen- 
Zinus findet sich ebenfalls nur eine Nebenfalte, während E. curvidens Neigung zur Bildung einer zweiten 
zeigt. Die Richtung der Falte ist bei E. andium, E. argentinus und E. curvidens wie bei E. haasei, 
bei E. rectidens dagegen ist sie viel schräger einwärts gewandt. 

Die kleine Innenfalte zwischen Hypostyl und Hypokonus ist bei E. haasei lang und fast ganz 
gerade nach vorn gerichtet, ebenso bei E. andium, E. curvidens, E. excelsus, E. occidentalis, E. caballus 
und anderen; bei E. argentinus und E. rectidens dagegen ist sie sehr klein und bei letzterem außerdem 
schräg nach außen gerichtet. 

Die Schlinge des Protokonus ist bei E. haasei, E. rectidens, E. curvidens, den meisten nord- 
amerikanischen Pferden und den rezenten zweilappig; bei E. haasei ist bei $°, P*, m! und m? der hintere 
Lappen etwa doppelt so lang als der vordere, bei »2° etwas länger, bei 5° fehlt er ganz. Bei E. curvidens 
hat auch 5° einen vorderen Lappen, bei E. andium ist der hinten gelegene etwas größer, bei E. rectidens 
ist der ganze Protokonus sehr kurz und bei E. argentinus ist gar kein ausgebildeter Vorderlappen 
vorhanden. 

Die Ansatzstelle des Protokonus liegt bei E. haasei bei den Prämolaren etwas vor der 
Mitte, bei den Molaren am Ende des ersten Viertels des Zahnes; bei E. curvidens und E. andium dagegen 
ist die Ansatzstelle etwas weiter nach vorn, auf der von Ameghino (I) gegebenen Abbildung des m! 
von E. rectidens etwas weiter nach hinten verschoben. 

Bei E. haasei ıst bei den Prämolaren nur die Kante des Parastyls, bei den Molaren auch 
diese nicht, mit einer Längsfurche versehen. Ebenso verhalten sich E. andium und E. rectidens, während 


Dr. ©, Reche. [16] 


240 


bei E. curvidens auch das Mesostyl der Prämolaren und das Parastyl der Molaren eine Längsfurche zeigt. 
Bei E. argentinus treten derartige Furchen gar nicht auf. 

Bezüglich der schon oben erwähnten Gestalt von m® kann man die Equiden in zwei Gruppen 
teilen, in solche, deren m? eine dreiseitige und solche, bei denen dieser Zahn eine vierseitige Gestalt 
hat. Bei E. haasei, E. curvidens, E. stenonis, E. scotti, E. quagga, E. burchelli, E. zebra und Hippidium 
ist m® viereckig, seine Hinterkante läuft parallel der Vorderkante, bei E. excelsus, E. andium, E. compli- 
catus, E. semiplicatus, E. caballus, E, asinus u. s. w. dagegen dreieckig und ähnelt in seiner Gestalt P2. 

Vergegenwärtigen wir uns noch einmal die Merkmale, in denen sich E. haasei in der Hauptsache 
von jedem einzelnen der anderen südamerikanischen Equiden unterscheidet. Von E. andium weicht es durch 
seine Größe, den längeren Vorderschädel, die höhere Lage des Auges, die Lage der Masseterkante und 
der Schmelzfalten ab; von FE. conversidens durch seine Größe und den 
Zahnbau; von E. curvidens durch die größere Schädelbreite, den 


einigen Unterschieden im Bau 
hypoconid äußere Falte protoconid Ss R a ar . 
_ längeren Vorderschädel, die höhere Lage des Auges, die Lage der 

Masseterkante, die kürzere Zahnreihe, den Bau der Schmelzfalten, 

rectidens durch 


das relative Längenverhältnis von m°’; von E. 


ab accnil die Gestaltung des Hinterhauptes, speziell die starke linea nuchalis 
inferior, durch die kürzere Zahnreihe, durch die relative Kürze 


von n® und durch Unterschiede im Bau der Schmelzfalten, von 


mesoconid 


metaconid 


en En Yrwseh (D) ORE, A, E. argentinus endlich, von dem nur ein oberer Molar zum Vergleich 
vorhanden ist, durch die Ausbildung der Schmelzfalten, 
Der oben bereits erwähnte, auch in Pontezuela gefundene Unterkieferzahn gehört zur linken Kiefer- 
hälfte und ist aller Wahrscheinlichkeit nach »n,; Fig. 14 zeigt seine Kaufläche. 
Das Ende der Wurzel ist abgebrochen und aut der Innenseite ist die Zementschicht zum Teil 
abgespalten. 
Die folgende Tabelle enthält die Maße dieses Zahnes und zum Vergleich die entsprechenden 


anderer Equiden. 


5 . E. caballus 
; DR vi } © E. andiun 5: 2: 
. | Z. rectidens an OINTESENS E. andium |. m og Pinzgauer De GERENLES 
E. haasei SAmeeline n. ers größtes Tier 8 Jahr og Araber ıı Jahr 
; > iS 3 ; nc h 
Burmeister n. Branco Bianco n. Branco 
Länge 23 24 24 19 25 29 27 mm 
Breite || 15 18 19* 15 15 21 20 mm 
| 


Die Länge ist in der Mittellinie, die Breite vom Protoconid bis zum Metaconid anterior gemessen. 
Bei der Breitenzahl muß man berücksichtigen, daß, wie erwähnt, auf der Innenseite ein Teil des Zements fehlt. 

In der Länge würde der Zahn also ganz gut zum oberen mn! von E. haasei passen. 

Der Zahn ist ziemlich stark abgekaut. In der Gestaltung seiner Kaufläche fällt die Länge der äußeren 
zwischen Hypoconid und Protoconid gelegenen Hauptfalte auf, die mit ihrer Spitze bis in das Metaconid 
eindringt. Dieses tiefe Eindringen ist ein primitives Merkmal, das wir bei den Vorfahren der Pferde deutlich 
ausgeprägt finden, während bei den rezenten diese Falte kürzer ist. Unter den südamerikanischen Pferden 
finden wir eine ähnlich lange Hauptfalte bei einigen Exemplaren von E. andium und dem von Roth (15) 
abgebildeten F. reckidens, bei Hippidium dringt diese Falte noch weiter ein. 

Mit einer deutlich ausgeprägten Nebenfalte ist die äußere Hauptfalte erst bei den rezenten . 
Equiden versehen. Bei vielen diluvialen Arten finden wir sie noch nicht, so bei 2. curvidens, während 
der hier beschriebene Zahn und die von E. andium und E. rectidens eine Andeutung von ihr zeigen. 

Das Metaconid ist bei den rezenten Equiden durch eine breite, tiefe Einwölbung in zwei Schlingen 


geteilt, deren innere Ränder weit hervorstehen. Bei den fossilen Arten ist diese Einwölbung flacher und 


[17] Über eine neue Equidenart aus der Pampasformation. 241 


die Schlingen treten nicht so hervor. Der hier beschriebene Zahn steht in dieser Beziehung ungefähr in 


der Mitte; die Einwölbung unterscheidet sich von der bei F. curvidens sich findenden durch ihre größere 


Tiefe, von der bei E. rectidens und E. andiuwm dadurch, daß sie innen sanft abgerundet und nicht spitz ist. 


Der in Figur 14 abgebildete untere Molar differiert also in verschiedenen Punkten von den bis jetzt 


aus Südamerika bekannten unteren Molaren, und in Rücksicht auf seine Länge, den gleichen Fundort und 


den gleichen Horizont ist es vielleicht berechtigt, ihn zu E. haasei zu rechnen. 


In vielen Punkten unterscheidet sich also F. haaser recht bedeutend von den anderen südamerika- 


nischen Equiden und zeigt, entsprechend seinem Vorkommen in der obersten Pampasformation, oft deutliche 


Annäherungen an nordamerikanische und rezente Formen. 


II. 


12, 


Literaturverzeichnis. 


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Ac. nac. de cience de la Rep. Argentina en Cördoba, Bd. 6. Buenos Aires, 1889. 


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Stuttgart, 1890 u. 1891. 


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Bd. 159. London, 1869. 


. Owen, R. Description of the Cavern of Bruniquel and its Organic Contents. Phil. Trans. of the Roy. Soc. of 


London, Bd. 159. London, 1869. 
Roth, S. Beobachtungen über Entstehung und Alter der Pampasformation in Argentinien. Zeitschr. d. Deutsch. 


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. Roth, S. Nuevos restos de Mamiferos de la caverna Eberhardt en Ultima Esperanca; in: Revista del Museo de La 


Plata, Bd. ıı. La Plata, 1902. 


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Ges., Bd. 2. 1875. 


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Ecuadors; in: Zeitschr, d. Deutsch. geol. Gesellsch., Bd. 24. Berlin, 1872. 


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. Zittel, K. A. Handbuch der Paläontologie. I. Abt. Paläozoologie, Bd.4. Mammalia. München u. Leipzig, 189I—1803. 


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Dr. Kart Deninger: Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 


TAFEL1. 


g. 1-2. Trochus Fischeri Geinitz, vergrößert und in natürlicher Größe, aus dem cenomanen Pläner vom 


Forsthaus in Plauen 
. 3. Emarginula Buchi Geinitz (Ore zu Elbtal, IL, Taf. LVII, Fig T), een und in nat. Größe, "Steinen 
aus dem cenomanen Grünsand des Tunnels von Oberau . 


. 4-5. Desgleichen (Org. zu Emarginula pelagica Geinitz, Elbtal, I, Tat. LVIL, Bis ne) vergrößert und in 


nat. Größe, aus dem cenomanen Pläner vom Forsthaus in Plauen. 

. 6a—ec. Solarium Zschaui Geinitz ‚Org. zu Elbtal, I, Taf. LVI, Fig. 9), er und in natirl. a aus 
dem cenomanen Pläner vom Forsthaus in Plauen TERN ae x 

. 7a—c. Solarium Kirsten! Geinitz, aus dem cenomanen Pläner vom Horsians in Be RR 

8—10. Stelsneria cepacea Geinitz, vergrößert und in natürlicher Größe, aus dem cenomanen Pläner vom 
Forsthaus in Plauen 2 ey a a : ae 

. Natica Roemeri Geinitz, aus ae turonen Pläner von Stechen, ndtürliche Größe . 
2. Turbo Steinlai Geinitz, aus dem turonen Pläner von Strehlen, natürliche Größe 


Sämtliche Originale befinden sich im k. mineralogischen Museum zu Dresden. 


Seite 6 


K. Deninger, Gastropoden der sächsischen Kreide, Taf. I. 


C, Sauermilch gez. e Lichtdruck v, Max Jaffe, Wien, 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller k. u. k. Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 


TAFEL I. 


Dr. Karl Deninger: Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 


TAFELI. 


Fig. 1. Cerithium tectiforme Binkhorst (häufigste Form — C. Margaretae Geinitz) a 

Fig. 2. Cerithium Cornuelianum d’Orbigny (Original zu C. Barrandei Geinitz, Elbtal, I, Taf. Lx, ie. 8) 
Fig. 3. Cerithium tectiforme Binkhorst (Original zu C. Schlüteri Geinitz, Elbtal, I, Taf. LX, Fig. 21) 

Fig. 4a, b. Cerithium tectiforme Binkhorst, Varietät mit fünf Knotenreihen 

Fig. 5. Cerithium Peschehanum Geinitz (Original zu C. Lorioli Geinitz, Elbtal, I, Taf. LT, Se 2) 

Fig. 6. Cerithium interpunctatum Geinitz (Original Elbtal, I, Taf. LX, Fig. 24) 

Fig. 7. Cerithium costellatum Geinitz (Original Elbtal, I, Taf, LX, Fig. 16) Ä 

Fig. 8. Cerithium macrostoma Geinitz (? Original zu ©. solidum, Elbtal, I, Taf, LX, Fig. a). 

Fig. 9. Cerithium infibulatum Geinitz (Original Elbtal, I, Taf. LX, Fie. 19) 


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a 
ua ua ug 9a 


Io. Cerithium Peschelianum Geinitz (Original Elbtal, I, Taf. LIX, Fig. 21) AN IE 
11. Cerithium macrostoma (?) Geinitz (Original zu C. subvagans, Elbtal, I, Taf. LX, Fig. 2) 
12. Cerithium (Horizostoma) heterostoma Geinitz 


Eu ee 
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. 13. Cerithium intermixtum Geinitz 


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„ Seitens 


13 
13 
13 
14 
13 
14 
15 
14 
14 
15 
15 
16 


Sämtliche Arten vergrößert und in natürlicher Größe. Sämtliche Originale zu Tafel II stammen aus dem cenomanen 


Pläner vom Forsthaus in Plauen und befinden sich im k, mineralog. Museum zu Dresden. 


Ta, N 


K. Deninger, Gastropoden der sächsischen Kreide. 


Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien, 


C. Sauermilch gez, 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVIII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller, k. u k. Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien, 


TAFEL Ill. 


Dr. Karl Deninger: Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 


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Fig. 


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TAFEL I. 


. Cerithium Münsteri Keferstein . 

. Turritella Geinitzi nov. nom. 

. Cerithium intermixtum Geinitz (Original Elbtal, L, Taf. um Bis, m) 
. Turritella Geinitzi nov. nom. 


Cerithium conversum Geinitz (Oel zu Elbtal, 1 Tat. Lx, Fig. 


. Cerithium Rudolphi Geinitz (Original zu Elbtal, I, Taf. LX, Fig. 25) 

. Desgleichen. (Original zu C. Hübleri Geinitz, Elbtal, I, Taf. LX, Fig. 26) . 
. Cerithium Fischeri Geinitz (Original zu Elbtal, I, Taf. LX, Fig. 3) I: ö 
u. 10. Cerithium (Horizostoma) heterostoma Geinitz (Originale zu Elbtal, I, Taf. Lx, Be 14a and b) . 


Cerithium dichachondratum nov. nom. (vergrößert, vergl. Taf. IV, Fig. 5) 
Cerithium bizonatum Geinitz (Original zu Elbtal, I, Taf. LX, Fig. 6) . 
Cerithium Heberti Geinitz (Original zu Elbtal, I, Taf. LX, Fig. 10). Er 
Cerithium ternatum Reuß (? Original zu C. sociale, Elbtal, I, Taf. LX, Fig, 9). 


. Desgleichen. (Original zu C. aeguale, Elbtal, I, Taf. LX, Fig. 8). 


I6 
15 
15 


Sämtliche Originale zu Taf. III stammen aus dem cenomanen Pläner vom Forsthaus in Plauen und befinden sich im 
k. mineralogischen Museum zu Dresden. Sämtliche Arten (mit Ausnahme von Fig. II) vergrößert und in natürl. Größe. 


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K. Deninger, Gastropoden der sächsischen Kreide, 


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ie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVII 1905. 


Beiträge zur Palaeontologie und Geolog 


Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 


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Dr. Karl Deninger: Die Gastropoden der sächsischen Kreideformation. 


TARBESNV: 


1. Cerithium Fritschei Geinitz (Original zu Elbtal, I, Taf. LX, Fig. I2) vergrößert und in natürl. Größe, 


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aus dem cenomanen Pläner vom Forsthaus in Plauen . £ 5 Me iR 
Cerithium provinciale d’Orbigny, vergrößert und in natürlicher Größe, aus dem cenomanen Pläner 
vom Forsthaus in Plauen . 


. Cerithium pseudoclathratum en (Oea zu "Elbtal, I, Taf. XXXT, En 5) aus dem turonen 


Pläner von Strehlen, in natürl. Größe. . . . SEES 6 


. Cerithium Rudolphi Geinitz (Original zu C. Strombeckn Elbtal, 1, Tat. LX, Fig, 5, ee und in 


natürl. Größe, aus dem cenomanen Pläner vom Forsthaus in Plauen (s. Taf. III, Fig. 6, 7). 


. Cerithium dichachondratum nov. nom. (? Original zu C. gallicum, Elbtal, I, Taf. LX, Fig. 7) vergrößert 


und in natürl. Größe (s. Taf. III, Fig. II) aus dem cenomanen Pläner vom Forsthaus in Plauen . 
Cerithium belgicum Geinitz, in natürl. Größe (aus dem cenomanen Pläner vom Ratssteinbruch in Plauen 
Cerithium macrostoma Geinitz, vergrößert und in natürl. Größe, aus dem cenomanen Pläner vom Forst- 

haus in Plauen (s. Taf. II, Fig. Ir). 


. Fusus (Siphonaha) pauperculus Geinitz, vergrößert a in nstelt. Größe, aus akın cenomanen Pläner 


vom Forsthaus in Plauen . 5 
Cerithium Sturi Geinitz (Original zu Elbtal, L Taf. Lx, Fig, =) eher en in ae Größe, aus 
dem cenomanen Pläner vom Forsthaus in Plauen . . Kr, 


. Cerithium cf. Heberti Geinitz, vergrößert und in natürl. Größe, a aus en cenomanen Pläner vom Forst- 


haus in Plauen 


. Chrysodomus Buchi Müller, in at, Größe ed on aus en turonen _Pläner von Sch 
. Turbo Buchi Goldfuß (Original zu Elbtal, II, Taf. XXIX, Fis. 8) in und in natürl. Größe, aus 


dem turonen Pläner von Strehlen 


. Natica (Gyrodes) acutimargo Roemer, aus a turonen Pläner von Steehlen in natürl. Größe. Ted 


ist diese Figur durch ein Versehen verkehrt gestellt worden) 


. Trochus amatus d’Orbigny, aus dem turonen Pläner von Strehlen (natürl. Größe) B - 
. Natica (Lunatia) Geinitzi d’Orbigny, aus dem mittleren (turonen) Quader von Großcotta a. a Elbe, 


natürl. Größe. EN Se 

Aporrhais (Lispodesthes) coarctata Enz aus aa turonen Pläner von n Strehlen (der Asa ist Bee 
dem Gegendruck ergänzt) natürl. Größe : 5 i 

Natica (Gyrodes) acutimargo Roemer aus dem Olader von ah (matürl. Größe) . 


Sämtliche Originale befinden sich im k. mineralogischen Museum zu Dresden. 


Seite 17 


18 


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22 


14 


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26 


30 
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RK. Deninger, Gastropoden der sächsischen Kreide. 


Wien, 


Lichtdruck v. Max Jaffe, 


C, Sauermilch gez. 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVIII 1905. 


-Buchhändler in Wien. 


k. Hof- u, Universitäts 


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k. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller 


TAFEL V (l). 


Ernst Stromer: Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 


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Alle Figuren sind in natürlicher Größe gezeichnet; bei Fig. 3, 4, 6, 7 und Io sind wegen Platzmangels mehr oder 


Fig. 


Fig. 
Fig. 
Fig. 
Fig. 


>- 


Fig. 


[ou 8 , EEE SS OS 5) 


AH 
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weniger große Teile der Originale weggelassen. Stets ist der abgekaute Teil nach oben gerichtet. 


I. Myliobatis Pentoni Smith Woodward, anormale obere Kauplatte aus dem unteren Mokattam bei Abbasije 


(St.), Fig. Ia Querschnitt. 


. Myliobatis latidens Smith Woodward, untere Kauplatte aus Mergeln der Kerun-Stufe (M.), Fig. 2« Querschnitt. 
. Myliobatis Edwardsi Dixon, untere Kauplatte aus dem unteren Mokattam bei Abbasije (St.). 

. Myliobatis elatus Stromer, halbe untere Kauplatte aus dem untersten Mokattam (St), Fig. 4@ Querschnitt. 

. Myliobatis mokattamensis Stromer, untere Kauplatte aus dem untersten Mokattam (St.), Fig. 54 Querschnitt. 
. Myliobatis Dixoni Ag., halbierte untere Kauplatte aus dem Sandstein der Kerur-Stufe (St.), Fig. 6@ Querschnitt 


des ganzen Stückes. 


. Myliobatis Fraasi Stromer, untere Kauplatte aus der Kerun-Stufe (St.), Fig. 7@ Ouerschnitt. 

. Aötobatis spec. nov. indet., untere Kauplatte aus dem Sande der Fluviomarin-Stufe (St.). 

. Myliobatis Edwardsi Dixon, untere Kauplatte aus dem untersten Mokattam (St.). 

. Myliobatis striatus Ag., obere Kauplatte aus der Kerun-Stufe (M.), Fig. IOa Querschnitt. 

. Myliobatis latidens Smith Woodward, untere Kauplatte aus dem untersten Mokattam (St.) 

. Myliobatis latidens Smith Woodward, obere Kauplatte aus dem untersten Mokattam (St.), Fig. 124 Querprofil. 


Stromer, Eocäne Fische Aegyptens I. Tafel V N. 


A. Birkmaier gez, Kunstanstalt Max Jaffe, Wien 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVIII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller, k. u. k. Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 


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TAFEL VI (IM). 


Ernst Stromer: Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 


TAFEL VI (Il). 


I. Pristis fajumensis Stromer, Rostrum von oben, "/, nat. Gröfe, aus der Knochenschicht der Kasr es Sagha- 
Stufe (M.). 

2. Pristis cfr. fajumensis Stromer, Rostralstachel von unten, Fig. 24 dessen Basis, nat. Größe, aus der unteren 
Kasr es Sagha-Stufe (M.). 

3, 3a. Idem, nat. Größe, aus weißlichen Mergeln der Birket el Kerun-Stufe (St.). 

4. Pristis sp., Rostralstachel von unten, Fig. 4a dessen Basis, Fig. 4b von hinten, nat. Größe, aus der Birket el 
Kerun-Stufe (St.). 

5. Pristis ingens Stromer, Wirbelkörper von vorn (2), !/), nat. Größe, aus der Knochenschicht der Kasr es Sagha- 
Stufe (Fr.). 

6. Idem, Rostralstachel desselben Exemplars von unten, Fig. 6a sein oberer, Fig. 6b sein unterer Querschnitt, 
!/, nat. Größe. 

7. Pristis cfr. ingens Stromer, zweitgrößter Rostralstachel von oben, Fig. 7a sein oberer Querschnitt, !/, nat. Gr., 
aus dem gelben Sandstein der Birket el Kerun-Stufe (St.). 

$. Idem, Rostralstachel von hinten, Fig 8a sein oberer Querschnitt, ?/, nat. Gr., aus der Kasr es Sagha-Stufe (St.). 

9. Idem, var. prosulcatus Stromer, Rostralstachel, obere Hälfte von unten, Fig. 9a sein oberer Querschnitt, /, 
nat. Größe, aus dem untersten Mokattam bei Kairo (St.). 

10. Pristis cfr. Lathami Galeotti, Rostralstachel von oben, Fig. IOa@ sein oberer Querschnitt, ebendaher (St.). 


g. II—I4. Amblypristis cheops Dames, Rostralstacheln, Fig. 13a Basis des größten, nat. Größe, aus verschiedenen 


Schichten der Birket el Kerun-Stufe (M. u. St.). 


. 15. Pristis subg. Eopristis Reinachi Stromer, Rostrum von oben, !/, nat. Größe, Fig. 15@ sein vorderer Querschnitt 


ergänzt, nat. Gröfse, aus dem gelben Sandstein der Birket el Kerun-Stufe (St.). 

16. Pristiophorus cfr. nudipennis Günther, Querschnitt durch das Rostrum vor den Tentakeln, nat. Größe, rezent 
bei Victoria in Australien (St.). 

17. Propristis Schweinfurthi Dames, Rostrum von oben ?, !/, nat. Größe, Fig. 17a mittlerer Querschnitt, nat. Größe, 
Fig. 17b sein Chagrin sechsfach vergr., aus der Zeuglodon-Schicht der Birket el Kerun-Stufe (St.). 


Stromer, Eocäne Fische Aegyptens I. Tafel VI (M). 


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A. Birkmaier gez. Kunstanstalt Max Jaffe, Wien 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVIII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller, k. u. k. Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 


TAFEL VII (). 


Dr. M. Remes: Nachträge zur Fauna von Stramberg. 


TAFEL VII (l). 


Fig. Ia—b Cyrtocerinus digitatus n. sp. 
a) Ansicht von vorn, 
b) > » der Seite. 


Is 20= Thiolliericrinus Heberti de Loriol. 


» 3a—c 
a) Ansicht von oben, 
b) » » der Seite, 
c) » » unten. 
Fig. 4a—b 
8 Thiolliericrinus flexuosus Etallon (Goldfuß). 
» 6a—d i 
a) Ansicht von oben, 
b) c) Ansicht von der Seite, 
d) Ansicht von unten, 
5) Isolierter erster Radialring von unten. 
Bir: a Thiollierierinus, Axillaria. 
»  Sa—c 
Fig. 9a—b 
I0a—c 
ITa—b RP ee 
12a_p [ [Mollierierinus, Stielglieder. 
13a—c 
I4a—b 
Fig. 15, I6a,b Apiocrinus sp., Stielglieder. 
Fig. 17a —b 
i SH } Pseudosaccocoma strambergense n. Sp. 
» 23a—b ) 
17a Ansicht von unten, 
17b » » oben, 
ı8 Obere Fläche, 
22a, 23a Ansicht von oben, 
22b, 23b » » der Seite. 
Biss Randplatten eines Seesternes. 
» 200 —c 


Fig. 2Ia—c Cidaris moravica n. sp., Stachel. 
a) Ansicht von der Seite, 
b) » » oben, 
c) » » unten. 


Von den abgebildeten Stücken befinden sich Fig. 5, 6, II, I2, I3 in der Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt 
in Wien, alle anderen in der Privatsammlung des Verfassers, 


M. Remes, Crinoiden und Asteroiden von Stramberg. (l). Taf. VI. 


Lichtdruck v. Max Jafle, Wien. 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller k. u. k. Hof- u, Universitäts-Buchhändler in Wien. 


TAFEL VIII (). 


Lothar Krumbeck: Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 


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iK[e7, (0% 


2a, b, 
3a, b, 
4a, b, 
5a, b. 


c, 


c, 


c, 


d. 


TAFEL VII (D). 


Rhynchonella Drusorum n. sp. Größtes Exemplar. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. 
Zumoffen. S. 75. 

Mittelgroßes Exemplar. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoffen. 

Kleines Exemplar. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoften. 


. Rhynchonella n. sp. Besterhaltenes Stück. Natürl. Größe. Salimatal. Samml. Zumoffen. S. 76. 


Kleineres Exemplar. Natürl. Größe. Salimatal. Samml.: Blanckenhorn. 


. Terebratula asiatica n. sp. Großes Individuum. Natürl. Größe. Salimatal oder Kelbtal. Samml. Zumoffen. 


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. Terebratula Bauhini Et. Größtes typisches Exemplar. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal Samml. 


Zumoffen. S. 78. 


. Mittelgroßes Stück. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoffen. 
. Terebratula beirutiana n. sp. Größtes Individuum. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. 


Zumoffen. S. 79. 


. Terebratula bisuffarcinata Schl. Einziges Exemplar. Natürl. Größe. Schweir im Kelbtal. Samml. 


Zumoffen. S. 80. | 


. Terebratula curtirostris n. sp. Größtes Stück. Breitgerundeter Typ. Natürl. Größe. Schweir im Kelb- 


tal. Samml. Zumoffen. — Hierher gehört ferner Fig. Ia, b, c, auf Taf. II. S. 81. 


. Terebratula longisinuata n. sp. Größtes Exemplar. Uniplikater Typ. Natürl. Größe. Salimatal oder 


Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 82. 


. Kleines, prächtig erhaltenes Individuum. Biplikater Typ. Natürl. Größe. Salimatal oder Kelbtal. Samml. 


Zumoften. 
Terebratula phoeniciana n. sp. Mittelgroßes Stück. Natürl. Größe. Salimatal oder Kelbtal. Samml. 
Zumoffen. — Hieher gehört auch Fig. 2a, b, c, auf Taf. II. S. 83. 


L. Krumbeck, Brachiopoden u. Mollusken des Glandarienkalkes. (Taf. ]). es, WAKE 


Lichtdruck v. Max Jafle, Wien. 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVIII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller, k. u, k, Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 


TAFEL IX (Il). 


Lothar Krumbeck: Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 


B' 


8. 


Fig. 


8: 


BD 


jan 

[057 

= 
Sp 


Cd. 


TAFEL IX (Il). 


Terebratula curtivostris n. sp. Mittelgroßes Stück. Schmalerer Typ. Natürl. Größe. Ain Hamäda. Salima- 
tal. Samml. Zumoffen. — Gehört zu Fig. ıı, Taf. I. S. Sı. 

Terebratula phoeniciana n. sp. Mittelgroßes Exemplar. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. 
Zumoffen. — Siehe Fig. 14, Taf. I. S. 33. 

Terebratula sannina n. sp. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoffen. S. 83. 

Anderes Stück. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoffen. 

Anderes Exemplar. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoffen. 

Terebratula subsella Leym. Niedriger, breiter Typ. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. 
Zumoffen. S. 84. 

Hoher, schmalerer Typ. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoffen. 


. Terebratula cfr. Zieteni Lor. Einziges Exemplar. Natürl. Größe. Schweir im Kelbtal. Samml. Blanckenhorn, 


S. 86. 


. Terebratula n. sp. Einziges Stück. Natürl. Größe. Schweir im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 86. 


Terebratula sp. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoffen. S. 57. 


. Eudesia Zitteli n. sp. Einziges Stück. Natürl. Größe. Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 90. 
. Terebratulina substriata Schloth. Mittelgroßes, ziemlich fein geripptes Exemplar mit konkaver Dorsal- 


schale. Natürl. Größe. Salimatal. Samml. Zumoffen. S. 88. 

Sehr fein geripptes Stück mit konvexer Dorsalschale. Natürl. Größe. Salimatal. Samml. Zumoffen. 
Grobgerippter Typ mit stark entwickeltem Wirbel und. kräftigen Ohren. Natürl. Größe. Salimatal. 
Samml. Zumoffen. 

Kingena cubica Qu. Größtes Exemplar. Breiter Typ. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml, 
Zumoffen. S. gr. 

Rleineres Stück. Dicker Typ. Natürl. Größe. Salimatal oder Kelbtal. Samml. Zumoffen. 

Kingena gutta Qu. Breiter, kräftig gewölbter Typ. Natürl. Größe. Schweir im Kelbtal. Samml. 
Blanckenhorn. S. 92. 

Schmaler Typ. Größtes Stück. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoffen. 

Schmaler Typ. Mittelgroßes Individuum. Salimatal oder Kelbtal. Samml. Zumoffen. 

Kingena latifrons n. sp. Mittelgroßes, typisches Exemplar. Natürl. Größe. Salimatal oder Kelbtal. 
Samml. Zumoffen. S. 93. 

Großes Stück. Natürl. Größe. Salimatal oder Kelbtal. Samml. Zumoffen. 


. Kingena orbis Qu. Größtes Exemplar. Natürl. Größe. Schweir im Kelbtal. Samml. Blanckenhorn. S. 94. 


Mittelgroßes Individuum. Natürl. Größe: Schweir im Kelbtal. Samml. Blanckenhorn. 
Kingena triangularis n. sp. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoffen. S. 95. 
Exemplar der gleichen Art. Natürl. Größe. Kelbtal oder Salimatal. Samml. Zumoffen. 


L. Krumbeck, Brachiopoden u. Mollusken des Glandarienkalkes (Taf. IM). Taf. IX. 


Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien. 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVIH 1905. 


Verlag v, Wilhelm Braumüller k. u. k. Hof- u, Universitäts-Buchhändler in Wien, 


TAGE RTUN): 


Lothar Krumbeck; Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 


1a, 


g. 24, 


3, 


b. 


biec: 


TAFELX (IM). 


Trichites suprajurensis n. sp. Natürl. Größe. Fig. 1a zeigt die abgebrochenen Wirbel und die stark be- 
schädigten Unterränder der beiden Klappen. Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 06. 

Lima acutirostris n. sp. Fig. 2a und 5 in natürl. Größe. Fig. 2a zeigt die einzige, rechte Klappe. Fig. 2b 
in der Ansicht von oben. Fig. 2c gibt die Schalenskulptur in fünfmaliger Vergrößerung. Bekfeja im 
Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 97. 

Lima sublaeviuscula n. sp. Wohlerhaltenes Stück. Natürl. Größe. Fig. 3a zeigt die linke Klappe von 
außen, Fig. 3b von oben. Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 99. 

Lima Zenobiae n. sp. Natürl. Größe. Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 100. 

Lima libanensis n. sp. Natürl. Größe. Ohren nicht erhalten. Metein im Salimatal. Samml. Zumoffen. S. 99. 


. Lima densistriata n. sp. Fig. 6a und b in natürl. Größe. Fig. 6a zeigt die rechte Klappe mit ihrem etwas 


beschädigten Mantelrand; Fig. 6b von oben mit der verletzten hinteren Wirbelregion. Fig. 6c gibt die 
Schalenskulptur in sechsmaliger Vergrößerung. Salimatal. Samml. Zumoffen. S. 98. | 


. Lima informis n. sp. Fig. 7a und b in natürl. Größe. Fig. 7a zeigt die einzige rechte Klappe mit dem 


beschädigten Wirbel und Vorderrand; Fig. 7b von oben. Fig 7c gibt die Schalenskulptur in fünftacher 
Vergrößerung. Duar im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 100. 

Pecten palmyrensis n. sp. Natürl. Größe. Fig. Sa zeigt die rechte, einzige Klappe mit der teilweise er- 
haltenen Schale; Fig. 85 von oben. Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 102. 

Pecten n. sp. Natürl. Größe. Erhalten ist nur der obere Teil der linken Klappe. Bekfeja im Kelbtal. Samml. 
Zumoffen. S. Io4. 


L. Krumbeck, Brachiopoden u. Mollusken des Glandarienkalkes. (Taf. II). Alenn, 2% 


Lichtdruck v. Max Jafle, Wien. 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller, k. u, k. Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 


TAFEL XI (IV). 


Lothar Krumbeck: Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 


Fig. 


Fig. 


Dan bernd. 


TAFEL XI (IV). 


Pecten Iykosensis n. sp. Fig. Ib natürl. Größe. Fig. Ib und c in dreifacher Vergrößerung. Fig. ıb zeigt 
die rechte Klappe, Fig. Ic die linke, mit ihrem Alternieren von kräftigen, knotenbesetzten und schwä- 
cheren, knotenfreien Rippen. Mär Eljäs im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 103. 

Pecten sp. Fig. 2 natürl. Größe, zeigt die einzige rechte Klappe, deren Wirbelregion fehlt und 
deren Mantelrand nur zum Teil erhalten ist. Fig. 2b, c, d geben die Schalenskulptur in vierfacher Ver- 
größerung;, Fig. 2b aus der Mitte, 2c von der Hinterseite. Bei 2d gewahrt man die Skulptur der Vorder- 
seite sowie den Ansatz des vorderen Ohres. Kelbtal, nahe den »Grotten«. Samml. Zumoffen. S. 104. 
Alectryonia hastellata Schloth. Natürl. Größe. Fig. 3a zeigt den Typ dieser Art von Mär Eljäs im Kelb- 
tal; Fig. 35 ein anderes Stück von Duar im Salimatal. Samml. Zumoffen. 

Mytilus alatus n. sp. Natürl. Größe. Größtes Exemplar mit beschädigten Wirbeln. Kefr Akkab im 
Kelbtal. Samml. Zumoften. S. 108. 

Kleineres Stück der gleichen Art. Wirbel schlecht erhalten. Kefr Akkab. Samml. Zumoffen. 

Miytilus c£r. furcatus Münst. Einziges Stück. Natürl. Größe. Antüra im Salimatal. Samml. Zumoffen. pag. 109. 
Modiola Amphitrite n. sp. Einziges Stück. Steinkern mit etwas abgeschliffenen Außenrändern. Natürl. 
Größe. Kefr Akkab im Kelbtal. Samml.: Zumoffen. S. 110. 

Lithodomus Lorioli n. sp. Fig. 8a und b in natürl. Größe, Sc gibt die Schalenskulptur in sechsfacher 
Vergrößerung. Duar im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 112. 

Lithodomus Zumoffeni n. sp. Natürl. Größe. Fig. 9a zeigt das größte Exemplar mit mangelhaft erhalte- 
nem Hinterrand; Fig. 95 ein kleineres Stück, das die typische Form des Hinterrandes teilweise erkennen 
läßt. Ersteres aus dem Kelbtal nahe den »Grotten«. Letzteres von Mär Eljas im Kelbtal. S. 112. 
Nucula sp. Natürl. Größe. Zwischen Bekfeja und Ain Alak im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 113. 


L. Krumbeck, Brachiopoden u. Mollusken des Glandarienkalkes. (Taf. IV). Dat x, 


Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien. 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVIII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller, k. u, k, Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien, 


TAFEL XII (V). 


Lothar Krumbeck: Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 


5 100) @%, (0% 


13a, b. 


TAFEL XII (V). 


Ostrea kakurensis n. sp. Einziges Exemplar. Natürl. Größe. Zwischen Duar und Käkür im Salimatal, 
Samml. Zumoffen. S. 106. 

Ostrea akkabensis n. sp. Natürl. Größe. Fig. 2a zeigt die linke Klappe von außen; Fig. 25 von innen. 
Kefr Akkab im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 105. 

Modiola sp. Einziger Steinkern. Mar Eljas im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. II1. 
Myophoria sp. Natürl. Größe. Schlecht erhaltener Steinkern. Vor dem Wirbel ist die Lunula angedeutet. 
Zwischen Ain Alak und Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 114. 

Trigonia libanensis n. sp. Fig. 5a zeigt die rechte Klappe in natürl. Größe; Fig. 5b ihre hintere Area 
in zwei- und einhalbfacher Vergrößerung. Duar im Salimatal. Samml. Zumoffen. S. 114. 


. Astarte sp. Fig. 6a in natürl. Größe. Fig. 6b und.c doppelt vergrößert. Zwischen Ain Alak und Bekfeja 


im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 115. 

Pachyerisma Blanckenhorni n. sp. Natürl. Größe. Fig. 7a rechte Klappe mit beschädigtem Vorder- und 
Hinterrand. Fig. 7b Schloß der letzteren. S. 116. 

Cardium corallinum Leym. Natürl. Größe. Fig. Sa rechte Klappe von außen. Vorder-, Unter- und 
Hinterrand etwas beschädigt. Fig. 85 Steinkern von hinten gesehen. Eindruck des hinteren Schließ- 
muskels sowie des hinteren und mittleren Schloßzahnes der rechten Klappe sehr deutlich. Bekfeja im 
Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 119. 

Cardium sp. Steinkern. Natürl. Größe. Zwischen Ain Alak und Bekfeja. Samml. Zumoffen. S. 120, 
Isocardia eljasensis n. sp. Fig. Ioa zeigt die linke Klappe, Fig. I0b ihr Schloß in natürl. Größe. Ein- 
ziges Exemplar mit beschädigtem Mantelrand. Mär Eljas im Keibtal. Samml. Zumoffen. S. 117. 
Isocardia sp. Steinkern mit geringen Schalenresten. Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 118. 
Unicardium subglobosum n. sp. Schalenexemplar mit leicht beschädigtem Hinterrand. Natürl. Größe. 
Zwischen Ain Alak und Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. IIS. 

Ceromya excentrica Ag. Skulptursteinkern von außen und vorn. Auf die Hälfte verkleinert. Feraike 
im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 122. 


L. Krumbeck, Brachiopoden u. Mollusken des Glandarienkalkes (Taf. V). Ian, >SUR 


Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien, 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns. und des Orients Bd. XVIII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller, k. u. k. Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 


TAFEL XII (V]. 


Lothar Krumbeck: Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 


6a, b, c. 


TAFEL XlIIl (VI). 


Ceromya angusticostata n. sp. Natürl. Größe. Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumotfen. S. 121. 
Pholadomya sp. Schlecht erhaltener Skulptursteinkern von oben gesehen. Natürl. Größe. Bekfeja im 
Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 123. 

Anatina sp. Steinkern mit Schalenabdruck und beschädigtem Hinterrand. Natürl. Größe. Duar im Salima- 
tal. Samml. Zumoffen. S. 123. 

Turbo Antonini n. sp. Fig. 4a in natürl. Größe. Fig. 45 in dreifacher Vergrößerung. Mär Eljas im 
Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 124. 

Turbo sp. Steinkern. Natürl. Größe. Kefr Akkab im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 125. 

Delphinula Tethys n. sp. Fig. 6a natürl. Größe; 65 und c in doppelter Vergrößerung. Duar im Salimatal. 
Samml. Zumoffen. S. 125. 

Nerita htoralis n. sp. Fig. 7a natürl. Größe, 7b doppelt vergrößert. Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zu- 


moffen. S. I26. 

Purpuroidea sp. Steinkern. Auf die Hälfte verkleinert. Natürl. Größe. Bekfeja im Kelbtal. Samml. 
Zumoffen. S. 127. 

Natica cfr. amata d’Orb. Steinkern in zwei Ansichten. Natürl. Größe. Feraike im Kelbtal. Samml. 
Zumoffen. S. 127. 

Natica Dido n.sp. Größtes Exemplar, auf drei Viertel der natürl. Größe verkleinert, in zwei Ansichten. 
Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 128. 

Natica Myhtta n. sp. In zwei Ansichten, Natürl. Größe. Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 130. 
Natica n. sp. Äußerer Mundsaum, stark beschädist. Natürl. Größe. Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. 
S. 130, 

Tylostoma sp. Schlecht erhaltener Steinkern. Natürl. Größe. Ain Hamada im Salimatal. Samml. Zumoffen. 


S. 132. 


L. Krumbeck, Brachiopoden u. Mollusken des Glandarienkalkes. (Taf. V]). Taf. XII. 


Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien, 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVIII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller, k. u. k. Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 


TAFEL XIV (VII) 


Lothar Krumbeck: Die Brachiopoden- und Molluskenfauna des Glandarienkalkes. 


TAFEL XIV (VI). 


Natica n. sp. Schalenexemplar. Mundsaum nicht erhalten. Oberste Umgänge abgebrochen. Natürl. Größe. 
Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 131. 


. Nerinea paueiplicata n. sp. Natürl. Größe. Erhalten sind nur die vier bis fünf letzten Umgänge. Fig. 2b 


Längsschnitt durch die dritt- und viertletzte Windung. Bekfeja im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 132. 


b. Nerinea Maroni n. sp. Natürl. Gröfe. Schalenskulptur schlecht erhalten. Fig. 3b Längsschnitt durch die fünf 


letzten Umgänge. Feraike im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 133. 


. Nerinea Sesostris n. sp. Natürl. Größe. Fig. 4a: Erste und letzte Windungen fehlen. 45: Längsschnitt durch 


die mittleren Windungen eines anderen Exemplars. S. 134. 


. Harpagodes cfr. Oceani Brongn. sp. Steinkern in zwei Ansichten. Natürl. Größe. Bekfeja im Kelbtal 


Samml. Zumoffen. S. 135. 


. Nautilus turcicus n. sp. Teilweise beschalter Steinkern in zwei Ansichten. Auf die Hälfte verkleinert. Bekfeja 


im Kelbtal. Samml. Zumoffen. S. 137. 


b. Phylloceras Salima n. sp. In zwei Ansichten. Fig. 7a zeigt die Stelle der Verdrückung sowie die mäßig 


gut erhaltene Suturlinie. Natürl. Größe. Duar im Salimatal. Samml. Zumoffen. S. 137. 


L. Krumbeck, Brachiopoden u. Mollusken des Glandarienkalkes, (Taf. VII). Taf. XIV, 


Lichtdruck v. Max Jaffe, Wien, 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients Bd. XVII 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller, k. u, k. Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien. 


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TAFEL XV (Ill). 


Ernst Stromer: Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 


T. Teil. Selachii, B. Squaloidei. 


Fig. 1 —7 
Fig. 8 —12. 
Fig. 13—14 
Fig. 15—18 
Fig. 19—23 
Fig. 24—25 
Fig. 26—27 
Fig. 28—31 
Fig. 32—33 


TARBERNVZII) 


Alle Figuren sind in natürlicher Größe gezeichnet. 


. Carcharodon aft. angustidens Ag. Zähne von außen, aus dem untersten Mokattam bei Kairo, Fig I oberer 


Frontalzahn (M.), Fig, 2 unterer Seitenzahn (St.), Fig. 3 unterer Seitenzahn (Fr.), Fig. 4 oberer rückge- 
bogener Seitenzahn (St.), Fig. 5 oberer Lückenzahn (St.), Fig. 6 unterer Frontalzahn ıSt.), Fig. 7 oberer 
Seitenzahn (St.). 

Carcharodon aff. turgidus Ag. Zähne von außen, aus der Birket el Kurun-Stufe im Fajum, Fig. 8 oberer 
Seitenzahn (M.), Fig. 9 oberer Frontalzahn (St.), Fig. I0 oberer rückgebogener Seitenzahn (M.), Fig, II 
oberer Seitenzahn (M.), Fig. 12 oberer rückgebogener Seitenzahn (St.). 


. Otodus cfr. Aschersoni nov. spec. Fig. 13 Frontalzahn (M ) von außen, 13a von innen, aus der Birket el 


Kurun-Stufe, Fig. 14 vorderer Seitenzahn (M.) von außen, Or. Ex. Zittels aus dem unteren Mokattam. 


. Oxyrhina spec., rückgebogene Seitenzähne (M.) von innen, aus der Birket el Kurun-Stufe. 
. ? Alopecias nov. spec., Zähne (St.) aus der Birket el Kurun-Stufe, Fig. 19, I9 « größter, langer, vorderer 


Seitenzahn von innen und außen, Fig. 20, 20« Frontalzahn von aufsen und innen, Fig. 21 kleinster Frontal- 
zahn von außen, Fig. 22, 22a schlanker Seitenzahn von innen und außen, Fig. 23 Seitenzahn von außen 


. Lamna cfr. Vincenti Winkler Zähne (St.) von innen, aus dem untersten Mokattam bei Kairo, Fig. 24 


Frontalzahn, Fig. 25 ? oberer Seitenzahn. 


. Odontaspis cfr. cuspidata Ag. Zähne (St.) aus dem untersten Mokattam bei Kairo, Fig. 26, 264 Frontal- 


zahn von außen und innen, Fig. 27 vielleicht dazugehöriger Lückenzahn von außen und innen. 


. Ginglymostoma Blanckenhorni Stromer, Zähne (St.) von außen, aus dem untersten Mokattam bei Kairo, 


Fig. 28 oberer Frontalzahn, Fig. 29—31 Seitenzähne. 


. Scylliide, gen. et spec. indet. Zähne (M.) aus der Birket el Kurun-Stufe, Fig 32 schlanker Seitenzahn von 


außen, Fig. 33, 33a längerer Seitenzahn von innen und außen. 


Stromer, Eocäne Fische Aegyptens. I A. (ID), Tatel XV. 


A. Birkmaier gez. Kunstanstalt Max Jaffe, Wien, 


Beiträge zur Palaeontologie und Geologie Oesterreich-Ungarns und des Orients. Bd. XVIII. 1905. 


Verlag v. Wilhelm Braumüller, k. u, k. Hof- u. Universitäts-Buchhändler in Wien 


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TAFEL XVI (IV). 


Ernst Stromer: Die Fischreste des mittleren und oberen Eocäns von Ägypten. 


I. Teil. Selachii, B. Squaloidei und LI. Teil: Teleostomi, A. Ganoidei. 


4. 
56%) 
. I0—1I5. 
16. 
N) 
20—28 
. 29—30. 
ig. 3I—32. 
- 33—37- 


TAFEL XVI (IV). 


Alle Figuren bis auf Fig. 16—19 sind in natürlicher, diese in doppelter Größe gezeichnet. 


. Hemipristis curvatus Dames Zähne (St.) aus der Birket el Kurun-Stufe, Fig. I. Ta symmetrischer Zahn von 


fraglicher Zugehörigkeit von aufsen und innen, Fig. 2 größter Seitenzahn von außen, Fig. 3 mesial glatter 
Seitenzahn von außen. 
Galeocerdo aegyptiacus nov. spec. Z